DE2505934C3 - Verfahren zur Herstellung eines amalgamierbaren Legierungspulvers und Verwendung desselben für die Herstellung von Dentalamalgam - Google Patents
Verfahren zur Herstellung eines amalgamierbaren Legierungspulvers und Verwendung desselben für die Herstellung von DentalamalgamInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines amalgamierbaren Legierungspulvers auf Silberbasis.
Üblicherweise enthalten Legierungen auf Silberbasis, welche zur Herstellung von Dentalamalgamen geeignet
sind, wenigstens etwa 65% Silber und etwa 25% Zinn, sowie höchstens etwa 6% Kupfer und etwa 2% Zink.
Durch Vermischen derartiger Legierungen mit etwa 45 bis 55% Quecksilber entsteht ein Zahnersatz, der über
einen Zeitraum von etwa 15 Minuten formbar bleibt und danach in einen harten Zustand übergeht Die
Amalgamierungsreaktion ist gewöhnlich nach etwa 24 Stunden beendet Nach der American Dental Association
sollen Silberlegierungen, welche sich zur Herstellung von Amalgamen eignen, etwa 26 bis 28% Zinn,
etwa 1 bis 2% Zink, etwa 2 bis 4% Kupfer, Rest Silber enthalten. Man ist bisher davon ausgegangen, daß die
Kupfermenge wegen der Neigung von Dentalamalgamen ium Korrodieren und/oder zur Verfärbung im
Gebrauch auf maximal 6% beschränkt werden sollte. Andererseits weiß man, daß Kupfermengen über 6% die
Druckfestigkeit des sich bildenden DentalamaJgams erhöhen.
Ausgedehnte Untersuchungen an Zahnersatzstoffen einschließlich Dentalamalganen haben gezeigt, daß die
Kriechfestigkeit Und Druckfestigkeit des Ersatzstoffes
die wichtigsten physikalischen Eigenschaften im Hinblick auf das Schadhaftwerden und den Bruch von
Zahnersatz sind. Durch diese Untersuchungen ist in Oberzeugender Weise eine Beziehung zwischen einem
»tarken Auftreten von Randbruch bei Zahnersatz und hohen dynamischen Kriechspannungen festgestellt
worden. Versuche, die Brucheigenschaften am Rande und andere mechanische Eigenschaften von Dentalamalgamen
durch Erhöhen der Kupfermenge in den Legierungen zu verbessern, sind wegen der erhöhten
Korrosionsgefahr und Neigung zum Verfärben der sich ergebenden Amalgame ohne Erfolg geblieben.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung eines amalgamierbaren
ίο Legierungspulvers auf Silberbasis zur Verfügung zu
stellen, das ein Endprodukt liefert, aus dem sich ein Dentalamalgam mit hoher Kriech- und Druckfestigkeit
herstellen läßt, das eine gute Widerstandsfähigkeit gegenüber Korrosion und Verfärbung aufweist
Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren gelöst, das dadurch gekennzeichnet ist, daß eine Legierungsschmelze
aus 47 bis 70% Silber, 20 bis 32% Zinn und 8 bis 27% Kupfer mit einem Verhältnis Silber zu Zinn von
1,8 : 1 bis 3,0 :1 und Zinn zu Kupfer von 1,0 : 1 bis 3,0 : 1
und gegebenenfalls bis zu 2% Zink in Normalatmosphäre, gegebenenfalls mittels und in einem inerten Gas, so
zerstäubt wird, daß die durchschnittliche Teilchengröße weniger als 100 μπι beträgt und die Teilchen neben einer
im wesentlichen gleichen Zusammensetzung einen abnehmenden Silberanteil und einen zunehmenden
Zinnanteil von außen nach innen aufweisen.
Mit dem erfindung.;gemäßen Verfahren läßt sich ein amalgamierbares Legierungspulver auf Silberbasis
herstellen, das Kupfermengen enthält die wesentlich größer sind als diejenigen, die man bisher als brauchbar
angesehen hat Die auf diese Weise hergestellte Legierung verbessert nicht nur die Widerstandsfähigkeit
des Dentalamalgams gegen Korrosion und/oder Verfärbung, sondern führt auch zu wesentlichen
überlegenen mechanischen Eigenschaften einschließlich erhöhtem Widerstand gegen dynamisches Kriechen.
