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Legierung zur Herstellung supraleitender Magnetbauteile
Die Erfindung betrifft die Verwendung einer speziellen Legierung von Vanadium und Titan zur Her- stellung von supraleitenden Magnetbauteilen.
Die Erscheinung der Supraleitfähigkeit ist zwar schon vor etwa 50 Jahren entdeckt worden, doch sind seither hinsichtlich der praktischen Auswertung dieser Erscheinung nur geringe Fortschritte erzielt worden, obwohl sofort erkannt worden ist, dass die Supraleitfähigkeit beispielsweise für die Entwicklung von ver- lustfreien Leitungssystemen und verlustfreien Magnetbauteilen von grösster Bedeutung ist. Die praktische
Auswertung der Supraleitfähigkeit hat sich zuerst mindestens zum Teil infolge der Schwierigkeiten ver- zögert, die es bereitet, das supraleitende Material auf einer Temperatur unterhalb der Sprungtemperatur (die im allgemeinen nicht über 10 oder 110 Kelvin liegt) zu halten, doch sind diese Schwierigkeiten nun- mehr durch die neuere Entwicklung der Kältetechnik weitgehend behoben worden.
Die vermutlich grösste Schwierigkeit hinsichtlich der praktischen Anwendung supraleitender Bauteile liegt in den besonderen Eigenschaften der verwendbaren supraleitenden Materialien. Es ist schon frühzeitig erkannt worden, dass der supraleitende Zustand bei einem kritischen Maximalwert der wirksamen magnetischen Feldstärke verloren geht, unabhängig davon, ob das magnetische Feld von dem den Supraleiter durchsetzenden Strom selbst erzeugt wird oder aber von aussen her angelegt wird. Dieser Feldstärkewert, der gewöhnlich mit Hc (kritische Feldstärke) bezeichnet wird, sinkt bei wachsendem Strom im Supraleiter ab und steigt bei abnehmender Temperatur unterhalb der Sprungtemperatur an.
Er liegt für die meisten bisher bekannten und untersuchten supraleitenden Materialien, unabhängig davon, ob sie in elementarer Form vorliegen oder in Form einer Legierung, im Bereich von 2 bis 4 Kilogauss oder darunter.
Der Maximalwert von He hat natürlich ein absolutes Maximum der magnetischen Feldstärke zur Folge, die mit einem vorgegebenen supraleitenden Material, unabhängig von seiner jeweiligen Gestalt, erzielt werden kann.
Vor kurzem wurde nun entdeckt, dass Hc für das Legierungssystem Molybdän-Rhenium Werte bis zu 15 Kilogauss und mehr annimmt, und diese Entdeckung hat eine Wiederbelebung des Interesses an der praktischen Auswertung der Supraleitfähigkeit mit sich gebracht. Insbesondere ist im vergangenen Jahr ein supraleitendes Solenoid mit mehreren Windungen aus einer Mo-Re-Legierung in einem magnetischen Feld von mehr als 15 Kilogauss betriebenworden (vgl."Journal of Applied Physics", Band 32, S. 325/326).
Vom fertigungstechnischen Standpunkt stellen Mo-Re-Legierungen ein ideales Material dar. Sie bilden eine fast vollkommen feste Lösung, sind im gegossenen Zustand weitgehend spannungsfrei und ferner so duktil, dass sie durch übliche metallurgische Kaltbearbeitung leicht in die Form von Drähten oder in eine andere Form gebracht werden können. Es hat sich gezeigt, dass diese Kaltbearbeitung überdies insofern vorteilhaft ist, als sie die Strombelastbarkeit des Materials verbessert. So bedeutsam aber auch der erwähnte Solenoidversuch vom theoretischen Standpunkt aus ist, steht nichtsdestoweniger fest, dass Feldstärken mit dem angegebenen Wert schon in normalleitenden Solenoiden ohne übermässige Wärmeverluste erzeugt werden können.
Das Bedürfnis nach supraleitenden Magnetbauteilen, die befähigt sind, Feldstärken in der Grössenordnung von 50 Kilogauss und mehr zu liefern, wo die Vermeidung der Wärmeverlustleistung bei normaler Solenoidausführung schwierig wird, ist aber unbefriedigt geblieben.
