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Die Erfindung betrifft eine Abrufeinrichtung für gespeicherte Registerkombinationen für Orgeln mit Pedalklaviatur od. dgl.
Die stoische Ruhe des Orgelldanges, unabhängig davon, auf welchen physikalischen Prinzipien der Orgelton heute erzeugt wird, hat schon frühzeitig dazu angeregt, Wege zu finden, um die Eigenart des Orgelklanges lebendiger zu gestalten. Ein orgelmässig wichtiger Fortschritt war die Anwendung der sogenannten Terrassendynamik, das Einführen oder Abstossen (heute Abrufen genannt) von Registern oder gesetzten (gespeicherten, programmierten) Registerkombinationen, Koppeln u. a. Spielhilfen im gewünschten Augenblick, wodurch sowohl Klangfarbe als auch Klangstärke bzw. Klangfülle sprunghaft verändert wurden.
Die Auslösung (Einführung oder Abstossung) gesetzter Kombinationen wurde durch Betätigung von oberhalb des Vorsatzbrettes in der Vorderwand von Orgel oder Spieltisch angeordneten Fusstritthebeln, die auch in Wechselschaltung mit in Manualnähe gelegenen handbedienten Drucktasten funktionierten, erreicht. Man begnügte sich meist mit ca. 8 freien Kombinationen, von denen jede eigene Abruforgane besass.
Da nun die Computertechnik auch im Orgelbau zur Anwendung kam, können jetzt ohne Schwierigkeit z. B.
128 und mehr Kombinationen programmiert und sozusagen auf Vorrat für einen darauffolgenden seriellen Abruf gespeichert werden. Aus diesem allfälligen Dauervorrat werden dann die zu einem vorzutragenden Stück passenden Kombinationen seriell abgerufen (herausgeholt), oder auch vorher neu programmiert und zu den vorgegebenen Zeitpunkten abgerufen. Der Abruf erfolgt dann über mehrere zweckmässig angeordnete Fusstritthebel und Handdrucktasten, die aber in diesem Fall, des seriellen Abrufes wegen, als gleichrangig Abruforgane ausgebildet sind.
Alle diese hochentwickelten Abrufeinrichtungen haben aber einen gemeinsamen Nachteil : Der Organist muss das Spiel seiner Hände oder Füsse im vorgegebenen Augenblick immerhin teilweise unterbrechen, allenfalls den Blick vom Notenblatt abwenden, die betreffende auslösende Drucktaste oder den betreffenden Fusstritthebel suchen oder erfühlen und betätigen. Dies bedeutet für den Spieler eine nicht zu unterschätzende Nervenbelastung, da ja der Zuhörer keine Spielstockung merken soll. Auch das Dazwischengreifen fremder Hände eines oder gar zweier Hilfsregistratoren ist keine Ideallösung, u. U. eine zusätzliche Belastung.
Es wurden bereits Versuche mit Manualschienen als Auslöseorgan von seriellen Registerprogrammierungen an Orgeln mit mechanischer Traktur sowie an Harmonien unternommen, wobei das Patent DE-PS 123653 (Stollewerk, 21. 6. 1900) abzuführen ist, das sich nicht bewährte, weil Manualschienen von Organisten abgelehnt wurden. Auch das Patent DE-PS 262849 (Stollewerk, 23. 11. 1912), das eine Kniehebeleinrichtung zu Abrufzwecken schützte, bedeutet keine Vorwegnahme für das angemeldete Patent, da eine Kniehebelbetätigung bei Instrumenten (wie z. B. Kleinorgeln Positive), Harmonien etc. ohne Pedalk1aviatur wohl möglich ist, aber bei umfangreicheren Orgelwerken mit Pedalldaviatur, auf welche ausschliesslich sich der Erfindungsgegenstand bezieht, auf gar keinen Fall angewendet werden kann.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, den Spieler von dem zusätzlichen Stress, den die Betätigung von fussbedienten Tritthebeln oder handbedienten Drucktasten zu Abrufzwecken verursacht, zu befreien. Um dieses Ziel zu erreichen, wird ein beim Pedalspiel bisher noch nicht ausgenützter Freiheitsgrad, das ist ein nach rückwärts Drücken oder Schnellen des linken oder rechten Fusses, an beliebiger Stelle oberhalb der Rückseite der Untertasten der Pedalklaviatur verlaufend, gegen ein unter der Orgelbank zwischen deren Sitzfläche und der Pedalrückseite aufgehängtes und vorgespanntes Stahlband oder Stahlseil, zur seriellen Auslösung gespeicherter Kombinationen angewendet.
