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Die Erfindung betrifft eine Transportvorrichtung für langgestrecktes Behandlungsgut nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
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Transportvorrichtungen dieser Art sind in verschiedenen Ausführungsformen bekannt. Sie gelangen insbesondere zum Einsatz in Erwärmungsanlagen, in denen metallische Werkstücke im Durchlaufverfahren erwärmt werden. Bekanntlich nimmt bei der Erwärmung von metallischen Werkstücken die Härte der Werkstücke umso mehr ab, je näher die Werkstücktemperatur an den Liquiduspunkt des Werkstoffs heranreicht. Werden die Werkstücke horizontal durch eine Erwärmungsanlage transportiert, so besteht die Gefahr einer Verformung der Werkstücke. Besonders empfindlich sind z. B. Stahlrohre mit äußerer Lamellenstruktur. Derartige Stahlrohre werden üblicherweise im Durchlaufverfahren aufgeheizt, um anschließend mit einem metallischen Überzug versehen oder einer anderen Behandlung unterzogen zu werden.
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Empfindliche Werkstücke wie z. B. die oben erwähnten Stahlrohre mit äußerer Lamellen- oder Rippenstruktur können auch im kalten Zustand während des Transports abträglich beeinflußt werden.
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Nun ist es denkbar, als Transportvorrichtung für empfindliche Werkstücke die üblichen Transportbänder mit mehr oder weniger flacher Auflagefläche, Ketten oder Schlitten einzusetzen. Allerdings ist bei derartigen Transportvorrichtungen eine Verformung der Werkstücke, insbesondere eine Oberflächenverformung bzw. eine Verformung der Lamellenstruktur bei den oben erwähnten Stahlrohren nicht ausgeschlossen, wobei diese Gefahr einer Beschädigung bzw. Verformung umso größer ist, je stärker die Werkstücke aufgeheizt werden.
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Sehr viele Behandlungsanlagen, durch die Werkstücke im Durchlaufverfahren hindurchtransportiert werden, insbesondere Durchlauföfen, arbeiten mit Schutzgas. Damit so wenig Schutzgas wie möglich aus dem Inneren des Ofens entweicht, befinden sich am Eingang und am Ausgang der Erwärmungsanlage Verschlußplatten mit Durchgangsöffnungen. Die Durchgangsöffnungen müssen so bemessen sein, daß das Erwärmungsgut beim Hindurchtreten durch die Öffnungen nicht anstößt und beschädigt wird. Bisher wurden die Durchgangsöffnungen relativ groß bemessen, so daß der Forderung eines möglichst geringen Schutzgasverlusts nur in unzureichendem Maße Rechnung getragen wurde.
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Aus der DE-OS 24 56 024 ist eine Transportvorrichtung der eingangs genannten Gattung bekannt. Diese bekannte Transportvorrichtung besitzt zwar an der Seite der Transportkette eine Halterung in Form von Randelementen, jedoch dient diese bekannte Transportvorrichtung zum Transportieren von Kleinteilen, wobei besonderes Augenmerk darauf gelegt ist, daß keine Teile durch etwaige Lücken der Transportkette hindurchfallen können. Dieses Problem ist besonders im Umlenkbereich der Endlos-Transportkette relevant, weil sich dort nämlich die Kettenglieder bewegen und Zwischenräume freigeben.
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Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Transportvorrichtung der eingangs genannten Art zu schaffen, die eine Beschädigung des Behandlungsguts während des Transports praktisch ausschließt, insbesondere eine Verformung auf Grund temperaturbedingter Erweichung des Werkstückmaterials ausschließt.
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Diese Aufgabe wird bei Transportvorrichtung der eingangs genannten Art erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß mindestens ein Teil der Kettenglieder mit Werkstückhalterungen ausgestattet ist, daß die Werkstückhalterungen Werkstücklagerflächen aufweisen, auf denen die Werkstücke aufliegen, und daß die Werkstücklagerflächen in senkrecht auf der Transportrichtung stehenden Schnittebenen gleiche Kontur haben.
