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Orthopädisches Balancegerät
Gegenstand der Erfindung ist ein orthop,ädisches
Balancegerät zur objektiven Bestimmung der Schxverlinie Beinamputierter. Es sind
bereits orthopädische B alancegeräte zur objektiven Bestimmung der Schwerlinie Beinamputierter
bei beliebiger einbeiniger Haltungsform auf dem Stumpfbettrand durch Einregulierung
der Schwerlinie des Amputierten in die Schwerlinie des Balancegerätes belxannt.
Bei diesen Balancegeräten ist oberhalb der Schwerpunkte des Amputierten und des
Balancegerätes an einem Träger eine Kugel oder ein Kardangelenk gelagert, woran
eine in zwei Ebenen bewegbare Tiorrichtung zur Aufnahme der Stumpfbetthülse und
des Amputierten aufgehängt ist. Diese Balancegeräte verwenden zwei Trägerplatten
zur Aufnahme der Stumpfbetthülse, von denen die eine mit einer Körnerspitze und
die andere mit zwei Körnerspitzen ausgerüstet ist. Weiter verwenden diese Balancegeräte
eine im Vertikalrahmen gelagerte sagittale Balanceachse. Diese an sich vorteilhafte
Anordnung bietet jedoch noch einige Nachteile. Weil die Trägerplatte mit einer Körnerspitze
zwischen der Stumpfbetthülse und dem gesunden Bein des Amputierten liegt, muß der
Amputierte, besonders bei fleischigem Oberschenkel, das gesunde Bein etwas abspreizen,
was aber unzweckm'äßig ist.
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Auf die sagittale Balanceachse in der Ebene des Vertikalrahmens der
bekannten Geräte kann
verzichtet werden, wenn statt ihrer vorteilhafterweise
sagittale Schwenkzapfen für die Stumpfbetthülse derart auf dem Horizontalrahmen
angeordnet werden, daß sie funktionell das Hüftgelenk auf der amputierten Seite
schneiden.
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Durch die bisher bekannte Anordnung der sagittalen Balanceachse war
wohl eine Bewegung des Amputationsstumpfes im Sinn einer Abduktion und einer Adduktion
möglich, jedoch bestand keine Übereinstimmung zwischen der physiologischen Schwenkachse
des Hüftgelenks und der mechanischen Schwenkachse des Balaneegerätes. Auch ist bei
der bisher bekannten Ausführungsform dieser Balancegeräte keine freie und übereinstimmende
Bewegung des Amputationsstumpfes innerhalb der physiologischen Grenzen im Sinn des
Beugens und Streckens möglich, weil die frontale Schwenkachse (= Mittelachse der
beiden Körnerspitzen) durch einen Schneckentrieb gesperrt und außerdem unterhalb
des Hüftgelenks angeordnet wurde. Obwohl diese Umstände für die Bestimmung der Haltungsform
des Oberkörpers des Amputierten auf dem Stumpfbettrand und zur Bestimmung seiner
Schwerlinie nicht hinderlich waren, konnte hierdurch doch nicht die Lage des Hüftgelenks
der amputierten Seite bestimmt und auf der Stumpfbetthülse markiert werden, wie
das für den Bau von künstlichen Beinen zweckmäßig ist. Auch konnte der Amputierte
durch die vorgenannte Nichtübereinstimmung bzw. wegen der Schneckensperre keine
schrittartigen Bewegungen mit Hilfe seines Amputationsstumpfes zur kontrolle seiner
Stützdruckempfindungen bei belasteter und bewegter Stumpfbetthülse ausführen. Es
waren also mit dem bekannten Balancegerät einige im Laufe der Entwicklung als notwendig
erkannte Arbeitsschritte zur Fertigung künstlicher Beine nicht durchführbar.
