Verfahren zur Herstellung eines gegenüber elektromagnetischer
Strahlung abgeschirmten Bauteils
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats, die nach diesem Verfahren erhältlichen Substrate und Vorrichtungen und deren
Verwendung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen, speziell im
Bereich Elektromobilität.
STAND DER TECHNIK
Elektromagnetische Wellen weisen eine elektrische und eine magnetische Feldkomponente auf. Die von elektronischen Bauteilen abgestrahlten Wellen können zu einer gegenseitigen elektromagnetischen Beeinflussung
(electromagnetic interference, EMI) führen. Durch die enormen Fortschritte in der Halbleitertechnik sind die elektronischen Bauteile zunehmend kleiner geworden, und ihre Dichte innerhalb von elektronischen Vorrichtungen hat deutlich zugenommen. Die zunehmende Komplexität elektronischer Systeme, z. B. in Bereichen wie der Elektromobilität, der Luft- und Raumfahrttechnik oder der Medizintechnik, stellt eine hohe Herausforderung an die elektromagnetische Verträglichkeit der einzelnen Komponenten dar. So werden z. B. in
Elektrofahrzeugen elektrische Antriebe mit hohen Leistungen auf engstem Raum integriert und durch elektronische Bauteile gesteuert, wobei sich die
einzelnen Bauteile keineswegs gegenseitig stören dürfen. Um eine
elektromagnetische Verträglichkeit zu erreichen, ist es bekannt,
elektromagnetische Beeinflussungen mit Hilfe von abschirmenden Gehäusen zu dämpfen. Der Begriff der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) wird beispielsweise nach DIN VDE 0870 definiert als die Fähigkeit einer elektrischen Einrichtung, in ihrer Umgebung zufriedenstellend zu funktionieren, ohne diese Umgebung, zu der auch andere Einrichtungen gehören können, unzulässig zu beeinflussen. Damit muss die EMV zwei Bedingungen erfüllen, die
Abschirmung der ausgesendeten Strahlung und die Störfestigkeit gegenüber anderer elektromagnetischer Strahlung. In vielen Ländern müssen die entsprechenden Geräte dabei gesetzlichen Vorschriften genügen. Die elektromagnetische Beeinflussung (EMI) ist nach DIN VDE 0870 die Einwirkung elektromagnetischer Wellen auf Stromkreise, Geräte, Systeme oder
Lebewesen. Eine solche Einwirkung kann bei den beeinflussten Objekten zu hinnehmbaren, aber auch nicht hinnehmbaren Beeinträchtigungen, z. B. der Funktionalität von Geräten oder der Gefährdung von Personen, führen. In solchen Fällen sind entsprechende Schutzvorkehrungen zu treffen. Der für EMI- Abschirmung relevante Frequenzbereich liegt im Allgemeinen zwischen 100 Hz und 100 GHz. Die mit durch Abschirmung einer eingestrahlten
elektromagnetischen Welle erzielte Dämpfung setzt sich in der Regel bei allen Abschirmprinzipien zusammen aus einer Reflexion und einer Absorption. Bei der Absorption verliert die elektromagnetische Welle Energie, die in
Wärmeenergie umgewandelt wird, wobei die Absorption von der Wandstärke des Abschirmmaterials abhängt. Die Reflexion hingegen ist je nach
Frequenzbereich unabhängig von der Materialstärke und kann sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite und innerhalb des Materials auftreten.
Im mittleren Frequenzbereich kann zur Beurteilung der Abschirmung in der Regel das elektrische Leitfähigkeitsverhalten der Materialien direkt
herangezogen werden. Im unteren Frequenzbereich kann zur Beurteilung der
Abschirmung die relative Permeabilität und im oberen Frequenzbereich die Reflexion und auch die Schwingungsabsorption herangezogen werden.
Elektromagnetische Verträglichkeit der Bauteile sowie Energieeinsparung und Thermomanagement sind die Herausforderungen für eine erfolgreiche
Elektromobilitätstechnologie. Der Einsatz von modernen bürstenlosen
Elektromotoren sowie diverse Steuerungseinheiten erfordern die Bereitstellung elektrischer Leistung in Form von Wechsel- und Drehstrom. Dabei senden die elektronischen Komponenten unerwünschte magnetische, elektrische und elektromagnetische Schwingungen unterschiedlicher Frequenz aus, die zum einen eine Störquelle für andere Steuerungseinheiten sein kann, oder die Steuerungseinheit selbst wird durch die ausgesendeten Schwingungen der anderen Bauteile in ihrer Funktion gestört. Damit die elektronischen
Komponenten sich in ihrer Funktionsausübung nicht gegenseitig negativ beeinflussen, werden diese derzeit durch die Verwendung von Gehäusen aus Aluminium elektromagnetisch abgeschirmt. Aluminium als
Abschirmungsmaterial hat jedoch zwei große Nachteile: Das hohe Gewicht und die hohen Kosten. Es besteht also ein großer Bedarf nach
Substitutionsmaterialen für Aluminium und Verfahren zur Herstellung von elektromagnetisch abgeschirmten Bauteilen auf Basis dieser
Substitutionsmaterialien.
Es ist bekannt, zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung metallische Gehäuse, beispielweise aus Aluminium, einzusetzen. Aufgrund der hohen Leitfähigkeiten der Metalle werden dabei gute Schirmdämpfungen erzielt. Der Einsatz von rein metallischen Abschirmungen ist aber mit verschiedenen Nachteilen verbunden, wie die aufwendige Herstellung durch Stanzen, Biegen und Aufbringen eines Korrosionsschutzes, was sehr kostenintensiv ist. Auch die konstruktive Gestaltungsfreiheit ist bei metallischen Werkstoffen sehr beschränkt. Abschirmungen aus Kunststoff lassen sich vielfach leichter als
Metalle in die gewünschte Form bringen. Da die meisten Kunststoffe Isolatoren sind, kann diesen durch den Auftrag einer Oberflächenbeschichtung, z. B.
durch Galvanisieren oder Gasphasenabscheidung (physical vapor deposition, PVD), Leitfähigkeit verliehen werden. Jedoch ist für die metallische
Beschichtung von Kunststoffen in der Regel ein hoher Aufwand zur
Vorbereitung der Bauteile erforderlich, um eine gute Haftung der Beschichtung zu erzielen.
Es ist weiterhin bekannt, zur Herstellung von elektromagnetischen
Abschirmungen Kunststoff-Komposite (Verbundwerkstoffe, Compounds) einzusetzen, die eine Matrix aus wenigstens einer Polymerkomponente und wenigstens einen Füllstoff mit Abschirmungseigenschaften aufweisen. Diese können in Form von Beschichtungen, Isolierbändern, Formkörpern, etc.
eingesetzt werden. Zur Herstellung leitfähiger Komposite können beispielsweise elektrisch leitfähige Füllstoffe in einer Matrix aus wenigstens einem nicht leitfähigen Polymer dispergiert werden.
S. Geetha et al. geben im Journal of Applied Polymer Science, Bd. 112, 2073 - 2086 (2009) einen Überblick zu Verfahren und Materialien zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung. Es werden diverse Kunststoff-Komposite auf Basis nicht-leitfähiger Polymere mit einer großen Vielzahl leitfähiger Füllstoffe erwähnt. Als Alternative wird der Einsatz von leitfähigen Polymeren und speziell von Polyanilin und Polypyrrol diskutiert.
K. Jagatheesan et al. beschreiben im Indian Journal of Fibre & Textile
Research, Bd. 39, 329 - 342 (2014) die elektromagnetischen
Abschirmeigenschaften von Kompositen auf Basis leitfähiger Füllstoffe und leitfähiger Gewebe. Der Fokus liegt dabei auf speziellen Geweben, z. B. auf Basis von leitfähigen Hybridgarnen und einer Vielzahl leitfähiger Fäden zur Abschirmung eines möglichst weiten Frequenzbereichs.
Die WO 2013/021039 betrifft eine Mikrowellen-absorbierende
Zusammensetzung, die dispergierte magnetische Nanopartikel in einer
Polymermatrix enthält. Die Polymermatrix enthält ein hochverzweigtes stickstoffhaltiges Polymer, wobei konkret ein Polyurethan auf Basis eines hyperverzweigten Melamins mit Polyolfunktionalität eingesetzt wird.
Die US 5,696,196 beschreibt eine Beschichtungszusammensetzung zur Abschirmung von Kunststoff gegen elektromagnetische Interferenz (EMI) und Radiofrequenz-Interferenz (RFI). Die beschriebene Zusammensetzung umfasst eine wässrige Dispersion einer thermoplastischen Emulsion, eine wässrige Urethandispersion, ein koaleszierendes Lösungsmittel auf Glykolbasis, versilberte Kupferflocken, leitfähigen Ton und Entschäumer.
Die US 2007/0056769 A1 beschreibt ein polymeres Kompositmaterial zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung, das ein nicht-leitfähiges Polymer, ein inhärent leitfähiges Polymer und einen elektrisch leitfähigen Füllstoff umfasst. Zur Herstellung des Komposits werden die Polymerkomponenten in intensiven Kontakt gebracht. Als geeignete nicht-leitfähige Polymere werden elastomere, thermoplastische und duroplastische Polymere genannt, die unter einer Vielzahl verschiedener Polymerklassen ausgewählt sein können. In den erfindungsgemäßen Beispielen wird ausschließlich ein mit Nickel-beschichteten Kohlenstofffasern gefüllter Polystyrol/Polyanilin-Blend eingesetzt.
Die nicht vorveröffentlichte DE 10 2018 115 503 beschreibt eine
Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen, umfassend a) wenigstens einen leitfähigen Füllstoff und b) eine Polymermatrix, enthaltend wenigstens ein harnstoffgruppenhaltiges Polyurethan. Es ist nicht beschrieben, aus dieser Zusammensetzung und wenigstens einem weiteren Polymermaterial durch ein Spritzgussverfahren ein EMI-abschirmendes Substrat herzustellen.
DE 10 2014 015 870 beschreibt ein Fahrwerksbauteil für Kraftfahrzeuge aus einem kurzfaserverstärkten Kunststoff, wobei es sich u. a. um einen
kohlenstoffverstärkten Kunststoff mit einer Faserlänge zwischen 0,1 bis 1 mm handeln kann. Das Fahrwerksbauteil wird hergestellt, indem in einem ersten Spritzgussvorgang der Kern hergestellt wird und in einem zweiten
Spritzgussvorgang der Kern durch Umspritzung mit dem gleichen
kurzfaserverstärkten Kunststoff geformt wird.
JP FI07-186190 beschreibt einen siebenlagigen Spritzgussartikel, wobei vier Arten von thermoplastischen Flarzen verwendet wurden. Die erste und die siebte Schicht, d. h. die Oberflächenschichten bestehen aus Polyolefinharzen. Die zweite und sechste Schicht sind eine lichtabschirmende Schicht bestehend aus Polyolefinharzen, das durch Ruß oder lichtabsorbierende Füllstoffe gefärbt ist. Die zweite Schicht ist ein Sauerstoffsperrharz. Die dritte und fünfte Schicht ist ein Maleinsäureanhydrid-pfropfmodifiziertes Polyolefinharz.
JP 2005-229007 beschreibt ein Flarzgehäuse, das elektromagnetische
Abschirmeigenschaften aufweist. Diese werden durch Spritzgießen unter Verwendung einer dünnen Folienbahn mit mindestens einer leitfähigen Schicht und einer Klebstoffschicht oder durch Thermoformen hergestellt. Die leitende Schicht ist entweder eine durch Metalldampfabscheidung erhaltene Schicht von Nickel, Aluminium, Silber, Gold, Stahl oder Messing oder eine Metallfolie aus Aluminium oder Kupfer.
WO 2014/175973 beschreibt ein Verfahren zur Fierstellung einer EMI- Abschirmung für eine elektronische Leiterplatte, wobei eine elektrisch leitfähige thermoplastische Folie verwendet wird, die eine vorher aufgetragene elektrisch leitfähige Klebstoffzusammensetzung enthält. Die Klebstoffzusammensetzung
umfasst einen Silikonkleber, ein kompatibles Silan und elektrisch leitende Teilchen oder Fasern.
WO 2010/036563 beschreibt eine EMI-Abschirmung mit mindestens einem Fach zum Einschließen der Schaltung eines elektronischen Geräts. Die
Abschirmung enthält eine elastische Schicht aus einem wärmeverformbaren, elektrisch leitfähigen Schaum, wobei die Schicht eine erste Oberfläche und eine zweite Oberfläche aufweist, die eine Dickenabmessung dazwischen definieren, und die Schicht einen inneren Abschnitt aufweist, der von einem
Umfangsabschnitt umgeben ist. Der Innenteil der Schicht wird durch ihre Dickenabmessung hindurch zusammengedrückt, um einen oberen
Wandabschnitt der Abschirmung zu bilden, wobei sich die Dickenabmessung des Umfangsabschnitts vom oberen Wandabschnitt nach unten erstreckt, um einen Seitenwandabschnitt der Abschirmung zu bilden, der zusammen mit dem oberen Wandabschnitt mindestens einen Teil der Kammer definiert.
WO 1997/041572 beschreibt eine wärmeschrumpfbare, elektromagnetische Interferenz (EMI) abschirmende Ummantelung, mit der ein längliches Objekt mit einem gegebenen Außendurchmesser ummantelt werden kann. Die
Ummantelung besteht aus einem rohrförmigen Außenelement von
unbestimmter Länge und einem erweiterten Innendurchmesser, der größer ist als der Außendurchmesser des Objekts, einem elektrisch leitenden
Innenelement, das koaxial innerhalb des Außenelements aufgenommen ist und sich koextensiv dazu erstreckt, und einer im allgemeinen kontinuierlichen, thermoplastischen Zwischenschicht, die zwischen dem Außen- und dem
Innenelement angeordnet ist und sich koextensiv dazu erstreckt. Die
Zwischenschicht verbindet das innere Element mit dem äußeren Element im Wesentlichen über dessen gesamte Länge, um den Mantel zu einer integralen Struktur zu konsolidieren. Das äußere Element wiederum ist
wärmeschrumpfbar bis zu einem zurückgewonnenen, d.h. kontrahierten
Innendurchmesser, der kleiner als der expandierte Innendurchmesser ist, um den Mantel im Wesentlichen an die äußere diametrale Ausdehnung des Objekts anzupassen.
WO 2011/019888 beschreibt eine Dichtungsanordnung mit einer
Lebenserfassungseinrichtung in Bezug auf Verschleiß, thermischen Abbau, physische Beschädigung, chemische Unverträglichkeit und strukturelle
Störungen innerhalb der Dichtungsanordnung sowie mit einer Einrichtung zum Übertragen eines Ausgangssignals der Erfassungseinrichtung ausgestattet, um eine Änderung in der Dichtungsumgebung oder einen bevorstehenden
Dichtungsausfall zu erkennen.
Die im Stand der Technik beschriebenen Verfahren zur Herstellung
elektromagnetisch abschirmender Oberflächen auf Kunststoffbauteilen sehen in der Regel die Applizierung der Beschichtung als einen zusätzlichen
Arbeitsschritt im Anschluss an die Formgebung vor. Derartige Verfahren weisen die folgenden Nachteile auf:
Durch zusätzliche Arbeitsschritte resultieren höhere Produktionskosten. Dies führt zu einer wirtschaftlichen Benachteiligung, z. B. im Vergleich zu abschirmenden Vorrichtungen aus Aluminium-Druckguss.
Sprühverfahren führen zu einem häufig beträchtlichen Materialverlust durch den sogenannten Overspray.
Die Schichtdicken der durch Sprühauftrag erhaltenen Beschichtungen sind in der Regel nicht gleichmäßig bezüglich der Bauteiloberfläche. Es ist zudem schwierig, die leitfähigen Schichten in der angestrebten geringen Dicke, z. B. von höchstens 1 mm, aufzutragen.
Die Integration weiterer Funktionen in das Bauteil, wie z. B. von berührungsempfindlichen Sensoren, Schaltern, etc. oder von einem zusätzlichen Hitze- oder Lichtschutz, ist verfahrensbedingt limitiert.
Es besteht daher ein Bedarf an einem Verfahren zur Herstellung von
Kunststoffbauteilen mit einer zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung befähigten Schicht, wobei die EMI-Abschirmung und gegebenenfalls die
Integration weiterer Funktionen in die Oberfläche des Bauteils direkt bei der Herstellung des Formbauteils erfolgen.
