DE70335C - Apparat zur Gewinnung von Sauerstoff aus Luft - Google Patents
Apparat zur Gewinnung von Sauerstoff aus LuftInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAM
Die vorliegendeErfindung betrifft einen Apparat zur Erzeugung von Sauerstoff, bei welchem heifse
Luft einerseits und überhitzter Dampf andererseits zur Oxydation und Desoxydation benutzt
werden, wobei die Umschaltung vom Luftstrom auf den Dampfstrom, und umgekehrt, auf vollkommen . automatischem Wege erfolgt, so dafs
der Apparat keiner fortwährenden Beaufsichtigung bedarf und, da er aus zwei gleichartigen
Theilen besteht, in welchen gleichzeitig die entgegengesetzten Processe vor sich gehen, continuirlich
Sauerstoff liefert.
Wie schon oben angedeutet, sind zwei gleichartige Satz Retorten in einem Ofen gelagert;
dieser wird aufserdem von den zur Zuführung der Luft und des Dampfes dienenden Röhren
durchzogen, so dafs alle bei der Erzeugung des Sauerstoffs betheiligten Stoffe die gleiche
Temperatur besitzen. Hierdurch aber wird jede Temperaturerniedrigung und so die Bildung
von Condensationswasser in den Röhren bezw. Retorten vermieden. Auf diese Weise ist es möglich, einen stets gleichen Wirkungsgrad
der Anlage herbeizuführen, was bei allen bisherigen Apparaten noch nie erreicht worden
ist.
Während also in dem einen Satz Röhren die Oxydation des Materials durch hoch erhitzte
Luft geschieht, geht in dem anderen Satz die Reduction des vordem oxydirten Materials
durch überhitzten Dampf vor sich. Der während der Reduction sich entwickelnde Sauerstoff
wird auf seinem Wege zum Gasometer durch einen Kühlapparat geleitet, welcher mit
einer Vorrichtung combinirt ist, durch die bei Beendigung der Reduction, also wenn kein
Sauerstoff mehr durch den Kühler fliefst, selbsttätig
die Luft- und Dampfventile umgestellt werden; indem nämlich nach Beendigung der Reduction der überhitzte Dampf an Stelle von
Sauerstoff in den Kühler tritt, arbeitet dieser letztere als Oberflächencondensator und bewirkt
eine schnelle Condensation des Dampfes, dadurch aber auch die Bildung eines Vacuums
innerhalb der Röhren des Kühlers.
An das den Sauerstoff aus dem Kühler in den Gasometer führende Rohr ist nun ein
zweites Rohr angeschlossen, welches mit einem, mit einem Schwimmer ausgerüsteten Wasserbehälter
in Verbindung steht. Sobald nun im Rohrsystem des Kühlers durch Dampfcondensation
ein Vacuum entsteht, tritt das Wasser aus dem oben erwähnten Behälter S S* in den
Kühler, so dafs der Schwimmer sinkt. Dieser ist aber in geeigneter Weise mit einem Mechanismus
verbunden, durch welchen die Bewegung des Schwimmers auf die Luft- und
Dampfhähne derart übertragen wird, dafs Umstellung derselben erfolgt. :
Zu gleicher Zeit mit der Beendigung der Reduction in dem einen Satz Retorten ist auch
die Regeneration in dem anderen Satz beendigt worden, so dafs nach der Umstellung der
Hähne auch die Umkehrung der Processe in den Retorten eintritt und in dem ■ soeben der
Reduction unterworfen gewesenen Satz nun die Regeneration und in dem anderen Satz die
Reduction, also die Sauerstoffabgabe, vor sich
geht. Auch das von diesem Satz nach dem Gasometer führende Rohr ist durch einen
Kühler geleitet, welcher mit einem Schwimmerapparat, genau derselben Ausführung, wie oben
erläutert, in gleicher Weise verbunden ist. Die Führungs- und Uebertragungsstangen der beiden
Schwimmer sind am unteren Ende durch einen wagebalkehartigen Hebel verbunden, an welchem
gleichzeitig die die Umschaltung der Hähne vermittelnden Theile angelenkt sind. Sobald nun in dem zweiten Satz Retorten die,
Sauerstoffentwickelung beginnt und der Sauerstoffstrom in das Rohrsystem des zweiten
Kühlers eintritt, drückt er das in diesem von der letzten Einsaugung noch befindliche Wasser
in den betreifenden Behälter zurück, was auf den in diesem enthaltenen Schwimmer ohne
Einflufs ist, da derselbe durch den anderen Schwimmer bei dem vorher erfolgten Sinken
desselben bereits angehoben wurde. Diese Anhebung konnte ohne nachtheiligen Einflufs auf
den ersten Schwimmer und auf die von diesem bethätigten Mechanismen erfolgen, da das Wasser
des zweiten Behälters sich noch in dem betreffenden Kühler bezw. Oberflächencondensator
befand.
