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Einrichtung und Verfahren zur Wiedergewinnung und Gewinnung von gelösten
Gasen, insbesondere zur Gewinnung von flüssigem Ammoniak
In der chemischen Technik
liegt oft die Aufgabe vor, aus schwachprozentigen Lösungen oder Laugen die darin
gelösten Gase bzw. Stoffe möglichst vollständig und rein auszuscheiden bzw. wiederzugewinnen,
damit diese Bestandteile, die manchmal besonders wertvoll s.imd, nicht verlorengeben
und gegebenenfalls ihrem Verwendungszwecli erneut wieder zugeführt werden können.
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Die Trennung solcher Stoffe erfolgt vielfach in Destillationskolonnen
durch Fraktionierung in mehreren Stufen oder Arbeitsgängen. Diese erfordert eine
starke Wärmezufuhr, so daß gewöhnlich ein sehr hoher !Dampiverbrauch eintritt.
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Ferner ist zur Beheizung der Destillationslçolonnen meist Heizdampf
höherer Spannung erforderlich, der oftmals nicht zur Verfügung steht. Schließlich
ist es auch erwünscht, das aus dem Gemisch wiedergewonnene Gas in flüssiger Form
zu erhalten. Die letzte Forderung bedeutet, daß entweder die Destillation unter
solch einem Druck durchzuführen ist, bei dem der wiedergewonnene Bestandteil unter
dem Einfluß des Kühlwassers nach dem Verlassen der Destillationslrolonne verflüssligt
werden kann, oder aber daß der in gasförmigem Zustand bei atmosphärischem Druck
anfallende Bestandteil durch einen besonderen Verdichter auf den erforderlichen
hohen Druck gebracht werden muß.
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Die vorliegende Erfindung betrifft Einrichtungen und Verfahren, welche
die Wiedergewinnung von gelösten Gasen in flüssigem Zustand bei nur geringem Dampfverbrauch,
niedrigem Dampfdruck und in einfacher Weise ohne Zuhilfenahme eines Verdichters
gestattet.
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Erfindungsgemäß wird dies dadurch erreicht, daß die Wiedergewinnung
der gelösten Stoffe aus den Lösungen oder Laugen oder aus dem Lösungsmittel unter
Verwendung einer zwei- oder mehrstufigen Absorptionsanlage erfolgt, wie sie aus
der Kältetechnik bekannt ist. Die Wiedergewinnung mittels Absorptionsanlage macht
die Anwendung eines besonderen Verfahrens notwendig.
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Gemäß dem ersten Grundgedanken dieses Verfahrens wird die Trennung
der Stoffe in zwei oder mehreren Stufen durchgeführt, indem die in der ersten Stufe
anfallende Wärme des Rücklaufkondensators zur Beheizung des Austreibers der nachfolgenden
Stufe verwendet ird. Dabei wird der Arbeitsprozeß so gelenkt, daß die anfallende
Wärme des Rücklaufkondensators und die aufzuwendende Heizwärme für die- Austreibung-
des leicht siedenden Stoffes möglichst gleich werden, um unnötige Wärmeverluste
zu vermeiden, die einen erhöhten Dampfverbrauch zur Folge haben -würden. Ein weiterer
Erfindungsgedanke ist der, daß die Verdichtung der in der niederen Druckstufe entwickelten
Dämpfe auf einen den Kühlwassertemperaturen entsprechenden höheren Druck durch die
nachgesch al tete Absorptionslanlage bewirkt wirid, wodurch ein besonderer Gasverd!ichter
mit seinem hohen Kraftbedarf in Fortfall kommen kann.
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Die Zeichnungen zeigen Ausführungsbeispiele der Erfindung.
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In Abb. I ist ein Schema einer Anlage zur möglichst vollkommenen
Trennung eines schwachprozentigen Gas-Wasser-Gemisches, z. B. eines Ammoniak-Wasser
-!Gemisches dargestellt. Der Ammoniakgehalt dieser Lösung betrage beispielsweise
etwa 3 0/o oder weniger. Solche schwachprozentigen Ammoniak - Wasser - Gemische
fallen bei manchen Syntheseprozessen in der chemischen Industrie oder auch als sogenanntes
Gaswasser bei der Leuchtgasherstellung an.
