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Verfahren zum Betrieb von Geschützen. Gegenstand der Erfindung bildet
ein Verfahren zum Betrieb von Geschützen, und zwar solchen Schießvorrichtungen,
die mit einer von der Geschützkammer getrennten und mit ihr durch ein Ventil verbundenen
Druckgaskammer versehen sind. Das Verfahren besteht darin, in der Druckgas- oder
Ladekammer durch geeignete.Treibsätze einen bestimmten Gasdruck aufzuspeichern und
diesen, sei es automatisch, sei es von Hand, der Geschützkammer ',beim Abschuß@`
mitzuteilen.. Auf diese Weise kann einerseits der Gasdruck, der auf das Geschoß
wirkt, genau dosiert werden, was eine Erhöhung der Schußpräzision mit sich bringt.
Zweitens wird die Abnutzung der Seele des@Geschützes verringert, weil das Treibgas
entweder nur mit gewöhnlicher oder nur um wenige zoo° erhöhter Temperatur zur Anwendung
kommt. Außerdem werden die Geschützkammer und ihre Verschlüsse erheblich geschont,
da in''diesem Teile keine Reaktionen mit hohen Temperaturen vorgenommen-werden.
Schließlich sind die bei dem Verfahren benutzten Sätze wegen ihrer überaus einfachen
Herstellung sehr viel billiger als die modernen Treibpulver, und bei dem Schießverfahren
fällt jede RauchentWicklung oder Feuererscheinung fort, was z. B. bei Preßluftminenwerfern
von°Wichtigkeit ist. Die Geschütze werden für den vorliegenden Zweck z. B. derart
ausgestaltet, daß mit der Ladekammer vermittels einer Kupferkapillare ein Druckrohr
verbunden ;ist, das die Patronen des Treibsatzes aufnimmt und zur Erzeugung des
Betriebsdruckes und zur Abgabe des Druckes . an die Ladekammer dient. Zur klären
Veranschaulichung der Erfindung wird auf die Zeichnung verwiesen, die eine beispielsweise
Konstruktion eines derartigen Geschützes veranschaulicht.
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In Fig. i ist eine Ausführungsform dargestellt, die sich an die bekannten
Preßluftminenwerfer anlehnt. Das Geschütz selbst hat eine Ladekammer, die mit einem
Manometer versehen ist, und die durch das Geschützrohr selbst mit einem Ventil verbunden
ist. Andererseits schließt sich an die Ladekammer vermittels einer Kupferkapillare
eiü Druckrohr an, das gerade groß genug ist, um die mit dem Treibsatz gefüllte Patrone
aufzunehmen. Wird diese nach Einführung in das Druckrohr und Abschluß des letzieren
entzündet, so brennt der Satz in einer gewissen, verhältnismäßig langen Zeit, die
zweckmäßig zwischen zehn Sekunden und einigen Minuten gewählt wird, ab, der gewünschte
Druck in dec Ladekammer des Geschützes ist dann an dem Manometer erkennbar erzeugt,
und es wird dann automatisch oder durch einen Handgriff das Ventil der Ladekammer
geöffnet und der Schuß abgegeben. Man verfährt meistens zweckmäßigerweise so; daß
man den Patronensatz etwas größer wählt, als zur gewünschten Drucksteigerung notwendig
ist. Man läßt dann den Satz völlig abbrennen und wartet einige Sekunden, bis . der
Druck durch Abkühlung der Treibgase sich auf den gewünschten Wert eingestellt hat.
Es ist wesentlich, daß die Drucksteigerung durch den Treibsatz nicht, wie bei Schießpulver,
in stürmischer Verbi ennung, vielmehr langsam nnrl rranan in iarlam ibTomanti, maßhar
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ln""Fig. 2 ;ist, eine andere. Ausführungsform einer,geeigneten,Geschützanordnungdargestellt.
Hier wird die- Patrone zunächst in einem größeren . Druckreservoir zur Entzündung
gebracht und hieraus erst die Ladekammer gespeist. Zweckmäßig 'schaltet man eine
Anzahl derartiger Druckgefäße parallel und benutzt zur Füllung;- der. Ladekammer-
zunächst mehr oder weniger entleerte. Druckgefäße, um schließlich die letzte Drucksteigerung
aus einem fast vollen Gefäße zu entnehmen. Durch derartige Verwendung mehrerer parallel
geschalteter Druckgefäße ist nicht nur eine bessere Ausnutzung des gewonnenen Preßgases,,
sondern auch ein schnelleres Schießen ermöglicht.
