DE23448C - Neuerungen in der Verteilung, Theilung und Regulirung elektrischer Kraft - Google Patents
Neuerungen in der Verteilung, Theilung und Regulirung elektrischer KraftInfo
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Description
PATENTAMT
KAISERLICHES
Die vorliegende Erfindung betrifft Neuerungen in der Vertheilung und Theilung der
Elektricität eines Centralpunktes nach einem Vertheilungsnetz. Das hierbei zu lösende
Problem besteht in folgendem:
Die verschiedenen Apparate, Motoren, Lichter oder andere Einrichtungen zur Abgabe von
Elektricität, welche durch denselben Stromkreis oder durch Abzweigungen desselben Stromkreises
gespeist werden, dürfen in keiner Weise durch den Gang oder Stillstand irgend welcher
in denselben Stromkreis eingeschalteten Apparate beeinflufst werden.
Diese Bedingung verlangt eine passende Regulirung der den Strom erzeugenden Centralmaschine
öder Centralmaschinen. Diese Regulirung wird im Allgemeinen dadurch bewirkt,
dafs man auf das magnetische Feld der Maschine mittelst Modifikationen einwirkt, die man
dem das magnetische Feld erregenden. Strom ertheilt.
Es ist alsdann nothwendig, dafs dieser Strom wenigstens theilweise von dem Nutz- bezw.
Hauptstrom getrennt ist. Zu diesem Zwecke entnimmt man ihn entweder von einer Maschine
oder von einer Zweigleitung des Hauptstromes. Um nun den Strom entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen zu modificiren, hat
man bisher Mefsapparate, als Galvanometer, Elektrometer, benutzt, welche in den Hauptstrom
eingeschaltet werden. Bei gewissen Systemen, z. B. dem Edison'schen, regulirt man von Hand, gemäfs den Angaben des Mefsapparates.
Bei anderen Systemen, Maxim, Lane-Fox, Brush, wird der Mefsapparat durch
einen Elektromagnet ersetzt, der automatisch in den. erregenden Strom Widerstände ein- und
ausschaltet.
In den neueren, mehr auf Theorie begründeten und vollkommeneren Systemen der Regulirung
wendet man einen Mefsapparat an, der als elektrisches Relais und mit Hülfe e.ines
Hülfsmotors functionirt, welcher einen den Widerstand des erregenden Stromes modificirenden
Rheostat in Betrieb setzt. Man kann ein gleiches Resultat durch viel einfachere, in fol- ·
gendem zu beschreibende Hülfsmittel erzielen.
I. Zunächst kann der Mefsapparat vollständig fortgelassen werden. Wie auch immer die Art
und Weise der angewendeten Ausnutzung der Elektricität beschaffen sein mag, die zu treibenden
Maschinen und Motoren müssen mit einer constanten Geschwindigkeit laufen, selbst wenn
die zu leistende Arbeit sich ändert; ist demgemäfs die Geschwindigkeit eines der Motoren
constant, so ist es auch diejenige aller übrigen Motoren. Wenn demgemäfs mehrere neben
oder hinter einander geschaltete Motoren M1 eines Stromkreises X, Fig. i, von einer primären
Maschine M gespeist werden, so hat man nur am Centralpunkt eine von demselben
Strom gespeiste, unter denselben Bedingungen in den Stromkreis eingeschaltete Controlmaschine
M^ anzuordnen, welche einen bestimmten
Widerstand, z. B. eine Bremse F, zu überwinden hat. Wird nun der Gang eines
oder mehrerer Motoren M1 modificirt, so entsteht
sofort bei allen anderen Motoren eine Veränderung der Geschwindigkeit. Diese Veränderungen
im Bewegungszustand der Motoren M1 treten auch bei dem Controlmotor M2 auf, und
man benutzt diese Tendenzen in der Verände-
rung der Geschwindigkeit des Motors M^, um
automatisch die zur Erregung der primären Maschine dienende elektromotorische Kraft zu
reguliren.
Zu diesem Zweck ist der Controlmotor M2
mit einem Centrifugalregulator k versehen, der auf ein Wendegetriebe / und einen in den
secundären, von einer beliebigen Elektricitätsquelle einer Batterie oder einer kleinen Hülfsmaschine
η gespeisten Strom χ χ eingeschalteten
Rheostat πι wirkt. Dieser secundäre Strom bewirkt die Erregung der Elektromagnete
der primären Maschine M. Der Rheostat modificirt somit die Erregung und demgemäfs auch
den Arbeitsstrom der Leitung X X.
