Die Erfindung betrifft eine Überflur-Schmiedepresse nach dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Bei Überflur-Schmiedepressen hat sich die Bauart ohne Laufholm
bewährt, mit einem am oberen Holm des Pressenrahmens über eine
beiderends in Kugelpfannen gelagerte Stelze abgestützten Kolben
und einem den Kolben aufnehmenden, gegenüber dem Kolben im
Pressenrahmen beweglichen, mit dem Oberwerkzeug bestückten
Zylinder und einer durch den Kolben führenden Druckmittelleitung,
wie sie durch die US 29 16 987 bekannt ist. Der bewegliche
Zylinder, der das Oberwerkzeug trägt, ist mit den nach oben
weisenden Dichtungen dem Schmiedestück abgewandt, so daß Öl
als Betriebsmittel gefahrlos angewendet werden kann. Die Bauart
ohne Laufholm erfordert auch nur geringen baulichen Aufwand.
Die den Kolben am Holm des Pressenrahmens abstützende, beider
seits in Kugelpfannen gelagerten Stelze ist nach der US
29 16 987 oberhalb des Kolbens angeordnet, und die Druckmittel
zu- und abfuhr ist unmittelbar an den Kolben angeschlossen,
wobei der für die Anordnung der Stelze benötigte Raum die Bau
höhe der Presse ungünstig beeinflußt ist, die von der Stelze auf
den Kolben beim ausmittigen Schmieden wirkenden Querkräfte
den Kolben ungünstig belasten und der Anschluß der Rohrleitungen
für die Druckmittelzu- und abfuhr unmittelbar an den Kolben
von erheblichem Nachteil ist.
Aufgabe der Erfindung ist es, Querkräfte am Kolben möglichst
gering zu halten, den Kolben vom Anschluß der Rohrleitungen
zu befreien und die Bauhöhe der Presse dabei möglichst nicht
anwachsen zu lassen, sondern eher zu verringern. Zur Lösung
dieser Aufgabe ist bei einer Presse des vorbeschriebenen
Standes der Technik der unten mit einem Boden versehene, nach
Kugelpfannen und der mit der oberen Kugelpfanne, wie bekannt,
am Holm abgestützten Stelze vorgesehen, und die Stelze sowie
die Kugelpfannen sind für eine dichtend vom Kolbenboden zum
oberen Holm führende Druckmittelleitung durchbohrt.
Zum Stand der Technik ist zu erwähnen, daß es durch die DE-PS
9 53 248 zwar bekannt ist, einen am Holm einer Presse abgestütz
ten Kolben für eine vom Kolbenboden zum Holm führende Druck
mittelleitung zu durchbohren, jedoch ist hier der Kolben un
mittelbar am Holm abgestützt, da bei einer Strangpresse - um
eine solche handelt es sich bei der DE-PS 9 53 248 - ausmittige
Kräfte nicht auftreten und eine Abstützung des Kolbens am Holm
über eine Stelze nicht vorgesehen ist.
Der bei ausmittigen Schmiedekräften aus der Arbeitsweise der
Presse resultierenden Seitenverschiebung und/oder Schiefstellung
des Kolbens, die durch die zwischen dem Kolbenboden und dem
Holm der Presse angeordnete Stelze ausgeglichen wird, muß auch
die Druckmittelleitung zwischen dem Holm der Presse und dem
Kolbenboden angepaßt sein. Hierzu kann gemäß einem weiteren
Merkmal der Erfindung eine verformbare Dichtung zur Druckmittel
leitung im Bereich des Kolbenbodens oder im Bereich des Pressen
holms zum Ausgleich des Versatzes vorgesehen sein, oder es kann
gemäß einem weiteren Merkmal der Erfindung die Druckmittelleitung
derart bemessen sein, daß der Versatz im elastischen Bereich
der Druckmittelleitung aufnehmbar ist, wie dies bei elastischen
Verbindungselementen wie Stützstangen grundsätzlich bekannt ist
(DE-OS 24 51 123).
In Weiterbildung der Erfindung ist die im oberen Bereich der
im Holm zentrierten Druckmittelleitung befindliche Kugelpfanne
an der Innenseite des Holmes anliegend zentriert, und die im
unteren Bereich der Druckmittelleitung am Kolbenboden anlie
gende Kugelpfanne ist mit Passung an der inneren Wandung des
Kolbens angeordnet. Dadurch ist die obere Kugelpfanne auf
Pressenmitte gehalten, während die untere Kugelpfanne an den
Querbewegungen, denen der Kolbenboden ausgesetzt ist, teilnehmen
kann.
Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung ist die zentral
angeordnete Druckmittelleitung mit einer Schulter versehen,
die sich in eine entsprechende Ausnehmung im Kolbenboden
bei Verschraubung der Druckmittelleitung im Holm und in
einer Ausnehmung im Holm bei Verschraubung im Kolbenboden
anlegt. Normalerweise wird der Kolben durch zwischen dem
Kolbenboden und dem Zylinder herrschenden hydraulischen
Druck fest über Kugelpfannen und Stelze gegen den Holm ge
drückt. Durch die Anordnung einer Schulter an der der Ver
schraubung der Druckmittelleitung entgegengesetzten Seite
der Druckmittelleitung wird ein zusätzlicher Halt für Kolben
mit Kugelpfannen und Stelze erzielt.
Die Erfindung wird anhand eines Beispiels näher erläutert.
Es zeigt
Fig. 1 eine Freiform-Schmiedepresse mit geschlossenem
Rahmen mit einem Teilschnitt durch einen laufenden
Zylinder mit angesetztem Oberwerkzeug sowie Druck
mittelzufuhr durch eine im Holm verschraubte Druckmittelleitung
in den Zylinder,
Fig. 2 wie Fig. 1, jedoch mit im Boden eines Kolbens ver
schraubter Druckmittelleitung für die Druckmittelzufuhr,
Fig. 3 wie Fig. 1, jedoch infolge exzentrischer Belastung
auf das Oberwerkzeug mit schräg stehendem Zylinder
und gebogener Druckmittelleitung für die Druckmittelzufuhr und
Fig. 4 wie Fig. 1, jedoch mit starrer Druckmittel
leitung für die Druckmittelzufuhr.
In einem Pressenrahmen 1 einer Freiform-Schmiedepresse,
bestehend aus oberem Holm 2 und unterem Holm 3 sowie beide
verbindenden Seiten- und Führungsteilen 4, ist in einstell
baren Führungen 5 ein laufender Zylinder 6 geführt. An sei
ner Unterseite trägt er ein Oberwerkzeug 7. Ein entspre
chendes Unterwerkzeug 8 ist auf dem unteren Holm 3 befe
stigt.
In Fig. 1 ist im Zylinder 6 ein hohler Kolben 9 über eine
im Zylinder 6 angeordnete Grundbüchse 10, Packung 11 und
Stopfbüchse 12 geführt, wobei die Stopfbüchse 12 mittels
eines Stopfbüchsflansches 13 an der Stirnseite des Zylin
ders 6 befestigt ist. Durch den Kolbenboden 14 ist eine Druckmittel
leitung 15 geführt, die sich durch Bohrungen einer unteren Kugel
pfanne 16, einer Stelze 17, einer oberen Kugelpfanne 18 bis
in den oberen Holm 2 erstreckt. Im oberen Holm 2 ist die Druckmittel
leitung 15 mit Außengewinde 19 verschraubt. Durch eine weitere
Bohrung 20 im oberen Holm 2 kann Druckmittel über das Innere
der Druckmittelleitung 15 in den Raum zwischen Kolbenboden 14 und Zylin
der 6 zugeführt werden.
Gegen Druckmittelverlust ist einerseits zwischen dem oberen
Holm 2 und der Druckmittelleitung 15 eine Abdichtung 21 und andererseits
zwischen dem Kolbenboden 14 und der Druckmittelleitung 15 eine weitere
Abdichtung 22 vorgesehen.
Zum besseren Halt des Kolbens 9 mit den Kugelpfannen 16 und
18 sowie der von diesen eingeschlossenen Stelze 17 ist die
zentral angeordnete Druckmittelleitung 15 mit einer Schulter 23 versehen,
die sich in einer Ausnehmung 24 des Kolbenbodens 14 anlegt.
Die obere Kugelpfanne 18 ist dabei an der Unterseite des
oberen Holmes 2 zentriert, während die untere am Kolben
boden 14 anliegende Kugelpfanne 16 mit Passung an der Innen
wandung des Kolbens 9 angeordnet ist.
