Die vorliegende Erfindung betrifft ein Gargerät gemäß Oberbegriff des Patentanspruchs 1
sowie eine Gargutauflage gemäß Oberbegriff des Patentanspruchs 9.
Herkömmliche Gargeräte weisen eine von außen zugängliche und mit Backgut
beschickbare Ofenmuffel auf, die üblicher Weise Wände aus Metallblech aufweist.
Während der Erwärmung der Offenmuffel auf Temperaturen von über 200° C dehnen sich
die Metallbleche der Ofenmuffelwände um eine gewisse Länge aus. Da die aneinander
grenzenden und mit der Rückwand üblicher Weise fest verbundenen Seitenwände kein
Spiel zum Ausgleich von Dehnungsbewegungen aufweisen, besteht bei einer zu starken
Wärmedehnung die Gefahr einer Verwölbung der Wände. Hierbei kann es auch zu einem
plötzlichen Auftreten von Verwerfungen bzw. zum Umschlagen einer Wölbung kommen,
was als unerwünschter "Plopp-Effekt" bekannt ist. Um diese Effekte zu vermeiden,
können die Wände mit einer größeren Wandstärke versehen werden, wodurch sie
insgesamt eine größere Formstabilität erhalten können. Größere Wandstärken der
Ofenmuffel können jedoch aus Gründen der Materialökonomie als auch aus
Gewichtsgründen unerwünscht sein. Ein weiterer Nachteil von dickeren Wänden ist die
erheblich längere Aufheizzeit der Ofenmuffel, bis diese ihre gewünschte Gartemperatur
erreicht hat.
Die gleichen Zusammenhänge gelten prinzipiell auch für Gargutauflagen, sogenannte
Backbleche. Auch hierbei kann es zu Wärmeverzügen und Dehnungen kommen, was zu
einem Springen des Blechs, dem sogenannten "Plopp-Effekt" führen kann. Dieser Effekt
kann ebenfalls dadurch vermieden werden, dass das Material der Gargutauflage
ausreichend dick ausgeführt wird. Nachteilig hierbei ist jedoch die längere Aufheizzeit
aufgrund der zu erhitzenden größeren Wandstärken der Gargutauflage.
Aus der DE 44 437 58 C2 ist ein Back- und Bratofen bekannt, bei dem eine Grundplatte
unterhalb einer isolierten Backmuffel angeordnet ist, die sich aus zwei Platten mit
mehreren Prägungen zusammen setzt. Die Platten sind übereinander angeordnet, wobei
sich die Prägungen der beiden Platten zumindest teilweise berühren. Die zweischichtige
Ausbildung der Grundplatte sowie die sich berührenden Prägungen sollen für eine hohe
Steifigkeit der Platte sorgen, wobei gleichzeitig geringe Blechstärken zum Einsatz
kommen können.
Gargutauflagen mit versteifenden Ausprägungen in unterschiedlicher Form sind
beispielsweise aus der JP 61 079 919 A und aus der JP 63 226 544 A bekannt.
Eine Gargutauflage mit einer strukturierten Oberfläche ist weiterhin aus der US 27 18 854
A bekannt. Diese strukturierte Oberfläche soll punktuelle Berührungen eines zu garenden
Garguts auf der Auflagenoberfläche und damit örtliche Überhitzungen des Garguts
verhindern.
Ein Verfahren zur Wölbstrukturierung dünner Wände und Folien ist aus der DE 44 37 986
A1 bekannt. Hierbei wird eine zu strukturierende Materialbahn über gekrümmte Linien
oder punktförmige Stützkonturen geführt und von außen mit einem Überdruck und/oder
von innen mit einem Unterdruck beaufschlagt. Zwischen der Materialbahn und den
Stützkonturen wird eine flexible Materialbahn geführt. Es können damit
mehrdimensionale, versetzte Wölbstrukturen, beispielsweise viereckige, sechseckige,
fünfeckige oder dreieckige Wölbungen erzeugt werden.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, ein Gargerät mit einer
Ofenmuffel zur Verfügung zu stellen, die in möglichst kurzer Zeit auf ihre
Betriebstemperatur bringbar ist, und die Wände mit möglichst großer Formstabilität
aufweist. Eine weitere Aufgabe der Erfindung besteht darin, eine Gargutauflage möglichst
geringen Gewichts zur Verfügung zu stellen, die im Betrieb jeder Zeit eine ausreichende
Formstabilität aufweist.
