DE19904444A1 - Dendrimere und hochverzweigte Polyurethane - Google Patents
Dendrimere und hochverzweigte PolyurethaneInfo
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Abstract
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von dendrimeren oder hochverzweigten Polyurethanen durch Umsetzung von Diisocyanaten und/oder Polyisocyanaten mit Verbindungen mit mindestens zwei mit Isocyanaten reaktiven Gruppen, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens einer der Reaktionspartner funktionelle Gruppen mit gegenüber dem anderen Reaktionspartner unterschiedlicher Reaktivität aufweist und die Reaktionsbedingungen so gewählt werden, daß bei jedem Reaktionsschritt jeweils nur bestimmte reaktive Gruppen miteinander reagieren.
Description
Die Erfindung betrifft dendrimere und hochverzweigte Polyure
thane, ein Verfahren zu ihrer Herstellung sowie ihre Verwendung.
Dendrimere, Arborole, Starburst Polymers und Hyperbranched
Polymers sind Bezeichnungen für polymere Strukturen, die sich
durch eine verzweigte Struktur und eine hohe Funktionalität aus
zeichnen. Diese Strukturen sind für viele Klassen von polymeren
Verbindungen, beispielsweise für Polyamine, Polyamide, Polyether,
Polyester, Polyphenylene oder Polysiloxane in verschiedenen
Varianten beschrieben. Eine umfassende Übersicht über dieses
Gebiet wird beispielsweise in E. Malmström und A. Hult, J. M. S.-Rev.
Macromol. Chem. Phys., 1997, C 37(3), 555-579 und in Dendri
tic Molecules, R. Newkome, C. N. Moorefield und F. Vögtle, Verlag
Chemie, Weinheim 1996, gegeben.
Dendrimere und hochverzweigte Polyurethane besitzen in der
Literatur derzeit nur eine geringe Bedeutung. Die Herstellung
derartiger Verbindungen wird beispielsweise beschrieben in R.
Spindler und J. M. J. Frechet, Macromolecules 1992, 4809-4813.
In dem dort beschriebenen Verfahren werden hochverzweigte Poly
urethane hergestellt durch intermolekulare Polyadditionsreaktion
von Monomeren der allgemeinen Formel (I)
Dieses Monomer, das als mit Phenol verkappter 3,5-Diisocyanato
benzylalkohol anzusehen ist, wird in einer vierstufigen Reaktion
aus 3,5-Dinitrobenzylalkohol mittels verschiedener Schutzgruppen
techniken hergestellt. Bei Erwärmung spaltet sich Phenol ab und
die Polyaddition der. Monomeren (I) miteinander beginnt. Nach-
teilig an diesem Verfahren ist, daß das Monomer (I) nicht kommer
ziell zugänglich und die Herstellung der beschriebenen hochver
zweigten Polyurethane somit sehr kostspielig ist, und daß die
erforderliche Abspaltung von Phenol toxikologische und arbeits
platzhygienische Probleme mit sich bringt.
A. Kumar und S. Ramakrishnan, J. Chem. Soc., Chem. Commun. 1993,
1453, beschreiben die Herstellung von hochverzweigten Polyuretha
nen über eine Eintopf-Synthese. Dabei wird zunächst ein Dihydro
xybenzoylazid erzeugt, das thermisch unter Abspaltung von Stick
stoff intermolekular polymerisiert. Auch das in diesem Verfahren
beschriebene Monomer ist nicht kommerziell zugänglich und die
Phenylurethane sind thermisch instabil, was die mögliche
Verwendung der Produkte einschränkt. Darüber hinaus sind Azide
schwierig herzustellen und zu handhaben.
In R. Spindler und J. M. J. Frechet, J. Chem. Soc., Perkin
Trans. I, 1993, 913, wird eine Synthese von strukturell einheit
lichen Polyurethanen beschrieben, bei der ausgehend von einem
Diisocyanatobenzylchlorid und einem geschützten 3,5-Dihydroxyben
zylalkohol Dendrimer-Äste aufgebaut und an einen mehrfunktio
nellen Alkohol als Kern angekoppelt werden. Auch die hier be
schriebenen Monomere sind nicht kommerziell zugänglich, und die
Herstellung der Dendrimere ist damit kostspielig.