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Die Treibsätze für das Verfahren sind so zusammengesetzt, daß sie
ein unter den Betriebsverhältnissen nicht kondensierbaresDruckgas bei niederer Temperatur.
auf dem Wege längerer, innererVerbrennung ergeben. Brauchbar sind z. B. Gemenge
von Ammonnitrat und Kohle oder Bleinitrat und Kohle. Besonders in ersterem Falle
muß eine sehr dichte Kohle gewählt werden, damit die innere Verbrennung nicht zu
stürmisch erfolgt. Die Kohle wird zweckmäßig in großem Überschuß gewählt, so daß
bei Verwendung von Bleinitrat Reduktion zu schwammförmigem Blei erfolgt und so ein
möglichst hoher Gasdruck resultiert. Ein solcher Überschuß hat ferner den Vorteil,
daß aus einem Volumen Kohlen-. säure zwei .Volumen Kohlenoxyd und. aus einem Volumen
Wasserdampf drei Volumen Kohlenoxyd und Wasserstoff entstehen. Derartige Kohlenzusätze
zwecks Vergrößerung des Gasvolumens sind bei , mit hoher Reaktionstemperatur verbrennenden
Sprengstoffen an sich bekannt. Zur Zersetzung. des etwaigen Wasserdampfes kann vorteilhaft
an Stelle von Kohle auch eine andere reduzierende Substanz, z. B. Zinkpulver, Verwendung
finden.
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Sätze, die bei gewöhnlichem Druck langsam abbrennen, verpuffen bei
höherem Druck meistens finit außerordentlich großer Geschwindigkeit, da dieses,
wie oben ausgeführt; unbedingt vermieden werden muß, so werden dem Satze zweckmäßig,
wie dieses bei Sprengstoffen zur Flammenlöschung bekannt ist, Substanzen zugefügt,
die den Satz zu einem langsamen Abbrennen zwingen, und die bei erhöhter Temperatur
möglichst unter Wärmeabsorption Gase entwickeln. Derartige Substanzen sind z. B.
Bleikarbonate, Magnesiumkarbonate und ähnliche Stoffe. Auch feste organische Verbindungen,
die vorwiegend aus Kohle und Stickstoff bestehen, sind brauchbar und in hohem Maße
geeignet, unter Verbilligung des Treibsatzes seinen Nutzeffekt zu steigern. Es liegt
im Wesen des beschriebenen Verfahrens, daß im Gegensatz. zu den gewöhnlichen Geschützpulvern
die Entwicklung hoher Temperaturen für die Triebkraft ohne Vorteil, für die Stetigkeit
des Abbrennens aber ein Nachteil ist. Zweckmäßig wird die Patrone aus Teilen verschiedener
Zusammensetzung zusammengestellt, und man nimmt am besten zu dem unteren, d: h.'
zuletzt reagierenden Teil der Patrone solche Mischungen, die solche verzögernden
Zusätze enthalten; so hat sich beispielsweise als Mischung für den unteren .Teil
der Patrone ein Satz folgender Zusammensetzung als zweckmäßig erwiesen r5o Teile
Bleinitrat, 50 - Ammonnitrat, 55 - Kohle,! 7o - Bleiweiß. ' Durch Erhöhung , des
Prozentsatzes an Ammonnitrat wird die Verbrennungsgeschwindigkeit gesteigert und
durch"Erhöhung des Bleikarbonates umgekeht verlangsamt, so daß mit Leichtigkeit
jede beliebige Verbrennungsgeschwindigkeit für jeden gewünschten Druck zu erzielen
ist.
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Der Zusatz von Bleikarbonat und ähnlichen Stoffen bietet noch den
Vorteil, daß jede Detonationsgefahr ;-des benutzten Gemisches dadurch ausgeschlossen
wird.. Die benutzten Sätze werden in einfachster Weise durch Mischen der pulverisierten
Bestandteile hergestellt. in ein Rohr aus dünnem Eisenblech eingestampft und behufs
Zündung mit einem Abreißzünder versehen. Da es wünschenswert ist, um ein Verschmutzen
der Druckgefäße und besonders der Ladekammer des Geschützes zu vermeiden, die Staubentwicklung
beim Abbrennen des Satzes herabzumindern, so wird der obere Teil der Patrone zweckmäßig
mit einem feinen Drahtsieb verschlossen oder reit einer Anzahl sehr feiner Löcher
versehen oder sonstwie geeignet als Staubfänger ausgebildet.