DE226793C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- Ja 226793 KLASSE 12«. GRUPPE
HUGO PETERSEN in WILMERSDORF-BERLIN.
Durch den Gegenstand der vorliegenden Erfindung sollen die Übelstände beim Bleikammerprozeß
vermieden werden, welche sich in vielen Fällen der Absorption der restlichen Anteile der
Gase von Stickstoffoxyden im letzten Turm des Gay-Lussac-Absorptionsapparates entgegenstellen.
Es hat sich in der Praxis gezeigt, daß bei Gegenwart von Eisen die Absorptionswirkung
des Gay-Lussac-Apparates, besonders für
ίο die im letzten Turm in Frage kommenden geringen
Stickstoffoxydmengen so wesentlich verringert wird, daß beim Beginn der Berieselung
mit dem letzten Turm dieser trotz vorzüglichen Füllmaterials und vorsichtigster Arbeit noch beträchtliche
Mengen von Stickstoffoxyden entläßt, wenn die verwendete Säure ferrosulfathaltig
ist. Es wurde ferner beobachtet, daß beim Einsetzen von neuem Koks in Gay-Lussac-Türme
beim Auflösen des in den Koks enthaltenen Eisens in der Schwefelsäure ganz erhebliche
Verluste an salpetriger Säure auftreten, und daß reichlich gelbe Dämpfe entweichen
und der Salpeterverbrauch stetig ganz außerordentlich zunimmt, so daß er auf die drei- bis
vierfache Menge steigt, trotzdem die Säure des letzten Gay-Lussac-Turmes kaum nennenswerte
Mengen von salpetriger Säure absorbiert hatte. Es hat sich nun gezeigt, daß man normale Verhältnisse
dadurch wieder herbeiführen und die Absorption der restlichen Mengen Von Dämpfen
von Stickstoffoxyden dadurch bewirken kann, daß man dafür sorgt, daß diese vor ihrem Austritt
aus dem System nur mit ferrosulfatfreier Säure bzw. mit solcher Säure zusammenkommen,
in welcher das Ferrosulfat bereits zu Ferrisulfat oxydiert ist. Es ergibt sich aus der beobachteten
Erscheinung, daß die Gegenwart von Eisenoxydulsulfat der Aufnahme von Stickstoffoxyden
durch die Schwefelsäure entgegenwirkt und eine vollständige Absorption erst zuläßt,
wenn kein Oxydul mehr vorhanden ist. Es ist möglich, daß dies auf der bekannten Eigenschaft des Eisenoxydulsulfats beruht,
stickstoffoxydhaltiger Schwefelsäure gewissermaßen Stickstoffoxyd zu entziehen, das aufgenommene
Stickstoffoxyd, wie z. B. bei der Einwirkung auf Nitrose beobachtet wird, dann
aber auch sehr leicht entweichen zu lassen. Diese Gasmengen können sich dann in der verhältnismäßig
kurzen Zeit des Durchgangs durch den letzten Turm nicht wieder zu salpetriger Säure oxydieren, so daß sie der Absorption durch
die Schwefelsäure entgehen und austreten, was zu Salpeterverlusten führt. Eine weitere Ursache
zu Verlusten bietet wohl auch das Verhalten der Verbindung des Eisensulfats mit dem
Stickstoffoxyd im Gloverturm, da die entstandene
Verbindung doch sich nur verhältnismäßig schwer in der Wärme zersetzt und dabei nicht
alles Stickstoffoxyd wieder in Freiheit setzt, wobei ein Teil sogar bis zum Stickstoffoxydul
reduziert wird. Dieser Körper gilt aber all-
gemein als nicht wieder oxydationsfähig im Kammerprozeß und stellt daher eine weitere
Verlustquelle dar. Angesichts der ganz außerordentlich großen Absorptionsfähigkeit des
Eisenoxydulsulfats für Stickstoffoxyd ist es erklärlich, daß gerade im letzten Turm die
Gegenwart dieses Salzes besondere Schwierigkeiten verursacht.
Um die volle Absorptionswirkung der Schwefeisäure zu erreichen, ist es daher erforderlich,
was auch die Beobachtung bestätigt hat, besonders da, wo es sich um die Absorption kleiner
Mengen von Stickstoffoxyden handelt, das vorhandene Eisenoxydulsulfat vollständig in Oxyd
überzuführen, und dies geschieht nach vorliegender Erfindung dadurch, daß man die Absorptionssäure,
bevor sie zum Zurückhalten der letzten Anteile von Stickstoffoxyden verwendet wird, mit oxydierend wirkenden Stickstoffoxyden
oder solche enthaltenden Säuren zusammenbringt. Nach der so geschehenen Umwandlung
in Oxyd zeigt sich die eisensulfathaltige Säure frei von den oben erwähnten Ubelständen.