Zur Herstellung von Kunststoffbauteilen aus mehreren Materialien, z. B. von Hart-Weich-Verbundbauteilen, und speziell zur Herstellung von Oberflächen auf Formteilen sind verschiedene etablierte Verfahren bekannt. Dazu zählen spezielle Spritzgussverfahren, wie das Hinterspritzen und der
Mehrkomponenten-Spritzguss.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung von gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substraten (Bauteilen) zur Verfügung zu stellen, das die zuvor beschriebenen Nachteile überwindet.
Überraschenderweise wurde gefunden, dass diese Aufgabe durch ein
Verfahren gelöst wird, bei dem zur Herstellung eines gegenüber
elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats ein erstes
Polymermaterial, das wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlen enthält, in einem speziellen Spritzgussverfahren mit wenigstens einem zweiten Polymermaterial verbunden und gleichzeitig einer Formgebung unterzogen werden kann.
Das erfindungsgemäße Verfahren und die danach erhaltenen Substrate und Bauteile haben folgende Vorteile:
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht die Herstellung eines EMI- abgeschirmten Substrats, ohne dass zunächst das Bauteil separat geformt und erst nachfolgend beschichtet wird.
Es lassen sich EMI-Beschichtungen mit geringer Dicke und/oder geringer Abweichung (Varianz) von der gewünschten Schichtdicke hersteilen.
Es ist möglich, direkt bei der Formung des Bauteils zusätzlich zur EMI- Abschirmung weitere Funktionen in das Bauteil zu integrieren. Dies ermöglicht z. B. die integrierte Herstellung von mehrteiligen EMI- abgeschirmten Gehäusen mit einer leitfähigen Dichtung für die
Kontaktierung der einzelnen Gehäuseteile oder die Integration eines Hitzeschilds.
Zur Abschirmung der elektromagnetischen Strahlen können elastomere Polymermaterialien eingesetzt werden, die Energie verschiedener Form (speziell verschiedener Wellenlängenbereiche) absorbieren können. Somit können auch unerwünschte mechanische Schwingungen vermieden werden. Dies wirkt sich z. B. vorteilhaft auf das NVH- Verhalten (NVH = Noise, Vibration, Harshness) der Bauteile aus. Des Weiteren können bei der Herstellung des EMI-abgeschirmten Substrats weitere Funktionalitäten vorgesehen werden. Durch Verwendung einer das Substrat zumindest teilweise umschließenden Polymerfolie kann z.
B. eine verbesserte Crash-Sicherheit oder durch Einsatz
hitzebeständiger Polymere eine verbesserte Wärmebeständigkeit bewirkt werden.
Zur Herstellung der Substrate kann eine Kombination von
Polymermaterialien eingesetzt werden, wobei eine Komponente dem Substrat die Strukturfestigkeit verleiht, die durch die zur EMI- Abschirmung eingesetzte weitere Komponente nicht negativ beeinflusst wird.
Materialverluste, wie sie beim Aufträgen von Beschichtungen durch Sprühverfahren üblich sind, werden vermieden.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
Ein erster Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Fierstellung eines gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats, bei dem man: i) ein erstes Polymermaterial (a) oder eine Vorstufe davon bereitstellt, das wenigstens einen leitfähigen Füllstoff enthält, und wenigstens ein zweites Polymermaterial (b) oder eine Vorstufe davon bereitstellt, ii) die in Schritt i) bereitgestellten Polymermaterialen (a) und (b) oder deren Vorstufe(n) einer Formgebung unter stoffschlüssiger Verbindung der Polymermaterialen (a) und (b) unterzieht, und dabei die Vorstufen, falls vorhanden, zur Polymerisation bringt.
Im Rahmen der Erfindung bezeichnet ein gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmtes Substrat auch ein Substrat, dass zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung befähigt ist, d.h. ein elektromagnetische
Strahlung abschirmendes Substrat.
In einer Variante wird ein elektronisches Bauteil mit einem erfindungsgemäßen Substrat beschichtet und/oder ummantelt, um die von dem elektronischen Bauteil abgestrahlten elektromagnetischen Wellen abzuschirmen, um die Umgebung nicht in unzulässiger weise zu beeinflussen. In einer weiteren Variante wird ein elektronisches Bauteil mit einem erfindungsgemäßen Substrat beschichtet und/oder ummantelt, um zu verhindern, das elektromagnetische Wellen aus der Umgebung das beschichtete und/oder ummantelte
elektronische Bauteil in unzulässiger Weise beeinflussen. Das
erfindungsgemäße Substrat kann dabei eine integrale Komponente des elektronischen Bauteils sein.
Bevorzugt, wird in einem weiteren Schritt des erfindungsgemäßen Verfahrens ein elektronisches Bauteil mit dem in Schritt ii) erhaltenen Substrat beschichtet und/oder ummantelt und/oder ein elektronisches Bauteil wird in das in Schritt ii) erhaltene Substrat eingebettet.
Speziell wird wenigstens eine der in Schritt i) bereitgestellten Komponenten, ausgewählt unter dem Polymermaterial (a), der Vorstufe für das
Polymermaterial (a), dem Polymermaterial (b) und der Vorstufe für das
Polymermaterial (b), in fließfähiger Form zur Formgebung in Schritt ii) eingesetzt oder ist unter den Verfahrensbedingungen in Schritt ii) formbar.
Eine erste bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist das Flinterspritzen von Folien und Verbundwerkstoffen. Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist das
Mehrkomponentenspritzgießen (auch als Verbundspritzgießen oder
Overmolding bezeichnet).
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Substrat, das durch das zuvor und im Folgenden beschriebene Verfahren erhältlich ist.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist eine Vorrichtung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen, die ein solches Substrat umfasst oder aus einem solchen Substrat besteht.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung eines
erfindungsgemäßen Substrats zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
Polymermaterialien (a), (b) und (c) im Sinne der Erfindung sind Materialien, die wenigstens ein Polymer enthalten oder aus wenigstens einem Polymer bestehen. Zusätzlich zu wenigstens einem Polymer können die
Polymermaterialien (a), (b) und (c) wenigstens eine weitere Komponente enthalten, z. B. Füllstoffe, Verstärkungsstoffe oder davon verschiedene
Additive. Die Polymermaterialien (a), (b) und (c) liegen in einer speziellen Ausführung als Komposit (Verbundwerkstoff) vor.
Die Polymermaterialien (a), (b) und, falls vorhanden, (c) werden in dem erfindungsgemäßen Verfahren als separate Komponenten eingesetzt und zur Herstellung der erfindungsgemäßen Substrate miteinander verbunden. Dabei ist es ein wesentliches Merkmal des erfindungsgemäßen Verfahrens, dass das Verbinden des wenigstens einen leitfähigen Füllstoff enthaltenden
Polymermaterials (a) (oder der Vorstufe davon) mit dem Polymermaterial (b) (oder der Vorstufe davon) und die Formgebung des Verbunds aus (a) und (b) in einem Schritt erfolgt.
Verschiedene Varianten zum Verbinden und Formen von (a) und (b) in einem Schritt werden im Folgenden genauer beschrieben. Ein Beispiel ist das
Mehrkomponenten-Spritzgießen zur Herstellung von Substraten in Form von Spritzgussteilen, die aus zwei oder mehr als zwei Kunststoffmaterialien bestehen können. Es ist ein Merkmal der erfindungsgemäß einsetzbaren Mehrkomponenten-Spritzgussverfahren, dass sie zwei oder mehr als zwei Spritzeinheiten aufweisen können, aber nur eine Schließeinheit benötigt wird. Somit können erfindungsgemäß Substrate mit nur einem Werkzeug in einem Arbeitsgang hergestellt werden.
Zur Herstellung des gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats können die Polymermaterialien (a) und (b) oder kann der geformte Verbund aus (a) und (b) mit wenigstens einem weiteren Polymermaterial (c) oder einer Vorstufe davon verbunden werden. Das Verbinden mit dem
wenigstens einen weiteren Polymermaterial (c) oder der Vorstufe davon kann im Verfahrensschritt ii) erfolgen. Alternativ dazu kann der geformte Verbund aus (a) und (b) in wenigstens einem separaten Schritt iii) mit dem wenigstens einen weiteren Polymermaterial (c) oder einer Vorstufe davon verbunden werden. Optional kann der Verbund aus (a), (b) und (c) wenigstens einer weiteren Formgebung unterzogen werden. Diese Formgebung kann gleichzeitig mit dem Verbinden in Schritt ii) oder Schritt iii) oder in einem separaten Schritt erfolgen. Alternativ dazu kann auch ein geformter Verbund aus (a), (b) und (c) aus Schritt ii) in wenigstens einem separaten Schritt iii) mit einem weiteren Polymermaterial (c) oder einer Vorstufe davon verbunden werden.
Grundsätzlich können die Polymermaterialien (a), (b) und (c) alle die gleichen Polymere oder teilweise verschiedene Polymere oder vollständig verschiedene Polymere enthalten.
Der Begriff "Thermoplaste" im Sinne der Erfindung bezeichnet Polymere, die sich oberhalb einer bestimmten Temperatur reversibel verformen lassen, wobei dieser Vorgang, theoretisch, beliebig oft wiederholt werden kann. Thermoplaste sind aus wenig oder nicht verzweigten Polymerketten aufgebaut, die nur durch schwache physikalische und nicht durch chemische Bindungen miteinander verbunden (d. h. unvernetzt) sind. Dies unterscheidet Thermoplaste von
Duroplasten und (klassischen, d. h. nicht thermoplastischen) Elastomeren, die nach ihrer Herstellung nicht mehr thermoplastisch verformt werden können.
Der Begriff "Elastomere" im Sinne der Erfindung bezeichnet formfeste, aber elastisch verformbare Kunststoffe, deren Glasübergangstemperatur unterhalb
der Temperatur liegt, bei der die Polymere üblicherweise eingesetzt werden. Elastomere können sich bei Zug- und Druckbelastung elastisch verformen, finden aber danach in ihre ursprüngliche, unverformte Gestalt zurück.
Eine spezielle Form der Elastomere sind thermoplastische Elastomere, die in bestimmten Temperaturbereichen thermoplastische Eigenschaften aufweisen.
In der Regel verhalten sich thermoplastische Elastomere bei niedrigen
Temperaturen vergleichbar den klassischen Elastomeren. Unter Wärmezufuhr hingegen sind sie plastisch verformen und zeigen ein thermoplastisches Verhalten.
Zur Formgebung in Schritt ii) wird wenigstens eine der in Schritt i)
bereitgestellten Komponenten in fließfähiger Form eingesetzt oder ist unter den Verfahrensbedingungen in Schritt ii) formbar. Wie der Fachmann weiß, wird das thermische Verhalten der verschiedenen Polymertypen (amorphe
Thermoplaste, thermoplastische Elastomere, teilkristalline Thermoplaste, Elastomere, Duroplaste) charakterisiert durch Zustandsbereiche, wobei sich innerhalb eines Zustandsbereichs die thermisch-mechanischen Eigenschaften nicht oder nur wenig ändern. Unterhalb der Glasübergangstemperatur TG liegen Polymere allgemein in einem festen, glasartigen Zustand vor.
Amorphe Thermoplaste gehen oberhalb von TG in einen thermoelastischen Zustand über und können in ihrer Form verändert werden. Diese Formänderung ist zunächst reversibel, erst bei höherer Temperatur wird das Polymermaterial durch sogenanntes 'Warmformen" formbar. Amorphe Thermoplaste besitzen keinen exakt definierten Schmelzpunkt. Jenseits der Fließtemperatur wird das Material weich und fließfähig (plastifiziert) und kann dann auch durch Urformen (wie Spritzgießen) verarbeitet werden.
Thermoplastische Elastomere sind Kunststoffe, die sich oberhalb von TG vergleichbar den klassischen Elastomeren verhalten, d. h. sie sind
(zäh)elastisch und nicht formbar. Bei Erwärmen über die Schmelztemperatur zeigen sie ein thermoplastisches Verhalten, das Material wird fließfähig und kann durch Urformen (wie Spritzgießen) verarbeitet werden.
Elastomere können in Form ihrer noch nicht vernetzten Vorstufen in eine fließfähige Form gebracht und zur Formgebung in Schritt ii) eingesetzt werden. Durch den Einfluss von Wärme vulkanisieren die Elastomere, so dass sie, anders als Thermoplaste, nicht erneut geschmolzen und umgeformt werden können.
Auch Duroplaste härten in der Regel durch Einwirken von Wärme aus. Nach dem Aushärten ist ein erneutes Aufschmelzen und Umformen nicht mehr möglich. Duroplaste können in Form ihrer noch nicht ausgehärteten Vorstufen in eine fließfähige Form gebracht und zur Formgebung in Schritt ii) eingesetzt werden. In einer geeigneten Ausführung wird die Vorstufe mit einer
vergleichsweise niedrigen Temperatur in eine Form eingespritzt und dort durch eine höhere Temperatur ausgehärtet. Das thermische Verhalten der
erfindungsgemäß eingesetzten Polymermaterialien, d. h. unter welchen
Bedingungen diese formbar oder fließfähig sind, gehören zum Fachwissen oder kann der Fachmann durch Routineexperimente ermitteln.
Ein Stoffschluss wird durch atomare oder molekulare Kräfte zwischen den Verbindungspartnern gebildet. Zu den stoffschlüssigen Verbindungen von Kunststoffen zählen die Klebeverbindungen und Schweißverbindungen; auch Spritzgussverfahren führen zu stoffschlüssigen Verbindungen. Ein Stoffschluss ist eine in der Regel nicht lösbare Verbindung.
Formschlüssige Verbindungen entstehen durch das Ineinandergreifen von mindestens zwei Verbindungspartnern. Dadurch können sich die
Verbindungspartner auch ohne oder bei unterbrochener Kraftübertragung nicht lösen.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren können Substrate hergestellt werden, die sich in vorteilhafter weise zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung im gesamten Frequenzbereich, in dem solche Maßnahmen erforderlich sind, eignen, um unerwünschte Beeinträchtigungen durch elektromagnetische
Strahlung zu vermindern oder zu vermeiden. Der für EMI Abschirmung relevante Frequenzbereich liegt dabei im Allgemeinen in einem Bereich von etwa 2 Flz bis 100 GFIz, bevorzugt von 100 Hz bis 100 GHz. Der Wellenbereich, der zur Abschirmung für Automotive-Anwendungen besonders interessant ist, liegt in einem Bereich von 100 kHz bis 100 MHz. Insbesondere liegt der
Wellenbereich zur Abschirmung für Automotive-Anwendungen in einem mittleren Frequenzbereich von 3 Hz bis 10 kHz und einem Radarbereich von 23 GHz bis 85 GHz. Hierfür sind die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen gut geeignet. Dabei eignen sich die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Substrate insbesondere auch zur Abschirmung niedriger und mittlerer Frequenzen. So kann man als Füllstoff z. B. ein Material zum Ablenken von Magnetfeldern, wie einen Magnetwerkstoff, einsetzen. Des Weiteren kann man als Füllstoff auch ein Material zum Reflektieren von elektromagnetischen Wellen mit einer hohen Frequenz, z. B. ein kohlenstoffreiches, leitendes
Nanomaterial, einsetzen. Für die Breitbandanwendung können geeignete Kombinationen von Füllstoffen eingesetzt werden.
In einer speziellen ersten Ausführungsform wird ein Hinterspritz-Verfahren zur Herstellung eines gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats bereitgestellt.
Durch Mehrkomponenten-Spritzguss werden Spritzgussteile hergestellt, die aus zwei oder mehreren verschiedenen Kunststoffen bestehen. Im einfachsten Fall unterscheiden sich die Kunststoffe nur durch die Farbe, um so ein bestimmtes Design zu erzielen. Es können aber auch unterschiedliche Werkstoffe und damit unterschiedliche Eigenschaften gezielt kombiniert werden.
Wie beim Flinterspritzen gibt es auch hier verschiedene Ausführungstechniken, z. B. das Verbundspritzgießen oder das Sandwich-Spritzgießen. Beim
Verbundspritzgießen wird eine Spritzgießmaschine mit zwei oder auch mehreren Spritzeinheiten, aber nur einer Schließeinheit benötigt. Die Teile können damit kostengünstig mit nur einem Werkzeug in einem Arbeitsgang hergestellt werden. Die Spritzeinheiten müssen harmonierend arbeiten, aber immer unabhängig voneinander steuerbar sein. Die Komponenten können durch eine einzige Spezialdüse eingespritzt oder an verschiedenen Stellen ins Werkzeug eingebracht werden.
