Verfahren zur Beschleunigung biokatalytischer und/oder hor oneller Prozesse und dessen Verwendung
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Beschleunigung biokatalytischer und/oder hormoneller Prozesse in Stoffen, beispielsweise wäßrigen Medien. Das Verfahren beruht darauf, daß das in dem Stoff enthaltene Wasser mit Singulett-Sauerstoff aktiviert wird oder zunächst Wasser mit Singulett-Sauerstoff aktiviert wird und in einem weiteren Schritt der
Stoff mit diesem aktivierten Wasser behandelt wird. Eine beispielhafte Verwendung dieses Verfahren sind biokatalytische und/oder hormoneile Prozessen in Böden.
Aus der DE 198 55 881 ist ein Verfahren zur Aktivierung von Wasser bekannt. Dieses Verfahren basiert auf der Anregung von z.B. Luftsauerstoff vom Triplett- in den Singulett-Zustand. Die auf diese Weise im Sauer- stoff gespeicherte Energie kann in einem weiteren
Schritt, z.B. indem der Sauerstoff in das Wasser eingeleitet wird, auf die Wassermoleküle übertragen werden (Quenching) . Wie aus der PCT/EP99/09488 bekannt ist, kommt es bei dieser Energieübertragung zu einer Veränderung der Struktur der Wasserstoffbrückenbindungen, was anhand von Infrarotspektren an charakteristischen Bandenverschiebungen gezeigt werden konnte. Eine Verwendung von aktiviertem Wasser (im folgenden als "AquaNovalis" bezeichnet) in biokatalyti- sehen Prozeßkreisläufen ist dagegen bis jetzt noch nicht bekannt.
Die vorliegende Erfindung stellt sich daher die Aufgabe, nun ein Verfahren bereitzustellen, mit dem die gezielte Beschleunigung biokatalytischer und/oder hormoneller Prozesse ermöglicht und in einfach zu praktizierender Weise umzusetzen ist.
Diese Aufgabe wird durch das gattungsgemäße Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Die Unteransprüche 2 bis 17 zeigen vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens auf. Die Verwendungen des Verfahrens werden in den Ansprüchen 18 bis 39 gegeben.
Das erfindungsgemäße Verfahren beruht darauf, daß eine Aktivierung des in einem wäßrigen Medium enthaltenen Wassers mit Hilfe von Singulett-Sauerstoff durchgeführt wird. So kann das Wasser in dem Medium unmit- telbar behandelt werden, so daß die biokatalytischen oder hormoneilen Prozesse in dem Medium beschleunigt werden. Zum anderen kann auch Wasser oder ein wäßriges Medium behandelt und anschließend zu dem Stoff bzw. Material zugegeben werden, in dem die biokataly- tischen bzw. hormoneilen Prozesse beschleunigt werden sollen. Das so aktivierte Wasser wird im folgenden
auch als "AquaNovalis" bezeichnet.
Der Singulett-Sauerstoff kann dabei in einem gasförmigen, sauerstoffhaltigen Medium photochemisch er- zeugt werden und für die anschließende Aktivierung in das wäßrige Medium eingeleitet werden. Auch eine Erzeugung unmittelbar in einem sauerstoffhaltigen, wäßrigen Medium ist möglich. Bevorzugt wird ein Photo- sensibilisator in das gasförmige, sauerstoffhaltige Medium eingebracht, um eine sich anschließende Erzeugung von Singulett-Sauerstoff durch Bestrahlung auf photochemischem Weg zu ermöglichen. Dieser Photosen- sibilisator ist bevorzugt ausgewählt aus wasserunlöslichen Porphyrinen, Phthalocyaninen, Chlorinen, Te- traphenylporphyrinen, Benzoporphyrin-Derivaten, Purpurinen, Pheophorbiden und deren Metallkomplexen. Besonders bevorzugt ist die Verwendung von Kupfer (II)- Phthalocyanin, Rose Bengal und 5-Aminolävulinsäure als Photosensibilisator .
Die Bestrahlung zum Starten der photochemischen Reaktion kann dabei entweder durch künstliche Lichtquellen und/oder Sonneneinstrahlung durchgeführt werden.
Bevorzugt kann die Aktivierung des Wassers diskontinuierlich in einstellbaren Zeitintervallen erfolgen. Ebenso ist es möglich, daß die Aktivierung des Wassers gleichzeitig mit den biokatalytischen und/oder hormoneilen Prozessen erfolgt. Vorzugsweise werden die Biokatalysatoren und/oder Hormone vor der Umsetzung mit dem Material mit AquaNovalis vorbehandelt. Die Dosierung des AquaNovalis hängt dabei von den jeweiligen biokatalytischen und/oder hormoneilen Prozessen ab.
