DE19731947A1 - Verfahren zum Steuern bzw. Regeln einer Vorrichtung zum Auftragen eines flüssigen oder pastösen Mediums auf eine Gegenfläche - Google Patents
Verfahren zum Steuern bzw. Regeln einer Vorrichtung zum Auftragen eines flüssigen oder pastösen Mediums auf eine GegenflächeInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern bzw. Regeln einer Vorrich
tung zum Auftragen eines flüssigen oder pastösen Mediums auf eine Gegen
fläche, wobei diese Gegenfläche beispielsweise die Oberfläche einer lau
fenden Materialbahn, insbesondere aus Papier oder Karton, ist oder die Auf
tragsfläche einer laufenden Auftragseinheit, insbesondere Auftragswalze,
von welcher das flüssige oder pastöse Medium auf eine derartige Material
bahn übertragen wird, wobei eine Rakelklinge zum Egalisieren des aufgetra
genen flüssigen oder pastösen Mediums an einem Tragbalken befestigt ist,
dessen Stellung relativ zu der Gegenfläche mittels einer Stellvorrichtung
veränderbar ist, wobei an dem Tragbalken ein mit Fluiddruck beaufschlag
barer und gegen die Rakelklinge anstellbarer Druckschlauch vorgesehen ist,
und wobei bei dem Verfahren der Wert wenigstens eines den Betriebs
zustand der Auftragsvorrichtung repräsentierenden Parameters erfaßt wird,
Steuergrößen für die Stellvorrichtung oder/und den im Druckschlauch
herrschenden Fluiddruck auf Grundlage des erfaßten Werts des wenigstens
einen Betriebszustandsparameters bestimmt werden, und die Stellvorrich
tung oder/und der in dem Druckschlauch herrschende Fluiddruck auf Grund
lage der bestimmten Steuergrößen beeinflußt werden.
Ein gattungsgemäßes Verfahren ist beispielsweise aus der DE 30 36 274 C2
bekannt. Dieses Verfahren wird bei einer Auftragsvorrichtung eingesetzt, bei
der die Rakelklinge mittels eines Druckschlauchs gegen die laufende Gegen
fläche gedrückt wird, wobei diese Rakelklinge ihrerseits an einem Trag
balken befestigt ist, dessen Relativstellung bezüglich der Gegenfläche
verstellt werden kann. Zu Beginn eines Betriebszyklus der Auftragsvor
richtung wird die Rakelklinge von einer Bedienungsperson mit einer vor
bestimmten Anpreßkraft gegen die Gegenfläche angestellt, wobei der
Anstellwinkel der Rakelklinge vorzugsweise derart gewählt wird, daß eine
Anschlifffläche am freien Ende der Rakelklinge im wesentlichen parallel zur
Gegenfläche verläuft. Erfordert das mit dieser Anordnung erzielte Auftrags
ergebnis eine Korrektur der Anpreßkraft der Rakelklinge gegen die Gegen
fläche, so wird die "neue" Klingenanpreßkraft auf Grundlage einer Erfassung
des Auftragsergebnisses durch Änderung der Anstellung des Tragbalkens
gegen die Gegenfläche oder/und des in dem Druckschlauch herrschenden
Fluiddrucks eingestellt. Das mit dem vorstehend erläuterten bekannten
Verfahren erzielte Auftragsergebnis stellt jedoch, insbesondere bei hohen
Laufgeschwindigkeiten der Gegenfläche, nicht vollends zufrieden.
Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren der eingangs genannten
Art derart weiterzubilden, daß sich insbesondere auch bei hohen Laufge
schwindigkeiten der Gegenfläche ein verbessertes Auftragsergebnis erzielen
läßt.
Diese Aufgabe wird bei dem gattungsgemäßen Verfahren dadurch gelöst,
daß der Anstellwinkel der Rakelklinge gegen die Gegenfläche auf einem
vorbestimmten Wert gehalten wird, indem der Spannungszustand des
Druckschlauchs als ein bei der Bestimmung der Steuergrößen heran
zuziehender Betriebsparameter erfaßt wird, und bei der Bestimmung der
Steuergrößen Informationen über das Verformungsverhalten des
Druckschlauchs sowie Informationen über das Biegeverhalten der
Rakelklinge berücksichtigt werden.
