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Stapelmeßvorrichtung für Faserstoffe. In der Zeitschrift des Vereins
Deutscher Ingenieure 1894 S.997 ist ein \-erfahren zur Bestimmung der mittleren
Faserlänge in Gespinsten angegeben und seine Richtigkeit bewiesen «-orden. Es beruht
auf folgendem: nian bestimmt die Feinheitsnuninier (metrische Feinheitsnummer 1)
des zu untersuchenden Gespinstes, kleinnit ein Stück, welches länger als die längste
Faser ist, an einem Ende ein, kämmt es rein aus (durch einfaches Ausbürsten), schneidet
den Bart glatt ab und bestimmt das Gewicht eines solchen Bartes. Die mittlere Faserlänge
im Querschnitt (in mm) ist dann gleich dein doppelten Gewicht des Bartes (in ing)
multipliziert mit der metrischen Feinheitsnummer des Gespinstes. Das einzusetzende
Bartgewicht wird zweckmäßig als mittleres Gewicht aus einer größeren Anzahl (to)
von Bartgewichten bestimmt. Anstatt den Bart einseitig auszukämmen, kann nian auch
gleich Doppelbärte dadurch gewinnen, daß inan ein längeres Stück Gespinst einklenmit
und zuerst nach der einen Seite auskämmt, es genau an der 1,-,irispaiinstelle umspannt
und nun nach der anderen Seite auskämint, dann wird die mittlere Faserlänge oder
der mittlere Stapel ini Gespinstquerschnitt, wie ohne weiteres einzusehen ist, gleich
dein Gewichte eines solchen zweiseitigen Bartes multipliziert finit der nietriseben
Feinheitsnummer des Gespinstes.
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Die neue Stapelmeßvorrichtung bezweckt nun die rasche Feinheitsnuinnierbestimmutig
von Faserbüscheln, V orgespinsten und Feingespinsten. Sie gestattet also, nicht
bloß die mittlere Faserlänge in dein Gespinstquerschnitt, die wohl bemerkt nicht
übereinzustimmen braucht mit der mittleren Faserl-,inge im Gespinst, sondern auch
die in irgendwelchem Faserbüschel zu bestimmen; läßt also z. B. einmal die Bestiniinttng
der sogenannten Stapellänge (mittlere Länge aller längsten Fasern) durch das bekannte
Messen der längsten Fasern und die mittlere Faserlänge im Faserbüschel gemäß dein
eingangs gegebenen Verfahren zu.
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Das Kennzeichnende (leg Vorrichtung ist das, daß die Fläche des Faserbündelquersclinitts
titid damit mittelbar dessen Feinheitsinimmer bestimmt wird, indem es zwischen zwei
unter rechtem Winket gegabelte 'Greifer oder Klennnbacken a, L> festgeklemmt wird.
wobei die Backen so gestaltet sinn, daß sie bei weitem öffnen eine Seite zum bequemen
Einlegen des zu untersuchenden Faserbündels freigeben. Als vorzüglich geeigneter
1Zeßquerschnitt ist das in der Diagonale liegende Quadrat gewählt, weil es durch
scharfes -Messen der Länge der Diagonale dem Querschnitt nach genau bestimmt werden
kann.
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In der Zeichnung ist die neue Vorrichtung veranschaulicht, und zwar
zeigt Abb. i die Vorrichtung im Aufriß mit einem teilweisen Schnitt und Abb. a den
Grundriß.
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Die Backen a und b sind in der Querrichtung ferner so gestaltet, daß
die Klemmbacken wechselseitig fingerartig ineinandergreifen (vgl. Grundriß), damit
in der Längsrichtung des Faserbündels nicht nur an einer beschränkten Stelle geklemmt
wird, sondern sich das Klemmen auf etwas größere Flächen verteilt. Legt man z. B.
einen doppelseitig ausgekämmten Bart in das Matil der Kleininzange, der also an
der Klemmstelle seinen größten Querschnitt hat, so ist es sehr schwer. ihn so genau
einzulegen, daß sein größter zu messender Querschnitt auch genau an die Druckstelle
von scharf ausgebildeten Backen käme, sind hingegen die Backen in der Längsrichtung
des Bündels durch übereinandergreifende Finger zu einer größeren Druckfläche ausgebildet,
so wird man einmal sicher den größten zu eiessenden Querschnitt fassen und außerdem
auch zuni Messen eine bestimmte Flächenbelastung erhalten. Die Backen
a und b sind so aufeinandergepaßt, daß sie beim Leerineinanderschieben sich
nur bis auf ein bestimmtes -Maß gegeneinander bewegen können, z. B. so, daß dann
gerade ein Quadratmillimeter frei bleibt. Der links gezeichnete lacken a ist fest
bzw. läßt er sich durch die Justierschraube c genau auf eine bestimmte Lage einstellen,
der rechts gezeichnete Backen h wird durch Drehen an dem Knopf e°, welcher innen
auf seinem Drehzapfen ein i alinrad trägt, das in die mit dein Backen b verbundene
"Zahnstange f greift, nach rechts bewegt, wobei sich die Feder g weiter spannt.