Beim Hinterspritzen werden (geprägte/funktionalisierte) Formteile hergestellt, die aus einem polymeren Träger (Substrat) und einem Deckmaterial
(Dekormaterial) bestehen. Beim Hinterspritzen gibt es verschiedene
Ausführungstechniken, wie Inmold decoration (IMD), Film insert molding (FIM), Inmold labeling (IML), Inmold coating (IMC) oder Inmold painting (IMP). Allen gemeinsam ist, dass eine vorbehandelte (geprägte/funktionalisierte) Folie in ein Spritzgusswerkzeug eingelegt und mit einem weiteren Kunststoff hinterspritzt und geprägt werden, so dass ein Kunststoffteil mit Funktionalität oder
Folienüberzug entsteht.
Insbesondere werden zum Hinterspritzen wenigstens eine der folgenden Techniken eingesetzt wird: Inmold decoration (IMD), Film insert molding (FIM), Roll-to-roll, Inmold labeling (IML), Inmold coating (IMC) oder Inmold painting (IMP).
Das Inmold decoration Verfahren ist eine Kombination von Heißprägen und Folienhinterspritzen. Es wird zum Aufprägen einer Funktionalität von einer Trägerfolie, einer speziellen IMD-Folie, auf ein Substrat verwendet. Die funktionalisierte und/oder geprägte Trägerfolie wird in das Spritzgusswerkzeug gelegt. Im zweiten Schritt wird das Kunststoffmaterial eingespritzt. Im letzten Schritt wird der erhaltene Formkörper aus dem Werkzeug entfernt und die Trägerfolie abgetrennt. Erhalten wird ein Kunststoffform körper mit einer aufgeprägten Funktionalität.
Insbesondere umfasst erfindungsgemäß die Trägerfolie beim IMD-Verfahren ein erstes Polymermaterial (a), das wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen enthält. Insbesondere umfasst erfindungsgemäß das Kunststoffmaterial wenigstens ein zweites Polymermaterial (b).
Beim Film Insert Molding Verfahren (FIM) wird die funktionalisierte Trägerfolie Bestandteil des fertigen Substrats. Zunächst wird dabei das Trägermaterial, die Prägefolie, funktionalisiert (beschichtet), vorgeformt und ausgestanzt. Die in Form geschnittene Folie in das Spritzgusswerkzeug gelegt und mit einem Kunststoffmaterial hinterspritzt. Die genaue Reihenfolge der Verfahrensschritte ist flexibel. Zum Schluss wird die Trägerfolie entfernt.
Insbesondere umfasst erfindungsgemäß die Trägerfolie beim FIM-Verfahren das erste Polymermaterial (a), das wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen enthält. Insbesondere umfasst erfindungsgemäß das Kunststoffmaterial wenigstens ein zweites Polymermaterial (b).
Zur Verarbeitung von Trägerfolien kann auch ein Rolle-zu-Rolle-Verfahren (R2R-Verfahren, engl roll-to-roll Processing) eingesetzt werden.
Das Verfahren des Inmold Labelings ist dem klassischen Folienhinterspritzen sehr ähnlich, nur werden hier Etikettenfolien verwendet. Diese Folien sind dünner. Diese Folie kann entweder als Rollware oder als fertiger Zuschnitt in das Spritzgusswerkzeug eingebracht werden. Zum Schluss wird die
Etikettenfolie entfernt.
Insbesondere umfasst erfindungsgemäß die Trägerfolie beim IML-Verfahren das erste Polymermaterial (a), das wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen enthält. Insbesondere umfasst erfindungsgemäß das Kunststoffmaterial wenigstens ein zweites Polymermaterial (b).
Das Inmold coating ist eine Kombination aus Sprühen und Spritzguss. Zunächst wird mittels Sprühpistole eine Beschichtung in das Spritzgusswerkzeug aufgetragen. Nach dem Antrocknen des Materials wird das Kunststoffmaterial hinterspritzt.
Insbesondere umfasst erfindungsgemäß die Beschichtung beim IMC-Verfahren das erste Polymermaterial (a), das wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen enthält. Insbesondere umfasst erfindungsgemäß das Kunststoffmaterial wenigstens ein zweites Polymermaterial (b).
Beim Inmold Painting Verfahren wird im ersten Schritt das Kunststoffmaterial gespritzt, und im zweiten Schritt wird die Beschichtung aufgesprüht, d .h. die Prozessschritte erfolgen in umgekehrter Reihenfolge der Prozessschritte des IMC-Verfahrens.
Insbesondere umfasst die Beschichtung beim IMP-Verfahren das erste
Polymermaterial (a), das wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlen enthält. Insbesondere umfasst das
Kunststoffmaterial wenigstens ein zweites Polymermaterial (b).
Komposite
Insbesondere wird in Schritt i) des erfindungsgemäßem Verfahrens eines der Polymermaterialen (a) oder (b) in Form eines Komposits bereitgestellt. In einer bevorzugten Ausführung wird eines der Polymermaterialen (a) oder (b) in Form eines schichtförmigen Komposits bereitgestellt. Das ist besonders vorteilhaft, wenn das erfindungsgemäße Verfahren zum Flinterspritzen eingesetzt wird. In einer speziellen Ausführungsform wird die Komponente b) in Form eines Komposits bereitgestellt.
Ein Komposit oder auch Verbundwerkstoff ist ein Werkstoff aus zwei oder mehr verbundenen Materialien, der andere Werkstoffeigenschaften besitzt als seine einzelnen Komponenten. Die Verbindung erfolgt durch Stoffschluss,
Formschluss oder eine Kombination von beidem. Seine Bestandteile (Phasen) können aus ein und derselben oder aus verschiedenen Werkstoffhauptgruppen stammen. Zu den Werkstoffhauptgruppen zählen Metalle, Keramiken, Gläser, Polymere und Verbundwerkstoffe. Im Rahmen der Erfindung umfasst der Begriff "Komposit" sowohl Verbundwerkstoffe als auch Werkstoffverbunde. Verbundwerkstoffe sind mindestens zweiphasig (d. h. heterogen), erscheinen aber makroskopisch homogen. Bei Betrachtung mit dem bloßen Auge scheint es sich häufig um einen einzigen Werkstoff zu handeln. Werkstoffverbunde sind in der Regel schon mit bloßem Auge als Verbünde aus mehreren
verschiedenen Werkstoffen erkennbar. Ein schichtförmiger Komposit (Laminat) ist eine bevorzugte Ausführung eines Werkstoffverbunds. Laminate bestehen aus wenigstens zwei aufeinanderliegenden Schichten. Der Spezialfall von drei Schichten, davon zwei identische Außenschichten, wird auch als
Sandwichverbund bezeichnet.
Das Komposit umfasst bevorzugt wenigstens eines der Polymermaterialen (a) oder (b) und wenigstens eine weitere, davon verschiedene Komponente (K). Speziell umfasst das Komposit ein Polymermaterial (b) und wenigstens eine weitere, davon verschiedene Komponente (K). Die Komponente (K) kann selbst ein Verbundwerkstoff sein. Die weitere Komponente (K) ist vorzugsweise ausgewählt unter Polymeren, polymeren Werkstoffen, Metallen, metallischen Werkstoffen, keramischen Werkstoffen, mineralischen Werkstoffen, textilen Werkstoffen und Kombinationen davon.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist die weitere Komponente (K) ausgewählt unter Polymerfolien, Polymerformkörpern, Metallfolien,
Metallformkörpern, verstärkten und/oder gefüllten Polymermaterialien und Kombinationen davon.
Geeignete Polymere sind ausgewählt unter Elastomeren, Thermoplasten, Duroplasten. Bezüglich geeigneter und bevorzugter Kunststoffe wird auf die Ausführungen zum Polymermaterial (b) in vollem Umfang Bezug genommen.
Geeignete Metalle sind ausgewählt unter Aluminium, Titan, Magnesium, Kupfer, etc. und Legierungen davon.
Keramische Werkstoffe sind in der Regel anorganisch, nicht-metallisch und polykristallin. Unter "nicht-metallisch" wird dabei verstanden, dass keramische Werkstoffe im Wesentlichen keine elementaren Metalle enthalten. Zur
Herstellung eines keramischen Werkstoffs können z. B. die keramikbildenden anorganischen partikulären Rohstoffe, eine Flüssigkeit und ggf. wenigstens ein organischer Binder einer thermischen Behandlung (Sinterung) unterzogen werden. Für den Einsatz in dem erfindungsgemäßen Verfahren eigenen sich prinzipiell Werkstoffe aus Oxid-Keramiken und Nicht-Oxid-Keramiken.
Geeignete Oxid-Keramiken sind ausgewählt unter Einstoff-Systemen und
Mehrstoff-Systemen. Bevorzugte Oxid-Keramiken sind ausgewählt unter Aluminiumoxid, Magnesiumoxid, Zirkoniumoxid, Titandioxid,
Aluminiumtitanaten, Mullit (Mischung aus Aluminium- und Siliciumoxid),
Bleizirkonattitanaten und Mischungen aus Zirkoniumoxid und Aluminiumoxid. Geeignete Nicht-Oxid-Keramiken sind ausgewählt unter Carbiden, zum Beispiel Siliciumcarbid oder Borcarbid, Nitriden, zum Beispiel Siliciumnitrid,
Aluminiumnitrid oder Bornitrid, Boriden und Siliciden.
Geeignete metallische Werkstoffe umfassen wenigstens ein Metall und wenigstens ein davon verschiedenes Material. Die von Metall verschiedenen Materialien sind vorzugsweise ausgewählt unter keramischen Materialien, organischen Materialien und Mischungen davon. Eine bevorzugte Ausführung der metallischen Werkstoffe sind Metallmatrix-Verbundwerkstoffe (engl metal matrix composite, MMC), die eine kontinuierliche Metallmatrix und eine diskontinuierliche keramische und/oder organische Verstärkung umfassen. Die Verstärkung liegt bevorzugt in Form von Fasern oder Whiskern vor. Das Metall ist z. B. ausgewählt unter Aluminium, Titan, Magnesium und Kupfer. Die Matrix kann als elementares Metall oder in Form einer Legierung vorliegen. Als
Verstärkungsphase sind keramische Partikel (z. B. Siliciumcarbid), Kurzfasern, Endlosfasern (z. B. auf Kohlenstoff basierend) oder Schäume geeignet. Eine weitere bevorzugte Ausführung der metallischen Werkstoffe sind die durch Metallpulverspritzgießen (MIM-Verfahren) erhältlichen Werkstoffe.
Im Speziellen umfasst das Komposit wenigstens ein verstärktes und/oder gefülltes Kunststoffmaterial. Vorzugsweise ist der Verstärkungsstoff ausgewählt unter faserförmigen Verstärkungsstoffen, Geweben faserförmiger
Verstärkungsstoffe, Gelegen faserförmiger Verstärkungsstoffe, Gestricken faserförmiger Verstärkungsstoffe und Gewirken faserförmiger
Verstärkungsstoffe und Mischungen davon. Der Füllstoff ist vorzugsweise ausgewählt unter teilchenförmigen Füllstoffen, wie Kaolin, Kreide, Wollastonit,
Talkum, Calciumcarbonat, Silikaten, Aluminiumoxid, Titandioxid, Zinkoxid, Glaspartikeln und Mischungen davon. Bevorzugte verstärkte
Kunststoffmaterialien sind Faser-Kunststoff-Verbundwerkstoffe, wie
kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (CFK), glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK), aramidfaserverstärkter Kunststoff (AFK), naturfaserverstärkter Kunststoff (NFK), etc.
In einer ersten besonders bevorzugten Ausführungsform wird in Schritt i) als Polymermaterial (a) ein Komposit bereitgestellt, das die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) als Beschichtung auf einer Polymerfolie umfasst und dieses Komposit in Schritt ii) durch Spritzgießen mit dem Polymermaterial (b) stoffschlüssig verbunden. In einer zweiten besonders bevorzugten
Ausführungsform wird in Schritt i) als Polymermaterial (b) ein Komposit bereitgestellt, das die Polymerkomponente des Polymermaterials (b) als
Beschichtung auf einer Polymerfolie umfasst und dieses Komposit in Schritt ii) durch Spritzgießen mit dem Polymermaterial (a) stoffschlüssig verbunden.
Insbesondere wird in Schritt i) ein Komposit bereitgestellt, das die
Polymerkomponente des Polymermaterials (a) als Beschichtung auf einer Polymerfolie umfasst. Dieses Komposit wird in Schritt ii) durch Spritzgießen mit dem wenigstens einen Polymermaterial (b) stoffschlüssig verbunden.
Die Polymerfolie dient als Trägermaterial oder Transfermaterial für die darauf befindliche Polymerkomponente des Polymermaterials (a) oder des
Polymermaterials (b). Demzufolge muss zur Bereitstellung eines
entsprechenden Polymermaterials (a) oder (b) die Polymerfolie mit der
Polymerkomponente des Polymermaterials (a) oder (b) beschichtet werden.
Die Polymerfolie muss prinzipiell zur Beschichtung mit einer der
Polymerkomponenten (a) oder (b) geeignet sein. In den Verfahren IMD, IFM
und IML muss die Polymerfolie zudem befähigt sein, sich nach dem
Spritzgussprozess, d. h. nach Beendigung des Schritts ii), von dem Substrat ablösen zu lassen. In dieser Variante ist die Polymerfolie ausschließlich
Transfermaterial. In den Verfahren IMC und IMP ist die Polymerfolie Bestandteil des Substrats. Sie fungiert dann z. B. als Trägermaterial, Material zur
Verbesserung der mechanischen Belastbarkeit, Dekoration, etc.
Geeignete Polymerfolien, die ein einfaches Ablösen ermöglichen, umfassen z.
B. Silikone, Polyethylenterephthalate, polymerbeschichtetes Papier, wie
Silikonpapier, etc. Geeignete Polymerfolien, die im Substrat verbleiben, umfassen z. B. Polypropylene, plasmabehandelte Folien, Folien mit fluorierten Oberflächen, etc.
In einer speziellen ersten Variante wird die Polymerfolie nach Beendigung des Spritzgießschritts ii) von dem erhaltenen Spritzgussteil abgelöst.
In einer speziellen zweiten Variante bleibt die Polymerfolie nach Beendigung des Spritzgießschritts ii) mit dem erhaltenen Spritzgussteil dem erhaltenen Substrat verbunden.
In einer speziellen zweiten Ausführungsform wird ein Verbundspritz-Verfahren zur Fierstellung eines gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats bereitgestellt.
Beim Verbundspritzen wird eine erste Kunststoffkomponente in eine Form (Kavität) gespritzt. Sobald die Kavität gefüllt ist, wird die zweite
Kunststoffkomponente an- oder überspritzt. Mit dieser Methode ist es möglich, komplexe Bauteile mit unterschiedlichen Materialeigenschaften zu kombinieren. Die verschiedenen Ausführungstechniken sind dem Fachmann bekannt, wie z.
B. Core-Back-Verfahren, Umsetz- oder Transfertechnik, Drehplattentechnik oder Schiebetechnologie.
In einer speziellen Ausführungsform sind die in Schritt i) bereitgestellten
Polymermaterialien (a) und (b) beide plastifizierbar und werden in Schritt ii) durch Mehrkomponentenspritzgießen stoffschlüssig verbunden.
Insbesondere werden zum Mehrkomponentenspritzgießen wenigstens eine der folgenden Techniken eingesetzt wird: Kernrückzugtechnik (Core-Back-Technik), Umsetztechnik (Transfertechnik), Drehtechnik, Indexplattentechnik,
Verschiebetechnik, Sandwichtechnik.
Bei der Umsetztechnik (Transfertechnik) wird ein Vorspritzling nach dem ersten Spritzvorgang in eine neue Werkzeugkavität mit Platz für den Vorspritzling und die neue Komponente umgesetzt.
Bei der Indexplattentechnik (Transfertechnik) wird ein Vorspritzling nach dem ersten Spritzvorgang in eine neue Werkzeugkavität mit Platz für den
Vorspritzling und die neue Komponente umgesetzt, die auf beiden Seiten des Vorspritzlings aufgebracht werden kann.
