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Verfahren zur Herstellung von Erzeugnissen der Möbel- und Bautischlerei
Der für gewisse Bauteile, insbesondere Möbelstücke, seit langem verwandte Werkstoff
Holz hat in seiner Anwendung neben Vorteilen auch Nachteile, die hauptsächlich in
der verhältnismäßig geringen Oberflächenhärte und in dem ungleichmäßigen Arbeiten
des Holzes in verschiedenen Richtungen bei Feuchtigkeitswechsel begründet sind.
Andere, aus Holzfurnieren oder zerkleinerten pflanzlichen Materialien, insbesondere
Holzfasern, hergestellte Platten, wie z. B. Sperrholz oder Preßplatten, genügen
zwar hinsichtlich der Stehfestigkeit den zu stellenden Anforderungen, haben jedoch
den gemeinsamen Nachteil, daß sie eine verhältnismäßig geringe Oberflächenhärte
besitzen. Es ist zwar möglich, durch Anwendung geeiLyneter Bindemittel, wie z. B.
härtbarer Kunstharze und hoher Drucke, Preßplatten zu erhalten, die eine weit größere
Oberflächenhärte als natürliches Holz aufweisen und sich daher, z. B. als Tischplatten,
sehr gut eignen würden, jedoch sind die unter hohem Druck gepreßten Platten nicht
stehfest, d. h., sie verwerfen sich beim Lagern. Dabei entwickeln diese Platten
Verzugskräfte, die mit der Dicke und der räumlichen Ausdehnung der Platten wachsen
und im Laufe der Zeit so stark werden können, daß die Befestigungsmittel zwischen
der Platte und den anderen Teilen des Werkstückes den Verzugskräften nicht mehr
gewachsen sind und die Verbindung reißt.
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Gemäß der Erfindung erhält man nun Erzeugnisse der Möbel- und Bautischlerei,
die den in der Einleitung gestellten Anforderungen vollauf
genügen,
indem man auf einem verwindungssteifen Rahmen, dessen Größe sich zweckmäßigerweise
innerhalb der bei Erzeugnissen der Möbel- und Bautischlerei üblichen Abmessungen
hält, unter hohem Druck aus zerkleinertem Holz und härtbaren Kunstharzen gepreßte
Plätten mit einem spezifischen Gewicht über o,9 und einer Dicke von 6 bis ro mm
befestigt, die in randbegrenzten Formen gepreßt und gegebenenfalls nach dem Pressen
einer Klimatisierung unterworfen wurden. Bei derartigen Platten bleiben die eventuell
auftretenden Verzugskräfte kleiner als die Befestigungskräfte und werden von dem
verwindungssteifen Rahmen aufgenommen. Die Dicke der Platten kann in besonderen
Fällen auch von den oben angegebenen Werten abweichen.
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Die Herstellung der hier zu verwendenden Platten wird in an sich bekannter
Weise vorgenommen. Als Rohstoff dient zerkleinertes Holz, wie z. B.- Säge-oder Hobelspäne,
Holzschnitzel, Holzfasern oder Fasern beliebiger verholzter Pflanzen usw. Diese
werden mit härtbarem Kunstharz vermischt bzw. mit Kunstharzlösung getränkt. Die
mit Kunstharz vermischten und zum Verpressen fertigen Späne werden in einer bestimmten
Menge in eine randbegrenzte Preßform mit den Ausmaßen des Tischblattes möglichst
gleichmäßig über die ganze Fläche verteilt eingebracht. Die Menge muß so abgewogen
sein, daß die Platte nach dem Verpressen die gewünschte Stärke, beispielsweise 8
mm; erreicht. In der Form wird das Gemisch von Spänen und Bindemittel unter Druck
und Wärme gesetzt und das Bindemittel zum Aushärten gebracht. Die anzuwendenden
Temperaturen und Drücke liegen in den Bereichen von r2o bis 16o° C und 8o bis 25o
kg/cm2. Allerdings kann man bei Verwendung kalthärtender Kunstharze oder geeigneter
Härtebeschleuniger auch bei niedrigeren Temperaturen arbeiten. Es empfiehlt sich,
die fertigen Platten langsam abkühlen zu lassen, was z. B. durch unmittelbares Aufeinanderlegen
der aus der Presse kommenden Platten geschehen kann. Dadurch wird das Auftreten
von Spannungen verhindert. Weiterhin empfiehlt es sich, die Platten vor der Verwendung
auf das Feuchtegleichgewicht zu bringen, was z. B. durch Aufeinanderlegen der mit
Wasser befeuchteten Platten möglich ist. Die fertigen Platten werden, sofern man
sie nicht sofort in der gewünschten Größe gepreßt hat, geschnitten und verarbeitet.