Daß das amalgamierbare Legierungspulver trot7 des erhöhten Kupferanteils keine erhöhte Korrosionsempfindlichkeit
und/oder Neigung zum Vji-färben aufweist,
ist im wesentlichen auf die spezielle erfindungsgemäße Herstellungsmethode für das Legierungspulver zurückzuführen.
Durch Zerstäubung der Legierungsschmelze in Normalatmosphäre, gegebenenfalls mittels und in
einem inerten Gas, werden Teilchen einer durchschnittliehen Teilchengröße von weniger als 100 μπι erhalten.
Diese Teilchen weisen neben einer im wesentlichen gleichen Zusammensetzung einen abnehmenden Silberanteil
und einen zunehmenden Zinnanteil von außen nach innen auf. Obwohl dies noch nicht restlos geklärt
ist scheint doch diese inhomogene Zusammensetzung der einzelnen Teilchen für die vorteilhaften Eigenschaften
des Legierungspulvers verantwortlich zu sein, wie nachfolgend noch im einzelnen ausgeführt werden wird.
Ergänzend zum Stand der Technik sei noch erwähnt, daß es grundsätzlich bekannt ist (Kiefer-Hotop,
Pulvermetallurgie und Sinterwerkstoffe, 1948, S. 24). durch Zerstäuben von Legierungsschmelzen mit Luft
oder Wasserdampf usw. Komplexpulver, wie Pb-Cu, Pb-Ag usw, herzustellen und diese Pulver für Zahnamalgarne
zu verwenden. Nicht bekanntgeworden ist jedoch, in welchen Anteilen die einzelnen Legierungsbestandteile
eingesetzt werden müssen, damit die Teilchen die erwähnte inhomogene Zusammensetzung erhalten,
welche für die vorteilhaften Eigenschaften des Dentalamalgams ursächlich ist
Bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Verfahrens zeichnen sich dadurch aus, daß eine
Legierungsschmelze mit einem Verhältnis Silber zu
Zinn von 2,2 bis 2,6 und/oder eine Legierungsschmelze
mit einem Verhältnis Zinn zu Kupfer von 1,5 bis 2,5 verwendet wird. Vorzugsweise sollte die Legierungsschmelze so zerstäubt werden, daß die durchschnittliche
Teilchengröße 5 bis 45 μπι beträgt.
Das erfindungsgemäß hergestellte Legierungspulver wird für die Herstellung von Dentalamalgam mit
erhöhtem Widerstand gegen Kriechen, Korrosion und Verfärbung verwendet, in welchem 42 bis 54%,
vorzugsweise 46 bis 50%, Quecksilber enthalten sind. Das Dentalamalgam wird hergestellt, indem man das
amalgamierbare Silberlegierungspulver mit dem Quecksilber vermischt.
Nachfolgend sind bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Verfahrens anhand von Beispielen
und der Zeichnung im einzelnen beschrieben.
Wenn nicht anders bemerkt, stellen die Prozentangaben
Gewichts-Prozent dar.
In der Tabelle sind sowohl die zulässigen als auch die
bevorzugten Verhältnisse und die entsprechenden Prozentweite der drei wesentlichen Legierungsbestandteile
zusammengestellt.
| Tabelle 1 | Legierungspulvi | ;rzusammenseuun£ |
| Zulässiger | Bevorzugter | |
| Bereich | Bereich | |
| 1,8-3,0 | 2,2-2,6 | |
| Ag/Sn-Verhältnis | 1,0-3,0 | 1,5-2,5 |
| Sn/Cu-Verhältnis | 8%-27% | 10%-18% |
| Cu | 20%-32% | 23%-28% |
| Sn | 47%-70% | 57%-65% |
| Ag | ||
Wie in Tabelle 1 gezeigt ist, wird das Verhältnis Silber
zu Zinn auf den Bereich von 1,8 bis 3,0 eingestellt, wogegen das zulässige Verhältnis Zinn zu Kupfer 1 bis 3
beträgt Vorzugsweise wird das Silber-zu-Zinn-Verhältnis
innerhalb eines Bereiches von 2,2 bis 2,6 eingestellt,
während das Zinn-zu-Kupfer-Verhältnis vorzugsweise in einem Bereich von 1,5 bis 2,5 liegt Gegebenenfalls
kann auch Zink in Mengen bis zu 2% der Legierung vorhanden sein.