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Die schwachprozentige Lösung wird durch eine Pumpe I über einen Wärmeaustauscher
2 in den Niederdruckaustreiber 3 befördert. - Der Druck in diesem Austreiber liegt
zwischen Atmosphärendruck und dem durch die Kühlwassertemperaturen bedingten Verflüssigungsdruck
der zweiten oder Hochdruckstufe, z. B. bei etwa o bis 3 atü, Dieser ,Zwischendruck
wird in jedem Einzelfall so bestimmt, daß die in der Niederdruckstufe anfallende
Rektifikationswärme ungefähr der im Hochdruckaustreiber 1'3 aufzuwendenden Wärmemenge
entspricht. Das Ammoniakwasser tritt bei 4 in den Austreiber 3 ein und wird in der
Trennsäule 5 (Glockenbodenskolonne) in bekannter Weise in seine Bestandteile zerlegt.
Die erforderliche Heizwärme wird dem Gemisch durch ein Heizsystem 6 zugeführt. Das
fast vollständig ausgegaste Abwasser verläßt unten den Austreiber und wird über
den Wärmeaustauscher 2 abgeleitet, wobei -es seine Wärme an das durch die Pumpe
I zugeführte, schwachprozentige Ammoniak-Wasser-Gemisch abgibt. Die Beheizung der
Rohrschlange 6 erfolgt durch Heizdampf von etwa 3 bis 4 atü, der bei 7 zuströmt
und über' den Kondenstopf 8 den Austreiber 3 verläßt. über dem Heizsystem 6 ist
eine Trennsäule g in Form einer- Glockenbodenkolonne angeordnet.
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Die ausgetriebenen Dämpfe durchströmen diesen Glockenboden g und gelangen
durch die Leitung 10 mit einer Temperatur von etwa 100 bis 120 in das Rohrsystem
I2, welches für den Hochdruckaustreiber I3 die Heizfläche und für den Niederdruckaustreiber
3 die Kühlfläche darstellt. Bei der Abkühlung der Dämpfe innerhalb eines gewissen
Temperaturbereiches scheidet sich ein großer Teil derselben als Rücklaufkondensat
aus. Dieses Kondensat wird durch die Leitungll der Glockenbodenkolonne zugeleitet.
Die im Niederdruckaustreiber 3 entwickelten Dämpfe werden somit entsprechend verstärkt.
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Die im HeizsystemfI!2 nicht niedergeschlagenen Dämpfe werden durch
die Leitung 14 einem nachgeschalteten Gaskühler 15 zugeführt, in welchem eine weitere
Abkühlung unter Zuhilfenahme des aus dem Absorber I6 ablaufenden Kühlwassers vorgenommen
wird. Darauf gelangen die Dämpfe selbst in den Absorber I6, der unter demselben
Druck. arbeitet wie der Niederdruckaustreiber 3, also etwa o bis 3tatü. Dieser Absorber
kann z. B. als Röhrenkesselapparat ausgebildet sein, durch dessen Röhre Kühlwasser
oder eine sonstige Kühlflüssigkeit strömt. Im Mantelraum des Apparates vollzieht
sich die Absqrption der Dämpfe durch eine sogenannte arme Lösung, d. h. eine verhältnismäßig
schwachprozentige Ammoniaklösung des zweiten Lösungskreislaufes. Diese arme Lösung
tritt über das Lösungsregelventil 32 in den Absorber über, reichert sich dort mit
dem Ammoniakdampf an und verläßt unten als reiche Lösung mit einer Temperatur von
etwa 20 bis 300 den Absorber. Die bei diesem Vorgang frei werdende Absorptionswärme
wird durch das Kühlwasser oder die Kühlflüssigkeit abgeführt. Der im Gaskühler I5
gebildete Niederschlag strömt der Saugleitung der Lösungspumpe 27 des zweiten Kreislaufes
zu. Der Gaskühler ist zu diesem Zweck in seinem unteren Teil als Flüsls keiltsabscheitder
ausgebildet. Wird als Gaskühler ein Röhrenapparat benutzt, so muß dem Apparat der
Flüssigkeitsabscheider nachgeschaltet werden.