In das dadurch geöffnete einseitig offene 1Matil wird das zu untersuchende Faserbündel
eingelegt und nun der Knopf c freigegeben, (las Vaserbündel wird dadurch unter bestimmtem,
gegebenenfalls vorher einstellbarem Druck zusammengedrückt. Die Diagonallänge des
)uadratquerschnittes wird an der Feinineßvorrichtung bei dem Zeiger h. bzw. auch
an der
Grobmeßvorrichtung bei i abgelesen. Je nach dem zu messenden
Fasermaterial und dem beim Messen angewendeten Schließdruck wird nun die Vorrichtung
geeicht werden müssen. Es geschieht dies am zweckmäßigsten dadurch, daß man die
Feinheitsnuinmer von Vorgarn von dem betreffenden zu untersuchenden Faserstoff,
also z. B. Baurnwollfleverlunte, bestimmt, es in die Klemmvorrichtung einlegt und
nun die Diagonallänge der quadratischen -Maulöffnung dafür bestimmt. Es läßt sich
also dadurch für das Faserbündel von bestimmter vorliegender Feinheitsnummer die
Ablesung an dem Zifferblatt h genau bewirken, wobei die Messung auch immer unter
dem betreffenden Druck stattfindet, für den die Vorrichtung geeicht ist. Es können
nun entweder für die einzelnen Faserstoffe besondere Tabellen gemacht werden, falls
die Vorrichtung für die verschiedensten Faserstoffe dient, oder aber soll er nur
für einen bestimmten Faserstoff dienen, dann können die Feinheitsnuminern unmittelbar
an dem Zifferblatt bezeichnet werden.
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Zur Berechnung der Tabellen wird nebenbei noch angeführt, daß für
gleichen spezifischen Backendruck und für einheitliches Material die Wechselbeziehungen
zwischen Feinheitsnummer N und der Maulweite aus folgender Betrachtung abgeleitet
sind.
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Die Feinheitsnummer N ist gleich
oder es ist g-N-l. Das Gewicht g ist aber auch gleich für den Quadratquerschnitt,
wenn y das relative spezifische Gewicht des porösen Faserbündels ist, -d2#l-y-g
somit g-N-dz L- y -N=-
oder
In dem vorstehend erläuterten Ausführungsbeispiel der Stapelmeßvorrichtung ist die
wagerechte Verschiebung der Backen vorgesehen. Man kann natürlich auch die -Vorrichtung
lotrecht anordnen und dann an Stelle der Federdruckwirkung eine regelbare Gewichtswirkung
zum Schließen des -Maules vorsehen.
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Aus -dem Grundriß Abb. 2 ist ersichtlich, daß noch besondere -Maßstäbe
in vorgesehen sind, uin die Längen der herausstehenden Fasern zu messen, wenn man
ausgekämmte Gespinstbärte messen will zur Bestimmung der längsten Faserlängen oder
zur Festlegung bestimmter Bartlängen, die man in. bekannter Weise abschneiden und
zur Bestimmung des Stapeldiagramms in bekannter Weise für sich wiegen kann.
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Die Handhabung der Vorrichtung geschieht für die Bestimmung des mittleren
Stapels von Baumwolle, also z. B. in folgender Weise: der Prüfer nimmt sich ein
Baumwollbüschel, zieht es zwischen den Fingern in der bekannten Weise wiederholt
aus und legt die Schichten übereinander, - legt das so gewonnene Büschel in das
geöffnete Zangenmaul, läßt sich das Maul schließen, liest die Feinheitsnummer des
Büschels an dem Zeiger ab, wiegt das Büschel auf einer chemischen oder einer entsprechend
empfindlichen NTeigungs- oder Torsionswaage und erhält aus dem Produkt der Zahlen
(vgl. oben) dann die mittlere Stapellänge. Gewünschtenfalls werden die längsten
Fasern auch gemessen, so daß dann noch das Güteverhältnis des Stapels durch das
Verhältnis des mittleren Stapels zum längsten Stapel ermittelt wird.