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Herstellung dichter Formlinge aus Rohtorf. Das vorliegende Verfahren
bezweckt eine unmittelbare Verarbeitung des Rohtorfs in seinem Urzustande mit seinem
vollen natürlichen Wassergehalte und eine Vereinigung des Entwässerungs- und Formgebungsvorganges
unter Beachtung und Ausnutzung der natürlichen physikalischen Eigenschaften des
Torfes zur Erzeugung eines hochwertigen Brennstoffes (Druckkohle) auf wirtschaftlichste
Weise und Unabhängigmachung der Torfindustrie vom Trockenwetter.
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Zur Erreichung des angestrebten Zweckes wird im wesentlichen in der
Weise vorgegangen, daß fein zerkleinerter, mit oder ohne Zusatz von Ferrosulfat,
Salpeter u. dgl. stark verwässerter Schlammtorf in Filterkammern hineingedrückt
und in diesen weiter gepreßt wird, bis entwässerte Formlinge solchen Rauminhaltes
entstehen, daß zwar ihre Außenschicht stark verdichtet, ihr Kern aber wesentlich
feuchter als die äußere Hülle ist, worauf die Formstücke zur Einschrumpfung sich
selbst überlassen werden.
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Zur Ausführung des Verfahrens dient ein Behälter, dessen als Sieb
ausgebildeter entfernbarer Boden den Torfbrei während des
unter
Druck erfolgenden Einfüllens und während des Wiederganges des Siebkolbens absperrt
und nach Beendigung der Kolbenbewegung und dem Absperren des Wassers gemeinsam mit
dem Kolben oder dem Kolben und Siebwänden die Form des Preßlings bestimmt.
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Auf beiliegender Zeichnung, in der eine Ausführungsform der Entwässerungsvorrichtung
dargestellt ist, bedeutet: Abb. i einen senkrechten Schnitt durch eine Filterzelle
der Entwässerungsvorrichtung, Abb. 2 einen gleichen Schnitt ..durch die Filterzelle
einer anderen Ausführungsform, Abb. 3 einen Querschnitt nach Linie A-B der Abb.
2.
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Das Verfahren kann beispielsweise in folgender Weise ausgeführt werden:
Der auf eine beliebige, den örtlichen Verhältnissen angepaßte Art, sei es durch
Handstich in den gebräuchlichen Elevatoren, sei es durch Bagger, durch Schwimmbagger,
durch Abspritzen oder auf andere Weise geförderte Rohtorf wird z. B. in einer der
üblichen Torfmaschinen oder in einem sogenannten Schlagbrecher grob zerkleinert.
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Bei der Rohtorfentnahme wird man nunmehr zweckmäßig die ganze anstehende
Torfmasse, soweit sie abgeteuft werden kann bzw. abgeteuft werden darf, auf einmal
bis zur vollen Tiefe abbauen, zumal Vorentwässerungs- und Vorflutsorgen nicht mehr
vorhanden sind, und weil man, wie hier nebenbei bemerkt sei, auch die obersten Lagerschichten,
auch wenn diese noch nicht bindig (schrumpffähig) sein sollten, ebenso auch die
tiefstgelegenen Lagerschichten, auch wenn diese infolge ihres chemischen Alters
schon nicht mehr bindig sein sollten, ohne Schaden für das Endprodukt initverwenden
kann. So können z. B. bei Hochmooren die obere Weiß-oder Fuchstorfschichten in beträchtlicher
Menge mitverarbeitet werden, falls sie nicht vorteilhafter zur Torfstreufabrikation
Ver-,vendung finden können. Durch die Mischung dieser wenig oder nicht bindigen
Schichten mit den noch bindigen Schichten wird die ganze kolitorfmasse, noch verstärkt
durch die nachfolgende Zerkleinerung und innige Mischung, durchaus bindig (schrumpfiältig).
