DE19818924A1 - Oberflächenmodifizierte Füllstoffe, Verfahren zu deren Herstellung sowie deren Verwendung - Google Patents
Oberflächenmodifizierte Füllstoffe, Verfahren zu deren Herstellung sowie deren VerwendungInfo
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Abstract
Die vorliegende Erfindung betrifft oberflächenmodifizierte Füllstoffe, die erhältlich sind durch DOLLAR A - Mischen eines Füllstoffs mit Wasser und DOLLAR A - Zugabe einer Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf Wasser-Basis unter guter Durchmischung, wobei die Organosiloxane in Wasser löslich sind und neben OH-Gruppen mindestens eine Amino-funktionelle Gruppe und gegebenenfalls mindestens eine weitere funktionelle Gruppe aus der Reihe Alkyl, Halogenalkyl, Alkenyl, Glycidetheralkyl, Acryloxyalkyl sowie Methacryloxyalkyl enthalten und an jedem Siliciumatom eines Organosiloxans eine der Organo-funktionellen Gruppen gebunden ist, DOLLAR A - und Trocknen der Mischung. DOLLAR A Ferner offenbart die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Modifizierung der Oberfläche von Füllstoffen, deren Verwendung sowie Compounds auf Ethylen-Vinylacetat-Copolymer-Basis, die erfindungsgemäße Füllstoffe enthalten.
Description
Die vorliegende Erfindung betrifft oberflächenmodifizierte Füllstoffe und ein
Verfahren zur Modifizierung der Oberflächen von Füllstoffen unter
Verwendung einer Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf Wasser-
Basis, wobei die Organosiloxane in Wasser löslich sind und neben OH-
Gruppen mindestens eine Amino-funktionelle Gruppe und gegebenenfalls
mindestens eine weitere funktionelle Gruppe aus der Reihe Alkyl,
Halogenalkyl, Alkenyl, Glycidetheralkyl, Acryloxyalkyl sowie Methacryloxyalkyl
enthalten und an jedem Siliciumatom eines Organosiloxans eine der Organo
funktionellen Gruppen gebunden ist. Ferner betrifft die vorliegende Erfindung
die Verwendung der oberflächenmodifizierten Füllstoffe sowie Compounds
auf Ethylen-Vinylacetat-Copolymer-Basis.
Im allgemeinen werden Füllstoffe als Zusätze u. a. für Klebstoffe,
Dichtungsmassen, Polymermassen, Anstrichfarben, um nur einige zu nennen,
verwendet. Es handelt sich hierbei in der Regel um anorganische Materialien,
wobei man zwischen inaktiven und aktiven Produkten wählen kann. Mit
Füllstoffen lassen sich spezifische mechanische und/oder physikalische
Eigenschaften der Polymer-Matrix verändern, weshalb sie auch verstärkende
Füllstoffe genannt werden. Da die verstärkende Funktion unterschiedlicher
Natur sein kann, ist eine Definition nur in Verbindung mit dem jeweilig
eingesetzten Polymer möglich. Bei Kautschuk und synthetischen Elastomeren
kann man so z. B. die Härte, Festigkeit, Elastizität und Dehnung variieren.
Verstärkende Füllstoffe haben, abgesehen von pyrogener Kieselsäure und
Ruß, eine bisher eher untergeordnete Rolle gespielt. Füllstoffe wurden
überwiegend als Streckmittel benutzt, um Erzeugnisse preiswerter herstellen
zu können. Die Verteuerung der Basispolymere führte zu einem
Umdenkprozeß. Heute ist man eher bestrebt, durch gezielte Substitution der
Basispolymere mit spezifisch gecoateten Füllstoffen die Kosten-
/Leistungsbilanz im Gleichgewicht zu halten.
Obwohl vorbehandelte Füllstoffe teurer als ihre konventionellen Arten sind,
werden die Preise durch das Coaten nicht so stark belastet, da man mit
kleinen Mengen Überzugsmaterial große Effekte und Verbesserungen
erzielen kann.
Am Beispiel der Aluminiumhydroxidherstellung sei dies kurz erläutert.
Aluminiumhydroxid (ATH), gemahlen oder feinteilig auskristallisiert, wird als
Füllstoff und Flammschutzmittel überall dort eingesetzt, wo die
Verarbeitungstemperaturen nicht wesentlich über 200°C liegen. ATH ist
halogenfrei, nicht korrosiv, nicht toxisch, physiologisch unbedenklich und mit
hoher Effizienz bei der Senkung der Rauchgasdichte.