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Die im Absorber I6 angereicherte Lösung wird gleichfalls vor der
Pumpe 27 angesaugt und über die Leitung 28, das Kühlsystem2, den Lösungswärmeaustauscher
29 und die Leitung 30 dem Hochdruckaustreiber I3 zugeführt, der je nach der Eühlwassertemperatur
bei einem Druck von etwa I0 bis I5 atü arbeitet. Durch eine Verteilvorrichtung 22
tritt die Lösung aus und rieselt über eine Füllkörperschicht 2I abwärts, wobei sie
die aufsteigenden Dämpfe rektifiziert. Darauf rieselt die Lösung, durch entsprechende
Verteilvorrichtungen auf die Innenseite der Rohre in aufgegeben, an der Innenfläche
dieser Rohre in dünner Schicht herunter und wird dabei durch die außen aufsteigenden,
vom Niederdruckaustreiber kommenden Dämpfe erhitzt, so daß das Ammoniak aus-
getrieben
wird. Die entgaste Lösung sammelt sich im Bodenbehälter 19 und gelangt über die
Leitung 3I, den Lösungswärmeaustauscher 29 und das Entspannungsventil 32 in den
Absorber IlS zurück.
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Damit ist der Kreislauf der Lösung in der zweiten Stufe geschlossen.
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Die im Hochdruckaustreiber I3 entwicl;elten Dämpfe werden zunächst
in einer Trennsäule vom Wasser befreit. Diese besteht wieder aus einer Glockenbodenkolonne
23, an die sich die beiden Kühlsysteme 24, 25 anschließen, von denen das erste mit
der kalten, reichen Lösung und das zweite mit Kühlwasser beschickt wird. Die beiden
Kühlsysteme 24, 25 bilden den Rücklaufakondensator für den Hochdruckaustreiber 13.
Das bei der Kühlung der aufsteigenden Dämpfe abgeschiedene Kondensat fließt an den
Wandungen der Kühlsysteme herunter und rieselt über die Glockenbodenkolonne 23 nach
unten. Durch die Hintereinanderschaltung der beiden Kühl systeme läßt sich eine
starke Abkühlung der Dämpfe erzielen, die gleichzeitig eine sehr weitgehende Entfernung
des Wassers mit sich bringt. Im normalen Betrieb wird man dabei so'vorgehen, daß
die Hauptkühlung durch die umlaufende reiche Lösung erfolgt. Dadurch wird ein großer
Teil der auftretenden Rektifikationswärme dem Lösungskreislauf zugeführt und so
für den inneren Wärmeaustausch der Anlage wiedergewonnen. Die Feinregelung bei der
Rektifikation der ausgetriebenen Dämpfe zur Einstellung eines bestimmten niedrigsten
Wassergehaltes kann durch Beeinflussung der dem Kühlsystem 25 zugeleiteten Kühlwassermenge
erfolgen.
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Eine über den Kühlsystemen angehrachte Trockenschicfhlt 26, (die
beispielsweise aus Füllkörpern bestehen kann, bewirkt die Zurückhaltung von mitgerissenen
Flüssigkeitsteilchen. Der rektifizierte Ammoniakdampf mit einer Temperatur von etwa
25 bis 350 strömt durch die Leitung 33 zu dem Verflüssiger 37. In diesem wird das
Ammoniak durch Kühlwasser niedergeschlagen und sammelt sich in einem Sammelbehälter
3&, von wo es über die Leitung 39 einer Füllstation zur Abfüllung in Flaschen
oder Tankwagen zufließen kan.n.