Es ist ein wichtiges Merkmal der Erfindung, daß das amalgamierbare Silberlegierungspulver durch ein Zerstäubungsverfahren
hergestellt wird, bei dem geschmolzene feine Tröpfchen der gewünschten Legierungsschmelze von außen nach innen erstarren. Die
unterschiedliche Erstarrungsdauer verschiedener Bereiche eines jeden Tröpfchens ergibt Seigerungen in den
verfestigten Teilchen, welche mindestens teilweise für die verbesserten mechanischen und chemischen Eigenschaften
der daraus hergestellten Dentalamalgam'; verantwortlich sind.
Das Zerstäuben der Legierungsschmelze kann mitiels
einer Vielzahl von Verfahren, einschließlich Gaszerstäubung, luftfreies Versprühen und mittels Zentrifugalkräften,
durchgeführt werden. Es hat sich unter den vorerwähnten Techniken die Gaszerstäubungsmethode
als besonders günstig erwiesen. Eine spezielle Ausftihrungsform
davon ist in der US-PS 32 53 783 beschrieben. Gemäß der in dieser Veröffentlichung beschriebenen
Vorrichtung Hießt ein Schmelzstrom der Metallegierung abwärts und wird durch den Aufprall eines
konisch gestalteten Gasw bbels zerstäubt, wobei sich die
entstehenden Tröpfchen fortschreitend verfestigen, wenn sie abwärts durch die Sammelkammer fallen. Das
entstandene amalgamierbare Pulver kann jede Teilchenform aufweisen, obgleich sphärische Teilchen
bevorzugt werden. Das Pulver sollte eine durchschnittliehe Teilchengröße von weniger als 100 μπι, vorzugsweise
von 5 bis 45 μπι, besitzen.
Wenn auch Luft in zufriedenstellender Weise als Zerstäubungs- und Sammlungsmedium verwendet werden
kann, verursacht die Berührung der geschmolzenen
ίο Silberlegierung mit dem Sauerstoff in dem Zerstäubungsgas
die Bildung unerwünschter Oxide auf den Teilchenoberflächen. Obwohl solche Oxide nachfolgend
durch Erhitzen des Pulvers in einer reduzierenden Atmosphäre, wie beispielsweise Wasserstoff, reduziert
werden können, zieht man es vor, ein inertes Gas, wie beispielsweise trocknes Argon-, Stickstoff- oder Heliumgas,
zur Zerstäubung der Schmelze und als Kühlmedium innerhalb der Pulversammeikammer zu
verwenden.
Die Benetzung der TeilchenoberfT ien mit Quecksilber
leitet die Amaigamierungsreaktioii e; v, die intermetallischen
Verbindungen, welche durch Reaktion der Oberflächenschicht der Teilchen gebildet werden,
binden die unreagierten Teiichenkerne aneinander. Es wird eii.e Matrix gebildet die eine kontinuierliche
Amalgamphase darstellt, welche mit diskreten, diskontinuierlichen Phasen der nichtreagierten Teilchenkerne
durchsetzt ist Unter den verschiedenen intermetallischen Verbindungen, welche gebildet werden, stellt die
intermetallische Zinn-Quecksilber-Verbindung die weichste Legierung in bezug auf Druckfestigkeit dar
und ist auch die gegen Korrosion und/oder Verfärbung empfindlichste.
Eine mögliche Erklärung für das unterschiedliche Verhalten des erfindungsgemäß hergestellten Legierungspulvers
mit hohem Kupfergehalt gegenüber den bekannten Pulvern ist der Unterschied in ihrer
Herstellung und dem Verfestigungsschema der Regierung
Bei dem erfindungsgemäß hergestellten Pulver enthält die äußere Oberfläche jedes kugelförmigen
Teil .hens eine höhere Silber- und Kupferkonzentration, wogegen die zinnreiche Phase in dem inneren Teil des
Teilchens konzentriert ist Dadurch wird die Bildung schädlicher intermetallischer Zinnverbindungen mög*
liehst gering gehalten, wodurch die Eigenschaften des entstehenden Dentalamalgams wesentlich verbessert
werden. Die vorhergehenden Ausführungen werden durch Mikroanalysen der kugelförmigen Legierungsteilchen
unter Verwendung von Röntgenstrahlen belegt,
welche eine Änderung in der Zusammensetzung zwischen dem inneren und dem äußeren Bereich jede?