Bei ihren Untersuchungen zur Ursache der insbesondere bei hohen Lauf
geschwindigkeiten der Gegenfläche auftretenden Ungleichmäßigkeiten des
Auftragsergebnisses hat die Anmelderin herausgefunden, daß diese
Ungleichmäßigkeiten von geringfügigen Abweichungen der Rakelklinge von
einem bezüglich der Gegenfläche strikt parallelen Verlauf ihrer Anschliff
fläche herrühren, die bislang als tolerierbar angesehen worden waren. Es
zeigte sich jedoch, daß die mit den hohen Laufgeschwindigkeiten moderner
Maschinen zur Herstellung von Papier oder Karton verbundenen, erhöhten,
dynamischen Anströmdrücke des flüssigen oder pastösen Mediums gegen
die Rakelklinge zu den beobachteten Ungleichmäßigkeiten des Strichauftrags
führen. Insbesondere ergeben sich bei zu steilem Anstellen der Rakelklinge
gegen die Gegenfläche, wie es in Fig. 3b angedeutet, sogenannte "Rakel
streifen", während es bei zu flachem Anstellen der Rakelklinge gemäß Fig.
3c zu einem übermäßigen Durchtritt des Auftragsmediums durch den
Auftragsspalt zwischen Rakelklinge und Gegenfläche kommen kann.
Die Vermeidung des vorstehend erläuterten Problems durch Aufrechterhal
tung des parallelen Verlaufs der Anschlifffläche der Rakelklinge und der
Gegenfläche warf jedoch weitere Probleme auf, da es bislang im Stand der
Technik kein Verfahren gibt, mit dem die Lage der Anschlifffläche relativ zur
Gegenfläche während des laufenden Betriebs der Auftragsvorrichtung erfaßt
werden kann. Dieses Problem wird jedoch erfindungsgemäß dadurch um
gangen, daß man bei der Erfassung des Anstellwinkels der Rakelklinge
gegen die Gegenfläche und somit der Relativlage von Anschlifffläche und
Gegenfläche auf eine indirekte Erfassungsmethode zurückgreift, gemäß der
der Spannungszustand des Druckschlauchs als Meßgröße erfaßt und die
Biegelinie der Rakelklinge auf Grundlage von Informationen über das
Verformungsverhalten des Druckschlauchs sowie über das Biegeverhalten
der Rakelklinge bestimmt wird. Auf Grundlage dieser Kenntnis kann der
Anstellwinkel der Rakelklinge gegen die Gegenfläche bestimmen werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es somit möglich, die Parallelität
von Anschlifffläche und Gegenfläche auch während des laufenden Auftrags
betriebs aufrechtzuerhalten und somit auch bei hohen Laufgeschwindig
keiten ein zufriedenstellendes Auftragsergebnis zu gewährleisten.
Die Informationen über das Verformungsverhalten des Druckschlauchs und
das Biegeverhalten der Rakelklinge können in verschiedener Weise in das
erfindungsgemäße Verfahren eingehen. Beispielsweise können diese Infor
mationen in Form von analytischen Modellen berücksichtigt werden, auf
Grundlage derer aus dem erfaßten Spannungszustand des Druckschlauchs
der Anstellwinkel der Rakelklinge berechnet wird. In das das Biegeverhalten
der Rakelklinge beschreibende Modell können beispielsweise Angaben über
Höhe und Dicke der Klinge, Art und Abmessungen ihrer Befestigung am
Tragbalken und dergleichen Informatonen eingehen. Andererseits ist es auch
möglich, diese Informationen über das Verformungsverhalten des Druck
schlauchs und das Biegeverhalten der Rakelklinge in Form von in einem
Datenspeicher abgelegten Tabellen bzw. Datenfeldern zu berücksichtigen,
in denen für jeden Spannungszustand ein entsprechender Anstellwinkel
abgelegt ist, wobei der Inhalt dieser Datenfelder in vor dem eigentlichen
Auftragsbetrieb durchgeführten Versuchsreihen ermittelt worden ist.
Als ein den Spannungszustand des Druckschlauchs repräsentierender
Betriebsparameter kann beispielsweise der in dem Druckschlauch herr
schende Fluiddruck erfaßt werden. Zwar wird dieser Fluiddruck üblicher
weise mit Hilfe einer Regelschleife auf einem konstanten Wert gehalten,
wobei sich eine Änderung der Anpreßkraft des Druckschlauchs gegen die
Rakelklinge durch Vergrößerung bzw. Verringerung der Anlagefläche des
Druckschlauchs an der Rakelklinge ergibt. Jedoch hat eine Änderung der
Stellung der Rakelklinge relativ zu dem Druckschlauch stets anfänglich eine
geringe Druckerhöhung bzw. Druckerniedrigung zur Folge, die erfaßt und zur
Bestimmung des Spannungszustands des Druckschlauchs herangezogen
werden kann.
