Wischblatt eines Scheibenwischers und Verfahren zu dessen Herstellung
Stand der Technik
Die Erfindung bezieht sich auf ein Wischblatt und ein Verfahren zu dessen Herstellung gemäß dem Oberbegriff der unabhängigen Ansprüche .
Aus der Praxis ist es bekannt, ein Wischblatt eines Scheibenwischers mit einer reibungsmindernden Beschichtung zu versehen, die den Reibungskoeffizienten eines das Wischblatt bildenden E- lastomers, wie Natur- oder Chloroprenkautschuk, bei einer Gleitreibung auf einer Scheibe aus Glas oder Kunststoff herabsetzt. Dies ist insbesondere von Bedeutung, wenn der Scheibenwischer bei trockener bzw. fast trockener Glasscheibe betätigt wird, beispielsweise um Insekten oder Staub von der Scheibe zu entfernen oder bei schwachem Nieselregen oder auch beim Einfahren in einen Tunnel oder eine Garage während eines Regenschauers . Der bei einer trockenen Scheibe erhöhte Reibungskoeffizient kann dann gegebenenfalls zu einem starken Quietschen, Rattern oder sogar zu einem Stillstand des Scheibenwischers führen.
Zur Herabsetzung des Reibungskoeffizienten bei Benutzung eines Wischblattes auf einer trockenen Scheibe wurden bisher verschiedenste Technologien vorgeschlagen. So ist es beispielsweise bekannt, ein aus Kautschuk bestehendes Wischblatt mit Halogenen zu behandeln. Beispielsweise wird der Kautschuk chloriert oder bro- miert, was zu einer Härtung der Oberfläche des Kautschuks führt und den Trockenreibwert μR des Naturkautschuks auf Glas stark herabsetzt. Im Anschluß daran werden die Wischblätter auf das gewünschte Maß zugeschnitten und mit einer Graphitsuspension nachbehandelt. Das Graphit verbleibt auf der Oberfläche und führt zu einer weiteren Herabsetzung des Trockenreibwerts μTR.
Jedoch ist bei einer derartigen Behandlung des Kautschuks eine exakte und daher aufwendige Prozeßführung erforderlich, da es ansonsten zu einer Beeinträchtigung des Kautschuks, d. h. des Wischblattmaterials, und damit der mit dem Wischblatt zu erreichenden Wischqualität kommen kann. Ferner ist eine derartige Behandlung aus Umweltschutzgründen problematisch.
Ein Verfahren der einleitend genannten Art ist aus der JP 10 007 903 bekannt. Bei diesem Verfahren wird ein Wischblatt eines Scheibenwischers mit einer Beschichtung versehen, die aus einem löslichen Polyamid, Zusatzstoffen sowie Trockenschmierstoffen, wie PTFE, Polyethylen, M0S2, Graphit oder Talkum, besteht.
Aus der JP 4 309 534 ist es bekannt, ein Wischblatt eines Scheibenwischers zur Herabsetzung des Reibwerts auf einer Glasscheibe mit einem methoxymethylierten Polyamid zu beschichten, und zwar vor dem Vulkanisieren der aus einem gummielastischen Material bestehenden Grundform des Wischblatts. Bei der Vulkanisation vernetzt das methoxymethylierte Polyamid und haftet damit auf
der Grundform. Gegebenenfalls sind der Beschichtung zur weiteren Herabsetzung des Reibwertes Trockenschmierstoffe zugesetzt.
Ferner ist aus der US 6,004,709 die Herstellung eines Allyloxymethylpolyamids bekannt, welches als Binder für eine photoleitende Schicht eingesetzt wird.
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines Wischblatts eines Scheibenwischers mit den Merkmalen nach dem Oberbegriff des Patentanspruches 1 sieht vor, daß die reibungsmindernde Beschichtung aus einer Polymerlösung hergestellt wird, die ein Ausgangspolymer enthält, das dadurch modifiziert ist, daß es ungesättigte Seitengruppen aufweist, die vernetzbar sind, wobei das modifizierte Ausgangspolymer nach dem Aufbringen auf die Grundform vernetzt wird.
Eine derart hergestellte Beschichtung, die mittels eines geeigneten Radikalstarters, wie AIBN 2 , 2 Λ -Azobis- (2-methyl- propionitril) , vernetzt werden kann, führt zu einem niedrigen Reibwert des Wischblattes insbesondere auf trockenen oder abtrocknenden Fahrzeugscheiben.
