Verfahren und Vorüchtung zur Herstellung von Prüffäden für die Ermittlung der Spinnfähigkeit uud Fadenfestigkeitseigenschaften von Faserstoffen. Um von einem bestimmten Rohstoff einen auf seine Spinnfähigkeit und Festigkeits eigenschaft prüfbaren Faden zu erhalten, wurde bisher eine grosse Menge des zu prü fenden rohen Faserstoffes im gewöhnlichen Gang der Herstellung durch die Herstellungs maschine n (Krempel, Streckwerk, Flyer) bis zur Feinspinnmaschine geschickt.
Da die nor male Maschine zu ihrer Füllung bezw. zu ihrem gleichmässigen Arbeiten eine grosse Menge Rohstoff benötigt, war das Verfahren teuer, umständlich und zeitraubend, insbe sondere auch dadurch, dass die betreffende Maschine während dieser Zeit aus dem Fa brikationsbetrieb gezogen werden musste. Ferner war eine grosse Rohstoffvergeudung die Folge.
Nach der Erfindung ist es möglich, mit einer verhältnismässig kleinen Menge von Rohstoff, zum Beispiel 50 gr oder weniger, in kürzester Zeit ohne Störung des Fabrika tionsvorganges ein genaues und sicheres Bild über die für seine Verwendung wichtigsten Eigenschaften des Rohstoffes, insbesondere die Fadenfestigkeit zu gewinnen und da durch aus einer Mehrzahl von Rohstoff mustern rasch das günstigste auszuwählen.
Beim erfindungsgemässen Verfahren wird dies dadurch erreicht, da.ss von jedem zu prü fenden Faserstoff jeweils die gleiche kleine Menge einer Kleinkrempel vorgelegt, auf dieser zu einem Pelz einer bestimmten Länge verarbeitet, der Pelz als nochmalige Auflage für die Krempel verwendet und daraus ein gleichmässiges Band (Lunte) hergestellt, die ses auf einem Streckwerk verzogen und zu einem Prüffaden versponnen wird.
Eine ebenfalls Gegenstand der Erfindung bildende Vorrichtung zur Ausübung des Ver fahrens ist in der anliegenden Zeichnung beispielsweise und teilweise schematisch ver anschaulicht. Es stellen dar:
Fig. 1 eine Seitenansicht der Vorrichtung (einzelne Teile im Schnitt), Fig. 2 eine Aufsicht auf die Vorrichtung, Fig. 3 eine schematische Darstellung von Einzelheiten in Seitenansicht und teilweisem Schnitt in kleinerem Massstab, Fig. 3a eine Ansicht und teilweisen Schnitt von Einzelheiten in grösserem Massstab, Fig. 4 die Ansicht eines Zwischenerzeug nisses,
hergestellt auf den Vorrichtungen nach den Fig. 1 bis 3, Fig. 5 einen Teil des Gegenstandes der Fig. 3 mit einem Einzelteil in anderer Stel lung im Massstab der Fig. 3, Fig. 6 die Ansicht eines Einzelteils, teil weise geschnitten in grösserem Massstab, Fig. 7 die Ansicht eines Einzelteils, eben falls in grösserem Massstab, Fig. 8 einen Schnitt durch einen Einzel teil (Streckwerk) in einer etwas andern Aus führungsform und in grösserem Massstab.
Die dargestellte Vorrichtung zur Aus führung des Verfahrens nach der Erfindung besteht im wesentlichen aus einer besonderen Kleinkrempel A, einem Streckwerk mit Spinneinrichtung B und einem Fadenfestig- keitsprüfer C.
Die Kleinkrempel besitzt ein Zuführungs förderband 1, das über Leitwalzen la und 1b läuft, eine Zuführmulde 2 mit Druckwalze 3, einen Vorreisser (Briseur) - 5, eine grosse Trommel .(Tambour) 6, eine Abnahmewalze 7, einen Hacker 8, eine Pelztrommel 9 und eine Gewichtswalze 10. Diese Teile entspre chen im wesentlichen -den Teilen einer grossen Krempel nur mit dem Unterschied, dass die Abmessungen so klein gewählt sind, dass schon ganz geringe Mengen von Textilroh stoffen, zum Beispiel 50 g oder weniger, diese Teile voll belegen.
