DE90040C - - Google Patents
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Classifications
-
- C—CHEMISTRY; METALLURGY
- C21—METALLURGY OF IRON
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 18: Eisenerzeugung.
LOUIS GRAMBOW in BERLIN.
Das den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildende Verfahren stellt eine Härtemethode
für Geschosse dar, welche es möglich macht, dem am meisten angestrengten Theil derselben, nämlich der Spitze bezw. der Ogive
die größte zweckentsprechende Härte, dem übrigen Theil, also dem Boden oder dem
Inneren, die höchste mit dem betreffenden Stahlmaterial überhaupt zu erreichende Zähigkeit
zu verleihen.
Durch diese Härtemethode wird die Befähigung des Geschosses, in sehr harte Panzerplatten
eindringen zu können, ohne eine für die Wirkung auf dieselbe schädliche Deformation
zu erleiden oder zu zerschellen, im höchsten Grade gesteigert.
Das Verfahren ist das folgende:
Das Geschoß wird fertig bearbeitet und, falls es ein Hohlgeschoß ist, mit Höhlung
versehen. Diejenigen Theile, welche nach dem Härten zähe bleiben sollen, können auch nur
vorgearbeitet sein, da dieselben auch nach dem Härten noch bearbeitbar bleiben. Ebenso
können an den zu härtenden Theilen kleine Zugaben bleiben, die dann nach dem Härten
durch Schleifen entfernt werden müssen.
Das Geschoß wird auf eine hohe Temperatur gebracht, welche eine leichte Umordnungsfähigkeit
der Molecule und Schwinden der krystallinischen Structur des Stahles zur Folge hat, und aus dieser Temperatur durch
Eintauchen in eine Härteflüssigkeit oder durch Ueberbrausen mit einer solchen abgeschreckt.
Der Stahl hat nach dieser Behandlung neben einer bedeutenden Härte ein außerordentlich
feinkörniges Gefüge, das ihn zur späteren Annahme der höchsten Zähigkeit geeignet macht.
Nunmehr wird, das Geschoß nochmals auf einen Grad der Rothglut erhitzt, der eine
Härtung noch nicht zuläßt, sobald das Geschoß wiederum auf die beschriebene Weise
abgeschreckt wird. Der Stahl hat jetzt die höchste Zähigkeit unter Annahme eines feinfaserigen
seidenglänzenden Gefüges erlangt. Es muß indessen gesagt werden, daß der Grad der Rothglut, welcher die Erreichung
dieser höchsten Zähigkeit zuläßt, für jede Stahlsorte durch Versuche besonders ermittelt
•werden muß. Nachdem das Geschoß zäh gemacht ist, geht man dazu über, dasselbe
an den.Theilen, die hart werden sollen, zu härten.
Zu diesem Zweck erhitzt man die zu härtenden Theile auf eine Temperatur, die so
hoch liegt, daß beim darauffolgenden Abschrecken die gewünschte Härte erzielt wird
und die Theile, die zäh bleiben sollen, auf eine beliebige Temperatur, die jedoch nicht
höher liegt als jene, bei welcher die größte Zähigkeit des Stahles eingetreten war, also
nicht höher als bei der zweiten Abschreckung.
Zur ungleichmäßigen Erhitzung des Geschosses hat man verschiedene Wege. Man
kann das Geschoß :iri einen Ofen bringen,
(S. Auflage, ausgegeben am io. Mai igo6.)
der die Temperatur hat, welche man den zu härtenden Theilen geben will, und schützt
diejenigen Theile, welche weich bleiben sollen, vor der vollen Wirkung der Ofenwärme
durch Einbetten in Sand. Oder man setzt das Geschoß in ein Gehäuse, das mit Scheidewänden
versehen und so eingerichtet ist, daß man die zu härtenden Theile durch Einblasen
von erhitzter Luft, Ofengasen u. s. w. auf die höhere Härtetemperatur bringen kann,
während diese heißen Gase durch die Scheidewände von der Bestreichung derjenigen
Theile, welche zäh bleiben sollen, abgeschlossen sind. Die Einrichtung kann auch
so getroffen sein, daß diese letzteren Theile durch Einblasen kälterer Gase in die andere
durch die Scheidewände abgeschiedene Kammer auf die erforderliche niedrigere Temperatur
gebracht werden können.
Will man bei einem Hohlgeschoß die ganze äußere Oberfläche härten und nur das
Innere zäh halten, so wird es auch schon genügen, wenn man das Geschoß in einem Ofen
rasch auf Härtetemperatur erhitzt, während die Höhlung verschlossen gehalten wird.
Meistens wird man aber auch beabsichtigen, den hinteren Theil und das Bodenstück
zäh zu halten, und wird dazu das Einbetten in Sand oder die Anwendung des beschriebenen
zweitheiligen Wärmgehäuses nöthig sein.
