Verfahren und System zur Nutzung eines Industriegrundstücks
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Nutzung eines Industriegrundstücks sowie ein zugehöriges System für die Nutzung von Industriegrundstücken. Ferner betrifft sie die Verwendung des Systems zur Durchführung des Verfahrens.
Hochwertige Industriegrundstücke sind ein rares Gut. Dies gilt insbesondere für die chemische Industrie, welche bei der Neuerschließung von Grundstücken und der Errichtung von chemischen Anlagen darauf hohe Umweltauflagen zu erfüllen hat. Dies ist jedoch nicht der maßgebliche Grund dafür, dass die Neuerrichtung von chemischen Industrieanlagen auf der„grünen Wiese" vergleichsweise selten vorkommt. Vielmehr stellen Chemieanlagen deutliche größere Anforderungen an die Infrastrukturanbindung des Standorts als andere Fabriken, da die Chemieindustrie stärker auf eine
zuverlässige Versorgung mit Rohstoffen und Energie angewiesen ist als andere
Produktionszweige.
Hinzu kommt, dass chemische Prozesse meist erst dadurch wirtschaftlich werden, dass die individuelle Anlage im Verbund mit einer Vielzahl von anderen Anlagen betrieben wird, indem zwischen den Anlagen ein Stoff- und Energieaustausch vorgenommen wird. So betreiben die großen Chemieunternehmen in Deutschland sogenannte
„Verbundstandorte", deren Erfolg darin besteht, dass eine Vielzahl von einzelnen Anlagen relativ dicht konzentriert an einem Standort betrieben werden, und ein intensiver Energie- und Stoffaustausch zwischen den einzelnen Anlagen stattfindet. Weitere Vorteile von Verbundstandorten ist die Nutzung von Synergien bei der
Bereitstellung von Prozessenergie, der Transportlogistik und dem Personal. Dies führt dazu, dass zumindest in hochindustrialisierten Ländern neue Chemieanlagen fast ausschließlich innerhalb bestehender Verbundstandorte angesiedelt werden.
Da die Fläche eines Verbundstandortes trotz der oft beachtlichen Größe begrenzt ist, gilt es, die verfügbaren Grundstücke innerhalb des Verbundstandorts möglichst effektiv zu nutzen. Dies gelingt nicht nur durch raumsparendes Bauen, sondern auch durch
Umnutzung von nicht mehr benötigten Gebäuden oder Anlagen bzw. durch deren Abriss und Neubau.
Die Umnutzung von industriellen Bestandsimmobilien kommt insbesondere bei Labor- oder Technikumsbetrieben oder bei Produktionsanlagen von SpezialChemikalien in Betracht. Derartige Anlagen werden nämlich im Vergleich zu„großen"
Produktionsanlagen von Grundchemikalien nur über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum genutzt. Sobald das jeweilige Forschungs- und Entwicklungsprojekt abgeschlossen ist, steht eine Umnutzung des Gebäudes an. Dasselbe gilt, wenn eine Chargenproduktion von SpezialChemikalien abgeschlossen ist.
Die ständige Verkürzung der Innovationszyklen konfrontiert die Betreiber von
Verbundstandorten zunehmend mit der Aufgabe, die Umnutzungszeiten und
Umbaukosten derartiger Gebäude zu reduzieren.
Da Labor- und Technikumseinheiten heutzutage als immobile Einheiten in
Gebäudeform errichtet werden, sind die Räume an die Gebäudestruktur gebunden und können nicht als Ganzes demontiert oder verschoben werden. Mithin weisen
gebäudegebundene Labor- und Technikumseinheiten die folgenden Nachteile auf: Die Ausrüstung von Labor- und Technikumseinheiten mit Geräten und Infrastruktur bedeutet, dass bei einem Wechsel zwischen zwei Versuchen die jeweilige Demontage- und Montagezeit addiert wird, bis der neue Versuchsanlagenaufbau zur Verfügung steht. Die daraus bedingte Umnutzungsgeschwindigkeit ist relativ gering und entspricht nicht mehr der heutigen Innovationsgeschwindigkeit. Des Weiteren ist unter der Vorraussetzung, dass der Umbauaufwand vermieden und Umbaukosten gesenkt werden soll, die Drittverwertung des Gebäudes bei einem Nutzungswechsel immer auf den ursprünglichen Verwendungszweck festgelegt. So ist es beispielsweise mit vertretbarem Aufwand unmöglich, ein nicht mehr genutztes Bürogebäude in einen Laborbetrieb umzuwandeln.