ATH wird in unterschiedlichen Qualitäten, abgestimmt auf die spezifischen
Eigenschaften wichtiger Kunststoffsysteme, angeboten. ATH kann in hohen
Füllgraden (50 bis 70%) in zu vernetzende Elastomere, Thermoplaste und
thermoplastische Elastomere, Duromere, PVC, Ethylen-Vinylacetat-
Copolymere sowie Dispersionen eingearbeitet werden.
Die Modifizierung von Füllstoffen erfolgt üblicherweise in einem zusätzlichen
Arbeitsschritt nach der Trocknung des Minerals bzw. dessen Aufarbeitung
durch Mahlen (vgl. Fig. 1):
Das Silanisieren wird nach dem Stand der Technik entweder trocken
(Aufsprühen des Alkoxysilans in speziellen Mischaggregaten), naß/slurry
(Applikation einer wäßrigen oder alkoholischen Silan/Lösungsmittel-
Mischung), direkt (Flüssigsilanzugabe während der Compoundierung) oder
auch durch Aufsprühen einer Silanemulsion auf den erwärmten Füllstoff
durchgeführt.
Zur Aufbereitung werden viele mineralische Füllstoffe nach Abtrennung von
Gangart und Verunreinigungen mit Wasser aufgeschlämmt, hydroklassiert
und getrocknet.
So ist bekannt, daß man die Oberflächeneigenschaften von Füllstoffen durch
eine Behandlung mit Organoalkoxysilanen, Organoalkoxysilanmischungen
oder Organoalkoxysilanpolykondensaten, welche gegebenenfalls in
organischen Lösemitteln gelöst vorliegen, modifizieren kann (US 5 571 851,
EP 0 632 109 A1, EP 0 590 270 A2, EP 0 492 223 A2, WO 90/02 779).
Hierbei werden, sofern Wasser oder Hydroxyl-Gruppen zugegen sind, nicht
unerhebliche Mengen an Alkohol durch Hydrolyse freigesetzt. Darüber hinaus
sind Verfahren, bei denen organische Lösemittel zugegen sind, in der Regel
nur unter besonderen, meist kostenintensiven Sicherheitsmaßnahmen
durchzuführen.
EP 0 716 128 A2, EP 0 716 127 A2, EP 0 675 128 A1 sowie die noch nicht
veröffentlichte deutsche Patentanmeldung Nr. 196 39 782.0 offenbaren
stabile Zusammensetzungen wasserlöslicher Organosiloxane, die u. a. für die
Silanisierung von Füllstoffen Anwendung finden. Solche Wasser-basierenden
Systeme setzen jedoch bei Verdünnen mit Wasser keine Alkohole durch
Hydrolyse frei.
US 5 543 173 lehrt eine Methode zur Minderung der Agglomerationsneigung
anorganischer Pulver, beispielsweise Aluminiumhydroxid, wobei man das
Pulver mit einer gegebenenfalls Alkohol-haltigen Lösung behandelt, die
Organosiloxane enthält, welche durch Hydrolyse eines Organotrialkoxysilans,
beispielsweise einem Vinyltrialkoxysilan, einem Alkyltrialkoxysilan, einem
Halogenalkyltrialkoxysilan oder einem Epoxy-, einem Methacryloxy- oder
einem Amino-funktionellen Trialkoxysilan, zugänglich sind und der
Oligomerisierungsgrad oberhalb 2 und unterhalb des Gelpunkts liegt, und das
behandelte Pulver anschließend trocknet. So behandelte Pulver können
gemäß US 5 543 173 in Polymerblends eingesetzt werden.
Der vorliegenden Erfindung lag die Aufgabe zugrunde, eine Methode
bereitzustellen, die es ermöglicht, in einfacher, wirkungsvoller und
wirtschaftlicher Weise die Oberfläche von Füllstoffen, insbesondere die von
Aluminiumhydroxid, zu modifizieren.
