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Geschoss und Verfahren und Vorrichtung zur Herstellung eines solchen.
Es ist bekannt, dass in Feuerwaffen neben der Verschmutzung durch Verbrennungsrückstände auch ein Verschmieren des Laufinneren durch vom Geschoss herrührende metallische Ansatzbildung stattfindet. Diese ist in mehrfacher Hinsicht sehr störend. Sie verhindert den Zutritt von Laufreinigungsmitteln zum eigentlichen Laufmetall und begünstigt dadurch das gefürchtete Nachrosten des gereinigten Laufes. Ausserdem vermindert sie die Treffgenauigkeit in störender Weise. Diese metallische Laufverschmierung tritt besonders stark auf bei hohen Geschossgeschwindigkeiten von zirka 900 m/sec und darüber und kann hier schon nach Abgabe ganz weniger Schüsse die Streuung einer Waffe unzulässig vergrössern.
Man war schon bei Bleigeschossen von jeher bestrebt, einer Bleiversehmierung des Laufes durch Fett-oder Wachsüberzug der Geschosse vorzubeugen. Zur besseren Wirkung und sicheren Aufnahme des Fettes brachte man auch vielfach Rillen auf der Geschossoberfläche an. Auch bei Mantelgeschossen hat man derartige Rillen mit und ohne Ausfüllung durch Fett häufig angewandt.
Gerade für Mantelgeschosse, die meistens mit höheren Geschwindigkeiten verfeuert werden, lehrt aber die Erfahrung, dass die bisherige Art der Behandlung der Geschossoberfläche nicht genügt, um die Bildung von Metallansatz zu verhindern. Das auf den zwischen den Rillen gelegenen Teilen der Führung- fläche befindliche Fett, Wachs od. dgl. wird schon im Anfang der Geschossbewegung im Lauf abgestreift, und es könnten so bei der bisherigen Art der Geschossoberfläche verhältnismässig breite Teile der Führungfläche in unmittelbare metallische Reibungsberührung mit dem Laufmateiial kommen. Aus diesem Grunde war mit den bekannten Geschossen, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten, die sehr störende Metallansatzbildung nicht zu verhindern.
Um ein besonders gutes Haften des Schmiermittels auf der Geschossoberfläche zu erzielen, hat man auch schon vorgeschlagen, die gesamte Geschossführungsfläche mit dicht aneinander liegenden scharfen und tiefen Rillen oder Riefen oder Auskerbungen zu versehen und diese mit Schmiermittel auszufüllen. Mit diesem Vorschlag hat man wohl einen Schritt vorwärts getan, hat aber neue Mängel hereingebracht, welche eine praktische Verwertung dieses Vorschlages verhindern mussten. Durch eine solche Riefelung wird die Oberfläche rauh, ergibt zu grossen Luftwiderstand, und es wurde auch in keiner Weise für ein Festhalten des Gleitmittels bei Transport, Handhabung und Gebrauch gesorgt.
Man hat auch Versuche aller Art gemacht, um durch Wahl eines geeigneten Geschossmantelmaterials diesem Missstand zu begegnen. Ein durchgreifender Erfolg ist auf diesem Wege aber nicht erreicht und auch nicht zu erwarten, da harte, zur Ansatzbildung weniger neigende Materialien den Lauf unzulässig abnutzen, daher zu verwerfen sind. Weichere, bezüglich Laufabnutzung günstigere Materialien neigen aber sämtlich zur Metallansatzbildung.
Auch bei dem Gegenstand vorliegender Erfindung wird die Führungsfläche des Geschosses in grundsätzlich bekannter Weise mit Scharen von verhältnismässig tiefen und sehr engen Furchen versehen, und diese Furchen werden mit einem Gleitmittel gefüllt.
Die Erfindung besteht nun darin, dass die zwischen den Furchen vorhandenen Schneiden aus Mantelmaterial mechanisch (durch Pressen, Walzen, Ziehen, Hämmern od. dgl.) nach Einbringen des Gleitmittels derart niedergestaucht bzw. geglättet werden, dass einesteils eine glatte Aussenfläche von geringer Luftreibung entsteht und andernteils das Gleitmittel durch die geglätteten Aufrauhungen (Furchen) nach aussen hin taschenartig umgriffen wird.
Dieser Einschluss verhindert natürlich nicht,
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dass beim Durchgang des Geschosses durch die Laufbohrung die Laufinnenfläche mit dem Gleitmittel in Berührung kommt, da sich ja die Zugbalken in das Mantelmaterial unter elastischer Verformung des Mantelmaterials tief eindrücken. Die an sich sehr dünn auslaufenden Schneiden zwischen den einzelnen Furchen werden hiebei teilweise abgeschabt, teilweise geöffnet und gestatten den Zutritt des Gleitmittels an die Laufwandung, wodurch ein Festsetzen von Mantelmaterial an der Laufwandung verhindert wird.
Die Erfindung wird durch Fig. 1-7 der Zeichnung dargestellt. Es zeigt Fig. 1 ein Geschoss in Ansicht mit einer Aufrauhung versehen, die zur Aufnahme des Gleitmittels dient. Fig. 2 einen teilweisen Längsschnitt durch den aufgerauhten Geschossmantel mit eingebrachtem Gleitmittel. Fig. 3 einen teilweisen Schnitt durch den Geschossmantel mit Aufrauhung senkrecht zur Längsachse mit eingebrachtem Gleitmittel. Fig. 4 einen Schnitt wie Fig. 2, jedoch nach mechanischer Glättung und Verdichtung der Aussenfläche. Fig. 5 eine erfindungsgemässe Anordnung der Aufrauhwalzen mit in Arbeitsstellung befindlichem Geschoss. Fig. 6 einen teilweisen Längsschnitt durch eine Aufrauhwalze. Fig. 7 ein Vorstadium des Geschosses mit Aufrauhung in Ansicht.