R. T. Taylor und U. Puapaiboon, Tetrahedron Lett. 39(1998)8005,
beschreiben eine Dendrimersynthese über eine Curtius-Reaktion.
Dabei werden zunächst aus aromatischen Phenoldicarbonsäuren über
Behandlung mit Alkohol und Diphenylphosphorylazid unter Anwendung
von Schutzgruppentechniken dendritische Urethan-Äste erzeugt, die
konvergent an ein Triurethan aus Benzoltricarbonsäure angekoppelt
werden. Die Nachteile dieses Verfahrens sind die bereits oben
genannten.
In WO 97/02304 wird ein Verfahren zur Herstellung von dendrimeren
und hochverzweigten Polyurethanen beschrieben, bei dem in der
Polyurethanchemie übliche Verbindungen als Ausgangsprodukte ein
gesetzt werden. Als Isocyanatkomponenten werden beispielsweise
Diphenylmethandiisocyanat (MDI), Toluylendiisocyanat (TDI),
p-Phenylendiisocyanat, Hexamethylendiisocyanat (HDI) oder Iso
phorondiisocyanat (IPDI) eingesetzt. Als Polyolkomponente kommen
beispielsweise Glycerin, Trimethylolpropan (TMP) oder Penta
erythrit zum Einsatz. Zur Herstellung der Dendrimere werden in
einem ersten Reaktionsschritt Monomere erzeugt, die eine NCO-
Gruppe und zwei geschützte OH-Gruppen aufweisen. Nach Anlagerung
dieser Monomere an ein OH- oder NH-Gruppen tragendes Starter
molekül und Entschützung der OH-Gruppen werden Polyurethan-
Polyole erhalten, die durch divergenten (schalenförmigen) Aufbau
zu dendrimeren Strukturen wachsen. Durch Modifikation dieses
Reaktionsschemas lassen sich die Dendrimere auch nach der konver
genten Methode, das heißt Erzeugung der dendrimeren Äste und
anschließende Ankopplung an einen Kern, herstellen. Mittels einer
intermolekularen Reaktion lassen sich aus den genannten Monomeren
auch hochverzweigte Polyurethane herstellen. Der wesentliche
Nachteil dieses Verfahrens ist in der Anwendung der Schutzgrup
pen-Chemie zu sehen. Die Einführung und Abspaltung der Schutz
gruppen macht dieses Verfahren umständlich und kostspielig.
Aufgabe der Erfindung war es, ein einfaches Verfahren zur Her
stellung von dendrimeren und hochverzweigten Polyurethanen zu
entwickeln, das mit leicht zugänglichen Rohstoffen durchgeführt
werden kann und das insbesondere unter Verzicht auf den Einbau
von Schutzgruppen durchgeführt werden kann.
Die Aufgabe konnte überraschenderweise gelöst werden, indem die
Unterschiede in der Reaktivität der Isocyanatgruppen von Di- oder
Polyisocyanaten beziehungsweise der funktionellen Gruppen in den
mit Isocyanaten reaktiven Verbindungen ausgenutzt werden, um
einen selektiven Aufbau der Polymere zu steuern.
Gegenstand der Erfindung ist demzufolge ein Verfahren zur Her
stellung von dendrimeren oder hochverzweigten Polyurethanen durch
Umsetzung von Diisocyanaten und/oder Polyisocyanaten mit
Verbindungen mit mindestens zwei mit Isocyanaten reaktiven Grup
pen, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens einer der Reaktions
partner funktionelle Gruppen mit gegenüber dem anderen Reaktions
partner unterschiedlicher Reaktivität aufweist und die Reaktions
bedingungen so gewählt werden, daß bei jedem Reaktionsschritt
jeweils bestimmte reaktive Gruppen miteinander reagieren.
Gegenstand der Erfindung sind weiterhin die nach diesem Verfahren
hergestellten dendrimeren und hochverzweigten Polyurethane.
Unter dendrimeren Polyurethanen werden im Rahmen dieser Erfindung
Makromoleküle mit Urethangruppen verstanden, die strukturell und
molekular einheitlich sind und, ausgehend von einem Kernmolekül,
verzweigte Molekülketten aufweisen. Im Rahmen dieser Erfindung
fallen auch die verzweigten Molekülketten selbst unter den
Begriff dendrimere Polyurethane.
