DE65845C - Putzvorrichtung für Gespinnste - Google Patents
Putzvorrichtung für GespinnsteInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 76: Spinnerei.
Putzvorrichtung für Gespinnste.
Bei der Herstellung von Drillich und Bindfäden gebraucht man gewöhnlich Gespinnste,
welche aus Werg hergestellt sind. Dieses Material enthält mehr oder weniger viel
Schaben oder Holzfasern, und zwar in so grofsen Mengen, dafs nicht vermieden werden
kann, dafs viele solcher Theile in das Gespinrist übergehen. Auf den Fäden finden sich auch
Haare kurzer Fasern, die Bündel auf denselben bilden, und viele dieser Haare vereinigen sich
in der Form von Ringen, welche den Faden umgeben und sogenannte Nester bilden. Ehe
nun derartige Gespinnste zur Herstellung von Drillich oder Bindfäden oder für andere Zwecke
benutzt werden, sind sie gewöhnlich vorher der Einwirkung von Bürsten unterzogen worden,
welche bestimmt· sind, die anhaftenden Knoten und Schaben oder Holzfaserstorfe zu
beseitigen, bis das Gespinnst gestärkt wurde; dieses Stärken hatte den Zweck, alle büschelförmigen
Anhängsel des Gespinnstes gegen den Stoff dicht anzulegen. Durch dieses Verfahren
Wird indessen nur ein sehr geringer Theil der Schaben oder Holzfasern dieser Stoffe beseitigt,
und viele von den anhaftenden Büscheln und Schäbentheilen werden nicht dicht genug gegen
den Faden angelegt, so dafs derselbe durch das Geschirr und die Litzen des Webstuhles
beim Weben nicht glatt hindurchgeht. Wenn eines dieser Nester auf dem Gespinnst beim
Durchgehen durch den Webstuhl gefafst wird, so wird hierdurch häufig ein Fadenbruch veranlafst,
welcher die Stillsetzung des Webstuhles und das Knüpfen eines Knotens in dem Faden
nofhwendig macht. Wenn das Nest auf dem Faden und die vorhandenen Schäbentheile
durch den Webstuhl gehen, ohne einen Bruch in dem Faden zu veranlassen, so sind sie in
dem fertigen Gewebe selbst nach dem Kalandern zu finden, so dafs das Gewebe ein mittelwerthiges
wird. Wenn derartige Gespinnste für die Herstellung von Bindfäden benutzt werden, der gewöhnlich aus mehreren Fäden
besteht, die zusammengedreht werden, so sind die Nester und vorhandenen Schaben in gleicher
Weise störend, besonders wenn, wie dies häufig der Fall ist, mehrere Nester in den verschiedenen
Reihen an derselben Stelle einander gegenüberliegen, so dafs eine starke Verdickung in dem
Faden veranlafst wird. Das Bürsten beseitigt durchaus nicht alle Schaben und veranlafst
thatsächlich die Entfernung keines der Nester, die in Form von Ringen sich bilden, welche
um den Faden führen, da diese Ringe beim Bürsten auf dem Faden entlang gezogen werden,
ohne von demselben beseitigt zu werden. Beim Spinnen mit solchem Rohmaterial tritt
es auch häufig ein, dafs die Zuführungswalzen zuweilen zu viel Rohstoff zuführen. Hierdurch
werden die Gespinnste an einzelnen Stellen stärker ausfallen, und wenn dies der Fall ist,
so werden die Theile des Fadens auf jeder Seite dieser Stärkung dichter mit einander verdreht,
als die Haupttheile des Fadens, während die Theile von gröfserem Durchmesser nicht
so dicht mit einander verdreht werden, wie
die Haupttheile des Fadens. Hierdurch werden Stellen in dem Gewebe erzeugt, welche dicker
und loser sind als der übrige Theil des Gespinnstes.
Diese dickeren und loseren Gespinnsttheile erscheinen in dem Gewebe als Schwellungen
und sind Veranlassung, dafs das Gewebe ein ungleichmäfsiges und fehlerhaftes Aussehen hat.
