DE4322101C2 - Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer - Google Patents
Ionenquelle für Flugzeit-MassenspektrometerInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Ionenquelle nach dem Oberbegriff des
Anspruchs 1. Eine derartige Ionenquelle ist aus "J. Phys. Chem." 88
(1984) 4487-4502 bekannt.
Bei der Flugzeit-Massenanalyse gibt es einen Start-Zeitpunkt, ab wel
chem eine Gruppe von Ionen im Flugzeit-Massenspektrometer gestartet
wird. Am Ende einer Flugstrecke wird die Zeit gemessen, welche das
jeweilige ankommende Ion benötigt hat und hieraus die Masse des be
treffenden Ions ermittelt.
Sollen mittels eines Flugzeit-Massenspektrometers Ionen bzw. zu er
zeugende Ionen aus der Gasphase nachgewiesen werden, so versteht man
unter Abzugsvolumen denjenigen Raumbereich der Ionenquelle, aus wel
chem, beginnend ab dem Start-Zeitpunkt, Ionen auf die Oberfläche des
Detektors des Flugzeit-Massenspektrometers gelangen können. Die Bah
nen, auf welchen sich die Ionen dabei bewegen, sind bestimmt durch die
vorhandenen elektrischen Felder.
Der Start-Zeitpunkt der Flugzeit-Analyse kann z. B. gegeben sein durch
- - den Zeitpunkt, in dem neutrale Teilchen eines im Abzugsvolumen befindlichen zu untersuchenden Gases durch den Puls einer das Ab zugsvolumen durchstrahlenden Laserstrahl- oder Elektronenstrahl quelle ionisiert werden oder durch
- - den Zeitpunkt des Anschaltens der Elektrodenspannungen der Ionen quelle. In diesem Fall handelt es sich meist darum, Ionen zu untersuchen, da Ionen nur dann in das Abzugsvolumen gelangen können, wenn an den Elektroden der Ionenquelle keine Spannungen anliegen.
Als ionenoptische Achse bezeichnet man bei Ionenquellen diejenige
Bahn eines Ions, welches zum Startzeitpunkt von einem geeignet gewähl
ten Punkt nahe der geometrischen Mitte des Abzugsvolumens mit der
Anfangsgeschwindigkeit =0 aus startet. Ist der Aufbau der Ionen
quelle zylindersymmetrisch, so wird als Startpunkt der ionenoptischen
Achse üblicherweise ein Punkt auf der Symmetrieachse der Ionenquelle
ausgewählt.
Sollen in einem Flugzeit-Massenspektrometer Teilchen aus der Gas
phase mit hoher Massenauflösung nachgewiesen werden, so müssen die
Anfangs-Geschwindigkeitskomponenten der Ionen in Beschleunigungsrich
tung klein gehalten werden. Dies läßt sich erreichen, indem der zu unter
suchende Gas- bzw. Ionenstrahl in rechtem Winkel zur Beschleuni
gungsrichtung die Ionenquelle durchquert. In der Veröffentlichung von
Bergmann et al. (Review of Scientific Instruments, Band 60 (4), Seiten
792-793, 1989) ist gezeigt, warum der rechte Winkel nötig ist, und wie
auf diese Weise eine Massenauflösung von 35 000 (m/Δm) FWHM (Full
Width at Half Maximum) erzielt wurde.
Die eingangs vorausgesetzte Ionenquelle, bei welcher der zu unter
suchende Gas- bzw. Ionenstrahl nicht parallel zur Beschleunigungsrichtung
der Ionenquelle verläuft, ist gebräuchlich,
falls die Geschwindigkeitsverteilung der Teilchen in dem zu unter
suchenden Gas- bzw. Ionenstrahl eng ist. Da dann bei allen Ionen
die transversale Geschwindigkeit um einen sehr ähnlichen Betrag
geändert werden soll, benötigt man ein von den transversalen Koordi
naten unabhängiges elektrisches Feld in transversaler Richtung.
Unter einem transversalen elektrischen Feld soll im folgenden ein elek
trisches Feld in transversaler Richtung verstanden werden, dessen Rich
tung und Stärke im Bereich der Ionenbahnen nur geringfügig von den
Koordinaten in transversaler Richtung abhängt. Dieses Feld nennt man
Ablenkfeld, und die Elektroden zu seiner Erzeugung nennt man Ablenk
elektroden.