Um diese prinzipbedingten Nachteile von immobilen Labor-, Technikums- oder
Produktionseinheiten in Gebäudeform zu vermeiden, werden bereits vereinzelt
containergebundene Labor- und Technikumsbetriebe als Stand-Alone-Einheiten genutzt. Ein Beispiel für ein solches Konzept ist in WO 2010/028869 A1 beschrieben. Die dort gezeigte universelle Infrastruktur für chemische Prozesse ist
containergebunden und kann an beliebigen Standorten je nach Bedarf aufgestellt und zwischen den Standorten hin und her transportiert werden. Ein besonderer Vorteil dieses Konzepts besteht darin, dass ein„Scale-up" des chemischen Prozesses durch einfaches„Numbering-up" der Container erzielt werden kann, so dass kaum
Ähnlichkeitsprobleme zu erwarten sind. Die Nachteile von containergebundenen Produktions- und/oder Betriebseinrichtungen kennt jeder, der schon in einem Container gewohnt oder gearbeitet hat: Container sind selbst bei der heute möglichen, guten Isolierung, Klimatisierung und Beheizung mit dem Raumgefühl eines fest errichteten Gebäudes nicht zu vergleichen. Ein dauerhafter Aufenthalt über einen gesamten Arbeitstag und über mehrere Wochen und Monate senkt die Motivation der darin eingesetzten Mitarbeiter. Aber auch technisch haben derartige Containerlösungen Nachteile, insbesondere was ihre Konnektivität an eine fest verbaute Infrastruktur betrifft. Letztendlich hat man es immer mit einem Provisorium zu tun. Daran ändert sich auf nichts, wenn ein modulares Labor auf Basis einer Vielzahl genormter Container aufgebaut wird, etwa wie dies in DE 10361621 A1 oder in WO 201 1 /075625 A1 oder in DE 102006001977 B3 gezeigt wird.
Eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in einer modular aufgebauten,
containerbasierten Betriebsstätte kann dadurch erreicht werden, dass
containergebundene Funktionseinheiten in ein immobiles Gebäude eingesetzt werden.
Dieses Konzept wird beschrieben in DD 87156 A1 auf dem Gebiet der
Nachrichtentechnik sowie in EP 0572814 B1 für Anlagen der chemischen bzw.
pharmazeutischen Industrie. Die hier gelehrte Modularität ist allerdings begrenzt, so dass die Flexibilität der Nutzung des bebauten Grundstücks und die für die Umwidmung des Gebäudes benötigte Umbaugeschwindigkeit begrenzt sind.
Inn Lichte dieses Standes der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zu Grunde, ein Verfahren zur Nutzung eines Industriegrundstücks anzugeben, bei welchem die zur Verfügung stehende Grundstücksfläche dadurch besonders effektiv genutzt wird, dass die Umbauzeiten und - kosten reduziert werden und eine größere Wahlfreiheit hinsichtlich der Folgenutzung bestehender Gebäude erreicht wird.
Gelöst werden diese Aufgaben durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruch 1 . Gegenstand der Erfindung ist mithin ein Verfahren zur Nutzung eines
Industriegrundstücks mit den folgenden Schritten: a) Errichten eines dauerhaften Gebäudes auf dem Grundstück, wobei das Gebäude eine Vielzahl von Aufnahmen zur Aufnahme von auswechselbaren Funktionseinheiten, eine Gebäudehülle zum Schutz der aufgenommenen
Funktionseinheiten vor Witterungseinflüssen, eine technische
Gebäudeausrüstung und eine Infrastrukturanbindung für Energie und/oder Stoff und/oder Daten aufweist; b) Bereitstellen einer Vielzahl von nutzungsneutralen Paletten, die hinsichtlich ihrer Abmessungen standardisiert sowie dafür eingerichtet sind, von den Aufnahmen des Gebäudes aufgenommen zu werden; c) Bestücken von Paletten mit Produktions- und/oder Betriebseinrichtungen an einem Ort oder mehreren Orten entfernt von dem Grundstück unter Erhalt einer ersten Generation von zweckgebundenen Funktionseinheiten; d) Transport der Funktionseinheiten zu dem Grundstück; e) Einbau der ersten Generation der Funktionseinheiten in das Gebäude durch Einsetzen der Funktionseinheiten in die Aufnahmen;
f) Verbinden der Funktionseinheiten mit zumindest einem Teil der
Infrastrukturanbindung; g) Nutzen der ersten Generation von Funktionseinheiten innerhalb des Gebäudes entsprechend dem Zweck der jeweiligen Funktionseinheit; h) Bestücken von Paletten mit Produktions- und/oder Betriebseinrichtungen an einem Ort oder mehreren Orten entfernt von dem Grundstück unter Erhalt einer zweiten Generation von zweckgebundenen Funktionseinheiten, die sich hinsichtlich ihres jeweiligen Zwecks von den Funktionseinheiten der ersten
Generation zumindest teilweise unterscheiden; i) Austausch der ersten Generation von Funktionseinheiten durch die zweite Generation von Funktionseinheiten; j) Nutzen der zweiten Generation von Funktionseinheiten innerhalb des Gebäudes entsprechend dem Zweck der jeweiligen Funktionseinheit.
Eine Grundidee des vorliegenden Verfahrens besteht darin, die einzelnen Funktionen eines komplett ausgestatteten, in die Infrastruktur eines Industriegrundstücks eingebundenen Gebäudes hinsichtlich der Nutzungsdauer der technischen
Einrichtungen zu untergliedern und mit sinkender Nutzungszeit eine steigende
Modularisierung dieser Funktionen vorzusehen. Die dauerhaft genutzte Funktionen des komplett ausgerüsteten Gebäudes werden dementsprechend fest installiert,
währenddessen die Einrichtungen, die auf Grund ihres Zweckes einer kürzeren
Nutzung unterliegen, entsprechend modular und austauschbar ausgeführt werden.