Die Erfindung bezweckt nun, diese Schaben und Nester von den Gespinnsten zu entfernen,
so dafs der Faden vollständig rein und glatt wird und durch die Litzen des Webstuhles
hindurchgeführt werden kann, ohne gefangen zu werden; mit derartigen Gespinnsten hergestellte
Waare ist dann frei von Nestern und Schaben. Nach der Erfindung werden auch
die dickeren und loseren Theile des Gespinnstes beschnitten und entsprechend ausgeglichen. Es
hat sich in der Praxis gezeigt, dafs, wenn ein loser gezwirnter Theil des Fadens auf denselben
Durchmesser wie die anderen Theile des Fadens gebracht wird, die Zwirnung in den fester gezwirnten Theilen auf jeder Seite
dieser loser gezwirnten Theile sich über die lose gezwirnten Theile vertheilt, so dafs hierdurch
diejenigen Theile, welche vorher fester gezwirnt waren als der übrige Theil, und die,
welche weniger fest gezwirnt waren, nunmehr alle gleichmäfsige Zwirnung zeigen. Nach der
Erfindung wird das Gespinnst der Einwirkung von Messern oder Schneidzeugen unterzogen,
welche in Längsrichtung des Gespinnstes wirken und dadurch die Nester an der Aufsenseite des
Fadens öffnen und gleichzeitig alle Stoffe entfernen, welche an der Aufsenseite des Fadens
festsitzen, sowie auch die Schaben beseitigen, ohne den eigentlichen Faden zu beschädigen
oder die den Faden bildenden Fasern zu durchschneiden; durch diese Schneidzeuge werden
auch die stärker und loser gezwirnten Theile entsprechend schwächer gemacht und erhalten
diejenige Stärke, wie die Haupttheile des Gespinnstes. Das Gespinnst wird, nachdem es in
dieser Weise durch die Messer bearbeitet worden, gebürstet, um die abgeschnittenen, aber
an dem Faden noch haften gebliebenen Schaben etc. zu entfernen.
Nach der Erfindung erhält das Gespinnst eine rollende Bewegung, während es der
Wirkung der Bürsten unterliegt, so dafs hierdurch die losen Stoffe von dem Gespinnst abgebürstet
werden, anstatt an demselben entlang getrieben zu werden.
Auf beiliegender Zeichnung ist:
Fig. ι eine Endansicht einer Ausführungsform der Putzvorrichtung,
Fig. 2 eine Einzeldarstellung der in Fig. ι angegebenen Messer und Schneidzeuge,
Fig. 3 ein Querschnitt nach der Linie x-x von Fig. 2,
Fig. 4 ein Grundrifs eines Theiles einer Maschine nach Fig. i,
Fig. 5 eine Endansicht und
Fig. 6 eine Schnittdarstellung eines anderen Mechanismus zur Ausführung derselben Putzweise.
Fig. 7 zeigt in Endansicht und
Fig. 8 im Schnitt eine weitere geänderte Anordnung der Schneidzeuge und auch geänderte
Einrichtung derselben,
Fig. 9 und io eine dritte geänderte Ausführungsweise
und Anordnung der Schneidzeuge, ebenso wie
Fig. 11 und 12 eine weitere Modification
derselben zeigen.
In den Zeichnungen bezeichnet 2 das Gestell der Maschine, das irgend eine geeignete
Form und Construction haben kann. Bei der in den Fig. ι bis 4 dargestellten Ausführungsform der Maschine tritt ein Paar umlaufender
Messerscheiben auf, die auf den Faden wirken. Diese Messer stecken auf einer drehbaren
Welle 3, welche durch eine geeignete Vorrichtung Antrieb erhält. Es empfiehlt sich,
eine Reihe von Messerpaaren in jeder Maschine anzuordnen und alle Messer der Wellen 3 von
einer gemeinsamen Welle 5 aus zu treiben, die in dem Gestell 2 gelagert und mit einer Anzahl
Scheiben 7 versehen ist, von welchen Riemen oder Schnüre 9 nach den Scheiben 11
der Wellen 3 führen. Die Messer 4 und 6 stecken auf der Welle 3; dabei wird das
Messer 4 zweckmäfsig auf der Welle in geeigneter Weise, wie z. B. durch eine Schraube 8 befestigt, während das Messer 6
sich mit der Welle dreht, aber auf der Welle verschiebbar ist. Dieses Messer 6 ist zweckmäfsig
mit einer Nuth 10 versehen, in welche ein Stift 12 auf der Welle greift. Eine Feder 14
tritt mit einem festen Bund 16 auf der Welle in Eingriff und legt sich auf den oberen Theil
des Messers 6, um dasselbe gegen das Messer 4 zu drücken. Eine Platte 1 3, welche als Führung
oder dazu dient, die Entfernung der Messerblätter zu bemessen, tritt um ein kurzes Stück
zwischen diese Messer. Diese Platte wird zweckmäfsig in Form einer Scheibe ausgebildet,
welche eine Nuth 15 an der Kante erhält und lose auf. einen Zapfen 17 aufgesteckt ist, wie
aus Fig- 3 ersichtlich, so dafs sie sich auf diesem Zapfen drehen kann. Es kann diese
Scheibe indessen auch fest angeordnet werden und nur die Nuth am Rande in demjenigen
Theil erhalten, welcher zwischen die Messer tritt.