Zusätzlich oder alternativ kann die vorstehend genannte Verformung des
Druckschlauchs auch direkt erfaßt werden, beispielsweise mittels
Dehnungsmeßstreifen oder dergleichen, und als ein den Spannungszustand
dieses Druckschlauchs repräsentierender Betriebsparameter verwendet
werden.
Wenn bei der Bestimmung der Steuergrößen Informationen über die Relativ
stellung von Tragbalken und Gegenfläche berücksichtigt werden, so können
hierdurch Flexibilität und Präzision des erfindungsgemäßen Verfahrens
weiter erhöht werden, denn eine Änderung der Relativstellung von Trag
balken und Gegenfläche wirkt sich ebenfalls auf die Anstellung der Rakel
klinge gegen diese Gegenfläche aus.
Darüber hinaus kann auch das Auftragsergebnis erfaßt und das Erfassungs
ergebnis bei der Bestimmung der Steuergrößen berücksichtigt werden. Nicht
zuletzt erlaubt diese Möglichkeit einen vollautomatischen Betrieb der
Auftragseinrichtung.
Erfaßt man den Verschleiß der Rakelklinge und berücksichtigt das Erfas
sungsergebnis ebenfalls bei der Bestimmung der Steuergrößen, so kann
hierdurch die Steuerungs- bzw. Regelungsgenauigkeit erhöht werden, da
sich der Verschleiß der Rakelklinge infolge der damit verbundenen Redu
zierung ihrer Höhe auf ihr Biegeverhalten auswirkt. Eine sehr einfache
Möglichkeit, den Verschleiß der Rakelklinge zu berücksichtigen, kann
beispielsweise darin bestehen, die Betriebsdauer der Rakelklinge zu erfassen
und den jeweils aktuellen Verschleißzustand der Rakelklinge auf Grundlage
von Erfahrungswerten über Verschleißgeschwindigkeit zu bestimmen.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann die Tragbalken und Rakelklinge
umfassende Egalisiereinrichtung mittels verschiedener Fahrweisen betrieben
werden, die je nach Betriebszustand der Auftragsvorrichtung und den Eigen
schaften der Gegenfläche sowie des flüssigen oder pastösen Mediums vor
teilhaft sein können. Gemäß einer ersten Fahrweise können der in dem
Druckschlauch herrschende Fluiddruck oder/und die Stellvorrichtung derart
gesteuert bzw. geregelt werden, daß die Rakelklinge in einem orthogonal zur
Querrichtung der Auftragsvorrichtung genommenen Schnitt einen Verlauf
nimmt, gemäß welchem die Angriffsstelle des Druckschlauchs an der Rakel
klinge einlaufseitig einer Referenzlinie liegt, die dem Verlauf einer am
Tragbalken befestigten, jedoch unbelasteten, also weder vom Druck
schlauch beaufschlagten noch gegen die Gegenfläche angestellten Rakel
klinge entspricht, und gemäß welchem das freie Ende der Rakelklinge im
wesentlichen auf der Referenzlinie liegt. Ferner ist es auch möglich, den in
dem Druckschlauch herrschenden Fluiddruck oder/und die Stellvorrichtung
derart zu steuern bzw. zu regeln, daß die Rakelklinge einen Verlauf nimmt,
gemäß welchem die Angriffsstelle des Druckschlauchs an der Rakelklinge
im wesentlichen auf der Referenzlinie liegt, und gemäß welchem das freie
Ende der Rakelklinge auslaufseitig der Referenzlinie liegt. Schließlich kann
der in dem Druckschlauch herrschende Fluiddruck oder/und die Stellvorrich
tung auch derart gesteuert bzw. geregelt werden, daß die Rakelklinge derart
verläuft, daß weder die Angriffsstelle des Druckschlauchs an der Rakelklinge
noch das freie Ende der Rakelklinge auf der Referenzlinie liegen. So ist es
im letztgenannten Fall also beispielsweise möglich, daß die Angriffsstelle
des Druckschlauchs an der Rakelklinge einlaufseitig der Referenzlinie ange
ordnet ist und das freie Ende der Rakelklinge auslaufseitig der Referenzlinie
liegt.
