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Verfahren und Einrichtung zur Herstellung räumlicher lebender Bilder mit scheinbarer Bewegung des Blldgegenstandes zum Beschauer bzw. vor die Bildfläche.
Die vorliegende Erfindung betrifft die Herstellung räumlicher lebender Bilder bzw. mittels Projektions-oder Betrachtungseinrichtung vorzuführender stereoskopischer Reihenbilder und bezweckt die Vortäuschung von Bewegungen des Bildgegenstandes quer zur Bildfläche, vorzugsweise von Bewegungen zum Beschauer bzw. vor die Bildfläche.
Nach dem erfindungsgemässen Verfahren wird dies dadurch erreicht, dass die Lichtbildaufnahme oder sonstige bildlich Darstellung der stereoskopischen Reihenbilder mit sich schneidenden optischen Achsen in der Weise ausgeführt wird, dass der anfänglich vor dem oder im Bildgegenstande gelegene Aehsenschnittpunkt im Zuge der Aufnahme in oder hinter den Gegenstand zu liegen kommt, was durch Bewegen der optischen Achsen oder des Gegenstandes oder durch beiderlei Bewegungen geschieht. Die optischen Achsen werden zu diesem Zwecke erfindungsgemäss im Zuge der Aufnahme verschwenkt oder parallel verschoben. Die weitere Erfindung betrifft Vorkehrungen für stereoskopische Aufnahmeeinrichtungen, die sich besonders zur Durchführung des vorliegenden Verfahrens eignen.
Auf der schematischen Zeichnung zeigen die Fig. 1-4 im Grundriss mehrere Abarten des erfindung-
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grösserten Projektionsbilder und Fig. 6 & im Grundriss die Wirkung dieser Bilder auf den Beschauer.
Bei den in Fig. 1, 2 und 4 dargestellten Aufnahmevorgängen handelt es sich durchwegs um einen an Ort bleibenden (mindestens sich nicht quer zur Stereogrundlinie bewegenden) Aufnahmegegenstand und um ein Bewegen der beiden optischen Achsen bzw. Aufnahmeapparate in der Weise, dass im Zuge der Aufnahme ein Wandern des Aehsenschnittpunktes von 1 über 2, dem Ort des Gegenstandes, nach 3, also von vor bis hinter den Gegenstand stattfindet. Dies geschieht nach Fig. 1 durch symmetrisches Verschwenken beider Aufnahmeapparate in ihren festen Standorten L, R ; nach Fig. 2 und 4 durch Parallelversellieben riehtungsfester Aufnahmeappxràte, wobei im einen Fall letztere voneinander entfernt werden, also der Stereoabstand vergrössert wird, im anderen.
Falle hingegen die beiden Apparate bei
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schnittpunktes, nach 3 bewegt.
Die Wirkung des erfindungsgemässeB Verfahrens geht aus den weiteren Abbildungen, die dem in Fig. 1 dargestellten Aufnahmevorgang entsprechen, ohneweiters hervor.
Fig. 5 zeigt zunächst die den drei Einzelaufnahmen in 1, 2 und 3 entsprechenden Teilbilder bzw. beiden Bildreihen - und -. Wie ersichtlich, wandern die Teilbilder von einem Bildflächenrand über die Mitte zum anderen Rand. Dies hat bei der Vorführung derselben nach der bekannten Anaglyphen- (Komplementärfarben) methode od. dgl. im Stereoskop oder durch Projektion auf eine gemeinsame Bildfläche zur Folge, dass, wie dies auch die Fig. 6 zeigt (in der zugleich die Rückführung der für den Beschauer unmöglichen divergenten Sehstrahlen zum Ausdruck kommt), in jenem (mittleren) Bild- flächenfeld, das bei der Parallelstereoskopie bildlos bleiben würde, ein gegenseitiges Überkreuzen beider Projektionsreihen erfolgt.