Innerhalb der letzten Monate ist nun entdeckt worden, dass die supraleitende Verbindung Nb Sn, wenn sie in bestimmter Weise zubereitet wird, befähigt ist, starken Strömen und Feldstärken in der Grö-
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ssenordnung von 88 Kilogauss und mehr standzuhalten. Diese neu entdeckten Eigenschaften von Nb3Sn sind zwar überraschend günstig, doch verhindert die Sprödigkeit dieses Materials seine Verarbeitung zu Drähten od. dgl.
Tatsächlich sind die erwähnten überraschenden Eigenschaften im Nb3Sn-Material beobachtet worden, das durch Reaktion der einzelnen Elemente nach Überführung des elementaren Materials in Pulverform, Mischung der Pulver und Einbringen des Pulvergemisches in eine Röhre erzeugt worden ist, wobei die Röhre samt Inhalt sodann durch Kaltbearbeitung in die gewünschte Abmessung und in die gewünsche Form gebracht worden ist. Die hiemit verbundene Folge von Arbeitsvorgängen wird durch die erzielbare Stromdichte in der Grössenordnung von 150 000 Ai cm und eine kritische Feldstärke in der Grö- ssenordnung von 100 Kilogauss gerechtfertigt, solange kein ähnlich günstiges Material vorhanden ist, das in einfacherer Weise in die gewünschte Gestalt gebracht werden kann.
Es liegt nun zwar Grund für die Annahme vor, dass Stromdichten der angegebenen Grössenordnung nicht ohne weiteres in besser duktilen Materialien erzielt werden können, doch besteht schon ein erhebliches Interesse an Materialien mit verbesserten mechanischen Eigenschaften, die befähigt sind, hohen magnetischen Feldstärken, wenn auch bei geringerer kritischer Stromdichte, standzuhalten. Während nämlich die kritische Feldstärke eine absolute Grenze für das maximale Feld darstellt, das in einer supraleitenden Spule erzeugt werden kann, kann die Strombelastbarkeit stets durch blosse Vergrösserung des Durchmessers des Spulendrahtes erhöht werden.
Es wird allgemein angenommen, dass zwischen der kritischen Temperatur (Sprungtemperatur) und dem kritischen Feld eine innige Beziehung besteht, weil übereinstimmend beobachtet worden ist, dass der supraleitende Zustand mit abnehmender kritischer Temperatur des Materials bei immer niedriger werdender Feldstärke zerstört wird. Auch hinsichtlich der Materialien Mo-Re und Nb3Sn ist keine Abweichung von dieser festgestellten Beziehung beobachtet worden, weil Mo-Re-Material eine maximale kritische
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zeigt.
Da die Duktilität und die Kaltbearbeitbarkeit im allgemeinen nicht für chemische Verbindungen, sondern für feste Lösungen charakteristisch sind, und da kritische Temperaturen, die über jener des Mo-ReMaterials liegen, bisher nur für chemische Verbindungen gefunden worden sind, schien es bis vor kurzem
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jene von Nb3sn-Material herameicht.
Die Erfindung beruht nun auf der Entdeckung, dass Legierungen des Systems Vanadium-Titan, obwohl sie maximale kritische Temperaturen zeigen, die niedriger sind als jene des Systems Mo-Re, Feldstärken in der Grössenordnung von 88 Kilogauss und mehr standhalten, während sie sich im supraleitenden Zustand
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Drähten aus Nb3Sn-Material erforderliche Umhüllung des Materials erübrigt, wodurch die Strombelastbarkeit des neuen Materials relativ anwächst. Die bisher durchgeführten Untersuchungen haben für das V-Ti-Material kritische Stromdichten in der Grössenordnung 10 A/cm und mehr ergeben.
Der Bereich der brauchbaren Zusammensetzungen liegt zwischen den Zusammensetzungen 10% V - 90% Ti und 90% V-10% Ti, alles auf der Basis von Atomprozenten. Wo nachfolgend auf eine Masse bzw.
Legierung auf der Basis eines V-Ti-Systems oder kurz auf V-Ti Bezug genommen wird, soll darunter eine Zusammensetzung verstanden werden, die innerhalb der vorstehend angegebenen Grenzen liegt.
Erfindungsgemäss wird also zur Herstellung supraleitender Magnetbauteile eine Legierung verwendet, die aus 10 - 90 Atom-% Vanadium und 90 - 10 Atom-% Titan besteht. Ein bevorzugter engerer Zusammensetzungsbereich der Legierung ist 10 - 80 Atom-% Vanadium und 90 - 20 Atom-% Titan. Besonders günstige supraleitende Eigenschaften werden bei Verwendung einer Legierung erzielt, die aus 67 Atom-% Vanadium und 33 Atom-% Titan besteht.