Zwischen den Kühlapparat und den Gasometer ist eine Waschvorrichtung eingeschaltet,
deren Flüssigkeit der Sauerstoff, zu einer Reinigung durchlaufen mufs. Die Mündungen der
beiden auf dem Boden des Waschbehälters endenden Sauerstoffzuführungsrohre sind mit
Klappenventilen versehen, durch welche ein Zurücktreten des Wassers in diese Rohre verhindert
wird; dagegen steht dem Austreten von Wasser aus den Röhren nichts entgegen. Das Wasser, welches durch die in die beiden
Kühler wechselweise eintretenden Sauerstoffströme aus den Rohrsystemen der Kühler verdrängt
wird, tritt stets zuerst in die Schwimmerbehälter ein, da einestheils die Rohre diesem
'Zweck entsprechend angeordnet sind und anderentheils vom Wascher aus ein gröfserer
Druck entgegenwirkt. Da nun die Wassermenge in den Schwimmerbehältern stets die gleiche bleibt, so wird also das durch Dampfcondensation
sich bildende Wasser stets in den Wascher übergeführt, dessen Inhalt man von Zeit zu Zeit in beliebiger Weise entsprechend
vermindert.
.· Die in den beiliegenden Zeichnungen dargestellte Construction des Apparates ist nun die
folgende:
In einem Ofen (Fig. i) von geeigneter Gröfse und Form sind zwei (bei Bedarf auch mehr)
Satz Retorten A und B gelagert, von denen jede von der in den Fig. 4 und 5 gezeigten
Ausführung ist, und zwar besteht jede Retorte zunächst aus einem kastenartigen Behälter, der
durch einen aufschraubbaren Deckel verschlossen werden kann. In diesem Hauptbehälter
liegt ein zweiter, die Reductionsmaterialien enthaltender Behälter, dessen Boden
und Decke siebartig durchlöchert sind, wobei durch passend angeordnete Drähte sowohl
unter als auch über dem Innenbehälter niedrige Räume gebildet sind, von denen der untere
das Aufströmen des Dampfes bezw. der Luft auf die ganze Fläche der Reactionsmaterialien
und der obere das Abströmen des gebildeten Sauerstoffes- bezw. des freiwerdenden Stickstoffes
von der ganzen Fläche der Reactionsmaterialien gestattet. Um diese Arbeitsweise zu
ermöglichen, correspondirt das Zuströmrohr mit dem unteren Raum und das Abströmrohr
mit dem oberen Raum, so dafs die nicht sehr dicke Schicht des Reactionsmaterials in ihrer
ganzen Ausdehnung von Unten nach oben durchströmt und jedes Theilchen beeinflufst
wird. Die Reaction geht also sehr schnell und aufserordentlich energisch vor sich.
Die Retorten werden im Winkel von ungefähr 6o° angeordnet, und ebenso liegt auch
das zwei Retorten verbindende Rohr derart, dafs die Ausströmöffnung der unteren Retorte
niedriger als die Einströmöffnung der oberen Retorte liegt; dies ist für schnelles Aufsteigen
der Gase und für leichtes Durchfliefsen der Retorten von wesentlicher Bedeutung.
Von den beiden Satz Retorten A und B ist
jeder wieder aus acht Satz zusammengesetzt, deren jeder aus. drei Retorten besteht. Diese
acht Satz arbeiten parallel, gehen von einer Stelle aus und münden auch an einer Stelle,
und zwar liegen die Anfänge der acht Satz Retorten A an einem verticalen Einlafscylinder H
und die Enden an einem verticalen Auslafscylinder /, während die acht Satz Retorten -B
ebenso einerseits an einem Einlafscylinder H1 und andererseits an einem Auslafscylinder J1
liegen. Die Einlafscylinder HH1 sind am oberen und die Auslafscylinder JJ'1 am unteren
Ende verschlossen, aufserdem besitzt jedes derselben ein Luftventil KK1LL1 von solchem
Querschnitt, dafs acht parallel liegende Retorten in ausreichender Weise gespeist werden können.