Bei der Drehtechnik/Verschiebetechnik wird das Werkzeug (meist nur eine Hälfte) nach dem ersten Spritzvorgang in eine neue Lage gedreht oder verschoben und der Vorspritzling in der neuen Lage mit einer weiteren Düse überspritzt.
Bei der Kernrückzugtechnik wird ein Kern im Werkzeug zurückgezogen, um Platz für die neu hinzukommende Komponente zu schaffen. Diese Technik findet insbesondere Anwendung in der Gerätegehäuseherstellung mit verschiedenfarbigen Bereichen.
Beim Sandwich-Verfahren entstehen meist Teile, bei denen die im Inneren liegende Komponente nicht sichtbar ist, weil sie vom Außenmaterial vollständig umhüllt wird. Beim Sandwich-Spritzgießen wird der Quellfluss der Massen beim Einströmen in die Werkzeugkavität (Formnest) genutzt. Die Schmelzen füllen die Höhlung vom Anschnitt her nacheinander. Die zuerst einströmende
Formmasse legt sich kontinuierlich an die Wand, wohin sie zuletzt von der im Innern strömenden zweiten Komponente geschoben wird. Zwei Spritzeinheiten arbeiten auf einen Spritzkopf zusammen, der es je nach Steuern durch Ventile oder Mehrfach-Verschlussdüsen gestattet, die Massen aus allen Spritzeinheiten beliebig einströmen zu lassen. Der Quellfluss sorgt dafür, dass dieses vollständige einander Umhüllen der Komponenten bis zu den kleinsten
Wanddicken einwandfrei gelingt. Der Anguss kann durch die erste Komponente versiegelt werden.
In einer speziellen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird durch eine oder mehrere der folgenden Maßnahmen in das Substrat eine zusätzliche Funktion integriert:
Formung eines Substrats mit Sensorfunktion,
Einsatz wenigstens einer Komponente zur Vermeidung von
mechanischen Schwingungen,
Einsatz wenigstens einer Komponente zur Verbesserung des Crash- Schutzes,
Einsatz wenigstens einer Komponente zur Erhöhung der
Durchschlagfestigkeit,
Einsatz wenigstens einer Komponente mit Korrosionsschutzfunktion, Einsatz wenigstens einer Komponente mit Oxidationsschutzfunktion, Einsatz wenigstens einer Komponente mit Lichtschutzfunktion,
Einsatz wenigstens einer Komponente als Heizelement,
Einsatz wenigstens einer Komponente, die thermoelektrische
Eigenschaften aufweist und dadurch elektrische Ströme erzeugen kann, Aufspritzen von Dichtelementen,
Aufspritzen von Halterungs- und/oder Verbindungselementen.
Weitere mögliche Maßnahmen, um in das Substrat eine zusätzliche Funktion zu integrieren, sind z. B.:
Aufspritzen von dekorativen Oberflächenkomponenten,
Einsatz wenigstens einer dekorativen Polymerfolie,
Aufspritzen von Versteifungselementen (Rippen, Rippenstrukturen) etc.
Die Vermeidung von mechanischen Schwingungen ist insbesondere wichtig im Automobilbereich, um eine Beeinträchtigung des Fahrkomforts zu vermeiden. Die hör- oder spürbaren Schwingungen in Kraftfahrzeugen oder an Maschinen werden zusammengefasst als "Noise, Vibration, Harshness" (NVH) bezeichnet. Zu ihrer Vermeidung werden Komponenten eingesetzt, die die lokale
Krafteinleitung einer Schwingungsquelle in schwingungsübertragende Medien vermeiden.
Polymermaterialien
Die Polymermaterialen a), b) und c) enthalten wenigstens ein Polymer oder bestehen aus wenigstens einem Polymer, das vorzugsweise ausgewählt ist unter amorphen Thermoplasten, thermoplastischen Elastomeren, teilkristallinen Thermoplasten, Elastomeren, Duroplasten und Mischungen davon.
Die Polymermaterialen a), b) und c) enthalten wenigstens ein Polymer oder bestehen aus wenigstens einem Polymer, das besonders bevorzugt ausgewählt
ist unter Polyurethanen, Silikonen, Fluorsilikonen, Polycarbonaten, Ethylen- Vinylacetaten (EVA), Acrylnitril/Butadien/Acrylaten (ABA), Acrylnitril-Butadien- Kautschuken (ABN), Acrylnitril-Butadien-Styrolen (ABS), Acrylnitril- Methylmethacrylaten (AMMA), Acrylnitril-Styrol-Acrylaten (ASA),
Celluloseacetaten (CA), Celluloseacetatbutyraten (CAB), Polysulfonen (PSU), Poly(meth)acrylaten, Polyvinylchloriden (PVC), Polyphenylenethern (PPE = Polyphenylenoxide (PPO)), Polystyrolen (PS), Polyamiden (PA), Polyolefinen, z. B. Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), Polyketonen (PK), z. B.
aliphatischen Polyketonen oder aromatischen Polyketonen, Polyetherketonen (PEK), z. B. aliphatischen Polyetherketonen oder aromatischen
Polyetherketonen, Polyimiden (PI), Polyetherimiden, Polyethylenterephthalaten (PET), Polybutylenterephthalaten (PBT), Fluorpolymeren, Polyestern,
Polyacetalen, z. B. Polyoxymethylen (POM), Flüssigkristallpolymeren,
Polyethersulfonen (PES), Epoxidharzen (EP), Phenolharzen, Chlorsulfonaten, Polybutadienen, Polybutylen, Polyneoprenen, Polynitrilen, Polyisoprenen, Naturkautschuken, Copolymerkautschuken wie Styrol-Isopren-Styrolen (SIS), Styrol-Butadien-Styrolen (SBS), Ethylen-Propylenen (EPR), Ethylen-Propylen- Dien-Kautschuken (EPDM), Styrol-Butadienen-Kautschuken (SBR) sowie deren Copolymere und Mischungen (Blends) davon.
Bevorzugte aliphatische und aromatische Polyetherketone sind aliphatische Polyetheretherketone oder aromatischen Polyetheretherketone (PEEK). Eine spezielle Ausführung sind aromatische Polyetheretherketone.
Im Sinne der Erfindung umfasst der Begriff "Polyurethane" auch Polyharnstoffe und harnstoffgruppenhaltige Polyurethane.
Geeignete Duroplaste sind Flarnstoff-Formaldehydharze, Melaminharze, Melamin-Formaldehydharze, Melamin-Flarnstoff-Formaldehydharze, Melamin- Flarnstoff-Phenol-Formaldehydharze, Phenol-Formaldehydharze, Resorcin-
Formaldehydharze, vernetzbare Isocyanat-Polyolharze, Epoxidharze, Acrylate, Methacrylate, Polystyrole und Polyesterharze.
Geeignete thermoplastische Elastomere sind thermoplastische
Polyamidelastomere (TPA), thermoplastische Copolyesterelastomere (TPC), thermoplastische Elastomere auf Olefinbasis (TPO) (speziell PP/EPDM), thermoplastische Styrol-Blockcopolymere (TPS) (speziell Styrol-Butadien-Styrol (SBS), SEBS, SEPS, SEEPS und MBS), thermoplastische Elastomere auf Polyurethanbasis (TPU), thermoplastische Vulkanisate (TPV) und vernetzte thermoplastische Elastomere auf Olefinbasis (speziell vernetztes PP/EPDM und vernetzte Ethylen-Propylen-Copolymere (EPM)) und Polyether-Block-Amide (PEBA).
Thermoplastische Styrol-Blockcopolymere (TPS) sind insbesondere ausgewählt unter SEBS, SEPS, SBS, SEEPS, SiBS, SIS, SIBS oder Mischungen davon, im speziellen SBS, SEBS, SEPS, SEEPS, MBS und Mischungen davon.
Thermoplastische Elastomere auf Olefinbasis (TPO) sind insbesondere ausgewählt unter PP/EPDM und Ethylen-Propylen-Copolymeren (EPM).
Thermoplastische Elastomere auf Polyurethanbasis (TPU) sind insbesondere abgeleitet von wenigstens einem polymeren Polyol, speziell ausgewählt unter wenigstens einem Polyesterdiol, Polyetherdiol, Polycarbonatdiol und
Mischungen davon. Eine spezielle Ausführung ist ein TPU, das wenigstens ein Gemisch aus polymeren Polyolen eingebaut enthält, das wenigstens ein
Polyesterdiol, wenigstens ein Polyetherdiol und wenigstens ein
Polycarbonatdiol umfasst.
Thermoplastische Vulkanisate (TPV) sind insbesondere abgeleitet von einem Styrol-Blockcopolymer mit einem reaktiven oder vernetzbaren Hartblock, der
aromatische Vinyl-Wiederholungseinheiten umfasst, und einem vernetzbaren Weichblock, der Olefin- oder Diene-Wiederholungseinheiten umfasst.
Geeignete Elastomere sind Acrylnitril-Butadien-Acrylate (ABA), Acrylnitril- Butadien-Kautschuke (ABN) Acrylnitril/chloriertes Polyethylen/Styrol (A/PE- C/S), Acrylnitril/ Methylmethacrylat (A/MMA), Butadien-Kautschuk (BR), Butylkautschuk (IIR), Chloropren-Kautschuk (CR), Ethylen-Ethylacrylat- Copolymere (E/EA), Ethylen-Propylen-Dien- Kautschuk (EPDM),
Ethylenvinylacetat (EVA) Fluorkautschuk (FPM oder FKM), Isopren-Kautschuk (IR), Naturkautschuk (NR), Polyisobutylen (PIB), elastomere Polyurethane, Polyvinylbutyral (PVB), Silicon-Kautschuke, Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR), Vinylchlorid/Ethylen (VC/E) und (Vinylchlorid-Ethylen-Methacrylat (VC/E/MA).
In einer speziellen Ausführungsform enthalten die Polymermaterialen a), b) und c) wenigstens ein Polymer oder bestehen aus wenigstens einem Polymer, das insbesondere ausgewählt ist unter thermoplastischen Elastomeren auf
Olefinbasis (TPO) (speziell PP/EPDM), thermoplastischen Styrol- Blockcopolymere (TPS), speziell Styrol-Butadien-Styrol (SBS), SEBS, SEPS, SEEPS und MBS, thermoplastischen Elastomeren auf Polyurethanbasis (TPU) und thermoplastischen Vulkanisaten (TPV).
Polymermaterial (a)
Mit den erfindungsgemäß eingesetzten Polymermaterialien (a), die wenigstens einen leitfähigen Füllstoff enthalten, lassen sich hohe Füllgrade und eine sehr gute Schirmdämpfung SE (shielding effectiveness) erzielen. Die
Schirmdämpfung setzt sich dabei zusammen aus Anteilen für Absorption SEA, Reflexion SER und Multi-Reflexion SEM. Speziell Polyurethane und spezielle harnstoffgruppenhaltige Polyurethane weisen eine hohe Kompatibilität mit einer Vielzahl verschiedener für die EMI Abschirmung geeigneter Füllstoffe auf.
Durch die hohe Flexibilität der erfindungsgemäßen Substrate hinsichtlich der Art und Menge der enthaltenen leitfähigen Füllstoffe und der Möglichkeit zum Einsatz weiterer Polymerkomponenten, speziell auch leitfähiger Polymere, lässt sich der jeweils gewünschte Anteil von Absorption und Reflexion an der
Schirmdämpfung gut steuern. Somit erfüllen die erfindungsgemäßen
abgeschirmten Substrate sehr gut die Anforderungen an die
elektromagnetische Verträglichkeit des Materials, wie sie z. B. in den
entsprechenden CISPR-Standards definiert werden (Comite international special des perturbations radioelectriques = Internationales Sonderkomitee für Funkstörungen). Gleichzeitig zeichnen sich die erfindungsgemäßen Substrate durch ein insgesamt gutes Anwendungsprofil aus. Dazu zählt, dass sie mechanischen, thermischen oder chemischen Beanspruchungen standhalten können und sich z. B. durch gute Kratzbeständigkeit, Flaftung,
Korrosionsbeständigkeit oder Elastizität auszeichnen.
Das Polymermaterial (a) enthält vorzugsweise 15 bis 99,5 Gew.-%, besonders bevorzugt 20 bis 99 Gew.-%, wenigstens einer Polymerkomponente, bezogen auf die Summe aus Polymerkomponente und dem wenigstens einen leitfähigen Füllstoff. Der Begriff Polymerkomponente umfasst dabei auch auspolymerisierte Vorstufen des Polymermaterials (a).
Bevorzugt umfasst das Polymermaterial a) oder besteht das Polymermaterial a) aus wenigstens einem Polymer, ausgewählt unter Thermoplasten,
thermoplastischen Elastomeren, Elastomeren und Mischungen davon.
Bevorzugt sind Thermoplaste, thermoplastische Elastomere und Mischungen davon.
Bevorzugt ist die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) ausgewählt unter Polyolefin-Flomo- oder -Copolymeren, Flüssigsiliconkautschuken,
Epoxidpolymeren, Polyurethanen und Mischungen davon.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) wenigstens ein Polyolefin-Homo- oder -copolymer oder besteht die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) aus wenigstens einem Polyolefin-Homo- oder -copolymer. Bevorzugt enthalten die Polyolefine ein oder mehrere Ci-C4-Olefine einpolymerisiert, vorzugsweise ausgewählt unter Ethylen, Propylen, 1 -Buten oder Isobuten. Geeignete Polyolefin-Homo- oder -copolymere sind ausgewählt unter Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polymethylpenten (PMP), Polyisobuten (PIB), Polybuten (PB),
Ethylen/Propylen-Copolymeren, Ethylen-Propylen-Dien-Copolymeren (EPDM) und Mischungen davon.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) einen Flüssigsiliconkautschuk (LSR, iquid silicone rubber) oder besteht die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) aus einem Flüssigsiliconkautschuk. EP0875536A2 beschreibt eine selbsthaftende additionsvernetzende Siliconkautschukmischung, die a) einen SiH-Vernetzer, der mindestens 20 SiH-Gruppen enthält und b) ein epoxyfunktionelles
Alkoxysilan und/oder Alkoxysiloxan enthält. EP1854847A1 beschreibt ein härtbares Zweikomponentensystem, das mindestens ein Diorganopolysiloxan und mindestens einen SiH-haltigen Vernetzer enthält. Geeignete
Flüssigsiliconkautschuke sind kommerziell erhältlich, z. B. die
zweikomponentigen Siliconelastomere der Elastosil-Marken der Wacker Chemie AG, München, Deutschland.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) ein Polyurethan oder besteht die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) aus einem Polyurethan. Im Allgemeinen sind
Polyurethane aus Polyisocyanaten und damit komplementären Verbindungen mit wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktiven Gruppen aufgebaut.
Bei den mit den NCO-Gruppen reaktiven Gruppen handelt es sich bevorzugt um OH-, NH2-, NHR- oder SH-Gruppen. Die Reaktion von NCO-Gruppen mit OH-Gruppen führt zur Bildung von Urethangruppen. Die Reaktion von NCO- Gruppen mit Aminogruppen führt zur Bildung von Harnstoffgruppen. Im
Rahmen der vorliegenden Erfindung umfasst die Bezeichnung "Polyurethane" auch Polyharnstoffe und Verbindungen, die Urethangruppen und
Harnstoffgruppen eingebaut enthalten. Letztere werden im Folgenden auch als "harnstoffgruppenhaltige Polyurethane" bezeichnet. Verbindungen, die nur eine reaktive Gruppe pro Molekül enthalten, führen zu einem Abbruch der
Polymerkette und können als Regler eingesetzt werden. Verbindungen, die zwei reaktive Gruppen pro Molekül enthalten, führen zur Bildung von linearen Polyurethanen. Verbindungen mit mehr als zwei reaktiven Gruppen pro Molekül führen zur Bildung von verzweigten Polyurethanen. Polyurethane im Sinne der Erfindung können auch beispielsweise durch Harnstoff-, Allophanat-, Biuret-, Carbodiimid-, Amid-, Uretonimin-, Uretdion-, Isocyanurat- oder Oxazolidon- Strukturen verknüpft sein.
In einer speziellen Ausführungsform enthält die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) wenigstens ein harnstoffgruppenhaltiges Polyurethan oder besteht die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) aus wenigstens einem harnstoffgruppenhaltigen Polyurethan.