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Zur Beseitigung der festgestellten Nachteile und zur Verbesserung
der Benutzung des orthopädischen Balanceger:ätes im Sinn der Erzielung bisher nicht
durchführbarer Arbeitsschritte bei der Herstellung künstlicher Beine werden erfindungsgemäß
zwei sagittale und ein frontaler Schwenkzapfen mit wahlweise durch Sperrstifte ein-
und ausschaltbaren Schneckentrieben versehen und derart auf- dem Horizontalrahmen
angeordnet, daß eine Stumpfbetthülse bzw. eine Stumpfbettform mit einem sich darauf
stützenden Amputierten und somit das Hüftgelenk der amputierten Seite in den konstruktiven
Schnittpunkt der Schwenkzapfen einreguliert werden kann. Die drei Schwenkzapfen
weisen axiale Bohrungen zur Aufnahme verschiebbarer Justiertaster auf, welche zur
Bestimmung bzw. zur Markierung einer frontalen und einer sagittalen physiologischen
Hüftgelenkachse auf der Stumpfbetthülse dienen. Die Einregulierung erfolgt mittels
einer Justiervorrichtung, die Gewindespindeln, Rohrhülsen, einen Träger, Kettenräder,
eine Kette, Justierrahmen und Gewindetriebe aufweist. Durch die Justiervorrichtung
wird die Lage der in einer Spannvorrichtung befestigten und durch den Amputierten
belasteten Stumpfbetthülse und somit die Lage des Hüftgelenks der amputierten Seite
axial, frontal, sagittal und vertikal zu den Schwenkzapfenachsen verändert und auf
deren Schnittpunk einreguliert. Die Einspannvorrichtung für die Stumpfbetthülse
ist mit dem obersten Justierrahmen fest verbunden und besteht aus Stangen, zwei
Spannrahmen mit Spannelementen und Spannriemen. Auf dem zur Verwendung kommenden
Horizontalrahmen ist eine Gleitbrücke gelagert, die mittels einer Gewindespindel
in sagittaler Richtung transportiert wird und dabei mittels Rollen auf einem sagittalen
Schenkel des Horizontalrahmens gleitet. Auf dem frontalen Schwenkzapfen der Gleitbrücke
ist ein Bügel und auf den sagittalen, an den Enden des Bügels angeordneten Schwenkzapfen
die Justiervorrichtung und die Spannvorrichtung schwenkbar gelagert und durch die
ausrastbaren Sperrstifte fixiert, wenn mittels der Schneckentriebe gradweise geschwenkt
wird, um die Lage der Stumpfbetthülse als Stützelement derart zu beeinflussen, daß
der Amputierte eine planmäßige Haltung des Oberkörpers erhält. Dabei werden die
beiden sagittalen Schneckentriebe, die an ihrem unteren Ende je ein fest verbundenes
Kettenrad tragen, mittels einer Kette gleichzeitig betätigt. Bei ausgerasteten Sperrstiften
kann der Amputierte auf der durch ihn belasteten Stumpfbetthülse schrittartige Bewegungen
zur Kontrolle seiner Stützdruckempfindungen ausführen. Ein gleichzeitiger Transport
der auf dem Horizontalrahmen angeordneten Schiebegewichte wird durch Gewindespindeln,
Kettenr,äder und eine Kette erzielt. Die Bewegung der Stumpfbetthülse und somit
des Amputierten in vertikaler Richtung gegenüber der Schwerlinie des Balancegerätes
erfolgt durch Verschiebung des Horizontalrahmens gegenüber dem Vertikalrahmen in
Buchsen, mittels Gewindespindeln, Handrädern, Kettenrädern und einer Kette. Von
einer Millimetereinteilung auf den frontalen Schenkeln des Horizontalrahmens wird
das Maß der frontalen Schwerpunktverlagerung des Amputierten beim Wechsel von der
zweibeinigen zur einbeinigen Haltungsform abgelesen.
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Zur objektiven Beurteilung der Haltung des Oberkörpers auf der Stumpfbetthülse
im allgemeinen und der des Beckens und der Wirbelsäule im besonderen kann mit dem
erfindungsgemäßen Balancegerät auch ein Rötgenapparat kombiniert angewendet werden.
Das erfindungsgemäße Balancegenät kann auch als Kontrollgerät für solche künstliche
Beine benutzt werden, die nicht mit seiner Hilfe hergestellt wurden, wobei der Nachweis
der Haltung des Oberkörpers bei einbeiniger Belastung der Stumpfbetthülse, der Nachweis
des sich hiernach ergebenden Verlaufs der Schwerlinie des Amputierten durch das
künstliche Bein, der Nachweis des Verhältnisses des physiologischen Hüftgelenks
der amputierten Seite zur Schwerlinie des Amputierten und der Nachweis des Maßes
der Verlagerung seiner Schwerlinie bei einbeinigem Stehen gegenüber der Gangebene
(Medianebene) geführt wird. Weitere erfindungsgemäße Merkmale ergeben sich aus der
Zeichnung und der folgenden Beschreibung.
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In den Zeichnungen ist der Gegenstand der Erwindung in einer beispielsweisen
Ausführungsform dargestellt.