Unter hochverzweigten Polyurethanen werden im Rahmen dieser
Erfindung unvernetzte Makromoleküle mit Urethangruppen verstan
den, die sowohl strukturell als auch molekular uneinheitlich
sind. Sie können auf der einen Seite ausgehend von einem Zentral
molekül analog zu Dendrimeren, jedoch mit uneinheitlicher Ketten
länge der Äste aufgebaut sein. Sie können auf der anderen Seite
auch linear, mit funktionellen Seitengruppen, aufgebaut sein oder
aber, als Kombination der beiden Extreme, lineare und verzweigte
Molekülteile aufweisen.
Bevorzugte Di- und/oder Polyisocyanate mit NCO-Gruppen unter
schiedlicher Reaktivität sind beispielsweise aromatische Iso
cyanate, wie 2,4-Toluylendiisocyanat (2,4-TDI), 2,4'-Diphenyl
methandiisocyanat (2,4-MDI), Triisocyanatotoluol, oder
aliphatische Isocyanate, wie Isoghorondiisocyanat (IPDI),
2-Butyl-2-ethylpentamethylendiisocyanat, 2-Isocyanatopropylcyclo
hexylisocyanat, 2,4'-Methylenbis(cyclohexyl)diisocyanat und
4-Methyl-cyclohexan-1,3-diisocyanat (H-TDI).
Weiterhin sind Isocyanate bevorzugt, deren NCO-Gruppen zunächst
gleich reaktiv sind, bei denen sich jedoch durch Erstaddition
eines Alkohols oder Amins an einer NCO-Gruppe ein Reaktivitätsab
fall bei der zweiten NCO-Gruppe induzieren läßt. Beispiele dafür
sind Isocyanate, deren NCO-Gruppen über ein elektronisches System
gekoppelt sind, z. B. 1,3- und 1,4-Phenylendiisocyanat,
1,5-Naphthylendiisocyanat, Diphenyldiisocyanat, Tolidindiisocya
nat oder 2,6-Toluylendiisocyanat.
Natürlich können auch Mischungen der genannten Isocyanate
verwendet werden.
Als Verbindungen mit mindestens zwei mit Isocyanaten reaktiven
Gruppen werden vorzugsweise di-, tri- oder tetrafunktionelle
Verbindungen eingesetzt, deren funktionelle Gruppen gegenüber
NCO-Gruppen eine unterschiedliche Reaktivität aufweisen. Bevor
zugt sind Verbindungen mit mindestens einer primären und minde
stens einer sekundären Hydroxylgruppe, mindestens einer Hydroxyl
gruppe und mindestens einer Mercaptogruppe, besonders bevorzugt
mit mindestens einer Hydroxylgruppe und mindestens einer Amino
gruppe im Molekül, insbesondere Aminoalkohole, Aminodiole und
Aminotriole, da die Reaktivität der Aminogruppe gegenüber der Hy
droxylgruppe bei der Umsetzung mit Isocyanat deutlich höher ist.
Beispiele für die genannten Verbindungen mit mindestens zwei mit
Isocyanaten reaktiven Gruppen sind Propylenglykol, Glycerin,
Mercaptoethanol, Ethanolamin, N-Methylethanol-amin, Diethanol
amin, Ethanolpropanolamin, Dipropanolamin, Diisopropanolamin,
2-Amino-1,3-propandiol, 2-Amino-2-methyl-1,3-propandiol oder
Tris(hydroxymethyl)-aminomethan.
Weiterhin sind auch Mischungen der genannten Verbindungen ein
setzbar.