II. Man kann auch diese Regulirung noch dadurch vereinfachen, dafs man den Rheostaten
ganz fortläfst; zu diesem Zweck schaltet man in den die Magnete der primären Maschine erregenden
Strom oder in einen, vom Hauptstrom abgezweigten, demselben Zweck dienenden Strom eine magnetelektrische Maschine M
ein, welche durch den erregenden Strom χ χ getrieben wird. Diese Maschine wird eine
elektromotorische Gegenkraft erzeugen, welche proportional ihrer Geschwindigkeit ist und -den
erregenden Strom schwächt.
Würde nun dieser Motor ganz frei laufen, so würde eine völlige Aufhebung des erregenden
Stromes eintreten; die Maschine M hat aber den-Widerstand einer Bremse E zu überwinden,
deren Bremsbacke durch eine Feder R angezogen wird, während der Controlelektromagnet E
die Backe abzuziehen bestrebt ist. Dieser Elektromagnet bildet gewissermafsen den Controlapparat;
er wird durch den Hauptstrom erregt, in dessen Leitung er in derselben Weise wie
die mit derselben zusammenhängenden secundären Motoren eingeschaltet ist, was eine
charakteristische Eigenthümlichkeit des vorliegenden Systems ist.
Das Spiel dieses Apparates dürfte leicht verständlich sein. Functionirt 'die Anlage normal,
so wird der in den erregenden Strom eingeschaltete Motor M eine gegebene Geschwindigkeit
annehmen. Tritt eine Schwächung des Hauptstromes ein, so verringert sich auch die anziehende
Kraft des Controlelektromagneten E, die Bremse wird stärker angezogen, die Geschwindigkeit
des Motors M nimmt ab und infolge dessen vermindert sich auch die elektromotorische
Gegenkraft, welche derselbe erzeugt, derart, dafs eine Verstärkung des die Magnete
der primären Maschine erregenden Hülfsstromes eintritt. Wird der Hauptstrom stärker, so entstehen
umgekehrte Wirkungen. Die Ortsveränderungen der Bremsbacke sind hierbei äufserst
klein, so dafs demgemäfs die letztere immer denselben Abstand vom Elektromagnet E beibehält
und die Wirkung des letzteren in der That proportional ist der Intensität des Stromes,
welche ihn erregt, was nicht der Fall sein, würde, wenn der Abstand des Ankers vom
Magnet sich ändert.
III. Man kann endlich auch die Regulirung ohne irgend welche Anwendung eines mechanischen
Organes bewirken.
Gemäfs der für das Vertheilungsnetz adoptirten Anordnung werden die elektrischen Bedingungen
bestimmt, denen' Genüge zu leisten ist, wenn die Apparate stets unter denselben
Verhältnissen arbeiten sollen.
Sind die Apparate neben einander geschaltet, so mufs die Differenz der Potentiale am Eintritt
der Leitung in und am Austritt, derselben aus der primären Maschine constant sein. Sind
die Apparate hinter einander geschaltet, so mufs die Intensität des Hauptstromes constant
sein. Diese Resultate können durch das einfache Spiel der physikalischen Kräfte der primären
Maschine erzielt werden, wenn die letztere in gewisser Weise eingerichtet ist. Es
stützt sich das Resultat auf gewisse Eigenthümlichkeiten der Maschine und gewisse daraus zu
folgernde Lehrsätze, welche Eigenschaften und Lehrsätze die Erfinder entdeckt, theoretisch
nachgewiesen und durch den Versuch bestätigt haben.
Durch diese Untersuchungen ist festgestellt, dafs man bei einer gegebenen Maschine mit
Hülfe einer Reihe von Experimenten eine Curve construiren kaün, welcher die Erfinder die Bezeichnung
»Charakteristik« beigelegt haben, und die zu erkennen gestattet, wie die elektromotorische
Kraft und die Intensität für alle Zustände des Stromkreises und für alle Geschwindigkeit
beschaffen sein mufs. Wie auch immer die adoptirte Anordnung beschaffen sein mag, benutzt
man stets zur Erregung der primären Maschine einen Strom, der unabhängig ist vom
Hauptstrom, nur erfolgt die Erregung nicht allein durch diesen Strom. Die Elektromagnete
der primären Maschine besitzen doppelte Windungen, und es erfolgt die Erregung durch die
vereinte Wirkung zweier diese Windungen durchlaufenden Ströme.