Die gestellte Aufgabe wird erfindungsgemäß entsprechend den Angaben der
Patentansprüche gelöst.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß man sowohl Aluminiumhydroxid,
insbesondere wie es während seiner Herstellung anfällt und als wäßrige
Suspension oder als feuchter Filterkuchen vorliegt, als auch andere
mineralische Füllstoffe, insbesondere Silikate, wie Kaolin, Bentonit,
Montmorillonit, Talkum, Glimmer, beispielsweise Muskovitglimmer,
insbesondere auch Magnesiumhydroxid, Kieselsäure, beispielsweise
Fällungskieselsäure, Flammkieselsäure, oder Titandioxid sowie
Calciumcarbonat, wie Kreide oder Dolomit, in einfacher und wirtschaftlicher
Weise und mit hervorragendem Erfolg bezüglich der Resuspendierbarkeit
sowie der Anwendungseigenschaften (insbesondere in Compounds) durch
Silanisierung oberflächenmodifizieren kann, wenn man den Füllstoff, sofern er
geeigneterweise nicht bereits wasserfeucht oder in einer wäßrigen
Suspension vorliegt, mit Wasser mischt und unter guter Durchmischung eine
Organosiloxan-haltige Zusammensetzung auf Wasser-Basis zugibt und die
erhaltene Mischung trocknet, wobei die vorliegenden Organosiloxane in
Wasser löslich sind und neben OH-Gruppen mindestens eine Amino-
funktionelle Gruppe und gegebenenfalls mindestens eine weitere funktionelle
Gruppe aus der Reihe Alkyl, Halogenalkyl, Alkenyl, Glycidetheralkyl,
Acryloxyalkyl sowie Methacryloxyalkyl enthalten und an jedem Siliciumatom
eines Organosiloxans eine der Organo-funktionellen Gruppen gebunden ist.
Dabei wird in vorteilhafter Weise eine in der Regel pumpfähige Mischung
erhalten, die bevorzugt einen Feststoffgehalt im Bereich zwischen 10 bis 70 Gew.-%,
vorzugsweise zwischen 30 bis 60 Gew.-%, bei einer Viskosität im
Bereich von 10 bis 20.000 mPa.s, vorzugsweise von 20 bis 1.000 mPa.s,
besonders bevorzugt von 100 bis 600 mPa.s, aufweist. Die vorliegende
Mischung wird vorzugsweise sprühgetrocknet, wobei der erfindungsgemäße
Füllstoff danach in der Regel in vorteilhafter Weise resuspendierbar ist,
beispielsweise in Pentan oder Xylol, und darüber hinaus auch praktisch keine
Agglomerate festzustellen sind, was beispielsweise bei der Einarbeitung in
Compounds einen besonderen Vorteil darstellen kann.
Ferner ist bei Verwendung erfindungsgemäß modifizierter Füllstoffe in
Polymermassen eine Verbesserung der Haftung zwischen Füllstoff und
Polymer zu verzeichnen. Verbesserte mechanische Eigenschaften und
chemische Resistenz der Verbundwerkstoffe können somit hervorzuhebende
Vorteile sein. Häufig werden auch Füllstoffe mit farbgebenden Eigenschaften -
sogenannte Pigmente, beispielsweise Weißpigment - eingesetzt. Auch
solche Füllstoffe mit farbgebenden Eigenschaften können in ebenfalls
vorteilhafter Weise erfindungsgemäß behandelt und verwendet werden.
Die erfindungsgemäße Oberflächenmodifizierung kann bei Füllstoffen bzw.
Pigmenten zu einer vorteilhaften Beeinflussung der rheologischen
Eigenschaften durch Änderung der Benetzung, Dispersion, Viskosität,
Thixotropie und des Fließverhaltens im Bindemittel führen.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind somit oberflächenmodifizierte
Füllstoffe, die erhältlich sind durch
- - Mischen eines Füllstoffs mit Wasser und
- - Zugabe einer Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf Wasser- Basis unter guter Durchmischung, wobei die Organosiloxane in Wasser löslich sind und neben OH-Gruppen mindestens eine Amino-funktionelle Gruppe und gegebenenfalls mindestens eine weitere funktionelle Gruppe aus der Reihe Alkyl, Halogenalkyl, Alkenyl, Glycidetheralkyl, Acryloxyalkyl sowie Methacryloxyalkyl enthalten und an jedem Siliciumatom eines Organosiloxans eine der Organo-funktionellen Gruppen gebunden ist,
- - und Trocknen der Mischung.