Abweichend von der normalen Bauart einer Krempel sind folgende Teile: Das Zuführungsförderband hat seitlich verschiebbare Begrenzungsschienen 11 für einen Zweck, der später noch erläutert wird. Die grosse Trommel arbeitet mit mehreren nadelbesetzten Deckeln 13 zusammen, die in einem Deckelsektor 12 geführt und mit ihrer Innenfläche gegen die Umfangsfläche der grossen Trommel federnd einstellbar gehalten sind. Zweckmässig ist dabei der Abstand der Nadelspitzen der einzelnen Deckel von den Nadelspitzen der grossen Trommel am Ein gang des Vliesses, also bei 14 grösser als bei 15 (Fis. 3). Der Deckelsektor ist. leicht abnehm bar gestaltet, vorteilhaft am einen Ende um einen Drehpunkt 16 schwenkbar.
Am andern Ende ruht er lösbar in einem Ff alter 16a. Durch diese Bauart kann der Deckelsektor zum Zwecke leichter Reinigung der Trommel und der Deckel von ersterer entfernt werden, vergl. Stellung 12a in Fig. 3. Hinter dem Hacker 8 ist ein Sammeltrichter 17 beweglich in die Bahn des vom Hacker kommenden Vliesses einschaltbar angeordnet, zum Beispiel mittels eines Bügels 18. Die Fig. 3 zeigt die ausgeschaltete und die Fig. 1, 2 und 5 zeigen die eingeschaltete Stellung.
Fig. 3a zeigt die federnde und einstell bare Anordnung der Deckel 13 in dem Deckelsektor 12, Feder bei 13a und Einstell knopf bei 13b gezeigt.
Auch der Antrieb der Einzelteile unter scheidet sich von dem Antrieb einer normalen Krempel und ist gänzlich auf die besonderen Bedürfnisse einer kleinen 21laschine für Ver suchszwecke abgestellt. Von einer Kraft quelle neben der Kleinkrempel, zum Beispiel einem Elektromotor 19, wird mittels eines Riemens 19a über Riemenscheiben 20 bis 22 die Hackerbewegung, die grosse Trommel 6 und der Vorreisser 5 angetrieben. Diese Rie menscheiben sitzen auf Wellen 24, 23 und 25.
Von der Welle 25 des V orreissers wird mittels Schneckenräder einmal eine Welle 26 für die Bewegung der Zuführungsförder- ba.ndwa.lze la und weiter eine Welle 27 für die Bewegung der Abnehmerwalze 7 an getrieben. Ein Schraubenrad 28, das diese Bewegung vermittelt, leitet den Antrieb weiter auf eine Welle 29, die über Schrauben räder 30, 31 den Antrieb der Pelztrommel 9 bewirkt.
Die Walze 3 ist in einem gewichts belasteten Hebel 32 gelagert.
Unter den verschiedenen nadelbesetzten Walzen ist ein schieberartiger Sammelbehäl- ter 33 mit Handgriff 34 und Arretiervorrich- tung 35 gelagert. Dieser Sammelbehälter ist durch Scheidewände 36 und 37 in drei Ab teilungen 38, 39, 40 unterteilt.
Das erfindungsgemässe Verfahren kann mittels der beschriebenen Vorrichtung wie folgt durchgeführt werden.
Eine abgemessene Menge des Textilroh stoffes, zum Beispiel 50g wird auf das Zu führungsförderband 1 aufgelegt, nachdem die Führungsleisten 11 in eine Innenstellung 11a gebracht sind, vergl. Fig. 2. Der Rohstoff wandert in Richtung des Pfeils D, wird auf der Krempel verarbeitet, das Vliess vom Hacker 8 abgenommen und auf der Pelz trommel 9 aufgewickelt. Auf dieser entsteht ein sogenannter Pelz 41 bestimmter Länge, das heisst abhängig von dem Umfang der Pelztrommel.