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Der nötigenfalls grob zerkleinerte Rohtorf wird nunmehr in einer Vorrichtung,
vorzugsweise in einer Schlagkreuzmühle mit etwa 3 bis 5 inin Spaltbreite. einem
Dismembrator o. dgl. fein zerkleinert. Dem feinzerkleinerten Torf setzt man am zweckmäßigsten
während dieser Feinzerkleinerung (etwa unter Uniständen vor oder nach derselben)
eine der Torfart entsprechende Wassermenge zu, die je nach der Beschaffenheit des
Rohtorfes 25 bzw. 5o, sogar ioo und mehr Volumenteile Wasser betragen kann, und
die jeweils zu ermitteln ist. Sollte das Wasser nach der Feinzerkleinerung hinzugefügt
werden, dann geschieht dies zweckmäßig in einem mit Rührwer'c versehenen Mischgefäß.
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Obwohl dies nicht unbedingt erforderlich ist, kann man nach der Erfindung
bei einigen Torfarten dem Torfbrei außer Wasser auch noch ein adstringierendes Mittel,
z. B. Ferrosulfat o. dgl., oder ein Salpetersalz zur Beschleunigung der Entwässerung
bzw. des Filtervorganges zusetzen.
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Durch die Feinzerkleinerung wird neben der Zertrümmerung etwaiger
im Rohtorf enthaltener Holzteile und neben der Verkürzung des Torffaserstoffes,
welcher dadurch infolge seiner Krumpf- und Filzwirkung später die kolloide Selbstverdichtung
der Formstücke unter Verhütung von Rissebildungen verstärkt, insbesondere durch
Öffnung der Hohlräume und der Kapillaren das darin enthaltene Wasser abscheidefähig,während
durch den reichlichen -Wasserzusatz neben einer weiteren Trennung und Aufschließung
der einzelnen Torfteilchen das gebundene samt dem Kolloidwasser ebenfalls abscheide-
bz«-. filterfähig wird. Des weiteren werden durch diesen Wasserzusatz die im Rohtorf
enthaltenen wasserlöslichen Salze u. dgl. aufgelöst und im weiteren Arbeitsgange
mit ausgeschieden, auf «-elchen Umstand das Sinken des Aschengehaltes, namentlich
bei Torfen aus iederungsinoor und solchen mit hohem Aschengehalte mit zurückzuführen
ist. Der solcherart verwässerte Torfbrei läßt sich nun unschwer in Rinnen, Rohren
o. dgl. dem eigentlichen Torfwerk bzw. dem Aufstellungsorte der Wasserabscheider
zuleiten. Am zweckmäßigsten und einfachsten wird der verwässerte Torfbrei nun durch
eine Hochdruckpumpe zweckentsprechender Konstruktion angesaugt und unter Druck in
die durch eine Druckrohrleitung verbundenen Wasserabscheider eingepritzt, die in
der Hauptsache aus einer beliebigen Anzahl Filterzellen zusammengesetzt sind, in
denen der Torfmasse gleichzeitig die gewünschte Form gegeben wird.
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Die Wasserabscheider bestehen aus einer beliebigen Anzahl, dein entstehenden
Innendruck entsprechend starkwandiger Filterzellen, die z«-ecl;lnäßig in drei Gruppen
derart zwang.
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.läufig verbunden sind, daß die erste Grüppe derselben unter Druck
gefüllt wird, während in der zweiten Gruppe durch Betätigung des Siebkolbens der
Filterprozeß fortschreitet und inzwischen in der dritten Gruppe die Entnahme bzw.
der Ausstoß der Formstücke stattfindet, worauf in der ersten Gruppe nach erfolgter
Füllung der Siebkolben betätigt wird, während in der dritten die
Füllung
vor sich geht und in der zweiten der Ausstoß erfolgt und so fort.
