Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Vorrichtungen der oben genannten Art werden in einer großen Anzahl und Vielfältigkeit verwendet.
Der typische Fall für eine Anwendung ist eine Maschine mit einem feststehenden Gehäuse, in dem
sich ein von außen angetriebener Rotor befindet. Solche Maschinen können z.B. Pumpen oder
hydraulische Bearbeitungsmaschinen sein, um nur diese zu nennen. Da in der Regel innerhalb des
Gehäuses ein anderer Druck herrscht als außerhalb, ist es erforderlich, an der Wellendurchführung
eine Abdichtung vorzunehmen. Auch hierzu sind bereits eine Vielzahl von Dichtvorrichtungen
bekannt, die sich auch in vielen Anwendungen bewährt haben. Eine spezielle Ausführungsform
solcher Abdichtvorrichtungen ist die sogenannte hydro-dynamische Dichtung. Bei dieser wird infolge
der Drehung, z.B. der Welle, ein umlaufender Fluidring erzeugt, der den Spalt zwischen den beiden
Räumen so ausfüllt, dass eine Abdichtung erfolgt. Auf Grund der Zentrifugalkräfte ist ein solcher
Fluidring in der Lage, eine Gegenkraft gegen die zwischen diesen beiden Räumen anliegende
Druckdifferenz zu erzeugen und eine vorgesehene Position beizubehalten. Hydro-dynamische
Dichtungen haben insbesondere den Vorteil, dass sie keine relativ zueinander bewegte, sich
berührenden Teile aufweisen, die bekanntlich einem mehr oder weniger großen Verschleiß
unterworfen sein können. Starker Verschleiß führt zum Versagen der Dichtung, zu Betriebsstörungen
und zusätzlichen Wartungsarbeiten. Daher werden hydro-dynamische Dichtungen in vielen Fällen
bevorzugt. Das gilt auch dort, wo eventuell ein etwas höherer apparativer Aufwand zur Herstellung
einer solchen Dichtvorrichtung erforderlich ist.
Aus einsichtigen Gründen können hydro-dynamische Dichtungen ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen,
wenn die rotierbare Welle still steht oder eine zu geringe Drehzahl hat.
Daher besteht die unerwünschte Möglichkeit, dass z.B. bei Abstellen einer Pumpe auf Grund des
noch vorhandenen Überdruckes im Pumpengehäuse Flüssigkeit austritt. Um das zu verhindern, ist
es auch bekannt, zusätzlich zur hydro-dynamischen Dichtung eine weitere Dichtung einzubauen, die
mit sich berührenden Dichtflächen versehen ist. Man spricht dabei auch von einer
Stillstandsdichtung. Diese Stillstandsdichtung wird in der Regel nur gering beansprucht, da sie mit
kleinen Andruckkräften arbeitet. Schließlich muss sie nur im Stillstand und gegen geringen
Überdruck im Gehäuse abdichten. Sie kann z.B. sehr einfach als elastische Scheibe ausgebildet
sein, die axial gegen eine ringförmige Gegenfläche gedrückt wird.
Aus dem deutschen Gebrauchsmuster DE 203 12 422 U1 ist eine Kombination von hydrodynamischer
Dichtung mit Stillstandsdichtung bekannt. Die Stillstandsdichtung wird durch einen im
Gehäuse befestigten Dichtring gebildet, der mit einer im Betrieb der Pumpe umlaufenden Dichtfläche
zusammenwirkt, d.h. der Dichtring legt sich bei Stillstand der Pumpe mit der notwendigen Dichtkraft
an die Dichtfläche an.
Aus der US 2,649,050 ist eine Kreiselpumpe für die Förderung von Latex bekannt. Bei dieser sind
neben den eigentlichen Pumpschaufeln zur Druckerhöhung zwischen Einlauf und Auslauf der Pumpe
weitere Schaufeln vorgesehen, die die hinter dem Pumpenlaufrad liegende Wellendichtung von Latex
frei halten sollen. Diese zusätzlichen Schaufeln haben einen größeren Außendurchmesser und sollen
auf Grund ihres größeren Druckaufbaus das eventuell eingedrungene Latex sicher in den
Pumpenauslauf fördern. Dazu haben sie eine teilweise kurvenförmige Kante.