Man kann die Behandlung der Absorptionssäure mit oxydierenden Stickstoffoxyden nun
in verschiedener Weise bewirken. Man kann beispielsweise derart vorgehen, daß man die
Berieselung des Gay-Lussac-Apparates nicht vom Ende her, sondern in der Weise beginnt,
daß man beispielsweise beim Vorhandensein von drei Türmen die Säure auf den vorletzten
Turm aufgibt. Von diesem geht dann die Säure in diesem Ausführungsbeispiel auf den letzten
Turm, wo, da das Eisenoxydul inzwischen oxydiert worden ist, eine völlige Absorption
erfolgen kann. Die hier ablaufende Säure, welche von Eisenoxydul frei ist, kann man dann
beispielsweise auf den ersten, auf die Kammer folgenden Turm aufgeben, wo sie kräftig absorbierend
wirken kann. Sie. kommt dann als eisenoxydulfreie Nitrose auf den Gloverturm.
Man kann selbstverständlich, wenn mehr als drei .Gay-Lussac-Türme angewandt werden,
das Aufgeben der Absorptionssäure auch auf einen anderen, in der Reihe vorangehenden
Turm bewirken, wobei immer die vom letzten Turm ablaufende Säure auf den ersten Gay-Lussac-Turm
gelangt.
Man kann auch derart verfahren, daß man, um die Säure gleich bei ihrem Eintritt in den
Turm zu oxydieren, Säure und Gase zwecks Zurückhaltens der restlichen Anteile von Stickstoffoxyden
im Gleichstrom aufgibt, ähnlich wie man es für Schwefelsäurebildungsräume vorgeschlagen
hat. Die Reagentien bleiben dann von Anfang an in Berührung miteinander, und die Wirkung der Stickstoffoxyde auf die Säure
erfolgt unter beträchtlichem Luftzutritt, so
■60 daß demgemäß die Gase gleich oben bei ihrem Eintritt in den Gay-Lussac-Turm oxydierend
auf die Säure wirken und diese auf dem weiteren Wege nach unten die gewünschte Absorption
der restlichen Stickstoffverbindungen ausüben kann. Bei dieser Art der Ausführung tritt die
frische Gloversäure von Anfang an in Berührung mit den in den Endgasen enthaltenen
letzten Anteilen von Stickstoffverbindungen in Gegenwart von Luft, so daß das Eisenoxydul
der Säure von der salpetrigen Säure der Gase oxydiert wird, die dann selbst wieder, obschon
sie zum Teil bei diesem Oxydationsvorgang zu Stickstoffoxyd reduziert worden ist, bei Gegenwart
von Luft in bekannter Weise von der Schwefelsäure dieses Turmes vollständig absorbiert
werden kann. Beim Beginn der Berieselung mit in der Reihe vorhergehenden Gay-Lussac-Türmen
werden durch diese Art der Ausführung der Berieselung bzw. des Durchleitens der Gase auch etwa der Umwandlung
entgangene, noch verbleibende restliche Anteile von Eisenoxydul mit Sicherheit unschädlich
gemacht.
In einer anderen Ausführungsform kann man die Oxydation des in der aufgegebenen Gloversäure
enthaltenen Eisenoxyduls auch dadurch bewirken, daß man einen kleineren Teil der
aus dem vorderen Gay-Lussac-Turm abfließenden Nitrose mit dieser noch unoxydiertes Eisenoxydul
enthaltenden Gloversäure zusammenbringt und diese dann erst weiter verwendet.
Die Überführung des Eisenoxyduls in Oxyd kann man beispielsweise in einem oder mehreren
kleinen Türmen vornehmen und diese in beliebiger Anordnung zwischen letzter Kammer und
vor dem letzten Gay-Lussac-Turm einschalten. Es ist nicht nötig, besonders große Räume für
diese Umwandlung anzuwenden, so daß bei kleinen Anlagen der Gay-Lussac-Raum nicht
besonders vergrößert zu werden braucht.
Claims (4)
1. Verfahren zur Erhöhung der Absorptionswirkung des Gay-Lussac-Apparates bei
der Herstellung von Schwefelsäure nach der Kammermethode, dadurch gekennzeichnet,
daß die Gase vor ihrem Austritt aus dem Absorptionssystem nur mit einer Absorptionssäure zusammenkommen, die zuvor zwecks
Oxydation vorhandenen Metalloxydulsalzes mit Stickstoffoxyde enthaltenden Gasen oder
Flüssigkeiten behandelt worden ist.
2. Eine Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß bei Benutzung von mindestens drei Gay-Lussac-Türmen die Berieselungssäure von den dem letzten vorangehenden Türmen
auf den letzten Turm und von diesem auf den unmittelbar auf die Kammer folgenden
Turm gelangt.
3· Eine Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet,
daß man in der bei Schwefelsäurebildungsräumen bekannten Weise Gase und Säure im letzten Gay-Lussac-Turm im Gleichstrom
fließen läßt.
4. Eine Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die genannte Oxydation dadurch herbeigeführt wird, daß man zu der frischen Gloversäure
einen Teil der aus dem vorderen Gay-Lussac-Turm abfließenden Nitrose zusetzt.
Publications (1)
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