DE1452C - Verbessertes Hochofensystem - Google Patents
Verbessertes HochofensystemInfo
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Description
1S77;
Klasse 18.
FRITZ LÜRMANN in OSNABRÜCK. Verbessertes Hochofensystem.
. Patcntirt im Deutschen Reiche vom 3. Juli 1877 ab.
Längste Dauer: 2. Juli 1882.
Diese Erfindung betrifft Verbesserungen in der Einrichtung Und dem Betriebe der Hohöfen.
Das Gestell des verbesserten Hohofens ist sehr verschieden von der bisherigen Construction
und bietet bedeutende Vortheile gegenüber derselben.
Um den Werth dieser Verbesserungen verständlich zu machen, werde ich im Folgenden,
unter Hinweis auf beiliegende Zeichnung, die Anordnung eines bisherigen Hohofens und die
Anordnung eines nach meiner Erfindung eingerichteten Hohofens beschreiben:
i. Beschreibung der bisherigen Anordnung (s. Fig. i, ia, 2 der Zeichnung).
In der bisherigen Anordnung sind nur die hinteren und seitlichen Flächen des Untergestells Fortsetzungen der Flächen des Obergestells, während die vordere Seite des Gestells, der Wallstein, vor der vorderen Seite des Obergestells, dem Tümpel, vorspringt, so dafs in der vorderen Seite des Gestells eine Oeffnung zwischen Wallstein und Tümpel entsteht, welche man Vorherd nennt.
In der bisherigen Anordnung sind nur die hinteren und seitlichen Flächen des Untergestells Fortsetzungen der Flächen des Obergestells, während die vordere Seite des Gestells, der Wallstein, vor der vorderen Seite des Obergestells, dem Tümpel, vorspringt, so dafs in der vorderen Seite des Gestells eine Oeffnung zwischen Wallstein und Tümpel entsteht, welche man Vorherd nennt.
Die Ünterkante des Tümpels liegt 30 bis 45 cm niedriger, als die Oberkante des Wallsteins.
Die Schlacken, welche der Windpressung im Gestell folgen, steigen unter dem Tümpel her
in dem Vorherd bis zur Oberkante des Wallsteins und finden hier ihren Abflufs.
Diese Einrichtung hat folgende Uebelstände:
1. Durch die schwankenden Bewegungen der Schlacken im Gestell und Vorherd, herbeigeführt
durch die Schwankungen in der Windpressung und durch den cöntinuirlichen Abflufs der
Schlacken, werden die Seiten des Gestells angegriffen und aufgelöst.
2. Die dadurch veranlafsten Reparaturen verlangen nach jedem Abstich einen Stillstand von
etwa einer halben Stunde, oder etwa ein und einen halben Monat pro Jahr, also eine verhältnifsmäfsige
Verminderung der Production.
3. Die Windpressung ist begrenzt durch den Gegendruck der Schlacken im Vorherd. Eine
Pressung, welche diesen Gegendruck übersteigt, wirft die Schlacken und das Brennmaterial aus
dem Herd.
2. Beschreibung der neuen Einrichtung (Fig. 3, 3a und 4 der Zeichnung).
Bei der von mir getroffenen Hohofen-Einrichtung
sind Wallstein und Vorherd beseitigt.
Die vordere Seite des Obergestells reicht bis auf den Herd des Ofens, so dafs das Gestell
rund herum geschlossen ist.
Die Schlacke fliefst durch eine wassergekühlte Form T (s. Fig. 3 und 3 a), welche an irgend
einer Seite des Gestells in dem gewöhnlichen Niveau der Schlacke in demselben angebracht
ist. Die Details der Construction dieser Form sind in den Fig. 5 und 6 der Zeichnung gezeigt.
Die Oeffnung dieser Form, welche als Ausflufs der Schlacken dient, ist in der Mitte cylindrisch,
erweitert sich nach beiden Seiten, und zwar ein wenig mehr auf der Seite, welche dem
Innern des Ofens zugekehrt ist.
Um die Ein- und Auswechselung dieser Form zu erleichtern, ist dieselbe mit einem schwalbenschwanzförmigen
Ansatz versehen, mit Hülfe dessen sie in dem unteren Theil einer wassergekühlten
Metallplatte festgekeilt wird, welche in den entsprechenden Seiten des Obergestells
befestigt ist.