Die US 2,258,527 zeigt eine Kreiselpumpe, die besonders für korrosive und abrasive Flüssigkeiten
ausgerüstet ist. Sie weist eine hydro-dynamische Dichtung mit Schleuderrippen auf, die dicht entlang
einer fest stehenden Scheibe rotieren. Die Scheibe ist mit einer axial vorstehenden Schulter
versehen, die sich radial weiter innen und damit nicht im Laufbereich der Schaufeln befindet.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, eine Vorrichtung zum Abdichten einer
Wellendurchführung zu schaffen, mit der es möglich ist, die hydro-dynamische Dichtung besonders
betriebssicher zu machen und eine einfache Abdichtung auch bei Stillstand der Welle zu erreichen.
Diese Aufgabe wird durch die in den Kennzeichen der Ansprüche 1 und 4 genannten Merkmale
gelöst.
Da der Vorsprung als Sperre wirkt, wird verhindert, dass Feststoffteile, z.B. kleine Störstoffe,
Füllstoffe oder Fasern einer papierfaserhaltigen Suspension zur Stillstandsdichtung vordringen und
dort zu Störungen führen.
Ein bevorzugtes Einsatzgebiet für die erfindungsgemäße Dichtvorrichtung sind Maschinen, die mit
mindestens einem Rotor ausgestattet sind und die mit papierfaserhaltiger Suspension betrieben
werden, z.B. sogenannte Stoffpumpen, Refiner oder Entstipper. Suspensionen, die zur Herstellung
von Papier benötigt werden, enthalten neben den Papierfasern eine bestimmte Menge von
mineralischen Stoffen, wie z.B. Kaolin oder andere Füllstoffe bzw. Pigmente, die von der
Stillstandsdichtung fern zu halten sind. Die Fasern neigen dazu, sich vor oder an den Dichtflächen
von berührenden Dichtungen abzusetzen, zu entwässern und dort Störungen an der Dichtung zu
verursachen. Dieses Problem wird durch die neue Form der hydro-dynamischen Dichtung beseitigt.
Mit Hilfe des Sperrringes werden diese Bereiche sauber gehalten.
Ohne die Erfindung kann eine Erwärmung bis hin zum Verdampfen des Wassers eintreten.
Die Vorrichtung kann durch eine vorteilhafte Ausgestaltung weiter verbessert werden, bei der in den
Zwischenraum zwischen den Förderrippen und den gegenüber liegenden fest stehenden Flächen
eine Flüssigkeit, z.B. Wasser zugegeben wird. Diese spült Faseransammlungen, Schaum und
Störstoffpartikel fort und verhindert die Überhitzung in diesem Bereich. Dabei wirkt sie sehr effektiv
mit der durch den Vorsprung gebildeten Sperre zusammen.
Die Erfindung und ihre Vorteile werden erläutert an Hand von Zeichnungen. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- den Schnitt durch eine erfindungsgemäße Dichtvorrichtung mit einem ringförmigen
Vorsprung an der Gehäusewand (gezeigt oberer Teil);
- Fig. 2
- eine zur dynamischen Dichtung gehörende Rotorscheibe;
- Fig. 3
- eine Variation der in Fig. 2 gezeigten Rotorscheibe;
- Fig.4
- den Schnitt durch eine andere Ausführungsform (oberer Teil;
- Fig. 5
- einen Vorsprung im Detail;
- Fig. 6
- eine weitere Variante;
- Fig. 7+8
- weitere Querschnittsformen des Vorsprungs;
- Fig. 9
- eine weitere Ausgestaltung mit einer ringförmigen Vertiefung in der Gehäusewand;
- Fig. 10
- Detail aus der Fig. 9.