Ungefähr in der Mitte zwischen den Luftventilen K K1 und den oberen Abschlüssen
der. Cylinder HH1 sind an der Aufsenseite der letzteren Dampfventile ff1 vorgesehen,
welche die Communication mit bezw. den Abschlufs von den Dampfröhren (in Fig. 1 nicht
gezeichnet, aber im Diagramm Fig. 2 sichtbar und mit jj^4 bezeichnet) vermitteln. Die Dampfröhren
#>* durchlaufen vor ihrem Anschlufs
an H und H1 einen beträchtlichen Theil des
Ofens, damit der Dampf die gleiche Temperatur erhält mit den ebenfalls von den Feuergasen
umspülten Retorten nebst deren Inhalt.
Zwischen den Retorten A und B befinden sich zwei Satz verticaler Röhren E und E1.
Die Röhren jedes Satzes sind am oberen Ende
durch horizontale Röhren AiM1, Fig. 2, und
am unteren durch solche NN1 verbunden.
Diese letzteren stehen in Verbindung mit den Einlafscylindern H H1, während die ersteren
an ein einfaches Gebläse angeschlossen sind, durch welches Luft in die Röhren EE1 gedrückt
wird. Die Verbindungsrohre, welche die Luft von N N] nach HH1 führen, liegen
direct über dem Feuer, so dafs sehr schnelle und energische Erhitzung der Luft eintritt,
welche also auch in gleich hoher Temperatur mit den Reactionsmaterialien und dem Dampf
sich befindet.
Um nun die Luft den Retorten bezw. den Reactionsmaterialien in möglichst trockenem
Zustande zuzuführen, sind die Röhren EE1
mit Chlorcalcium gefüllt, das der Luft die mitgeführte Feuchtigkeit entzieht. Da nun aber
bald Sättigung des Chlorcalciums eintreten würde, sind in die Verbindungsröhren zwischen
dem Gebläserohr und M M1 Zweiweghähne O O1 eingeschaltet, welche von dem Apparat
selbstthätig derart gesteuert werden, dafs die Rohre EE1 abwechselnd mit dem Gebläserohr
und mit der Aufsenluft in Verbindung gesetzt werden. Während also z. B. der Satz E vom
Luftstrom durchflossen wird und das in diesem Satz enthaltene Chlorcalcium die Luft trocknet,
steht der Satz E' in Verbindung mit der Aufsenluft,
so dafs die in dem Chlorcalcium dieses Satzes von der letzten Operation zurückgehaltene
Feuchtigkeit verdampfen und nach aufsen abziehen kann. Das Chlorcalcium ist also bei
Beginn der nächsten Operation wieder in vollkommen gebrauchsfähigem Zustande, so dafs
die Wirksamkeit auch dieses Theiles des Apparates stets auf derselben Höhe bleibt.
Zum besseren Verständnifs des im vorhergehenden Absatz Gesagten sei hier folgendes
noch bemerkt:
Wenn das Chlorcalcium bei einer 2000 überschreitenden Temperatur das in ihm enthaltene
Wasser abgegeben hat, so kann es natürlich nicht bei derselben Temperatur wieder Wasser
aufnehmen. Es wird die Aufnahme von Wasser aber dadurch möglich, dafs die Luft, welche
nachher, um getrocknet zu werden, über das Chlorcalcium geleitet wird, eine bedeutend
niedrigere Temperatur besitzt als letzteres selbst; die Temperatur des Chlorcalciums wird dadurch
so weit erniedrigt, dafs es mit Leichtigkeit wieder Wasser aufnehmen kann. Wenn aber darauf wieder der Luftzuflufs abgesperrt
wird, so liegt kein Grund mehr vor, weshalb das Chlorcalcium die im Ofen herrschende
Temperatur nicht annehmen sollte, und es findet. bei der Erwärmung naturgemäfs ein
Entweichen der aufgenommenen Flüssigkeit statt. .
In derselben Weise wie die Dampfventile//1 an den Einlafscylindern HH1 sind Sauerstoff
ventile gg1 an den Auslafscylindern JJ1 angeordnet.
Von diesen Ventilen gehen Rohre w5,
Fig. 2, zu den oben bereits besprochenen Kühlern ,Ri?1.
Die Arbeitsweise des Retortenapparates ist nun die folgende:
Nachdem die Retorten mit dem unschmelzbar gemachten Material gefüllt und der Ofen in
allen Theilen eine Temperatur von 400 bis 4 5 o° erlangt hat, wird der Hahnumsteuerungsmechanismus,
welcher weiter unten genau erklärt werden wird, so eingestellt, dafs der
Zweiweghahn O und die Luftventile K und L geöffnet sind. Das Gebläse wird nun angelassen
und es tritt ein Luftstrom durch Rohr M in den Satz E und aus diesem nach erfolgter
Trocknung durch Rohr N und das an dieses sich anschliefsende Verbindungsrohr in den
Einlafscylinder H. Auf ihrem Wege ist> die Luft hoch erhitzt und entwässert worden und
tritt nun in diesem Zustande in die parallel angeordneten dreimal acht Satz Retorten A.