Den Konstruktionen bisher bekannter Ionenquellen mit Ablenkfeld
liegen folgende Tatsachen zugrunde:
- - Für Ionen, deren Anfangsgeschwindigkeit in Beschleunigungsrichtung Null ist, soll die Endgeschwindigkeit in Beschleunigungsrichtung ausschließlich von der Ortskoordinate in Beschleunigungsrichtung abhängen. Die Endgeschwindigkeit in Beschleunigungsrichtung soll insbesondere unabhängig von den Ortskoordinaten und Anfangsgeschwindigkeiten in transversaler Richtung sein. Ein solches Verhalten läßt sich mit einem homogenen Beschleunigungsfeld erreichen.
- - Nach Durchlaufen eines homogenen Beschleunigungsfeldes sind die Geschwindigkeitskomponenten in transversaler Richtung unverändert geblieben. Die Geschwindigkeitskomponenten in transversaler Richtung sind unabhängig vom Startort der Ionen, und damit auch unabhängig von den Koordinaten ihrer Bahn nach dem Beschleunigungsfeld. Somit ist zur Änderung der Geschwindigkeitskomponenten in transversaler Richtung ein Ablenkfeld erforderlich, dessen Feldstärke in transversaler Richtung unabhängig von den transversalen Koordinaten ist.
Bei der bekannten Lösung, vgl. Fig. 1 (b) von "J. Phys.
Chem." 88 (1984) 4497-4502, sind der Ionenstartort und
das Ablenkfeld getrennt voneinander angeordnet, d. h. das Ablenkfeld ist nach
dem Ionenstart angeordnet. Üblicherweise wird das transversale
elektrische Feld durch einen Parallelplatten-Kondensator erzeugt.
Dadurch ist bei allen diesen Ionenquellen der Massenbereich nach oben
begrenzt, da nämlich die schweren Ionen, bevor sie das Ablenkfeld spüren,
sich zu weit von der ionenoptischen Achse, welche in Beschleunigungsrichtung
der Ionenquelle weist, entfernt haben, und so z. B. an Blenden
verlorengehen.
Bei allen oben genannten Vorteilen, die sich ergeben, wenn die Richtung
des zu untersuchenden Gas- bzw. Ionenstrahls senkrecht auf der
Beschleunigungsrichtung der Ionenquelle steht, so ist doch die eben genannte
Beschränkung des Massenbereichs ein entscheidender Nachteil.
Der Erfindung liegt dementsprechend die Aufgabe zugrunde, eine
Ionenquelle anzugeben, mit welcher ein größerer Massenbereich von Ionen
in das Flugzeit-Massenspektrometer hinein beschleunigt werden kann.
Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des An
spruchs 1 gelöst.
Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung wird das Ablenkfeld dem
Beschleunigungsfeld im Abzugsvolumen direkt überlagert, so daß das Ablenkfeld zu dem
frühest möglichen Zeitpunkt die Geschwindigkeitskomponenten quer zur
Beschleunigungsrichtung kompensieren kann. Auf diese Weise wird die
Auslenkung der Ionenbahnen von der ionenoptischen Achse klein gehalten,
was zur Folge hat, daß Teilchen mit größerer Masse noch durch im
Strahlengang vorhandene Blenden hindurch passieren können.
In vielen Fällen läßt sich das Ablenkfeld dem Beschleunigungsfeld direkt
überlagern, indem die das Ablenkfeld erzeugenden Elektroden in das
beschleunigende Feld integriert werden. Üblicherweise bedeutet dies, daß
die das Ablenkfeld erzeugenden Elektroden zwischen den das beschleu
nigende Feld erzeugenden Elektroden angeordnet werden müssen.
Im folgenden wird nun anhand der in den Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispiele die Erfindung näher beschrieben und erläutert.
Fig. 1a, 1b zeigen eine erste Ausführungsform.
Ionen, die sich zum Start-Zeitpunkt im Abzugsvolumen (11)
befinden, werden durch das zwischen den Beschleunigungselektroden (1, 2)
erzeugte Beschleunigungsfeld auf den gezeichneten Bahnen (12) beschleu
nigt, welche auf dem Detektor des Flugzeit-Massenspektrometers enden.
Die Ablenkelektroden (20) sind in diesem Ausführungs
beispiel als ebene Ablenkplatten ausgeführt. Die Ablenkelektro
den sind, wie in Fig. 1b zu sehen, symmetrisch zu einer gestrichelt mit
(B-B′) angedeuteten Normalebene des zu untersuchenden Gas- bzw.