Eine erfindungsgemäß abgedichtete Wellendurchführung ist in Fig. 1 schematisch, also ohne
konstruktive Details, dargestellt. Durch eine nur zum Teil gezeigte Gehäusewand 5 verläuft die
rotierbare Welle 2, die hier auf der rechten Seite fliegend gelagert ist und ein auf der linken Seite nur
schematisch dargestelltes Kreiselpumpenlaufrad 10 antreibt. Bei einer solchen Maschine muss der
Innenraum, in dem sich das Pumpenlaufrad befindet, durch eine Dichtungsstelle gegenüber dem
äußeren Raum, also der Umgebung, abgedichtet werden. Auf der dem zu pumpenden Medium
zugewandten Seite der Dichtungsstelle befindet sich eine hydro-dynamische Dichtung, gebildet im
Wesentlichen durch eine von der Welle angetriebene Rotorscheibe 4, auf der sich eine Anzahl von
Förderrippen 3 befindet. In der schon beschriebenen Weise erzeugen diese Förderrippen in der
hydro-dynamischen Dichtung einen umlaufenden Flüssigkeitsring, wobei dessen Flüssigkeit
identisch ist mit der, die durch die Pumpe gefördert wird. Diese Flüssigkeit ist in der Figur durch
kleine Wellenlinien angedeutet.
Die entscheidende Verbesserung der hier gezeigten Ausführung liegt darin, dass die den
Förderrippen 3 gegenüber liegende Fläche 16, die in der Regel zur Gehäusewand 5 gehört, einen
Vorsprung 13 aufweist, der als geschlossener zur Welle 2 konzentrischer Ring ausgestaltet ist. Die
Förderrippen sind in diesem Bereich mit Ausnehmungen 14 versehen, die noch einen Spalt zu dem
Vorsprung 13 frei lassen. Dieser Spalt sollte schmal sein. Der Vorsprung 13 und die Ausnehmungen
14 befinden sich in einem Bereich der nicht zum sich im Betrieb ausbildenden rotierenden
Flüssigkeitsring gehört. Günstig ist es, wenn die axiale Erstreckung A des Vorsprunges 13
mindestens 3 mm beträgt oder den Abstand zur Scheibenfläche 15 der Rotorscheibe 4 wenigstens
zu 40 % überbrückt. Die radiale Erstreckung B kann etwa 4 mm sein und wesentlich kleiner als die
radiale Erstreckung C der Förderrippe 3, z.B. maximal ein Viertel so groß. Das Querschnittsprofil des
Vorsprunges kann - wie hier - viereckig sich verjüngend oder z.B. rechteckig oder auch dreieckig
sein. Der Spalt C zwischen den Förderrippen 3 und der ihnen gegenüber liegenden Fläche 16 kann
vorzugsweise 1-2 mm breit gewählt werden. Dasselbe gilt für den Spalt zwischen Vorsprung 13 und
Förderrippe 3 an der Ausnehmung 4.
Es ist oft auch von zusätzlichem Vorteil, dass sich - wie hier gezeigt - die Förderrippen 3 radial bis an
die Nabe der Rotorscheibe 4 erstrecken, um auch dadurch die schädlichen Ablagerungen im
Bereich der Stillstandsdichtungen zu verhindern. Dabei sind sie hier mit einer außenkonischen
Fläche der Nabe verbunden, was ebenfalls der Verhinderung von Ablagerungen dient.
Oft ist es zweckmäßig, einen Spülwasserausschluss 20 an den Zwischenraum zwischen
Förderrippen 3 und den gegenüber liegenden fest stehenden Flächen 16 anzuschließen. Durch
diesen kann eine definierte Menge Spülwasser W kontinuierlich oder stoßweise eingespeist werden.
Die Stillstandsdichtung mit dem Dichtring 1 befindet sich, axial gesehen, zwischen der hydro-dynamischen
Dichtung und der Umgebung. Dabei ist hier der Dichtring 1 außen mit Hilfe eines
Ringes 8 an der Gehäusewand 5 eingespannt. Der innere Teil des Dichtringes 1 wirkt mit einer
Dichtfläche 6 zusammen, die sich seitlich an einer auf der Welle 2 verschraubten Schraubhülse 7
befindet. Die Schraubhülse 7 kann durch Drehen axial verschoben werden, um die Dichtkraft
einzustellen. Der Dichtring 1 kann z.B. aus einem elastischen Kunststoffmaterial und/oder zumindest
an den Kontaktflächen mit der Dichtfläche 6 aus PTFE ("Teflon") bestehen, um dort Reibung und
Verschleiß zu reduzieren. Vorzugsweise wird gefülltes Teflon eingesetzt.