Beim Durchstreichen des in diesen lagernden Materials erfolgt Oxydation desselben, so dafs
schliefslich durch Ventil L nur freier Stickstoff in die Atmosphäre entweicht, während der
Sauerstoff der Luft vom Material zurückgehalten worden ist.
Während dieses Vorganges waren die Ventile f und g geschlossen, dagegen/1 und g1
der benachbarten Retorten B geöffnet, so dafs diese von dem durch f1 eintretenden Dampfstrom
durchflossen wurden. Der Dampf vertheilte sich zunächst im Einlafscylinder H1 und
durchlief dann die parallel angeordneten dreimal acht Satz Retorten B in derselben Weise
wie nebenbei die Luft in A. Bei der nun erfolgenden Reduction des Materials in B wurde
Sauerstoff frei, der durch eines der Rohre n>5
in den Kühler Rτ und aus diesem durch den
Wascher W, Fig. 2, in den Gasometer gelangte.
Es geht hieraus hervor, dafs das Lufteinlafs- und Auslafsventil K und L der Serie A und
das Dampfeinlafs- und Sauerstoffauslafsventil/1
und g1 der Serie B zu gleicher Zeit offen sind,
während das Lufteinlafs- und Auslafsventil K1 und L1 der Serie B und das Dampfeinlafs-
und Sauerstoffauslafsventiiy und g der Serie A
zu gleicher Zeit geschlossen sind. Bei dieser Stellung der Hähne findet also in der Serie A
die Oxydation und in der Serie B die Reduction statt. Sobald die Processe beendet
sind, mufs Umstellung sämmtlicher Hähne erfolgen, damit auch Umkehrung der Processe
in den beiden Sätzen A und B eintritt.
Es würde nun hier als der einfachste Weg erscheinen, sämmtliche Ventile bezw. Ventilspindeln
von einer Welle aus derart bethätigen zu lassen, dafs bei gleichzeitigem Schlufs der
vier offen gewesenen Ventile gleichzeitige Oeff-
nung der vier geschlossen gewesenen, und umgekehrt erfolgt, so dafs in dieser Weise der zu
jeder Umkehrung der Processe nothwendige Wechsel der Verbindungen herbeigeführt wird.
Dieser Weg darf jedoch nicht eingeschlagen werden, da er auf jeden Fall Unterbrechungen
in der Erzeugung des Sauerstoffes und Verlust an Sauerstoff dadurch verursacht, dafs der desoxydirende
Dampf in die Retorten eintritt, ehe die Luftventile gänzlich geschlossen sind, und
selbst wenn der Schlufs der Luftventile mit genügender Schnelligkeit vor sich geht, so wird
wieder die in den Retorten noch enthaltene Luft sich mit dem frisch erzeugten Sauerstoff'
mischen und die Reinheit desselben erheblich beeinträchtigen.
Es ist also nothwendig, dafs in der Serie, welche von Luft durchströmt wurde, das Einlafsventil
K oder K1 gesondert, und zwar vorher, geschlossen wird, so dafs in dieser Serie noch
befindliche heifse Luft (bezw. Stickstoff) Zeit findet, durch das Auslafsventil L bezw. L1 in
die Atmosphäre zu entweichen, ehe Schlufs von L oder L1 und Oeffnung des Dampfventils
eintritt. Diese Entweichung wird durch den Gewichtsunterschied zwischen der Innen- und
Aufsenluft und durch die geneigte Lage der Retorten, sowie der diese verbindenden Röhren
sehr beschleunigt. Es ist so jede Störung des Oxydationsprocesses durch vorzeitigen Dampfeintritt
und jede Störung des Reductionsprocesses durch verzögerten Luftaustritt vollkommen vermieden.
Ein ferneres wesentliches Moment liegt darin, dafs man das Sauerstoffauslafsventil g oder gl
schon vor dem Dampfeinlafsventil f oder f1
öffnet, um so dem Dampf ein möglichst schnelles und ungehindertes Durchstreichen der Retorten
zu ermöglichen; eine Verzögerung würde leicht theilweise Condensation des Dampfes und dadurch
Anfeuchtung des Materials herbeiführen; dies aber mufs vermieden werden und wird
auch durch vorherige Oeffnung der Sauerstoffhähne in vollkommener Weise verhindert.