Vorzugsweise sind in der für die erfindungsgemäße Silanisierung
verwendeten Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf Wasser-Basis
Organosiloxane enthalten, welche als funktionelle Gruppen im wesentlichen
(i) Aminoalkyl-Gruppen oder (ii) Aminoalkyl- und Alkyl-Gruppen oder (iii)
Aminoalkyl- und Vinyl-Gruppen tragen, besonders bevorzugt sind
Organosiloxane, die 3-Aminopropyl-Gruppen als mindestens eine der
funktionellen Gruppen enthalten.
Erfindungsgemäße, oberflächenmodifizierte Füllstoffe sind vorzugsweise
Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid, Kreide, Dolomit, Talkum, Kaolin,
Bentonit, Montmorillonit, Glimmer, Kieselsäure sowie Titandioxid.
Ferner ist Gegenstand der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur
Modifizierung der Oberfläche von Füllstoffen unter Verwendung einer
Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf Wasser-Basis, wobei die
Organosiloxane in Wasser löslich sind und neben OH-Gruppen mindestens
eine Amino-funktionelle Gruppe und gegebenenfalls mindestens eine weitere
funktionelle Gruppe aus der Reihe Alkyl, Halogenalkyl, Alkenyl,
Glycidetheralkyl, Acryloxyalkyl sowie Methacryloxyalkyl enthalten und an
jedem Silicium eines Organosiloxans eine der Organo-funktionellen Gruppen
gebunden ist, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man den Füllstoff mit
Wasser mischt, unter guter Durchmischung die Organosiloxan-haltige
Zusammensetzung auf Wasser-Basis zusetzt und die Mischung trocknet.
An dieser Stelle sei besonders darauf hingewiesen, daß man beim
erfindungsgemäßen Verfahren beispielsweise solche Organosiloxan-haltigen
Zusammensetzungen auf Wasser-Basis einsetzen kann, wie sie aus EP 0 716 127 A2,
EP 0 716 128 A2, EP 0 675 128 A1, der noch nicht
veröffentlichten deutschen Patentanmeldung Nr. 196 39 782.0 und der
Parallelanmeldung mit dem Titel "Stabile Zusammensetzungen
wasserlöslicher, Amino- und Alkenyl-funktioneller Organosiloxane, Verfahren
zu ihrer Herstellung und ihre Verwendung" hervorgehen. Ferner ist in den
zuvorgenannten Schutzrechten die Herstellung besagter Organosiloxan
haltiger Zusammensetzungen beschrieben.
Insbesondere verwendet man beim erfindungsgemäßen Verfahren eine
Organosiloxan-haltige Zusammensetzung auf Wasser-Basis mit einem Gehalt
an Organosiloxan von 10 bis 150 g Si/kg Lösung, vorzugsweise 60 bis 130 g/kg,
besonders bevorzugt 90 bis 120 g/kg.
Bevorzugt ist ferner, daß man eine Organosiloxan-haltige Zusammensetzung
auf Wasser-Basis mit einem pH-Wert von 2 bis 6 oder 7,5 bis 12, besonders
bevorzugt von 3 bis 5 oder 10 bis 12, verwendet.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist insbesondere ökonomisch und
ökologisch vorteilhaft, wenn man eine Organosiloxan-haltige
Zusammensetzung auf Wasser-Basis mit einem Gehalt an Alkoholen von
weniger als 0,5 Gew.-%, vorzugsweise weniger als 0,1 Gew.-%, verwendet,
so daß auf Anlagenteile mit besonderen Sicherheitsanforderungen aufgrund
einer möglichen Freisetzung von Hydrolysealkoholen weitgehend verzichtet
werden kann und darüber hinaus die Abluftströme nicht zusätzlich von hohen
VOC-Gehalten (VOC = Volatile Organic Compounds) befreit werden müssen.
Im allgemeinen führt man das erfindungsgemäße Verfahren derart aus, daß
man den zu behandelnden Füllstoff mit Wasser mischt und eine
Organosiloxan-haltige Zusammensetzung der oben beschriebenen Art unter
guter Durchmischung zusetzt. Bereits nach kurzer Zeit zeigt die resultierende
Mischung in der Regel eine drastische Viskositätserniedrigung.
Vorzugsweise setzt man beim erfindungsgemäßen Verfahren an
Organosiloxan 0,1 bis 12 Gew.-% pro kg zu silanisierendem Produkt ein,
wobei die resultierende Mischung, bevor sie einer Trocknung zugeführt wird
geeigneterweise eine Viskosität von 10 bis 20.000 mPa.s bei einem Gehalt an
Füllstoff von 10 bis 70 Gew.-% aufweist.
