Temperierverfahren und- Vorrichtung für die Temperaturbehandlung kleiner Flüssigkeitsmengen
Die Erfindung betrifft Temperierverfahren zur Durchführung einer definierten, insbesondere zyklischen Temperaturbehandlung kleiner Flüssigkeitsmengen auf Substraten, Temperiervorrichtungen und Substrate zur Durchführung des Verfahrens.
Insbesondere bei der PCR (Polymerase Chain Reaction, Polymerase- Kettenreaktion) zur Vervielfältigung spezifischer DNA-Sequenzen müssen Reagenzien einem sehr definierten und speziellen Temperaturverlauf unterzogen werden. In der Regel ist es notwendig, die Reagenzien zyklisch aufzuheizen und wieder abzukühlen. Dabei ist es für die Reproduzierbarkeit des Reaktionsverlaufes vo großer Bedeutung, daß die Temperaturrampen schnell, präzise und reproduzierbar durchgefahren werden können. Bei PCR-Verfahrensführungen, die in Glaskapillaren durchgeführt werden, wird dazu z. B. ein Röche Light Cycler eingesetzt, bei dem die Glaskapillaren mit Hilfe eines temperierten Luftstromes gekühlt oder geheizt werden. Eine entsprechende Technologie ist z. B. in US 5,455,175 oder US 6,174,670 beschrieben.
Andere konventionelle sogenannte Thermocycler besitzen metallische Aufnahmeblöcke, in welchen Plastikcaps oder Mikro-Titerplatten mit den PCR-Reagenzien aufgenommen werden. Das Aufheizen des Metallblockes geschieht mit gewöhnlichen Widerstandsheizungen oder Peltierelementen, die zudem zur Kühlung eingesetzt werden können. Um die Reagenzgefäße wirksam abkühlen zu können, müssen die metallischen Aufnahmeblöcke eine ausreichend große Wärmekapazität und damit ausreichende thermische Masse besitzen, um die Wärme schnell abführen zu können. Die Kühlung des metallischen Aufnahmeblockes wird z. B. mit Hilfe eines starken Gebläses oder eines Peltierelementes durchgeführt (US 5,038,852, US 5,333,675). Durch die hohe thermische Masse des Aufnahmeblockes kann es zu Temperaturgradienten kommen, die zu lokal unterschiedlichen Temperaturverhältnissen führen. Ein anderer Ansatz für das Heizen/Kühlen ist der Einsatz temperierter Flüssigkeiten, welche durch den Aufnahmeblock durchgeleitet werden (US 5,038,852). Es sind dazu entsprechende Schaltventile und apparative Ausgestaltungen vorzusehen.
In jüngster Zeit werden mikrobiologische Experimente zunehmend mit Hilfe sogenannter Lab-on-the-chip-Elemente durchgeführt. Dabei werden die Reagenzien auf im wesentlichen planaren Substraten der Größenordnungen, wie sie aus der Mikroelektronik bekannt sind, in kleinen Flüssigkeitsmengen der Größenordnung von einigen 10 nl bis mehreren 100 μl prozessiert. Reaktionsgefäße können dabei z. B. durch geätzte Strukturen auf dem Substrat erzeugt werden. Eine spezielle Ausgestaltung sieht vor, daß die Reagenzien auf einem planaren Substrat in Form von Tropfen aufgebracht werden, die durch ihre Oberflächenspannung zusammengehalten werden und insofern keine geätzten Strukturen benötigen. Eine Lokalisierung der durch die Oberflächenspannung zusammengehaltenen Tropfen kann z. B. durch Bereiche auf der Substratoberfläche erreicht werden, die von der Reagenzflüssigkeit bevorzugt benetzt werden und insofern Ankerpunkte darstellen. Derartige vollständig planare Substrate haben z. B. die Größe einiger mm2 bis einiger cm2.
Um derartige planare Substrate z. B. in Form eines Objektträgers einem entsprechenden Temperaturzyklus, z. B. zur Durchführung von PCR-Reaktionen, zu unter-
ziehen, sind ausgehend von den konventionellen Thermocyclern Adapterblöcke notwendig, welche die metallischen Aufnahmeblöcke der konventionellen Cycler planar machen. Diese Adapterblöcke erhöhen die thermische Masse der metallischen Aufnahmeblöcke. Der dadurch entstehende thermische Offset muß mit Hilfe eines Kalibrierfaktors zur Korrektur der PCR-Parameter ermittelt werden.