Das Polymermaterial (a) enthält vorzugsweise 15 bis 99,5 Gew.-%, besonders bevorzugt 20 bis 99 Gew.-%, wenigstens eines harnstoffgruppenhaltigen Polyurethans, bezogen auf die Summe aus harnstoffgruppenhaltigem
Polyurethan und dem wenigstens einen leitfähigen Füllstoff.
In einer speziellen Ausführung besteht die Polymerkomponente des
Polymermaterials (a) ausschließlich aus wenigstens einem Polyurethan, insbesondere aus wenigstens einem harnstoffgruppenhaltigen Polyurethan.
Die folgenden Ausführungen zu harnstoffgruppenhaltigen Polyurethanen gelten analog auch für Polyurethane, die keine Harnstoffgruppen enthalten, d. h. zu deren Herstellung keine Aminkomponente eingesetzt wird, die wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktive Aminogruppen aufweist.
Harnstoffgruppenhaltige Polyurethane enthalten wenigstens eine
Aminkomponente einpolymerisiert, die wenigstens zwei gegenüber NCO- Gruppen reaktive Amingruppen aufweist.
Der Anteil der Aminkomponente beträgt bevorzugt 0,01 bis 32 Mol%, besonders bevorzugt 0,1 bis 10 Mol%, bezogen auf die zur Herstellung des
harnstoffgruppenhaltigen Polyurethans eingesetzten Komponenten.
Bevorzugt ist das (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan niedrig verzweigt oder linear aufgebaut. Besonders bevorzugt ist das harnstoffgruppenhaltige
Polyurethan linear aufgebaut. D. h. das harnstoffgruppenhaltige Polyurethan ist aus Diisocyanaten und damit komplementären divalenten Verbindungen aufgebaut.
Lineare (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethane im Sinne der Erfindung sind harnstoffgruppenhaltige Polyurethane die einen Verzweigungsgrad von 0 % aufweisen.
Niedrig verzweigte (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethane weisen bevorzugt einen Verzweigungsgrad von 0,01 bis 20 %, insbesondere von 0,01 bis 15 % auf.
Der Verzweigungsgrad des (harnstoffgruppenhaltigen) Polyurethans beträgt bevorzugt 0 bis 20 %. Dabei bezeichnet der Verzweigungsgrad den Anteil an
Knotenpunkten in der Polymerkette, d. h. den Anteil von Atomen, die
Ausgangspunkt von wenigstens drei davon abzweigenden Polymerketten sind. Unter einer Vernetzung wird demnach verstanden, dass eine abzweigende Polymerkette in einer zweiten abzweigenden Polymerkette mündet.
Gegenüber NCO-Gruppen reaktive Gruppen weisen bevorzugt wenigstens ein aktives Wasserstoffatom auf.
Geeignete komplementäre Verbindungen sind niedermolekulare Di- und
Polyole, polymere Polyole, niedermolekulare Di- und Polyamine mit primären und/oder sekundären Aminogruppen, polymere Polyamine, Amin-terminierte Polyoxyalkylenpolyole, Verbindungen mit mindestens einer Hydroxylgruppe und mindestens einer primären oder sekundären Aminogruppe im Molekül, insbesondere Aminoalkohole.
Geeignete niedermolekulare Diole (im Folgenden "Diole") und niedermolekulare Polyole (im Folgenden "Polyole") weisen ein Molekulargewicht von
60 bis weniger als 500 g/mol auf. Geeignete Diole sind beispielsweise
Ethylenglykol, Propan-1 ,2-diol, Propan-1 ,3-diol, Butan-1 ,2-diol, Butan-1 ,3-diol, Butan-1 ,4-diol, Butan-2,3-diol, Pentan-1 ,2-diol, Pentan-1 ,3-diol, Pentan-1 ,4-diol, Pentan-1 ,5-diol, Pentan-2,3-diol, Pentan-2,4-diol, Hexan-1 ,2-diol, Hexan-1 ,3- diol, Hexan-1 ,4-diol, Hexan-1 ,5-diol, Hexan-1 , 6-diol, Hexan-2,5-diol, Heptan- 1 ,2-diol 1 ,7-Heptandiol, 1 ,8-Octandiol, 1 ,2-Octandiol, 1 ,9-Nonandiol, 1 ,2- Decandiol, 1 ,10-Decandiol, 1 ,2-Dodecandiol, 1 ,12-Dodecandiol, 1 ,5-Hexadien-
3.4-diol, 1 ,2- und 1 ,3-Cyclopentandiole, 1 ,2-, 1 ,3- und 1 ,4-Cyclohexandiole, 1 ,1 - , 1 ,2-, 1 ,3- und 1 ,4-Bis-(Hydroxymethyl)cyclohexane, 1 ,1 -, 1 ,2-, 1 ,3- und 1 ,4- Bis(Hydroxyethyl)cyclohexane, Neopentylglykol, (2)-Methyl-2,4-pentandiol, 2,4- Dimethyl-2,4-Pentandiol, 2-Ethyl-1 ,3-hexandiol, 2,5-Dimethyl-2,5-hexandiol,
2.2.4-Trimethyl-1 ,3-pentandiol, Pinacol, Diethylenglykol, Triethylenglykol, Dipropylenglykol, T ripropylenglykol.
Geeignete Polyole sind Verbindungen mit mindestens drei OH-Gruppen, z. B. Glycerin, Trimethylolmethan, Trimethylolethan, Trimethylolpropan, 1 ,2,4- Butantriol, Tris(hydroxy-methyl)amin, Tris(hydroxyethyl)amin,
Tris(hydroxypropyl)amin, Pentaerythrit, Bis(tri-methylolpropan),
Di(pentaerythrit), Di- Tri- oder Oligoglycerine, oder Zucker, wie z. B. Glucose, tri- oder höherfunktionelle Polyetheroie auf Basis tri- oder höherfunktioneller Alkohole und Ethylenoxid, Propylenoxid oder Butylenoxid, oder Polyesteroie. Dabei sind Glycerin, Trimethylolethan, Trimethylolpropan, 1 ,2,4-Butantriol, Pentaerythrit, sowie deren Polyetheroie auf Basis von Ethylenoxid oder
Propylenoxid besonders bevorzugt. Da diese Verbindungen zu Verzweigungen führen, werden sie vorzugsweise in einer Menge von höchstens 5 Gew.-%, insbesondere höchstens 1 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der gegenüber den Isocyanaten komplementäre Verbindungen eingesetzt. Speziell werden keine Polyole eingesetzt.
Geeignete polymere Diole und polymere Polyole weisen vorzugsweise ein Molekulargewicht von 500 bis 5000 g/mol auf. Bevorzugt sind die polymeren Diole ausgewählt unter Polyetherdiolen, Polyesterdiolen, Polyetheresterdiolen und Polycarbonatdiolen. Die estergruppenhaltigen polymeren Diole und Polyole können anstelle von oder zusätzlich zu Cabonsäureestergruppen
Carbonatgruppen aufweisen.
Bevorzugte Polyetherdiole sind Polyethylenglykole H0(CH2CH20)n-H,
Polypropylenglykole H0(CH[CH3]CH20)n-H, wobei n eine ganze Zahl und n >4 ist, Polyethylenpolypropylenglykole, wobei die Abfolge der Ethylenoxid- und der Propylenoxid-Einheiten blockweise oder statistisch sein kann,
Polytetramethylenglykole (Polytetrahydrofurane), Poly-1 ,3-propandiole oder Gemische von zwei oder mehr Vertretern der voranstehenden Verbindungen.
Dabei kann eine oder auch beide Hydroxylgruppen in den vorstehend
genannten Diolen durch SH-Gruppen substituiert werden.
Bevorzugte Polyesterdiole sind solche, die durch Umsetzung von zweiwertigen Alkoholen mit zweiwertigen Carbonsäuren erhalten werden. Anstelle der freien Polycarbonsäuren können auch die entsprechenden Polycarbonsäureanhydride oder entsprechende Polycarbonsäureester von niederen Alkoholen oder deren Gemische zur Herstellung der Polyesterdiole verwendet werden. Die
Polycarbonsäuren können aliphatisch, cycloaliphatisch, araliphatisch, aromatisch oder heterocyclisch sein und gegebenenfalls, z. B. durch
Halogenatome, substituiert und/oder ungesättigt sein. Als Beispiele hierfür seien genannt: Korksäure, Azelainsäure, Phthalsäure, Isophthalsäure,
Phthalsäureanhydrid, Tetrahydrophthalsäureanhydrid,
Hexahydrophthalsäureanhydrid, Tetrachlorphthalsäureanhydrid,
Endomethylentetrahydrophthalsäureanhydrid, Glutarsäureanhydrid,
Maleinsäure, Maleinsäureanhydrid, Fumarsäure, dimere Fettsäuren. Bevorzugt sind Dicarbonsäuren der allgemeinen Formel HOOC-(CH2)y-COOH, wobei y eine Zahl von 1 bis 20, bevorzugt eine gerade Zahl von 2 bis 20 ist, z. B.
Bernsteinsäure, Adipinsäure, Sebacinsäure und Dodecandicarbonsäure.
Als mehrwertige Alkohole kommen z. B. Ethylenglykol, Propan-1 ,2- diol, Propan-1 ,3-diol, Butan-1 ,3-diol, Buten-1 ,4-diol, Butin-1 ,4-diol, Pentan-1 ,5-diol, Neopentylglykol, Bis-(hydroxymethyl)-cyclohexane wie 1 ,4-Bis- (hydroxymethyl)cyclohexan, 2-Methyl-propan-1 ,3-diol, Methylpentandiole, ferner Diethylenglykol, Triethylenglykol, Tetraethylenglykol, Polyethylenglykol,
Dipropylenglykol, Polypropylenglykol, Dibutylenglykol und Polybutylenglykole in Betracht. Bevorzugt sind Alkohole der allgemeinen Formel HO-(CH2)x-OH, wobei x eine Zahl von 1 bis 20, bevorzugt eine gerade Zahl von 2 bis 20 ist. Beispiele hierfür sind Ethylenglycol, Butan-1 ,4-diol, Hexan-1 ,6-diol, Octan-1 ,8- diol und Dodecan-1 ,12-diol. Weiterhin bevorzugt ist Neopentylglykol.
Geeignete Polyetherdiole sind insbesondere durch Polymerisation von
Ethylenoxid, Propylenoxid, Butylenoxid, Tetrahydrofuran, Styroloxid oder Epichlorhydrin mit sich selbst, z. B. in Gegenwart von BF3 oder durch
Anlagerung dieser Verbindungen gegebenenfalls im Gemisch oder
nacheinander, an Startkomponenten mit reaktionsfähigen Wasserstoffatomen, wie Alkohole oder Amine, z. B. Wasser, Ethylenglykol, Propan-1 ,2-diol, Propan- 1 ,3-diol, 2,2-Bis(4-hydroxyphenyl)-propan oder Anilin, erhältlich. Ein besonders bevorzugtes Polyetherdiol ist Polytetrahydrofuran. Geeignete
Polytetrahydrofurane können durch kationische Polymerisation von
Tetrahydrofuran in Gegenwart von sauren Katalysatoren, wie z. B.
Schwefelsäure oder Fluorschwefelsäure, hergestellt werden. Derartige
Fierstellungsverfahren sind dem Fachmann bekannt.
Bevorzugt sind Polycarbonatdiole, wie sie z. B. durch Umsetzung von Phosgen mit einem Überschuss von den als Aufbaukomponenten für die
Polyesterpolyole genannten niedermolekularen Alkoholen erhalten werden können.
Gegebenenfalls können auch Polyesterdiole auf Lacton-Basis mitverwendet werden, wobei es sich um Flomo- oder Mischpolymerisate von Lactonen, bevorzugt um endständige Flydroxylgruppen aufweisende Anlagerungsprodukte von Lactonen an geeignete difunktionelle Startermoleküle handelt. Als Lactone kommen bevorzugt solche in Betracht, die sich von Verbindungen der allgemeinen Formel FIO-(CFl2)z-COOFI ableiten, wobei z eine Zahl von 1 bis 20 ist und ein Fl-Atom einer Methyleneinheit auch durch einen Ci - bis C4-Alkylrest substituiert sein kann. Beispiele sind e-Caprolacton, ß-Propiolacton, g- Butyrolacton und/oder Methyl-y-caprolacton sowie deren Gemische. Geeignete Starterkomponenten sind z. B. die vorstehend als Aufbaukomponente für die Polyesterpolyole genannten niedermolekularen zweiwertigen Alkohole. Die
entsprechenden Polymerisate des e-Caprolactons sind besonders bevorzugt. Auch niedere Polyesterdiole oder Polyetherdiole können als Starter zur
Herstellung der Lacton-Polymerisate eingesetzt sein. Anstelle der Polymerisate von Lactonen können auch die entsprechenden, chemisch äquivalenten
Polykondensate der den Lactonen entsprechenden Hydroxycarbonsäuren eingesetzt werden.
Besonders bevorzugt sind Polycarbonatester-polyether-diole und
Polycarbonatester-polyether-polyole.
Geeignete niedermolekulare Di- und Polyamine mit primären und/oder sekundären Aminogruppen weisen ein Molekulargewicht von 32 bis weniger als 500 g/mol auf. Bevorzugt sind Diamine, die zwei Aminogruppen, ausgewählt aus der Gruppe der primären und sekundären Aminogruppen, enthalten.
Geeignete aliphatische und cycloaliphatische Diamine sind beispielsweise Ethylendiamin, N-Alkyl-ethylendiamin, Propylendiamin, 2,2-Dimethyl-1 ,3- propylendiamin, N-Alkylpropylen-diamin, Butylendiamin, N-Alkylbutylendiamin, Pentandiamin, Hexamethylendiamin, N Alkylhexamethylendiamin,
Heptandiamin, Octandiamin, Nonandiamin, Decandiamin, Dodecandiamin, Hexadecandiamin, Toluylendiamin, Xylylendiamin, Diaminodiphenyl-methan, Diaminodicyclohexylmethan, Phenylendiamin, Cyclohexylendiamin,
Bis(aminomethyl)cyclohexan, Diaminodiphenylsulfon, Isophorondiamin, 2-Butyl- 2-ethyl-1 ,5-pentamethylendiamin, 2,2,4- oder 2,4,4-Trimethyl-1 ,6- hexamethylendiamin, 2-Aminopropylcyclohexylamin, 3(4)-Aminomethyl-1 - methylcyclohexylamin, 1 ,4 Diamino-4-methylpentan.
Zur Herstellung der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen können auch niedermolekulare aromatische Di- und Polyamine eingesetzt werden.
Aromatische Diamine sind bevorzugt ausgewählt unter Bis-(4-amino-phenyl)- methan, 3-Methylbenzidin, 2,2-Bis-(4-aminophenyl)-propan, 1 , 1 -Bis-(4-
aminophenyl)-cyclohexan, 1 ,2-Diaminobenzol, 1 ,4-Diaminobenzol, 1 ,4- Diaminonaphthalin, 1 ,5-Diaminonaphthalin, 1 ,3-Diaminotoluol, m-Xylylendiamin, N,N'-Dimethyl-4,4'-biphenyl-diamin, Bis-(4-methyl-aminophenyl)-methan, 2,2- Bis-(4-methylaminophenyl)-propan oder Gemischen davon.
Bevorzugt weisen die zur Herstellung der erfindungsgemäßen
Zusammensetzungen eingesetzten niedermolekularen Di- und Polyamine einen Anteil von aromatischen Di- und Polyaminen an allen Di- und Polyaminen von höchstens 50 mol%, besonders bevorzugt von höchstens 30 mol%, speziell von höchstens 10 mol%, auf. In einer speziellen Ausführung weisen die zur
Herstellung der erfindungsgemäßen Zusammensetzungen eingesetzten niedermolekularen Di- und Polyamine keine aromatischen Di- und Polyamine auf. In einer weiteren speziellen Ausführung zur Herstellung von
erfindungsgemäßen Zweikomponenten(2K)-Polyurethanen werden aromatische Di- und Polyamine eingesetzt. Dann ist der Anteil von aromatischen Di- und Polyaminen an allen Di- und Polyaminen höchstens 50 mol%, besonders bevorzugt höchstens 30 mol%, speziell höchstens 10 mol%.
Geeignete polymere Polyamine weisen vorzugsweise ein Molekulargewicht von 500 bis 5000 g/mol auf. Dazu zählen Polyethylenimine und Amin-terminierte Polyoxyalkylenpolyole, wie a,w-Diaminopolyether, die durch Aminierung von Polyalkylenoxiden mit Ammoniak herstellbar sind. Spezielle Amin-terminierte Polyoxyalkylenpolyole sind so genannte Jeffamine oder Amin-terminierte Polytetramethylenglykole.