Das Verfahren zur Beschleunigung biokatalytischer
und/oder hormoneller Prozesse kann auch in Böden durchgeführt. Hierbei sind vor allem Böden mit einem Tongehalt über 15 Masse-% bevorzugt. Dabei kann das Verfahren zur Einstellung des Redoxpotentials in Bö- den über das Verhältnis zwischen unbehandeltem und aktiviertem Wasser (AquaNovalis) genutzt werden. Durch Zugabe von AquaNovalis kommt es dabei zu einer Erhöhung des Redoxpotentials.
Ebenso ist eine beschleunigte Nitrifikation bei Verwendung des AquaNovalis in Böden zu beobachten. Die Verwendung des Verfahrens zur Anregung biokatalytischer und/oder hormoneller Prozesse kann sich ebenso auf exogene wie endogene Enzyme enthaltende Materia- lien erstrecken. So wird beispielsweise die Glukosi- dase-, Laccase-, DMSO-Reduktase- und Dehydrogenase- Aktivität angeregt.
Weitere Verwendungsfeider des vorliegenden Verfahrens sind z.B. der Abbau von Kohlenwasserstoffen, die Abfallbehandlung, die Altlastensanierung, die Verwendung in Lebensmitteln sowie die Rohstoffgewinnung durch biokatalytische Prozesse, sowie generell alle biokatalytischen/hormonellen Prozesse, die in wäßri- gen Medien ablaufen.
Anhand der folgenden Beispiele und Figuren soll das Verfahren näher erläutert werden, um weitere vorteilhafte Weiterbildungen aufzuzeigen, ohne das Verfahren dadurch einzuschränken.
Beispiel 1
Oxidations- und Reduktionsreaktionen im Boden bestimmen maßgeblich die Verfügbarkeit von Nährstoffen für
Pflanzen.
Von großer Bedeutung für die Intensität der Reduktionsprozesse ist der Gehalt des Bodens an organischer Substanz. Eine Überstauung des Bodens führt zum Absinken des Redoxpotentials. Stellt man dem überstauten Boden wieder Sauerstoff zur Verfügung (wie in unserem Versuch geschehen) laufen die oben genannten Prozesse rückwärts ab. Durch den Anstieg des Redoxpo- tentials laufen nun Oxidationsprozesse ab.
Zur Durchführung des Versuches wurde Löß-Schwarzerde vom Standort Bad Lauchstädt verwendet. Die Proben stammen aus dem rAxp-Horizont (0-30 cm) einer Ver- suchsfläche, die jährlich mit 100 dt Stallmist gedüngt wird. Die Bodenart wurde als stark toniger Schluff beschrieben. Demnach setzt sich die Körnung dieses Horizontes aus ca. 21 % Ton, ca. 68 % Schluff und ca. 11 % Sand zusammen. Der Gesamt-Kohlenstoff- gehalt (Ct) des Bodens betrug 3,04 %, der Gesamt-
Stickstoffgehalt 0,26 % . Der pH-Wert (CaCl2) beträgt 6,2.
Es wurden 200g Boden in biogeochemischen Mikrokosmen in 2 1 destilliertem Wasser gelöst und während der gesamten Versuchsdauer gerührt. Die Untersuchungen wurden unter Laborbedingungen in biogeochemische Mikrokosmen durchgeführt, da diese über geregelte Gasphasen-, pH-, Temperatur- und Eh-Bedingungen verfügen und eine Einstellung quasi natürlicher Feldbedingungen dieser Parameter erlauben. Das Redoxpotential dieser Bodensuspension konnte durch Zugabe von Sauerstoff bzw. Stickstoff reguliert werden. Vor Versuchsbeginn wurde mit Hilfe von Stickstoff (N2) ein Redox- potential von 0 mV eingestellt.
Nach der Einregulierung des Redoxpotentials wurden jeweils zwei der vier Mikrokosmen kontinuierlich mit AquaNovalis befeuchtete Luft bzw. mit deionisiertem Wasserdampf befeuchtete Luft zugeführt.
Die Probenahme erfolgte einmal täglich über einen Zeitraum von zwei Wochen. Aus jedem Mikrokosmos wurden dabei je 30 ml Bodensuspension entnommen, zentri- fugiert und filtriert. Die Bodenlösungen wurden an- schließend am EPOS-Analyzer spektralphotometrisch auf ihren Gehalt an NH4 +,N03 ~ und N02 " untersucht. Das Redoxpotential sowie die Temperatur und der pH-Wert wurden alle 15 min online gemessen.
a) Redoxpotential
In den ersten Tagen nach Versuchsbeginn konnte ein relativ schneller Anstieg des Redoxpotentials beobachtet werden.