Die hohe thermische Last der konventionellen Thermocycler begrenzt durch lange Zykluszeiten den möglichen Probendurchsatz.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, Temperierverfahren und Temperiervorrichtungen anzugeben, mit deren Hilfe eine definierte, insbesondere zyklische Temperaturbehandlung kleiner Flüssigkeitsmengen auf im wesentlichen planaren Substraten ermöglicht wird, die einen präzisen und reproduzierbaren Temperaturverlauf bei einfachem konstruktiven Aufbau ermöglicht.
Diese Aufgabe wird mit Temperierverfahren mit den Merkmalen des Anspruches 1 oder des Anspruches 3 und Temperiervorrichtungen mit den Merkmalen des Anspruches 13 oder des Anspruches 17 gelöst. Unteransprüche sind auf bevorzugte Ausführungsformen gerichtet.
Bei einem ersten erfindungsgemäßen Temperierverfahren werden eine oder mehrere Flüssigkeitsmengen auf einem vorzugsweise im wesentlichen planaren Substrat aufgebracht. Die Flüssigkeitsmengen werden auf dem Substrat z. B. durch ihre Oberflächenspannung zusammengehalten oder befinden sich in geätzten Aufnahmekonturen oder gesonderten Behältnissen und umfassen jeweils in der Regel einige 10 nl bis einige 10 μl. Das Substrat ist auf der Unterseite vorzugsweise planar und auf der Oberseite ebenfalls im wesentlichen planar mit Ausnahme der ggf. geätzten Aufnahmekonturen. Das Substrat kann z. B. ein Glasobjektträger sein oder aus anderem Substratmaterial wie z. B. Lithiumniobat bestehen.
Die Flüssigkeitsmengen können z. B. in geätzten Aufnahmestrukturen oder kleinen Behältnissen auf dem Substrat aufgebracht werden. Besonders einfach ist es, wenn die einzelnen Flüssigkeitsmengen in der Form von Tropfen auf die Oberfläche des Substrates aufgebracht werden, die in der Regel einige 10 nl bis einige 10 μl umfassen.
Das Substrat wird mit einer Heizeinrichtung in thermischen Kontakt gebracht, die während der Aufheizphasen der Temperaturbehandlung in Betrieb genommen wird. Das Substrat mit den Flüssigkeitsmengen ist also ständig mit der Heizeinrichtung in thermischem Kontakt, die allerdings nur während der Aufheizphasen in Betrieb ist.
Während der Abkühlphasen der Temperaturbehandlung wird mit dem Substrat und/oder der Heizeinrichtung ein wärmeieitfähiges Element in thermischen Kontakt gebracht, dessen Wärmekapazität größer als die oder gleich der Summe der Wärmekapazitäten der Flüssigkeitsmengen, des Substrates und zumindest desjenigen Teiles der Heizeinrichtung ist, der in thermischem Kontakt mit dem Substrat ist.
Zur Abkühlung der Flüssigkeitsmengen werden also sowohl das Substrat als auch die Heizeinrichtung abgekühlt. Dies geschieht durch thermischen Kontakt mit einem wärmeleitfähigen Element, das aufgrund seiner Wärmekapazität die Wärme der Heizeinrichtung und des Substrates effektiv abführen kann. Dieses wärmeleitfähige Element ist nur während der Abkühlphasen in thermischem Kontakt und muß daher während der Aufheizphasen nicht mitgeheizt werden. Aufgrund der einfachen Ausgestaltung des Trägerelementes für die kleinen Flüssigkeitsmengen, also des Substrates, ist die Wärmekapazität der abzukühlenden Elemente aufgrund der geringen thermischen Masse klein. Das wärmeleitfähige Element zur Abkühlung während der Abkühlphasen kann daher ebenfalls eine geringere thermische Masse aufweisen, so daß es einfach und schnell auch wieder abgekühlt werden kann.