In Weiterbildung der Erfindung wird vorgeschlagen, daß zu Beginn der
Steuerung bzw. Regelung des Anstellwinkels, d. h. vor der eigentlichen
Inbetriebnahme der Auftragsvorrichtung, eine Grundeinstellung der Stell
vorrichtung oder/und des in dem Druckschlauch herrschenden Fluiddrucks
vorgenommen wird. Diese Grundeinstellung kann, wie im Stand der Technik
üblich, von einer Bedienungsperson von Hand vorgenommen werden. Es ist
jedoch ebenso möglich, diese Grundeinstellung unter Ausnutzung der Mög
lichkeiten des erfindungsgemäßen Verfahrens halb- oder vollautomatisch
vorzunehmen.
Die Erfindung wird im folgenden an einem Ausführungsbeispiel anhand der
beigefügten Zeichnung näher erläutert werden. Es stellt dar:
Fig. 1 eine schematische Seitenansicht der Egalisiereinrichtung einer
Auftragsvorrichtung, die gemäß dem erfindungsgemäßen Ver
fahren betrieben werden kann;
Fig. 2a-2c grobschematische Darstellungen zur Erläuterung verschiedener
Betriebsweisen der Egalisiereinrichtung der Vorrichtung gemäß
Fig. 1; und
Fig. 3a-3c schematische Darstellungen verschiedener Anstellungen der
Rakelklinge gegen die Gegenfläche.
In Fig. 1 ist die Egalisiereinrichtung 12 einer allgemein mit 10 bezeichneten
Auftragsvorrichtung schematisch in Seitenschnittansicht dargestellt. Die
Egalisiereinrichtung 12 umfaßt einen Tragbalken 14, der an einem Rahmen
16 der Auftragsvorrichtung 10 bei A verstellbar angebracht ist. Ferner ist
ein Stellantrieb 18 vorgesehen, mit dessen Hilfe der Tragbalken 14 relativ
zum Rahmen 16 verstellt werden kann, um somit seine Relativlage bezüglich
einer Gegenfläche 20a zu beeinflussen. Obgleich in Fig. 1 aus Gründen der
übersichtlicheren Darstellung die Verstellbarkeit des Tragbalkens lediglich
als Verschwenkmöglichkeit des Tragbalkens 14 um die Achse A dargestellt
worden ist, versteht es sich, daß zusätzlich zu dem Schwenkantrieb 18
auch Stellantriebe zur translatorischen Verlagerung des Tragbalkens in den
beiden die Zeichenebene der Fig. 1 bildenden Raumrichtungen X und Y vor
gesehen sein können.
Die Gegenfläche 20a ist in dem dargestellten Ausführungsbeispiel die
Oberfläche einer Auftragswalze 20, von der das Auftragsmedium 22 an eine
nicht dargestellte Materialbahn, insbesondere aus Papier oder Karton,
übertragen wird. Die Gegenfläche 20a könnte aber ebenso unmittelbar von
der Oberfläche einer derartigen Materialbahn gebildet sein, auf die das
flüssige oder pastöse Medium 22 direkt aufgetragen wird.
Am Tragbalken 14 ist eine Rakelklinge 24 befestigt, insbesondere mittels
eines Druckschlauchs 26 an einem Halterungsabschnitt 14a des Tragbal
kens festgeklemmt. Die Druckfluid-Zuführleitungen zum Druckschlauch 26
sind in Fig. 1 der übersichtlicheren Darstellung halber nicht dargestellt. Das
freie Ende 24a der Rakelklinge 24 ist gegen die Gegenfläche 20a angestellt,
und zwar derart, daß eine Anschlifffläche 24b der Rakelklinge 24 im we
sentlichen parallel zur Gegenfläche 20a verläuft, wie dies in Fig. 1 oben
rechts in dem vergrößerten Detailausschnitt dargestellt ist.
Zur Anpressung der Rakelklinge 24 gegen die Gegenfläche 20a ist an dem
Tragbalken 14 ein Druckschlauch 28 vorgesehen, der an der Rakelklinge
zwischen deren Befestigungsende 24c und deren freiem Ende 24a angreift.
Der im Hohlraum 28a des Druckschlauchs 28 herrschende Druck wird mit
tels eines Drucksensors 30 erfaßt und über eine Leitung 32 an eine Steuer-
bzw. Regeleinheit 34 übermittelt, die ein nicht dargestelltes Druckregelventil
derart ansteuert, daß der Druck in dem Innenraum 28a über eine Druckfluid-
Zuführleitung 36 im wesentlichen konstant gehalten wird.