Es ist vorher gesagt, daß beim endgültigen Härten des Geschosses die zäh zu haltenden
Theile jede beliebige, jedoch unter der Temperatur der zweiten Abschreckung liegende
Temperatur erhalten können. Dies ist nicht mehr der Fall, wenn man jene gleichmäßige
Erhitzung auf niedrige Temperatur mit darauffolgender Abschreckung fortläßt und das Zähmachen
der nicht zu härtenden Theile gleichzeitig mit der endgültigen Härtung besorgt. Bei diesem einfacheren Verfahren ist dann
nöthig, wie folgt vorzugehen:
Zuerst bringt man das Geschoß im Ganzen auf eine hohe, die leichte Umordnungsfähigkeit
der Molecule herbeiführende Temperatur und schreckt es ab, wie vorher beschrieben. Sodann
erhitzt man die zu härtenden Theile auf die der verlangten Härte entsprechende Temperatur, die zäh zu machenden Theile
auf einen niedrigeren Grad der Rothglut, der beim darauffolgenden Abschrecken noch
keine Härtung zuläßt, und schreckt dann das ganze Geschoß aus seinen verschiedenen Temperaturen
ab. Bei diesem Verfahren wird das zweitheilige W'ärmgehäuse sehr zu statten
kommen.
Es sind noch folgende Einzelheiten zu bemerken
:
I. Das Abschrecken aus der hohen Temperatur, welches die Ertheilung eines äußerst
feinkörnigen Gefüges bezweckt, kann unterbleiben, wenn dies Gefüge schon vorher auf
irgend eine andere Weise, z. B. durch Verschmieden oder Verwalzen bei sehr dunkler
Rothglut, ertheilt wurde.
2. Das Abschrecken aus dieser hohen Temperatur braucht nicht bis zum völligen
Erkalten getrieben zu werden.
3. Beim endgültigen Härten können die zäh zu haltenden Theile von der Einwirkung
des Kühlmittels verschont bleiben, wenn das Zähmachen schon in einer besonderen Operation,
wie zuerst beschrieben, erfolgt war, oder wenn die .Geschoßwände so dünn sind,
daß durch die Abschreckung der zu härtenden Theile auch eine rasche Abkühlung der
übrigen Theile herbeigeführt wird.
4. Das Härteverfahren eignet sich nicht nur für Geschosse aus Homogenstahl oder
Stahllegirungen, wie Chrom-, Wolfram-, Nickel-, Nickelchromstahl u. s. w., sondern
auch für cementirte und Verbundstahlgeschosse. Bei cementirten Geschossen kann
man die für den Cementationsproceß erforderliche Erhitzung gleich zum ersten Abschrecken
benutzen.
Claims (3)
1. Verfahren, Geschossen aus Stahl oder härtbaren Stahlmischungen an einzelnen
Theilen, namentlich am ogivalen Theil, eine besondere Härte, im übrigen Theil,
namentlich am Bodentheil oder auch im Inneren, eine besondere Zähigkeit zu ertheilen,
darin bestehend, daß man die zu härtenden Theile des Geschosses bis zu der der verlangten Härte entsprechenden
hellen Rothglut, die anderen Theile dagegen nur bis auf einen Grad der Rothglut erhitzt, daß eine Härtung der betreffenden
Theile beim Abschrecken ausgeschlossen ist, wonach das Geschoß im Ganzen abgeschreckt wird.
2. Eine Ausführungsart des durch den Anspruch ι gekennzeichneten\^erfahrens, darin
bestehend, daß man zuerst das Geschoß im Ganzen auf einen Grad der Rothglut bringt, der eine Härtung noch nicht zuläßt,
und hierauf abschreckt; sodann die zu härtenden Theile des Geschosses auf
eine der verlangten Härte entsprechende helle Rothglut, die übrigen Theile dagegen
nur auf einen solchen Grad der Rothglut oder eine beliebige niedrigere
Temperatur bringt, daß eine Härtung der betreffenden Theile beim Abschrecken
ausgeschlossen ist, wonach das Geschoß im Ganzen abgeschreckt wird.
3. Eine Ausführungsart des durch die Ansprüche ι und 2 gekennzeichneten Verfahrens,
bei welcher bei der letzten Er-
hitzung nur die zu härtenden Theile einer Abschreckung unterworfen werden.
Eine Ausführungsart des durch die Ansprüche i, 2 und 3 gekennzeichneten Verfahrens, bei welcher zum Zweck der Vervollkommnung des letzteren das Geschoß einem Vorverfahren unterzogen wird, darin bestehend, daß dasselbe vorher in seiner ganzen Masse hoch bis zum Schwinden des krystallinischen Gefüges erhitzt und im Ganzen abgeschreckt wird. Bei der Ausführung der Verfahren unter ι. bis 4. die Verwendung von Luft oder Gasen passender Temperatur, um dem Geschoß in seinen einzelnen Theilen die erforderlichen Temperaturen mitzutheilen.
Eine Ausführungsart des durch die Ansprüche i, 2 und 3 gekennzeichneten Verfahrens, bei welcher zum Zweck der Vervollkommnung des letzteren das Geschoß einem Vorverfahren unterzogen wird, darin bestehend, daß dasselbe vorher in seiner ganzen Masse hoch bis zum Schwinden des krystallinischen Gefüges erhitzt und im Ganzen abgeschreckt wird. Bei der Ausführung der Verfahren unter ι. bis 4. die Verwendung von Luft oder Gasen passender Temperatur, um dem Geschoß in seinen einzelnen Theilen die erforderlichen Temperaturen mitzutheilen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE90040C true DE90040C (de) |
Family
ID=361802
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT90040D Active DE90040C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE90040C (de) |
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0
- DE DENDAT90040D patent/DE90040C/de active Active
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