Während der Aufheizphasen der Temperaturbehandlung wird der thermische Kontakt zwischen dem wärmeleitfähigen Element und dem Substrat unterbrochen und die Heizeinrichtung in Betrieb genommen.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es nicht notwendig, die Heizeinrichtung und/oder das Substrat mit einem Gebläse direkt zu kühlen, was hohe Strömungsgeschwindigkeiten erfordern würde. Das wärmeleitfähige Element wirkt wie eine Wärmesenke und tritt als effektiver Mediator zur Abgabe der Wärme an die Umgebung auf. Der Kontakt zwischen dem wärmeleitfähigen Element und der Heizeinrichtung bzw. dem Substrat kann in definierbaren zeitlichen Intervallen erfolgen, so daß eine definierte Wärmemenge vom Substrat und der Heizeinrichtung abfließen kann. Durch die spezielle Auswahl der Wärmekapazität ist der definierte Wärmeübertrag garantiert.
Mit dem erfindungsgemäßen Temperierverfahren ist z. B. die PCR in kleinen Volumina mit hohen Heiz- und Kühlraten möglich, mit dem Vorteil, unspezifische Reaktionen während der Aufheiz- und Abkühlphasen sowie die Prozeßzeit zu minimieren. Der planare Ansatz bei der PCR ermöglicht sehr spezifische Reaktionen durch einen schnellen Abbau von Temperaturgradienten durch Konvektion.
Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht die Verwendung z. B. transparenter Substrate, die eine optische Untersuchung während oder nach der Reaktion auf einfache Weise ermöglichen. Die Verwendung planarer Substrate erhöht die Kompatibilität des Temperierverfahrens mit Lab-on-the-chip-Anwendungen.
Besonders einfach läßt sich das erfindungsgemäße Temperierverfahren durchführen, wenn das Substrat einfach auf eine Heizeinrichtung gelegt wird, z. B. auf eine Heizplatte, um so den thermischen Kontakt herzustellen, und das wärmeleitfähige Element während der Abkühlphase mit der Heizeinrichtung, z. B. der Heizplatte, in thermischen Kontakt gebracht wird.
Eine andere Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens setzt ein Substrat ein, das eine integrierte Heizeinrichtung umfaßt. Bei einer solchen Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die eine oder mehrere Flüssigkeitsmengen auf das Substrat mit der integrierten Heizeinrichtung aufgebracht. Während der Abkühlphasen der Temperaturbehandlung wird wiederum ein wärmeleitfä-
higes Element in thermischen Kontakt mit dem Substrat gebracht, dessen Wärmekapazität größer als die oder gleich der Summe der Wärmekapazitäten der Flüssigkeitsmengen und des Substrates ist. Während der Aufheizphase der Temperaturbehandlung wird der thermische Kontakt zwischen dem wärmeleitfähigen Element und dem Substrat unterbrochen und die Heizeinrichtung in Betrieb genommen.
Die an dem Substrat integrierte Heizeinrichtung kann z. B. eine Widerstandsheizung sein, die vorzugsweise einen aufgedampften Metalleiter hohen Widerstandes umfaßt. Die Heizenergie wird mit Hilfe einer Stromquelle in diese Widerstandsheizung eingekoppelt. Eine andere Ausführungsform sieht eine Induktionsheizung vor, in die Energie mit Hilfe von Induktion eingekoppelt wird.
Während ein Temperierverfahren unter Einsatz eines Substrates ohne integrierte Heizeinrichtung den Einsatz einfacher und billiger Substrate ermöglicht, sichert die Verwendung von Substraten mit integrierter Heizeinrichtung die optimale thermische Ankopplung der Heizeinrichtung an die Flüssigkeitsmenge.
Während das wärmeleitfähige Element nicht mit dem Substrat bzw. der Heizeinrichtung in thermischem Kontakt ist, wird von ihm die aufgenommene Wärme abgegeben. Dies kann z. B. mit Hilfe von Kühlflüssigkeiten, einem Luftstrom oder einem Peltierelement geschehen. Besonders einfach und vorteilhaft ist es, wenn das wärmeleitfähige Element, wenn es nicht mit der Heizeinrichtung bzw. dem Substrat in Verbindung ist, in thermischem Kontakt mit einem Kühlkörper steht. Die während der Abkühlphase vom wärmeleitfähigen Element aufgenommene Wärmemenge kann dann während dieser Kontaktphase die aufgenommene Wärme an den Kühlkörper abgeben. Insbesondere kann dies geschehen, während das Substrat durch die Heizeinrichtung während einer Aufheizphase aufgeheizt wird. Das wärmeleitfähige Element gibt also die Wärme, die es während der Abkühlphase aufgenommen hat, bis zum Beginn der nächsten Kühlphase an den Kühlkörper ab. Der Kühlkörper selbst kann wiederum z. B. durch eine Kühlflüssigkeit, durch einen Luftstrom oder durch ein Peltierelement, am einfachsten und vorteilhaftesten z. B. durch Kühlrippen, gekühlt werden.