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Unter Umständen kann es sich als zweckmäßig erweisen, zwischen den
Hochdruckaustreiber I3 und den Verflüssiger 37 noch einen oder mehrere Reinigungsapparate
34 einzuschalten, in denen der ausgetriebene Ammoniakdampf von den letzten Spuren
Wasserdampf oder auch anderen unerwünschten Bestandteilen befreit wird. Diese Trockenapparate
können mit einer Reinigungsmasse, wie Ätzkaik oder Ätznatron gefüllt sein.
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Durch Anordnung von Um&chaltventilen 35 bzw. 36 können diese Reinigungsapparate
wechselweise ein-bzw. ausgeschaltet werden.
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Durch das aus dem Gaskühler 15 zufließende Kondensat, das eine sehr
stark konzentrierte Lösung darstellt, wird das Gleichgewicht des Hochdrucklösungskreislaufes
gestört, da die hier umlaufende Lösungsmenge dauernd um das aus dem Niederdrnckkreislauf
stammende Kondensat aus dem Gaskühler 15 vermehrt wird. Auch durch die vom Gaskühler
15 in den Absorber I6 übertretenden Dämpfe wird noch eine gewisse zusätzliche Lösungsmenge
in den Hochdruckkreislauf hineingetragen und vermehrt dessen Lösungsmenge in unzulässiger
Weise. Diese zusätzlichen, der Hochdruckstufe I3 zufließenden Flüssigkeitsmengen
müssen wieder der Niederdruckstufe 3 in Form von' Lösung zugeführt werden, um eine
Überfüllung der Hochdruckstufe mit der Lösung zu verhindern. Es ist besonders zweckmäßig,
hierzu die arme Lösung des Hochdruckkreislaufes zu verwenden. Dies kann beispielsweise
so erfolgen, daß ein Teil der aus dem Hochdruckaustreiber I3 ausfließenden Lösung
entspannt und in das Röhrensystem I2 eingeleitet wird; das Heizsystem I2 besitzt
zu diesem Zweck einen Zwischenboden 17. Die Rohre 18 des Heizsystems sind durch
den Zwischenboden I7 mit einem ganz geringen Spalt hindurchgeführt. Die dem Sammelbehälter
19 über das Ventil 20 entnommene Lösung gelangt auf den Zwischenboden I7 und rieselt
durch die Spalte an den Außenflächen der Rohre I8 herab.
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Diese Rohre werden von dem durch die Leitung 10 vom Niederdruckaustreiber
3 zugeführten Dampf umströmt. Da die herunterrieselnde Lösung um einige Grade kälter
ist als der aufsteigende Dampf und zwischen Dampf und Lösung auch ein Konzentrationsgefälle
besteht, findet zwischen beiden ein Rektifilçationsvorgang statt. Es verdampft also
durch Wärmeaufnahme aus dem aufsteigenden Niederdruckdampf ein Teil des niedrigsiedenden
Bestandteiles, im BeiSpiel Ammoniak, der in dünner Schicht über die Außenfläche
der Rohre herabrieselnden Lösung und bewirkt damit eine zusätzliche Verstärkung
dieses Dampfes. Die Lösung gelangt danach zusammen mit dem gebildeten Rücklauf über
die Leitung II in den Niederdruchaustreiber 3 zurück.
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Der Betrieb dieser zweistufigen Absorptionsanlage kann mehr oder
weniger vollautomatisch durchgeführt werden, wobei an sich bekannte Schwimmerregeleinrichtungen
oder sonstige Vorrichtungen zur Gleichhaltung der Lösungsireisläufe Verwendung finden.