Die so erhaltene Mischung ist im allgemeinen trotz eines vergleichsweise
geringen Wasseranteils pumpfähig und kann nun einer Trocknung zugeführt
werden. Die Trocknung erfolgt vorzugsweise bei einer Temperatur im Bereich
von 40 bis 120°C, vorzugsweise von 80 bis 110°C.
Man kann aber auch die Mischung vor der Trocknung filtrieren und
anschließend den Filterrückstand einer Trocknung zuführen, beispielsweise
einer Bandtrocknung.
Bevorzugt führt man beim erfindungsgemäßen Verfahren die Trocknung der
Mischung unter Zuhilfenahme eines Sprühtrockners durch.
Geeigneterweise kann das erfindungsgemäße Verfahren in Verfahren zur
Herstellung bzw. Aufbereitung von Füllstoffen integriert werden.
So kann bei der eingangs beschriebenen Herstellung von Aluminiumhydroxid,
vgl. Fig. 1, die Organosiloxan-haltige Zusammensetzung der "Al(OH)3"-
Suspension zugesetzt und anschließend mittels Bandtrockner oder
vorzugsweise mittels Sprühtrockner getrocknet werden, wobei die Mahlung
als energieintensive Verfahrensstufe entfallen kann. Darüber hinaus kann
auch die bisher notwendige zusätzliche Verfahrensstufe der Silanisierung
nach dem Stand der Technik entfallen.
Der erfindungsgemäß erhaltene Füllstoff kann darüber hinaus einer
Kornfraktionierung zugeführt werden, ist bevorzugt jedoch bereits nach der
Trocknungsstufe in seiner vorteilhaften Weise verwendbar, beispielsweise in
Polymercompounds.
Polymercompounds sind verarbeitungsfertige Mischungen von Polymeren mit
verschiedenen Additiven, z. B. Alterungsschutzmittel, Antioxidantien,
Antistatika, Flammschutzmitteln, Füllstoffen, Vulkanisationshilfsmitteln oder
Weichmachern, die für die Herstellung der Endprodukte erforderlich sind
(nach ASTM D-883).
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher auch die Verwendung von
oberflächenmodifizierten erfindungsgemäßen Füllstoffen für Klebstoffe,
Dichtmassen, Polymermassen, beispielsweise hochtemperaturvernetzender
Siliconkautschuk (HTV-Massen), Farben und Lacke.
Vorzugsweise werden die oberflächenmodifizierten erfindungsgemäßen
Füllstoffe für die Herstellung von Compounds auf Ethylen-Vinylacetat-
Copolymer-Basis verwendet.
Die erfindungsgemäßen Füllstoffe weisen auch hierbei unerwartete
vorteilhafte Eigenschaften auf. So kann bei Anwendung erfindungsgemäß
silanisierter Füllstoffe in Ethylen-Vinylacetat-Systemen, insbesondere bei
Verwendung von erfindungsgemäß, beispielsweise mit DYNASYLAN® HS
2907 modifiziertem Aluminiumhydroxid, eine deutliche Verbesserung der
Zugfestigkeit und in vorteilhafter Weise eine reduzierte Wasseraufnahme im
Vergleich zu einem nicht silanisierten Füllstoff festgestellt werden.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind daher auch Compounds auf
Ethylen-Vinylacetat-Copolymer-Basis, die erfindungsgemäß oberflächenmodi
fizierte Füllstoffe enthalten.
Die vorliegende Erfindung wird durch die nachfolgenden Beispiele näher
erläutert. (Hinweis: Für DYNASYLAN® wird nachfolgend auch die Abkürzung
DS verwendet.)
DYNASYLAN® HS 1152 ist ein vollständig hydrolysiertes, wasserbasierendes
Organopolysiloxan-System mit einem pH-Wert von 11 und 50,49 g Si/kg
Lösung, wobei man für die Herstellung von 3-Aminopropyltrialkoxysilan
(AMEO) ausgeht.
DYNASYLAN® HS 2906 ist ebenfalls ein vollständig hydrolysiertes,
wasserbasierendes Organopolysiloxan-System mit einem pH-Wert von 4 und
28,52 g Si/kg Lösung, wobei man für die Herstellung von AMEO und PTMO
(Propyltrimethoxysilan) im Verhältnis von 1 : 1 ausgeht.