Ebenso wichtig aber ist es auch, das Dampfventil f oder f1 etwas vor dem Sauerstoffventil
g oder g l zu schliefsen, damit sich aller
Sauerstoff aus den Retorten entfernen kann, ehe der erneute Lufteintritt anfängt, und wird
dies durch das in den Retorten, wie oben erklärt, entstehende Vacuum erleichtert. Dies hat
natürlich auf beide Serien Retorten Bezug.
Das Oeffnen und Schliefsen der Ventile mufs also in folgender Reihenfolge vor sich gehen:
In Serie A wird Lufteinlafsventil K geschlossen, dann Luftauslafsventil L geschlossen,
dann Gasauslafsventil g geöffnet und schliefslich Dampfeinlafsventil f geöffnet; zu gleicher Zeit
wird in Serie B Dampfeinlafsventil f1 geschlossen,
dann Gasauslafsventil g1 geschlossen, dann Luftauslafsventil L1 geöffnet und schliefslich
Lufteinlafsventil K1 geöffnet. Mithin wird Lufteinlafsventil K geschlossen, wenn Dampfeinlafsventil/1
geschlossen wird, Luftauslafsventil L geschlossen, wenn Gasauslafsventil g1
geschlossen wird, Luftauslafsventil L1 geöffnet, wenn Gasauslafsventil g geöffnet wird, Lufteinlafsventil
K1 geöffnet, wenn Dampfeinlafsventil / geöffnet wird, und umgekehrt Lufteinlafsventil
K1 geschlossen, wenn Dampfeinlafsventil
f geschlossen wird, Luftauslafsventil Lx geschlossen, wenn Gasauslafsventil g
geschlossen wird, Luftauslafsventil L geöffnet, wenn Gasauslafsventil g' geöffnet wird, Lufteinlafsventil
K geöffnet, wenn Dampfeinlafsventil fl geöffnet wird.
Um nun die Ventile in dieser Reihenfolge automatisch zu bethätigen, ist eine Einrichtung
geschaffen, welche zunächst aus einer langen horizontalen Welle C, Fig. i, 2 und 3, besteht,
die entweder in der Mitte oder an beiden Seiten mit Gewinde versehen ist und aufser in ihren
gehörigen Lagern auch in einer (bezw. zwei) starken feststehenden Mutter E'2 läuft, so dafs
bei Drehung der Welle in der einen oder anderen Richtung auch eine axiale Verschiebung
derselben in der einen oder anderen Richtung eintritt. Auf der einen Hälfte der Welle C,
links vom Retortenapparat (Fig. 2), befinden sich zwei lose Riemscheiben' V V1, von denen die
eine durch einen· offenen Riemen beständig in der einen Richtung und die andere durch einen
gekreuzten Riemen beständig in der anderen Richtung gedreht wird. Beide Riemscheiben V V1
sind mit'Kupplungen versehen, welche durch die oben bereits ausführlich besprochenen
Schwimmerapparate SS1, Fig. 2, aus-, bezw.
eingerückt werden, so dafs also durch die bei Beendigung der Sauerstofferzeugung in der
einen und Anfang der Sauerstofferzeugung in der anderen Serie Retorten eintretende Lagenwechselung
der Schwimmer ν ν1 auch eine Drehung der Welle C in der einen oder anderen
Richtung bezw. Wechsel der Richtung herbeigeführt wird. Die Mitnahme der Welle durch
die eine oder andere Riemscheibe erfolgt mit Hülfe von Nuth und Keil, und es sind die
Kupplungen derart eingerichtet, dafs bei Einrückung auch Einrückurig des Keiles und bei
Ausrückung ebenfalls Ausrückung des Keiles erfolgt, wobei die Riemscheiben aber stets trotz
der hin- und hergehenden axialen Verschiebung der Welle C auf demselben Platze verV.
harren. ;.
Die andere Hälfte der Welle C, direct vor dem Ofen, besitzt vier lose Doppelkettenräder
O2 P QC/, welche durch Stäbe, die von dem
Mauerwerk des Ofens ausgehen (in den Zeichnungen nicht dargestellt), am seitlichen Ausweichen
gehindert werden. Jedes der Doppelräder besitzt in seiner Nabe eine Nuth, in
welche ein auf der Welle C sitzender Stift h ik I
bei der axialen Verschiebung eintreten kann, so dafs während der Dauer des Durchganges des
Stiftes durch die Nabe das betreffende Rad mit der Welle gekuppelt ist und sich mit dieser
drehen mufs.