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Fig. I zeigt das orthopädische Balancegerät in schaubildlicher Darstellung;
Fig. 2 zeigt in vergrößertem Maßstab die Spannvorrichtung für das Stumpfbett und
die Justiervorrichtung zur Bestimmung des Hüftgelenkmittelpunktes des Amputierten;
Fig. 3 zeigt die Einzelteile der Fig. 2; Fig. 4 zeigt den Spannrahmen in vergrößertem
Maßstab.
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Auf einem Träger I hängt an einer Kugel 2 ein symmetrischer, rechteckiger
Vertikalrahmen 3, der an seinen senlçrechten Schenkeln WasserwaagenA mit kreisrunden
Libellen trägt. Der Vertikalrahmen 3 trägt einen Horizontal rahmen 5, der in Buchsen
6 gegenüber dem Vertikalrahmen 3 horizontal und vertikal verschiebbar ist. Horizontal
läßt sich der Horizontal rahmen 5 durch Gewindespindeln 7 und 8 verschieben. Die
Gewindespindeln 7 und 8, die im Innern der beiden frontalen Schenkel des l-Iorizontalrahmens
5 laufen, tragen am herausragenden Ende je ein Kettenrad g und 10. Die Kettenräder
g und 10 sind durch eine Kette lI verhunden, um beim antrieb der Gewindespindeln
7 und 8 einen gleichmäßigen Transport des Horizontal rahmens 5 durchzuführen. Die
beiden frontalen Schenkel des Horizontalrahmens 5 sind nach der den Kettenrädern
g und wI0 entgegengesetzten Seite verlängert und tragen Schiebegewichte r2 und 13
sowie eine ;NIillimetereinteilung. Innerhalb der Gewindespindeln 7 und 8 laufen
Gewindespindeln 14 und 15, welche mittels Kettenräder I6 und -I7 und Kette IS einen
g!eichmäßigen Transport der Schiebegewichte I -7 und 13 ermöglichen. Auf den Horizontalrahmen
5 ist eine Gleitbrücke 10 gelagert, die mittels einer Gewindespindel 20 in sagittaler
Richtung transportiert werden kann. Dabei bewegt sich die Gleitbrücke 19 mittels
Rollen 21 auf dem sagittalen Schenkel des Horizontalrahmens 5. Auf einem Schwenkzapfen
22 der Gleitbrücke 19 ist ein Bügel 23 schwenkbar gelagert. Der Schwenkzapfen 22
weist eine zentrale Bohrung zur Aufnahme eines Justiertasters 24 auf. Des weiteren
ist mit den Schwenkzapfen 22 ein Schneckengehäuse 25 fest verbunden. Bei Betätigung
eines Schnecken triebes 2b dreht sich ein Schneckenrad 27 auf dem Schwenkzapfen
22. Wird nun ein auf dem Schneckenrad 77 federnd gelagerter Sperrstift 28 in eine
entspredlende Bohrung des Bügels 23 geführt, so ist ein Schwenken des Bügels 23
auf dem Schvrenkzapfen 22 nur noch mit Hilfe des Schneckentriebes 26 möglich. An
seinen äußeren Enden trägt der Bügel 23 je einen Schneckentrieb -29 und 30. Um beide
Schneckentriebe 29 und 30 gleichzeitig betätigen zu können, sind diese nach unten
verlängert und tragen dort fest verbundene Kettenräder 3I und 32, die durch eine
Kette 33 betätigt werden, welche durch in der Zeichnung nicht dargestellte l eitzahllliränze
unter dem Bügel 23 verläuft. tuf den mit Schneckenrädern 34 und 35 fest verbundenen
Schwenkzapfen 36 und 37 ist eine Justier-und eine Spannvorrichtung schwenkbar gelagert.
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Die Schwenkzapfen 36 und 37 weisen zentrale Bohrungen zur Aufnahme
von Justiertastern 38 und 39 auf. Durch Sperrstifte 40 und 41 kann die Justier-
und Spannvorrichtung gegenüber den Schweukzapfen 36 und 37 fixiert werden. Ein Schwenken
der Justier- und Spannvorrichtung ist dann nur noch mit Hilfe der Schneckentriebe
29 und 3-0 möglich. Wenn die Sperrstifte 28, 40 und 41 eingerastet sind, kann eine
eingespannte Stumpfbetthülse 42 durch die Schneckentriebe 29 und 30 im Sinn der
Abduktion und Adduktion und durch den Schneckentrieb 26 im Sinn des Beugens und
Streckens bewegt werden.