Die Erfindung soll nun unter Bezugnahme auf die Zeichnungen näher erläutert werden. Fig. l ist eine zum Teil geschnittene Ansicht eines Magnetbauteiles in Form eines ringförmigen Kryostaten, der gemäss der Erfindung eine Vielzahl von Windungen eines Drahtes aus einer Legierung auf der Basis V-Ti aufweist.
Fig. 2 stellt in Diagrammform die Abhängigkeit der in K auf der Ordinatenachse aufgetragenen Sprungtemperatur von der auf der Abszisse in Atomprozenten angegebenen Zusammensetzung der Legierung V-Ti dar. Das halblogarithmische Diagramm nach Fig. 3 gibt die Stromdichte in A/cmt in Abhängigkeit der kritischen Feldstärke in Kilogauss an und lässt somit die Beziehung zwischen der kritischen Stromstärke und der kritischen Feldstärke für die als Parameter gegebenen Legierungen erkennen.
In Fig. l ist ein ringförmiger Kryostat mit einem Aussendurchmesser mit 45,72 cm, einem Innendurchmesser von 15,24 cm und einer Länge von 76,2 cm dargestellt, der mit flüssigem Helium gefüllt ist und je Zentimeter Länge 4000 Windungen aus V-Ti-Draht 2 aufweist. Aus der Wicklung sind die An-
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schlussleitungen 5 und 6 herausgeführt. Der Kryostat kann an eine (nicht dargestellte) Pumpe angeschlos- sen werden, so dass eine Temperaturänderung entsprechend der Änderung des Siedepunktes des flüssigen Heliums bei den verschiedenen Drücken möglich ist. Die bei den nachstehend beschriebenen Versuchen verwendete Pumpe ermöglichte eine Temperaturänderung zwischen 1, 5 K und 4, 2OK, entsprechend ! einem Druckbereich von 36 mm Hg-Säule bis Atmosphärendruck.
Bei den nachstehend beschriebenen Versuchen ist zur Ermittlung der angegebenen Messwerte eine
Gleichstromquelle in Serie mit einem veränderbaren Widerstand verwendet worden. Hiemit war es mög- lich, den über den supraleitenden Probekörper fliessenden Strom einzuregeln ; durch gleichzeitige Einre- gelung des wirksamen angelegten Feldes konnte die Beziehung zwischen der kritischen Stromstärke und ) der kritischen Feldstärke ermittelt werden. Im praktischen Betrieb können bei einer Solenoideinheit ge- mäss Fig. 1 Widerstandsverluste und das Erfordernis einer Gleichstromquelle durch Anwendung eines Strom- nebenschlusses vermieden werden. Solche Anordnungen sind dem Fachmann bekannt. Beide Möglichkeiten haben ihre besonderen Vorteile.
Wenn das magnetische Feld während des Betriebes geändert werden soll, ist es erforderlich, eine Gleichstromquelle in Verbindung mit einem veränderbaren Widerstand oder einem andern Regelorgan anzuwenden. Wird hingegen eine konstante Feldstärke gefordert, so wird durch Anwendung eines Stromnebenschlusses der höchste Widerstand erzielt. Wenn extrem hohe Strom- dichten erreicht werden sollen, kann es unzweckmässig sein, eine Gleichstromquelle u. a. dem
Stromfluss ausgesetzte Schaltelemente zu verwenden, weil diese zu starken Stromwärmeverlusten füh- ren.
Das Diagramm nach Fig. 2 wurde unter Anwendung der normalen Flussverdrängungsmethode mit Hilfe eines ballistischen Galvanometers gewonnen, das an zwei Sekundärspulen angeschlossen war, die elek- trisch gegensinnig in Serie geschaltet waren und beide innerhalb von Primärspulen lagen. Nach dieser
Messmethode wird der Probekörper in eine der Sekundärspulen eingebracht und die Primärspulen werden mit Hilfe eines Schliess- und Trennkontakte enthaltenden Kreises mit Impulsen von beispielsweise 6 V und
10 mA beaufschlagt. Eine der Primärspulen, die einen Luftkern oder einen nichtsupraleitenden Kern auf- weist, induziert infolge der veränderlichen Flussdurchsetzung sekundär eine zeitliche veränderliche Span- nung, wogegen die das supraleitende Material enthaltende Primärspule keine derartigen Spannungen lie- fert, weil der Fluss durch den Supraleiter verdrängt wird.