Es sind nun die Stifte h i k I auf der Welle C derart angeordnet, dafs die Kupplung
und Entkupplung der Doppelkettenräder nicht gleichzeitig, sondern nach einander erfolgt,
derart, dafs bei der Verschiebung der Welle von links nach rechts erst O2, dann P,
ferner Q und schliefslich U und bei entgegengesetzter Verschiebung erst U, dann Q, ferner P
und schliefslich O - gekuppelt bezw. entkuppelt
werden.
Die Verbindung der Räder O2 bis U mit den
verschiedenen Ventilen ist in folgender Weise bewirkt :
Das grofse Rad von O2 wirkt auf das Lufteinlafsventil
K, das kleine Rad von O2 wirkt durch Vermittelung der Achse hl und der
Zahnräder h2 ha auf das Dampfeinlafsventil f1.
Das grofse Rad von P wirkt auf das Luftauslafsventil L, das kleine Rad von P wirkt
durch Vermittelung der Achse /' und der Zahnräder I2 Z3,auf das Sauerstoffauslafsventilg1.
Das grofse Rad von Q. wirkt auf das Luftauslafsventil L1, das kleine Rad von Q wirkt
durch Vermittelung der Achse k1 und der Zahnräder k2 k3 auf das Sauerstoffauslafsventil g.
Das grofse Rad von U wirkt auf das Lufteinlafsventil K1, das kleine Rad von U wirkt
durch Vermittelung der Achse u1 und der Zahnräder u~ u3 auf das Dampfeinlafsventil f.
Natürlich ist die Grofse der Kettenrader und
der Ventilräder und die Steigung der Schraubengänge der Welle C und der Ventilspindeln so
gewählt, dafs während der Zeit des Durchlaufens eines der Stifte h i k oder I durch die
Nuth des betreffenden Rades die von diesem Rad bethätigten beiden Ventile vollkommen geschlossen
bezw. vollkommen geöffnet werden.
Bei der im Diagramm Fig. 2 gezeigten Stellungder Mechanismen ist der Schwimmer v1
im Behälter S1 soeben gesunken, ein Zeichen,
dafs die Saüerstoffentwickelung in der Retortenserie B aufgehört hat. Durch das Sinken des
Schwimmers v1 ist aber das vom gekreuzten
Riemen in der Richtung des Uhrzeigers (von links gesehen) gedrehte Rad V eingeschaltet und
das andere entgegengesetzt gedrehte Rad V1 ausgeschaltet worden, so dafs die Welle C sowohl
die Richtung ihrer Drehung als auch ihrer axialen Verschiebung wechselt und sich
nunmehr in der Mutter E2 von links nach
rechts schraubt.
Wie soeben erwähnt, hatte die Saüerstoffentwickelung
bezw. Reduction in B aufgehört, gleichzeitig auch die Regeneration in A, es
mufs jetzt also in beiden Serien .Wechsel der Processe eintreten. Dies wird nun durch die
von den einzelnen Kettenradkupplungen in vorgeschriebener Reihenfolge bethätigten Ventile
in folgender Weise bewirkt:
Welle C bewegt sich von links nach rechts (Rechtsverschiebung).
■ I. Kupplung von Stift h mit Rad O2: Lufteinlafsventil
K in A und Dampfeinlafsventil f1 in B werden geschlossen.
II. Kupplung von Stift i mit Rad P: Luftauslafsventil
L in A und Gasauslafsventil g'1 in B
werden geschlossen.
III. Kupplung von Stift A: mit Rad Q: Luftauslafsventil
L1 in B und Gasauslafsventil g in A werden geöffnet.
IV. Kupplung von Stift / mit Rad U: Lufteinlafsventil K1 in B und Dampfeinlafsventil f
in A werden geöffnet.
' Nach Vollendung der Rechtsverschiebung der Welle C sind in beiden Serien die entgegengesetzten
Processe in vollem Gange, wobei also in A Reduction und in B Regeneration
stattfindet. Sobald nun die Reduction in A beendet ist, kommt der Schwimmerapparat S
in Wirksamkeit und führt Richtungsumkehrung der Wellenbewegung herbei.
Welle C bewegt sich von rechts nach links (Linksverschiebung).
I. Kupplung von Stift / mit Rad U: Luftauslafsventil K1 in B und Dampfeinlafsventil f
in A werden geschlossen.
II. Kupplung von Stift k mit Rad Q: Luftauslafsventil
L1 in B und Gasauslafsventil g in A werden geschlossen.
III. Kupplung von Stift i mit Rad P: Luftauslafsventil
L in A und Gasauslafsventil g1 in B werden geöffnet.