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Die Justier- und die Spannvorrichtungen bestehen im einzelnen aus
zwei Gewindespindeln 43 und 4+, die an den Schwenkzapfen 36 und 37 schwenkbar gelagert
sind. Die Gewindespindeln 43 und 44 sind durch Rohrhülsen 45 und 46 geführt, welche
mit einem Träger 47 fest verbunden sind. Am unteren Ende tragen die Gewindespindeln
43 und 44 je ein mit IImengewinde versehenes Kettenrad 48 und 49.
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Auf den Kettenrädern 48 und 49 liegt der Träger 47 auf. Mittels einer
Kette 50, welche durch in der Zeichnung nicht dargestellte Leitzahnkränze unter
dem Träger 47 geführt ist, sind beide Kettenräder 48 und 49 miteinander verbunden.
Beim Antrieb der Kette 50 wird der Träger 47 nach oben oder unten zur Vornahme der
Justierung transportiert. Dadurch wird bei eingespannter und durch den Amputierten
belasteter Stumpfbetthülse 42 das Hüftgelenk des Amputierten auf die Höhe der Ebene
eingestellt, in der die Schwenkachsen der beiden Schwenkzapfen 36 und 37 sowie die
Schwenkachse des Schwenkzapfens æ liegen. Auf dem Träger 47 ist ein halbkreisförmiger
Justierrahmen 51 derart gelagert, daß er sich mittels einer nicht dargestellten
Rollenführung um seinen Kreisbogen auf dem Träger 47 um ein bestimmtes Maß hin und
her drehen läßt. Durch diese axiale Drehung wird der Amputierte bei eingespannter
und belasteter Stumpfbetthülse 42 in die Lage versetzt, mit seinem Stumpf die Stumpfbetthülse
42 im Sinn einer Innen- oder Außenrotation des Beines aus dem Hüftgelenk heraus
zu bewegen. Der Justierrahmen 51 trägt eine in der Zeichnung nicht dargestellte
Schlitzführung, die es ermöglicht, einen darin geführten rechteckigen Justierrahmen
5 in sagittaler Richtung mittels eines Gewindetriebes 53 zu verstellen. Hierdurch
wird erreicht, daß das Hüftgelenk des Amputierten auf die frontale Schwenkachse
des Schwenkzapfens 22 einreguliert werden kann. Der rechteckige Justierrahmen 52
trägt eine weitere, in der Zeichnung nicht dargestellte Schlitzführung, die zur
Bewegung eines darin geführten, über dem Justierrahmen 52 liegenden Justierrahmens
54 in frontaler Richtung mittels eines Gewindetriebes 55 dient.
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Durch diese Bewegung wird das Hüftgelenk des Amputierten auf die sagittale
Schwenkachse der bei den Schwenkzapfen 36 und 37 einreguliert.
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Die Spannvorrichtung besteht aus mit dem Justierrahinen 54 fest verbundenen
Stangen 56, auf
denen Spannrahmen 57 und 58 für die Stumpfbetthülse
42 sitzen. Die Spannrahmen 57 und 58 tragen Spannelemente 59 und Spannriemen Go
(Fig. 2), mittels welcher die Stumpfbetthülse 42 festgehalten wird. Ist nun das
Hüftgelenk des Amputierten richtig einregulieyt und sind die Sperrstifte 1218, 40
und 4I ausgerastet, so kann der Amputierte seinen Stumpf unter Belastung der Stumpfbetthülse
42, ähnlich wie beim Gehen, hin und her bewegen.
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Zum Gewichtsausgleich in der Sagittalebene sind am unteren sagittalen,
frei hängenden Schenkel des Vertikalrahmens 3 ausziehbare GewichteI6i und 62 angeordnet.
Zur Kontrolle darüber, ob das Balancegerät an sich in der Waage steht, dienen die
an beiden senkrechten Schenkel des Vertikalrahmens 3 angeordneten Wasserwaagen 4
mit kreisrunder Libelle. Schlagen die Wasserwaagen 4 bei Belastung der eingespannten
Stumpfbetthülse 42 durch den Amputierten aus, so wird mit Hilfe der Gewindespindeln
7, g und 20 und durch eine Verschiebung der Schiebegewichte I2, 13 und der ausziehbaren
Gewichte 6I und 62 der Schwerpunkt des Amputierten zum Balancegetät so reguliert,
daß die Wasserwaagen 4 wieder auf Null zeigen. Ist der- Amputierte richtig einreguliert,
so zeigen die Wasserwaagen 4 sowohl bei belastetem als auch bei unbelastetem Balancegerät
das gleiche Bild. Die Schwerlinie des Amputierten ist dann gleich der Schwerlinie
63 des an der Kugel 2 bzw. am Kardangelenk hängenden Teiles des Balancegerätes.