Wenn der Probekörper, der in eine der Sekundär- spulen eingeführt wird, supraleitend ist, wird daher ein in bestimmter Richtung von Null abweichender
Zeigerschlag am Galvanometer erhalten. Es wurde ein Galvanometer verwendet, das innerhalb einer
Zeitspanne von ungefähr 1 sec, also innerhalb eines Zeitintervalls, das angemessen ist, um eine voll- ständige Durchdringung des nichtsupraleitenden Materials in der einen Sekundärspule sicherzustellen, in- tergrierend wirkte. Die Messungen wurden an ungefähr 12 Probekörpern bei steigender Temperatur durch- geführt, bis sich schliesslich der Zeigerausschlag Null ergab, der eine vollständige Flussdurchsetzung des untersuchten Materials und damit den Zusammenbruch des supraleitenden Zustandes anzeigte.
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Die im Diagramm nach Fig. 3 verwerteten Messergebnisse wurden auf folgende Weise gewonnen. Ein prismatischer Probekörper mit den Seitenabmessungen 0, 12 mm, 3,04 mm und 22, 2 mm wurde von einem kaltbearbeiteten oder unbearbeiteten Körper (vgl. die Parameter B und U in Fig. 3) ausgeschnitten und an den Enden dieses Probekörpers wurden Stromzuleitungen aus Kupfer angebracht. Ferner wurden in Abständen von ungefähr 6,35 mm von den beiden Enden des Probekörpers Potentialleitungen aus Kupfer angebracht, so dass diese Leitungen einen gegenseitigen Abstand von 9,52 mm hatten.
Der Probekörper wurde sodann in einen Kryostaten eingebracht, der flüssiges Helium enthielt, und innerhalb eines Solenoids so angeordnet, dass die Hauptachse des Probekörpers normal zur Achse des Solenoidkernes verlief.
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dessen Ausgang mit einem Aufzeichnungsgerät (Leeds and Northrup Type H Speedomex Recorder) verbunden war.
Im Kryostaten standen zwei Bezugstemperaturen zur Verfügung und die Messungen erfolgten bei der einen oder andern Temperatur oder bei beiden, wie dies in Fig. 3 der Zeichnung als Parameter angegeben ist. Die erste Bezugstemperatur von 4, 2 K entspricht dem Siedepunkt von Helium unter Atmosphärendruck. Die zweite Bezugstemperatur von 1, 5 K wurde durch Herstellung eines Vakuums in der Grössenordnung von 3,6 mm Hg-Säule über dem Heliumspiegel erzielt.
Die kritischen Ströme für die verschie-
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denen kritischen Feldstärkewerte wurden durch Auswählen eines bestimmten Feldstärkewertes und durch
Erhöhung des über den Probekörper verlaufenden Stromes ermittelt, indem der veränderbare Widerstand so lange vermindert wurde, bis ein messbarer Spannungsabfall in der Grössenordnung von einigen Hundert- stel Mikrovolt beobachtet werden konnte. Wegen des verwendeten Solenoids und der zugehörigen Schali tung mussten die Messungen auf eine maximale Feldstärke von 88 Kilogauss und auf maximale Ströme be- schränkt werden, die etwas unter 35 A lagen. Der kritische Strom wurde im allgemeinen für ungefähr zehn verschiedene Werte der kritischen Feldstärke gemessen.
Auf der Ordinate in Fig. 3 ist die kritische Stromdichte in A/cm2 aufgetragen. Dieser Parameter wird üblicherweise zur Angabe der Strombelastbarkeit von supraleitenden Massen verwendet und durch Division des gemessenen Stromes durch die Querschnittsfläche erhalten. Es ist allerdings zu bemerken, dass diese
Berechnungsart eine bestimmte Stromverteilung über den Querschnitt voraussetzt, u. zw. für den Ver- gleich der hier berichteten Messergebnisse, bei denen alle Probekörper ungefähr den gleichen Querschnitt hatten, genau anwendbar ist, aber unter Umständen keine genaue Vergleichsbasis für Probekörper andern
Querschnittes bildet.