IV. Kupplung von Stift h mit Rad O2: Lufteinlafsventil
K in A und Dampfeinlafsventil f1
in B werden geöffnet.
Nach Vollendung dieser Bewegung derWelleC sind wieder die entgegengesetzten Processe in
den Serien A und B thätig, bis nach Beendigung der nunmehr in B vor sich gehenden Reduction
von neuem Umkehrung eintritt.
Um eine besonders sichere Arbeitsweise des Apparates herbeizuführen, ist es zweckmäfsig,
das Einströmen von Dampf im Schlangenrohrkühler nach Beendigung jeder Sauerstofflieferung
bereits dann aufzuheben,, wenn in den Röhren das Vacuum entstanden und durch
dieses das Wasser aus den Schwimmerbehältern angesaugt ist, damit durch das weitere Einströmen
. von Dampf weder eine Verminderung noch Vergröfserung des Vacuums herbeigeführt
wird, da im ersteren Falle theilweises Zurückfliefsen des Wassers und im letzteren
Falle theilweises Uebertreten des Wassers in die Retorten stattfinden könnte.
Um also ein Aufhören der Dampfeinströmung in den bezw. die Kühler schon vor Schlufs
der betreffenden Dampf hähne selbstthätig herbeiführen zu können, ist der in Fig. 7 dargestellte
Ventilapparat construirt worden.
Derselbe besteht im wesentlichen aus einem Gehäuse a, dessen Innenraum durch eine
Membran b in zwei Kammern c d getheilt ist. In dem oberen Theil des Gehäuses α befinden
sich zwei Rohrstutzen e e1, von denen e mit
dem aus dem einen Kühler kommenden Rohr verbunden ist, während an e1 das Rohr sich
anschliefst, welches zum Behälter des Schwimmers führt. Am unteren Theil des Behälters a
befindet sich ein Rohrstutzen/2, durch welchen der vom Dampfkessel kommende Dampf auf
seinem Wege zu dem Ventil / bezw. f1 zunächst
in den Raum d eintritt und dann durch den vierten Rohrstutzen /3 austreten und zum
Einlafsventil / bezw. /] gelangen kann.
Die Einströmöffnung für/3 wird durch einen Ventildeckel G4 verschlossen, welcher mittelst
eines Bolzens h* an der Membran b befestigt
ist. Der Bolzen hl wird am unteren Theil
durch den ausgehöhlten Kopf einer Gewindespindel hb geführt, welche gleichzeitig zum
Reguliren der Spannung einer auf /14 unterhalb des Ventils gA sitzenden Spiralfeder z6 dient.
Durch diese Spiralfeder wird Ventil g* beständig etwas offengehalten, so weit es die
Nachgiebigkeit der Membran b erlaubt. Natürlich sind zwei solcher Ventilapparate α vorhanden,
von denen je einer zu einem Kühler und Schwimmerapparat gehört. Die Arbeitsweise
dieser Ventilapparate ist die folgende:
Sobald in der einen Retortenserie durch Einströmung von Dampf (welcher also vor
Eintritt in die Röhren den Raum d des Ventilapparates durchläuft und die Metallmembran b
erwärmt) Sauerstoff erzeugt wird, fliefst dieser, wie in der Beschreibung erläutert, durch eines
der Rohre W^ in den betreffenden Kühler und dann aus diesem durch den Raum c des Ventil-,
apparates zum Wascher W. Sobald nun die Sauerstofflieferung der betreffenden Retortenserie
aufgehört hat und dann der Dampf in das Schlangenrohr des Kühlers eintritt, bildet
sich ein Vacuum in letzterem, und das aus dem Schwimmerapparat angesaugte Wasser
durchfliefst vor dem Eintreten in das Kühlrohr den Raum c, wobei es natürlich auf die Membran
b gelangt. Durch den Druck des Wassers wird das Ventil g·4 aber geschlossen und der
weitere Dampfdurchflufs unterbrochen, da der Druck des Dampfes nur ein ganz geringer ist.
Natürlich mufs die Spiralfeder ie, durch welche die Ventilbewegung in gewisser Weise geregelt
wird, in richtiger Weise gespannt werden. Es ist nun also der weitere Dampfeintritt in den
Kühler aufgehoben, während der eigentliche Schlufs des Einlafsventils / bezw./1 erst etwas
später durch die Bewegung der durch den Schwimmer bethätigten -Mechanismen in nunmehr
bekannter Weise bewirkt wird.