Durch den Gegendruck der Achillessehne in Fersennähe des Fusses erreicht der Spieler, dass die Zugspannung des Stahlbandes oder Stahlseils stark erhöht und dadurch ein Auslösekontakt geschlossen wird, der die Einführung oder Abstossung (Abruf) gewünschter Registerkombinationen, Spielhilfen od. dgl. in serieller Weise bewirkt. Da beim Pedalspiel öffter als beim Spiel auf den Manualen Spielpausen vorkommen, das Schrittempo auch meist langsamer ist, ist somit die Band- oder Seilauslösung mit dem Fuss dazu prädestiniert, den Spieler bei Kombinationsauslösungen stark zu entlasten.
Die Erfindung löst diese Aufgabe im wesentlichen dadurch, dass eine tragende U-Schiene (22) unterhalb der Sitzfläche der Orgelbank, horizontal über der Rückseite der Oberfläche der Pedalklaviaturtasten verlaufend, an der linken und rechten Orgelbankwange verstellbar nach Höhe, Rückwärtslage und Neigungswinkel (23,24, 25) befestigt ist, auf welcher U-Schiene (22) in ausreichendem Abstand (31a) parallel liegend ein Stahlband oder Stahlseil (20) angeordnet ist, das an der rechten Seite der U-Schiene (22) starr befestigt (26,26a, 26b) und an der linken Seite der U-Schiene längsbeweglich (30,31a) unter Federspannung stehend (27,28, 28a, 29, 29a, 31,32, 33), gelagert wird, dieses Stahlband oder Stahlseil durch den Gegendruck eines Fusses mit desses Achillessehne den an seinem linken Ende festgeklemmten Querbolzen (32,31, 33)
mit Mitnehmerplatte (29) und Beilagscheibe (29a) nach rechts zieht, worauf der Querbolzen (32) kraftschlüssig mittels der Mitnehmerplatte (29) den am linken Ende der U-Schiene (22) verstellbar befestigten Kontaktfedersatz (34,35) zum Kontaktschluss bringt, der die Registerspeicherung auslöst, wodurch ein beim Pedalspiel bisher nicht ausgenützter Freiheitsgrad verfügbar wird, nämlich das die Auslösung bewirkende Zurückschnellen des linken oder rechten Fusses an beliebiger Stelle der Pedalldaviatur, wodurch eine erhebliche Spielentlastung des Organisten erreicht wird.
Dem Spieler wird durch den Erfindungsgegenstand die Sorge um das Suchen, Erfühlen und Betätigen eines Auslöseorgans zum Abruf programmierter Registerkombinationen, Spielhilfen od. dgl. während eines zügigen Spiels angenommen. Er kann beruhigt sein, mit Sicherheit das Auslöseorgan nicht zu verfehlen und im
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Auslösemoment sozusagen "mit geschlossenen Augen" ganz allein sein Instrument meisten.
Im folgenden wird die Erfindung an Hand der Zeichnungen näher erläutert. Fig. 1 stellt einen Schnitt quer durch die Mitte der Orgelbank dar, mit Blick gegen den an der linken Orgelbankwange befestigten linken Teil der Abrufeinrichtung in einer Ausführung mit Stahlband. Unterhalb befinden sich links die Rückseite der Untertasten und rechts die Obertasten der Pedalldaviatur, wobei die dargestellte Situation den Verhältnissen bei einem grösseren Orgelwerk entspricht. Vorsatzbrett und Vorderwand des Orgelgehäuses bzw. des Spieltisches sind nicht mit eingezeichnet.
Zur Vermeidung von Irrtümern ist festzuhalten, dass sich die Seitenbezeichnungen von Orgelbank und Abrufeinrichtung sowohl in allen Figuren als auch im Patentanspruch ausschliesslich auf den sitzenden und tätigen Organisten beziehen und je nach Art der Darstellungsweise daher in den Figurenzeichnungen eine andere Seitenlage haben können. Das Stahlband liegt immer an der Bankvorderseite, Orgelseite oder Obertastenseite.
Fig. 2 enthält die gesamte Abrufeinrichtung, am Boden liegend, vor ihrer Montage in die abseits gestellte Orgelbank, jedoch ohne den montierten Kontaktfedersatz, in der Draufsicht dargestellt. Die nicht eingezeichnete Orgelbank müsste man sich also stehend, oberhalb Fig. 2 ebenfalls in Draufsicht abgebildet, vorstellen.
Fig. 3 stellt das linksseitige Ende der Abrufeinrichtung im Seitenriss, z. T. im Schnitt, mit montiertem Kontaktfedersatz dar.