Diese Aufgabe wird mit dem Gegenstand der unabhängigen Patentansprüche erreicht.
Merkmale vorteilhafter Weiterbildungen ergeben sich aus den jeweiligen abhängigen
Ansprüchen.
Das erfindungsgemäße Gargerät, bei dem zumindest eine Wand einer Ofenmuffel eine
versteifender Wölbstrukturierung aufweist, bietet gegenüber bekannten Gargeräten den
Vorteil, dass die Wände der Ofenmuffel eine sehr geringe Materialstärke ausweisen
können und dabei eine hinreichende Stabilität besitzen. Eine möglichst geringe
Wandstärke ist aus Gründen der Wärmeleitfähigkeit im Interesse möglichst schnellen
Aufheizzeit beim Garbetrieb wünschenswert. Weiterhin soll die Materialstärke aus Kostenund
Gewichtsgründen möglichst gering sein. Da eine relativ geringe Wandstärke bei der
im Garbetrieb stattfindenden Materialdehnung der Ofenmuffelwände jedoch zu
Verwerfungen der Wände und damit zu unerwünschten Effekten führen kann
(sogenannter "Plopp-Effekt"), ist eine Mindestmaterialstärke bei glatten Oberflächen
unumgänglich. Die oftmals in die Wände von Ofenmuffeln eingebrachten Rippen oder
Vertiefungen können aus verschiedenen gestalterischen und funktionalen Gründen
unerwünscht sein. Hier bietet die erfindungsgemäße versteifende Wölbstrukturierung der
Wandflächen einen Ausweg, da eine relativ fein strukturierte Verwölbung bei geringer
Wandstärke zu ausreichender Formsteifigkeit der Wänden führt. Durch eine weitgehend
gleichmäßig über eine oder mehrere Wände der Ofenmuffel verteilte Wölbstrukturierung
kann diesen Wänden bei relativ geringer Materialstarke eine ausreichende Festigkeit
verliehen werden, um bei den im Garbetrieb auftretenden Wärmedehnungen die
unerwünschten Verwerfungen zu vermeiden.
Die gleichen Grundsätze treffen auch auf Gargutauflagen zu, welche sich bei einer zu
geringen Materialstärke aufgrund ihrer im Garbetrieb auftretenden Wärmedehnung
wölben und unter Umständen sogar in der Ofenmuffel verklemmen können, Auch hier
ermöglicht eine gleichmäßig verteilte Wölbstrukturierung die Verwendung geringer
Materialstärken unter Wahrung der notwendigen Formstabilität.
Die Wölbstrukturierung kann beispielsweise in Form von jeweils zu einer Oberflächenseite
eingeprägten Waben-, Kreis-, Oval- oder Vieleckmuster mit jeweils zur anderen
Oberflächenseite hin ausgewölbten Flächenabschnitten ausgebildet sein. Die in die Wand
eingeprägten Muster können jeweils eine Polygonkantenlänge bzw. einen Durchmesser
von ca. 5 mm bis 20 mm aufweisen. Die Flächenabschnitte können gegenüber den
ausgeprägten Strukturen um ca. 0,1 mm bis 3 mm erhaben sein.
Vorzugsweise weisen die Rückwand sowie die Seitenwände und die Ober- und Unterseite
der Ofenmuffel eine erfindungsgemäße Wölbstrukturierung auf. Vorzugsweise weist die
gesamte Gargutauflage eine derartige Wölbstrukturierung auf.
Die Wände der Ofenmuffel und/oder die Gargutauflage können aus beschichtetem
Metallblech mit eingebrachter Wölbstrukturierung bestehen, wobei hier vorzugsweise
emailliertes Stahlblech zum Einsatz kommen kann.
Ein besonderer Vorteil der gleichmäßig verteilten Wölbstrukturierung besteht darin, dass
damit auch problemlos Fügeflächen versehen sein können. Die Strukturierung behindert
bspw. ein Verschweißen der aneinander stoßenden Wände der Ofenmuffel in keiner
Weise. Ebenso kann auch der aufliegende Rand der Gargutauflage mit der
Wölbstrukturierung versehen sein, was dessen Funktion ebenfalls in keiner Weise
beeinflusst.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels unter
Bezugnahme der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Dabei zeigt:
- Figur 1
- eine schematische Perspektivdarstellung eines Gargeräts mit von außen
zugänglicher Ofenmuffel,
- Figur 2
- eine schematische Detailansicht der Ofenmuffel des Gargeräts,
- Figur 3
- eine Gargutauflage mit wölbstrukturierung,
- Figur 4
- einen Detailausschnitt der Wölbstrukturierung der Ofenmuffel bzw. der
Gargutauflage und
- Figur 5
- einen Detailschnitt einer mit der Wölbstrukturierung versehenen Wand bzw.
