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Einspritzgefäß für vorrätig zu haltenden Inhalt
I)ie Erfindung bezieht
sich auf ein Einspritzgefäß für vorrätig zu haltenden Inhalt, das sich im wesentlichen
durch seine Gestaltung und durch die Verbindung mit einem Ventilgebläse, um dadurch
Sog und I)ruck in dem Gefäß zu erzeugen, kennzeichnet.
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Die parenteralen Einspritzungen von Kochsalz, Zucker, Serum, Medikamenten
und anderem, die unter den beschränkten Arbeitsverhältnissen des Krieges, besonders
auch unter frontmäßigem Einsatz oder in Feldlazaretten, dort oft zugleich in großer
Zahl, vorzunehmen sind, stoßen praktisch auf Schwierigkeiten. Es ist notwendig,
eine größere Anzahl von Spritzen oder Infusionsbestecken steril vorrätig zu halten
und nach Gebrauch neu zu sterilisieren. Besonderes auch der Schiffsarzt, der bei
der Behandlung von Schiffbrüchigen vor die Notwendigkeit gestellt wird, einer großen
Anzahl von lenschen' die aus dem Wasser gerettet wurden, zur Bekämpfung des Kollapszustandes
möglichst schnell eine große Infusion von Kohlehydraten zu geben. wird bei Vornahme
dieser ärztlichen Maßitahme oft praktische Schwierigkeiten haben.
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Es besteht kein Zweifel, daß es als ein Fortschritt anzusehen ist,
wenn die Möglichkeit besteht, die Einspritzung in der Weise vorzunehmen, daß die
Ampulle selbst gewissermaßen als Spritze benutzt wird.
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Die nach dem heutigen Stand der Technik ge-I)räuchlichen Apparate,
die zu dem Zweck angeboten werden, eine Flüssigkeit unmittelbar aus dem \ orratsgefäß
ohne Benutzung einer Spritze in den Korper eiilzuspritzen, haben infolge verschiedener
Nachteile keine Verbreitung gefunden. Um einige der Nachteile anzuführen: So ist
es z. B. bei einer <ekatinten Ausführungsform unzweckmäßig, daß die l.»isung,
die eingespritzt werden soll, außer mit (;las auch mit anderen Stoffen in Berührung
kommt,
die gegenüber Flüssigkeiten nicht indifferent sind und bei längerem Lagern, besonders
wenn es mit starken Temperaturschwankungen verbunden ist, sich selbst oder die Lösung
verändern.
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Diesen Übelstand sucht eine andere bekannte nusführung zu vermeiden,
bei der ein Gasüberdruck in der Ampulle erzeugt und dieser zur Entleerung der Flüssigkeit
benutzt wird. Da aber die Höhe des Überdrucks, der erzeugt werden kann, infolge
des zur Verfügung stehenden kleinen Raumes nur beschränkt ist, können auf diese
Weise nur verhältnismäßig kleine Flüssigkeitsmengen eingespritzt werden. Ein anderer
Nachteil besteht darin, daß mit den bekannten Apparaten nicht ohne weiteres auch
ein Sog erzeugt werden kann,,der selbsttätig und anhaltend wirkt. Dies ist aber
für die Vornahme der Venenpunktion notwendig, weil vor der Einspritzung in die Vene
jeweils erst Blut angesaugt werden muß, um sich von der richtigen Lage der Kanüle
zu überzeugen. Bei der intramuskulären Einspritzung ist umgekehrt durch den Sog
und das Ausbleiben des Bluteintritts sicherzustellen, daß keine Vene angestochen
ist.
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Und schließlich ist es ein Nachteil, daß die bekannten Ausführungsformen
im Gebrauch nicht so handlich sind, daß sie von dem Arzt allein leicht bedient werden
können.
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Die vorliegende Erfindung soll gegenüber diesen Nachteilen Verhesserungen
bieten. Dies wird auf folgende Art erreicht: Die Flüssigkeit wird erfindungsgemäß
in einem Gefäß vorrätig gehalten, aus dem sie unmittelbar in den Körper eingespritzt
werden kann und in dem sie im wesentlichen nur mit Glas in Berührung kommt, so daß
sie lange Zeit unverändert und steril aufbewahrt werden kann. Die Form des Gefäßes
ist erfindungsgemäß so gewählt, daß es möglich wird, auf den Inhalt des Gefäßes
zunächst einen selbsttätig wirkenden Sog und dann einen Druck auszuüben. Der selbsttätig
und anhaltend wirkende Sog hat den Vorteil, daß sofort, wenn die Vene angestochen
ist, Blut in das Gefäß eintritt und die richtige Lage der Kanüle anzeigt, so daß
das Suchen bei tiefliegenden und nur schlecht sichtbaren Venen erleichtert ist.
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Die Mengen, die dabei eingespritzt werden können, können beliebig
groß sein, da Sog und Druck mechanisch von außen erzeugt werden. Und schließlich
ist die Form des Gefäßes und des Zuhehörs so einfach gewählt, daß es leicht transportabel
ist, serienmäßig billig hergestellt werden kann und im Gebrauch so handlich ist,
daß es vom Arzt allein bedient werden kann. Dabei fallen alle hisher-als Vorbereitungen
notwendigen Arbeiten, wie Sterilisation sowie der Gebrauch von Spritzen oder Infusionsbestecken,
weg, was besonders auch hei den Arbeiten unter Kriegsverhältnissen für die Ärzte
der Front, der Lazarette und auch in der Heimat eine große Arbeitserleichterung
und Materialersparnis bedeutet.
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Die Erfindung wird in der Zeichnung veranschaulicht.