Konkret bedeutet dies, dass das Gebäude mit seiner Gebäudehülle unveränderlich und dauerhaft auf dem Industriegrundstück errichtet wird. Ebenso dauerhaft und fest ist das Gebäude an die umgebende Infrastruktur angebunden, über welches das Gebäude mit Energie und/oder Stoff und/oder Daten versorgt ist. Die für die individuelle Nutzung des Gebäudes maßgeblichen, zweckgebundenen Produktions- und/oder
Betriebseinrichtungen werden davon unabhängig als bewegliche Funktionseinheiten zusammen gefasst. Die Funktionseinheiten sind dafür bestimmt, in die Aufnahmen des Gebäudes eingesetzt und zumindest an einem Teil der Infrastrukturanbindung des Gebäudes angebunden zu werden.
Erfindungsgemäß ist jede Funktionseinheit wiederum unterteilt in eine an sich nutzungsneutrale Palette und in Produktions- und/oder Betriebseinrichtungen, mit denen die Paletten bestückt werden und die den Funktionseinheiten ihren Zweck geben. Dies eröffnet den Vorteil, dass die Paletten an einem entfernten Ort - also außerhalb des zu nutzenden Grundstückes - mit den Produktions- und/oder
Betriebseinrichtungen bestückt werden können, beispielsweise in einer Werkstatt. Die auf diese Weise außerhalb des Gebäudes zusammengestellte Funktionseinheit kann sodann zu dem Grundstück transportiert und dort in das Gebäude eingesetzt werden. Die Rüstzeiten innerhalb des Gebäudes werden dadurch erheblich reduziert. Weiterhin kann durch die Bestückung außerhalb des Gebäudes auf preisgünstige Flächen zurückgegriffen werden.
Ein weiterer Vorteil des Palettensystems besteht darin, dass die Paletten über mehrere Generationen verwendbar sind, wenn die Nutzungsdauer der auf der Palette
aufgebrachten Betriebs- und/oder Produktionseinrichtungen überschritten ist. Die Paletten können auch zwecks späterer Nutzung gelagert werden.
Das erfindungsgemäße System und das damit ausgeführte Verfahren weist somit eine deutlich höhere Flexibilität auf, als bisher im Stand der Technik bekannt und bietet deswegen eine bessere Ausnutzung der eingesetzten Ressourcen Material, Zeit und Raum.
Auch ist die Leistung der technischen Gebäudeausrüstung dank ihres modularen Aufbaus besser skalierbar, wodurch eine Über- oder Unterdimensionierung der Anlagen vermieden wird. Dies führt letztendlich dazu, dass unnötiger Energieverbrauch vermieden wird.
In einer bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zumindest ein Teil der Funktionseinheiten der ersten Generation nach jedem Austausch zu einem von dem Grundstück entfernten zweiten Gebäude transportiert, darin eingesetzt und genutzt. Hintergedanke dieser Weiterbildung besteht darin, dass das System nicht nur an einem Standort verwendet wird, sondern auch standortübergreifend. So ist es denkbar, dass eine in einem Gebäude an einem ersten Verbundstandort genutzte Technikumseinheit nach Ablauf der Projektphase dort entfernt und in einem zweiten Gebäude an einem Standort B zu demselben oder einem anderen Zweck weiter genutzt wird.
Wenn sich eine ausgetauschte Funktionseinheit nicht weiternutzen lässt, empfiehlt es sich, die funktionsbestimmenden Betriebs- und/oder Produktionseinrichtungen von der Palette zu entfernen, so dass eine nutzungsneutrale Palette zurückbleibt, die wieder neu bestückt oder für späteren Gebrauch eingelagert werden kann. Dieses
Neubestücken der Paletten kann erfindungsgemäß an einem oder mehreren Orten entfernt von dem zu nutzenden Grundstück stattfinden, sodass sich diese Rüstzeiten nicht in den Umbauzeiten niederschlagen. Auch kann das Neubestücken oder Einlagern an kostengünstigen Orten durchgeführt werden. Die Wiederverwertbarkeit einer bereits gebrauchten Palette spricht auch für die Nachhaltigkeit des erfindungsgemäßen
Systems.
In einer ganz besonders bevorzugten Weiterbildung der Erfindung lassen sich die Betriebs- und/oder Produktionseinrichtungen, die als Funktionseinheiten in das
Gebäude eingesetzt werden, in zwei Funktionsgruppen unterteilen. Die erste
Funktionsgruppe umfasst chemische, biologische, physikalische oder
lebensmitteltechnische Produktionsanlagen, Labor- oder Technikumsanlagen oder Büroräume. Die Einrichtungen der zweiten Funktionsgruppe umfassen demgegenüber technische Gebäudeausrüstungen, Heizungsanlagen, Klimaanlagen,
Feuerlöschanlagen, Lagerräume, Druckluftversorgung, Wasserversorgung,
Stromversorgung, Wasserentsorgung, Eduktbereitstellungen, Bereitstellung von
Prozessenergie wie insbesondere Wärme oder Kälte, Abgasbehandlungen wie
insbesondere thermische Nachverbrennungen, Aktivkohleadsoption oder Abgaswäsche, Sanitäranlagen oder Sozialräume.