In Fig. 1 ist die Druckmittelleitung 15 elastisch
ausgebildet, wobei die Wandstärke mindestens auf die Länge
der Stelze 17 kleiner ist als an den Paßstellen zum oberen
Holm 2 und zum Kolbenboden 14. Die konvexen Enden der Stelze
17 weisen den gleichen Radius auf wie die Kugelpfannen 16
und 18.
Fig. 2 zeigt im Prinzip die gleiche Darstellung wie die
Fig. 1, jedoch liegt in Fig. 2 die Druckmittelleitung 15 mit ihrer
Schulter 23 in einer Ausnehmung 24 a im oberen Holm 2 und
ist mit ihrem Außengewinde 19 im Kolbenboden 14 ver
schraubt. Unterhalb des Gewindes 19 im Kolbenboden 14 ist
eine entsprechende Abdichtung 21 a und unterhalb der
Schulter 23 im oberen Holm 2 eine weitere Abdichtung 22 a
vorgesehen. Die Druckmittelzuführung erfolgt hier auch
vom oberen Holm 2 über die Druckmittelleitung 15 zum Zylinder 6, wobei
die Abdichtungen 21 und 22 Leckverluste vermeiden.
Wie auch in Fig. 1 zeigt Fig. 2 in gestrichelter Ausführung
die Stellung von Zylinder 6 und Oberwerkzeug 7 auf dem
Unterwerkzeug 8.
Fig. 3 zeigt eine im oberen Holm 2 mit Gewindeverschraubung
19 befestigte, elastische, zentral angeordnete Druckmittelleitung 15,
die wiederum oberhalb des Gewindes 19 eine Abdichtung 21
aufweist. Im übrigen entspricht die Darstellung derjenigen
nach Fig. 1.
Jedoch ist hier eine auf das Oberwerkzeug 7 wirkende, sich
aus dem Verformungsvorgang ergebende exzentrische Kraft F
dargestellt, die bewirkt, daß sich der mit dem Oberwerkzeug
7 verbundene laufende Zylinder 6 stark an der unteren Füh
rung 5 rechts und an der oberen Führung 5 links anlegt. Die
se eine Schiefstellung des Zylinders 6 ergebende Moment
überträgt sich über Grundbüchse 10 auf den stehenden Kolben
9 und damit auf die im Kolbenboden 14 mit Schulter 23 in
Ausnehmung 24 liegende Druckmittelleitung 15. Diese ist in ihren Abmes
sungen, insbesondere in der Wandstärke so ausgelegt, daß
sie diese Verformung elastisch aufnehmen kann, wobei die
Preßkraft über den Kolbenboden 14, die Kugelpfannen 16 und
18 und die zwischen ihnen eingeschlossene Stelze 17 auf den
oberen Holm 2 übertragen werden kann. Die Druckmittelzufuhr
durch die hier die Schiefstellungen und seitliche Bewegung
des Zylinders 6 elastisch aufnehmende Druckmittelleitung 15 ist nicht
behindert. Das hierbei von der Preßkraft ausgeübte Moment
wirkt sich nicht nachteilig auf Grundbüchse 10, Stopfbüchse
12 und Kolbenoberfläche 9 a aus.
Fig. 4 zeigt im Prinzip die gleiche Darstellung wie Fig. 1
mit im oberen Holm 2 verschraubter Druckmittelleitung 15 und der Abdich
tung 21. Jedoch ist hier die Druckmittelleitung 15 starr mit
entsprechend größerer Wandstärke ausgebildet. Die Abdich
tung 22 zwischen Druckmittelleitung 15 und dem Kolbenboden 14 ist hier als
eine elastische Dichtung ausgebildet, die die aus dem Ar
beitsprozeß sich ergebenden exzentrischen Belastungen und
Schiefstellungen sowie seitlichen Verschiebungen des Zylin
ders über die Führungsbüchse 10 auf den Kolben 9 aufnimmt.
die untere Kugelpfanne 16 liegt dabei mit ihrer Außenseite
mit Passung an der Innenwandung des Kolbens 9 an, so daß
auch hier die Preßkräfte über Kugelpfanne 16, Stelze 17 und
Kugelpfanne 18 auf den oberen Holm bei entsprechender Ein
stellung zueinander übertragen werden können.