Durch die Beseitigung des Vorherdes ist ein Theil des äufseren Umfanges des Gestells frei
geworden, und man ist in der Lage, hier ein oder zwei neue Windformen anzubringen.
Durch diese neue Einrichtung sind die oben bezeichneten Uebelstände beseitigt, während dieselbe
folgende Vortheile hat:
1. Beseitigung der Schwankungen der Schlacken im Gestell, wodurch dieses weniger der Zerstörung
ausgesetzt ist.
2. Man gewinnt nach jedem Abstich die zur Reparatur des Vorherdes nöthige Zeit; dieser
Stillstand entspricht 45 Tagen im Jahr. Dessen Beseitigung führt also eine Vermehrung der Production
pro Hohofen von 45 mal der täglichen Production herbei, d. h. ungefähr.45 X 40000
= 1800000 kg Roheisen pro Jahr.
3. Da keine Stillstände, also auch keine Abkühlungen
mehr vorhanden, wird der Hohofen einen wärmeren Gang haben.
4. Das so geschlossene Gestell gestattet eine bedeutende Steigerung der Windpressung, ohne
das Herauswerfen der flüssigen Materialien befürchten
zu müssen.
5. Diese Möglichkeit der Erhöhung der Windpressung
ist überall da von besonderer Wichtigkeit, wo man rohe Kohle oder Anthracit verarbeitet,;
denn sie hat dann einen rascheren Gang* also eine bedeutende Vermehrung der
Production zur Folge.
6. Die Zahl der Arbeiter ist um ein Drittel vermindert. Die Schmelzer können weniger
geübt sein; der Verbrauch der feuerfesten Materialien
und der Gezähe vermindert sich bedeutend.
7. Die Vermehrung der Zahl der Windformen führt eine vterhältnifsmäfsige Erhöhung der Production
iind zugleich eine bessere Wiedervertheilung an dem Umfang des Gestells, also einen
regelmäfsigeren und weniger gestörten Hohofengang herbei.
3. Betrieb dieses Ofens.
Der Betrieb dieses Hohofens findet nun in folgender Weise statt;
Die Schlackenform bleibt offen bis nach dem
Abstich; der Abflufs der Schlacken hört während desselben auf. Sobald der Abstich vorbei, wird
der Wind abgestellt, das Abstichloch geschlossen xind die Schlacken-Abflufsöffnung mit etwas Sand
oder Lehm verstopft; der Durchflufs des Wassers durch die Form wird auf ein Minimum beschränkt
; alles dies dauert 4 bis 5 Minuten.
Sollte das Abstellen des Windes längere Zeit dauern, so stellt man das Wasser ganz ab und
und reinigt die Schlackenform, wenn man den Wind anläfst.
Man bläst nun, bis die Schlacken die Höhe der Windformen erreicht haben, mit voller
Pressung und öffnet die Schlackenform, ohne den Wind abzustellen, indem man eine kleine
Stange, deren Stärke etwas geringer ist, als die Oeffnung der Form, durch diese hindurch bis
in die flüssige Schlacke treibt, und indem man diese Stange rasch mit Hülfe eines Kaltmeifsels
zurücktreibt.
Sobald die Schlacke zu laufen beginnt, stellt
man den Hahn der Kühlwasserleitung so ein, dafs das äbfliefsende Wasser lauwarm ist. Mit
Hülfe dieses Hahns ist man im Stande, die Quantität der ausfliefsenden Schlacke zu bestimmen.
Wenn man z.B. zu viel Kühlwasser durchfliefsen läfst, so verengt sich die Ausflufso'ffnung
der Schlacken, während sich die Oeffnung erweitert, wenn man das Wasser vermindert.
Der Durchmesser der Schlacken-Abflufsöffnung ist abhängig von der Menge der Schlacke,
welche in einer bestimmten Zeit durchfliefsen soll, 3 cm sind genügend für einen Hohofen von
grofsen Dimensionen.
Wenn die Menge der Schlacken wechselt,
ersetzt man die Schlackenform durch eine andere von gröfserer oder kleinerer Dimension, welches
in einigen Minuten auszuführen ist.
Es kommt zuweilen vor, dafs für eine kurze Zeit weniger Schlacken producirt werden, und
so der Wind durch die Schlacken-Abflufsöffnung bläst. In diesem Falle verschliefst man die
Oeffnung, indem man einfach eine Eisenstange hineinsteckt; die Schlacke hört auf zu laufen;
sobald sie aber an die Windform herantritt, öffnet man von neuem die Abflufsöffnung. Diese
kleine Unterbrechung kommt aber sehr selten vor, wenn der Gang des Ofens ein regelmäfsiger
und der Durchmesser der Schlackenform demselben angemessen ist.