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Im Gegensatz zu der oben erwähnten bekannten Transportvorrichtung nach der DE-OS 24 56 024 bildet die Endlos- Transportkette also nicht eine mehr oder weniger ebene Lagerfläche, sondern es sind spezielle Werkstückhalterungen vorgesehen. Diese Werkstückhalterungen halten die Werkstücke in einer genau definierten Lage, wobei ein Werkstück von mindestens einer Werkstückhalterung gelagert wird. Die Erfindung schafft mithin eine Transportvorrichtung, die sich speziell für langgestreckte Werkstücke, insbesondere für langgestreckte, zu erwärmende Stahlrohre mit Lamellen- oder Rippenstruktur eignet.
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Zwar ist aus der DE-OS 31 27 909 eine Kühlvorrichtung für Kohleanoden mit Endlosförderer bekannt, der aus einzelnen Gliedern besteht, von denen jedes eine Werkstückhalterung mit einer Werkstücklagerfläche trägt, wobei die Kontur der Werkstücklagerfläche an diejenige des Werkstücks angepaßt ist, jedoch handelt es sich bei den Werkstücken um Formkörper mit nur geringer Gestaltfestigkeit, so daß für jeden einzelnen Formkörper ein schalenförmiges Rost vorgesehen ist. Beim Transport von einzelnen Gegenständen identischer Gestalt mag sich die Einzellagerung auf der Transportkette anbieten. In Erwärmungsanlagen für langgestrecktes Behandlungsgut wurden bisher jedoch Jahrzehntelang als Kettenglieder ausgebildete Transportbänder verwendet. Langgestreckte Teile wie z. B. Stahlrohre für Wärmetauscher, d. h. Stahlrohre, auf deren Außenseite Lamellen angeordnet sind, lassen sich nicht mit Einzel-Halteelementen durch eine Erwärmungsanlage hindurchtransportieren, jedenfalls nicht mit wirtschaftlich vernünftigem Aufwand. Insofern konnte der DE-OS 31 27 909 keine Anregung in Richtung der Erfindung entnommen werden.
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Die US-PS 29 40 581 zeigt eine Transport- und Wendemaschine für dosen- oder eimerförmige Körper, wobei für jeden einzelnen Körper eine spezielle Halterung vorgesehen ist. Für langgestrecktes Behandlungsgut eignet sich eine solche Anlage jedoch ebenfalls nicht.
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Wenn die Werkstücklagerflächen im wesentlichen nach oben geöffnete Halbschalen bilden, die der Werkstückoberflächenform weitgehend angepaßt sind, können die einzelnen Werkstücke großflächig aufliegen, so daß sich der Auflagedruck verteilt und dementsprechend Verformungen praktisch ausgeschlossen sind. Durch diese Weiterbildung der Erfindung ist auch eine sehr einfache Aufgabe der Werkstücke am Eingang der Behandlungsanlage sowie eine sehr einfache Abnahme der Werkstücke am Ausgang der Anlage möglich. Je nach Art und Form der Werkstücke braucht nicht auf jedem einzelnen Kettenglied eine Werkstückhalterung vorgesehen zu werden, sondern es reicht unter Umständen aus, z. B. jedes zweite Kettenglied mit einer Werkstückhalterung auszustatten. Ist jedoch erfindungsgemäß jedes Kettenglied mit einer Werkstückhalterung ausgestattet, lassen sich verschieden lange Werkstücke mühelos transportieren.
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Im Rahmen der vorliegenden Anmeldung soll unter dem Begriff "Kettenglied" praktisch jedes beliebige ein- oder mehrteilige Element einer Transportkette verstanden werden. Die Kettenglieder können beliebigen Aufbau haben, beispielsweise können sie plattenförmig ausgebildet sein.
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In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, daß die Werkstückhalterungen jeweils aus dem betreffenden Kettenglied und seitlich daran angebrachten Haltestücken, z. B. Blechplatten aus hitzebeständigem Stahl, bestehen. Eine derartige Transportvorrichtung läßt sich äußerst einfach und billig herstellen.
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In einer anderen Ausführungsform der Erfindung ist vorgesehen, daß die Werkstückhalterungen als Stahlblech- Rinnen ausgebildet sind, die auf den betreffenden Kettengliedern befestigt, z. B. angeschweißt sind.
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Im folgenden werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt
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Fig. 1 eine Querschnittansicht durch eine Transportvorrichtung, wobei die Schnittebene senkrecht auf der Transportrichtung steht, und
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Fig. 2 eine ähnliche Ansicht wie Fig. 1 einer abgewandelten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Transportvorrichtung.