Wenn durch Stillstand der Welle 2 die Wirkung der hydro-dynamischen Dichtung ausbleibt, drückt
die sich im Pumpengehäuse befindende Flüssigkeit auf Grund eines Überdrucks gegenüber der
Umgebung den Dichtring 1 gegen die Dichtfläche 6. Infolge dieser Andruckskraft setzt die
erforderliche Dichtwirkung ein. Zusätzlich oder alternativ kann im Dichtring 1 eine elastische
Rückstellkraft erzeugt werden, die die Andruckskraft erhöht.
Fig. 2 zeigt eine Aufsicht auf die gemäß Fig. 1 verwendete Rotorscheibe 4. Man erkennt acht radial
ausgerichtete Förderrippen 3 mit den Ausnehmungen 13. Es kann auch zweckmäßig sein, ähnlich
wie bei Pumpenschaufeln die hydraulische Wirkung der Förderrippen 3' auf der Rotorscheibe 4'
durch Schrägstellen zu verändern, (s. Fig. 3). Die Drehrichtung ist durch einen Pfeil angedeutet.
Fig.4 zeigt ein andere Ausführung der Stillstandsdichtung. Dabei ist hier der Dichtring 1' mit Hilfe
einer Schraubhülse 9 auf der Rotorscheibe 4 lösbar befestigt. Das bedeutet, dass der Dichtring 1' in
seinem radial inneren Bereich eingespannt ist. Der radial äußere Bereich wirkt mit der Dichtfläche 6'
zusammen, deren Innendurchmesser größer ist als der Durchmesser, an dem der Dichtring 1' an
der Rotorscheibe 4 befestigt ist. Um die Andruckskraft der Stillstandsdichtung einzustellen, dient ein
an der Gehäusewand 5 angebrachter Schiebering 12, der die Dichtfläche 6' aufweist und mittels
Verstelleinrichtung 11 axial verschiebbar ist. Diese Verstellung kann auch bei laufender Maschine
erfolgen.
Wie Fig. 5 im Detail zeigt, kann die radial nach außen gerichtete Fläche des Vorsprungs 13 mit
Vorteil zylindrisch sein, wodurch eine gute Sperrwirkung erreicht wird. Der Winkel α zur Innenseite
der Gehäusewand beträgt hier 90°.
Es ist auch ohne weiteres möglich, den Vorsprung 13 am radial inneren Teil der Gehäusewand 5
vorzusehen, wie die Fig. 6 zeigt. In diesem Falle können die Ausnehmungen 14 an den Förderrippen
3 bis zur Nabe der Rotorscheibe 4 reichen.
Welche Querschnittsform für den Vorsprung 13 sich am Ende als die günstigste erweist, kann leicht
durch einfache Versuche festgestellt werden. Als weitere Möglichkeiten sind hier in Fig. 7 ein sich
verjüngendes Trapez und in Fig. 8 sich verjüngendes Dreieck dargestellt.
Die gestellte Aufgabe kann auch durch eine in Fig. 9 gezeigte Ausführungsform gelöst werden.
Dabei ist die Gehäusewand 5 mit einer ringförmigen Vertiefung 18 versehen. Die Förderrippen 3'
weisen Vorsprünge 17 in axialer Richtung auf, die in die Vertiefung 18 so hineinragen, dass ein Spalt
von z.B. etwa 1 - 2 mm frei bleibt. Die Vorsprünge kämmen in der Vertiefung und verhindern so das
unerwünschte Vordringen von Stoffen in den Bereich der Stillstandsdichtung. Bei dieser
Ausführungsform der Erfindung ist es zweckmäßig, der radial weiter innen liegende Fläche der
Vertiefung 18 eine zylindrische Form zu geben, also den Winkel α' relativ zur radialen Ebene 19 mit
90° zu wählen. Die radial außen liegende Fläche der Vertiefung 18 sollte gegenüber der radialen
Ebene 19 einen Winkel β deutlich unter 90°, z.B. höchstens 60°, aufweisen, damit sich an dieser
Fläche keine Stoffe infolge von Zentrifugalkräften absetzen (s. Fig. 10).
Zu den Verwendungsmöglichkeiten sind bisher nur Beispiele genannt. Alternativen sind z.B.
Wellendurchführungen zwischen zwei innerhalb desselben Gehäuses liegenden Kammern, wie sie
z.B. bei mehrstufigen Pumpen vorkommen.