Bei der ersten Funktionsgruppe handelt es sich um solche Betriebs- und/oder
Produktionseinrichtungen, die sehr speziell auf den jeweiligen Einsatzzweck der Funktionseinheit eingerichtet ist und dementsprechend eine besonders kurze
Nutzungsdauer aufweisen. Die Einrichtungen in der zweiten Funktionsgruppe hingegen haben einen allgemeineren Zweck und können dementsprechend über mehrere
Nutzungsgenerationen in dem Gebäude verbleiben. So wird beispielsweise eine Heizungsanlage immer dann erforderlich sein, wenn sich in dem Gebäude über längere Zeit Personen aufhalten. Eine die Heizungsanlage tragende Funktionseinheit kann mithin mit der Erstausrüstung des Gebäudes eingebaut werden und darin solange verbleiben, wie sich beispielsweise Laboranlagen und Büroräume sich in dem Gebäude befinden. Eine Druckluftversorgung indessen wird nur solange gebraucht, wie sich eine Technikumsanlage in dem Gebäude befindet. Wird das Technikum eines Tages entfernt, kann auch die Druckluftversorgung entnommen und an einem anderen
Standort weiter benutzt werden. Anstelle der Druckluftversorgung kann diese Aufnahme des Gebäudes nun mit einem Sozialraum belegt werden, etwa dann, wenn das
Technikum durch einen Büroraum ersetzt wurde und die gestiegene Anzahl der
Mitarbeiter in dem Gebäude die Einrichtung eines Sozialraums erfordert.
Eine bevorzugte Weiterbildung der Erfindung sieht deswegen vor, dass in Situationen, in denen Funktionseinheiten beider Funktionsgruppen in dem Gebäude eingebaut sind, zumindest ein Teil der Funktionseinheiten der zweiten Funktionsgruppe beim Austausch von Funktionseinheiten der ersten Generation in dem Gebäude verbleiben.
Die hohe Modularität des vorliegenden Konzepts, bei dem sogar die technische
Gebäudeeinrichtungen in austauschbaren Funktionseinheiten verkörpert sind, spielt seine Flexibilität besonders dann aus, wenn Produktions- und/oder Laboranlagen gegen Büroräume ausgetauscht werden oder umgekehrt. Bei den bisher im Stand der Technik beschriebenen Umnutzungskonzepten für modulare Produktionsanlagen wurde dieser Aspekt bisher nicht beachtet.
Gegenstand der Erfindung ist auch ein System für die Nutzung von
Industriegrundstücken · mit mindestens einem dauerhaften Gebäude, welches eine Vielzahl von
Aufnahmen zur Aufnahme von auswechselbaren Funktionseinheiten, eine Gebäudehülle zum Schutz der aufgenommenen Funktionseinheiten vor
Witterungseinflüssen, eine technische Gebäudeausrüstung und eine
Infrastrukturanbindung für Energie und/oder Stoff und/oder Daten aufweist;
• sowie mit einer Vielzahl von Funktionseinheiten, wobei jede Funktionseinheit eine an sich nutzungsneutrale Palette umfasst, welche für eine
Zweckbestimmung der Funktionseinheit mit Produktions- und/oder
Betriebseinrichtungen bestückt ist.
Das Gebäude kann dabei in an sich bekannter Weise zur Aufnahme von
Funktionseinheiten ausgeführt sein. Geeignete Baukonstruktionen sind beispielsweise aus DE 3036468 A1 sowie aus DE 20201 1 108631 U1 bekannt. Eine bevorzugte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass die Aufnahmen des Gebäudes und die Paletten der Funktionseinheit dergestalt korrespondierend
zueinander ausgebildet sind, das sie innerhalb des Systems eine einheitliche
Schnittstelle ausbilden. Die einheitliche Schnittstelle bedeutet zunächst, dass sich grundsätzlich jede Palette mit jeder Funktionseinheit in jede Aufnahme einsetzen lässt. Dies erhöht die Flexibilität.
Vorzugsweise wird die Schnittstelle gebildet von einer der Aufnahme zugeordneten Linearführung und einem an der Palette angeordneten Schlitten, der in die
Linearführung einsetzbar ist. Dies ermöglicht es, die Funktionseinheit mit dem Schlitten in die Linearführung der Aufnahme einzusetzen und so die Funktionseinheit in das Gebäude hineinzuschieben. Der Schlitten braucht nicht in der Linearführung gleitgeführt sein, es ist auch denkbar, den Schlitten mit Rollen zu versehen.
ln einer besonders bevorzugten Ausführungsform des Systems sind die Paletten bzw. die darauf aufgebauten Funktionseinheiten so bemessen, dass sie einem
standardisierten Containerformat wie beispielsweise dem der Seecontainer nach ISO 668 entsprechen. Auf diese Weise ist es möglich, die Funktionseinheiten mit einer bestehenden Transportlogistik zwischen den zu nutzenden Grundstücken bzw.