Gargutauflage.
Ein Gargerät 10 mit einer frontseitig über eine Frontklappe 12 o. dgl. zugänglichen und mit
Gargut beschickbaren Ofenmuffel 14 ist in schematischer Darstellung anhand der Figur 1
verdeutlicht. Die Seitenwände 141 und/oder die Rückwand 142 der Ofenmuffel 14
bestehen vorzugsweise aus dünnem Metallblech, insbesondere aus beschichtetem
Aluminium oder bspw. aus emailliertem Stahlblech. In die Blechoberflächen sind jeweils
zur Vermeidung einer Verwölbung bei einer Wärmedehnung der Ofenmuffel 14
Wölbstrukturierungen 16 in Form einer Polygonstruktur eingebracht, was anhand der
Detaildarstellung der Figur 2 verdeutlicht ist. Anstatt einer Polygonstruktur kann nahezu
eine beliebige Gestaltung vorgesehen sein, beispielsweise mit eingeprägten Kreisen,
Ovalen oder anderen Formen, bspw. Vielecken.
Eine weitere Möglichkeit zum Einsatz der wölbstrukturierten Bleche zeigt die Figur 3 in
Form einer Draufsicht auf eine Gargutauflage 18, ein sogenanntes Backblech. Auch
hierbei ist das gesamte Blech mit einer gleichmäßig verteilten Wölbstrukturierung 16
versehen, die bei geringen Wandstärke zu einer ausreichenden Formsteifigkeit führen
kann.
Figur 4 zeigt eine Detailansicht der Wölbstrukturierung 16, die im gezeigten
Ausführungsbeispiel aus eingeprägten Wabenstrukturen besteht, deren Kanten 161
jeweils eine zur anderen Oberflächenseite ausgewölbten Flächenabschnitt 162
einschließen.
Figur 5 zeigt eine schematische Schnittdarstellung einer Wand 141, 142 der Ofenmuffel
14 bzw. der Gargutauflage 18, die mit einer Wölbstrukturierung 16 versehen ist. Je nach
Materialstärke des Blechs können auch die Einprägungen unterschiedlich bemessen sein.
Die Abmessungen der einzelnen Einprägungen können beispielsweise 5 mm bis 25 mm
im Durchmesser und 0,1 mm bis 3 mm in der Höhe aufweisen. Als Durchmesser wird
hierbei der Abstand A zweier gegenüber liegender Kanten 161 bezeichnet, der je nach
Materialstärke zwischen ca. 5 mm und ca. 25 liegen kann. Als Höhe h der einzelnen
Einprägungen wird im vorliegenden Zusammenhang der Abstand zwischen einer Kante
und der höchsten Stelle eines benachbarten Flächenabschnitts 162 bezeichnet.
Die Wölbstrukturierung 16 gibt den damit versehenen Blechen jeweils eine Formstabilität,
welche die Verwendung relativ geringer Wandstärken ermöglicht, ohne dass
nennenswerte Wärmeverzugserscheinungen beim Erhitzen der Bleche auftreten.
Vorzugsweise wird die Wölbstrukturierung 16 jeweils in die Bleche eingebracht, bevor
diese beschichtet und miteinander gefügt und/oder anderweitig verformt werden. Wie
bereits anhand der schematischen Darstellungen verdeutlicht wurde, bleibt die
Wölbstrukturierung 16 dabei insgesamt so flach, dass die sonstigen Formen und
Funktionsflächen der damit versehenen Bleche nicht beeinträchtigt werden. So können
bspw. die seitlichen Auflageflächen der Gargutauflage 18 (vgl. Figur 3) ebenfalls mit einer
Wölbstrukturierung 16 versehen sein, ohne dass dies zu irgendwelchen Nachteilen bei
der Handhabung führt.
Bezugszeichenliste
- 10
- Gargerät
- 12
- Frontklappe
- 14
- Ofenmuffel
- 141
- Seitenwand
- 142
- Rückwand
- 16
- Wölbstrukturierung
- 161
- Kante
- 162
- Flächenabschnitt
- 18
- Gargutauflage
- A
- Abstand
- h
- Höhe