Fig. 4 enthält das rechtsseitige Bandende des Stahlbandes mit seinem Querbolzen, dessen Druckkraft die Auslösung bewirkt.
Fig. 1 zeigt den Augenblick des zurückgeschnellten Fusses, als er gerade mit dem in Fersennähe der Achillessehne befindlichen Teil das Stahlband (20) deutlich fühlbar gegen seine Unterlage, die Holzwange (21) mit dem schlagdämpfenden Schaumgummistreifen (21a) drückt und die Auslösung bewirkt.
Fig. 2 zeigt die Befestigung der tragenden, horizontal liegenden U-Schiene (22), die aus Stahl besteht und möglichst schmal sein soll. Sie erfolgt an beiden Orgelbankwangen in gleicher Weise. An beiden Enden der USchiene (22) ist je eine Stahlschiene (23), in Fig. 2 angeschweisst, dargestellt. Diese Flachstahlschienen (23) haben je 1 Langloch, um mit je einem 2 Langlöcher im Abstand von ca. 60 mm aufweisenden Flansch (24) mit 2 Klemmschrauben (25) verschraubt zu werden. Dadurch ist eine Verstellbarkeit der Abrufeinrichtung in Höhe und Rückwärtslage möglich. Der noch festzulegende sogenannte Fusswinkel wird so eingestellt, dass die Mittellinie des Bandträgers (26) nach vorn und unten geneigt zu stehen kommt und einen Winkel von ca. 30 gegen eine durch die U-Schiene (22) gelegte Horizontalebene aufweist.
Man erreicht dies, indem man die Flanschen (24) in schräger Lage an die Orgelbankwangen anschraubt. Die Fusswinkeleinstellung ist deshalb wichtig, weil sich die Berührungsflächen zwischen Achillessehne und Stahlband (20), vom Beginn des Andrückens an bis zu seinem Ende, beim Aufstossen auf die Unterlagen der U-Schiene (22), die Holzwange (21) und den Schaumstoffstreifen (21a), zwecks reibungslosen Funktionierens, nicht gegeneinander verschieben sollen. Er wird am besten durch Probieren ergonomisch richtig eingestellt.
Die Halterung des parallel im Abstand von ca. 10% der Stahlbandlänge (20) zur U-Schiene (22) gespannten Stahlbandes erfolgt rechtsseitig (in Fig. 2 links dargestellt) durch den Bandträger (26), als Festpunkt, der ein Klemmgabelstück (26a, 26b) zur Einstellung der Bandspannung trägt und linksseitig (in Fig. 2 rechts) durch den breiter ausgebildeten Bandträger (30). Dieser hat einen länglichen Durchbruch (31a), durch den das Stahlband (20) nur längsbeweglich geführt ist. Auf dem Bandträger (30) liegt die Druckfeder (27) mit den Federtellern (28, 28a), der Mitnehmerplatte (29) und die Deckscheibe (29a) auf. Am linksseitigen Bandende (in Fig. 2 rechts) ist der Querbolzen (32) angeklemmt, der den Federdruck als Bandvorspannung überträgt. Wird gegen das Stahlband (20) gedrückt, so wird der Querbolzen (32) nach rechts eingezogen.
Die kurvenartig ausgeführte Holzwange (21) bewirkt, dass der Einzugsweg des linken Stahlbandendes (20) konstant bleibt, gleichgültig an welcher Stelle dieses gedrückt wird.
Ausser dem dämpfenden Schaumgummistreifen (21a) ist als Staubschutz noch die Weichlederabdeckung (19) vorgesehen. Fig. 3 zeigt im Schnitt den breiten Bandtäger (30) mit dem bandführenden Durchbruch (31a), dem Federteil (27,28, 28a) mit der Mitnehmerplatte (29), der Deckscheibe (29a) und dem durchgeführten Stahlband (20) mit dem Querbolzen (32), der den Federdruck als Bandspannung wirksam werden lässt. Das Kontaktfederpaket (34) ist mit dem Winkelstück (35) verstellbar an der U-Schiene (22) befestigt. Bei einem Gegendruck der Achillessehne gegen das Stahlband (20) wird dessen linkes Ende nach rechts gegen die Vorspannung der Feder (27) eingezogen, der Querbolzen (32) des Stahlbandes (20) drückt kraftschlüssig mit dem Druckstück der Mitnehmerplatte (29) gegen den Kontaktfedersatz (34), schliesst dessen Kontakt und löst den Abruf aus.
Fig. 4 zeigt die Schlaufenklemmung (20,31, 33) des Querbolzen (32).