Das Redoxpotential in den Mikrokosmen, denen mit deionisiertem Wasser befeuchtete synthetische Luft zugefügt wurde, stieg in den ersten neun Tagen kontinuierlich an und erreichte bei ca. 550 mV einen Gleichgewichtszustand.
In der Variante, bei der AquaNovalis verwendet wurde, stieg das Redoxpotential deutlich schneller auf höhere Eh-Werte um 600 mV an (Fig.l) .
Der Versuch zeigt, daß durch AquaNovalis ein höheres Redoxpotential bei Anwesenheit von Mikroorganismen bzw. deren Biokatalysatoren erreichbar ist. Hierdurch können biologische Umsetzungen beschleunigt werden.
b) Nitrifikation
Die Konzentration an Ammonium nimmt während der Versuchsdauer stark ab. Die Variante mit AquaNovalis sinkt schneller ab als die andere Variante (Fig.2).
Die Nitritkonzentration steigt bei beiden Varianten in den ersten Tagen nach Versuchsbeginn an, sinkt aber nach vier bzw. fünf Tagen und erreicht gegen Null tendierende Konzentrationen (Fig.3). Die AquaNo- valis-Variante zeigt in den ersten Tagen mehr als doppelt so hohe Konzentrationen wie die anderen beiden Varianten, weist dann aber ab dem vierten Tag einen wesentlich schnelleren Konzentrationsabfall auf.
Die Nitratkonzentration stieg während der gesamten Versuchsdauer in allen Varianten an. Die mit AquaNovalis belüftete Variante wies zu Versuchsbeginn die schnellste Konzentrationszunahme auf, zeigte aber ge- gen Ende des Versuches Konzentrationen, die unterhalb der Nitratgehalte der anderen Variante liegt (Fig.4).
Die Ammonium-, Nitrit- und Nitratkonzentrationsunterschiede zwischen mit AquaNovalis und normalen Wasser- dampf durchlüftenden Mikrokosmen belegen die Beschleunigung der Nitrifikation durch AquaNovalis.
Beispiel 2
Die beta-Glykosidase stellt ein exogenes Enzym dar, welches dem Kohlenstoffkreislauf angehört und Kohlenhydrate mit beta-D-glukosidischer Bindung hydroli- siert, in dem es die terminale beta-D-Glukose abspal- tet. So wird mit Hilfe der beta-Glukosidase die Cel- lulose über die Cellobiose bis hin zur Glukose zer-
legt.
In jeweils 300 ml AquaNovalis bzw. deionisiertem Wasser wurden jeweils 3 mg beta Glukosidase gelöst. Im Teilversuch 1 (Fig. 5) wurden unmittelbar nach Zugabe des Enzyms sowie nach 3 h und 6 h Proben genommen und die beta-Glukosidaseaktivität nach HOFFMANN und DEDE- KEN (1965) bestimmt. Im Teilversuch 2 (Fig. 6) wurden neben der beta-Glukosidase (Enzym, 3 mg/300 ml) noch 1,5 g Salicin als zuzügliche Energiequelle zugegeben und die beta-Glukosidaseaktivität unmittelbar nach Zugabe von Salicin und Enzym, nach 3 h und nach 6 h vermessen.
Unmittelbar nach der Aktivierung erfolgte die Zugabe des Enzyms (3 mg/300 ml) . Nach 3 Tagen erfolgte die Zugabe des Salicins. Unmittelbar danach und 3 h und 6 h nach Salicinzugabe erfolgte die beta- Glukosidasebestimmung.
Sämtliche Versuche wurden in jeweils 8 Wiederholungen durchgeführt.
In Fig. 5 bleibt der Verlauf der Enzymaktivität in der Referenz (deionisiertes Wasser) während des Versuchsverlaufes mit 748 μg Saligenin/ml/3 h am Versuchsbeginn und 714 bzw. 774 nach 3 bzw. 6 h relativ konstant (leichte Zunahme um 3 %) .
In der Variante AquaNovalis kam es zu einer anfänglichen starken Erhöhung der Enzymaktivität auf 882 μg Saligenin/ml/3 h, was einer Erhöhung um 18 % im Vergleich zum deionisierten Wasser entspricht. Aufgrund einer fehlenden Energiequelle sinkt die beta- Glukosidaseaktivität dann im Versuchsverlauf auf 699 bzw. 634 μg Saligenin/ml/3 h ab. Im gesamten Ver-
suchsverlauf kommt das einer Abnahme um 28 % gleich.