Betreffs der in die Verbindungen zwischen dem Gebläserohr und den Vertheilungsrohren
MM1 eingeschalteten Zweiweghähne O O?, durch
welche die Trocknungsrohre E E1 abwechselnd
mit dem Gebläse und mit der Aufsenluft in Verbindung gebracht werden, ist noch zu bemerken,
dafs bei Oeffnung des Lufteinlafsventils K (bezw. K1) der betreffende Zweiweghahn
die Trocknungsrohre E (bezw. E1) natürlich
mit dem Gebläse und bei Schlufs des Ventils mit der Aufsenluft verbinden mufs. Die
Uebertragung der Bewegung der Welle C auf diese Zweiweghähne kann analog der der übrigen
Ventile hergestellt werden.
Im Diagramm Fig. 2 ist für jede Kühlschlange ein besonderes Gefäfs vorhanden,
doch können auch beide Kühlschlangen in ein und demselben Gefäfs untergebracht werden,
wie dies die Modification Fig. 6 zeigt.
Die in Fig. 3 gezeigte Sonderansicht des Kettenradapparates ist von der der Fig. 1 und 2
etwas abweichend, doch ist im übrigen die Anordnung und Arbeitsweise der Theile vollkommen
gleich.
Der in vorstehender Beschreibung erläuterte Apparat ist für eine grofse Anzahl Industrieen,
in denen Sauerstoff in grofsen Mengen Verwendung findet, von gröfster Bedeutung, da
einestheils keine Erneuerung der Reactionsmaterialien, keine ständige Beaufsichtigung und
keine von Hand zu bewirkenden Umschaltungen nothwendig sind, und anderentheils grofse
Mengen sehr reinen Sauerstoffes ohne Unterbrechung geliefert werden. Die Unkosten sind
minimal und die Arbeitsweise des Apparates nach jeder Richtung hin tadellos.
Claims (2)
1. Ein Apparat zur. Gewinnung von Sauerstoff
aus Luft durch abwechselnde Oxydation und Reduction eines geeigneten Materials,
bei welchem letzteres in zwei Reihen schräg gelagerter und unter sich in passender Anzahl
durch schräg liegende Röhren in Verbindung gebrachter Retorten (A B) in besonderen
luftdurchlässigen Behältern derart gelagert ist, dafs die Luft-, Dampf- und Gasströme stets eine aufsteigende Richtung
besitzen und das Reactionsmaterial möglichst senkrecht zur Längsrichtung der Retorten
durchziehen.
2. Eine Ausführungsform des unter 1. geschützten Apparates, bei welcher die zur
absatzweisen Verbindung der Retorten A B mit den Zu- und Ableitungen dienenden
Ventile nach einander in der Weise gesteuert werden, dafs bei dem Uebergang von Reduction auf Regeneration Schliefsung
der Dampfeinlässe ff1 vor ,den Gasaus-
lassen ggl und darauf Öeffnung.der Luft-,
auslasse L L1 vor den Lufteinlässen KK1
erfolgt, während beim Uebergang von Regeneration auf Reduction Schliefsung der
Lufteinlässe KK1 vor den Luftauslä'ssen
L L1 und Oeffnung der Gasauslä'sse g g1
vor den Dampfeinla'ssen ff1 erfolgt.
Eine weitere Ausführungsform des unter ι. und 2. geschützten Apparates, bei welcher der von den Retorten abgeleitete Sauerstoff durch einen Kühlapparat R R1 geführt wird, in welchem am Schlufs jeder Sauerstoffabgabe ein Vacuum durch Condensation des dann eintretenden Dampfes erzeugt wird, so dafs durch Wasseransaugung ein Schwimmerapparat (S S1) bethätigt wird, dessen Bewegung die Umsteuerung der Ventile der Retorten (A B) bewirkt.
Eine weitere Ausführungsform des unter ι. und 2. geschützten Apparates, bei welcher der von den Retorten abgeleitete Sauerstoff durch einen Kühlapparat R R1 geführt wird, in welchem am Schlufs jeder Sauerstoffabgabe ein Vacuum durch Condensation des dann eintretenden Dampfes erzeugt wird, so dafs durch Wasseransaugung ein Schwimmerapparat (S S1) bethätigt wird, dessen Bewegung die Umsteuerung der Ventile der Retorten (A B) bewirkt.
Hierzu 4 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE70335C true DE70335C (de) |
Family
ID=343717
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT70335D Expired - Lifetime DE70335C (de) | Apparat zur Gewinnung von Sauerstoff aus Luft |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE70335C (de) |
-
0
- DE DENDAT70335D patent/DE70335C/de not_active Expired - Lifetime
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