Steigt nun beispielsweise der einlaufseitig an der Rakelklinge 24 anstehende
hydrodynamische Druck des Auftragsmediums 22 an, so bewirkt dies eine
Auslenkung des freien Endes 24a der Rakelklinge 24 in Fig. 1 nach links,
d. h. in Laufrichtung L der Gegenfläche 20a, wodurch der Druckschlauch 28
derart verformt wird, daß seine Anlagefläche an der Rakelklinge 24 zu
nimmt. Infolge der Erhöhung der Anlagefläche nimmt bei konstantem Innen
druck des Druckschlauchs 28 auch die Anpreßkraft des Druckschlauchs 28
gegen die Rakelklinge 24 zu, so daß die strömungsdruckbedingte Auslen
kung der Rakelklinge 24 begrenzt wird. Durch geringfügige Erhöhung des
Drucks im Druckschlauch 28 kann die strömungsdruckbedingte Auslenkung
der Rakelklinge 24 wieder ausgeglichen werden.
In Fig. 1 weist die Rakelklinge 24 in stark vereinfachter Darstellung einen
geradlinigen Verlauf auf. Dies entspricht selbstverständlich nicht den
tatsächlichen Verhältnissen. Vielmehr wird die Rakelklinge 24 unter dem
Einfluß der Befestigungsstelle 24c am Tragbalken 14, des Druckschlauchs
28 sowie des hydrodynamischen Anströmdrucks im Bereich der Gegen
fläche 20a einen gekrümmten Verlauf nehmen. Verschiedene derartige ge
krümmte Verläufe sind in den Fig. 2a bis 2c dargestellt, auf die weiter unten
noch detaillierter eingegangen werden wird.
Aufgrund des am freien Ende 24a der Rakelklinge 24 angreifenden, erhöh
ten, hydrodynamischen Anströmdrucks sowie der erhöhten Anpreßkraft des
Druckschlauchs 28 gegen die Rakelklinge 24 nimmt diese Rakelklinge 24
einen stärker gekrümmten Verlauf als zuvor im Falle niedrigeren Anström
drucks. Zur Einstellung des gewünschten Auftragsabstands zwischen der
Anschlifffläche 24b der Rakelklinge 24 und der Gegenfläche 20a muß der
in dem Druckschlauch 28 herrschende Fluiddruck nochmals geringfügig
erhöht werden, um so wieder den gewünschten Auftragsabstand einzustel
len.
Infolge einer Änderung der Biegelinie der Rakelklinge 24 ändert sich aber
auch der Anstellwinkel α der Rakelklinge 24 gegen die Gegenfläche 20a,
wobei dieser Anstellwinkel α derjenige Winkel ist, der von der Tangente T
an die Gegenfläche 20a im Bereich des Anstellpunkts 38 der Rakelklinge 24
mit einer den Verlauf des freien Endes 24a der Rakelklinge 24 approximie
renden Gerade G eingeschlossen wird (vgl. Fig. 3a). Für die Erzielung eines
zufriedenstellenden Auftragsergebnisses ist es - wie vorstehend bereits
erläutert - von Bedeutung, daß die Anschlifffläche 24b der Rakelklinge 24
während des Auftragens stets im wesentlichen parallel zur Gegenfläche 20a
verläuft, daß also der gewünschte Anstellwinkel α der Rakelklinge 24,
genauer gesagt, deren freien Endes 24a, gegen die Gegenfläche 20a stets
in engen Toleranzgrenzen beibehalten wird. Insbesondere müssen Situatio
nen mit zu stumpfem Anstellwinkel (siehe Fig. 3b; α' < α) oder zu spitzem
Anstellwinkel (siehe Fig. 3c; α'' < α) vermieden werden.
Sollte die mit der vorstehend angeführten weiteren Erhöhung des Innen
drucks des Druckschlauchs 28 verbundene Abweichung der Anschlifffläche
24b von der Parallelität bezüglich der Gegenfläche 20a ein erfindungsgemäß
nicht mehr zu tolerierendes Maß überschreiten, so kann zur Korrektur, d. h.
zur Wiederherstellung der strikten Parallelität zwischen Anschlifffläche 24b
und Gegenfläche 20a, auch auf die Verstellbarkeit des Tragbalkens 14 rela
tiv zur Gegenfläche 20a zurückgegriffen werden. Hierzu werden der Steuer-
bzw. Regeleinrichtung 34 über eine Datenleitung 40 Informationen über die
jeweils aktuelle Stellung des Tragbalkens 14 übermittelt, und die Steuer-
bzw. Regeleinheit 34 gibt ihrerseits über eine Signalleitung 42 die
vorstehend angesprochene Korrektur berücksichtigende Stellsignale an die
Stellvorrichtung 18 aus.