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Bei der Betrachtung dieser Projektionen findet bekanntlich im Sehzentrum (Gehirn) des Beschauers eine Verschmelzung der zwei Bildreihen zur scheinbaren räumlichen Einbildreihe, wie dies Fig. 6a zeigt, in den scheinbaren Raumpunkten a (im Unendlichen), ss,' (und 0 statt. Das vorerwähnte Überkreuzen der beiden Bildreihen ergibt nun folgendes bei der Parallelstereoskopie nicht auftretendes Täuschungs- phänomen :
Das Bewegen des Schnittpunktes bei der Aufnahme zum Aufnahmegegenstand erseheint dem Auge bei der Vorführung zunächst so, als ob sich der Bildgegenstand aus dem Hintergrunde nach vorne zur Bildfläche bewegen würde.
In einem bestimmten Augenblick jedoch, in dem sich die Sehstrahlen in-der Bildfläche schneiden (ss in Fig. 6a), welchem Punkt beim Aufnahmevorgang nach Fig. 1 eine noch vor
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Die gleiche optische Täuschung wird auch durch den Aufnahmevorgang nach Fig. 2 erreicht.
In diesen beiden Fällen behält der Bildgegenstand beim scheinbaren Bewegen seine Grösse bei.
Hingegen erfolgt sowohl beim Aufnahmevorgang nach Fig. 3, wo der Aufnahmegegenstand bei unbeweglichem Achsenschnittpunkt von hinter diesem nach vor diesem bewegt wird, als auch bei Aufnahmevorgang nach Fig. 4, wo umgekehrt die Apparate bzw. die optischen Achsen bei winkelfester Einstellung zum nicht quer bewegten Aufnahmegegenstand hin bewegt werden, bei der Vorführung ein scheinbares Vorbewegen und Heraustreten des Bildgegenstandes mit gleichzeitiger Vergrösserung desselben statt.
Zur Durchführung des erfindungsgemässen Aufnahmeverfahrens mit sich schneidend einstellbaren oder bewegbaren optischen Achsen können z. B. zwei getrennt oder auf einem gemeinsamen Gestell montierte Aufnahmeapparate oder eine monokulare oder binokulare Aufnahmeapparatur mit zwei vorgesetzten Auffangs-bzw. Ablenkungsspiegeln od. dgl. verwendet werden. Erfindungsgemäss werden die beiden Aufnahmeapparate bzw. Auffangspiegel od. dgl. je so verschwenkbar oder verschiebbar angeordnet und miteinander mechanisch, elektrisch oder sonstwie so gekuppelt, dass ihre vorzugsweise mittels einer gemeinsamen Antriebs-bzw. Steuervorrichtung bewirkte gleichzeitige Verstellung einen vorzugsweise senkrecht zur Richtung der Stereogrundlinie wandernden Aehsenschnittpunkt ergibt.
Wird das beschriebene Verfahren umgekehrt gehandhabt (der Achsenschnittpunkt von hinter dem Aufnahmegegenstand nach vor demAufnahmegegenstand verschoben), so kehren sich die scheinbaren Bewegungsvorgänge sinngemäss um.
Wird beispielsweise ein Aufnahmegegenstand, wie ein vom Sprungbrett springender Schwimmer während des Anlaufes mit den Apparaten so verfolgt, dass der Schnittpunkt der optischen Achsen immer knapp vor ihm bleibend mitwandert, am Absprung selbst aber momentan stehen bleibt, so ergibt sich für den Beschauer hernach ein unerwarteter überraschender Täuschungseffekt. Für den Beschauer wird dadurch der sich wirklich bewegende Gegenstand (Springer) bis zum Momente des Ansprunges räumlich hinter der Bildfläche gehalten, um im Momente des Absprunges aber plötzlich aus der Bildfläche heraus, direkt auf ihn zu, zu springen.
Durch Beschleunigung und Verlangsamung der Bildfrequenz sowohl im Zuge der Aufnahme wie im Zuge der Projektion können weitere scheinbar naturwidrige Bewegungsabnormitäten und Überraschungseffekte erzielt werden.
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