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So kann man beispielsweise in der Niederdruckstufe den Abfluß des
entgasten Wassers durch eine Schwimmerregelvorrichtung derart beeinflussen, daß
im Sammelraum des Niederdruckaustreibers 3, also unterhalb des Heizsystems 6 ein
gleichbleibender Flüssigkeitsstand gehalten wird. In ähnlicher Weise können auch
Schwimmerregeleinrichtungen an den Sammelraum des Absorbers I6 im Hochdruclçkreilsl,auf
(anlgeschlossen sein, um in den Apparaten I3, I6 gleichbleibende Flüssigkeitsstände
zu halten. Diese Schwimmerregeleinrichtung kann, wie an sich bekannt, auf das Drosselventil
der armen Lösung einwirken. Es muß aber beachtet werden, daß, wie schon oben erwähnt,
dauernd ein Teilstrom der Lösung von dem Hochdruckkreislauf in den Niederdruckkreislauf
abfließt, um das Gleichgewicht beider Kreisläufe aufrechtzuerhalten. Auch dieser
Vorgang läßt sich vollautomatisch steuern.
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Erfindungsgemäß geschieht dies so, daß an den Sammelraum 69 des Hochdruckaustreibers
I3 ein Schwimmergehäuse 50 angeschlossen wird. Das Drosselventil für den Teilstrom
der armen Lösung ist als Membranregelventil 20a ausgeführt. Die Membran erhält ihren
Impuls über die Steuerleitung 53, die an die Druokleitung 33, welche das ausgetriebene
Ammoniak zum Kondensator 37 leitet, angeschlossen ist. Der Impuls wird durch den
vom Schwimmer 50 gesteuerten Drosselschieber 5I od. dgl. verändert (vgl. Abb. 2).
Voraussetzung für diese Regelung ist aber, daß an den Sammelraum rades Absorbers
eine Sclhwimmerre;!m,elung äbinlicher Bauart angeschlossen ist, die für einen gleichmäßigen
Lösungsumlauf in der Hochdruckstufe sorgt und auf das Drosselventil 32 der armen
Lösung einwirkt. Diese in Abb. I bzw. 2 nicht dargestellte Einrichtung sorgt für
eine Gleichhaltung des Flüssigkeitsstandes im Absorber I6. Nimmt die Lösungsmenge
im Hochdruckkreislauf infolge der zusätzlich vom Niederdruckkreislauf eingeführten
Lösung zu, so steigt der FlüssigkeitsstanJd im Sammelraum 19 des HochldruckauSsttreilbers
an. Dladurch hebt sich der Schwimmer im Schwimmerbsehläuse 50 und betätigt diole
Steuereiniri,chtunlg 5I derart, daß die Drosselung der Leitung 53 geringer wird
und somit über die Impulsleitung 53 ,ein erhöher Druck aus der Ammoniakdruckleitung
33 auf die Membran des Regelventils 20a wirkt. Das Ventil 20a öffnet sich mehr,
so daß der Rücklauf armer Lösung zum Niederdruclçkreislauf verstärkt wird. Bei besonderen
Betriebsverhältnissen kann die Schwimmerregeleinrichtung 50 auch an den Sammelraum
des Absorbers angeschlossen werden, wobei dann freilich die Schwimmerregeleinrichtung
für die Gleichhaltung des Lösungskreislaufes der Hochdruckstufe nicht mehr an den
Sammelraum des Absorbers I6, sondern an den Austreibersammeltopf angeschlossen ist.
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Bei schwierigen Betriebsverhältnissen, z. B. wenn nur sehr warmes
Kühlwasser oder auch sehr niedrig <gespannter Heiz<dainpf zur Verfügung s-tehen,
müssen an Stelle der zwei Arbeitsstufen drei Stufen vorgesehen werden, die jedoch
an der grundsätzlichen Durchführung des Verfahrens und dem grundsätzlichen Aufbau
der Anlage nichts ändern.
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Es wird dann zwischen den Hochdruckaustreiber I3 und den Verflüssiger
37 eine weitere Stufe eingeschaltet, die ebenfalls wieder aus einem Absorber, einer
Lö sunigspu'mpe, einem Lösungswäirimeau!stauscher und einem Austreiber besteht.
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Das Verfahren kann auch dann angewendet werden, wenn außer Ammoniak
und Wasser noch andere Bestandteile in dem Ausgangsgemisoh enthalten sind. Es müssen
dann jedoch Zusatzverfahren bekannter Art für die Abtrennung dieser Bestandteile
angewendet werden, die aber ebenfalls an dem Aufbau der Anlage gemäß Abb I nichts
ändern.
