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Verfahren zur Herstellung von Holzwolleplatten unter Verwendung von Sorelzement als
Bindemittel Es ist bekannt, poröse Leichtbauplatten in der Weise herzustellen, dass man Holzwolle und ähnliche sperrige Fasern in lose gepresstem Zustand mit Hilfe eines steinartig erhärtenden Bindemittels, wie Sorelzement, an den Kreuzungspunkten der Fasern verkittet. Die Herstellung solcher Leichtbauplatten kann entweder diskontinuierlich in Formen oder in einer kontinuierlich arbeitenden Formmaschine durchgeführt werden. Nach der letzteren, z. B. in dem Werke
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Mörath und Zeller, 1938,3.
Auflage, auf Seite 75 ff. beschriebenen Arbeitsweise wird Holzwolle od. dgl. auf einem Förderband mit Kieseritlauge (Magnesiumsulfatlösung) überbraust, abtropfen gelassen, mit Staub von Magnesiumoxyd maschinell vermischt, wobei sich ein Sorelzement bildet und in eine Bandformmaschine (z. B. nach Patent Nr. 110078) eingeführt. In einer solchen Bandformmaschine wird das Gut durch einen langen durch Verbrennungsgase auf 350-500 C erhitzten Kanal geführt, in welchem bei starker Dampfentwicklung das Abbinden des Zementes beschleunigt vor sich geht. Nach einer kurzen Nachtrocknung werden von dem kontinuierlich fortschreitenden Strang, der bis zur Formhaltigkeit und Sägbarkeit erhärtet ist, die Platten in der gewünschten Länge abgetrennt.
Die in dieser Weise erhaltenen Platten sind trotz der Nachtrocknung noch sehr feucht ; die Erhärtung des Sorelzementes ist in diesem Zeitpunkt noch nicht beendet, weshalb die Platten in Stapeln an der Luft längere Zeit bis zur Vollendung der Nachhärtung gelagert werden. Diese Nachhärtung nimmt je nach den Lagerungsbedingungen, insbesondere je nach der herrschenden Lufttemperatur, drei bis vier Wochen oder noch länger in Anspruch. Dies bedeutet einen wesentlichen Nachteil, da für eine laufende Produktion grösseren Ausmasses ein entsprechend hoher Raumbedarf auftritt. Überdies vollzieht sich die Nacherhärtung in ungeregelter Weise, da sie durch die Lagerung der Platten innerhalb der Stapel und durch den Ort der Lagerung der Stapel selbst beeinflusst wird.
Weiters hängt der Fortgang und Ausfall der Nacherhärtung von den mit den Jahreszeiten schwankenden Aussen- temperaturen ab. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Nachhärtung von im diskontinuierlichen Verfahren erzeugten Platten.
Es wurde nun gefunden, dass sich diese Schwierigkeiten beseitigen lassen, wenn man die Platten nach der Entnahme aus der Form bzw. nach dem Abtrennen vom Strang, der von einer kontinuierlichen Formmaschine geliefert wird, einer geregelten Nacherhärtung unterwirft. Er- findungsgemäss werden zu diesem Zwecke die cckmässig noch feuchten und warmen Planen einer mehrstündigen E, nwirkung von Wasser- dampt, vorzugsweise einer mit Wasserdampf gesättigten Atmosphäre unterworfen. Die Temperatur der Atmosphäre kann beispielsweise zwischen 40 und 60 C besagen.
Nach einer besonderen Ausführungsform des Verfahrens gemäss der Erfindung werden die noch feuchten Platten zur Verhinderung einer raschen Austrocknung und zur Durchführung einer geregelten Nachhärtung durch einen wärmeisolierten Kanal, also einen nahezu geschlossenen Raum, langsam kontinuierlich hindurchgeführt.
Zufolge der exothermen Reaktionen, die bei der Nachhärtung in Gegenwart von Wasserdampf auftreten, steigt die Temperatur der Platten zunächst bis über 100 C, wodurch das in den Platten vorhandene Wasser verdampft und sich in dem Kanal eine mit Wasserdampf annähernd gesättigte Atmosphäre von einer Temperatur um den oben angegebenen Bereich von 40 bis 60 C einstellt. Man kann diese At der Nachhärtung als eine Härtung im Eigendampf b- zeichnen. Gegebenenfalls kann man aber in den Kanal auch zusätzlich Wasserdampf einführen.
Unter den angegebenen Bedingungen findet innerhalb mehrerer, im allgemeinen von etwa
12 Stunden, eine geregelte und vollkommene Nacherhärtung statt, bei. welcher auch Anteile von Magnesiumoxyd, die während der Formung an der Sorelzementbildung nicht oder nur unvollkommen teilgenommen haben, in Gegenwart des Wasserdampfes und bei den mässig erhöhten Temperaturen ausreagieren.
Nach Durchführung der geschilderten Nachbehandlung bedürfen die ausgehärteten Platten keiner weiteren Lagerung, sondern sind un-
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mittelbar verwendungsfähig. Durch die Anwendung der geregelten Nachhärtung gemäss der Erfindung ist ferner der Ausfall der Erzeugnisse gleichmässiger als bisher ; ihre Festigkeit ist im Durchschnitt höher als die von an freier Luft im Verlaufe längerer Zeit nachgehärteten Platten.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Holzwolleplatten u. dgl. unter Verwendung von Sorelzement als Bindemittel, insbesondere nach dem kontinuierlichen Verfahren, dadurch gekenn- zeichnet, dass die entformten bzw. vom geformten Strang abgetrennten Platten, zweckmässig im noch feuchten und warmen Zustand, einer Nachhfcung in Gegenwart von Wasserdampf unterworfen werden.