In Fig. 1 ist darüber hinaus die Möglichkeit angedeutet, das Querprofil der
auf die Gegenfläche 20a aufgetragenen Schicht an Auftragsmedium 22 zu
beeinflussen, d. h. das Auftragsprofil in einer orthogonal zur Zeichenebene
verlaufenden Richtung Q. Hierzu ist der Druckschlauch 28 in einer flexiblen
Schiene 44 gelagert, die in einer Ausnehmung 14b des Tragbalkens 14 ver
schiebbar aufgenommen ist. In Querrichtung Q des Tragbalkens 14 ist eine
Mehrzahl von Stellgliedern 46 vorgesehen, die im dargestellten Ausfüh
rungsbeispiel gemäß Fig. 1 als von Hand betätigbare Stellschrauben 46
ausgebildet sind, jedoch ebenso von fernbetätigbaren Aktuatoren gebildet
sein können. Mit Hilfe dieser Schrauben 46 kann der Druckschlauch 28 in
Querrichtung Q des Tragbalkens 14 abschnittsweise unterschiedlich stark
gegen die Rakelklinge 24 angestellt werden.
Der Spannungszustand des Druckschlauchs 28 kann zusätzlich oder alter
nativ zur Erfassung des in ihm herrschenden Drucks durch den Drucksensor
30 auch auf Grundlage seines Verformungszustands bestimmt werden. Hier
zu können beispielsweise Dehnungsmeßstreifen 50 vorgesehen sein, deren
Erfassungssignale über eine in Fig. 1 mit strichpunktierter Linie angedeutete
Signalleitung an die Steuer- bzw. Regeleinheit 34 weitergeleitet werden. In
analoger Weise können bei der Bestimmung der Steuergrößen auch
Meßergebnisse berücksichtigt werden, die Auskunft über das erzielte
Auftragsergebnis geben. Hierzu ist beispielsweise in Fig. 1 ein
Auftragssensor 52 vorgesehen. Die Sensorsignale dieser und weiterer den
Betriebszustand der Auftragsvorrichtung 10 repräsentierender Aufnehmer
werden der Steuer- bzw. Regeleinheit 34 über zusätzlich Signaleingänge 54
zugeführt und können bei der Bestimmung der Steuergrößen für den im
Druckschlauch 28 herrschenden Fluiddruck und die Anstellvorrichtung 18
berücksichtigt werden.
In den Fig. 2a, 2b und 2c sind grobschematisch drei verschiedene Biege
linien von Rakelklingen 24 dargestellt, die typischen Betriebsweisen der
Egalisiervorrichtung 12 entsprechen. In allen drei Figuren ist gestrichelt eine
Referenzlinie R eingetragen, die dem Verlauf einer bei 24c am Tragbalken
14 befestigten, jedoch sowohl vom Anströmdruck des Auftragsmediums 22
als auch vom Druckschlauch 28 unbelasteten Rakelklinge 24 entspricht.
Darüber hinaus ist die Beaufschlagung der Rakelklinge 24 durch den
Druckschlauch 28 jeweils grobschematisch durch einen Pfeil angedeutet,
wobei die Angriffstelle des Druckschlauchs 28 an der Rakelklinge 24 mit
28b bezeichnet ist. In allen drei Figuren liegt selbstverständlich die
Befestigungsstelle 24c der Rakelklinge 24 am Tragbalken 14 auf der Refe
renzlinie R.
Gemäß der in Fig. 2a dargestellten Betriebsweise der Egalisiereinrichtung 12
nimmt die Rakelklinge 24 einen gekrümmten Verlauf V1, gemäß dem die An
griffsstelle 28b des Druckschlauchs 28 an der Rakelklinge 24 einlaufseitig
der Referenzlinie R angeordnet ist, während die Rakelklinge 24 im wesent
lichen auf der Referenzlinie R gegen die Gegenfläche 20a angestellt ist.