Um bei der Herstellung der dendrimeren Polyurethane genau defi
nierte Strukturen zu erhalten, ist es notwendig, jeweils minde
stens so viele Monomere zuzusetzen, daß jede freie funktionelle
Gruppe des Polymeren abreagieren kann. Zu Beginn der Reaktion
wird zumeist ein mehrfunktionelles Molekül, das als Startmolekül
oder Initiatorkern bezeichnet wird, vorgelegt, an dessen funktio
nelle Gruppen je ein mit dieser funktionellen Gruppe reaktives
Molekül angelagert wird. Danach erfolgt, falls erforderlich, die
Abtrennung der nicht umgesetzten Monomere und eine Reinigung des
Zwischenproduktes. Danach wird an jede freie funktionelle Gruppe
des Zwischenproduktes wiederum je ein mehrfunktionelles Monomer
angelagert, danach, soweit erforderlich, die Abtrennung der über
schüssigen Monomeren und eine Reinigung durchgeführt, und so wei
ter verfahren, bis das gewünschte Molekulargewicht erreicht ist
bzw. aus sterischen Gründen eine Anlagerung von weiteren Monome
ren nicht mehr möglich ist. Die einzelnen Zwischenstufen werden
auch als Generationen bezeichnet, wobei das durch Anlagerung von
Monomeren an das Startmolekül entstandene Zwischenprodukt als
nullte Generation, das nächste Zwischenprodukt als erste Genera
tion, und so fort, bezeichnet wird. Auf Grund der unterschiedli
chen Reaktivität der funktionellen Gruppen der eingesetzten
Monomere ist gewährleistet, daß jeweils die reaktivsten funktio
nellen Gruppe mit den Endgruppen der Dendrimerketten reagieren
und die weniger reaktiven funktionellen Gruppen der Monomere die
funktionellen Endgruppen der nächsten Generation der dendrimeren
Polyurethane bilden.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung erfolgt die
Herstellung der dendrimeren Polyurethane, indem man 1 Mol eines
Diisocyanates mit zwei Mol eines Aminodiols zur nullten Genera
tion des dendrimeren Polyurethans umsetzt. Die Temperatur bei der
Umsetzung sollte dabei möglichst niedrig, vorzugsweise im Bereich
zwischen -10 bis 30°C, liegen. In diesem Temperaturbereich er
folgt eine praktisch vollständige Unterdrückung der Urethanbil
dungsreaktion, und die NCO-Gruppen des Isocyanates reagieren aus
schließlich mit der Aminogruppe des Aminodiols. Im nächsten Reak
tionsschritt reagieren die freien Hydroxylgruppen des addierten
Aminodiols bei erhöhter Temperatur, vorzugsweise im Bereich zwi
schen 30 und 80°C, selektiv mit der reaktiveren NCO-Gruppe des
zugesetzten Isocyanats. Das resultierende dendrimere Polyurethan
der ersten Generation besitzt als funktionelle Endgruppen die
reaktionsträgeren NCO-Gruppen des zugesetzten Isocyanats. Diese
werden wiederum, wie bei der Herstellung der nullten Generation
des dendrimeren Polyurethans, bei niedriger Temperatur mit dem
Aminodiol umgesetzt, und so fort. Die Umsetzung kann in Substanz
oder in Lösungsmitteln ohne oder in Anwesenheit eines Urethanbil
dungskatalysators durchgeführt werden. Zwischen den Reaktionsstu
fen kann, soweit erforderlich, eine Abtrennung überschüssiger
Monomere und/oder ein Reinigungsschritt erfolgen.
Auf diese Weise können dendrimere Polyurethane erzeugt werden,
die bei jeder Generation ihre Funktionalität verdoppeln.
In analoger Weise können auch drei- und höherfunktionelle Iso
cyanate und Verbindungen mit vier oder mehr mit Isocyanaten reak
tiven funktionellen Gruppen umgesetzt werden.
Zur Herstellung der hochverzweigten Polyurethane wird vorzugs
weise zunächst ein Mol eines Diisocyanats mit einem Mol einer
Verbindung mit mindestens zwei mit Isocyanatgruppen reaktiven
Gruppen unterschiedlicher Reaktivität, vorzugsweise eines Amino
diols wie oben beschrieben, zu einer Verbindung umgesetzt, die
sowohl freie Isocyanatgruppen als auch freie mit Isocyanatgruppen
reaktiven Gruppen, vorzugsweise Hydroxylgruppen, enthält. Durch
Erwärmung und/oder Katalysatorzugabe kann dieses Molekül intermo
lekular zu einem hochverzweigten Polyurethan reagieren. Die Reak
tion kann, falls erforderlich, durch Zugabe einer monofunktio
nellen Verbindung oder durch weiteren Zusatz einer der beiden
Reaktionspartner beendet werden. Die Reaktion kann jedoch auch
bis zur vollständigen Abreaktion des Startmoleküls zur Erreichung
sehr hochmolekularen Strukturen geführt werden.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungs
gemäßen Verfahrens kann die Herstellung der hochverzweigten Poly
urethane auch erfolgen, indem man zunächst ein Mol Diisocyanat
mit zwei Mol Dialkanolamin reagieren läßt und zu diesem Reakti
onsprodukt, einer tetrafunktionellen Verbindung mit einheitlicher
Reaktivität, ein Mol Diisocyanat mit unterschiedlich reaktiven
NCO-Gruppen hinzufügt. Bei dieser Umsetzung entsteht ebenfalls
ein hochverzweigtes Polyurethan.
