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Ähnliche Verhältnisse liegen in einer Kautschukdispersion vor, die ein Ammoniumsalz und etwas ZnO enthält.
Die Dispersionen der zweiten Klasse, d. h. solche, bei denen infolge des Entweichens eines am
Komplexgleichgewicht beteiligten flüchtigen Bestandteiles das Gleichgewicht im Sinne der Bildung eines fällenden Stoffes verschoben wird, haben den Vorteil, dass die Koagulationsgeschwindigkeit sich in weiteren Grenzen verändern und auf viel höhere Werte bringen lässt als mit Dispersionen der ersten
Klasse, weil bei Mitverwendung von Komplexsalze die Koagulationsgeschwindigkeit nicht nur von der
Konzentration des flüchtigen Stabilisators, z. B. des NHg, sondern auch von der Konzentration bzw.
Menge der übrigen am Gleichgewicht beteiligten Bestandteile abhängt und daher auch durch die Kon- zentration'und Menge dieser Bestandteile beeinflusst werden kann.
Im Laufe des Aufsprühens der teilweise koagulierten und-rasch nachkoagulierenden Teilehen der Dispersion bilden sich je nach den Sprühbedingungen kleine schwammartige oder büschelförmige oder warzenartige Gebilde aus, die der Oberfläche das jeweilige charakteristische Aussehen verleihen.
Durch Variation der Geschwindigkeit der Koagulation und der Menge der aufgesprühten Dispersion kann man die verschiedenartigsten Wirkungen erzielen. Hält man die Koagulationsgesehwindigkeit und auch die Mengen der Dispersion niedrig, so lassen sich ähnliche Narbungen erzielen, wie mit den früheren
Verfahren, nur dass man hier die Möglichkeit hat, stärkere Wirkungen zu erhalten.
Regelt man die
Koagulationsgeschwindigkeit so, dass die Dispersion noch in dickflüssigem Zustande auf die Unterlagen gelangt, dort aber bald erstarrt, so erhält man, wenn man die aufgetragenen Mengen der Dispersion niedrig hält, Oberflächen, die wie-mit Perlen überstreut erscheinen, und wenn man die Dispersionen in grösseren Mengen aufbringt, Oberflächen, die lammfellartiges Aussehen besitzen. Wählt man die
Koagulationsgeschwindigkeit so gross, dass die Dispersion schon in nicht mehr fliessfähigem Zustande, aber doch noch klebrig auf der Unterlage ankommt, so fügen sich die Koagulatteilchen zu schwammartig aussehenden Überzügen aneinander. Im allgemeinen wirkt die Änderung der Menge der aufgesprühten Dispersion in dem Sinn, dass die Musterungen um so gröber werden, je grössere Mengen man aufträgt.
Des weiteren hängt die gröbere oder feinere Struktur des erhaltenen Niederschlags sowie deren besondere Art auch ab von der Viskosität und der Konzentration der Sprühmischung und von dem Sprühdruck sowie von der Düsenweite des Auftragsapparates, d. h. von der Tropfengrösse.
Als flüchtige Stabilisatoren kann man ausser Ammoniak z. B. auch andere flüchtige Basen, wie z. B. Mono-, Di-und Trialkylamine und Piperidin verwenden, u. zw. wird hier im allgemeinen die Wirksamkeit mit der Flüchtigkeit der Basen zunehmen.
Das Verfahren ist ausführbar mit natürlichen und mit künstlichen Dispersionen von Kautschuk und kautschukähnlichen Stoffen, wie Balata und Guttapercha. Die Dispersionen können, soweit es sich um natürliche Dispersionen handelt, in frischem wie auch in konserviertem Zustand verwendet werden. Sie können in flüssigem Zustand vulkanisiert sein. Auch Dispersionen von Altkautsehuk und Regeneraten und von synthetischem Kautschuk sind verwendbar. Die Dispersionen können die üblichen Füll-, Farb- und Vulkanisierstoffe, z. B. Schwefel und Beschleuniger, sowie Alterungsschutzmittel u. dgl. enthalten. Um die Wirkung des Verfahrens zu unterstützen, ist es in manchen Fällen zweckmässig, als Füllstoff Faserstoffe in zerkleinerter Form, z. B. Wo-oder Seidenstaub, Mikroasbest u. dgl., zu verwenden.