Dadurch ist die zur Bewegung eines das Wischblatt tragenden Wischerarms über die Fahrzeugscheibe erforderliche Kraft gering, so daß ein zum Antrieb des Wischerarms eingesetzter Elektromotor, der den Wischerarm direkt oder über ein Gestänge antreibt, im Vergleich zu einem Elektromotor, der bei einem nicht erfindungsgemäß beschichteten Wischblatt eingesetzt wird, klein ausgelegt werden kann, was wiederum zu einer Verringerung des Energieverbrauchs sowie der Kosten zur Herstellung des Motors führt.
Dies ist insbesondere bei sehr großen und flachen Scheiben von Vorteil, bei denen sehr lange Wischerarme und Wischblätter benötigt werden. Selbst bei derartigen Scheiben kann bei Einsatz eines nach dem Verfahren nach der Erfindung hergestellten Wischblattes der eingesetzte Elektromotor vergleichsweise klein ausgelegt werden.
Ferner sind aufgrund des niedrigen Reibwerts des Wischblatts die bei Betätigung des Scheibenwischers auf insbesondere trockenen oder abtrocknenden Scheiben auftretenden Geräusche gering. Dies erhöht den Komfort im Innenraum des betreffenden Kraftfahrzeuges.
Des weiteren kann durch Einsatz des Verfahrens nach der Erfindung ein Wischblatt hergestellt werden, das eine widerstandsfähige Beschichtung aufweist, so daß über einen längeren Zeitraum, beispielsweise einen den Inspektionsintervallen entsprechenden Zeitraum, eine gleichbleibend gute Wischqualität gewährleistet ist.
Beim Einsatz des Verfahrens nach der Erfindung kann eine Vernetzung der reibungsmindernden Beschichtung bei niedrigen Temperaturen, und zwar nach dem Vulkanisieren der Grundform aus gummi- elastischem Material erfolgen. Die Vernetzung kann beispielsweise thermisch bei einer Temperatur zwischen 80 °C und 120 °C oder auch durch Bestrahlung mit ultraviolettem Licht erfolgen. Insbesondere im letzteren Fall erfolgt die Vernetzung der Beschichtung innerhalb weniger Sekunden, was sich hinsichtlich der Herstellungszeiten für das Wischblatt und einer Inline-Fertigung von Wischblättern als positiv erweist.
Bei dem Ausgangspolymer kann es sich um ein in Alkohol lösliches Polyamid handeln. Insbesondere kann es sich um ein Polyamid des Typs -C0-(CH2) X-NH- , mit x = 3 bis 20, ein Polyamid des Typs -C0-
(CH2)x-CO-NH-(CH2)y-NH-, mit x, y = 3 bis 20, oder auch um Copoly- amide mit beliebigen organischen Resten zwischen den Amidfunkti- onen handeln.
Bei einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens nach der Erfindung werden die Seitengruppen derart angeordnet, daß ein Teil der Protonen an dem Stickstoffatom der Amidfunktion durch eine organische Gruppe der Struktur -CH2-0-R ersetzt ist, wobei R ein beliebiger organischer Rest mit mindestens einer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung ist .
Der organische Rest kann beispielsweise jeweils eine Vinyl- oder eine Allylgruppe sein. Es kann sich bei dem organischen Rest a- ber auch um eine andere geeignete Gruppe handeln, die sich in einem nachfolgenden Verfahrensschritt vernetzen läßt.
Die Seitengruppen können beispielsweise jeweils eine Allyl- oxymethylgruppe oder auch eine Acrylat- oder eine Methacry- latgruppe sein. Besonders vorteilhaft ist die Einführung einer Seitengruppe, die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen aufweist.
Grundsätzlich ist die Funktionalität des organischen Restes nicht auf die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung beschränkt. Vielmehr können die Seitengruppen jeweils auch weitere funktio- nelle Gruppen tragen.
Durch die Einführung der Seitengruppen werden die Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Polymerketten abgeschwächt, so daß durch die Modifizierung ein beispielsweise alkohollösliches Polyamid vorliegt, mit dem die Grundform beschichtet wird. Aus der alkohollöslichen Beschichtung entsteht beim Vernetzen ein ver- netztes, unlösliches Polymer. Wird Polyamid auf diese Weise ver-
netzt, so zeigt es gegenüber Glas einen niedrigen Reibwert und ist zugleich abriebbeständig.