Falls erforderlich, lassen sich die funktionellen Gruppen der
dendrimeren oder der hochverzweigten Polyurethane modifizieren
oder inertisieren. So lassen sich NCO-terminierte Polymere
beispielsweise mit Fettalkoholen, Fettammen oder Acrylatgruppen
enthaltenden Monoalkoholen, wie Hydroxyethylacrylat oder Hydroxy
ethylmethacrylat ganz oder teilweise umsetzen. Hydroxyltermi
nierte Polymere lassen sich beispielsweise durch Umsetzung mit
Monocarbonsäuren, beispielsweise Fettsäuren, oder Monoisocyanaten
inertisieren und/oder durch Acrylsäuren funktionalisieren. Durch
Addition von Alkylenoxiden, wie Ethylenoxid, Propylenoxid und/oder
Butylenoxid lassen sie sich kettenverlängern.
Durch Addition ionischer Verbindungen an die NCO-Gruppen oder an
die mit NCO-Gruppen reaktiven Gruppen lassen sich auch wasserlös
liche dendrimere oder hochverzweigte Strukturen erhalten.
Die Umsetzung kann dabei jeweils ohne Lösungsmittel, vorzugsweise
jedoch in Lösung erfolgen. Als Lösungsmittel sind alle bei Umset
zungstemperatur flüssigen, gegenüber den Monomeren und den End
produkten inerten Verbindungen geeignet.
Der Einsatz der erfindungsgemäßen dendrimeren und hochverzweigten
Polyurethane erfolgt beispielsweise als Vernetzer für Poly
urethansysteme oder als Baustein für andere Polyadditions- oder
Polykondensationspolymere. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind
in ihrem Einsatz als Phasenvermittler, Rheologiehilfsmittel,
Thixotropiermittel, Nukleierungsreagenzien oder als Wirkstoff-
oder Katalysatorträger zu sehen.
Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt es, dendrimere und hoch
verzweigte Polyurethane aus gut zugänglichen Polyurethan-Rohstof
fen auf einfachem Wege, insbesondere unter Verzicht auf die auf
wendige Einführung von Schutzgruppen, herzustellen.
Das erfindungsgemäße Verfahren soll an den folgenden Beispielen
näher erläutert werden.
1 Mol 2,4-TDI wurden in 500 ml getrocknetem Toluol gelöst.
Bei einer Temperatur von 20°C wurden im Laufe einer Stunde
0,33 Mol Hexandiol, gelöst in 50 ml getrocknetem Tetrahydro
furan (THF), zugetropft. Nach Ende der Dosierung ließ man die
Reaktionsmischung eine Stunde nachreagieren. Der entstandene
Feststoff wurde abgesaugt, mit Toluol gewaschen und unter
Vakuum getrocknet. Das Umsetzungsprodukt hatte eine NCO-Funk
tionalität von 2 und wies folgende Parameter auf:
Ausbeute: 80%
Schmelzpunkt: 134°C
NCO-Gehalt: 18,0 Gew.-%
Molmasse: 466,5 g/mol
Ausbeute: 80%
Schmelzpunkt: 134°C
NCO-Gehalt: 18,0 Gew.-%
Molmasse: 466,5 g/mol
0,2 Mol Diethanolamin wurden in 200 ml trockenem THF vorge
legt. Bei 20°C wurden 0,1 Mol des Startermoleküls aus Bei
spiel 1a, gelöst in 400 ml trockenem THF, innerhalb einer
Stunde zugetropft. Nach beendeter Zugabe wurde noch drei
Stunden gerührt und der Ansatz danach über Nacht stehen
gelassen. Der entstanden weiße Feststoff wurde abgesaugt, mit
THF gewaschen und bei 80°C im Vakuum getrocknet. Das Umset
zungsprodukt hatte eine Hydroxylfunktionalität von 4 und wies
folgende Parameter auf:
Ausbeute: 70
Schmelzpunkt: 155°C
Molmasse: 678,8 g/mol
Ausbeute: 70
Schmelzpunkt: 155°C
Molmasse: 678,8 g/mol
0,4 Mol 2,4-TDI wurden in 100 ml trockenem N-Methylpyrrolidon