Der Wärmeübertrag zwischen dem Substrat bzw. der Heizeinrichtung und dem wärmeleitfähigen Element einerseits und zwischen dem wärmeleitfähigen Element und dem Kühlkörper andererseits kann durch Verwendung von Koppelmedien, z. B. Glycerin, noch zusätzlich verbessert werden.
Die Flüssigkeitsmengen, vorzugsweise Tropfen, können auf das planare Substrat z. B. in flach geätzten Aufnahmestrukturen aufgebracht werden. Besonders einfach und leicht zu prozessieren ist ein Verfahren, bei dem die Flüssigkeitsmengen in Form von Tropfen nur durch ihre Oberflächenspannung zusammengehalten werden. Dazu werden die Benetzungseigenschaften der Oberfläche des Substrates derart ausgewählt, daß die Tropfen aufgrund ihres kleinen Volumens und ihrer Oberflächenspannungseigenschaften nicht auseinanderfließen. Um die Tropfen an gewünschten Orten zu lokalisieren, können auf dem Substrat auch Bereiche vorgesehen sein, die von der Flüssigkeit bevorzugt benetzt werden und insofern Ankerpunkte für die Flüssigkeitstropfen darstellen. Derartige benetzungsmodulierte Oberflächen lassen sich mit lithographischen Verfahren auf einfache Weise herstellen. Zur Prozessierung wäßriger Lösungen können z. B. die Oberflächenbereiche außerhalb der Ankerpunkte durch einen Silanisierungsprozeß hydrophob ausgestaltet worden sein.
Zum Schutz gegen Verdunstung während der Aufheizung können die Tropfen der Flüssigkeitsmenge mit Öl überdeckt werden.
Insbesondere eignet sich das erfindungsgemäße Temperierverfahren für Temperaturzyklen oberhalb von Raumtemperatur, da hier eine Abgabe der aufgenommenen Wärmemenge von dem wärmeleitfähigen Element direkt bzw. von dem Kühlkörper leicht zu bewerkstelligen ist. Gerade für die vorteilhafte Anwendung des erfindungsgemäßen Temperierverfahrens für PCR-Produkte sind die einzustellenden Temperaturen höher als Raumtemperatur.
Eine erste erfindungsgemäße Temperiervorrichtung weist eine Heizeinrichtung und eine Halteeinrichtung für ein vorzugsweise im wesentlichen planares Substrat auf, die die Lagerung des Substrates in thermischem Kontakt mit der Heizeinrichtung ermöglichen. Weiterhin ist ein wärmeleitfähiges Element vorgesehen, das in thermischen Kontakt mit einem von der Halteeinrichtung gehaltenen Substrat oder mit der Heizeinrichtung bringbar ist, wobei die Wärmekapazität des wärmeleitfähigen Elementes größer als die Summe der Wärmekapazitäten des Substrates und der Heizeinrichtung ist. Weiterhin weist die erfindungsgemäße Temperiervorrichtung eine Bewegungseinrichtung auf, die derart ausgestaltet ist, daß sie das wärmeleitfähige Element mit dem Substrat oder der Heizeinrichtung in thermischen Kontakt bringen kann.
Die erfindungsgemäße Temperiervorrichtung eignet sich insbesondere zur Durchführung des erfindungsgemäßen Temperierverfahrens. Die Bewegungseinrichtung ermöglicht das in Kontakt Bringen des wärmeleitfähigen Elementes mit dem Substrat und/oder der Heizeinrichtung. Durch die erfindungsgemäße Auswahl der Wärmekapazitäten ist das Abführen definierter Wärmemengen möglich. Die Vorteile der erfindungsgemäßen Temperiervorrichtung ergeben sich insbesondere auch aus den bereits beschriebenen Vorteilen des mit ihr durchzuführenden Temperierverfahrens.
