Verfahren zur Verhinderung des Nebensprechens bei Nabeln mit mehreren Viererleitungen. Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Verhinderung des Nebensprechens bei Ka beln, insbesondere Telephon- und Telegra phenkabel, mit mehreren Viererleitungen. Zur Beseitigung des Nebensprechens bei sol chen Kabeln wurden bereits verschiedene Wege eingeschlagen.
Sie bestehen zum Bei spiel darin, dass der Einfluss einer Betriebs schleife (Senderschleife) in den Nachbar schleifen für jede einzelne Kabellänge festge stellt und die Wirkung dieser Induktion, bezw. Influenz dadurch möglichst gering-ge- halten wird, dass man bei zwei anstossenden Nabellängen Leiterschleifen aussucht, welche von derselben Betriebsschleife aus möglichst gleichgrosse Influenz erhalten, diese Schlei fen dann aber so miteinander verbindet, dass die influenzierten Spannungen sich auf heben.
Man ist also genötigt, nacheinander das Mit- und Übersprechen sämtlicher Schlei fen wenigstens in der Nachbarschaft der Sen- derschleife für jede Betriebsschleife des gan zen Kabels als Senderschleife zu untersuchen und das günstigste Resultat der Aderverbin dungen zu ermitteln. Solange diese Ermitt- lung durch direktes Ausprobieren geschieht, ist gegen die- Richtigkeit der Endresultate na türlich nichts einzuwenden, jedoch hat diese Methode infolge ihrer Umständlichkeit für vielpaarige Kabel kaum praktische Bedeu tung.
Man hat daher auch vorgeschlagen, die Influenz durch Messung der kapazitiven Ver fettung der Senderschleife mit jeder benach- harten Schleife in einer Masszahl festzulegen und die Schleifenverbindung anstossender Kabellängen, wie oben angegeben, auf Grund- _ lage dieser Masszahlen vorzunehmen.
Auch dieses Verfahren ist umständlich und führt ausserdem im allgemeinen nicht zu richtigen l",rgebnissen. Bei derartigen Messungen wirkt nämlich die Anwesenheit anderer Leiter, ins besondere des Bleimantels, im allgemeinen verschieden auf Strom und Spannung in Hin- und Rückleitung der Senderschleife. Wä h- rend man die kapäzitive Verkettung zweiar Stromschleifen miteinander festzustellen glaubt,
wirkt die Störung der Spannungs- und Stromsymmetrie in der Senderschleife in solcher Weise, dass auch bei gleichen Teil hapazitäten der Leiter gegeneinander unsym- metrische Ladungen verursacht werden.
Es werden also Einflüsse der Unsymmet.rien der Spannung und des Stromes der Send %rschleil'e als eine unsymmetrische Lagerung einer be- stimmten Nachbarschleife zu dieser Sender- schleife gedeutet, obwohl diese untersuchte Nachbarschleife symmetrisch gelagert sein kann und ein ganz anderer Leiter das Schein resultat bedingt.
Dass trotzdem die bekannten Verfahren, bei grosser Sorgfalt, zu brauchbaren Ergebnissen geführt haben, ist darauf zurückzuführen, dass man zu ausserordentlich guter Herstel lung der Kabel selbst geschritten ist, und dass man ausserdem nur ganz kurze Fabrika- tionslängen von etwa 200 ni verwendet.
Durch die vorliegende Erfindung wird ein ganz verschiedener Weg gewiesen, um das ,Nebensprechen bei Kabeln zu vermeiden.
Man geht dabei von folgender Erkenntnis aus: Wie oben erläutert wurde, sind die vor erwähnten bekannten Methoden dann und nur dann zweckentsprechend, wenn die Ur sache des Nebensprechens von Viererleitun gen im wesentlichen innerhalb eines jeden Vierers selbst liegt. Solange man sehr hohl umsponnene Papierkabel für diese Zwecke verwandte, ist dies auch der Fall gewesen, da die Kupferleiter innerhalb der Papier röhren grosse Bewegungsfreiheit besassen.
Nachdem aber bei modernen Kabeln jeder Vierer ein nahezu festes Bündel bildet, ir. welchem die Leiter sehr symmetrisch gelagert sind, ist die Hauptursache des Nebenspre- chens nicht mehr in Unsymmetrien inner halb jedes Vierers zu suelien, sondern in dar Unsymmetrie des Stromes und der Spannung in Hin- und Rückleitung der Senderschleife, die, wie schon gesagt, eine andere Herkunft hat.
Demgemäss besteht das Verfahren darin, dass bei der Zusammenschaltung der Fabri- 1:ationslängen die Adern so verbunden wer den, dass Hin- und Rückleitung jeder Be <B>i</B> riebsschleife, bei gleicher Messspannung gegen Erde, gleiche Stromaufnahme zeigen.
Das Verfahren betrifft also nicht die be- einflussten Leitungen, sondern die Sender schleife. Es werden nicht Teilkapazitäten zwischen Adern verschiede2ier Schleifen ge messen. Das Verfahren geht vielmehr darauf aus, die Störungen zu vermeiden, die durch unsymmetrische Strom- und Spannungsver teilung in den beiden Leitungen einer Sender schleife (Doppelleitung, Viererleitung) im Kabel verursacht werden.
Man kann dabei so verfahren,. dass man beim Anschliessen der jeweils folgenden Fa brikationslänge eine solche Schleife zur schon durchgeschalteten Senderschleife zuschaltet, welche infolge irgend einer beliebigen Un- symmetrie für sich untersucht, eine entgegen gesetzte, etwa gleichgrosse Unsymmetrie der Stromaufnahme in Hin- und Rückleitung aufweist. Der entgegengesetzte Richtungs sinn kann natürlich dadurch erhalten werden, dass man Hin- und Rückleitung miteinander vertauscht.
Indem man dieses Verfahren von Kabel länge zu Kabellänge fortsetzt, gelingt es unschwer, zum Beispiel auf eine Kabelstrecke zwischen zwei Pupinpunkten das Neben sprechen praktisch völlig zu unterdrücken.
Das Verfahren kann beispielsweise wie folgt ausgeführt werden: An jeder Fabrikationslänge misst man unter Benützung einer im Symmetriepunkt an die Kabelhülle angeschlossenen Wechsel stromquelle, zum Beispiel einer in der Mitte geerdeten Transformatorwieklung, den Un terschied der Ströme von Hin- und Rücklei tung jeder Betriebsschleife. Diese Messung kann zum Beispiel mittelst empfindlicher Tliermoelemente, Baretter oder einer der üb lichen Brückenmethoden geschehen.
Die Schleifen werden bei zwei anstossenden Fa brikationslängen alsdann nach Massgabe die ser Messungen so verbunden, dass die gemes senen Differenzen sich möglichst vollkom men aufheben, oder -wenigstens bei jeder weiteren Zuschaltung von Einzellängen oder Lungengruppen kleiner werden.
Das beschriebene Verfahren hat den Vor teil, class die Messungen direkt die wichtigste Störungsursache betreffen, und dass deshalb auch grössere Fabrikationslängen, welche na turgemäss auch grössere Fehlerduellen in sich bergen müssen, angewendet werden können. Die Zusammenschaltung grösserer Fabrika tionslängen reduziert auch die für die Her stellung der Kabelverbindungen erforderlich Arbeit.