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Bei i (Abb. r) ist z. B. ein Hahn angeordnet, durch den der Torfbrei
unter Druck in (las Innere der Filterzelle eintritt; beim F.?rrströmen des Torfbreies
entweicht durch den Hahn 2 die im Innern der Filterzelle befindliche Luft. Der einströmende
Torfbrei bildet auf den aus gelochtemBlech mit einernÜberzug aus Metallgaze oder
aus entsprechend fein-und schlitzgelochten Siebblechen hergestellten Filterflächen
3 des Bodens 5 und der Innenwandungen 3" des Siebkolbens 6 eine Filterhaut, die
allmählich anwächst. Gleichzeitig fließt das abgefilterte Wasser durch die Hähne
4 ab, Hahn d.", der ebenfalls, jedoch späterem Wasserabfluß dient, ist inzwischen
geschlossen. Sobald genügend Torfbrei eingedrückt worden ist, wird die Torfzufuhr
durch Schließen des Hahnes i gesperrt und nun der Siebkolben 6 so lange abwärts
bewegt, bis er mit seinem unteren Rande auf dem Boden auftrifft. Im Innern hat sich
nun ein Torfformstück gebildet, das an seinen Oberflächen infolge des Filterprozesses
stärker als das Innere desselben verdichtet ist. Im Siebkolben kann gegebenenfalls
noch ein Dorn 7 angeordnet werden, der auch als Filterkammer noch ausgebildet werden
kann und gleichzeitig mit dem Siebkolben oder erst nach Auftreffen des Siebkolbens
auf den Boden in das Torfforrnstück durch Abwärtsbewegung eingedrückt werden kann,
dadurch den Preßdruck erhöhend und das Formstück weiter entwässernd; das an den
Außenseiten und über dem Siebkolben angesammelte Filterwasser kann nun durch Hahn
d." abgelassen werden. Nach öffnung des Bodens 5 wird das gebildete Formstück durch
Niederbewegung der im Oberteile des Siebkolbens aufliegenden durchlochten Ausstoßplatte
8 ausgestoßen. Der Boden 5 kann auch als Kolben mit Sieboberfläche ausgebildet werden
und als solcher zwangläufig mit dem oberen Siebkolben- bet iitigt werden. An geeigneter
Stelle ist noch ein einstellbares Sicherheitsventil 9 angeordnet, das bei
etwa zu starker Füllung der Filterzelle in Tätigkeit tritt.
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In Abb. 2 und 3 ist eine Filterzelle anderer Ausführung zeichnerisch
dargestellt. Hier ist cler untere Teil des Gehäuses i i mit wellenförmigen Rippen
versehen, über welche als Abschluß gegen das Innere des Gehäuses i i ein Siebzylinder
gelegt ist. Hierdurch werden dergestalt Abzugskanäle für das abzufilternde Wasser
gebildet, die am unteren Ende durch eine ringsumlaufende Rinne io untereinander
verbunden sind; das sich in diesen Abzugskanälen oder Rinnen sammelnde Wasser kann
durch Ablaufhahn ¢Q austreten.
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Der hier anders als in Abb. i ausgestaltete Siebkolben 6 dient bei
dieser Ausführung gleichzeitig als Ausstoßkolben. Nachdem dieser Kolben 6 beim Niedergange
die Siebflächen 3" des Gehäuses i i erreicht hat, wird Boden 5 entfernt und das
gebildete Formstück durch weitere Abwärtsbewegung des Siebkolbens 6 ausgestoßen.
Hahn :2 dient als Entlüftungshahn, die Hähne q. und 4" als Wasserablauf während
der Einfüllung des Torfbreies durch Hahn i und während des Filterprozesses, und
aus Hahn q6 kann vor dem Ausstoßen des Formstückes das über dem Siebkolben 6 angesammelte
Wasser abgelassen werden. Die mit 3 und 3" bezeichneten Filterflächen sind in gleicher
Weise, wie bei Abb. i beschrieben, hergestellt.
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Erwähnt sei.noch, daß nach Verschluß bzw. Wiedereinführung des Filterbodens
während des Rückganges des Siebkolbens, bzw. vor dessen Rückgange, durch die als
Wasserabfluß dienenden Hähne d. oder durch den Entlüftungshahn 2 eine Reinigung
der Filtersiebe, falls diese sich zugesetzt haben sollten, durch eirfe Rückspülung
mit Wasser oder Einblasen von Pfeßluft vorgenommen werden kann.