Ein analoges Verfahren ist in einem Patent des Herrn Brush angegeben, das jedoch allein
dazu dient, Stromschwächungen zu vermeiden.
Die Erfinder benutzen dasselbe Hülfsmittel zu einem vollständig verschiedenen Zweck und
unter ganz anderen Bedingungen, wie dies aus folgendem zu ersehen ist.
Erfolgt die Vertheilung der Elektrizität unter
Anwendung neben einander geschalteter Apparate, so war die Bedingung zu erfüllen, dafs
die Differenz der Potentiale am Eintritt des Stromes in und am Austritt aus der Maschine
constant bleiben mufs; zu diesem Zweck wird ein System der Windungen der Elektromagnete der
primären Maschine von einem constanten Strom durchlaufen, . der von einer äufseren Maschine
geliefert werden kann, während das andere System der Windungen von einem Strom gespeist
wird, der vom Hauptstrom abgeleitet ist.
In gleicher Weise wurde nachgewiesen, dafs bei dieser Combination für eine gewisse bestimmte
- Geschwindigkeit der Maschine der äufsere Strom constant ist. Die äufseren Ströme,
welche das eine System der Windungen des Elektromagneten der primären Maschine durchlaufen,
können, wie bereits erwähnt, von speciellen Maschinen geliefert werden, sie können
aber auch in gleicher Weise von dem Hauptstrom abgeleitet werden.
Als Beispiel für die unter III. angegebene Regulirungsmethode mag folgendes angeführt
werden:
Vorausgesetzt, man habe es mit einer dynamoelektrischen Maschine zu thun, deren Inductoren
dem beschriebenen Verfahren gemäfs mit zwei neben einander liegenden Drähten umwunden
sind. Durch die eine Leitung fliefst ein. von einer besonderen Maschine gelieferter
constanter Strom, der natürlich in der Hauptmaschine ein magnetisches Feld erzeugt. Diese
Maschinen mögen mit einer Umdrehungszahl von iooo pro Minute beispielsweise getrieben
werden. Die constante, durch diese Induction bedingte Potentialdifferenz vor Eintritt und
Austritt des Stromes mag 50 Volts betragen, wenn der äufsere Strom offen ist. Giebt man
nun dieser Maschine eine äufsere Leitung, in welcher die zweite Inductionsleitung mit enthalten
ist, so wird die Potentialdifferenz dieselbe bleiben, wie grofs auch der Widerstand
dieses äufseren Stromes sein mag, wenn die Geschwindigkeit von 1000 Touren passend gewählt
ist. Auf diese Weise erzielt man eine Vertheilung bei Nebeneinanderschaltung der zu
treibenden Elektromotoren etc.
Claims (3)
1. Die Regulirung der von einem und demselben Verteilungsnetz gespeisten Apparate
mittelst eines Controlapparates, der unter denselben Bedingungen wie die Motoren
eingeschaltet ist und z. B. durch einen kleinen Controlmotor, der in der Nähe der
primären Maschine aufgestellt ist, und mittelst eines Centrifugalregulators und , eines
Rheostaten den Strom beeinflufst, welcher die Erregung der primären Maschine.bewirkt.
2. 'Die Regulirung der in ein Netz eingeschalteten Apparate mittelst einer kleinen magnetelektrischen
Maschine, welche in die Leitung des die primäre Maschine erregenden Stromes eingeschaltet und durch diese in
Betrieb gesetzt ist, welcher Motor auf eine Bremse wirkt, welche durch einen vom
Hauptstrom erregten Controlmagnet regulirt wird, derartig, dafs die genannte magnetelektrische
Maschine durch die Veränderungen ihrer elektromotorischen Gegenkraft auf den die Elektromagnete der primären Maschine
erregenden Strom einwirkt.
3. Die Anordnung von zwei neben einander liegenden Leitungen auf dem Inductor
dynamoelektrischer Maschinen, welche Leitungen von getrennten, besonderen Strömen
durchflossen werden, von denen der eine constant, der andere variabel ist, und von
denen der constante Strom durch eine Batterie oder eine kleine elektrische Maschine
geliefert wird, während der variable Strom von der äufseren Stromleitung selbst abhängig ist.
Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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