Bei einer besonders günstigen Weiterbildung der erfindungsgemäßen Temperiervorrichtung wird die Halteeinrichtung direkt durch die Heizeinrichtung, insbesondere durch eine Heizplatte, gebildet. Die Heizeinrichtung kann dann direkt als Auflage für das Substrat dienen, so daß der thermische Kontakt zwischen Substrat und Heizeinrichtung bereits hergestellt ist. Gesonderte Halteeinrichtungen zusätzlich zur Heizeinrichtung sind dann nicht nötig. Besonders günstig ist die Ausgestaltung mit einer Heizplatte, z. B. einer Siliziumheizplatte. Silizium bietet sich aufgrund der guten und kostengünstigen Verfügbarkeit an. Es besitzt eine hohe Wärmeleitfähigkeit, welche eine hohe Wärmeab- bzw. -zufuhr von dem bzw. an das Substrat ermöglicht.
Bei anderen Ausführungsformen wird anstelle des Silizium ein transparentes Material wie z. B. Lithiumniobat als Heizplatte verwendet, mit dem z. B. eine optische Detektion des Reaktionsverlaufes von unten möglich wird.
Eine andere erfindungsgemäße Temperiervorrichtung weist eine Halteeinrichtung für ein Substrat auf, das eine integrierte Heizeinrichtung aufweist. Die Temperiervorrichtung weist zudem eine Energiezuführungseinrichtung auf, mit deren Hilfe Energie in die Heizeinrichtung des Substrates zu dessen Erwärmung eingekoppelt werden kann. Ein wärmeleitfähiges Element ist vorgesehen, das in thermischen Kontakt mit einem von der Halteeinrichtung gehaltenen Substrat bringbar ist und dessen Wärmekapazität größer als die Wärmekapazität des Substrates ist. Schließlich weist auch diese erfindungsgemäße Temperiervorrichtung eine Bewegungseinrichtung auf, die derart ausgestaltet ist, daß sie das wärmeleitfähige Element mit dem Substrat in thermischen Kontakt bringen kann.
Eine solche erfindungsgemäße Temperiervorrichtung kann ähnlich wie die bereits beschriebene Temperiervorrichtung eingesetzt werden. Es können z. B. Substrate eingesetzt werden, bei denen eine metallische Widerstandsheizung vorzugsweise auf die Unterseite aufgedampft ist. Eine für die Verwendung von derartigen Substraten vorgesehene Temperiervorrichtung weist Kontakteinrichtungen auf, die bei aufgelegtem Substrat mit der Widerstandsheizung in Kontakt treten. Die Energiezuführungseinrichtung der Temperiervorrichtung ist in diesem Fall z. B. eine Stromquelle, mit deren Hilfe durch die Kontakteinrichtungen Strom durch die Widerstandsheizung geschickt werden kann. Andere Temperiervorrichtungen weisen Einrichtungen auf, mit deren Hilfe Energie induktiv in eine auf dem Substrat aufgebrachte Induktionsheizung eingekoppelt werden kann. Die Funktion und Vorteile des wärmeleitfähigen Elementes und der Bewegungseinrichtung der Temperiervorrichtung wurden bereits oben erläutert.
Einfach und präzise zu steuern ist eine Bewegungseinrichtung, die einen Elektromagneten umfaßt.
Als wärmeleitfähiges Element zum Abtransport der Wärme von dem Substrat bzw. der Heizeinrichtung eignet sich besonders ein Block aus wärmeleitfähigem Material, z. B. aus Metall, insbesondere aus Aluminium oder Kupfer. Gemäß einer besonderen Ausgestaltung ist ein Kühlkörper vorgesehen, mit dem das wärmeleitfähige Element in thermischen Kontakt gebracht werden kann, um die von dem Substrat bzw. der Heizeinrichtung aufgenommene Wärmemenge abzuleiten. Als Kühlkörper eignet sich ein Metallblock, insbesondere aus Aluminium oder Kupfer, der vorteilhafterweise eine Wärmekapazität besitzt, die größer ist als die Wärmekapazität des wärmeleitfähigen Elementes. Entweder alternativ oder zusätzlich kann der Kühlkörper Kühlrippen umfassen, die einen effektiven Wärmeabtransport an die Umgebung gewährleisten. Der Wärmeverlauf kann in Vorversuchen kalibriert werden. Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist ein Temperaturmeßelement vorgesehen, das ggf. zur Regelung der Temperiervorgänge eingesetzt werden kann.
Dazu kann eine Steuerung, insbesondere eine Mikroprozessorsteuerung, vorgesehen sein.