Da außerdem alleDrehpunkte des Balancegerätes durch geeignete Vorrichtungen fixiert
werden können, so lassen sich an der Stumpfbetthülse 42 eine Frontalebene A-B und
eine Sagittalebene C-D, die die Schwerlinie 63 sclmeiden, leicht anreißen. Zum Ausgleich
der unterschiedlichen Körpergrößen der Amputierten kann der Horizontalrahmen 5,
einschließlich der Justiervorrichtung 43-55 und der Spannvorrichtung 56-6o, auf
dem Vertikalrahmen 3 nach oben oder unten transportiert werden. Zu diesem Zweck
sind durch die Vertikalschenkel des Vertikalrahmens 3 Gewindespindeln 64 und 65
gefixiert, die an ihrem unteren Ende Handräder 66 und 67 und an ihrem oberen Ende
Kettenrìä,der óS und 69 tragen. Durch eine Kette 70 sind beide Xettenräiler 68 und
óg miteinander verbunden. Um auf der Stumpfbetthülse 42 die Frontalebene A-B und
die Sagittalebene C-D und somit den Verlauf der Schwerlinie des Amputierten markieren
zu können, sind auf einem Bodenbrett 71 die Grundlinien der FrontalebeneA-B und
der Sagittalebene C-D sowie der Spurpunkt 72 der Schwerlinie 63 des Balancegerätes
markiert.
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Mit dem erfindungsgemäßen Balancegerät wird zur Fertigung künstlicher
Beine u. a. die objektive Bestimmung der Schwerlinie des Amputierten bei einer planmäßigen,
einbeinigen Haltungsform auf dem Rand der Stumpfbetthülse 42 vorgenommen.
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Ferner wird die Fixierung der sich ergebenden Lage der Stumpfbetthülse
t2 und des Verlaufs der Schwerlinie des Amputierten durch Markierung der Frontalebene
A-B und der Sagittalebene C-D auf der Stumpfbetthülse 42 durchgeführt. Im weiteren
wird die Lage des Hüftgelenks des Amputierten mit Hilfe einer Justiervorrichtung
bestimmt. Auf der Stumpfbetthülse wird die Markierung der frontalen und sagittalen
Hüftgelenkachse angebracht, um die Festlegung planmäßiger Verhältnisse zwischen
dem physiologischen Hüftgelenk des Amputierten und der mechanischen Knie- und Knöchelgelenkachse
des künstlichen Beines durchzuführen. Das Verhältnis zwischen der Lage des Hüftgelenks
und dem Verlauf der Schwerlinie des Amputierten wird mit Hilfe des Balancegerätes
bestimmt. Dieses Verhåltnis wird durch Markierungen auf der Stumpfbetthülse 42 fixiert.
Desgleichen werden die Stützdruckempfindungen des Amputierten bei einer schrittartigen
Bewegung und Belastung der Stumpfbetthülse 42,kontrolliert. Mit Hilfe des erfindungsgemäßen
Balancegerätes wird eine planmäßige Anordnung der Knie- und Knöchelachse, des Fußes,
des Knöchelstücks, der Wade und des Kniestücks im Verhältnis zu der fixierten Schwerlinie
und zu den markierten Ebeneni und C-D erzielt. Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Balancegerätes
wird die Kontrolle bzw. der Nachweis der einbeinigen, planmäßigen Haltungsform des
Amputierten auf dem Rand der Stumpfbetthülse42 sowie des sich hiernach ergebenden
Verlaufs seiner Schwerlinie durch das fertiggestellte künstliche Bein vorgenommen.
Mit Hilfe des als Kontrollgerät benutzten erfindungsgemäßen Balancegerätes lassen
sich auch 'I<ontrollen an künstlichen Beinen, z. B. die der Haltungsform auf
dem Rand der Stumpfbetthülse und die des Verlaufs der Schwerlinie des Amputierten,
vornehmen, die auf Grund anderer Methoden gebaut worden sind.
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Das erfindungsgemäße Balancegerät wird folgendermaßen betätigt: Die
Wasserwaagen 4 stehen bei unbelastetem Balancegerät auf Null und zeigen hiermit
die Wirksamkeit der Schwerlinie 63 bzw. die Wirksamkeit des Schwerpunktes derselben
an.