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Die Abb. 3 zeigt die Anwendung des beschriebenen Verfahrens beispielsweise
bei der Herstellung von flüssigem Ammoniak aus Gaswasser, welches bei der Leuchtgasherstellung
anfällt.
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Die normale Arbeitsweise einer derartigen Anlage (Abb. 3) zur Herstellung
von flüssigem Ammoniak aus dem Gaswasser ist folgende. Das rohe Gaswasser wird zunächst
nach dem Durchströmen mehrerer Apparate zur Vorwärmung bzw.
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Abscheidung von Kohlensäure und Schwefelwasserstoff in einen Niederldruclçauistreilber
3 geführt und dort das Ammoniak ausgetrieben. Zu diesem Zweck wird das Gaswasser
über eine Glockenbodenkolonne 5a geleitet, in der zuerst die flüchtigen Ammoniakantelle
des Wassers entfernt werden. In der unteren Kolonne 5C werden die fixen Ammoniakanteile
durch Kalkmilch herausgeholt, die oberhalb des besonders groß ausgeführten Zwischenbodens
5t eintritt. Die Heizung der Kolonne erfolgt mittelbar oder unmittelbar durch Dampf
mittels der Heizschlange 6, in die der Dampf bei 7 eintritt.
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Das entgaste Wasser kann auch hier zur Vorwärmung des rohen Gaswassers
im Wärmeaustauscher 2 dienen.
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Das rohe Gaswasser besitzt noch eine Reihe von Bestandteilen, die
möglichst zu Beginn des Aufbereitungsprozesses ausgeschieden werden, um Störungen
zu vermeiden. Das gilt vor allem für die im Gaswasser enthaltene Kohlensäure und
den Schwefelwasserstoff, für deren Ausscheiden eine Reihe von Verfahren schon lange
bekannt sind.
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Man kann z. B. diese beiden Bestandteile aus der Flüssigkeit allein
durch Wärmezufuhr in besonderen Abscheideapparaten abtrennen. Dieses Verfahren ist
ebenfalls in Abb. 3 angedeutet. Das in dem Wärmeaustauscher 2 vorgewärmte Gaswasser
gelangt in den Abscheideapparat 40 und wird hier, falls es erforderlich sein sollte,
noch etwas nachgeheizt. Die Kohlensäure und der Schwefelwasserstoff werden hierdurch
ausgetrieben und werden bei 41 aus dem Apparat abgeleitet. Das so vorbehandelte
Gaswasser kann dann bei 4 zur Destillationskolonne 5a übertreten. Bei einem anderen
Verfahren werden zunächst die Kohlensäure und der Schwefelwasserstoff im Gasstrom
mittels Waschflüssigkeit ausgeschieden, wozu Abscheideapparate in die Ammoniakgasleitung
10 eingebaut werden. Diese Anordnung ist jedoch, wenn die Wiedergewinnung mit den
Mitteln der Erfindung angestrebt wird, ungünstiger als die Einschaltung des Abscheideapparates
40 in den Flüssibiçeitsstrom.
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Die sonst noch im Gaswasser enthaltenen Bestandteile, wie organische
Basen, teerige und harzige Bestandteile, sowie Geruchsstoffe werden bei den üblichen
Verfahren erst hinter der Destillationskolonne, und z.war dadurch ausgeschieden,
indem das ausgetriebene Ammoniakgas durch mehrere Wäscher und Filter geleitet wird.
Dieses Verfahren läßt sich auch in vorliegendem Fall benutzen. In Abb. 3 sind einige
Reinigungsapparate und Wäscher 42 bis 44 dargestellt, die von dem ausgetriebenen
Ammoniakgas vor dessen Eintritt in den Hochdruckaustreiber I3 durchströmt werden.