Die in Fig. 1 dargestellte, zur Aufnahme des Gleitmittels besonders geeignete Aufrauhung besteht aus drei Scharen von dicht aneinanderliegenden engen und tiefen Furchen, von denen zweckmässig eine senkrecht zur Längsachse, eine zweite Schar schraubenlinienartig rechtsgängig und eine dritte Schar schraubenlinienartig linksgängig verläuft.
Der Querschnitt dieser einzelnen Furchen a (Fig. 2) kann die ungefähre Form gleichschenkliger Dreiecke haben, es könnte aber auch eine andere geeignete Form, z. B. ungleichsehenkliger Dreiecke od. dgl., gewählt werden.
Nach der Herstellung dieser Furchen auf der Geschossoberfläche werden die Geschosse mit einem geeigneten Gleitmittel, wie Graphit od. dgl., behandelt, derart, dass die Furchen mit diesem Gleitmittel ausgefüllt sind.
Durch die Kreuzung dieser Scharen von Furchen untereinander entsteht auf der Geschossführuns : s- fläche ein sehr enges Gitterwerk aus kurzen engen Vertiefungen, die durch zwisehenliegende, scharf auslaufende, schneidenartige Metallvorsprünge voneinander abgetrennt sind. Ein solches Gitterwerk vermag eine Höchstmenge an Gleitmittel aufzunehmen und eignet sich besonders gut zur nachherige mechanischen Glättung und Verfestigung in der erfindungsgemässen Weise.
Die innige Vermengung von Gleitmittel und Mantelmaterial in einer derartigen Aufrauhung ergibt bei nachträglicher erfindungsgemässer mechtanischer Verfestigung ein zur Erreichung des erfinderischen Zweckes hervorragend geeignetes Gitter aus Mantelmaterial und Gleitmittel, ähnlich wie man ein solches Gitter bei Bremsbelagmassen gemischt aus Kupferdrahtgewebe und Füllmitteln mit Erfolg anwendet.
Fig. 4 zeigt in starker Vergrösserung, in welcher Weise bei der nach der Einbringung des Gleitmittels erfolgenden mechanischen Verfestigung und Glättung der Oberfläche die Metallvorsprünge des Mantelmaterials umgebogen, teilweise zusammengestaucht und so verformt werden, dass sie das Gleitmittel gewissermassen in Taschen einschliessen. Hiedurch wird nicht nur die für ballistisch einwandfreies Verhalten des Geschosses erforderliche glatte Oberfläche erzielt, sondern auch ein absoluter Schutz gegen Herausfallen oder Verlorengehen des Gleitmittels bei Transport und Handhabung der Geschosse.
Einen weiteren Teil der Erfindung bildet eine besonders vorteilhafte Einrichtung zur Herstellung der Aufrauhung der Geschossoberfläche. Diese ist in Fig. 5 in Ansicht dargestellt und besteht aus drei in beliebiger Weise in einer Maschine angeordneten und angetriebenen Walzen b, c, d, die auf ihrer Oberfläche jeweils mit einer Schar von scharfen Schneiden versehen sind. Wird das Geschoss zwischen diese Walzen eingebracht und alsdann der Abstand der Walzen gegeneinander verringert, so dringen die Walzenschneiden in das Geschossmantelmaterial ein und erzeugen dort entsprechende Furchen. Um die in Fig. 1 dargestellte, besonders günstige Anordnung dieser Furchen in einfachster Weise zu erhalten, ist es nur notwendig, die eine dieser Walzen, z.
B. b, mit senkrecht zur Achse verlaufenden Schneiden, die andere c mit spiralig rechtsgängigen, die dritte cl mit spiralig Hnksgängigen Schneiden zu versehen.
Es können aber auch andere Anordnungen dieser Schneiden benutzt werden ; zweckmässig ist es allerdings, die Steigungswinkel der Scharen von Schneiden unter sich verschieden zu machen.
Es wäre auch möglich, die Aufrauhung am Geschossmantel durch eine Walze allein zu bewirken. die mit einer zweckentsprechenden Rauhung versehen ist. Das Zusammenwirken dreier Walzen in der vorbeschriebenen Art bietet jedoch den Vorteil, dass die einzelnen Walzen in einfacher und einwandfreier Weise mit sehr scharfen und haltbaren Schneiden versehen werden können, welche auch in gehärtetem Zustande dauerhaft sind und in ihrem Zusammenwirken eine besonders geeignete und tiefe Aufrauhung ergeben.
In Fig. 6 ist ein Schneidenprofil für eine derartige Aufrauhwalze beispielsweise dargestellt. An Stelle gleichschenkliger Dreiecke könnten aber auch ungleichschenklige Dreiecke oder andere geeignete Formen für die Schneiden gewählt werden.
Es ist nicht notwendig für die Erfindung, dass die Aufrauhung, Füllung mit Gleitmittel, Glättung und Verfestigung der Oberfläche erst am fertigen Geschoss geschieht. In vielen Fällen wird dies sogar unzweckmässig sein, da durch die radiale Druekbeanspruchung leicht unerwünschte Formänderungen des Geschosses oder des Geschosskernes entstehen können, welche dann am fertigen Geschoss nicht mehr
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