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Wird nun die Spannvorrichtung 56-60, eine vorgearbeitete Stumpfbetthülse
42 oder eine Stumpfbettform aus einer thermoplastischen IMasse od. dgl., eingespannt,
so weichen die Libellen der Wasserwaagen 4 von der Nullstellung ab, weil das Gewicht
der Stumpfbetthülse 42 einschließlich des Gewichtes des an der Kugel 2 hängenden
Teiles des Balancegerätes einen neuen Schwerpunkt erhalten hat. Dabei muß die Feststellvorrichtung
für die Kugel 2 gelöst sein, damit der neue Schwerpunkt in die Senkrechte aus der
Kugel 2 einpendeln kann.
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Mit Hilfe der Schiebegewichte 112 und 113 wird eine frontale, mit
Hilfe der ausziehbaren Gewichte 6I und 62 eine sagittale Abweichung der Libellen
der Wasserwaagen 4 von der Null stellung ausgeglichen.
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Stehen die Libellen wieder auf Null, so werden zunächst zwei Balanceversuche
durchgeführt, um die durch die Stumpfbetthülse 421 verursachten Gleichgewichtsverhältnisse
zu ermitteln. Zu diesem Zweck wird der Horizontalrahmen 5 gegenüber den Btichsen
6 mit Hilfe der Gewindespindeln 7 und 8, der Kettenräder g und 10 sowie der I(ettelIiI
z. B. um Io mm nach rechts oder links transportiert. Die transportierte Strecke
ist durch eine in der Zeich-
nung nicht dargestellte Millimetereinteilung
auf den frontalen Schenkeln des Horizontalrahmens 5 ablesbar. Infolge dieser Bewegungen
weichen die Libellen von der Nullstellung ab. Um die Nullstellung wieder zu erreichen,
ist ein Transport der Schiebegewicllte Ii2 und I3 um ein bestimmtes Maß, z. B. um
20 mm, erforderlich. In sagittaler Richtung wird ein entsprechender Versuch durch
Betätigung der Gewindespindel 20 und der Gewichte 61 und 62 durchgeführt. Die hierbei
durch die Gleitbrücke 19 zurückgelegte Strecke wird von einer in der Zeichnung nicht
dargestellten Millimetereinteilung auf dem sagittalen Schenkel des Horizontalrahmens
5 abgelesen. Ist nun später, bei der Einregulierung der Schwerlinie des Amputierten
in die Schwerlinie 63 des Balancegerätes, ein horizontal-frontaler Transport des
Amputierten und somit des Horizontalrahmens 5 z. B. um 10 mm erforderlich, so weiß
man, daß zur Erhaltung der Gleichgewichtsverhältnisse des Balancegerätes an sich
einschließlich des Gewichtes der Stumpfbetthülse 42 ein Transport der Schiebegewichte
12 und I3 um 20 mm oder im Verhältnis 1 : 2 erforderlich ist. In gleicher Art werden
horizontal-sagittale Transporte durchgeführt.
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Nach dieser Vorbereitung wird der Amputierte in das Balancegerät
gestellt, wobei sein Amputationsstumpf von der Stumpfbetthülse 42 bzw. von der Stumpfbettform
aufgenommen wird. Durch Betätigung der Gewindespindel 64 und 65 mittels der Handräder
66 oder 67, der Kettenräder 68 und 69 sowie der Kette 70 wird die richtige Höhe
der Stumpfbetthülse 42 eingestellt. Der Amputierte steht nun wie auf zwei Beinen
im Balancegerät.
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Dabei sind die Sperrstifte28,40 und 41 ausgerastet.
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Hierdurch kann der Amputierte mittels seines Amputationsstumpfes die
Stumpfbetthülse 42 zusammen mit dem auf dem Schwenkzapfen;212 beweglichen Bügel.