Nachdem die vorgelegte geringe Menge des Rohstoffes vollständig verarbeitet ist, wird der Pelz längs einer Mantellinie der Pelztrommel aufgeschnitten, wie bei 42 in Fig. 3 angedeutet. Für das Aufschneiden ist in der Pelztrommel 9 zweckmässig eine Nute 43 vorgesehen, vergl. Fig. 1.
Dieser Pelz, wie in Fig. 4 dargestellt, -wird erneut auf das Zuführungsförderband 1 aufgelegt, nachdem die Führungsleisten 11 vorher in eine Aussenstellung gebracht wor den sind, weil der Faserstoff sich während der Bearbeitung durch die Krempel aus gebreitet hat. Vor Ingangsetzen der Klein krempel wird jetzt der Sammeltrichter 17 eingeschaltet (Stellung Fig. 1, 2 und 5). Durch ihn wird das vom Hacker kommende Vliess zu einer Lunte oder einem Band 44 vereinigt und verdichtet, wie durch die Linien 45 (Fig. 2) angedeutet.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine sehr kleine Ausführung der Kleinkrempel von ungefähr nur 11/2m Länge, 1/2 m Breite und '/s m Höhe vollständig genügt, um ein genaues Bild über den jeweiligen Rohstoff zu erhalten.
Die Lunte 44 wird nun in der Vorrich tung B (Fig. 6) weiterbehandelt. Sie durch läuft zuerst ein Streckwerk mit Zylinder paaren 46 bis 49, die in üblicher Weise immer höhere Umlaufszahlen aufweisen und mittels beliebiger Vorrichtungen, zum Beispiel Ge windespindeln 50 bis 52, in ihrem gegen seitigem Abstand verändert werden können, um die .richtige Zylinderstellung zu erhalten. die das betreffende - Material beim Spinn- vorgang braucht.
Die verzogene Lunte wird sodann- auf einer Spinnvorrichtung zu einem Faden 55 versponnen. Beim gezeichneten Ausführungsbeispiel ist eine Ringspinnvor- richtung mit Ring 53 und Läufer 54 dar gestellt.
Dieser so gewonnene Faden wird dann auf einer bekannten Fadenprüfmaschine, von der in Fig: 7 nur ein Beispiel schematisch an gedeutet ist, auf seine Bruchfestigkeit ge prüft. Dort ist an einer Trommel 56, um die ein Zugglied 57 gelegt ist, ein Zeiger 58 an gebracht, der auf einer Skala 59 spielt. 60 ist eine Fadenklemme an dem Zugglied 57 und 61 eine Fadenklemme an-einer Zahn stange 62. Wird letztere mittels eines Zahn rades 63 in Richtung des Pfeils E bewegt, schlägt der Zeiger 58 aus und gibt an der Skala bei Bruch des Fadens dessen Bruch festigkeit an.
Mittels des Handgriffes 34 wird der Sammelbehälter 33 herausgezogen, und es wird ermittelt, wieviel Schalen und sonstige Abfälle ;(in den Abteilungen 38 und 39) vom Vorreisser bezw. wieviel Flug von der grossen Trommel (in Abteilung 40) bei dem jeweiligen Rohstoff anfällt.
Ein besonders zweckmässiges Streckwerk für eine Vorrichtung nach der Erfindung ist in Fig. 8 veranschaulicht. Hier f ällt die umständ liche Einstellung der Streckwalzenpaare fort.
Hier sind ortsfeste Klemmstreckzylinder- paare, welche über Haken 68-70 durch Ge wichte stark belastet sind, beispielsweise mit je 5 bezw. 15 Kg. Die Unterzylinder 65a und 66a, dienen dabei zur Führung von -Riemchen 74 und 75, welche über Riementische 76 und 77 laufen und durch belastete Spannrollen 78 und 79 -straff gehalten werden. Zwischen den glemmstreckzylinderpaaren 65-67 sind Durchzugswalzen 80-85 kleineren Durch messers angeordnet, welche durch ähnliche Walzen 86-91 mit zusätzlicher rollender Belastung versehen sind.
Mittels dieses Streckwerkes ist es möglich, ein Faserband sowohl von kurzen, als auch von langen Fa sern ohne Verstellung der Zylinderabstände völlig gleichmässig zu verziehen.