Die Maschine kann mit geeigneten Vorrichtungen zum Halten der Fadenspulen und
mit Vorrichtungen zur Bewegung des Fadens hinter die Messer versehen werden. Nach der
Darstellung erhält die Maschine Spulenträger 19, auf welche die Spulen gesteckt werden, welche
die zu behandelnden Gespinnste aufnehmen. Eine geeignete Bremsvorrichtung 21 verhindert
das zu schnelle Drehen der Spulen. Nachdem der Faden die Messerscheiben passirt hat, wird
er auf eine Spule 23 aufgewickelt und diese Spule kann gleichzeitig die Vorrichtung bilden,
welche den noch nicht geputzten Faden von der anderen Spule abzieht und ihn hinter die
Messer treten läfst. Wie aus der Darstellung ersichtlich, wird die Spule 23 auf einer Welle 25
angebracht, welche durch einen Riemen 27 von der Welle 3 betrieben wird. Zum Putzen des
Fadens auf der Spule kann irgend eine bekannte Vorrichtung benutzt werden. Eine Bürste 29
wird auf einer Spindel 31 so angebracht, dais
sie in die Bahn des Gespinnstes reicht, nachdem dasselbe die Messer verlassen hat. Die
Bürste wird durch eine Schnur 33 ebenfalls von der Welle 3 angetrieben. Die feste
Führung 35 dient dazu, das Gespinnst den Messern bezw. der Bürste zuzuführen. Diese
Zuführung geschieht zweckmäfsig in der Weise, dafs die Bürste von dem Faden unter einem
Winkel getroffen wird, wie aus Fig. 1 ersichtlich, wodurch das Gespinnst eine rollende Bewegung
erhält, während es der Einwirkung der Bürste unterliegt.
Anstatt die scheibenförmig gebildeten Messer anzuwenden, kann man Messer von anderer
Form benutzen. Nach Fig. 5 und 6 werden schwingende Messer 4 und 6 angewendet, die
auf einem Hebel 30 befestigt sind und durch ein Excenter 32 und eine Stange 34 bewegt
werden.
Nach Fig. 7 und 8 werden rotirende Messer 4 und 6 benutzt, die je mit einer Reihe radialer
Messerblätter 36 versehen sind.
Nach Fig. 9 und 10 kommen auf- und abgehende Messerblätter 4 und 6 zur Anwendung,
deren Enden mit Stangen 37 verbunden sind und die durch ein Excenter 39 und Stange 41
bewegt werden.
Fig. r ι und 12 endlich zeigen umlaufende
Messerblätter, welche schräge Schneidzähne 45 an ihren Kanten haben.
In Verbindung mit den in Fig. 5 und 12 dargestellten Messern empfiehlt es sich, eine
feststehende Führungsplatte 13 zu benutzen, welche eine Nuth an der oberen Kante hat,
längs welcher das Gespinnst läuft.
Die dargestellten Ausführungsformen dienen nur als Beispiele zur Kennzeichnung der Erfindung,
ohne dafs sich dieselbe auf diese Ausführungen beschränken soll.