Gebäuden zu transportieren. Die Seitenwände und das Dach des Containers werden im Gebrauchszustand nicht benötigt, da die Funktionseinheit ja von der Gebäudehülle vor Witterungseinflüssen geschützt ist. Es ist somit denkbar, die Wände und das Dach nur für den Transport an der Funktionseinheit zu befestigen und diese im Zuge des Einbaus in das Gebäude wieder zu entfernen.
Das erfindungsgemäße System umfasst bevorzugt mehrere Gebäude, die mit entsprechenden standardisierten Aufnahmen zur Aufnahme der Funktionseinheiten versehen sind. Dies ermöglicht es, dieselbe Funktionseinheit zunächst an dem einen Ort einzusetzen und dann in dem zweiten Gebäude an einem anderen Ort.
In einer ganz besonderen besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist zumindest ein Gebäude des Systems in mindestens drei Sektionen unterteilt, nämlich in eine erste Sektion, welche eine Vielzahl von Aufnahmen von Funktionseinheiten umfasst, eine zweite Sektion, die ebenfalls Aufnahmen zur Aufnahme von
Funktionseinheiten umfasst, wobei die Anzahl der Aufnahmen der zweiten Sektion der Anzahl der Aufnahmen der ersten Sektion entspricht, und eine dritte Sektion die frei von Aufnahmen ist, wobei die dritte Sektion zwischen der ersten und der zweiten Sektion gelegen ist und wobei jeweils eine Aufnahme der ersten Sektion eine Aufnahme der zweiten Sektion zugeordnet ist und die jeweils zugeordneten Aufnahmen der ersten und zweiten Sektion zueinander fluchtend beiderseits der dritten Sektion angeordnet sind. Dieses Gebäudekonzept ermöglicht besonders kurze Wege zwischen den beiden jeweils zueinander zugeordneten Funktionseinheiten. Bei einem solchen Gebäudekonzept sollten die Aufnahmen jeweils einzeln von außen zum Einschieben von Funktionseinheiten zugänglich sein und die dritte Sektion einen Flurbereich umfassen, von dem aus sämtliche Aufnahmen von innen her betretbar sind.
Ein derartig gestaltetes Gebäude weist eine besonders vorteilhafte Platzausnutzung auf und ermöglicht kurze Wege zwischen den eingeschobenen Funktionseinheiten.
Eine bevorzugte Weiterbildung der Erfindung sieht vor, dass sich entlang der
Linearführung der Aufnahme ein Weg erstreckt, von welchem aus bei eingebauter Funktionseinheit diese seitlich barrierefrei betretbar ist. Dies verbessert die
Zugänglichkeit der einzelnen Funktionseinheiten. Es ist nämlich vorteilhaft, dass sich die Funktionseinheit in Richtung der Linearführung erstreckt, weswegen ein seitlicher Zugang in die Funktionseinheit angenehmer ist als ein Zutritt über die Stirnseite wie etwa durch die Ladeöffnung eines Containers. Wie bereits erwähnt, können die Wände und das Dach der Funktionseinheit im eingebauten Zustand entfernt werden, so dass der Zugang zu den auf der Palette angeordneten Produktions- und/oder
Betriebseinrichtungen noch weiter verbessert wird. Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung des Systems zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens dahingehend, dass ein System verwendet wird, bei welchem das Gebäude in der beschriebenen Weise drei Sektionen enthält, und dass Funktionseinheiten der ersten Funktionsgruppe in die erste Sektion des Gebäudes eingebaut werden und Funktionseinheiten der zweiten Funktionsgruppe in die zweite Sektion des Gebäudes eingebaut werden, wobei zumindest ein Teil der technischen Gebäudeausrüstung als Funktionseinheiten der zweiten Funktionsgruppe ausgefüllt sind und diese beim Austausch von Funktionseinheiten der ersten Funktionsgruppe im Gebäude verbleiben. Dieser bevorzugten Ausführung der Erfindung liegt der Gedanke zu Grunde, in der zweiten Sektion des Gebäudes vornehmlich die länger genutzten Funktionseinheiten der zweiten Funktionsgruppe anzuordnen und dabei hier insbesondere die technische Gebäudeausrüstung unterzubringen. Die öfters auszutauschenden Funktionseinheiten der ersten Gruppe werden indes in der ersten Sektion des Gebäudes untergebracht. Mithin finden die raschen Generationswechsel in der ersten Sektion statt,
währenddessen die längerfristig genutzten Funktionseinheiten weitestgehend in der
zweiten Sektion verbleiben. Der Umbauaufwand betrifft somit meist nur die erste
Sektion, währenddessen die zweite Sektion längerfristig unangetastet bleibt.
Weitere bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung ergeben sich aus der nun dargelegten Beschreibung von Ausführungsbeispielen. Hierfür zeigen:
Figur 1 Grundkonzept der Nutzung;
Figur 2 nutzungsneutrale Palette;
Figur 3 Funktionseinheit bestehend aus Palette mit Bestückung;
Figur 4 erste Ausführungsform eines Gebäudes mit zwei Sektionen;
Figur 5 Außenansicht einer zweiten Ausführungsform des Gebäudes mit drei Sektionen;
Figur 6: Grundriss der zweiten Ausführungsform des Gebäudes. In Figur 1 ist das Grundkonzept der Erfindung schematisch dargestellt. Von Interesse ist die Nutzung eines Industriegrundstücks A, welches vorzugsweise auf einem
Verbundstandort der Chemieindustrie liegt. Davon entfernt sind zwei weitere Orte B und C, die an einem anderen Verbundstandort oder auch an demselben Standort liegen können. Von besonderem Interesse ist die Nutzung des Grundstücks A, beispielsweise weil dieses eine besonders gute Infrastrukturanbindung 1 aufweist.