(NMP) vorgelegt und bei 20°C 0,1 Mol des Produkts aus Bei
spiel 1b), gelöst in 500 ml THF, innerhalb von 30 Minuten
zugegeben. Die Reaktionsmischung wurde gerührt, bis eine
klare Lösung vorlag, und danach das THF am Rotationsverdamp
fer entfernt. Der NMP-haltige Rückstand wurde in 100 ml
Diethylether aufgenommen, verrieben und der entstandene Fest
stoff nochmals mit 100 ml Diethylether gewaschen. Anschlie
ßend wurde er im Vakuum bei 80°C getrocknet. Das Umsetzung
sprodukt hatte eine NCO-Funktionalität von 4 und wies fol
gende Parameter auf:
Ausbeute: 95
Erweichungspunkt: 57°C
NCO-Gehalt: 12,2 Gew.-%
Molmasse: 1373,4 g/mol
Ausbeute: 95
Erweichungspunkt: 57°C
NCO-Gehalt: 12,2 Gew.-%
Molmasse: 1373,4 g/mol
0,4 Mol Diethanolamin wurden in 300 ml trockenem THF vorge
legt und bei 20°C 0,1 Mol des Produkts aus Beispiel 1c),
gelöst in 600 ml THF, innerhalb von einer Stunde zugetropft.
Das Reaktionsprodukt fiel sofort aus. Die Reaktionsmischung
wurde noch eine Stunde gerührt und das überstehende THF
dekantiert. Das verbleibende Produkt wurde mit 500 ml heißem
THF aufgekocht und die überstehende Lösung verworfen. Das
entstandene Produkt wurde ohne Reinigung weiterverarbeitet.
Die Molmasse des entstandenen Produkts betrug 1794 g/mol und
wies eine OH-Funktionalität von 8 auf. Die Ausbeute betrug
95 %.
0,8 Mol 2,4-TDI, gelöst in 150 ml THF, wurden vorgelegt und
bei 20°C 0,5 Mol des Produkts nach Beispiel 1d), gelöst in
50 ml NMP, innerhalb von einer Stunde zugetropft. Man ließ 3
Stunden bei 20°C nachreagieren und zog danach das THF am
Rotationsverdampfer unter Vakuum ab. Der NMP-haltige Rück
stand wurde mit 200 ml Dimethylether versetzt, verrieben und
die überstehende Lösung dekantiert. Anschließend wurde dieser
Vorgang mit 200 ml heißem Toluol wiederholt, der Feststoff
abgesaugt und bei 80°C im Vakuum getrocknet. Das Reaktions
produkt hatte eine NCO-Funktionalität von 8 und wies folgende
Parameter auf:
Ausbeute: 78%
Erweichungspunkt: 75°C
NCO-Gehalt: 10,5 Gew.-%
Molmasse: 3187,3 g/mol
Ausbeute: 78%
Erweichungspunkt: 75°C
NCO-Gehalt: 10,5 Gew.-%
Molmasse: 3187,3 g/mol
Ein Mol IPDI wurde in 300 ml trockenem THF gelöst und auf 10°C
abgekühlt. Anschließend wurde bei dieser Temperatur innerhalb von
30 Minuten 1 Mol Diethanolamin, gelöst in 100 ml THF, zugegeben.
Nach beendeter Zugabe wurde die Reaktionsmischung 30 Minuten bei
10°C gerührt, danach die Reaktionsmischung auf 65°C erwärmt und
100 ppm Dibutylzinndilaurat zugegeben. Es wurde bei 65°C gerührt,
bis nach ca. 90 Minuten eine Eintrübung, hervorgerufen durch das
entstandene Polymer, sichtbar wurde. Danach wurde die Reaktion
durch Zugabe von 0.1 Mol Diethanolamin, gelöst in THF, abgebro
chen. Das entstandene hochverzweigte Polyurethan wies nach Ent
fernung des Lösemittels folgende Parameter auf:
Hydroxylzahl: 250 mg KOH/g
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 258 000
Molgewicht Mn: 5600
Hydroxylzahl: 250 mg KOH/g
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 258 000
Molgewicht Mn: 5600
1 Mol Diethanolamin wurde in 300 ml trockenem THF gelöst und auf
10°C abgekühlt. Anschließend wurde bei dieser Temperatur inner
halb von 30 Minuten 1 Mol IPDI, gelöst in 100 ml THF, zugegeben.