23 und der Justiervorrichtung 43-55 sowie der Spannvorrichtung 56-6o, die auf den
Schwenkzapfen36 und 37 schwenkbar gelagert sind, in zwei Ebenen bewegen. Hat der
nunmehr frontal ausgerichtete, im Balancegerät stehende Amputierte dabei das Gefühl,
daß sein Amputationsstumpf im Sinn der Innen- oder Außenrotation bewegt werden muß,
um eine natürliche Lage einzunehmen, so wird dies mit Hilfe einer axialen Drehung
des Justierrahmens 51 auf dem Träger 47 mittels eines in der Zeichnung nicht dargestellten
Gewindetriebes bewerkstelligt. Werden nun die in den zentralen Bohrungen der Schwenkzapfen
22, 36 und 37 geführten Justiertaster 24, 38 oder 39 auf die bewegte Stumpfbetthülse
42 gedrückt, so zeichnen sich auf letzterer Kurven ab. Dieses beweist, daß die Achsen
der Schwenkzapfen22, 36 und 37 mit den physilogischen Schwenkachsen des Hüftgelenks
der amputierten Seite nicht übereinstimmen. Um nun die erforderliche Übereinstimmung
zu erzielen, werden zunächst die Sperrstifte 40 und 41 eingerastet, so daß die Stumpfbetthülse
42 nur noch in Verbindung mit dem Bügel 23 auf dem frontalen Schweukzapfen 22 frei
bewegt werden kann. Mittels der Gewindespindeln 43 und 44, der Kettenräder 48 und
g sowie der Kette 50 wird die Stumpfbetthülse 42 und somit das Hüftgelenk der amputierten
Seite vertikal auf die richtige Höhe und mittels des Gewindetriebes 53 auf die frontale
Schwenkachse des Schwenkzapfens22 justiert. Bei richtiger Justierung kann die Spitze
des Justiertasters 24 in die Stumpfbetthülse 42 eingestoßen werden, wobei sich letztere
um die so gebildete Achse bewegen läßt. Dieses beweist die Übereinstimmung einer
physiologischen Schwenkachse des Hüftgelenks mit der Schwenkachse des Schwenkzapfens22,
wobei gleichzeitig die Markierung auf der Stumpfbetthülse 42 erfolgt.
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Nun werden die Sperrstifte 40 und 41 ausgerastet und der Sperrstift
28 eingerastet. Mittels des Gewindetriebes 55 wird die Übereinstimmung mit der sagittalen
Schwenkachse herbeigeführt und eine entsprechende Markierung auf der frontalen Seite
der Stumpfbetthülse 42 angebracht. Dann werden zwecks Kontrolle der Stützdruckempfindungen
des Amputierten die Sperrstifte 28, 40 und 41 ausgerastet, damit er schrittartige
Bewegungen ausführen kann, wobei der größte Teil seiner Körperlast auf dem Rand
der Stumpfbetthülse 42 bzw. auf dem Rand der Stumpfbettform ruht. Ergeben sich durch
die Abstützung lokale Druckempfindungen, so werden diese durch Formveränderungen
des Stumpfbettrandes behoben, bis eine ausgeglichene Stützdruckempfindung eintritt.
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Anschließend wird die Bestimmung einer planmäß1igen einbeinigen Haltungsform
des Amputierten auf dem Rand der Stumpfbetthülse 42 vorgenommen.
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Zu diesem Zweck wird die Kugel 2 mittels eines Handrades 73 fixiert.
Die Sperrstifte 28, 40 und 41 werden eingerastet. Hierauf nimmt der Amputierte sein
gesundes Bein vom Boden weg und stützt sich wie bei Austührung eines Schrittes nur
auf den Rand der Stumpfbetthülse 42. Als planmäßige Haltungsform wird, entsprechend
der Haltung des gesunden Menschen in dieser Schrittphase, eine Beckenhebung auf
der nicht unterstützten Seite und eine konvex zum Stützbein, also zum künstlichen
Bein gebogene Wirbelsäule zugrunde gelegt. Weil nun durch die Lage der Stumpfbetthülse
42 und des Stumpfbettrandes als Stützelemente, auf die der Amputierte bei einbeinigem
Stehen seinen Schwerpunkt bringt, die Haltungsform des Oberkörpers bestimmt wird,
wird jetzt die Lage der Stumpfbetthülse 42 und somit die Lage des Stumpfbettrandes
mittels der Schneckentriebe26, 29 und 30 dergestalt verändert, daß die planmäßige
Haltungsform erzwungen wird. Voraussetzung hierzu ist jedoch, daß die Stumpfbetthülse
42 und der Stumpfbettrand an sich geeignete Stützelemente darstellen, wie sie in
einem besonderen, hier nicht zu behandelnden Verfahren gewonnen werden. lGunmehr
erfolgt die objektive Bestimmung der Schwerlinie des Amputierten. Zu diesem Zweck
wird zunächst die Fixierung der Kugel 2 mit Hilfe des Handrades 73 gelöst. Die Ferse
des gesunden Beines des Amputierten wird an die Grundlinie der Sagittalebene C-D
gebracht, wobei der Amputierte sein Körpergewicht möglichst gleichmäßig auf sein
gesundes Bein und auf die Stumpfbetthülse 42
verteilt. Bei dieser-zweibeinigen
Haltungsform werden die Libellen der Wasserwaagen 4 auf die Nullstellung einreguliert
und die Gleichgewichtsverh!ältnisse innerhalb des Balancegerätes einschließlich
der eingespannten Stumpfbetthülse 42 durch Verschiebungen der Gewichte I2 und I3,
6I und 62 hergestellt. Jetzt teilt die Sagittalebene C-D den Körper des Amputierten
in eine rechte und eine linke Hälfte; sie ist also jetzt gleich der Medianebene.