Geeignete Verbindungen mit mindestens einer Hydroxylgruppe und mindestens einer primären oder sekundären Aminogruppe im Molekül sind Dialkanolamine, wie Diethanolamin, Dipropanolamin, Diisopropanol-amin, 2-Amino-1 ,3- propandiol, 3-Amino-1 ,2-propandiol, 2-Amino-1 ,3-propandiol, Dibu-tanolamin,
Diisobutanolamin, Bis(2-hydroxy-1 -butyl)amin, Bis(2-hydroxy-1 -propyl)amin und Dicyclohexanolamin.
Selbstverständlich können auch Gemische der genannten Amine eingesetzt werden.
Erfindungsgemäß enthält das harnstoffgruppenhaltige Polyurethan wenigstens eine amingruppenhaltige Aminkomponenente einpolymerisiert, die wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktive Amingruppen aufweist. Diese führt bei der Polyaddition zur Bildung von Harnstoffgruppen.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält das harnstoffgruppenhaltige Polyurethan wenigstens eine Diaminkomponente einpolymerisiert.
Vorzugsweise ist die einpolymerisierte Diaminkomponente ausgewählt unter Ethylendiamin, 1 ,3-Propylendiamin, 1 ,4-Tetramethylendiamine, 1 ,5- Pentamethyldiamin, 1 ,6-Hexamethylendiamin, 2-Methylpentamethylendiamin,
1 ,7-Heptamethylendiamin 1 ,8-Octamethylendiamin, 1 ,9-Nonamethylendiamin, 1 ,10-Diaminodecan, 1 ,12-Diaminoododecan, 2,2,4- Trimethylhexamethylendiamin, 2,4,4-Trimethylhexamethylendiamin, 2,3,3- Trimethylhexamethylendiamin, 1 ,6-Diamino-2,2,4-trimethylhexan, 1 -Amino-3- aminomethyl-3,5,5-trimethylcyclohexan, 1 ,4-Cyclohexylendiamin, Bis-(4- aminocyclohexyl)-methan, Isophorondiamin, 1 -Methyl-2,4-diaminocyclohexane und Mischungen davon enthält.
Isocyanate sind N-substituierte organische Derivate (R-N=C=0) der
Isocyansäure (HNCO). Organische Isocyanate sind Verbindungen, in denen die Isocyanatgruppe (-N=C=0) an einen organischen Rest gebunden ist.
Polyfunktionelle Isocyanate sind Verbindungen mit zwei oder mehr (z. B. 3, 4, 5, etc.) Isocyanatgruppen im Molekül.
Das Polyisocyanat ist allgemein ausgewählt unter di- und polyfunktionellen Isocyanaten, den Allophanaten, Isocyanuraten, Uretdionen oder Carbodiimiden von difunktionellen Isocyanaten und Mischungen davon. Bevorzugt enthält das Polyisocyanat mindestens ein difunktionelles Isocyanat. Insbesondere werden ausschließlich difunktionelle Isocyanate (Diisocyanate) eingesetzt.
Geeignete Polyisocyanate sind in der Regel alle aliphatischen und
aromatischen Isocyanate, sofern sie mindestens zwei reaktive
Isocyanatgruppen aufweisen. Dabei umfasst im Rahmen der Erfindung der Begriff aliphatische Diisocyanate auch cycloaliphatische (alicyclische)
Diisocyanate.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält das (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan aliphatische Polyisocyanate eingebaut, wobei das aliphatische Polyisocyanat bis zu 80 Gew.-%, bevorzugt bis zu 60 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Polyisocyanate, durch wenigstens ein aromatisches Polyisocyanat ersetzt sein kann. In einer speziellen Ausführungsform enthält das harnstoffgruppenhaltige Polyurethan ausschließlich aliphatische
Polyisocyanate eingebaut.
Die Polyisocyanatkomponente hat vorzugsweise einen durchschnittlichen Gehalt von 2 bis 4 NCO-Gruppen. Bevorzugt werden Diisocyanate, d. h. Ester der Isocyansäure mit der allgemeinen Struktur 0=C=N-R'-N=C=0, wobei R' ein aliphatischer oder aromatischer Rest ist.
Geeignete Polyisocyanate sind ausgewählt unter Verbindungen mit 2 bis 5 Isocyanatgruppen, Isocyanatprepolymeren mit einer mittleren Anzahl von 2 bis 5 Isocyanatgruppen und Mischungen davon. Dazu gehören beispielsweise
aliphatische, cycloaliphatische und aromatische Di, Tri- und höhere
Polyisocyanate.
Vorzugsweise enthält das (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan wenigstens ein aliphatisches Polyisocyanat eingebaut. Geeignete aliphatische Polyisocyanate sind ausgewählt aus Ethylendiisocyanat, Propylendiisocyanat,
Tetramethylendiisocyanat, Pentamethylendiisocyanat,
Hexamethylendiisocyanat (HDI), 1 ,12-Diisocyanatododecan,
4-lsocyanatomethyl-1 ,8-octamethylendiisocyanat, Triphenylmethan-4,4',4',4"- triisocyanat, 1 ,6-Diisocyanato-2,2,4-trimethylhexan, 1 ,6-Diisocyanato-2, 4,4,4- trimethylhexan, Isophorondiisocyanat (= 3-lsocyanatmethyl-3,5,5- trimethylcyclohexylisocyanat, 1 -lsocyanato-3-isocyanatomethyl-3,5,5- trimethylcyclohexan, IPDI), 2,3,3-Trimethylhexamethylendiisocyanat,
1 ,4-Cyclohexylendiisocyanat, 1 -Methyl-2,4-diisocyanatocyclohexan,
Dicyclohexylmethan-4,4'-diisocyanat (= Methylen-bis(4-cyclohexylisocyanat)).
Vorzugsweise ist das aromatische Polyisocyanat ausgewählt aus 1 ,3- Phenylendiisocyanat, 1 ,4-Phenylendiisocyanat, 2,4- und 2,6- Toluylendiisocyanat und deren Isomerengemische, 1 ,5-Naphthylendiisocyanat, 2,4'- und 4,4'-Diphenylmethandiisocyanat, hydriertes 4,4'- Diphenylmethandiisocyanat (H12MDI), Xylylendiisocyanat (XDI),
Tetramethylxyloldiisocyanat (TMXDI), 4,4'-Dibenzyldiisocyanat, 4,4'- Diphenyldimethylmethandiisocyanat, Di- und
Tetraalkyldiphenylmethandiisocyanaten, ortho-Tolydindiisocyanat (TODI) und Mischungen davon.
In einer geeigneten Ausführungsform enthält das (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan wenigstens ein Polyisocyanat mit Uretdion-, Isocyanurat-, Urethan- , Allophanat-, Biuret-, Iminooxadiazindion und/oder Oxadiazintrionstruktur eingebaut.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält das (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan wenigstens ein aliphatisches Polyisocyanat mit Uretdion-,
Isocyanurat-, Urethan-, Allophanat-, Biuret-, Iminooxadiazindion und/oder Oxadiazintrionstruktur eingebaut.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält das
(harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan wenigstens ein aliphatisches
Polyisocyanat und zusätzlich wenigstens ein auf diesen aliphatischen
Polyisocyanaten basierendes Polyisocyanat mit Uretdion-, Isocyanurat-, Urethan-, Allophanat-, Biuret-, Iminooxadiazindion und/oder
Oxadiazintrionstruktur eingebaut.
Bevorzugt handelt es sich um Polyisocyanate oder Polyisocyanatgemische mit ausschließlich aliphatisch und/oder cycloaliphatisch gebundenen
Isocyanatgruppen und einer mittleren NCO-Funktionalität von 2 bis 4, bevorzugt 2 bis 2,6 und besonders bevorzugt 2 bis 2,4.
Besonders bevorzugt enthält das (harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan wenigstens ein aliphatisches Diisocyanat eingebaut, das ausgewählt ist unter Hexamethylendiisocyanat, Isophorondiisocyanat und Mischungen davon.
In einer bevorzugten Ausführungsform ist das (harnstoffgruppenhaltige)
Polyurethan aus aliphatischen Polyisocyanaten und damit komplementären aliphatischen Verbindungen mit wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktiven Gruppen aufgebaut, wobei das aliphatische Polyisocyanat bis zu 50 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Polyisocyanate, durch
wenigstens ein aromatisches Polyisocyanat ersetzt sein kann.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist das
(harnstoffgruppenhaltige) Polyurethan aus aliphatischen Polyisocyanaten und damit komplementären aliphatischen Verbindungen mit wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktiven Gruppen aufgebaut, wobei das aliphatische Polyisocyanat bis zu 30 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der
Polyisocyanate, durch wenigstens ein aromatisches Polyisocyanat ersetzt sein kann.
In einer speziellen Ausführungsform ist das (harnstoffgruppenhaltige)
Polyurethan aus aliphatischen Polyisocyanaten und damit komplementären aliphatischen Verbindungen mit wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktiven Gruppen aufgebaut.
In einer speziellen Ausführungsform wird als harnstoffgruppenhaltiges
Polyurethan ein diaminmodifiziertes Polycarbonatester-polyether-polyurethan eingesetzt.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform enthält die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) ein thermoplastisches Elastomer (TPE) oder besteht die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) aus einem TPE. Geeignete und bevorzugte TPEs sind die weiter oben genannten, worauf hier Bezug genommen wird.
Geeignete TPE sind ausgewählt unter thermoplastischen Polyamidelastomeren (TPA), thermoplastischen Copolyesterelastomeren (TPC), thermoplastischen Elastomeren auf Olefinbasis (TPO), thermoplastischen Styrol- Blockcopolymeren (TPS), thermoplastischen Elastomeren auf Urethanbasis (TPU) und thermoplastischen Vulkanisaten oder vernetzte thermoplastischen Elastomere auf Olefinbasis (TPV).
TPA ist kommerziell erhältlich z. B. als PEBAX der Firma Arkema.
TPC ist kommerziell erhältlich z. B. als Keyflex der Firma LG Chem.
TPO ist kommerziell erhältlich z. B. als Elastron TPO, Saxomer TPE-0 der Firma PCW.
TPS ist kommerziell erhältlich z. B. als Elastron G und Elastron D, Kraton der Firma Kraton Polymers, als Septon der Firma Kuraray, als Styroflex der Firma BASF, als Thermolast der Firma Kraiburg TPE, als ALLRUNA der Firma ALLOD Werkstoff GmbH & Co.KG oder als Saxomer TPE-S der Firma PCW.
TPU ist kommerziell erhältlich z. B. als Elastollan der Firma BASF oder als Desmopan, Texin, Utechllan der Firma Covestro.
TPV ist kommerziell erhältlich z. B. als Elastron V, Sariink der Firma DSM.
Bevorzugt ist das thermoplastische Elastomer ausgewählt unter Kautschuk vom Dien-Typ wie Polybutadien, Poly(styrol-butadien) und Poly(acrylnitril-butadien), gesättigten Kautschuk, erhalten durch Hydrierung dieser Kautschuksorten vom Dien-Typ, Isoprenkautschuk, Chloroprenkautschuk, Kautschuk vom Acryl-Typ, wie ein Butylpolyacrylat, einen Ethylen/Propylen-, Ethylen/Propylen-Dien- und einen Ethylen/Octen-Copolymerkatuschuk einschließen.
Polymermaterial (b)
In einer Ausführungsform umfasst die Polymerkomponente des
Polymermaterials b) oder besteht die Polymerkomponente des
Polymermaterials b) aus wenigstens einem Polymer, ausgewählt unter sogenannten Hochleistungskunststoffen, die sich durch ihre
Temperaturbeständigkeit, aber auch Chemikalienbeständigkeit und gute mechanische Eigenschaften auszeichnen. Solche Polymere eignen sich speziell für Anwendungen im Automotive-Bereich.
Bevorzugt ist die Polymerkomponente des Polymermaterials b) ausgewählt unter Polyestern, Polyketonen (PK), Polyetherketonen (PEK),
Polyetheretherketonen (PEEK), Polyamiden (PA), Polyamidimiden (PAI), Polyphenylensulfiden (PPS), Polyarylsulfonen, ABS-Copolymeren und
Mischungen (Blends) davon.
Eine spezielle Ausführungsform der Polyester sind Polyethylenterephtalate (PET), Polybutylenterephthalate (PBT) und Polycarbonate (PC).
Eine spezielle Ausführungsform der Polyamide sind die
Hochtemperaturpolyamide (HTPA). Dabei handelt es sich um teilkristalline oder amorphe, thermoplastische, teilaromatische Polyamide. Bevorzugt enthalten diese wenigstens eine aromatische Dicarbonsäure einpolymerisiert,
insbesondere ausgewählt unter Terephthalsäure, Isophthalsäure und
Gemischen aus Terephthalsäure und Isophthalsäure. Bevorzugte HTPA sind ausgewählt unter PA 6.T, PA 10.T, PA 12.T, PA 6.I, PA 10.1, PA 12.1, PA 6. T/6.1, PA 6. T/6, PA 6.T/10T, PA 10.T/6.T, PA 6.T/12.T, PA12.T/6.T und Gemischen davon.
Eine weitere spezielle Ausführungsform der Polyamide ist Polyphthalamid (PPA).
In einer bevorzugten Ausführungsform sind die Polyketone ausgewählt unter Polyetherketonen, Polyetheretherketonen, Polyaryletherketon und Mischungen davon.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform sind die Polyarylsulfone ausgewählt unter Polysulfonen (PSU), Polyethersulfonen (PES),
Polyphenylensulfonen (PPSU) und Blends von PSU und ABS.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst die
Polymerkomponente des Polymermaterials (b) einen Polyamid-ABS-Blend oder besteht daraus.
Polymermaterial (c)
In einer Ausführungsform ist die Polymerkomponente des Polymermaterials (c) ausgewählt unter Elastomeren, thermoplastischen Elastomeren und
Mischungen davon.
Leitfähiqer Füllstoff
Das Polymermaterial (a) enthält wenigstens einen Füllstoff zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen.
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung, wie oben und im Folgenden definiert, umfasst als Komponente a) wenigstens einen leitfähigen Füllstoff.
Der elektrisch leitende Füllstoff kann vorteilhaft in Form von partikulären
Materialien oder Fasern vorliegen. Dazu zählen Pulver, nanoteilige Materialien, Nanoröhrchen, Fasern, etc. Die Füllstoffe können sowohl beschichtet als auch unbeschichtet oder auf ein Trägermaterial aufgebracht sein. Die Geometrie der partikulären Materialien oder Fasern ist nicht wesentlich. Der Querschnitte kann jede Form sein, z. B. rund, oval, dreieckig oder rechteckig. Das
Aspektverhältnis liegt insbesondere im Bereich von 1 bis 10000. Das
Aspektverhältnis ist der Quotient der Länge und Dicke des partikulären
Materials oder der Faser.
Bevorzugt ist der wenigstens der leitfähige Füllstoff ausgewählt unter
Kohlenstoffnanoröhrchen, Kohlenstofffasern, Graphit, Graphen, leitfähigem
Ruß, metallhaltigem Material, wie metallbeschichteten Trägern, elementaren Metallen, Metalloxiden, Metalllegierungen, Metallfasern und Mischungen davon.
Bevorzugte metallbeschichtete Träger sind metallbeschichtete
Kohlenstofffasern, speziell vernickelte Kohlefasern und versilberte Kohlefasern. Bevorzugte metallbeschichtete Träger sind weiterhin silberbeschichtete
Glaskugeln.
Bevorzugt liegt der leitfähige Füllstoff nicht als homogene aus Metall
bestehende Schicht vor. Bevorzugt handelt es sich bei dem leitfähigen Füllstoff nicht um durch Metalldampfabscheidung erhaltene Schichten von Metallen oder um Metallfolien.
Geeignete elementare Metalle sind ausgewählt unter Cobalt, Aluminium, Nickel, Silber, Kupfer, Strontium, Eisen und Mischungen davon.
Geeignete Legierungen sind ausgewählt unter Strontiumferrit, Silber-Kupfer- Legierung, Silber-Aluminium-Legierung, Eisen-Nickel-Legierung, m-Metallen, amorphen Metallen (metallischen Gläsern) und Mischungen davon.