In Fig. 6 nimmt bei der Referenz (deionisiertes Wasser) die Enzymaktivität während des Versuchsverlaufes von 376 μg Saligenin/ml/3 h auf 236 bzw. 183 μg Sali- genin/ml/3 h ab. Dies entspricht einer Gesamtabnahme von 51 %.
Die Variante AquaNovalis zeigte während des Versuchs- Verlaufes eine starke Erhöhung der Enzymaktivität (126 % bei 0 h, 216 % nach 3 h, 295 % nach 6 h) im Vergleich zur Referenz. Im Versuchsverlauf kam es zu einer im Vergleich zur Variante AquaNovalis deutlich langsameren Kinetik der Abnahme der Enzymaktivität (851 μg Saligenin/ml/3 h nach 0 h, 747 μg Salige- nin/ml/3 h nach 3 h, 723 μg Saligenin/ml/3 h nach 6 h) . Die Abnahme während des Versuchsverlaufes betrug 15 %.
Der Verlauf der Referenz in Fig. 7 mit deionisiertem Wasser ist identisch zur Fig.6. Auch 3 Tage nach Herstellung zeigte AquaNovalis noch eine im Vergleich zum deionisiertem Wasser deutlich erhöhte Enzymaktivität (793 μg Saligenin/ml/3 h, 110 % höhere Aktivi- tat als deionisiertes Wasser) , die dann allerdings nach 3 h und 6 h deutlich abnahm (530 μg Sali- genin/ml/3 h nach 3 h und 362 μg Saligenin/ml/3h nach 6h) aber immer noch deutlich höher als die Variante deionisiertes Wasser (114 % nach 3 h, 97 % nach 6 h) lag. Die Gesamtabnahme der Enzymaktivität bei AquaNovalis betrug 54 % während des Versuchsverlaufes.
Im Vergleich zur Originalbodenprobe zeigten alle Schlammvarianten einen deutlichen Rückgang der mikro- biellen Biomasse. Von den Schlämmen zeigte die mit Luftsauerstoff behandelte und die nicht befeuchtete
Variante ein gleiches Verhalten. In der mit befeuchtetem Singulettsauerstoff behandelten Variante wurde ein leichter aber nicht signifikanter Rückgang der mikrobiellen Biomasse verzeichnet (zu geringe Stich- probenzahl für gesicherte Aussage) .
Im Vergleich zur Originalbodenprobe zeigten alle Schlammvarianten einen deutlichen Anstieg der beta-Glukosidaseaktivität. Im Vergleich zur mit Luft- Sauerstoff behandelten Variante zeigte auch hier die mit nicht befeuchtetem Singulettsauerstoff behandelte Variante einen leichten (nicht signifikanten) Anstieg der beta-Glukosidaseaktivität. Deutlich ist dieser Effekt in der Variante mit befeuchtetem Singulettsau- erstoff zu beobachten. Hier kommt es zu einer Erhöhung der beta-Glukosidaseaktivität um 40 % im Vergleich zum Originalboden bzw. 17 % im Vergleich zur mit Luftsauerstoff behandelten Variante (der eigentlichen Null) .
Beispiel 3
An den Schlämmen der Mikrokosmen wurden die Enzymaktivität von Zellulosezersetzern (beta-Glukosidase) und die mikrobielle Biomasse (DMSO-Reduktase) bestimmt (s. Fig. 8). Im Vergleich zur Originalbodenprobe zeigten alle Schlammvarianten einen deutlichen Rückgang der mikrobiellen Biomasse. Von den Schlämmen zeigte die mit Luftsauerstoff behandelte und die nicht befeuchtete Variante ein gleiches Verhalten. In der mit befeuchtetem Singulettsauerstoff behandelten Variante wurde ein leichter aber nicht signifikanter Rückgang der mikrobiellen Biomasse verzeichnet.
Fig. 9 zeigt den Verlauf der beta-Glukosidaseaktivität in Abhängigkeit von der zugegebenen Sauer-
stoffart gemessen in Schlamm im Vergleich zur unbe- handelten Bodenprobe. Im Vergleich zur Originalbodenprobe zeigten alle Schlammvarianten einen deutlichen Anstieg der beta-Glukosidaseaktivität. Im Vergleich zur mit Luftsauerstoff behandelten Variante zeigte auch hier die mit nicht befeuchtetem Singulettsauer- stoff behandelte Variante einen leichten (nicht signifikanten) Anstieg der beta-Glukosidaseaktivität. Deutlich ist dieser Effekt in der Variante mit be- feuchtetem Singulettsauerstoff zu beobachten. Hier kommt es zu einer Erhöhung der beta- Glukosidaseaktivität um 40% im Vergleich zum Originalboden bzw. 17% im Vergleich zur mit Luftsauerstoff behandleten Variante (der eigentlichen Null) .