Es erweist sich als zweckmäßig, daß zwischen 2 % und 100 % der Amidfunktionen des Polyamids mit der Seitengruppe substituiert werden.
Als Lösungsmittel für das modifizierte Ausgangspolyamid kann ein Alkohol, Wasser und/oder eine organische Säure eingesetzt werden. Es können jedoch auch andere geeignete organische Verbindungen und deren Mischungen als Lösungsmittel dienen.
Gegebenenfalls kann es hinsichtlich des resultierenden Reibwerts des Wischblatts vorteilhaft sein, einen Teil der Amidfunktionen des Ausgangspolymers zusätzlich mit einer organischen Gruppe zu substituieren, die zwischen 1 und 20 Kohlenstoffatome und mindestens 1 Fluoratom aufweist. Dazu eignen sich beispielsweise fluorierte Alkohole. Durch Einsatz geeigneter AusgangsVerbindungen werden damit poly- und perfluorierte Seitengruppen in das Polymer eingebracht, welche das Polymer in seinen Eigenschaften vorteilhaft beeinflussen. Fluorierte Oberflächen sind in der Regel antiadhäsiv und wasserabweisend und weisen einen niedrigen Reibwert auf Glas auf .
Des weiteren können der Polymerlösung zur weiteren Reibwertherabsetzung Gleitpartikel zugegeben werden, deren Teilchengröße 0,01 bis 50 μm, bevorzugt weniger als 10 μ , beträgt. Geeignete Gleitpartikel bestehen beispielsweise aus Teflon, Polyethylen, Polyethylen UHMW, Polyamid und/oder Siliciumdioxid.
Der Polymerlösung können auch Monomere mit mindestens zwei Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen zugegeben werden, welche die Vernetzung der Polymerketten modifizieren.
Der Polymerlösung können aber auch Verbindungen mit ein oder zwei Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen zugegeben werden, welche bei der Vernetzung mit den ungesättigten Seitengruppen des Polymers vernetzen und mindestens ein Fluoratom und/oder mindestens ein Siliziumatom aufweisen.
Die Erfindung hat auch ein Wischblatt eines Scheibenwischers zum Gegenstand, das eine Grundform aus einem gummielastischen Material aufweist, die zumindest bereichsweise mit einer reibungs- mindernden Beschichtung versehen ist. Die reibungsmindernde Beschichtung ist aus einem modifizierten Polymer gebildet, das ungesättigte Seitengruppen aufweist, die vernetzbar sind.
Ein derartiges Wischblatt hat einen niedrigen Trockenreibwert auf Glas und ist kostengünstig sowie materialschonend herstellbar.
Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausgestaltungen des Gegenstandes nach der Erfindung sind der Beschreibung, der Zeichnung und den Patentansprüchen entnehmbar.
Zeichnung
Ein Ausführungsbeispiel eines Wischblattes nach der Erfindung ist in der Zeichnung schematisch vereinfacht dargestellt und wird in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert . Die einzige Figur zeigt einen Querschnitt durch ein Wischblatt eines Scheibenwischers .
Beschreibung des Ausführungsbeispiels
In der Zeichnung ist ein Wischblatt 10 dargestellt, das gute Gleiteigenschaften auf Glas hat und eine eine Wischkante 11 aufweisende Wischlippe 12 aus Gummimaterial, ein hier nur teilweise dargestelltes Kopfteil 13 aus Gummimaterial und einen sogenannten Umlegesteg 14 aus Gummimaterial umfaßt, der zwischen dem Kopfteil 13 und der Wischlippe 12 angeordnet ist.
Die Wischlippe 12, das Kopfteil 13 und der Umlegesteg 14 sind mit einer Beschichtung 15 versehen, die zur Herabsetzung des Trockenreibwerts des Wischblattes 10 dient und die der Anschaulichkeit halber im Vergleich zu der Wischlippe 12, dem Kopfteil 13 und dem Umlegesteg 14 vergrößert dargestellt ist. Die Beschichtung 15 besteht vorzugsweise aus einem vernetzten Allylo- xymethylpolyamid.
Die Herstellung des in der Figur dargestellten Wischblattes 10 erfolgt in nachfolgend beschriebener Weise.