DYNASYLAN® HS 2781 ist auch ein vollständig hydrolysiertes,
wasserbasierendes Organopolysiloxan-System mit einem pH-Wert von 10 bis 11
und 51,12 g Si/kg Lösung, wobei man für die Herstellung von AMEO und VTMO
(Vinyltrimethoxysilan) im Verhältnis von 2,5 : 1 ausgeht.
DYNASYLAN® HS 2907 ist auch ein vollständig hydrolysiertes,
wasserbasierendes Organopolysiloxan-System mit einem pH-Wert von 4 und
119,38 g Si/kg Lösung, wobei man für die Herstellung von AMEO und VTMO
im Verhältnis von 1 : 1 ausgeht.
Als Vergleichssubstanz für Organosiloxan-haltige Zusammensetzungen auf
Wasser-Basis wurde DYNASYLAN® AMEO (126,49 g Si/kg, 4,5 mol Si/kg)
eingesetzt.
Einer 60%igen wäßrigen "Kreide-Paste" wurde 1 Gew.-% DYNASYLAN® HS
2907 zugegeben. Es wurde eine drastische Viskositätserniedrigung auf
weniger als 6% der Anfangsviskosität beobachtet. Das filtrierte und bei
110°C getrocknete Produkt läßt sich in Pentan gut suspendieren, während
unbehandelte Kreide "Klumpen" bildet.
500 g Aluminiumhydroxid, nachfolgend kurz ATH genannt, (Martinal® 0L-107)
und 500 g VE-Wasser werden mit einem Hochleistungsrührer innig zu einer
Paste vermischt, unter Rühren 1 Gew.-% DYNASYLAN® HS 2781 (aus
Beispiel 3), bezogen auf ATH, portionsweise zugegeben und jeweils nach
einer Zeit von 3 Minuten mit Hilfe eines Brookfield-Viskosimeters
(Rotationsviskosimeter RVT, Spindel 5/6) die Viskosität gemessen, vgl.
Tabelle 1.
Das Vergleichsbeispiel B wird in entsprechender Weise unter Einsatz von
DYNASYLAN® HS 2907 (aus Beispiel 4) wiederholt, vgl. Tabelle 1.
Der Vergleich zeigt, daß die Viskosität der anfänglichen ATH-Paste bereits
durch vergleichsweise geringe Mengen des erfindungsgemäßen
DYNASYLAN® HS 2907 gegenüber DYNASYLAN® HS 2781 in sehr
wirkungsvoller und anschaulicher Weise gesenkt werden kann.
Im Auflichtmikroskop sind sowohl bei filtrierten (im Anschluß getrocknet bei
110°C im Trockenschrank) sowie bei sprühgetrockneten DYNASYLAN®-HS
2907-ATH-Proben dispergierte Eigenschaften sichtbar. Eine
Agglomeratbildung zu Sekundärteilchen wie beim unbehandelten ATH bleibt
aus.
Die gute Dispergierfähigkeit zeigt sich besonders in unpolaren
Lösungsmitteln, wie Pentan und Xylol. Die Schüttdichte des
"sprühgetrockneten ATH" ist im Vergleich zum "filtrierten und getrockneten
ATH" wesentlich geringer (25 g/100 ml zu 25 g/25 ml) und entspricht dem
unbehandelten ATH-Ausgangsmaterial.
Das Vergleichsbeispiel B wird in entsprechender Weise unter Einsatz von
Kreide (OMYALITE® 50) wiederholt, vgl. Tabelle 2.
Das Vergleichsbeispiel C wird in entsprechender Weise unter Einsatz von
DYNASYLAN® HS 2907 (aus Beispiel 1) wiederholt, vgl. Tabelle 2).
Auch hier zeigt sich bereits nach wenigen Minuten eine signifikante
Viskositätserniedrigung. Die anfängliche "Kreide-Paste" wird bereits nach
Zugabe vergleichsweise geringer Mengen an DYNASYLAN® HS 2907
dünnflüssig, läßt sich ohne Probleme pumpen und im Laborsprühtrockner
trocknen.
Die Analysen der Partikelgrößenverteilungen (Suspendierhilfsmittel Ethanol,
50 sec Ultraschallbehandlung) von mit 1 Gew.-% DYNASYLAN® HS 2907
behandeltem ATH, mit 3,5 Gew.-% DYNASYLAN® HS 2907 behandeltem
MDH und mit 1 Gew.-% DYNASYLAN® HS 2907 behandelter Kreide faßt
Tabelle 3 zusammen.
