DE35619C - Apparat zur Destillation von Fettsäuren und anderen Produkten mittelst überhitzten Dampfes - Google Patents
Apparat zur Destillation von Fettsäuren und anderen Produkten mittelst überhitzten DampfesInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 23: Fettindustrie.
Patentirt im Deutschen Reiche vom ig. Juli 1885 ah.
Den Gegenstand der nachfolgenden Erfindung bildet ein Apparat, welcher speciell zur Destillation
von Fettsäuren,' d. i. zuvor zersetzter Fette, bestimmt ist, aber auch zur Destillation
aller anderen Producte benutzt werden kann, welche die Anwendung von überhitztem Dampf
verlangen. ,
Der Apparat ist auf beiliegenden Zeichnungen dargestellt; er besteht wesentlich aus einem
Kessel von variabler Form und Gröfse, durch welchen eine Anzahl von Röhren durchgeführt
ist, welche zur Aufnahme von vorher in einem zu dem vorliegenden Zwecke passenden Apparat
überhitzten Dampf dienen. Ferner ist der Kessel mit Domen, welche mit Condensatoren
irgend passender Construction communiciren, versehen, sowie mit Oeffnungen zur Einführung
der zu behandelnden Stoffe, mit Entleerungshähnen und mit den zur Beobachtung
und Führung der Arbeit nöthigen Vorrichtungen.
Den Erfindern ist wohl bekannt, dafs man vor ihnen schon daran gedacht hat, den Dampf
durch eine inmitten der zu verdampfenden Stoffe belegene Schlange circuliren zu lassen,
um ihn vor seinem directen Zulafs zu dem in Behandlung befindlichen Stoff auf die Temperatur
der ihn umgebenden Flüssigkeit zu bringen. Die seitens der Erfinder getroffene
neue Anordnung der zu diesem Zwecke dienenden Röhren bietet den bekannten und in
Anwendung befindlichen Anordnungen (Schlangen) gegenüber den grofsen Vorthdl, dafs der
darin circulirende Dampf auf eine viel höhere Temperatur als die der umgebenden Flüssigkeit
erhitzt wird, so zwar, dafs der zum Abtreiben und Mitreifsen der durch Destillation
zu gewinnenden Stoffe dienende überhitzte Dampf unter allen Umständen im Augenblick
seiner Einwirkung bedeutend heifser ist als die Flüssigkeit selbst, eine für den guten Verlauf
der Destillation unumgängliche Vorbedingung. Diese Temperaturerhöhung wird nach Belieben
durch Anordnungen geregelt, welche bei der Construction des Ofens getroffen werden, und
wird mittelst Thermometers oder Pyrometers überwacht. Die Neuheit des vorliegenden
Destillationsapparates besteht demnach darin, dafs man nach Belieben um 2, 5, 10, 200 und
im Bedarfsfalle noch höher als die zu destillirende Flüssigkeit erhitzten Dampf erhalten kann
und die Destillation immer mittelst Dampfes durchführen mufs, der heifser ist als die zu
behandelnde Flüssigkeit.
Der Apparat ist auf den beiliegenden Zeichnungen in Fig. ι in verticalem . Längsschnitt
und in Fig. 2 in einer Endansicht dargestellt..
Der Kessel A besitzt die Form eines liegenden, an beiden Enden geschlossenen Cylinders,
welcher oben mit zwei Domen B versehen ist, deren jeder mit besonderen Condensatoren
durch kupferne Röhren in Verbindung steht, die am Dom 15 bis 20 cm, beim Eintritt in
die Condensatoren aber'nur noch 5 bis 6 cm weit sind und sich in den Condensatoren
zweckmäfsig an bleierne Schlangen anschliefsen. Die Condensatoren können beliebiger Construction
und kann ebenso die Art ihrer Verbindung mit den Domen eine sonst passende sein, indem nicht die Condensatoren an sich,
sondern nur ihre Combinationen mit dem vorliegenden Apparat beansprucht werden sollen,
welche auf Grund von dessen Neuheit ebenfalls neu sind.
Die den Kessel an beiden Enden abschliefsenden Platten lassen eine Anzahl von
Ueberhitzungsröhren D aus dem Kessel heraustreten, und sind dieselben hier, also aufserhalb
des Kessels, unter einander durch Rohrstücke verbunden. Der überhitzte Dampf wird durch
das Rohr E zugeführt; er strömt durch das Röhrensystem D und tritt in das Rohr E1,
welches sich oberhalb des Hahnes F horizontal umbiegt und in zwei Zweigen E2 in den
Kessel bis an dessen Boden herabgeht, wo es in Verbindung steht mit dem aus vier parallelen,
an der Unterseite perforirten Röhren D1 gebildeten Dampfausströmer und Dampfvertheiler.
