KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 77: Sport.
JOS. ESTNER in MÜNCHEN. Badeapparat.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 17. Juni 1881 ab.
Dieser Apparat besteht aus zwei Cylindern a aus starkem Blech, welche 60 cm von einander
parallel angeordnet sind, ca. 30 cm Durchmesser und 2 m Länge und eine Spitze von
30 cm Länge haben. Die Cylinder sind durch zwei innere Scheidewände (Böden) in drei
gleiche, für sich abgeschlossene Abtheilungen getheilt.
Um jeden Cylinder sind vier Bandeisenringe b, sowie unter demselben der ganzen Länge nach
ein 3 mm starkes Bandeisen b"1 angeordnet,
welches an den Ringen und Cylindern befestigt ist und zum Schütze der Cylinder dient.
Die beiden Cylinder werden durch gebogene Eisenröhren c mit einander verbunden.
Quer über die Cylinder laufen zwei Achsen d aus Eisen, welche an der inneren Seite der
Cylinder mit Handkurbeln versehen und in e gelagert sind.
An beiden Seiten des Apparats sind zwei Wasserschaufelräder / von Eisenblech oder Holz
von 70 cm Durchmesser angebracht und zwischen den beiden Cylindern ein Badestuhl g
(Sessel) mit scharnierartig, mittelst eines Hebels beweglicher Lehne und einem Fufstheil aus
Winkeleisen, mit Geflecht oder Holzplättchen am Sitz, Fufstheil und Lehne. v
Unter dem Sitztheil des Stuhles ist ein Triebwerk von Eisen angebracht und mit einer
kleinen Handkurbel h1 versehen, welche vorn
in der Mitte des Sitztheiles hervorragt.
Zwei Zahnstangen, welche an der inneren Seite der Cylinder befestigt sind, 50 cm senkrecht
nach abwärts stehen und in welche das Räderwerk Λ2 des Stuhles g eingreift, dienen
zur Verstellung des Sitzes in seiner Höhenlage.
Der Sitz wird bei seiner Verstellung durch vier Stangen k geführt.
Am Stuhl ist ein zweiarmiger Hebel befestigt, von welchem der hintere (längere) Arm mit
einem Röllchen χ versehen ist, das in einem in der Stuhllehne angebrachten Schlitz beweglich
ist, während der vordere (kürzere) Arm am Fufstheil des Stuhles, scharnierartig befestigt
ist.
Vier Hülsen η von Eisen, auf den vier Eckringen
der Cylinder befestigt, dienen zum Einstecken von Zeltstangen.
Dieser Apparat ist von grofser Tragkraft, und sind alle Wendungen mittelst der Schaufelräder/
sehr leicht und rasch auszuführen. Durch das Triebwerk h mit kleiner Handkurbel kann man
sich sehr leicht auf- und niederwinden, d. h. man kann nach Belieben ein Fufsbad, Sitzbad
oder ganzes Bad nehmen und sich dabei gleichzeitig rasch vorwärts bewegen.
Mit Hülfe des Hebels m kann man dabei eine sitzende, halb liegende oder ganz liegende
Stellung einnehmen, ohne dabei eine andere Function des Apparats zu beeinträchtigen. Dieser
Apparat kann auch als Rettungsapparat gebraucht werden, da er auch bei stark gehenden Wogen
die gröfste Sicherheit bietet.
Patenτ-Anspruch:
Ein Badeapparat, welcher gekennzeichnet ist:
i. durch das aus den Luftcylindern a a
mit Spitzen, den Eisenringen bbbbbbbb, den seitwärts und unter den Cylindern hin-
laufenden Schutzbandeisen P, den Cylinderverbindungsbögen
c c nebst den Stangenhülsen η η η η bestehende Schwimmgestell,
in Verbindung mit den durch die Handkurbeln dd, deren Achsen auf den mit
Achsenbüchsen versehenen Achsenträgern e eee ruhen, zu bewegenden Schaufelrädern^//;
2. durch den aus dem beweglichen dreitheiligen Sessel ggg mit dem zweiarmigen Hebel nimm
(mit Rädchen x) bestehenden Badestuhl, in Verbindung mit dem durch die Handkurbel·hl
zu bewegenden Triebwerk Λ2 Λ2 h2 mit den
Zahnstangen i i, den Führungsstangen k und unteren Verbindungsstangen /, wie durch die
Zeichnung und Beschreibung näher erläutert worden ist.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.