Die Proben wurden nach DYNASYLAN®-HS-Behandlung filtriert und 24
Stunden bei 110°C in Schalen aus Porzellan getrocknet.
10%: Korndurchmesser in µm bei 10% Durchgangssumme
50%: Korndurchmesser in µm bei 50% Durchgangssumme, auch d50 oder Medienwert genannt
90%: Korndurchmesser in µm bei 90% Durchgangssumme
mv: mittlerer arithmetischer Korndurchmesser in µm der Volumenverteilung
mn: mittlerer arithmetischer Korndurchmesser in µm der Anzahlverteilung
ma: mittlerer arithmetischer Korndurchmesser in µm der Flächenverteilung
cs: spezifische Oberfläche in m2/cm3 (berechnet nach Kugelmodell)
sd: Standardabweichung der Korngrößenverteilung (Maß für die Breite der Verteilung)
Mit DYNASYLAN® HS 2907 behandeltes ATH zeigt eine Verschiebung des d50 Medianwerts von 1,35 µm (unbehandeltes ATH) nach 1,00 µm. Der Zerfall der Agglomerate in Primärteilchen ist bei mit DYNASYLAN® HS 2907 behandeltem ATH bevorzugt zu beobachten.
50%: Korndurchmesser in µm bei 50% Durchgangssumme, auch d50 oder Medienwert genannt
90%: Korndurchmesser in µm bei 90% Durchgangssumme
mv: mittlerer arithmetischer Korndurchmesser in µm der Volumenverteilung
mn: mittlerer arithmetischer Korndurchmesser in µm der Anzahlverteilung
ma: mittlerer arithmetischer Korndurchmesser in µm der Flächenverteilung
cs: spezifische Oberfläche in m2/cm3 (berechnet nach Kugelmodell)
sd: Standardabweichung der Korngrößenverteilung (Maß für die Breite der Verteilung)
Mit DYNASYLAN® HS 2907 behandeltes ATH zeigt eine Verschiebung des d50 Medianwerts von 1,35 µm (unbehandeltes ATH) nach 1,00 µm. Der Zerfall der Agglomerate in Primärteilchen ist bei mit DYNASYLAN® HS 2907 behandeltem ATH bevorzugt zu beobachten.
Die Einarbeitung der mit DYNASYLAN®-HS-oberflächenbehandelten
Füllstoffe erfolgte in EVA. Hierfür wurden 40 Teile Exxon Escorene UL 00119
(EVA mit 19% Vinylacetatgehalt) und 60 Teile ATH vorgemischt. Geknetet
wurde jeweils 15 Minuten bei 180°C in der Knetkammer (Haake Meßkneter).
Aus dem Compound wurden Platten gepreßt (190°C/Abstandhalter 2 mm)
und daraus Prüfstäbe (nach DIN 53 504 Normstab S2) gestanzt.
Gemessen wurden mechanische Eigenschaften (Zugversuche nach DIN EN
ISO 527-1 bis 3, Zwick Universalprüfmaschine 1445). Tabelle 4 faßt die
Ergebnisse zusammen.
Die Zugfestigkeit ist der Maximalwert im Kraft/Dehnungs-Diagramm. Bei ATH-
gefüllten EVA-Compounds führt die Oberflächenbehandlung mit
DYNASYLAN®-HS-Systemen zu höheren Zug- und Reißfestigkeiten und
höheren Dehnwerten. Die Dehnwerte bei Zugfestigkeit und Reißfestigkeit
nähern sich bei gecoatetem ATH einander an.
Der Füllstoffhabitus hat bei Talkum (Phyliosilicat mit Blättchenstruktur) einen
erheblichen Einfluß auf die Prüfergebnisse.
Die Wasseraufnahme der gefüllten Compounds wurden in Anlehnung an DIN
EN 60811-1 und 3 bestimmt. Tabelle 5 faßt die Ergebnisse zusammen.
Hierzu wurden Probekörper (0,5 bis 1,5 g) in 50 ml vollentsalztes Wasser
gelegt und bei Taumtemperatur gelagert. Die Gewichtszunahme wurde nach
bestimmten Zeitabständen durch Wiegen bestimmt.