Aufgrund der mit der erfindungsgemäßen Temperiervorrichtung bzw. dem erfindungsgemäßen Temperierverfahren möglichen präzisen Temperaturzyklen eignen sich das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung insbesondere für PCR-Anwendungen.
Unabhängiger Schutz wird für Substrate mit integrierten Heizeinrichtungen zur Verwendung mit einer erfindungsgemäßen Temperiervorrichtung, insbesondere ein Substrat mit einer, vorzugsweise aufgedampften Widerstandsheizeinrichtung und ein Substrat mit einer, vorzugsweise aufgedampften Induktionsheizung beansprucht.
Die Erfindung wird anhand der beiliegenden Figuren im Detail erläutert. Dabei zeigt:
Figur l: eine schematische seitliche Schnittansicht einer erfindungsgemäßen Ausführungsform in einem ersten Verfahrenszustand bei der Durchführung eines erfindungsgemäßen Verfahrens,
Figur 2: die Vorrichtung der Figur 1 in einem zweiten Verfahrenszustand, und
Figur 3: einen mit dem erfindungsgemäßen Verfahren durchführbaren Tempera- turzyklus.
In Figur 1 ist das Substrat mit 1 bezeichnet. Darauf befinden sich Tropfen 3 einer Reaktionsflüssigkeit, in der z. B. eine PCR-Reaktion stattfinden soll. Die Tropfen 3 sind mit einem Ölfilm 5 überzogen und werden von ihrer Oberflächenspannung zusammengehalten. Gegebenenfalls befinden sich auf dem Substrat 1 im Verhältnis zu ihrer Umgebung hydrophile Ankerpunkte, die eine Lokalisierung der Tropfen 3 bewirken. Die gesamte Anordnung liegt auf der Heizplatte 7.
Als Substratmaterialien eignen sich z. B. poliertes Silizium, im speziellen bei der Anwendung für die PCR. Es weist eine hohe Wärmeleitfähigkeit auf, die die mit der Heizplatte 7 erzeugte Wärme effektiv an die Tropfen 3 leiten kann. Weitere mögliche Substrate sind z. B. mit Siliziumdioxid überzogene Lithiumniobatplättchen, Glas bzw. Glas mit Siliziumdioxid beschichtet.
Die Heizplatte besteht z. B. aus Silizium. Nicht gezeigt ist ein Temperatursensor, z. B. ein Platinwiderstandsthermometer. Auf der Siliziumheizplatte kann z. B. ein Dünnschichtheizer aus Nickel realisiert sein. Der Temperatursensor kann z. B. mit Hilfe der Dünnschichttechnologie ebenfalls auf der Heizplatte 7 integriert sein. Die Heizplatte trägt dann eine Passivierung, welche verhindern soll, daß das Sensormaterial im Betrieb oxidiert und sich somit von den ursprünglichen Kalibrationsda- ten wegbewegt.
13 zeigt in schematischer Darstellung einen Hubmagneten zum Anheben eines Stempels 15 zusammen mit dem wärmeleitfähigen Element 9. Dies ist z. B. ein Kupferblock. Zum Beispiel bei Verwendung eines Siliziumsubstrates der Größe 20 x 20 x 0,5 mm3 kann ein Kupferstempel der Masse 12 g eingesetzt werden. 11
bezeichnet einen Kuperablageblock mit einer beispielhaften Masse von 800 g. Der Hubmagnet 13 ist dabei derart ausgestaltet, daß eine Bewegung des Kupferblockes
9 von der in Figur 1 gezeigten Stellung in die in Figur 2 gezeigte Stellung möglich ist. Während in Figur 1 der Kupferblock 9 mit der Heizplatte 7 in thermischem Kontakt ist und sich zwischen Kupferblock 9 und Kupferablageblock 11 ein Luftspalt
10 befindet, ist in Figur 2 der Kupferblock 9 mit dem Ablageblock 11 in thermischem Kontakt und zwischen Kupferblock 9 und Heizplatte 7 befindet sich ein Luftspalt 8. 17 zeigt Kühlrippen, die zum Abkühlen des Ablageblockes 11 dienen.