Der zugefügte Schwefel kann sowohl so bemessen werden, dass bei der Vulkanisation Weichgummi, als auch so, dass Hartgummi entsteht.
Die Wahl undMenge desflüehtigen Stabilisators richtet sichnaturgemäss nach derArt undMenge der in der Kautschukmilch enthaltenen sonstigen Stabilisatoren. Unter Umständen sind solche unwirksam zu machen. Dies gilt z. B. von Alkalilaugen. Falls diese in störenden Konzentrationen zugegen sind, muss man sie, z. B. durch Neutralisieren, unschädlich machen und dann kann man einen flüchtigen Stabilisator, z. B. NHg, zufügen. Am zweckmässigsten werden diese beiden Wirkungen gleichzeitig erzielt, indem man der Dispersion eine der Alkalilauge ungefähr äquivalente Menge eines Ammoniumsalzes zufügt. Die stabilisierende Wirkung von Seife, die in Konzentraten des Handels zuweilen auch neben Alkalilaugen verwendet wird, kann z. B. durch Zugabe eines Oxyds oder Hydroxyds, das eine unlösliche Seife bildet, z. B.
PbO, AL ; (OH) ;,, ZnO aufgehoben werden.
Das Verfahren wird in der Regel bei gewöhnlicher Temperatur ausgeführt, doch kann man die Koagulationsgeschwindigkeit steigern, dadurch, dass man das Versprühen mit Hilfe eines warmen Gasstromes vornimmt.
Nach. dem Verfahren lassen sich sowohl Kautschukgegenstände als auch Gegenstände aus anderm Material, z. B. solche aus Glas oder Metall, mit einer Kautschukoberfläche der erfindungsgemässen Art versehen. Es ist in letzteren Fällen zweckmässig, die Unterlagen zunächst in bekannter Weise mit einer die Haftung fördernden Zwischenschicht und dann mit einer glatten Kautschukschicht, vorzugsweise einer solchen, die in Gestalt einer wässerigen Dispersion aufgetragen wird, zu versehen und dann erst den erfindungsgemässen Überzug darauf anzubringen.
Falls die Sprühschicht auf eine Unterlage von mastiziertem Kautschuk oder eines direkt aus Latex erhaltenen aufgetragen werden soll, empfiehlt es sich, zur besseren Haftung die zu überziehende Oberfläche vor dem Besprühen mit einem Lösungsmittel für Kautschuk leicht anzuquellen. Des weiteren hat sich für die Erzielung einer auf der Unterlage
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absolut festhaftenden Überzugsschicht als zweckmässig erwiesen, den Sprühvorgang erst so zu gestalten, dass eine dünne, aber zusammenhängende Schicht der Mischung auf die Unterlage aufgesprüht wird und auf diese, solange sie noch nass ist, mit entsprechend verminderter Zerstäubung die feinen Sprühtröpfchen aufgesprüht werden. Dies ist insbesondere dort erforderlich, wo der fertige Gegenstand grössere Dehnungen aushalten muss, wie z. B. bei Badehauben od. dgl.
Will man Kautschuktücher mit einer erfindungsgemässen Oberfläche herstellen, so kann man in den meisten Fällen so verfahren, dass man die Kautschukdispersion auf eine Glas-oder Metallfläche (in diesem Fall ohne das Haftvermögen steigernde Zwischenschicht) aufsprüht. Um mit Sicherheit z. B. dichte Tücher zu erhalten, ist es zweckmässig, auf die Unterlage zunächst eine glatte dichte Kautsehukschicht, vorzugsweise durch Auftragen, z. B.
Aufsprühen, z. B. einer gewöhnlichen, gegebenenfalls übliche Zusatzstoffe enthaltenden wässerigen Kautschukdispersion aufzubringen und danach die erfindungsgemässen Überzüge aufzusprühen. Die aufgetragenen Schichten werden dann getrocknet und dann zweckmässig vulkanisiert. Die so gewonnenen Erzeugnisse werden schliesslich als fertige Kautschuktücher von der Unterlage abgezogen. Ganz allgemein ist es ratsam, die erfindungsgemässen Überzüge der Vulkanisation zu unterwerfen.