Bei allen Ausführungsformen werden die Schneidzeuge zweckmäfsig an der Aufsenkante
angebracht, so dafs ihre Schneidkanten an die Seiten der Führungsplatte dicht anliegen und
deshalb dicht an dieser Platte auf jeder Seite ihren Schnitt ausführen. Der Faden wird über
die Führung 13 treten gelassen, die, wie vorher angeführt, zweckmäfsig mit Nuth versehen ist,
und gelangt so zwischen die Messer. Sobald der Faden vorsteht, scheeren die Messerblätter
dicht an der Führungsplatte die vorstehenden Theile des Fadens ab und öffnen alle Nester
oder Ringe, welche das Gespinnst umgeben, ebenso wie die vorhandenen Schaben oder
Holzfasertheile abgeschnitten und das Gespinnst auf gleichmäfsige Stärke gebracht wird.
In den Fällen, wo die zu beseitigende Unregelmäfsigkeit
des Gespinnstes eine Lage hat, welche das Durchtreten des Gespinnstes zwischen den Messern zur Folge haben würde, hat sich
gezeigt, dafs stets einige kleinere vorstehende Fasern vorhanden sein werden, welche in die
Ebene des einen oder anderen Messerblattes kommen, so dafs das Gespinnst mit Sicherheit
gegen dieses Messer gedreht wird, so dafs die ganze Unregelmäfsigkeit in diejenige Lage
kommt, in welcher sie durch das Messer abgeschnitten wird. Die meisten Nester auf dem
Gespinnst haben indessen die Form von Ringen, die um den Faden herumführen, und es ist
nur nöthig, diese Ringe aufzuschneiden, um sie hinterher vollkommen entfernen zu können.
Die Messer vermindern auch die schwächer oder loser gezwirnten und stärkeren Theile
des Gespinnstes und bringen dasselbe auf einen gleichmäfsigen Durchmesser mit den
anderen Theilen, und da diese lose gezwirnten Theile gewöhnlich mit Theilen abwechseln,
welche dichter als der übrige Theil des Ge-. spinnstes gezwirnt sind, so vertheilen sich,
sobald sie durch die Messer auf den gleichmäfsigen Durchmesser des Gespinnstes gebracht
sind, die Zwirnungen von selbst über die lose gezwirnten Theile, so dafs das ganze Gespinnst
gleichmäfsige Zwirnung erhält.
Nachdem der Faden die Messer verlassen hat, wird er zweckmäfsig in schräger Richtung
quer zu der einen Kante der Bürste geführt. Diese Bürste trifft danach den Faden unter
einem Winkel und verleiht demselben eine geringe rollende Bewegung, so dafs die Bürste
alle Materialtheile entfernen kann, welche von den Messerblättern lose gemacht worden sind.
Obwohl in der vorstehenden Beschreibung die Putzvorrichtung als besonders bei Gespinnsten
aus Werg anwendbar bezeichnet worden ist, kann die Vorrichtung natürlich auch mit Vortheil bei solchen Gespinnsten
Verwendung finden, wo es sich um die Entfernung von überflüssigem Material handelt.
Das Messer 6, Fig. 1, kann leicht abgenommen werden, und wo die Vorrichtung zum Putzen
von Gespinnsten von verschiedener Gröfse benutzt werden soll, ist es nur erforderlich,
eines der Messer abzunehmen und die Führungsscheibe ι 3 durch eine Scheibe von entsprechender
Stärke zu ersetzen. Das dann aufgesetzte Messer stellt sich alsdann zu dieser Führungs-
Claims (1)
- Scheibe selbst ein, und die Vorrichtung ist
der betriebsfertig.Patenτ-An spruch:Eine Putzvorrichtung für Gespinnste, dadurch gekennzeichnet, dafs letztere bei derselben über eine Führungsscheibe (13) geleitet werden, an deren Seiten bewegte Messerblätter (4, 6) angeordnet sind, welche das Gespinnst putzen, während die umlaufende Bürste (29), der das Gespinnst in schräger Richtung zugeleitet wird, die von den Messerblättern gelösten Theile des Gespinnstes entfernt.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE65845C true DE65845C (de) |
Family
ID=339599
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT65845D Expired - Lifetime DE65845C (de) | Putzvorrichtung für Gespinnste |
Country Status (1)
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|---|---|
| DE (1) | DE65845C (de) |
-
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- DE DENDAT65845D patent/DE65845C/de not_active Expired - Lifetime
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