Von unbearbeiteten Materialien des V-Ti-Systems ist zu erwarten, dass sie die, Eigenschaften eines "weichen" Supraleiters zeigen, d. h., dass bei ihnen der Stromfluss auf eine sehr dünne
Aussenschicht beschränkt ist, deren Dicke gleich der Eindringtiefe ist und die sich über die gesamte Ober- fläche des Probekörpers erstreckt. Anderseits beweist die Tatsache, dass der kritische Strom bei Kaltbe- arbeitung (in Fig. 3 sind die bearbeiteten Probekörper mit B, die unbearbeiteten mit U bezeichnet) stark ansteigt, dass das bearbeitete Material einige Eigenschaften eines "harten" Supraleiters annimmt, wobei dann der Stromfluss zumindest zum Teil fadenförmig verläuft.
Es wurde für verschiedene Systeme experi- mentell ermittelt, dass der kritische Strom eines"harten"Supraleiters mehr oder weniger von der Quer- schnittsfläche abhängt, wogegen der kritische Strom eines "weichen" Supraleiters in erster Näherung vom
Durchmesser des Probekörpers abhängig ist. Die für bearbeitete V-Ti-Materialien angegebenen Werte be- ziehen sich auf Stromdichten, die mit V-Ti-Drähten beliebigen Querschnitts bei gleichem Bearbeitungs- grad erzielt wurden. Wenn aus irgend einem Grunde die Messergebnisse von unbearbeiteten V-Ti-Mate- rialien als Bemessungsgrundlagen dienen sollen, so müssen die angegebenen Werte entsprechend dem
Querschnitt umgerechnet werden.
Die Kurven in Fig. 3 sollen die charakteristischen Änderungen des kritischen Stromes mit der kriti-
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tetes Material der gleichen Zusammensetzung dargestellt.
Im Rahmen der Erfindung soll eine Kaltbearbeitung angewendet werden, die zu einer Querschnittsverminderung von mindestens 60% führt. Da die Anzahl der Stromfäden mit zunehmender Querschnittsverminderung anwächst, empfiehlt es sich im allgemeinen, eine möglichst starke Kaltbearbeitung anzuwenden. Materialien des V-Ti-Systems können durch Kaltbearbeitung im Querschnitt leicht um 90% oder mehr reduziert werden, und dieser Wert stellt das Minimum des erfindungsgemäss bevorzugten Gra-
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ausgedrückt.
Da Materialien gemäss der Erfindung nicht ohne weiteres zur Verfügung stehen, soll noch ein geeignetes Verfahren zu deren Zubereitung angegeben werden, nämlich jenes, das praktisch zur Herstellung der gemessenen Probekörper angewendet wurde.
Zubereitung von V-Ti-Material :
Die gewünschten Mengen der elementaren Metalle werden abgewogen und in einem Lichtbogenofen geschmolzen. Eine verwendbare Apparatur umfasst z. B. einen wassergekühlten Kupfertiegel, der einen halbkugeligen Hohlraum mit einem Durchmesser von 19 mm aufweist. Der Hohlraum wirkt samt seinem Inhalt als die eine Elektrode. Eine zweite Elektrode, die ebenfalls wassergekühlt ist und beispielsweise aus Wolfram besteht, wird in geeignetem Abstand (z. B. 6,4 mm) von der Oberfläche des Hohlrauminhaltes angeordnet und sodann wird mit Hilfe eines Hochfrequenz. stromes (z. B. 0,5 MHz) ein Bogen gezündet und zugleich eine hinreichend hohe Gleichspannung angelegt, um das Schmelzen zu bewirken.
Bei einer
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gesamten Charge von 10 g ergibt sich mit einer Spannung von 40 V und einem Elektrodenabstand von
6,35 mm ein Strom von 300 A, der ausreicht, um die Charge in 10 - 15 sec zu schmelzen. Da ein
Schmelzen an der Zwischenfläche zwischen dem Tiegelinhalt und dem wassergekühlten Tiegel verhindert wird, kann eine homogene Masse nur durch Rühren des Tiegelinhaltes und mehrfache Wiederholung des geschilderten Vorganges erreicht werden. Bei den hier beschriebenen Versuchen sind fünf oder sechs sol- cher Wiederholungen angewendet und als ausreichend befunden worden.