Die Ausführungsform kann wie folgt eingesetzt werden. Zunächst werden auf das Substrat die Flüssigkeitstropfen aufgebracht, in denen z. B. die PCR-Reaktion stattfinden soll. Zum Schutz gegen Verdunstung wird ein Ölfilm 5 über die Flüssigkeitstropfen 3 gelegt. Das so präparierte Substrat wird auf die Heizplatte 7 aufgelegt. Um das Substrat aufzuheizen, wird mit der nicht gezeigten Widerstandsheizung die Siliziumheizplatte 7 erwärmt.
Nach einem entsprechenden Aufheizschritt wird zur Abkühlung die Heizplatte 7 abgeschaltet und thermischer Kontakt der Heizplatte 7 mit dem Kupferblock 9 erzeugt. Dazu wird mit Hilfe des Hubmagneten 13 und des Stempels 15 der Kupferblock 9 nach oben in die Position der Figur 1 gebracht. Aufgrund der größeren Wärmekapazität nimmt der Kupferblock 9 Wärme von der Heizplatte 7 und dem Substrat 1 auf und führt so zu deren Abkühlung. Nachdem die Wärme aufgenommen worden ist, wird der Kupferblock 9 wieder in die Position der Figur 2 gefahren, in der er in thermischem Kontakt mit dem Kupferablageblock 11 steht. Dazu wird z. B. die Wicklung des Elektromagneten 13 stromlos gemacht. In der Position der Figur 2 kann der Kupferblock 9 die aufgenommene Wärme effektiv an den Kupferablageblock 11 abgeben. Dieser wird mit Hilfe der Kühlrippen 17 effektiv gekühlt und ermöglicht so eine schnelle Abführung der Wärme vom Kupferblock 9. Während die Wärme vom Kupferblock 9 auf den Kupferablageblock 11 übergeführt wird, kann bereits der nächste Aufheizprozeß des Substrates 1 mit den Flüssigkeitstropfen 3 stattfinden, indem die Heizplatte 7 aufgeheizt wird. In der Stellung der Figur 2 verhindert der Luftspalt 8 den Wärmeübertrag von der Heizplatte 7 auf den Kupferblock 9.
Auf diese Weise läßt sich ein scharfes und definiertes Temperaturprofil erzeugen, wie es z. B. in Figur 3 sichtbar ist und zur Durchführung von PCR-Reaktionen genutzt werden kann.
Die Bewegung des Kupferblockes 9 mit Hilfe des Elektromagneten 13 und der Betrieb der Heizplatte 7 kann von einer Regelelektronik angesteuert werden, die das Signal des in den Figuren nicht gezeigten Temperatursensors an der Heizplatte 7 verwendet. Die notwendige Heizleistung der Heizplatte 7 bzw. die Zeit, die der Kupferblock mit der Heizplatte in Kontakt bleiben muß, um die gewünschten Tem- peraturprofile zu erzeugen, kann in Vorversuchen bestimmt werden oder aus den thermodynamischen Parametern abgeschätzt werden.
Die beschriebene Ausführungsform hat den Vorteil, daß die Heizplatte leicht mit Substraten und den auf ihnen befindlichen Reagenzien beladen werden kann. Die Beladung der Substrate mit Reagenzien kann außerhalb des Gerätes erfolgen. Nach der Temperaturbehandlung sind sie für eine Analytik leicht zugänglich. Die Substrate können als Disposable verwendet werden.
Eine nicht gezeigte Ausführungsform ermöglicht die Verwendung von Substraten mit integrierter Heizeinrichtung. In diesem Fall ist keine Heizeinrichtung an der Temperiervorrichtung vorgesehen, sondern eine einfache Halterung für das Substrat. Das Substrat selbst weist z. B. eine aufgedampfte Widerstandsheizung auf, die bei Einlegen des Substrates in die Temperiervorrichtung mit Kontakteinrichtungen in Kontakt kommt, die an eine Stromquelle angeschlossen sind. Zum Aufheizen des Substrates in der Stellung entsprechend der Figur 2 wird dann mit Hilfe dieser Stromquelle durch die Kontakteinrichtungen Strom durch die Widerstandsheizung des Substrates geführt, um dieses zu erwärmen. Alternativ kann eine Induktionsheizung an dem Substrat vorgesehen sein, die durch induktive Einkopp- lung von Energie aufgeheizt werden kann. Der Betrieb solcher Ausführungsformen ist ansonsten analog zu der mit Bezug zu den Figuren 1 und 2 erläuterten Betriebsweise.