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Diese Wäsche und Filterung der Ammoniakdämpfe erfolgt noch bei verhältnismäßig
hohen Temperaturen, da im vorliegenden Fall keine Abkühlung der Ammoniakdämpfe eintreten
darf, um die
Ammonialidämpfe noch zur Beheizung des Hochdruckaustreibers
verwenden zu können. Man muß daher unter Umständen die Reinigung in die Hochdruckstufe
verlegen, wozu die Reiniger und Filter 34 (Abb. I) benutzt werden können.
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Die in der Destillationskolonne 5 ausgetriebenen und teilweise schon
etwas gereinigten Ammoniakdämpfe gelangen in den Hochdruckaustreiber I3 und von
dort über den Gaskühler 15 in den Absorber 16. Der übrige Arbeitsgang ist dann derselbe
wie in Abb. I. Die Dämpfe werden also in den Absorber I6 absorbiert und dann in
dem Hochdruckkreislauf wieder ausgetrieben und rektifiziert.
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Sie können darauf bei entsprechendem Druck unter Einwirkung von Kühlwasser
verflüssigt werden.
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Damit die in der Destillationskolonne 5 ausgetriebenen Dämpfe zur
Beheizung des Hochdruckaustreibers I3 verwendet werden können, kann es unter Umständen
erforderlich sein, die Destillation in der Kolonne 5 unter etwas erhöhtem überdruck
von etwa 0,3 bis I atü vorzunehmen.
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Die Vorteile des beschriebenen Verfahrens zur Herstellung von flüssigem
Ammoniak aus schwachprozentigen Lösungen gegenüber dem bisher gebräuchlichen Verfahren,
wobei das Ammoniak zunächst einstufig unter Atmosphärendruck destilliert wird und
anschließend durch einen zweistufigen Verdichter auf einen entsprechenden Druck
gebracht und dann verflüssigt wird, sind folgende: Es ergibt sich I. eine Ersparnis
an Heizdampfverbrauch, welche aus der Nutzbarmachung der in der ersten Stufe anfallenden
Wärme für die folgende Stufe resultiert. 2. Eine Senkung des Leistungsbedarfs. Bei
dem bisher gebräuchlichen Verfahren muß das Ammoniakgas durch einen zweistufigen
Verdichter auf Druck gebracht werden, der eine ziemlich hohe Antriebsleistung erfordert.
Bei dem vorgeschlagenen Verfahren wird lediglich für die Pumpe zur Erzeugung des
Lösungsumlaufes der Hochdruckstufe ein geringer Leistungsaufwand notwendig, der
nur etwa 5 bis 7 0/o des Leistungsbedarfes des Verdichters beträgt. 3. Eine Verringerung
der Anlagekosten. Obwohl die Durchführung des Verfahrens zunächst ziemlich umständlich
und verwickelt erscheint und eine Reihe zusätzlicher Apparate und Einrichtungen
gebraucht werden, läßt ein Vergleich des erfindungsgemäßen Verfahrens mit dem bisher
üblichen erkennen, daß -die Gesamtanlagekosten im vorliegenden Fall geringes sind
als bei der einstufigen Destillation mit anschließender Verdichtung. Dies liegt
vor allem daran, daß die Heiz- und Kühlflächen bei dem neuen Verfahren infolge der
besseren Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Temperaturunterschiede kleiner sind
als bei den nach den bisher üblichen Verfahren arbeitenden Anlagen.
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Man könnte auch daran denken, die Destillation des Ammoniaks aus
der schwachprozentigenLösung einstufig bei einem solchen Druck durchzuführen, daß
das ausgetriebene Ammoniak sofort verflüssigt wird. Hierzu würden jedoch Drücke
von etwa 8 bis 12 at je nach der Kühlwassertemperatur notwendig werden. Man müßte
also zur Beheizung der Kolonne Dampf von 6 bis 14 at Spannung verwenden, was nicht
wirtschaftlich ist. Der besondere Vorteil des vorgeschlagenen Verfahrens besteht
demgegenüber gerade darin, daß das Verfahren mit Abdampf geringer Spannung durchführbar
ist.