Auf diesem wertvollen Industriegrundstück A wird ein dauerhaftes Gebäude 2 errichtet, welches eine übliche Gebäudehülle 3 aufweist, die das Innere des Gebäudes 2 vor Witterungseinflüssen schützt. Die Gebäudehülle 3 umfasst eine Fassade, ein Dach sowie einen Boden. Alles ist bauüblich ausgeführt mit entsprechender Abdichtung, Isolierung und Lichteinlässen. Des Weiteren umfasst das Gebäude 2 einen hier nicht näher dargestellten, statisch tragenden Gebäudekern, dessen Funktion darin besteht, die Gebäudehülle 3 und die Einbauten des Gebäudes 2 zu tragen. Bei dem
Gebäudekern kann es sich beispielsweise um ein Stahlskelett handeln. Die bis hierhin beschriebenen Bestandteile des Gebäudes 2 sind dauerhaft ausgeführt, d. h. mit der üblichen Haltbarkeit von Bauwerken oder Bauwerksteilen (20 - 100 Jahre).
Bereits die technische Gebäudeausrüstung 4 ist nicht fest in dem Gebäude 2 eingebaut, sondern als austauschbare Funktionseinheiten F2 ausgeführt. Die technische
Gebäudeausrüstung 4 gehört einer zweiten Gruppe von Funktionseinheiten F2 an, die grundsätzlich länger im Gebäude 2 verbleiben.
Kürzer im Gebäude 2 verbleiben Funktionseinheiten einer ersten Funktionsgruppe Fi, die beispielsweise chemische Produktionsanlagen, Labore oder aber auch
Büroeinrichtungen umfassen können. Diese Funktionseinheiten Fi der ersten Funktionsgruppe werden außerhalb des
Gebäudes 2 an einem entfernten Ort C vorzugsweise in einer Werkstatt
zusammengestellt. Dies erfolgt dadurch, dass eine an sich nutzungsneutrale Palette 5 an einer an der Palette 5 sich vertikal erstreckenden Installationswand 6 mit
zweckgebundenen Produktions- und/oder Betriebseinrichtungen 7 bestückt wird. Dies wird näher anhand der Figuren 2 und 3 dargestellt. Die fertig montierten
Funktionseinheiten Fi.0 werden zum Industriegrundstück A transportiert, dort in das Gebäude 2 eingesetzt und mit dessen Infrastrukturanbindung 1 verbunden. Somit erhält das Gebäude eine Erstausstattung (erste Generation) von Funktionseinheiten Fi und F2.
Wenn die Nutzungsdauer der Funktionseinheiten entsprechend ihres Einsatzzweckes abgelaufen ist können die an Grundstück A nicht mehr benötigten Funktionseinheiten F1.1 aus dem Gebäude 2 wieder entnommen und zu einer Zweitverwertung an einem anderen Ort wie etwa an einem zweiten Industriegrundstück B gebracht werden. Dort kann die Funktionseinheit F1.1 zum selben Zweck wie an Standort A weiterverwendet werden, beispielsweise durch Einbau in ein weiteres Gebäude. Funktionseinheiten Fi.2, für die keine direkte Weiterverwertungsmöglichkeit besteht, werden zur Demontage zurück in die Werkstatt an Standort C transportiert. Dort werden die nicht mehr benötigten Betriebs- und Produktionseinheiten von der Funktionseinheit Fi.2 wieder entfernt, so dass die nutzungsneutrale Palette 5 zurückbleibt. Diese Palette wird dann sofort oder später nach Einlagerung wieder neu bestückt, so dass eine neue
Funktionseinheit Fi.3 entsteht, die mit der nächsten Generation von Funktionseinheiten
in das Gebäude 2 wieder eingesetzt wird. Die an Standort B nicht mehr benötigten Funktionseinheiten F1.1 können in derselben Werkstatt an Standort C aufgearbeitet und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Figur 2 zeigt eine an sich nutzungsneutrale Palette 5, wie sie zum Aufbau der
Funktionseinheiten verwendet wird. Die Palette 5 hat im Wesentlichen die Gestalt und die Maße eines Seecontainers nach ISO 668, wobei sich jedoch die Seitenwände und die Decke zur Verbesserung der Zugänglichkeit entnehmen lassen. Entlang einer langen Seite befindet sich eine Installationswand 6, welche zur Aufnahme von diversen Betriebseinrichtungen bestimmt ist. Am Boden der Palette 5 befindet sich ein Schlitten 8. Der Schlitten 8 ist Teil einer standardisierten Schnittstelle zur mechanischen und infrastrukturellen Verbindung der Palette 5 mit dem Gebäude. Zu der Schnittstelle gehören auch standardisierte Anschlüsse 9 für die Übergabe von Energie, Stoffen und Daten von der Infrastrukturanbindung des Gebäudes auf die Palette 5.