Wenig unterhalb des Hahnes F ist am Rohr E1 ein Rohrstutzen mit Hahn G angesetzt,
mittelst dessen der Dampf abgelassen werden kann. Dieser Hahn dient gleichzeitig
als Probirhahn, um zu untersuchen, ob der hier anlangende Dampf noch so stark überhitzt
ist, dafs er nach Oeffnen von F (welcher Hahn beim Prüfen natürlich geschlossen ist)
nach D1 geschickt werden kann. Der Hahn F dient gleichzeitig zur Regulirung der nach D1
abzulassenden Dampfmenge.
Der Apparat wird schliefslich vervollständigt durch das zur Beschickung dienende Mannloch
C, den seitlichen Hahn / zum Anzeigen des Flüssigkeitsstandes im Kessel A und den
Hahn H zum Abziehen der Rückstände. Ein Schwimmer, welcher während der ganzen
Operation als Führer functionirt, zeigt ebenfalls an, ob der Apparat genügend gefüllt ist.
Die Arbeitsweise des Apparates ist die einfachste. Die zu verarbeitenden Stoffe bestehen
speciell aus Fettsäuren, d. i. bereits vorher mit Hülfe von Schwefelsäure oder im Autoklaven
zersetzten Fetten; dieselben werden durch C bis zur Höhe des Hahnes / in den Kessel
eingefüllt.
Die Destillation geschieht dann in folgender Weise: Man erhitzt zunächst den Apparat so
weit, bis sich an den Condensatorröhren Tropfen zeigen; alsdann schliefst man F, öffnet
G und läfst durch E überhitzten Dampf einströmen; derselbe circulirt durch D und entweicht
durch G. Man vermeidet auf diese Weise das Eindringen von Condensationswasser in den Kessel A, was die Destillation
beeinträchtigen würde. Sobald die Temperatur der unter Behandlung befindlichen Kesselbeschickung
so hoch gestiegen ist. dafs in D keine Condensation mehr stattfindet, d. h. der Dampf hinreichend trocken aus D austritt,
öffnet man allmälig den Hahn F, um den trockenen Dampf durch E1 und E2 nach dem
Dampfausströmer Dl treten zu lassen; die
Temperatur ist in diesem Augenblick viel zu hoch, als dafs noch Condensation eintreten
könnte. Nun schliefst man den Hahn G und setzt die Destillation durch die doppelte Wirkung
der Ueberhitzerröhren D und des Dampfausströmers D1 so lange fort, bis das Destillat
gefärbt erscheint, worauf man die Operation einstellt. Während dieser letzten Periode finden
zwei Wirkungen neben einander statt; die erste ist rein' physikalischer Natur und rührt
von der Schlange D her, welche den Kesselinhalt auf höherer Temperatur erhält; die
zweite ist zugleich physikalisch und mechanisch und rührt von dem die Füllung durchströmenden
Dampf her, indem derselbe einerseits, ohne sich zu condensiren, Wärme an jene abgiebt
und andererseits die zur Verdampfung gelangenden Producte nach den Domen hin mit sich
reifst.
Zwei Stunden nach beendeter Destillation können die Rückstände durch H nach einem
hermetisch geschlossenen Reservoir abgelassen werden; will man sie dagegen in einem offenen
Reservoir sammeln, so darf man die Entleerung erst- 5 bis 6 Stunden nach vollendeter Destillation
vornehmen.
Claims (2)
1. durch den Kessel A mit Dampfdomen B
und dem System von Röhren D, welches mit überhitztem Dampf gespeist wird und mit dem am Boden des Kessels befindlichen
Dampfausströmer -D1 in Verbindung steht, sowie mit Hähnen F und G zur
Führung der Operation in beschriebener Weise versehen ist, und wobei der Kessel A
mittelst seiner Dome B mit Condensatoren irgend welcher Art verbunden sein kann;
2. durch die Arbeitsweise, welche darin besteht, dafs man den Apparat mit Fettsäuren,
d. h. vorher durch Schwefelsäure oder im Autoklaven zersetztem Fett füllt, dann nach
dem Erhitzen der Beschickung auf ioo° zuerst überhitzten Dampf durch die Schlange
strömen und in die Atmosphäre entweichen läfst, bis die Beschickung so weit erhitzt
ist, dafs in der Schlange keine Condensation des Dampfes mehr stattfindet und der Dampf hinreichend trocken aus derselben
entweicht, dafs man dann diesen trockenen Dampf in den Vertheiler D1
treten läfst und nun die Destillation unter der vereinten Einwirkung der Schlange und
des Dampfvertheilers bis zur Erschöpfung der Beschickung fortsetzt.
Hierzu ι Blatt -Zeichnungen.
Publications (1)
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