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Die in Fig. 1 teilweise dargestellte Transportvorrichtung 1 ist eine Endlos-Transportkette, deren Obertrum auf einer Laufebene 3 einer Kettenführung 2 läuft, wobei die Transportkette seitlich von zwei Führungsabschnitten 4 geführt wird.
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Fig. 1 zeigt eine Laufachse 5, auf der zwei auf der Laufebene 3 rollende Laufräder 6 a und 6 b drehbar gelagert sind. Das eigentliche Kettenglied besteht aus zwei Plattengliedern 7 a und 7 b und einer zwischen diesen befestigten Laufbuchse 9. Zwischen den Plattengliedern 7 a und 7 b und den Laufrädern 6 a bzw. 6 b befinden sich Verbindungsschenkel 8 a bzw. 8 b eines benachbarten Kettenglieds.
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Jedes Kettenglied kann zwei oder mehr Laufachsen mit einer entsprechenden Anzahl von Laufrädern und Laufbuchsen aufweisen.
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An den beiden Plattengliedern 7 a und 7 b ist bei 10 eine Stahlblech-Rinne 11 angeschweißt. Die Stahlblech-Rinne 11 bildet eine Werkstückhalterung und weist eine Werkstücklagerfläche 13 auf, deren Kontur im wesentlichen an die Außenkontur eines Werkstücks 12 angepaßt ist.
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Die Werkstücklagerfläche 13 bildet eine nach oben offene Halbschale, die sich senkrecht zur Zeichenebene erstreckt. Bei dem Werkstück 12 handelt es sich hier um ein Stahlrohr 12&min;, auf dem mehrere Lamellen oder Rippen 12&min;&min; sitzen. Derartige Stahlrohre kommen z. B. bei Wärmeaustauschern o. dgl. zum Einsatz.
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Im Betrieb bewegt sich das in Fig. 1 im Querschnitt dargestellte Obertrum der Transportvorrichtung 1 z. B. in die Zeichenebene hinein, wobei das Stahlrohr 12 z. B. durch eine mit Schutzgas arbeitende Erwärmungsanlage hindurchtransportiert wird. Da das Stahlrohr 12 mit seinen Lamellen 12&min;&min; etwa über seinen halben Außenumfang von der Werkstücklagerfläche 13 aufgenommen wird, ist eine Verformung der empfindlichen Lamellen 12&min;&min; auch dann praktisch ausgeschlossen, wenn das Stahlrohr stark aufgeheizt wird.
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Fig. 2 zeigt eine gegenüber Fig. 1 abgewandelte Ausführungsform. Gemäß Fig. 2 ist in der Oberseite des Kettenglieds 7 eine einen Teil der Werkstücklagerfläche bildende Ausnehmung 72 ausgebildet. Seitlich anschließend an die Ausnehmung 72 sind auf beiden Seiten aus hitzebeständigem Stahl bestehende Blechplatten 71 a und 71 b angeschweißt, die Lager- bzw. Abstützflächen 73 a bzw. 73 b für das Stahlrohr 12 bilden.
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Es kann statt der Transportebene 2 auch eine Anordnung gewählt werden, bei der für die jeweils linken Laufräder 6 a und die rechten Laufräder 6 b eine getrennte Laufebene vorgesehen ist. Weiterhin können die Kettenglieder auch plattenförmig ausgebildet sein, wobei dann seitlich an die Platte angeschweißte Achsstücke oder unter der Platte gelagerte Achsen vorgesehen sind.
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Bei den oben beschriebenen Ausführungsformen haben die langgestreckten Werkstücke elliptischen Querschnitt, selbstverständlich sind jedoch auch Werkstücke mit anderen Querschnitten möglich, beispielsweise mit quadratischem, kreisrundem, vieleckigem oder unregelmäßigem Querschnitt.
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Die Transportkette ist ganz in den wärmeisolierten beheizten Ofenraum integriert. Hierbei treten die Wärmeverluste nicht auf, wie sie bei Transportketten in Kauf genommen werden müssen, die teilweise im beheizten Ofenraum und teilweise außerhalb des Ofenraums in freier Atmosphäre angeordnet sind.