Weil die Wasserwaagen 4 auf Null stehen, verläuft der Vertikal rahmen genau in der
Richtung Nase-Nabel-Grundlinie C-D. Es muß also der Schwerpunkt des Oberkörpers
des Amputierten in der Medianebene liegen. Auf dem Horizontalrahmen 5 wird der Millimeterstand
gegenüber der Buchse 6 abgelesen. Dann nimmt der Amputierte sein gesundes Bein vom
Boden weg. Weil nun die Sperrstifte 28, 40 und 4I eingerastet sind und die Schneckentriebe
26, 29 und 30 nicht verändert wurden, kann und muß der Amputierte sofort wieder
die planmätßige einbeinige Haltungsform auf dem Stumpfbettrand einnehmen. Dabei
schlagen die Libellen der Wasserwaagen 4 durch die Gewichtsverlagerung aus. Nun
wird der Amputierte frontal mit Hilfe der Gewindespindeln 7 und 8, der Kettenräder
9 und 10 sowie der Kette I'I und sagittal mit Hilfe der Gewindespindel 20 transportiert,
bis die Wasserwaagen 4 auf Null stehen. Durch Verschiebung der Gewichte 12 und I3,
6'I und 62 wird der Gleichgewichtszustand innerhalb des Balancegerätes wiederhergestellt.
Der Amputierte verläßt jetzt das Balancegerät. Wurde die Schwerlinie des Amputierten
richtig in die Schwerlinie 63 des Balancegerätes einreguliert und die Gewichte I2
und I3, 6I und 6'2 fehlerfrei eingestellt, so stehen die Libellen der Wasserwaagen
4 auch bei unbelastetem Balancegerät auf Null. Ist das der Fall, so wird die Kugel
2 mittels des Handrades 73 fixiert. Auf dem frontalen Schenkel des Horizontalrahmens
5 wird jetzt die Strecke der Schwerpunktverlagerying von der zweibeinigen zur einbeinigen
Haltungsform in Millimetern abgelesen.
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Auf der Stumpfbetthülse 42 lassen sich mit Hilfe der GrundlinienA-B
und C-D leicht die Ebenen A-B und C-D markieren, deren Schnittlinie gleich der Schwerlinle
63 und somit gleich der Schwerlinie des Amputierten ist.
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Soll ein beidseitig Beinamputierter versorgt werden, so ist der Vorgang
grundsätzlich der gleiche wie beim einseitig Beinamputierten. Nur benutzt der erstere
auf einer Seite ein künstliches Bein als Stütze. Ist ein solches nicht vorhanden,
so gibt man ihm ein behelfsmäßiges künstliches Bein aus einem Gipsverband od. dgl.
mit Holzstütze, wobei das Gewicht dieses Behelfs dem fertigen künstlichen Bein entsprechen
muß.
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Durch die exakte Bestimmung und Fixierung der Schwerlinie, der FrontalebeneA-B,
der Sagittalebene C-D, der beiden Hüftgelenkachsen und der Lage der Stumpfbetthülse
und des Stumpfbettrandes als Stützelemente lassen sich als Aufbauplan zur Fertigung
des künstlichen Beines die Ergebnisse der wissenschaftlichen Grundlagenforschung,
speziell die dynamisch-statischen Resultate aus der Schrittanalyse gesunder Menschen
exakt anwenden.
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Für fertige künstliche Beine wird das Balancegerät als Kontrollgerät
angewendet, wobei es zweckmäßig mit einem Röntgenapparat gekoppelt wird.
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Es werden dann der Verlauf der Schwerlinie durch das fertiggestellte
künstliche Bein, bei einbeiniger Haltungsform auf dem Stumpfbettrand, ihre dabei
erfolgte Verlagerung gegenüber der tGangebene (Medianebene) sowie die Haltungsform
des Oberkörpers auf dem Stumpfbettrand im allgemeinen als auch des Beckens und der
Wirbelsäule im besonderen nachgeprüft bzw. nachgewiesen. Mit einem Blick sieht man
dabei an der Lage des Spurpunktes 72, wo die Schwerlinie des Amputierten die Fußsohle
seines künstlichen Beines trifft.