Teilchens zeigen. Entsprechende Werte, die durch Mikroanalysen großer Amalgamlegierungsteilchen erhalten
wurden, sind in Tabelle 2 aufgeführt.
Mikroanalyse großer kugelförmiger Teilchen
Analysenort
Zusammensetzung, (»ewichts-% Silber Zinn Xupfer
Teilchenmitte 51-58 27-29 9-19
Teilchenoberfläche 64-84 10-20 6-16
Die Ergebnisse gestaffelter Mikroanalysen eines einzelnen Teilchens zur Bestimmung des Bereiches der
Veränderung in der Zusammensetzung der drei Legierungsbestandteile beim Fortschreiten von der
Teilchenoberfläche nach dem Kern des Teilchens sind in der Zeichnung graphisch dargestellt. Wie gezeigt,
nimmt die Konzentration des Silbers von außen nach innen ab. Dagegen nimmt die Konzentration von Zinn
von außen nach innen zu, während die Kupfermenge im wesentlichen, konstant bleibt, jedoch mit einer Verminderung
der Breite des Wertbereiches nach dem Kern hin.
Es wurde ein amalgamierbares Silberlegierungspulyer durch Argonzerstäubung einer geschmolzenen
Legierung hergestellt, welche ein Silber-zü-Zirin-Ver-
hältnis von 2,23 :1 und ein Zinn-zu-Kupfer-Verhältnis
von 2,10 :1 aufwies, wobei sich eine Legierung ergab, welche im wesentlichen aus 13% Kupfer, 27% Zinn und
60% Silber bestand. Die resultierenden Pulverteilchen besaßen im allgemeinen Kugelform. Das gesammelte
Pulver wurde gesiebt, um Teilchen einer durchschnittlichen Teilchengröße im Bereich von 5 μπι bis 45 μπι
abzutrennen. Der Rest wurde wieder eingeschmolzen.
Das wärmebehandelte und gewaschene Pulver wurde 10 Sekunden lang mit annähernd 46% Quecksilber
verrieben, wonach das Gemisch zu einem Prüfmuster geformt wurde, das man 7 Tage lang aushärten ließ; die
Probe hatte eine Druckfestigkeit von 52,72 kp/mm2; eine
Kriechfestigkeit von weniger als 0,20% in 3 Stunden und eine merkbare Beständigkeit gegen Anläufen und
Korrosion.
Hierzu 1 Blatt Zeichriiinflcn
Claims (5)
1. Verfahren zur Herstellung eines amalgamierbaren Legierungspulvers auf Silberbasis, dadurch
gekennzeichnet, daß eine Legierungsschmelze aus 47 bis 70% Silber, 20 bis 32% Zinn und 8 bis
27% Kupfer mit einem Verhältnis Silber zu Zinn von 1,8 :1 bis 3,0 :1 und Zinn zu Kupfer von 1,0 :1 bis
3,0:1 und gegebenenfalls bis zu 2% Zink in Normalatmosphäre, gegebenenfalls mittels und in
einem inerten Gas, so zerstäubt wird, daß die durchschnittliche Teilchengröße weniger als 100 μπι
beträgt und die Teilchen neben einer im wesentlichen gleichen Zusammensetzung einen abnehmenden
Silberanteil und einen zunehmenden Zinnanteil von außen nach innen aufweisen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß die Legierungsschmelze so zerstäubt wird, daß Teilchen einer durchschnittlichen Teilchengröße
von 5 bis 45 ,um hergestellt werden.
3. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 1 auf eine Legierungsschmelze mit einem Verhältnis
Silber zu Zinn von 22 bis 2,6.
4. Anwendung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2 auf eine Legierungsschmelze mit einem
Verhältnis Zinn zu Kupfer von 1,5 bis 2,5.
5. Verwendung des nach den Ansprüchen 1 bis 4 hergestellten Legierungspulvers für die Herstellung
von Dentalamalgam mit erhöhtem Widerstand gegen Kriecher, Korrosion und Verfärbung, in
welchem 42 bis 54%, vorzugsweise 46 bis 50%, Quecksilber enthalten sind.
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