Geeignete Metallfasern sind künstlich hergestellte Fasern, die aus Metall, Metalllegierungen, kunststoffbeschichtetem Metall, metallbeschichtetem
Kunststoff oder einem vollständig mit Metall ummantelten Kern bestehen.
Geeignete Metalle und Legierungen sind die oben erwähnten. Bevorzugt sind Metallfasern umfassen oder bestehen aus wenigstens einem Metall ausgewählt unter Eisen, Kupfer, Aluminium und Legierungen davon. In einer speziellen Ausführung umfassen oder bestehen die Metallfasern aus einem Stahl, speziell aus Edelstahl.
In einer speziellen Ausführung umfasst der leitfähige Füllstoff wenigstens ein ferromagnetisches Material, vorzugsweise ausgewählt unter Eisen, Kobalt, Nickel, Oxiden und Mischoxiden davon, Legierungen und Mischungen davon. Diese Füllstoffe eignen sich speziell zum Ablenken von elektromagnetischen Wellen mit einer niedrigen Frequenz.
In einer weiteren speziellen Ausführung umfasst der leitfähige Füllstoff wenigstens ein kohlenstoffreiches, leitendes Material, vorzugsweise ausgewählt unter Kohlenstoffnanoröhrchen, Kohlenstofffasern, Graphit, Graphen, leitfähigem Ruß und Mischungen davon. Diese Füllstoffe eignen sich speziell zum Reflektieren und Absorbieren von elektromagnetischen Wellen mit einer hohen Frequenz.
In einer weiteren Ausführungsform ist der wenigstens eine leitfähige Füllstoff ausgewählt unter leitfähigem Ruß, metallhaltigem Material und Mischungen davon. Speziell umfasst der leitfähige Füllstoff wenigstens einen leitfähigen Ruß und wenigstens ein metallhaltiges Material. Das Mengenverhältnis von Ruß zum metallhaltigen Material ist im Bereich von 5 Gew% : 95 Gew.% bis 95 Gew% : 5 Gew.%.
Das erste Polymermaterial a) kann Ruß als alleinigen leitfähigen Füllstoff enthalten. In diesem Fall ist die Einsatzmenge an Ruß höher, als in
Zusammensetzungen, die Ruß zur Einfärbung und/oder als UV-Schutzmittel enthalten. Wenn das erste Polymermaterial a) Ruß als alleinigen leitfähigen Füllstoff enthält, beträgt der Gehalt an Ruß, bezogen auf das Gesamtgewicht des Polymermaterials a) 5 bis 95 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 90 Gew.-%, insbesondere 20 bis 85 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des Polymermaterials a).
In einer bevorzugten Ausführung enthält das erste Polymermaterial a) ein Gemisch aus Ruß und wenigstens einer von Ruß verschiedenen Komponente als leitfähigen Füllstoff. Speziell ist die von Ruß verschiedene Komponente ausgewählt unter metallbeschichteten Trägern, elementaren Metallen,
Metalloxiden, Metalllegierungen, Metallfasern und Mischungen davon. Speziell enthält das erste Polymermaterial a) als leitfähige Füllstoff ein Gemisch aus wenigstens einem leitfähigen Ruß und wenigstens einem metallhaltigen
Material.
Der Füllstoff ist in der Regel in einem ausreichenden Anteil in der
Polymermatrix enthalten, um die für die vorgesehene Anwendung gewünschte elektrische Leitfähigkeit zu erreichen. Übliche Einsatzmengen des leitfähigen Füllstoffs liegen z. B. in einem Bereich von 0,1 bis 95 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Komponenten a) und b). Vorzugsweise beträgt der Anteil an Füllstoff a) 0,5 bis 95 Gew.-%, besonders bevorzugt 1 bis 90 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Komponenten a) und b).
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält das Polymermaterial (a) zusätzlich wenigstens ein leitfähiges Polymer, das von dem
harnstoffgruppenhaltigen Polyurethan verschieden ist.
Geeignete leitfähige Polymere weisen ganz allgemein eine Leitfähigkeit von wenigstens 1 x 103 S rrr1 bei 25 °C auf, bevorzugt wenigstens 2 x 103 S rrr1 bei 25 °C.
Geeignete leitfähige Polymere sind ausgewählt unter Polyanilinen,
Polypyrrolen, Polythiophenen, Polyethylendioxythiophenen (PEDOT), Poly(p- phenylen-vinylenen), Polyacetylenen, Polydiacetylenen, Polyphenylensulfiden (PSP), Polyperinaphthalenen (PPN), Polyphthalocyaninen (PPhc), sulfonierten
Polystyrolpolymeren, carbonfasergefüllten Polymeren und Mischungen,
Derivaten und Copolymeren davon.
Bevorzugt beträgt der Gewichtsmengenanteil des wenigstens leitfähigen Polymers 0 bis 10 Gew.-%, wie beispielsweise 0,1 bis 5 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Komponente b).
In einer möglichen Ausführungsform enthält das Polymermaterial (a) zusätzlich wenigstens ein von dem harnstoffgruppenhaltigen Polyurethan verschiedenes nicht leitfähiges Polymer.
Geeignete nicht leitfähige Polymere, welche von dem harnstoffgruppenhaltigen Polyurethan verschieden sind, sind bevorzugt ausgewählt unter Polyurethanen, Silikonen, Fluorsilikonen, Polycarbonaten, Ethylen-Vinylacetaten (EVA), Acrylnitril-Butadien-Styrolen (ABS), Polysulfonen, Poly(meth)acrylaten,
Polyvinylchloriden (PVC), Polyphenylenethern, Polystyrolen, Polyamiden, Polyolefinen, z. B. Polyethylen oder Polypropylen, Polyetherketonen,
Polyetheretherketonen, Polyimiden, Polyetherimiden,
Polyethylenterephthalaten, Polybutylenterephthalaten, Fluorpolymeren,
Polyestern, Polyacetalen, z. B. Polyoxymethylen (POM),
Flüssigkristallpolymeren, Polyphenylenoxiden, Polysulfonen, Polyethersulfonen, Polystyrolen, Epoxiden, Phenolen, Chlorsulfonaten, Polybutadienen, Acrylnitril- Butadien-Kautschuken (ABN), Butylen, Neoprenen, Nitrilen, Polyisoprenen, Naturkautschuken und Copolymerkautschuken wie Styrol-Isopren-Styrole (SIS), Styrol-Butadien-Styrolen (SBS), Ethylen-Propylenen (EPR), Ethylen-Propylen- Dien-Monomeren (EPDM), Nitril-Butadienen (NBR), Styrol-Butadiene (SBR) sowie deren Copolymere und Mischungen davon.
Bevorzugt beträgt der Gewichtsmengenanteil des wenigstens einen von dem harnstoffgruppenhaltigen Polyurethan verschiedenen nicht leitfähigen Polymers
0 bis 20 Gew.-%, bevorzugt 0 bis 15 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Komponente a). Wenn ein solches nicht leitfähiges Matrixpolymer vorhanden ist, dann in einer Menge von wenigstens 0,1 , bevorzugt wenigstens 0,5 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Komponente a).
Das leitfähige Polymer und das nicht leitfähige Polymer können mit
Standardtechniken, wie dem Schmelzmischen oder Dispergieren der
Füllstoffpartikeln, während der Polymerisation des Matrixpolymers (Sol-Gel- Verfahren) zu einer Mischung der Komponenten gemischt werden. Dabei sind homogene und heterogene Blends möglich. In einem homogenen Blend sind keine Makrophasen vorhanden, wohingegen in einem heterogenen Blend Makrophasen vorhanden sind.
In einer bevorzugten Ausführungsform enthält das erste Polymermaterial (a) a1 ) 0,5 bis 95 Gew.-% wenigstens eines leitfähigen Füllstoffs, a2) 15 bis 99,5 Gew.-% wenigstens einer Polymerkomponente, a3) 0 bis 20 Gew.-% wenigstens eines von a2) verschiedenen nicht
leitfähigen Polymers, a4) 0 bis 10 Gew.-% wenigstens eines leitfähigen Polymers, a5) optional wenigstens ein Additiv, wobei jedes Additiv in einer Menge von bis zu 3 Gew.-% vorhanden ist, optional wenigstens ein Lösungsmittel.
Geeignete Additive a5) sind ausgewählt unter Antioxidantien, Wärmestabilisatoren, Flammschutzmitteln, Lichtschutzmitteln (UV- Stabilisatoren, UV-Absorber oder UV-Blocker), Katalysatoren für die
Vernetzungsreaktion, Verdickern, thixotropen Agentien, oberflächenaktiven Agentien, Viskositätsmodifikatoren, Gleitmitteln, Farbstoffen,
Nukleierungsmitteln, Antistatika, Entformungsmitteln, Entschäumern,
Bakteriziden, etc..
Zusätzlich kann die Zusammensetzung als Komponente a6) wenigstens einen von den Komponenten a) bis c) verschiedenen Füll- und Verstärkungsstoff enthalten. Die im Folgenden genannten Füll- und Verstärkungsstoffe eignen sich auch zur Bereitstellung von Kompositen zum Hinterspritzen, wie zuvor beschrieben.
Der Begriff "Füllstoff und Verstärkungsstoff" (= Komponente a6)) wird im
Rahmen der Erfindung breit verstanden und umfasst partikulare Füllstoffe, Faserstoffe und beliebige Übergangsformen. Partikuläre Füllstoffe können eine weite Bandbreite von Teilchengrößen aufweisen, die von staubförmigen bis grobkörnigen Partikeln reichen. Als Füllmaterial kommen organische oder anorganische Füll- und Verstärkungsstoffe in Frage. Beispielsweise können anorganische Füllstoffe, wie Carbonfasern, Kaolin, Kreide, Wollastonit, Talkum, Calciumcarbonat, Silikate, Titandioxid, Zinkoxid, Glaspartikel, z. B. Glaskugeln, nanoskalige Schichtsilikate, nanoskaliges Aluminiumoxid (AI2O3), nanoskaliges Titandioxid (T1O2), Schichtsilikate und nanoskaliges Siliciumdioxid (S1O2), eingesetzt werden. Die Füllstoffe können auch oberflächenbehandelt sein.
Geeignete Schichtsilikate sind Kaoline, Serpentine, Talkum, Glimmer,
Vermiculite, lllite, Smectite, Montmorillonit, Hectorit, Doppelhydroxide und Gemische davon. Die Schichtsilikate können oberflächenbehandelt oder unbehandelt sein.
Weiterhin können ein oder mehrere Faserstoffe zum Einsatz kommen. Diese sind vorzugsweise ausgewählt aus bekannten anorganischen
Verstärkungsfasern, wie Borfasern, Glasfasern, Kieselsäurefasern,
Keramikfasern und Basaltfasern; organischen Verstärkungsfasern, wie
Aramidfasern, Polyesterfasern, Nylonfasern und Polyethylenfasern und
Naturfasern, wie Holzfasern, Flachsfasern, Hanffasern und Sisalfasern.
Bevorzugt wird die Komponente a6), falls vorhanden, in einer Menge von 1 bis 80 Gew.-%, bezogen auf die Gesamtmenge der Komponenten a1 ) bis a6) eingesetzt.
Als weitere Ausführungsform kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung als Schaum vorliegen. Ein Schaum im Sinne der Erfindung ist eine poröse, zumindest teilweise offenzeilige Struktur mit miteinander kommunizierenden Zellen.
Zur Herstellung eines Polyurethan-Schaums können die Komponenten der erfindungsgemäßen Zusammensetzung, gegebenenfalls nach einer
Präpolymerisation wenigstens eines Teils davon, vermischt, aufgeschäumt und ausgehärtet werden. Die Aushärtung erfolgt bevorzugt durch chemische Vernetzung. Das Aufschäumen kann grundsätzlich durch das bei der Reaktion der Isocyanatgruppen mit Wasser gebildete Kohlendioxid erfolgen; die
Verwendung von weiteren Treibmitteln ist jedoch ebenfalls möglich. So können prinzipiell auch Treibmittel aus der Klasse der Kohlenwasserstoffe, wie C3-C6- Alkane, z. B. n-Butan, sec.-Butan, Isobutan, n-Pentan, Isopentan, Cyclopentan, Hexane, etc., oder halogenierte Kohlenwasserstoffe wie Dichlormethan, Dichlormonofluormethan, Chlordifluorethane, 1 , 1 -Dichlor-2,2,2-trifluorethan, 2,2-Dichlor-2-fluorethan, insbesondere chlorfreie Fluorkohlenwasserstoffe, wie Difluormethan, Trifluormethan, Difluorethan, 1 ,1 ,1 ,2-Tetrafluorethan, 1 , 1 ,2,2-
Tetrafluorethan, 1 ,1 ,1 ,3,3-Pentafluorpropan, 1 ,1 ,1 ,3,3,3-Hexafluorpropan, 1 ,1 ,1 ,3,3-Pentafluorbutan, Heptafluorpropan oder Schwefelhexafluorid, verwendet werden. Auch Gemische dieser Treibmittel sind möglich. Die anschließende Aushärtung erfolgt typischerweise bei einer Temperatur von etwa 10 bis 80 °C, speziell 15 bis 60 °C, speziell bei Raumtemperatur. Nach der Aushärtung kann noch vorhandene Restfeuchte gegebenenfalls mit Hilfe üblicher Verfahren, wie z. B. durch konvektive Lufttrocknung oder
Mikrowellentrocknung, entfernt werden.
Bevorzugt liegt die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) in Form einer Zweikomponenten(2K)-Polymerzusammensetzung vor. Geeignete (2K)- Polymerzusammensetzungen umfassen oder bestehen aus Elastomeren, thermoplastischen Elastomeren und Mischungen davon. Bevorzugt sind 2K- Siliconkautschuke, 2K-Polyolefine, 2K-Polyurethane und Gemische davon.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform liegt die Polymerkomponente des Polymermaterials (a) in Form einer Zweikomponenten(2K)- Polyurethanzusammensetzung vor. Geeignete zweikomponentige
Polyurethanlacke enthalten z. B. eine Komponente (I) und eine Komponente (II), wobei die Komponente (I) wenigstens eine der zuvor genannten
Verbindungen mit wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktiven
Gruppen enthält, wie sie zur Herstellung der harnstoffgruppenhaltigen
Polyurethane eingesetzt werden. Alternativ oder zusätzlich kann die
Komponente (I) ein Prepolymer enthalten, das wenigstens zwei gegenüber NCO-Gruppen reaktive Gruppen enthält. Die Komponente (II) enthält
wenigstens eines der zuvor genannten Polyisocyanate, wie sie zur Herstellung der harnstoffgruppenhaltigen Polyurethane eingesetzt werden. Alternativ oder zusätzlich kann die Komponente (II) ein Prepolymer enthalten, das wenigstens zwei NCO-Gruppen enthält. Gegebenenfalls können die Komponenten (I) und/oder (II) weitere Oligomere und/oder polymere Bestandteile enthalten. So
kann z. B. im Falle einer wässrigen Zweikomponenten(2K)- Polyurethanzusammensetzung die Komponente (I) ein oder mehrere weitere Polyurethanharze und/oder Acrylatpolymerisate und/oder acrylierte Polyester und/oder acrylierte Polyurethane aufweisen. Die weiteren Polymere sind in der Regel wasserlöslich oder wasserdispergierbar und weisen Hydroxylgruppen und gegebenenfalls Säuregruppen oder deren Salze auf. Die weiteren zuvor genannten Komponenten des Polymermaterials (a) können jeweils nur in der Komponente (I) oder (II) oder anteilig in beiden enthalten sein.
Die Herstellung der beiden Komponenten (I) und (II) der Zweikomponenten(2K)- Polyurethanzusammensetzung des Polymermaterials (a) erfolgt nach den üblichen Methoden aus den einzelnen Bestandteilen unter Rühren. Die
Herstellung von Beschichtungsmitteln aus diesen beiden Komponenten (I) und (II) erfolgt ebenfalls mittels Rühren bzw. Dispergieren unter Verwendung der üblicherweise eingesetzten Vorrichtungen, beispielsweise mittels Dissolver o. ä. oder mittels ebenfalls üblicherweise eingesetzter 2-Komponenten-Dosier- und - mischanlagen.