Zur Herstellung des Wischblattes 10 wird zunächst nach einem Extrusionsverfahren aus einem Elastomer-Ausgangsmaterial, wie Naturkautschuk, Chloroprenkautschuk, Silikonkautschuk oder Polyurethankautschuk, eine Grundform bzw. ein Grundkörper hergestellt, der die Wischlippe 12, den Umlegesteg 14 und das Kopfteil 13 umfaßt. Dieser Grundkörper wird vulkanisiert und dann einem Waschprozeß unterzogen.
Im Anschluß daran wird der Grundkörper mit einer Polymerlösung beschichtet, die ein modifiziertes Polyamid in Form von Allylo- xymethylpolyamid umfaßt, das an einem Teil der Amidfunktionen ungesättigte Seitengruppen aufweist, die vernetzbar sind.
Das Wischblatt bzw. das Wischgummiprofil wird dann in einem Tauch-, Sprüh- oder Bürstverfahren mit der Polymerlösung beschichtet und für eine Zeitdauer von 5 Minuten einer Temperatur
von 120 °C ausgesetzt, so daß das Lösungsmittel verdampft und die Beschichtung auf thermischem Wege zu einem elastischen, in Lösungsmitteln unlöslichen Polymerfilm vernetzt. Der Polymerfilm haftet gut auf der aus dem Elastomer bestehenden Grundkörper.
Das Trocknen des aufgetragenen PolymerSystems erfolgt in einem Umluftofen, durch Infrarot-Strahlung oder durch Einwirkung von Mikrowellen. Das Vernetzen des PolymerSystems kann thermisch beim Trocknen oder auch durch UV-Licht, Licht, Infrarot-Strahlen oder eine andere geeignete elektromagnetische Strahlung erfolgen.
Nach der Vernetzung kann der Wischgummi auf das gewünschte Maß geschnitten werden.
Das bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel verwendete Allyloxymethylpolyamid zeichnet sich durch seine gute Vernetzbarkeit aus und läßt sich unter für das Gummimaterial des Wischblattes schonenden Bedingungen auf den Grundkörper aufbringen und vernetzen, während bei bisher für Wischblättern eingesetzten Polyamiden sehr hohe Temperaturen zur Vernetzung benötigt werden, so daß die Polyamide vor der Vulkanisation auf den Grundkörper aufgebracht werden müssen, was einen erheblichen fertigungstechnischen Aufwand erfordert.
Das im vorliegenden Fall eingesetzte Allyloxymethylpolyamid läßt sich beispielsweise in nachfolgend beschriebener Weise herstellen.
Zunächst werden 6 g Polyamid 6.6 bei 60 °C in 90 %-iger Ameisensäure unter Rühren gelöst. Gleichzeitig werden 6 g Paraformalde- hyd in 11,6 g Allylalkohol mit ca. 0,1 g festem Kaliumhydroxid unter Erwärmen gelöst, bis eine klare Lösung vorliegt.
Die klare und warme Lösung wird zum gelösten Polyamid gegeben. Dies erfolgt bei einer Temperatur von etwa 60 °C. Die Temperatur sollte hierbei 65 °C nicht übersteigen. Die Zugabe erfolgt zunächst langsam, dann etwas schneller, so daß die Gesamtmenge der Lösung vorliegend nach etwa 4 Minuten dem gelösten Polyamid zugegeben ist.
Vorzugsweise 11 Minuten nach Beginn der Zugabe werden weitere 11,6 g Allylalkohol zugegeben. Das Gemisch wird dann für eine Dauer von 40 Minuten bei einer Temperatur von 60 °C gerührt. Die so entstandene Lösung wird anschließend einem Gemisch aus Aceton und Wasser, das Aceton und Wasser im Verhältnis 1:1 enthält, zugegeben und unter Rühren langsam mit Ammoniak NH3 neutralisiert. Das Polyamid, das nun modifiziert vorliegt, fällt hierbei aus und wird dann abfiltriert und getrocknet.
Das getrocknete Polyamid wird unter Einfluß von Wärme in Ethanol gelöst und dann abgekühlt. Der abgekühlten Lösung werden dann etwa 5 Massen-% eines Radikalstarters, beispielsweise Azoisobu- tyronitril AIBN, zugegeben.
Ein mit dieser Lösung beschichtetes Wischgummiprofil hat nach dem Trocknen und Vernetzen einen Trockenreibwert auf Glas von etwa 1,0 bis 1,2, ist abriebbeständig und weist eine für Wischblätter hinreichende chemische Beständigkeit auf.