Unmittelbar nach Beginn der Dosierung trübte sich die Lösung ein,
und es entstand eine Suspension. Nach beendeter Zugabe wurde die
Reaktionsmischung 30 Minuten bei 10°C gerührt, danach die Reakti
onsmischung auf 65°C erwärmt und 100 ppm Dibutylzinndilaurat
zugesetzt. Danach wurde die Lösung klar. Die Lösung wurde bei 65°C
gerührt bis nach etwa 90 Minuten eine Eintrübung, hervorgerufen
durch das entstandene Polymer, sichtbar wurde. Die Reaktion wurde
durch die Zugabe von 0.1 Mol Diethanolamin, gelöst in THF, abge
brochen. Das entstandene hochverzweigte Polyurethan wies nach
Entfernung des Lösemittels folgende Parameter auf:
Hydroxylzahl: 280 mg KOH/g
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 147 000
Molgewicht Mn: 5300
Hydroxylzahl: 280 mg KOH/g
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 147 000
Molgewicht Mn: 5300
1 Mol 2,4-TDI wurde in 300 ml trockenem THF gelöst und auf 0°C
abgekühlt. Anschließend wurde bei dieser Temperatur innerhalb von
30 Minuten 1 Mol Ethanolpropanolamin, gelöst in 100 ml THF, zuge
geben. Nach beendeter Zugabe wurde die Reaktionsmischung auf 23°C
erwärmt und 30 Minuten bei dieser Temperatur gerührt. Danach
wurde die Reaktion durch die Zugabe von 0.1 Mol Ethanolpropanola
min. gelöst in THF, abgebrochen. Das entstandene hochverzweigte
Polyurethan wies nach Entfernung des Lösemittels folgende Parame
ter auf:
Hydroxylzahl: 290 mg KOH/g
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 8600
Molgewicht Mn: 3600
Hydroxylzahl: 290 mg KOH/g
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 8600
Molgewicht Mn: 3600
1 Mol Glycerin wurde in 300 ml trockenem DMF gelöst und die
Lösung auf -10°C abgekühlt. Anschließend wurde bei dieser
Temperatur innerhalb von 30 Minuten 2 Mol 2,4-TDI, gelöst in 300 ml
DMF, zugegeben. Nach beendeter Zugabe wurde die Reaktionsmi
schung auf 23°C erwärmt und 60 Minuten bei dieser Temperatur
gerührt. Danach wurde die Reaktion durch die Zugabe von 0.1 Mol
2,4-TDI, gelöst in DMF, abgebrochen. Das entstandene hochver
zweigte Polyurethan wies nach Entfernung des Lösemittels folgende
Parameter auf:
VCO-Gehalt: 13,4 Gew.-%
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 7300
Molgewicht Mn: 2600
VCO-Gehalt: 13,4 Gew.-%
GPC-Analytik (PMMA-Eichung)
Molgewicht Mw: 7300
Molgewicht Mn: 2600
Claims (11)
1. Verfahren zur Herstellung von dendrimeren oder hochver
zweigten Polyurethanen durch Umsetzung von Diisocyanaten und/oder
Polyisocyanaten mit Verbindungen mit mindestens zwei mit
Isocyanaten reaktiven Gruppen, dadurch gekennzeichnet, daß
mindestens einer der Reaktionspartner funktionelle Gruppen
mit gegenüber dem anderen Reaktionspartner unterschiedlicher
Reaktivität aufweist und die Reaktionsbedingungen so gewählt
werden, daß bei jedem Reaktionsschritt jeweils nur bestimmte
reaktive Gruppen miteinander reagieren.