Zur Herstellung der Probekörper für die hier berichteten Versuche wurde wie folgt verfahren. Die
Charge von insgesamt 10 g ergab eine Pastille von ungefähr 19 mm Durchmesser und 9,52 mm Höhe. Unter Anwendung einer rotierenden Schneidscheibe wurde die kopfförmige Pastille zunächst in zwei Halb- kreisscheiben unterteilt, worauf parallel zu diesem Schnitt eine Scheibe von ungefähr 0,38 mm Dicke abgetrennt wurde. Von dieser Scheibe wurden Streifen mit einem Querschnitt von 0,38 X 0, 38 mm und einer dem Scheibendurchmesser entsprechenden Länge abgetrennt.
Der Rest der Halbkreisscheibe, von welcher die Scheibe abgetrennt worden war, wurde zu einem Streifen von ungefähr 19 mm Breite und 19 mm Länge ausgewalzt (Querschnittsreduktion ungefähr 97solo). Je nach der verwendeten Zusammensetzung wurden sodann dieElektrodenkontakte in den schon angegebenen Abständen durch Lötung mit Ultraschallfrequenz oder Schweissung angebracht.
Es ist zu beachten, dass die Hauptbedeutung der vorliegenden Erfindung auf der Entdeckung beruht, dass Materialien des V-Ti-Systems kritische Feldstärkewerte zeigen, die merklich höher als jene sind, die auf Grund der kritischen Temperatur oder Sprungtemperatur zu erwarten wären. Insbesondere ist gezeigt worden, dass ein breiter Bereich von V-Ti-Materialien, obwohl ihm eine maximale Sprungtemperatur in der Grössenordnung von 9, 5 K (im Vergleich zu einer Sprungtemperatur von über 12 K für das Mo-Re-System) zukommt, kritische Feldstärkewerte von 88 Kilogauss und mehr zeigt (im Vergleich zu einem Maximum in der Grössenordnung von weniger als 20 Kilogauss bei dem älteren Mo-Re-Material). Die angeführten Messergebnisse beweisen,
dass V-Ti-Materialien innerhalb des breiten Zusammensetzungsbereiches von 10% V-90% Ti bis 90% V - 10% Ti überproportional hohe kritische Feldstärken ergeben. Materialien desV-Ti-Systems sind zwar im Vergleich mit Nb, Sn-Material (dem einzigen Material, das Hc-Werte in der Grössenordnung von 88 Kilogauss und mehr zeigt) auf viel niedrigere maximale kritische Ströme beschränkt, bieten dafür aber den erheblichen Vorteil, dass sie gewalzt und in anderer Weise nach üblichen metallurgischen Verfahren bearbeitet werden können, um sie in Form von Drähten od. dgl. zu bringen.
Der bevorzugte Bereich von 10 bis 80% V ergab sich im Verlauf von Versuchen, die das Erfordernis eines derartigen Legierungsanteiles erwiesen haben, um eine wesentliche Verbesserung der Supraleitfähigkeit im Vergleich zum elementaren Material zu erhalten. Demgemäss führt der Zusatz von wesentlich weniger als 10% V zu einer festen Lösung, deren Eigenschaften schon jenen von reinem Ti ziemlich ähnlich sind. Die bevorzugte obere Grenze von 80% V entspricht einer Legierung mit einer Sprungtemperatur
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anzunehmen, dass das Hauptgewicht der vorliegenden Erfindung auf dem Gebiete der Herstellung von supraleitenden Magneten aus Drähten liegt, die so bemessen sind, dass die Feldstärke höher ist als jene im bekannten Mo-Re-System.
In supraleitenden Magneten, wie in üblichen Solenoiden, hängt die Feldstär-
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Bevorzugt wird im Rahmen der Erfindung das Produkt Ni so gewählt, dass sich eine Feldstärke in der Grössenordnung von 30 Kilogauss oder mehr ergibt, weil angenommen wird, dass in diesem Bereich der Hauptwert der Erfindung liegt.
Die Erfindung ist vorstehend an Hand einer begrenzten Anzahl von Beispielen beschrieben worden, lässt aber auf experimenteller Basis noch verschiedene Variationen zu. Ferner hat sich die Beschreibung auf ein reines System V-Ti bezogen, doch können auch geringe Zusätze anderer Legierungskomponen-
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ten, einschliesslich supraleitender fester Lösungen und Verbindungen angewendet werden, um gewünschte Änderungen der Materialeigenschaften zu erreichen.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verwendung einer Legierung, die aus 10 - 90 Atom-Ufo Vanadium und 90 - 10 Atom-% Titan besteht, zur Herstellung supraleitender Magnetbauteile.