Beispiele : 1. Eine Mischung von 165 gades unter dem Namen Jatex bekannten, mit NH3 stabilisierten, durch Zentrifugieren gewonnenen Kautschukmilchkonzentrates, 5 zinkoxyd, 20 lithopone, 3 schwefel, 0#25g Vulkazit Thiuram werden mit Hilfe einer Sprühpistole auf eine Glasplatte aufgesprüht. Man erhält einen unmittelbar über der Glasoberfläche dichten Überzug mit einer feinkörnigen Oberfläche, der nach dem Vulkanisieren abgezogen wird und dann ein auf der einen Seite glattes, auf der andern rauhes Gummituch darstellt.
2. Dem unter 1 angeführten Gemisch werden 20 cm3 einer ¸-norm. ZnSO4-Lösung, die mit 1 cm3 25% igem NH3 versetzt sind, zugefügt. Wenn man die Mischung gemäss Beispiel 1 weiterverarbeitet, erhält man ein Gummituch mit einer in ihrem Aussehen an einen #Frottéstoff" erinnernden Oberfläche.
3. Eine Mischung von 135 g eines 75% igen, mit Kalilauge und Seife stabilisierten Kautschukmilchkonzentrates, 2 g Schwefel, 5 g Zinkoxyd, 0'5 g Vulkazit DM, 10 g Wasser wird mit 3 cm"25% igem Ammoniak und 25 cm3 einer 2-norm. Lösung von Ammoniumperchlorat oder mit 15 cm3 einer 2-norm. Lösung von Ammoniumformiat versetzt. Bei Verarbeitung gemäss Beispiel 1 erhält man ein Erzeugnis mit schwammähnlicher Oberfläche.
4. Eine Mischung von 135 g des gleichen Konzentrates wie in Beispiel 3, 35 g Schwefel, 10 g Bleioxyd, 1#5g Vulkazit DM wird mit 30 cm3 einer 2-norm. Ammoniumsulfatlösung versetzt. Mit der so hergestellten Mischung erhält man, wenn man sie ähnlich wie in Beispiel 1 verarbeitet, ein Kautschuktuch mit krokodillederartiger Oberfläche.
5. Eine andere zu besonders günstigen Ergebnissen führende Sprühmisehung ist aus folgendem Beispiel zu entnehmen :
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<tb>
<tb> 75%iges <SEP> Latexkonzentrat <SEP> ...... <SEP> 86
<tb> Leinöl <SEP> 1
<tb> Schwefel................. <SEP> 1
<tb> Zoo <SEP> 5
<tb> Vulkazit <SEP> DM <SEP> 0-25
<tb> Kreide................... <SEP> 57
<tb> Wasser <SEP> 32.
<tb>
Diese Mischung wird mit
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Das erfindungsgemässe Verfahren kann z. B. dazu benutzt werden, Kautschukartikeln ein ansprechenderes Aussehen zu verleihen und ihnen das steife, leblose Aussehen, das Kautschukgegenständen in der Regel eigen ist, zu nehmen. Es eignet sich z. B. zum Verzieren von Badeschuhen, Badehauben u. dgl. Sehr brauchbar ist es z. B. auch zur Herstellung von Badematten, ferner kann man die erfindunggemäss hergestellten Erzeugnisse auch an Stelle von Kautschukschwämmen verwenden, da sie eine gute und angenehme Reibwirkung entfalten und bei ihnen keine Behinderung der Seifenschaumbildung auftritt, wie dies bei Kautschukschwämmen der Fall ist. Auch als Gleitschutz, für Sohlen, Teppiche u. dgl. lassen sich die erfindungsgemässen Überzüge verwenden, da die unregelmässige Oberfläche die Haftung begünstigt.
PATENT-ANSPRUCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von aus Kautschuk oder kautschukähnlichen Stoffen, wie z. B.
Balata und Guttapercha, bestehenden Gegenständen oder Überzügen mit frottéartig aussehenden Oberflächen durch Aufsprühen von wässerigen, zweckmässig konzentrierten, gegebenenfalls mit den üblichen Zusatzstoffen, wie z. B. Füll-, Farbstoffen und Vulkanisationsmittel versetzten Kautschukdispersionen, dadurch gekennzeichnet, dass die Dispersion durch oder unter Mitwirkung einer so geringen Menge eines flüchtigen Stabilisierungsmittels stabilisiert ist, dass während des Sprühens bereits Koagulation in einem das Zusammentreten der Sprühteilchen zu einem glatten Überzug verhindernden Masse eintritt.