2. Verfahren zur Herstellung von dendrimeren Polyurethanen nach
Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man an die funktio
nellen Gruppen eines mehrfunktionellen Moleküls mit minde
stens zwei Isocyanatgruppen oder mit mindestens zwei mit Iso
cyanatgruppen reaktiven Gruppen je ein Molekül mit mindestens
zwei mit Isocyanatgruppen reaktiven Gruppen oder mit minde
stens zwei Isocyanatgruppen unterschiedlicher Reaktivität
anlagert, an die freien reaktiven Gruppen des entstandenen
Moleküls wiederum je ein Molekül mit mindestens zwei mit den
freien reaktiven Gruppen reaktive Gruppen mit unterschiedli
cher Reaktivität anlagert, und so fort, bis die erwünschte
Molekularmasse erreicht ist oder die weitere Anlagerung aus
sterischen Gründen nicht mehr möglich ist.
3. Verfahren zur Herstellung von dendrimeren oder hochver
zweigten Polyurethanen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß die Isocyanate mit mindestens zwei Isocyanatgruppen
unterschiedlicher Reaktivität ausgewählt sind aus der Gruppe,
enthaltend 2,4-Toluylendiisocyanat, 2,6-Toluylendiisocyanat,
2,4-Diphenylmethandiisocyanat, Triisocyanatotoluol, 1,3- und
1,4-Phenylendiisocyanat, 1,5-Naphthylendiisocyanat, Tolidin
diisocyanat, Diphenyldiisocyanat, Isophorondiisocyanat,
2-Butyl-2-ethylpentamethylendiisocyanat, 2-Isocyanatopropyl
cyclohexylisocyanat, 4-Methyl-cyclohexan-1,3-diisocyanat,
2,4'-Methylenbis(cyclohexyl)diisocyanat oder aus deren
Mischungen.
4. Verfahren zur Herstellung von dendrimeren oder hochver
zweigten Polyurethanen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß die Verbindungen mit mindestens zwei mit Isocyanat
gruppen reaktiven Gruppen Verbindungen mit mindestens einer
primären und mindestens einer sekundären Hydroxylgruppe oder
mindestens einer Hydroxylgruppe und mindestens einer
Mercaptogruppe oder mindestens einer Hydroxylgruppe und min
destens einer Aminogruppe im Molekül sind.
5. Verfahren zur Herstellung von hochverzweigten Polyurethanen
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Mol eines
Isocyanats mit einem Mol einer Verbindung mit mindestens zwei
mit Isocyanatgruppen reaktiven Gruppen unterschiedlicher
Reaktivität umgesetzt wird und die entstandene Verbindung,
die sowohl freie Isocyanatgruppen als auch freie mit Iso
cyanatgruppen reaktiven Gruppen enthält, intermolekular zu
einem hochverzweigten Polyurethan reagiert.
6. Verfahren zur Herstellung von hochverzweigten Polyurethanen
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß ein Mol eines
Diisocyanats mit einem Mol einer tetrafunktionellen, mit Iso
cyanat reaktiven Verbindung umgesetzt wird und die entstan
dene Verbindung, die sowohl freie Isocyanatgruppen als auch
freie mit Isocyanatgruppen reaktive Gruppen enthält, intermo
lekular zu einem hochverzweigten Polyurethan reagiert.
7. Verfahren zur Herstellung von hochverzweigten Polyurethanen
nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwei Mol eines
Diisocyanats mit einem Mol einer trifunktionellen Verbindung
mit gegenüber Isocyanatgruppen unterschiedlicher Reaktivität
umgesetzt werden, und die entstandene Verbindung, die sowohl
freie Isocyanatgruppen als auch freie mit Isocyanatgruppen
reaktiven Gruppen enthält, intermolekular zu einem hochver
zweigten Polyurethan reagiert.
8. Dendrimere Polyurethane, herstellbar nach einem der Ansprüche
1 bis 4.
9. Hochverzweigte Polyurethane, herstellbar nach einem der
Ansprüche 1 bis 7.
10. Verwendung der dendrimeren oder hochverzweigten Polyurethane
nach Anspruch 1-9 als Komponente zur Herstellung von Poly
additions- oder Polykondensationspolymeren.
11. Verwendung der dendrimeren oder hochvetzweigten Polyurethane
nach Anspruch 1 als Phasenvermittler, Rheologiehilfsmittel,
Thixotropiermittel, Nukleierungsreagenzien oder als Wirk
stoff- oder Katalysatorträger.
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Legal Events
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| 8130 | Withdrawal |