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Die so hergestellten Holzspanplatten von einem spezifischen Gewicht
über o,9 und einer Dicke von 6 bis ro mm entwickeln bei ausreichender Festigkeit
gegen mechanische Verformung durch Druck oder Zug gar keine oder doch so geringe
Verzugskräfte, daß ein Losreißen von dem verwindungssteifen Rahmen auch bei normaler
Befestigung, wie z. B. Aufleimen oder Anschrauben, und unter normaler Beanspruchung
nicht zu befürchten ist. Die Art der Befestigung der Platten auf dem Rahmen richtet
sich 'nach dem Werkstoff dieses Rahmens. Bei Holzrahmen kann man nach allen in der
Holzverarbeitung üblichen Methoden arbeiten; besteht der, Rahmen aus Metall, Wie
das bei Bänken z. B. in .Eisenbahnabteilen der Fall sein kann, so ist die-Befestigung
den vorliegenden Verhältnissen anzupassen und kann z. B. durch Verschrauben erfolgen.
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Zur Herstellung eines einfachen Tisches kann die Platte auf das übliche
Tischgestell, bestehend aus vier Füßen und vier Zargen, aufgeleimt werden. Die Randpartien,
insbesondere die Kanten der so hergestellten Platte, weisen bei randbegrenzt gepreßten
Platten die gleiche Härte auf, wie die. inneren Bereiche. Als Führung für einen
Schubkasten können noch starke Verbindungsleisten zwischen den Längszargen angebracht
werden. Um *ein besseres Aussehen zu erreichen, kann die Kante der Platte durch
einen Unterleimer verstärkt und einen Umleimer eingefaßt werden. Die Platten dieser
Tische sind so fest, daß sie das Betreten durch eine Person aushalten. Dadurch erübrigen
sich feste Unterlagen, wodurch Materialeinsparung, Vereinfachung des Herstellungsprozesses
und damit Verbilligung des Fertigerzeugnisses erzielt wird. Insbesondere bei Linoleumtischen
hat sich die Holzspanplatte als selbsttragende Unterlage bewährt..
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In gleichem Maße hat sich die Verwendung der gemäß der Erfindung hergestellten
Platten als Stuhlsitze oder Rückenlehnen bewährt.
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Außer den. guten mechanischen Eigenschaften besitzen die aus den Preßplatten
hergestellten Erzeugnisse deren sonstige Vorteile, wie z. B. ausgezeichnete Oberflächenfestigkeit
und Härte. Sie sind nicht kratz- und druckempfindlich. Diese Oberflächeneigenschaften
lassen sich je nach Art der verwandten Holzspäne und Bindemittel weitgehend variieren.
So ist es möglich, nach Belieben harte, elastische oder lackartige Oberflächen zu
verhalten. Durch Auswahl geeigneter Holzsorten und Spanformen kann man den Oberflächen
ein auch in ästhetischer Hinsicht befriedigendes Aussehen geben. Schließlich kann
man zur Herstellung der Erzeugnisse nach der Erfindung Preßplatten mit beliebigen
aufgeleimten Furnieren verwenden. Dadurch büßt zwar das Bauteil die günstigen Oberflächeneigenschaften
der Preßplatte ein, aber es ist auf diese Weise möglich, nach dem beschriebenen
einfachen und wirtschaftlichen Verfahren z. B. Möbelstücke herzustellen, die bezüglich
-der Oberflächenwirkung "auch höheren Ansprüchen' genügen. Außer Tischen lassen.
sich auch andere Erzeugnisse der Möbel- oder Bautischlerei, wie z. B. Schrank-,
Kommoden-, Schreibtisch-, Büromöbelteile aller Art, Türen usw., herstellen.