Das Polymermaterial (a), enthaltend eine Zweikomponenten(2K)- Polyurethanzusammensetzung kann in Form eines wässrigen Lackes vorliegen. Ein geeigneter wässriger Zweikomponenten(2K)-Polyurethanlack enthält im applikationsfertigen Zustand in der Regel, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung:
0,5 bis 95 Gew.-% wenigstens eines leitfähigen Füllstoffs (zuvor als Komponente a) definiert),
15 bis 99,5 Gew.-% wenigstens eines Polyurethans, speziell eines harnstoffgruppenhaltigen Polyurethans (zuvor als Komponente a2) definiert)
0 bis 20 Gew.-% wenigstens eines von a2) verschiedenen nicht leitfähigen Polymers (zuvor als Komponente a3) definiert),
0 bis 7 Gew.-% wenigstens eines leitfähigen Polymers (zuvor als
Komponente a4) definiert),
0 bis 90 Gew.-%, bevorzugt 10 bis 80 Gew.-% wenigstens eines
Lösemittels,
weitere Additive, Füll- und Verstärkungsstoffe ad 100 Gew.-%.
Mit erfindungsgemäßen Zweikomponenten(2K)-Polyurethanzusammensetzung können Kunststoffe wie z. B. ABS, AMMA, ASA, CA, CAB, EP, UF, CF, MF, MPF, PF, PAN, PA, PC, PE, HDPE, LDPE, LLDPE, UHMWPE, PET, PMMA,
PP, PS, SB, PUR, PVC, RF, SAN, PBT, PPE, POM, PUR-RIM, SMC, BMC, PP- EPDM und UP (Kurzbezeichnungen nach DIN 7728T1 ) beschichtet werden. Die zu beschichtenden Kunststoffe können selbstverständlich auch Polymerblends, modifizierte Kunststoffe oder faserverstärkte Kunststoffe sein. Des Weiteren können die erfindungsgemäßen Zweikomponenten(2K)- Polyurethanzusammensetzungen auch auf andere Substrate, wie
beispielsweise Metall, Holz oder Papier oder mineralische Untergründe, appliziert werden.
Im Falle von nichtfunktionalisierten und/oder unpolaren Substratoberflächen können diese vor der Beschichtung einer Vorbehandlung, wie mit Plasma oder Beflammen, unterzogen werden.
Gewünschtenfalls können die Substrate vor der Beschichtung mit der erfindungsgemäßen Zweikomponenten(2K)-Polyurethanzusammensetzung grundiert werden. Als Grundierung kommen dabei alle üblichen Grundierungen, und zwar sowohl konventionelle als auch wässrige Grundierungen, in Betracht. Selbstverständlich können sowohl strahlungshärtbare wie thermisch härtbare oder dual eure Grundierungen eingesetzt werden.
Die Applikation erfolgt mit Hilfe üblicher Methoden, beispielsweise Spritzen, Rakeln, Tauchen, Streichen oder mittels coil coating Verfahren.
Die erfindungsgemäßen Beschichtungsmittel werden üblicherweise bei
Temperaturen von höchstens 250 °C, bevorzugt bei Temperaturen von maximal 150 °C und ganz besonders bevorzugt von maximal 100 °C gehärtet.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung einer Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen, umfassend die Schritte: a) Bereitstellung wenigstens eines leitfähigen Füllstoffs und
b) Mischen des wenigstens einen leitfähigen Füllstoffs mit den die
Polymermatrix bildenden Polymeren.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung eines gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten Substrats, umfassend eine oder bestehend aus einer Zusammensetzung zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlen, wie zuvor definiert, bei dem man eine solche Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen bereitstellt, und aus der Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung das Substrat formt (Formen), oder in ein Substrat die Zusammensetzung zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlung einarbeitet (Einarbeitung), oder
ein Substrat zumindest teilweise mit der Zusammensetzung zur
Abschirmung elektromagnetischer Strahlung beschichtet (Beschichtung).
Im Rahmen der Erfindung wird unter Substrat jedes flächenförmige Gebilde verstanden, auf das die erfindungsgemäße Zusammensetzung aufgetragen oder in die die erfindungsgemäße Zusammensetzung eingearbeitet werden kann oder das aus der erfindungsgemäßen Zusammensetzung besteht.
Flächenförmige Gebilde sind z. B. Gehäuse, Kabelummantelungen, Hüllen, Deckel, Sensorsysteme.
Eine bevorzugte Ausführungsform umfasst ein Verfahren wie oben definiert, bei dem sich zusätzlich ein Trocknungs- und/oder Härtungsschritt anschließt.
Zum Einsatz in dem erfindungsgemäßen Verfahren kann die
Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung mit wenigstens einem von dem leitfähigen Füllstoff a) verschiedenen Additiv versetzt werden. Geeignete Additive sind die weiter oben Genannten.
Formen (= Variante 1 )
In einer ersten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird aus der Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung das Substrat geformt. Die erfindungsgemäße Zusammensetzung wird dabei plastifiziert und einem Formgebungsschritt unterzogen. Hierbei handelt es sich um dem Fachmann bekannte Formgebungsschritte wie Gießformen,
Blasformen, Kalandrieren, Spritzgießen, Pressen Spritzprägen, Prägen, Extrudieren, etc.
Einarbeiten (= Variante 2)
In einer zweiten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird in ein Substrat die Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer
Strahlung eingearbeitet.
Geeignete Verfahren zur Einarbeitung sind dem Fachmann prinzipiell bekannt und umfassen solche, wie sie üblicherweise zur Compoundierung von
Kunststoffformmassen eingesetzt werden.
Das Einarbeiten kann entweder in der Schmelze oder in der festen Phase durchgeführt werden. Möglich ist auch eine Kombination dieser Verfahren, z. B. durch Vormischen in der festen Phase und anschließendes Mischen in der Schmelze. Es können übliche Vorrichtungen, wie Kneter oder Extruder, eingesetzt werden.
Die durch Einarbeiten der Zusammensetzung zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlung in das Substrat erhaltene Zusammensetzung kann anschließend wenigstens einem weiteren Verfahrensschritt unterzogen werden. Dieser ist vorzugsweise ausgewählt unter einer Formgebung,
Trocknung, Flärtung oder einer Kombination davon.
Beschichtung (= Variante 3)
In einer dritten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein Substrat zumindest teilweise mit der Zusammensetzung zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlung beschichtet.
Die Beschichtung der Substrate mit den Zusammensetzungen zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung beschriebenen Zusammensetzungen erfolgt nach üblichen, dem Fachmann bekannten Verfahren. Dazu wird die
Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung oder eine
diese enthaltende Beschichtungsmasse auf das zu beschichtende Substrat in der gewünschten Stärke aufgebracht und optional getrocknet und/oder optional teilweise oder vollständig gehärtet. Dieser Vorgang kann gewünschtenfalls ein- oder mehrfach wiederholt werden. Das Aufbringen auf das Substrat kann in bekannter Weise, z. B. durch Tauchen, Spritzen, Spachteln, Rakeln, Bürsten, Rollen, Dip-coating, Walzen, Gießen, Laminieren, Hinterspritzen, In-Mould Coating, Coextrudieren, Siebdruck, Tampondruck, Schleudern, Reactive injection molding (RIM), Compression molding und Transfer molding. In einer bevorzugten Ausführung umfasst die Zusammensetzung zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlung wenigstens ein thermoplastisches Elastomer (TPE) und wird durch Laminieren, Hinterspritzen, Coextrudieren, Reactive injection molding (RIM), Compressions molding oder Transfermolding auf das zu beschichtende Substrat aufgebracht.
Die Beschichtung kann z. B. nach einem Spritzverfahren, wie z. B. Luftdruck-, Airless- oder Elektrostatik-Spritzverfahren ein- oder mehrfach appliziert werden.
Die Beschichtungsstärke, d. h. die Dicke der leitfähigen Schicht liegt in der Regel in einem Bereich von etwa 100 bis 5000 pm, vorzugsweise 500 bis 2000 pm.
Die Applikation und gegebenenfalls Trocknung und/oder Härtung der
Beschichtungen kann unter normalen Temperaturbedingungen, d. h. ohne Erhitzung der Beschichtung, aber auch bei erhöhter Temperatur appliziert werden. Die Beschichtung kann z. B. während und/oder nach der Applikation bei erhöhter Temperatur, z. B. bei 25 bis 200 °C, vorzugsweise 30 bis 100 °C getrocknet und/oder gehärtet werden.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung der
erfindungsgemäßen Zusammensetzung, wie zuvor definiert, zur Abschirmung
elektromagnetischer Strahlen. Insbesondere kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung, wie zuvor definiert, zur Abschirmung elektromagnetischer Strahlen in elektronischen Gehäusen verwendet werden.
Die erfindungsgemäßen und nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten, gegenüber elektromagnetischer Strahlung abgeschirmten
Substrate eignen sich vorteilhaft für den Einsatz in Elektrofahrzeugen,
Luftfahrzeugen und Raumfahrzeugen. Ein bevorzugter Einsatzbereich ist die Verwendung der erfindungsgemäßen und der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Substraten in Elektrofahrzeugen und Drohnen. Ein Elektrofahrzeug ist ganz allgemein ein Verkehrsmittel, das zumindest zeitweise oder teilweise mit elektrischer Energie angetrieben wird. Dabei kann die
Energie im Fahrzeug erzeugt, in Batterien gespeichert oder zeitweise oder permanent von außen zugeführt werden (z. B. durch Stromschienen,
Oberleitung, Induktion, etc.), wobei Kombinationen von verschiedenen Formen der Energiezufuhr möglich sind. Batteriebetriebene Fahrzeuge werden international auch als Battery Electric Vehicle (BEV) bezeichnet. Beispiele für Elektrofahrzeuge sind Straßenfahrzeuge, Schienenfahrzeuge,
Wasserfahrzeuge oder Luftfahrzeuge, wie Elektroautos, Elektromotorroller, Elektromotorräder, Elektrodreiräder, Batterie- und Oberleitungsbusse,
Elektrolastkraftwagen elektrische Bahnen (Eisen- und Straßenbahnen), Elektrofahrräder und Elektroroller. Elektrofahrzeuge im Sinne der Erfindung sind auch Hybridelektrofahrzeuge (Hybrid Electric Vehicle, HEV) und
Brennstoffzellenfahrzeuge (Fuel Cell (Electric) Vehicle, FC(E)V). In
Brennstoffzellenfahrzeugen wird elektrische Energie aus Wasserstoff oder Methanol durch eine Brennstoffzelle erzeugt und direkt mit dem Elektroantrieb in Bewegung umgewandelt oder zeitweise in einer Batterie gespeichert.
Bei der Elektromobilität unterscheidet man vier Kernbereiche, in denen die Abschirmung elektromagnetischer Strahlen von kritischer Bedeutung ist: die
Leistungselektronik, die Batterie, der E-Motor und die Navigations- und
Kommunikationseinrichtungen. Die erfindungsgemäßen Substrate eignen sich in vorteilhafter Weise für die Herstellung elektronischer Gehäuse für E-Mobility Fahrzeuge in diesen vier Bereichen.
Moderne Elektrofahrzeuge basieren auf bürstenlosen Elektromotoren, wie zum Beispiel Asynchronmaschinen oder permanenterregte Synchronmaschinen (Brushless DC-Maschine). Die Kommutierung der Versorgungsspannung in den Phasen des Motors, und damit die Erzeugung des zum Betrieb nötigen
Drehfeldes, erfolgt auf elektronischem Wege durch sogenannte Wechselrichter (Inverter). Beim Bremsen fungiert der Elektromotor als Generator und liefert eine Wechselspannung, die vom Inverter gleichgerichtet und der
Traktionsbatterie zugeführt werden kann (Rekuperation). Sowohl
Brennstoffzellen als auch die Batterien in Elektroautos liefern höhere
Spannungen als die bisher im Automotive-Sektor bekannten 12 V Gleichstrom bzw. 24 V Gleichstrom. Für viele Bauteile der Bordelektronik ist auch weiterhin ein Niedervolt-Bordnetz notwendig. Dazu werden DC/DC-Wandler eingesetzt, die hohe Spannung der Batterie in eine entsprechend niedrigere Spannung umwandeln und Verbraucher wie Klimaanlage, Servolenkung, Beleuchtung usw. speisen. Eine weitere wichtige Leistungselektronik-Komponente im
Elektroauto ist das Onboard-Ladegerät. Stromtankstellen zur Versorgung von Elektrofahrzeugen stellen entweder einphasigen oder dreiphasigen
Wechselstrom oder Gleichstrom zur Verfügung. Zur Ladung der
Traktionsbatterien ist zwingend Gleichstrom notwendig, welcher mit Hilfe eines Onboard-Ladegerätes durch Gleichrichtung und Wandlung des
Wechselstromes erzeugt wird. Die erfindungsgemäßen Substrate eignen sich speziell für die Abschirmung elektromagnetischer Strahlen von Invertern, DC/DC-Wandlern und Onboard-Ladegeräten. Die erfindungsgemäßen
Substrate eignen sich speziell auch für die Abschirmung von Navigations- und
Kommunikationseinrichtungen, wie speziell GPS-Systemen, vor elektromagnetischen Strahlen.
Vorteilhafterweise eignen sich die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen, wie zuvor definiert, zusätzlich zur Abschirmung von elektromagnetischer Strahlen auch zur Verbesserung der NVH-Eigenschaften (NVH = noise, Vibration, harshness).
Des Weiteren eignen sich die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen, wie zuvor definiert, zur Herstellung von Dichtungen oder Behältern mit guter Dichtungswirkung.
Die EMI abschirmenden Zusammensetzung basieren bevorzugt auf folgenden Zusammensetzungen:
Polymermatrix:
Die EMI abschirmende Zusammensetzung enthält eine oder mehr als eine der folgenden Polymermatrix
Compoundiertes TPE (umfassend Alterungsschutzmittel, Weichmacher und ggf. andere Zusatzstoffe) oder
Compoundiertes TPU (umfassend Alterungsschutzmittel, Weichmacher und ggf. andere Zusatzstoffe) oder
Compoundiertes TPV (umfassend Alterungsschutzmittel, Weichmacher und ggf. andere Zusatzstoffe)
Anteil: jeweils 20- 95 Gew.%, bevorzugt 40-95 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der EMI abschirmenden Zusammensetzung?
Füllstoffe:
Die EMI abschirmende Zusammensetzung enthält eine oder mehr als eine der folgenden leitfähigen Füllstoffe
Leitruß:
dient zum einfärben, Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit, UV- Schutz
Anteil: 5-30 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der EMI ab schirmenden Zusammensetzung
Carbonfasern:
dienen zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit
Anteil: 5-30 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der EMI abschirmenden Zusammensetzung
Graphite:
Dienen zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit
Partikelgrößen: 5 pm bis 600 pm
Anteil: 5-30 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der EMI abschirmenden Zusammensetzung
Graphene/Carbon nano tubes:
Dienen zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit
Partikelgrößen: 0,01 pm bis 100 pm
Anteil: 5-30 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der EMI abschirmenden Zusammensetzung
Metallfasern:
Dienen zur Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit
Verwendete Metalle (einschließlich Legierungen): Eisen, Edelstahl, Kupfer, Alu-minium
Qerschnittgeometrien: rund, dreieckig, quadratisch, rechteckig
Durchmesser: 1 gm bis 500 gm
Länge: 0,5 mm bis 15 mm
Aspektverhältnis: 1 bis 15000
- Anteil: 5-50 Gew.%, bezogen auf das Gesamtgewicht der EMI
abschirmenden Zusammensetzung
Folgende Beispiele beschreiben die Erfindung näher ohne diese zu
beschränken.
BEISPIELE
Fig. 1 : Probenkörper mit aufgespritzter Dichtung und überspritzt mit einer
erfindungsgemäß EMI-abschirmenden Zusammensetzung.
Fig. 2: Probenkörper mit aufgespritzter perforierter erfindungsgemäßen EMI- abschirmenden Zusammensetzung. Durch die Perforation werden neben guten EMI-abschirmenden Eigenschaften auch zusätzlich gute NVH Eigenschaften erzielt.
Rezeptur:
Die erfindungsgemäße Zusammensetzung wird im Extruder hergestellt und anschließend granuliert. Die Formgebung erfolgt per Spritzguss zu genormten
ASTM Prüfkörpern. Alternativ werden Platten mit den Dimensionen
1 mm x 150 mm x 150 mm per compression molding hergestellt und daraus die ASTM Prüfkörper gefräst. Mit dieser Rezeptur werden gute EMI-abschirmende Prüfkörper erhalten.