Ionenstrahls (10) angeordnet. Der zu untersuchende Gas- bzw. Ionen
strahl (10) kreuzt das Beschleunigungsfeld durch Öffnungen (21) in den
beiden Ablenkelektroden (20).
Elektroden (1, 2), welche das beschleunigende elektrische Feld erzeu
gen, können dabei auch zusätzlich die Begrenzung zweier Bereiche ver
schiedenen Gasdruckes bilden. Als Beispiel erfüllt dann die Öffnung (3) in
der Mitte der Elektrode (2) die Funktion einer Gas-Strömungsimpedanz.
Gas-Strömungsimpedanzen sind hier zu verstehen als Öffnungen klei
nen Querschnitts, welche groß genug sind, um die Ionen auf ihren Bahnen
zum Detektor passieren zu lassen, deren Leitwert für Gase jedoch wesent
lich niedriger ist als das Saugvermögen der Pumpe des Bereichs mit dem
niedrigeren Druck. Dieser letztgenannte Bereich liegt für gewöhnlich,
gesehen in Flugrichtung der Ionen, hinter der Gas-Strömungsimpedanz.
Gas-Strömungsimpedanzen haben damit den Vorteil, daß durch sie
bei hoher Teilchendichte im Abzugsvolumen ein möglichst niedriger Restgasdruck
in den übrigen Bereichen des Flugzeit-Massenspektrometers erzielt
werden kann. Dies ist wünschenswert, um Stöße der Ionen mit
Atomen oder Molekülen des Restgases, die den dynamischen Bereich des
Flugzeit-Massenspektrometers herabsetzen können, zu minimieren.
Die kombinierte Verwendung von zwischen den Beschleunigungselektroden
(1, 2) angeordneten Ablenkelektroden und in die Beschleunigungselektroden
(1, 2) integrierten Gas-Strömungsimpedanzen bewirkt damit
nicht nur, daß schwerere Ionen den Detektor erreichen können, sondern
zusätzlich, daß diese durch Stöße auf ihrer Flugbahn weniger stark beeinträchtigt
werden.
Durch die Elektrodenanordnung in dem Ausführungsbeispiel nach
Fig. 1a, 1b entsteht durch die Überlagerung eines beschleunigenden und
eines transversalen Feldes ein resultierendes elektrisches Feld, durch welches
die anfänglich noch vorhandenen transversalen Geschwindigkeitskomponenten
der geladenen Teilchen bereits in der Beschleunigungsphase
weitgehend aufgehoben werden. Auf diese Weise lassen sich mit
dieser Anordnung auch Ionen großer Massen auf Bahnen ins Flugzeit-Massenspektrometer
beschleunigen.
Die Anordnung nach Fig. 1a, 1b hat jedoch den Nachteil, daß
das beschleunigende
elektrische Feld im Bereich des Abzugsvolumens nicht sehr homogen ist.
Hieraus resultieren schwer ausgleichbare Flugzeitfehler. Diese Flugzeitfehler
nehmen generell zu mit dem Abstand einer Ionenbahn zur ionenoptischen
Achse. Hat man sich also auf eine gewisse Grenze festgelegt, unter
halb welcher Flugzeitfehler tolerierbar sind, so reduziert ein inhomogenes
elektrisches Feld im Bereich des Abzugsvolumens den zulässigen
Abstand der Ionenbahn zur ionenoptischen Achse, d. h. den nutzbaren
Bereich im Abzugsvolumen. Dadurch nimmt die Empfindlichkeit des
Flugzeit-Massenspektrometers ab.
Eine zweite Ausführungsform wird in Fig. 2a, 2b gezeigt.
Wie in Fig. 2b zu sehen, sind die Ablenkelektroden (20) (schraffiert)
drehsymmetrisch zur ionenoptischen Achse der Ionenquelle angeordnet.
Auf diese Weise läßt sich ein elektrisches Feld mit gegenüber Fig. 1a, b verbesserten
Eigenschaften erzeugen.
Der zu untersuchende Gas- bzw. Ionenstrahl (10) kreuzt das Beschleunigungsfeld
durch Öffnungen (21) in den beiden Ablenkelektroden, für
einen ionisierenden Elektronen- oder Laserstrahl sind Aussparungen (22)
zwischen den beiden Ablenkelektroden vorgesehen.