Compounds, die oberflächenbehandelten Füllstoff enthalten, weisen eine im
Vergleich zu nichtsilanisiertem Füllstoff reduzierte Wasseraufnahme auf
(Ausnahme MDH).
Claims (14)
1. Oberflächenmodifizierte Füllstoffe erhältlich durch
- - Mischen eines Füllstoffs mit Wasser und
- - Zugabe einer Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf Wasser- Basis unter guter Durchmischung, wobei die Organosiloxane in Wasser löslich sind und neben OH-Gruppen mindestens eine Amino- funktionelle Gruppe und gegebenenfalls mindestens eine weitere funktionelle Gruppe aus der Reihe Alkyl, Halogenalkyl, Alkenyl, Glycidetheralkyl, Acryloxyalkyl sowie Methacryloxyalkyl enthalten und an jedem Siliciumatom eines Organosiloxans eine der Organo- funktionellen Gruppen gebunden ist,
- - und Trocknen der Mischung.
2. Oberflächenmodifizierte Füllstoffe nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß in der für die Silanisierung verwendeten Organosiloxan-haltigen
Zusammensetzung auf Wasser-Basis Organosiloxane enthalten sind,
welche als funktionelle Gruppen im wesentlichen (i) Aminoalkyl-Gruppen
oder (ii) Aminoalkyl- und Alkyl-Gruppen oder (iii) Aminoalkyl- und Vinyl-
Gruppen tragen.
3. Oberflächenmodifizierte Füllstoffe nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Organosiloxane 3-Aminopropyl-Gruppen enthalten.
4. Oberflächenmodifiziertes Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid,
Dolomit, Kreide, Talkum, Kaolin, Bentonit, Montmorillonit, Glimmer,
Kieselsäure oder Titandioxid nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis
3.
5. Verfahren zur Modifizierung der Oberfläche von Füllstoffen unter
Verwendung einer Organosiloxan-haltigen Zusammensetzung auf
Wasser-Basis, wobei die Organosiloxane in Wasser löslich sind und
neben OH-Gruppen mindestens eine Amino-funktionelle Gruppe und
gegebenenfalls mindestens eine weitere funktionelle Gruppe aus der
Reihe Alkyl, Halogenalkyl, Alkenyl, Glycidetheralkyl, Acryloxyalkyl sowie
Methacryloxyalkyl enthalten und an jedem Silicium eines Organosiloxans
eine der Organo-funktionellen Gruppen gebunden ist, nach mindestens
einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß man den Füllstoff mit Wasser mischt, unter guter Durchmischung die
Organosiloxan-haltige Zusammensetzung auf Wasser-Basis zusetzt und
die Mischung trocknet.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß man eine Organsiloxan-haltige Zusammensetzung auf Wasser-Basis
mit einem Gehalt an Organosiloxan von 10 bis 150 g Si/kg Lösung
verwendet.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß man eine Organosiloxan-haltige Zusammensetzung auf Wasser-
Basis mit einem pH-Wert von 2 bis 6 oder 7,5 bis 12 verwendet.
8. Verfahren nach Anspruch 5 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß man eine Organosiloxan-haltige Zusammensetzung auf Wasser-
Basis mit einem Gehalt an Alkoholen von weniger als 0,5 Gew.-%
verwendet.
9. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 5 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß man an Organosiloxan 0,1 bis 12 Gew.-% pro kg zu silanisierendem
Füllstoff einsetzt.
10. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 5 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mischung, bevor sie der Trocknung zugeführt wird, eine
Viskosität von 10 bis 20.000 mPa.s bei einem Gehalt an Füllstoff von 10
bis 70 Gew.-% aufweist.
11. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 5 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß man die Trocknung der Mischung unter Zuhilfenahme eines
Sprühtrockners durchführt.
12. Verwendung oberflächenmodifizierter Füllstoffe nach den Ansprüchen 1
bis 11 für Klebstoffe, Dichtmassen, Polymermassen, Farben und Lacke.
13. Verwendung oberflächenmodifizierter Füllstoffe nach den Ansprüchen 1
bis 12 für die Herstellung von Compounds auf Ethylen-Vinylacetat-
Copolymer-Basis.
14. Compounds auf Ethylen-Vinylacetat-Copolymer-Basis, die
oberflächenmodifizierte Füllstoffe nach den Ansprüchen 1 bis 13
enthalten.
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