Die an sich nutzungsneutrale Palette 5 wird durch Bestückung mit beliebigen
Betriebseinrichtungen 7 einem bestimmten Nutzungszweck verpflichtet. Hierfür werden die für den gewünschten Zweck erforderlichen Betriebseinrichtungen 7 wie
Apparaturen, Reaktoren, Analysegeräte oder Werkstatteinrichtungen an der
Installationswand 6 befestigt und untereinander und mit den standardisierten
Anschlüssen 9 verbunden. Der genaue Aufbau der Betriebseinrichtungen 7 richtet sich allein nach dem gewünschten Zweck der Funktionseinheit Fi .
Die fertig mit den Betriebseinrichtungen 7 bestückte Palette 5 bildet eine
zweckgebundene Funktionseinheit Fi ; vgl. Figur 3.
In Figur 4 ist schematisch dargestellt, wie die Funktionseinheiten F in ein Gebäude 2 eingebracht werden können. Hierfür weist das Gebäude 2 eine Vielzahl von Aufnahmen S auf, die dafür eingerichtet sind, jeweils eine Funktionseinheit F aufzunehmen. Dem in Figur 4 gezeigten Gebäude 2 zugeordnet ist ein fester Logistik- und Flurbereich 10, der es erlaubt, die Funktionseinheiten F von diesem Bereich 10 aus zu betreten.
Figur 5 zeigt eine Weiterentwicklung des Gebäudes 2, welches sich in drei Sektionen 1 1 , 12, 13 aufteilt. Die erste Sektion 1 1 umfasst eine Vielzahl von im Wesentlichen kastenförmigen Aufnahmen S, die zur Aufnahme von Funktionseinheiten Fi der ersten Funktionsgruppe bestimmt sind. Die Aufnahmen S sind so bemessen, dass sich eine Funktionseinheit Fi in der Größe eines 40'-Containers hinein schieben lässt. Um eine solche Funktionseinheit Fi in die Aufnahme S einzusetzen wird ein die Aufnahme S nach außen verschließendes Tor 14 geöffnet und die Funktionseinheit Fi mit ihrem an der Palette 5 angeordneten Schlitten 8 in eine Linearführung 15 eingesetzt. Entlang der Linearführung 15 lässt sich die Funktionseinheit Fi mit dem Schlitten 8 in die Aufnahme S hinein schieben. Sodann werden die nicht mehr benötigten Seitenwände der Palette 5 entfernt und das Tor 14 geschlossen. Über die standardisierten Anschlüsse 9 wird die Funktionseinheit Fi mit der Infrastrukturanbindung 1 des Gebäudes verbunden. Es ist auch möglich, mehrere Funktionseinheiten innerhalb des Gebäudes untereinander zu vernetzen.
Der genauere Aufbau des Gebäudes 2 geht aus dem in Figur 6 gezeigten Grundriss näher hervor. Das Gebäude weist zwei Sektionen 1 1 und 13 auf, die jeweils mit einer Vielzahl von Aufnahmen S zur Aufnahme der Funktionseinheiten Fi, F2 versehen sind. Die erste Sektion 1 1 dient dabei zur Aufnahme von Funktionseinheiten Fi der ersten Funktionsgruppe währenddessen die zweite Sektion zur Aufnahme von
Funktionseinheiten F2 der zweiten Funktionsgruppe bestimmt ist. Wie aus dem
Grundriss erkennbar, sind die Aufnahmen in der zweiten Sektion 12 kürzer ausgeführt als die der ersten Sektion 1 1 und somit nur dazu befähigt, Paletten 5 mit einer geringeren Länge als die der ersten Sektion 1 1 aufzunehmen. So ist es denkbar, die Funktionseinheiten F2 der zweiten Funktionsgruppe in der Größe eines 20'-Containers auszuführen, währenddessen die Funktionseinheiten Fi der ersten Funktionsgruppe in der Größe eines 40'-Containers ausgeführt sind. Entsprechend sind die Aufnahmen der ersten Sektion beispielsweise 15m lang, währenddessen die Aufnahmen der zweiten Sektion beispielsweise 7m lang sind. Beide Aufnahmen sind jeweils beispielsweise 5m breit und beiderseits einer zwischen der ersten Sektion 1 1 und der zweiten Sektion 12 liegenden Sektion 13 angeordnet. Auf diese Weise sind jeweils eine Aufnahme der ersten Sektion 1 1 und einer Aufnahme der zweiten Sektion 12 unmittelbar fluchtend
zueinander angeordnet und über den durch Sektion 13 gebildeten Flurbereich direkt zugänglich.