Gemäß Fig. 2b ist die Rakelklinge 24 derart gekrümmt, daß die Angriffstelle
28b des Druckschlauchs 28 an der Rakelklinge 24 im wesentlichen auf der
Referenzlinie R liegt, während ihre Anpreßstelle 38 auslaufseitig dieser
Referenzlinie R angeordnet ist (Verlauf V2). Gemäß einer dritten Betriebs
weise, die man als Mischung der Betriebsweisen gemäß Fig. 2a und 2b
ansehen könnte, ist gemäß Fig. 2c die Rakelklinge 24 derart gekrümmt, daß
weder die Angriffstelle 28b des Druckschlauchs 28 noch die Angriffsstelle
38 der Rakelklinge 24 an der Gegenfläche 20a auf der Referenzlinie R
angeordnet sind (V3). Genauer gesagt, ist die Angriffstelle 28b des Druck
schlauchs 28 in dem dargestellten Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 2c ein
laufseitig der Referenzlinie angeordnet, während die Rakelklinge 24 auslauf
seitig der Referenzlinie R gegen die Gegenfläche 20a bei 38 angestellt ist.
Unabhängig davon, welche Betriebsweise für den jeweiligen Auftrags
vorgang als die günstigste angesehen wird, kann durch Beeinflussung des
Anstellzustands des Druckschlauchs 28 gegen die Rakelklinge 24 sowie
gegebenenfalls Beeinflussung der Relativstellung von Tragbalken 14 und
Gegenfläche 20a unter Berücksichtigung der in der Steuer- bzw.
Regeleinheit 34 abgelegten, einerseits das Verformungsverhalten des
Druckschlauchs 28 und andererseits das Biegeverhalten der Rakelklinge 24
berücksichtigenden Datenfeldern stets zuverlässig dafür gesorgt werden,
daß zum einen der Auftragsabstand der Anschlifffläche 24b von der
Gegenfläche 20a den gewünschten Wert aufweist, andererseits aber auch
die Anschlifffläche 24b im wesentlichen parallel zur Gegenfläche 20a
verläuft.
Claims (10)
1. Verfahren zum Steuern bzw. regeln einer Vorrichtung (10) zum Auf
tragen eines flüssigen oder pastösen Mediums (22) auf eine Gegen
fläche (20a),
wobei diese Gegenfläche (20a) beispielsweise die Oberfläche einer laufenden Materialbahn, insbesondere aus Papier oder Karton, ist oder die Auftragsfläche einer laufenden Auftragseinheit (20), insbesondere Auftragswalze, von welcher das flüssige oder pastöse Medium auf eine derartige Materialbahn übertragen wird,
wobei eine Rakelklinge (24) zum Egalisieren des aufgetragenen flüssigen oder pastösen Mediums an einem Tragbalken (14) befestigt ist, dessen Stellung relativ zu der Gegenfläche (20a) mittels einer Stellvorrichtung (18) veränderbar ist, und
wobei an dem Tragbalken (14) ein mit Fluiddruck beaufschlag barer und gegen die Rakelklinge (24) anstellbarer Druckschlauch (28) vorgesehen ist,
das Verfahren umfassend die Schritte:
wobei diese Gegenfläche (20a) beispielsweise die Oberfläche einer laufenden Materialbahn, insbesondere aus Papier oder Karton, ist oder die Auftragsfläche einer laufenden Auftragseinheit (20), insbesondere Auftragswalze, von welcher das flüssige oder pastöse Medium auf eine derartige Materialbahn übertragen wird,
wobei eine Rakelklinge (24) zum Egalisieren des aufgetragenen flüssigen oder pastösen Mediums an einem Tragbalken (14) befestigt ist, dessen Stellung relativ zu der Gegenfläche (20a) mittels einer Stellvorrichtung (18) veränderbar ist, und
wobei an dem Tragbalken (14) ein mit Fluiddruck beaufschlag barer und gegen die Rakelklinge (24) anstellbarer Druckschlauch (28) vorgesehen ist,
das Verfahren umfassend die Schritte:
- - Erfassen des Werts wenigstens eines den Betriebszustand der Auftragsvorrichtung (10) repräsentierenden Parameters,
- - Bestimmen von Steuergrößen für die Stellvorrichtung (18) oder/und den im Druckschlauch (28) herrschenden Fluiddruck auf Grundlage des erfaßten Werts des wenigstens einen Betriebszustandsparameters, und
- - Beeinflussen der Stellvorrichtung (18) oder/und Beeinflussen
des in dem Druckschlauch (28) herrschenden Fluiddrucks auf
Grundlage der bestimmten Steuergrößen,
