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Mikroskop. Bei allen bisher bekannten Mikroskopen mag es sich um ein
Präparierstativ oder um ein zusammengesetztes Mikroskop für unokulare oder binokulare
Zwecke handeln, bilden die einzelnen Hauptteile, wie z. B. Systemträger oder Tubus,
Tisch und Beleuchtungsapparat, mit dem Gestell ein untrennbares organisches Ganzes.
Soweit die Verbindung z. B. durch Zahn- und Trieb herbeigeführt ist und demzufolge
in dieser Hinsicht eine Lösbarkeit vorliegt, hat dieselbe keine weitere Bedeutung,
als daß der betreffende Teil abgenommen werden kann. Jedenfalls ist man an den Gegenaufbau
gebunden, und man muß, falls man die verschiedenen Mikroskoparten für seine Arbeiten
benötigt, die verschiedenen Bauarten in ihrer Gesamtheit anschaffen, was besonders
mit Rücksicht auf die-genaue Arbeit bei solchen Instrumenten zu nicht unerheblichen
Kosten führt. Aber auch für den Hersteller solcher Instrumente bedeutet es eine
große Kapitalsanlage, wenn die verschiedenen Instrumente, sei es als Halb- oder
Fertigfabrikat, auf Lager gehalten werden sollen. Endlich erfordert die bisherige
Bauart dieser Instrumente sehr viel Handarbeit genauester Art, was zur Verteuerung
in der Herstellung führt.
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Bei allen optischen und physikalischen Versuchen, bei denen die Projektion
in irgendeiner Art eine Rolle spielt, hat sich das Zeißsche Reitersystem in. Verbindung
mit einer optischen Bank, deren Querschnitt ein gleichseitiges Dreieck darstellt,
bewährt, zumal man die einzelnen auf Reitern sitzenden Versuchsapparate auf der
optischen Bank in beliebiger Weise anordnen oder versetzen kann, ohne, falls sie
einjustiert sind, ihre Nachjustierung vornehmen zu müssen.
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Die Vorzüge des Reitersystems sollen zur Vermeidung der vorerwähnten
Übelstände der bisher bekannten Mikroskope auf das Mikroskop im allgemeinen übertragen
bzw. bei demselben angewendet werden.
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Die Zeichnung zeigt ein Ausführungsbeispiel eines nach diesem Grundsatz
aufgebauten Mikroskopes in schematischer Darstellung. In dem Gestenfuß ist eine
gegebenenfalls abnehmbare Gelenkklaue g angeordnet, in welche die als optische Bank
dienende dreikantige Schiene a eingeklemmt wird. Der Reiter b trägt den Systemtubus,
ein Reiter c den Objekttisch, Reiter d den Kondensor und Reiter c den Beleuchtungsspiegel.
Die einzelnen Teile können bequem gegeneinander verstellt und durch andersgestaltete
ersetzt werden. So genügt es, den Reiter b mit Tubus durch einen Lupenträger oder
-durch einen Tubus mit genauer Mikrometereinstellung oder durch einen binokularen
oder mineralogischen Tubus zu ersetzen, um aus dem Mikroskop ein Lupenstativ, ein
Stativ mit genauer Feineinstellung, ein binokularea oder mineralogisches Instrument
zu machen. Durch Nachbezug solcher Teile kann man mit wesentlich billigeren Mitteln
sein Instrumentarium ergänzen, als dies bisher möglich war, und dies ist nicht nur
für den einzelnen Naturforscher, sondern in hervorragendem Maße für die Schulen
von Bedeutung. Wird das Gelenk g herausnehmbar gemacht, dann kann es in einen Zeißschen
Reiter eingesetzt und das Mikroskop bequem für die verschiedensten Mikroprojektionszwecke
benutzt
werden, was bis jetzt ohne Mitbenutzung des meist klobigen
Fußes und ohne Verwendung eines besonderen Unterbaues nicht möglich ist.
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Setzt man, wie punktiert angegeben, auf das obere Ende der optischen
Bank a noch einen Reiter 1a mit ebensolcher optischen Bank oder einem Stab
i, der einen Kasettenrahmen k
mit frei herabhängendem Balgen und Lichtschutzrohr
bekannter Art trägt, dann hat man gleichzeitig eine mikrophotographische Einrichtung
vor sich, die nach erfolgter subjektiver Beobachtung ohne viel Umstände eine photographische
Aufnahme ermöglicht. Soll ohne Okular gearbeitet werden, dann greift das Lichtschutzrohr
nach Entfernung des Okulartubus unmittelbar in den Systemtubus, da sich der frei
hängende Balgen bei genügender Länge bequem anschließt. Weil alle Reiterschrauben,
die in bekannter Weise in eine Nut der optischen Bank eingreifen, als Handschrauben
ausgebildet sind, kann der ganze Auf- und Abbau ohne Werkzeuge erfolgen.
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Die optische Bank kann selbstredend auch einen anderen Querschnitt
besitzen.