Für gewöhnlich ist gar keine Arbeit am Ofen nöthig von dem Augenblick, dafs man begonnen
hat zu blasen, bis zum nächsten Abstich, und die Hauptsache ist, dafs der Wind keinen Augenblick
abgestellt zu werden braucht.
Der Zeitraum zwischen zwei Abstichen sollte so bestimmt werden, dafs das flüssige Eisen die
Schlackenform nicht erreicht, also nicht verbrennt. Am besten ist dies nach der Zahl der
Chargen zu regeln, welche dem verschiedenen Inhalt des Gestells entspricht. Zu dem Ende
beobachtet man die Menge der Schlacken, welche mit dem Eisen beim Abstich abfliefst. Diese
entspricht dem Raum zwischen dem Niveau des Roheisens und der Schlacken-Abflufsöffnung, und
läfst erkennen, ob die Zahl der Gichten zwischen zwei aufeinander folgenden Abstichen vergröfsert
oder vermindert werden mufs.
Umänderung eines im Betrieb befindlichen Hohofens alten Systems in einen
solchen neuen Systems.
Die oben beschriebene neue Anordnung kann in wenigen Stunden bei den im Betrieb befindlichen
Hohöfen älteren Systems angebracht werden.
Zu dem Ende ersetzt man nach dem Abstich die Tümpelplatte durch eine andere Platte,
welche auf der Seite, auf welcher der Schlackenabflufs stattfinden soll, eine schwalbenschWanzförmige
Oeffnung, sowie die Haken i i, Fig. 6, hat; hinter diese Haken fafst das Eisen r, welches
bestimmt ist, die Schlackenform festzuhalten, deren Mittellinie 15 bis 20 cm tiefer
liegt, als diejenige der Windformen. Alsdann füllt man den Vorherd bis zur Höhe der
Schlacken-Abflufsöffnung mit Thon oder anderen feuerfesten Materialien aus, wobei man jedoch
das Eisenabstichloch offen erhält.
In dem Fall, dafs die Oberkante des Wallsteins oder der Wallsteinplatte höher liegt, als
das Niveau der Schlacken-Abflufsöffnung, müssen erstere auf eine dieser Höhe entsprechende Tiefe
ausgemeifselt werden.
Die Arbeit in einem so umgeänderten Gestell ist dieselbe, wie unter 3. beschrieben.
Die einzige Fürsorge j welche man später
zu treffen hat, ist die Erhaltung der Schlacken-Abflufsrinne zwischen der Schlacken - Abflufsöffnung
und dem Wallstein, um zu verhindern, dafs die Schlacke die Materialien, welche diese
Rinne bilden, allmälig auflöse, und sich so ihren alten Weg, unter dem Tümpel her, wieder frei
mache.
Zu dem Ende macht man diese Schlacken-Abfiufsrinne
auch aus guten feuerfesten Steinen, oder aus Kalksteinen, welche vorher erwärmt
sind.
Wenn die Schlacke sehr fressend ist, mufs
diese Rinne nach jedem Abstich, und auch zwischen je zwei aufeinander folgenden Abstichen
erneuert werden, was sich ohne Abstellung des Windes machen läfst, indem man nur
die Oeffnung der Schlackenform mittelst einer Eisenstange schliefst.
Diese Umwandlung des alten Systems gewährt alle Vortheile des neuen Systems, wenn man die
Arbeitsseite mit einer neuen Windform versieht.
Claims (5)
1. Die Einrichtung des Hohofengestells.
2. Die Einrichtung der Schlackenform.
3. Die Befestigung dieser Form.
4. Die Anwendung der Kühlung dieser Schlackenform, sowie die der Platte, welche sie trägt.
5. Die Behandlung des Ofens oder die Arbeit der Schmelzer.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1452T | 1877-07-02 |
Publications (1)
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| DE1452C true DE1452C (de) |
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ID=70766817
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE000000001452DA Expired - Lifetime DE1452C (de) | 1877-07-02 | 1877-07-02 | Verbessertes Hochofensystem |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE1452C (de) |
-
1877
- 1877-07-02 DE DE000000001452DA patent/DE1452C/de not_active Expired - Lifetime
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