In der ersten Sektion 1 1 werden vornehmlich die Funktionseinheiten Fi der ersten Funktionsgruppe angeordnet, die häufiger ausgetauscht werden müssen. In der zweiten Sektion 12 befinden sich vornehmlich Funktionseinheiten F2, die länger in Gebäude 2 verbleiben können, beispielsweise die technische Gebäudeausrüstung oder
Logistikbereiche. So wird beispielsweise eine in Sektion 12 angeordnete Heizung 17 länger in dem Gebäude 2 verbleiben als ein Technikumsmodul 18, die später durch ein Büromodul 19 ausgetauscht werden wird. Eine jedoch nur im Zusammenspiel mit dem Technikumsmodul 18 verwendbare Logistikeinheit 20 wird beim Auswechseln des Technikums jedoch ebenfalls das Gebäude verlassen und gegen eine Sanitäranlage 20 ausgetauscht werden, die dann erforderlich wird, wenn das Technikum 18 gegen ein weiteres Büromodul 19 ausgetauscht wird.
Entlang der Linearführung 15 der jeweiligen Aufnahmen 16 erstreckt sich ein Weg 16, der vom Flur der dritten Sektion 13 aus erreichbar ist. Der Weg 16 ist auf der gegenüberliegenden Seite der Installationswand 6 der Palette 5 angeordnet. Des Weiteren lässt sich die Palette 5 barrierefrei vom Weg 16 aus betreten, so dass die Betriebseinrichtungen 7 an der Installationswand 6 bequem fußläufig und mit
Flurförderfahrzeugen erreichbar sind.
Die Anbindung der Funktionseinheiten an die Gebäudeinfrastruktur erfolgt über die standardisierten Anschlüsse 9, die zur Übertragung von rohrleitungsgebundenen Betriebsmitteln, der Stromversorgung, der messtechnischen Anbindung und
Auswertung (z. B. Prozessleittechnik), der Raumlufttechnischen Anbindung, der Eduktversorgung und der Produktverwertung ausgebildet sind. Diese Anschlüsse sind in jeder Aufnahme S vorgesehen, so dass sich grundsätzlich jede Funktionseinheit Fi in jede beliebige Aufnahme S der ersten Sektion 1 1 einsetzen lässt.
Die Kombination der standardisierten Anschlüsse 9 zur Anbindung der
Funktionseinheiten an die Infrastruktur 1 und die Kombination aus Linearführung 15 und Schlitten 8 bilden insgesamt eine standardisierte Schnittstelle innerhalb des Systems. Das Gebäude 2 muss sämtliche statischen und wärmetechnischen Anforderungen erfüllen. Zusätzlich müssen in dem Gebäude 2 Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz eingebaut und an jeder Schnittstelle S verfügbar sein. Somit ist der Brandschutz stets unabhängig von den eingesetzten Funktionseinheiten gewährleistet. Schließlich muss für das gesamte Gebäude und alle Aufnahmen S ein
Sonderraumkonzept gelten, wonach die einzelnen Aufnahmen S mit einer technischen Zwangslüftung, sowie mit Ex- und Tox-Sensoren gemäß Gefährdungsbeurteilung versehen sind.
Es ist auch möglich, die Funktionsmodule F2 der zweiten Funktionsgruppe im oberen Bereich der Gebäude anzuordnen und dort im Wesentlichen die technische
Gebäudeausrüstung einzusetzen. Die höher gelegenen Aufnahmen sind nämlich schwieriger zu erreichen, so dass diese Aufnahmen S nur mit solchen
Funktionseinheiten F2 besetzt werden sollten, die nicht so häufig ausgetauscht werden müssen.
Die Vorteile der erfindungsgemäßen Nutzung von Industriegrundstücken soll noch einmal zusammengefasst werden:
Der Wechsel und die Bereitstellung von Versuchsanlagen zur Durchführung von technischen Versuchen kann deutlich beschleunigt werden. Die Montage und
Demontage der einzelnen Funktionseinheiten kann zeitlich und örtlich unabhängig erfolgen. Das Total-Volumen innerhalb des Gebäudes mit Technika und Laboreinheiten wird verringert. Dies bedeutet, dass der notwendige umbaute Raum eines solchen Gebäudes kleiner ausfällt. Des Weiteren lässt sich der Raum des Gebäudes durch die modulare Gestaltung der Aufnahmen der Funktionseinheiten beliebig nutzen. Von besonderer Wichtigkeit ist, dass alternativ zu einer technischen Funktionseinheit sich auch ein Büromodul einsetzen lässt. Eine besondere Variabilität des vorliegenden
Konzeptes ist dadurch gegeben, dass auch die technische Gebäudeausstattung Heizung, Lüftung, Klima, Gasversorgung und Betriebsmittelversorgung modular aufgebaut ist.
Bezugszeichenliste
A erstes Industriegrundstück
B zweites Industriegrundstück an einem ersten entfernten Ort C zweiter entfernter Ort
1 Infrastrukturanbindung
2 Gebäude
3 Gebäudehülle
4 technische Gebäudeausrüstung
Fi Funktionseinheit der ersten Funktionsgruppe
F2 Funktionseinheit der zweiten Funktionsgruppe
5 Palette
6 Installationswand
7 Betriebseinrichtungen
8 Schlitten
9 Anschlüsse
10 Flur- und Logistikbereich
1 1 erste Sektion
12 zweite Sektion
13 dritte Sektion
s Aufnahme
14 Tor
15 Linearführung
16 Weg
17 Heizung
18 Technikumseinheit
19 Büromodul
20 Sanitäranlage