Die Gas-Strömungsimpedanz (3) an der Beschleunigungselektrode (2)
ist hier als Rohr ausgebildet, das einen niedrigeren Leitwert für Gase als
eine Lochblende gleichen Querschnitts aufweist. Es kann jedoch wie in
Fig. 1a ein Loch als Gas-Strömungsimpedanz vorgesehen werden.
Zusätzlich zu den optimalen Feldeigenschaften hat die drehsymmetrische
Ausbildung der Ablenkelektroden den weiteren Vorteil, daß die
Ablenkelektroden zunächst als Drehteil hergestellt werden können. In
einem anschließenden Arbeitsgang können sie dann in zwei Teile zerlegt
werden.
Fig. 3a, 3b zeigen beispielhaft, wie zwei Ablenkelektrodenpaare (20, 25)
angeordnet werden können. Dies hat den Vorteil, daß weder für den zu
untersuchenden Gas- bzw. Ionenstrahl (10) noch für einen ionisierenden
Laserstrahl Öffnungen vorgesehen werden müssen. Außerdem läßt sich
das Volumen der Beschleunigungsstrecke so besser abpumpen. Wie in
Fig. 3a, 3b gezeigt, können die beiden Ablenkelektrodenpaare auch unterschiedliche
Radien zur Achse der Ionenquelle haben.
In den Beispielen von Fig. 2a, 2b und Fig. 3a, 3b haben die Ablenkelektroden
im wesentlichen zylindersymmetrische Form, außer daß
sie in der Ebene, welche durch den Schnitt (B-B′) definiert wird, geteilt
sind. Dies bedingt einen kleinen Feldanteil mit Quadrupolsymmetrie, dessen Stärke in
niedrigster Ordnung proportional zum Quadrat des Abstandes zur Symmetrieachse
ist.
Fig. 4a, 4b zeigen, wie die Ablenkelektroden (20) noch zusätzlich entlang
der Ebene, welche durch die Beschleunigungsrichtung und den zu
untersuchenden Gas- bzw. Ionenstrahl (10) definiert wird, symmetrisch
geteilt werden können.
Claims (6)
1. Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer,
- - bei welcher ein zu untersuchender Gas- bzw. Ionenstrahl (10) eine Geschwindigkeitskomponente senkrecht zur Beschleuni gungsrichtung der Ionenquelle aufweist,
- - in der durch bestimmungsgemäße Nutzung ein Raumbereich als Abzugsvolumen (11) definiert ist, in welchem sich zu ana lysierende Ionen zum Start-Zeitpunkt der Massenanalyse be finden, mit
- - Beschleunigungselektroden (1, 2), die ein elektrisches Feld de finieren, welches Ionen in Richtung der ionenoptischen Achse beschleunigt, und
- - Ablenkelektroden (20, 25), welche ein, bezüglich der ionenopti
schen Achse transversales elektrisches Feld erzeugen,
dadurch gekennzeichnet, - - daß es einen geometrisch zusammenhängenden Raumbereich gibt, in welchem sich das beschleunigende und das transversale elektrische Feld überlagern, und
- - daß dieser Raumbereich das Abzugsvolumen (11) enthält.
2. Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer nach Anspruch 1, da
durch gekennzeichnet, daß die Ablenkelektroden (20, 25), sich in
dem beschleunigenden Feld befinden.
3. Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer nach Anspruch 2, da
durch gekennzeichnet, daß die Ablenkelektroden (20, 25), zwischen
den Beschleunigungselektroden (1, 2) angeordnet sind.
4. Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer nach einem der vor
hergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Ab
lenkelektroden (20, 25)
- - eine drehsymmetrische Form um die ionenoptische Achse der Ionenquelle haben, und
- - entlang der Normalebene (B-B′) zu der Richtung des zu un tersuchenden Gas- bzw. Ionenstrahls in zwei zu dieser Ebene symmetrische Hälften geteilt sind.
5. Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer nach Anspruch 4, da
durch gekennzeichnet, daß die Ablenkelektroden (20, 25) zusätz
lich noch entlang der Ebene, welche durch die ionenoptische Achse
und die Richtung des zu untersuchenden Gas- bzw. Ionenstrahls (10)
definiert wird, symmetrisch geteilt sind.
6. Ionenquelle für Flugzeit-Massenspektrometer nach einem der vor
hergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß eine oder
mehrere Elektroden (1, 2) eine Trennwand zwischen
Bereichen unterschiedlicher Drücke im Flugzeit-Massenspektrometer
darstellen, und daß in die betreffenden Elektroden eine Gas-Strö
mungsimpedanz (3) integriert ist.
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