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Verfahren zur Durchführung von Kammerabschüssen
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Durchführung von Kammerabschüssen, insbesonders im Bergbau und Bauwesen, wie z. B. beim Erz-, Stein- und Kohlenabbau oder zwecks geologischer Er- kundung.
Es ist zu diesem Zwecke schon ein Verfahren dieser Art verwendet worden, bei welchem zuerst ein
Eintrittsstollen in der freien Bruchwand gerade dort aufgefahren wird, wo der Abbau betrieben wird, und aus diesem Stollen dann ein oder zwei mit der Bruchwand parallele Querschläge geschlagen werden, aus welchen eine im voraus berechnete Anzahl von Kammern abgeschossen wird. Diese Abschusskammern werden mit abgeschossenem Gestein oder mit Wasser abgedichtet. Die abgedichteten Kammern werden dann durch Millisekundenschiessen zum Sprengen gebracht. Diese Ausführungsart von Kammerabschüssen weist jedoch einige Nachteile auf. So z.
B. kann ein weiterer Kammerabschuss erst nach vollkommener
Reinigung der freien Bruchwand (Abbaufront) getätigt werden, was immer vier bis zehn Wochen dauert, wodurch der Arbeitszyklus gestört wird und die Maschineneinrichtungen nicht völlig ausgenützt werden. Ein weiterer Nachteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die Bruchwand in mehrere Arbeitsetagen (Stufen) geteilt werden muss, zu welchen kostspielige Kommunikationen geplant werden müssen.
Von diesen Arbeitsetagen ist dann das Haufwerk mittels zweispuriger Fördermittel bis zur Grundsohle des Bruches zu fördern, was eine bedeutende Verteuerung des Endproduktes zur Folge hat. Nach jeder Durchführung der Kammerabschüsse ist es nötig, die abgeschossene Bruchwand wieder vollkommen zu reinigen, wobei oft tödliche Unfälle vorkommen. Im Falle eines Versagers muss man die Abdichtung des Stollens unter sehr gefährlichen Bedingungen bis zur versagten Kammer herausnehmen und dann erst neu abschiessen.
Durch die Erfindung werden die obangeführten Nachteile beseitigt. Man geht dabei davon aus, dass die Kammerabschüsse mittels im wesentlichen horizontaler streichender Eintrittsstollen und im wesentlichen horizontaler, zu den ersteren rechtwinkelig verlaufender Querschläge mit Abschusskammern zur Lagerung des Sprengstoffes vorbereitet werden. Die Erfindung selbst besteht nun darin, dass die horizontalen streichenden Eintrittsstollen von der Flanke oder der Rückseite des Bruches aufgefahren werden, so dass es zu keiner Störung der Gesteinsmasse durch Abschüsse der Kammern kommt und die Kammerabschüsse mehrmals nacheinander ohne besondere Ausrichtungsarbeiten abgefeuert werden können.
Ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemässen Abbauverfahrens mit Abschusskammern ist schematisch in der Zeichnung veranschaulicht. Dabei zeigen Fig. l die Lagerstätte mit mehreren Eintrittsstollen, Querschlägen und Abschusskammern in einzelnen Etagen im vertikalen Langsschnitt, Fig. 2 einen entsprechenden Horizontalschnitt in der Ebene der obersten Etage und Fig. 3 die bisherige Abbauart mit einem Eintrittsstollen von der Seite der freien Bruchwand her, wo das Gestein abgebaut wird.
Die Kammerabschüsse werden erfindungsgemäss so ausgeführt, dass in der höchstliegenden Etage an einer gut zugänglichen und sicheren Stelle ein Eintrittsstollen 7 (Fig. 2) zuerst von der Flanke des Berges her und dann streichendaufgefahren wird, wonach am inneren Ende des letzteren rechtwinkelig ein Querschlag 10 parallel zu der äusseren Bruchwand getrieben wird ; in diesem Querschlag werden mehrere Abschusskammern 11 für den Sprengstoff ausgebrochen. Nach der Adjustierung der Abschusskammern und deren Abschiessen, vorteilhaft mit dem Millisekundenschiessen, stürzt das Haufwerk in seinem grössten
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Teil zur Grundsohle S (Fig. l) des Bruchwerkes in der Pfeilrichtung herab.