dadurch gekennzeichnet, daß der Anstellwinkel (α) der Rakelklinge (24) gegen die Gegenfläche (20a) auf einem vorbestimmten Wert gehalten wird, indem der Spannungszustand des Druckschlauchs (28) als ein bei der Bestimmung der Steuergrößen heranzuziehender Betriebsparameter erfaßt wird, und bei der Bestimmung der Steuer größen Informationen über das Verformungsverhalten des Druck schlauchs (28) sowie Informationen über das Biegeverhalten der Rakelklinge (24) berücksichtigt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß der in dem Druckschlauch (28) herr
schende Fluiddruck (mittels 30) als ein den Spannungszustand dieses
Druckschlauchs (28) repräsentierender Betriebsparameter erfaßt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß eine von der Druckbeaufschlagung her
rührende Verformung des Druckschlauchs (28) (mittels 50) als ein
den Spannungszustand dieses Druckschlauchs (28) repräsentierender
Betriebsparameter erfaßt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß bei der Bestimmung der Steuergrößen
(über 40 gelieferte) Informationen über die Relativstellung von Trag
balken (14) und Gegenfläche (20a) berücksichtigt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß das Auftragsergebnis (mittels 52)
erfaßt wird und das Erfassungsergebnis bei der Bestimmung der
Steuergrößen berücksichtigt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß der Verschleiß der Rakelklinge (24)
erfaßt wird und das Erfassungsergebnis bei der Bestimmung der
Steuergrößen berücksichtigt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der in dem Druckschlauch (28) herr
schende Fluiddruck oder/und die Stellvorrichtung (18) derart
gesteuert bzw. geregelt werden, daß die Rakelklinge (24) in einem
orthogonal zur Querrichtung (Q) der Auftragsvorrichtung (10)
genommenen Schnitt einen Verlauf (V1) nimmt, gemäß welchem die
Angriffsstelle (28b) des Druckschlauchs (28) an der Rakelklinge (24)
einlaufseitig einer Referenzlinie (R) liegt, die dem Verlauf einer am
Tragbalken (14) befestigten, jedoch unbelasteten, also weder vom
Druckschlauch (28) beaufschlagten noch gegen die Gegenfläche
(20a) angestellten Rakelklinge (24) entspricht, und gemäß welchem
das freie Ende (24a bzw. 38) der Rakelklinge (24) im wesentlichen
auf der Referenzlinie (R) liegt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der in dem Druckschlauch (28) herr
schende Fluiddruck oder/und die Stellvorrichtung (18) derart
gesteuert bzw. geregelt werden, daß die Rakelklinge (24) in einem
orthogonal zur Querrichtung (Q) der Auftragsvorrichtung (10)
genommenen Schnitt einen Verlauf (V2) nimmt, gemäß welchem die
Angriffsstelle (28a) des Druckschlauchs (28) an der Rakelklinge (24)
im wesentlichen auf einer Referenzlinie (R) liegt, die dem Verlauf
einer am Tragbalken (14) befestigten, jedoch unbelasteten, also
weder vom Druckschlauch (28) beaufschlagten noch gegen die
Gegenfläche (20a) angestellten Rakelklinge (24) entspricht, und
gemäß welchem das freie Ende (24a bzw. 38) der Rakelklinge (24)
auslaufseitig der Referenzlinie (R) liegt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß der in dem Druckschlauch (28) herr
schende Fluiddruck oder/und die Stellvorrichtung (18) derart
gesteuert bzw. geregelt werden, daß die Rakelklinge (24) in einem
orthogonal zur Querrichtung (Q) der Auftragsvorrichtung (10)
genommenen Schnitt einen Verlauf (V3) nimmt, gemäß welchem
weder die Angriffsstelle (28a) des Druckschlauchs (28) an der
Rakelklinge (24) noch das freie Ende (24a bzw. 38) der Rakelklinge
(24) auf einer Referenzlinie (R) liegen, die dem Verlauf einer am
Tragbalken (14) befestigten, jedoch unbelasteten, also weder vom
Druckschlauch (28) beaufschlagten noch gegen die Gegenfläche
(20a) angestellten Rakelklinge (24) entspricht.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß zu Beginn der Steuerung bzw. Regelung
des Anstellwinkels (α) eine Grundeinstellung der Stellvorrichtung (18)
oder/und des in dem Druckschlauch (28) herrschenden Fluiddrucks
von einer Bedienungsperson oder automatisch vorgenommen wird.
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