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Abb. 1 bis sind verschiedene Ausführungsformen des Glasgefäßes, die
Abb. 6 bis I0 stellen ein Ausführungsbeispiel eines Gebläses und die Ahb. ii bis
I3 eine weitere Ausführungsform eines solchen dar.
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Das vorzugsweise längliche Glasgefäß I (Abb. I und 2) ist mit einem
hakenförmigen, spitz zulaufenden Krümmer 2 zum Anstecken eines Ventilgebläses ausgebildet,
und am gleichen Ende des Gefäßes ist auch der Kanülenansatz 3 bzw. die Kanüle vorgesehen.
Weiter ist das Glasgefäß oben etwas ausgehaucht bzw. trägt eine über seinen Rücken
verlaufende hohle Flosse 4, zum Zwecke, daß die Druck erzeugende Luftblase auf der
Flüssigkeit hzw. oberhall> des Flüssigkeitsspiegels bleibt, um eine kontinuierliche
Entleerung sicherzustellen, ohne zu glucksen und um ein Zurücksteigen der Flüssigkeit
zu vermeiden. Ein Einfüllstutzen kann besonders vorgesehen sein, der nach dem Füllen
zugeschmolzen wird, wenn man nicht den Krümmer zum Einfüllen benutzen will. Ebenso
werden der Krümmer als auch der Kanülenansatz zugeschmolzen. Die Schmelzenden sind
in bekannter Weise mit Einritzungen I>zw. Einschnitten versehen, um sie bei Gebrauch
des Instruments leicht abbrechen zu können.
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Nach den in den Abb. 2 und 4 dargestellten Ausführungsbeispielen
sind der Ansatz 5 für das Gebläse und der Ansatz 6 für die Kanüle an den gegenüberliegenden
Enden des Gefäßes angeordnet, ebenso nach der Ausführungsform gemäß Abb. 5. Hier
ist der Ansatz für das Gebläse ein lyraförmiger Krümmer 7. Je nach der Einstellung
des Flüssigkeitsspiegels wird in seinem äußeren Schenkel eine selbsttätige Sog-
und Druckwirkung durch die Verwendung eines gebräuchlichen Gebläses, z. B. eines
Blutdruckapparategehläses (Richardsonscher Luftdruckball), ermöglicht. Zur Erzeugung
des Sogs wird nach Freilegung der Kanüle und dem Ansetzen des Luftgebläses zunächst
eine geringe Flüssigkeitsmenge herausgedrückt, bis die Flüssigkeit fast im unteren
Bogen des Anschlußstücks 7 steht. Dann wird das Ventil des Gebläses geöffnet. Die
jetzt nach Verbindung der Außenluft nach dem Gesetz der kommunisierenden Röhren
im freien Schenkel des Krümmers 7 hochsteigende Flüssigkeitsmenge erzeugt selbsttätig
den Sog an der Kanüle. Nach Schließen des Ventils kann durch den Luftdruck des Gebläses
die Flüssigkeit entleert werden.
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Zur bequemen und besseren Handhabung des Einspritzapparats durch
den Arzt ohne Mithilfe ist jedoch nach der vorliegenden Erfindung ein Gebläse für
Sog, Druck, Entlastung und Ahschluß geschaffen worden, das mit einem Vierwegeventil
ausgebildet ist. Bei Verwendung dieses Gebläses kann das Halten des Gefäßes heim
Einspritzen und das wahlweise Einstellen des Ventils in seine verschiedenen Wege
gleichzeitig mit der haltenden Hand erfolgen, nämlich mit dem Blaseball 8, der hier
an das Ventilstück 9, das sich durch einen Schlauchansatz io nach außen fortsetzt,
angeschlossen ist. ii ist das Ventilgehäuse, das mit einem vorzugsweise elastischen
Ansatz 12 zum An-
stecken an den Krümmer 2 versehen ist. NIan kann
also hier die in der Abb. 7 (Querschnitt) gezeigten Durchgangswege 13' I3", I3M'
und I3 durch Dreheu des Balls 8, wie ollen schon ausgeführt, einstellen. Dabei gil)t
der erste Weg (Abb. 6) bei geschlossenem Gefäß den Luftstrom des Balls nach außen
frei. Der zweite (Abb. 8) ermöglicht es, einen Sog auf den inhalt des Gefäßes auszuüben.
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I)er dritte NVeg (Abb. 9) stellt die Verbindung mit der Außenluft
her, und schließlich kann auf dem vierten Wege (Al)l). io) ein fortdauernder Druck
mit gefilterter Luft erzeugt werden. Durch entsprechendes Einstellen des Mittelstücks
g kann so ein sell>sttätig und anhaltend wirkender Sog zum Ansaugen des Blutes
hzw. ein Ueberdruck auf den Inhalt des Gefäßes zu seiner Entleerung erzeugt werden.
Sog und Druck können jeweils durch Umschalten auf die Öffnungsstellung mit der Außenluft
schnell unterbrochen werden. Und die dazu so notwendigen 1-landreichungen sind so
einfach. daß sie vom Arzt allein gemacht werden können.
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Ein weiteres Ausf üh runhsl,ei spiel des Vierwegeventils ist in den
Abb. 1 1 bis 13 gezeigt. Es unterscheidet sich von den ohen geschilderten lediglich
nur darin, daß sein Ventilküken g nicht mit einem nach außen geführten Ballansatz
versehen ist, sondern es in der X4itte des Gehäuses ii mit einem drehbaren Stellkranz
14 über das Ventilgehäuse hervorragt. An diesem kann es mit den Fingern der das
Gebläse hzw. den Druckball hedienenden Hand durch Drehen eingestellt werden. Auf
diese Weise sind durch Drehen von 180 bis 360 die vier beschriebenen Wege handlicher
und sicherer einstellbar.