Ein Teil des Haufwerkes bleibt wohl an der obersten Etage, ohne jedoch die Arbeiter an der inneren Sohle 7,10, 11 zu gefährden, da das Profil der Lagerstätte eine natürliche Neigung beibehält.
In der weiteren Etappe wird ein tiefer liegender Eintrittsstollen 8 der Mittelsohle aufgefahren und es wird in ähnlicher Weise fortgefahren, indem der Querschlag 14 der Mittelsohle und die Abschusskam- mern 12 ausgebrochen und die letzteren adjustiert, abgedichtet und abgeschossen werden. Hiedurch wird auch das restliche Haufwerk und Gestein von der obersten Etage zur Grundsohle S der Bruchwand hinab- geworfen. In der dritten Etappe wird in ähnlicher Weise der Eintrittsstollen 9 sowie der Querschlag 15 samt Kammern 13 schon an der Grundsohle des Bruches aufgefahren ; die Kammern 13 werden adjustiert, abgedichtet und abgeschossen. Hiedurch wird das Haufwerk von der mittleren Etage hinab zur Sohle S abgeworfen.
Durch Abschuss der Kammern 11,12, 13 wurden die Gesteinsmasse 1 der obersten Etage, die Ge- steinsmasse 2 Ber Mitteletage und die Gesteinsmasse 3 an der Grundsohle S des Bruches nacheinander abgeworfen. Hiedurch wird stets eine verlässliche Neigung (Abhang) der äusseren Bruchwand der Lager- stätte gesichert. In gleicher Weise werden die weiteren Gesteinsmassen 4,5 und 6 durch Kammerab- schüsse abgebaut.
Durch die anfänglichen Kammerabschüsse wird gleichzeitig auch eine geologische Erkundung der
Lagerstätte durchgeführt, die unter Umständen eine günstigere und zweckmässigere Verteilung der wei- teren Abschusskammern mit Rücksicht auf die Tektonik der Lagerstätte ermöglicht.
Das beschriebene erfindungsgemässe Abbauverfahren hat mehrere bedeutende Vorteile :
Es können auch sehr hohe Bruchwände abgebaut werden, die bisher aus wirtschaftlichen Gründen nicht abbaufähig waren. Gleichzeitig wird durch die Ausrichtungsstollen 7,8, 9 auch die geologische
Erkundung der abzubauenden Lagerstätte durchgeführt.
Im Falle eines Versagers ergibt sich ein leichter Zutritt zu der versagten Kammer, die dann mit- tels einer Hilfskammer abgeschossen wird. Mit Rücksicht darauf, dass die Kammerabschüsse fortlaufend ohne Unterbrechung des Arbeitszyklus vorgenommen werden können, bedingt das neue Abbauverfahren die Steigerung der Abbauwirksamkeit des Bruchwerkes.
Ausserdem kommt die gefährliche Reinigung der steilen Bruchwände nach jedem Kammerabschuss in Wegfall. Uberdies erübrigen sich die teueren Kommunikationen zu einzelnen Arbeitsetagen sowie auch der Transport des Hautwerkes von den höher liegenden Arbeitsetagen zur Sohle S des Bruches (zum primären Gesteinsbrecher).
Der Sprengstoff wird beim erfindungsgemässen Abbauverfahren um 100% mehr ausgenützt, während dabei die seismischen Auswirkungen auf die Hälfte herabgesetzt werden.
Da die Eintrittsstollen 7,8, 9 schon im vorhinein vorbereitet werden können, so können die Kam- mern in beliebiger Zeit ohne Störung der zyklischen Förderung abgeschossen werden ; die Förderkapazität der Lagerstätte wird hiedurch ohne weitere Investitionen wesentlich erhöht. Die Kammerabschüsse können mehrmals nacheinander ohne weitere Ausrichtungsarbeiten abgefeuert werden.