Verfahren und Vorrichtung zur Funktionsüberprüfung von Prüfobjekten
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Funkti- onsüberprüfung von Prüfobjekten mit den Merkmalen der Ansprüche 1 bzw. 14.
Zur Qualitätskontrolle und -Überwachung im Rahmen einer Bauteil- bzw. Modulfertigung sind verschiedene Prüfverfahren bekannt. Neben optischen Kontrollen und Messungen eignen sich zur Fehlererkennung je nach zu prüfenden Objekten Schwingungsmessverfahren, Körperschall- bzw. Luftschallmessungen. Eine automatisierte Funktions- Überprüfung und/oder Fehlerdiagnose bei komplexen beweglichen Bauteilen erfordert meist einen erheblichen Mess- bzw. Prüfaufwand. Als Alternative hierzu bleibt meist nur eine individuelle Kontrolle durch eine prüfende Person.
Aus der DE 296 11 558 U1 und der WO 98/01728 ist eine Vorrichtung zur Erfassung von analogen Messsignalen für die akustische Diagnose von Prüflingen bekannt, bei der mittels Schwingungsaufnehmern analoge Messsignale von einem Prüfobjekt aufgenommen werden. Die Messsignale werden digitalisiert und in ein Schalt- bzw. Triggersignal umgesetzt, das zur weiteren Verarbeitung verwendet werden kann. Als Messaufnehmer werden bei dieser Vorrichtung insbesondere Körperschallsensoren verwendet.
Ein akustisches Diagnosesystem sowie ein entsprechendes Diagnoseverfahren ist in der WO 99/54703 beschrieben. Hierbei werden Schallsensoren zur Wandlung von mechanischen Schwingungen in elektrische Signale eingesetzt. Die gewandelten elektrischen Signale durchlaufen eine Verstärkerstufe, eine Tiefpassfilterung sowie einen Ana- log/Digital-Wandler. In einer nachgeschalteten Signalverarbeitungseinheit werden die Signale analysiert und die einem jeweiligen Prüfobjekt zuordenbaren Fehlerklassen und/oder Güteklassen klassifiziert. Das System umfasst weiterhin eine automatische Archivierung über das Auftreten und die Häufigkeit von Güte- und/oder Fehlerklassen.
Sollen komplexe bewegliche Baugruppen überprüft und einer akustischen Fehleranalyse unterzogen werden, tritt insbesondere das Problem der Signalselektion auf. Aus einer großen Datenmenge müssen die einem Fehler zuordenbaren Teildaten herausgefil-
tert und verarbeitet werden. Hierzu ist meist eine relativ aufwendige und leistungsfähige Datenverarbeitung notwendig.
Ein Ziel der Erfindung besteht darin, ein einfach aufgebautes Messverfahren zur Funktionsüberprüfung von Prüfobjekten sowie eine entsprechende Vorrichtung zur Verfü- gung zu stellen, das eine eindeutige Fehlerkennung und/oder -Zuordnung erlaubt.
Dieses Ziel der Erfindung wird mit dem Gegenstand der unabhängigen Ansprüche 1 bzw. 14 erreicht. Merkmale vorteilhafter Weiterbildungen der Erfindung finden sich in den jeweils davon abhängigen Ansprüchen.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Funktionsüberprüfung von Prüfobjekten, insbesondere zur automatischen Qualitätskontrolle bei deren Fertigung bzw. bei deren Funktionstest an einem Bandende, sieht eine Erfassung eines Luftschallspektrums und/oder eines Körperschallspektrums des Prüfobjekts während dessen Funktionssimulation mittels wenigstens eines Sensors vor. Die vom wenigstens einen Sensor gelieferten elektrischen Signale werden anschließend verstärkt und/oder hochpassgefiltert und/oder tiefpassgefiltert. Zumindest ein begrenzter Frequenzbereich und/oder zumindest ein begrenzter Amplitudenbereich der derart verstärkten und/oder gefilterten Signale wird zur Erzeugung wenigstens eines Triggersignals herangezogen, das einer bestimmten Fehlfunktion des Prüfobjekts zugeordnet ist.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren kann auf relativ einfache Weise eine Luft- und/oder Körperschallanalyse eines Geräusch- bzw. Vibrationsspektrums des Prüfobjekts erfasst und ausgewertet werden. Auf Basis von zuvor erfassten und bestimmten Fehlerereignissen zuordenbaren spezifischen Geräusch- bzw. Körperschallereignissen kann festgelegt werden, welches Frequenz- und/oder Amplitudenfenster welchem Fehlerereignis zugeordnet werden soll. Hierdurch reduziert sich die zu verarbeitende Datenmenge ganz erheblich, da für die Erzeugung eines Fehlersignals lediglich relativ eng begrenzte Datenmengen benötigt werden. Das Verfahren eignet sich bspw. für die Funktionsüberprüfung komplexer beweglicher Baugruppen im Fahrzeugbau o. dgl. Einem bestimmten Fehlerereignis können selbstverständlich auch zwei oder mehr Frequenz- und/oder Amplitudenfenster zugeordnet sein. Eine solche Zuordnung kann bspw. dann sinnvoll sein, wenn ein spezifischer Fehler sich in unterschiedlichen Luftschall- bzw. Körperschallemis-
sionen äußert, die jeweils als charakteristische Schallereignisse verarbeitet werden können.
Beispielsweise können bei einem elektrisch betätigbaren Schiebedach eines Kraftfahrzeuges eine Reihe von typischen Fehlern auftreten, die sich jeweils durch ein be- stimmtes Geräusch, d.h. durch ein spezifisches Luftschallspektrum, bzw. durch bestimmte Vibrationen bemerkbar machen. Diesen spezifischen Abweichungen des Geräusch- bzw. Vibrationsspektrums von einem Normgeräusch kann durch geeignete Filterung und Verstärkung ein bestimmtes Ausgabe bzw. Triggersignal zugeordnet werden. Hierzu müssen zuvor die typischerweise auftretenden Fehler erfasst und hinsichtlich ihres primär relevan- ten Frequenzbereichs sowie hinsichtlich ihrer Schallamplitude eingegrenzt werden. Die auf diese Weise vorher definierten möglichen Fehler können beim späteren Prüf- und Diagnoseverfahren zur Selektion des aufgenommenen Geräusch- bzw. Vibrationsspektrums verwendet werden, wodurch sich die zu verarbeitende Datenmenge auf einen Bruchteil der von den Messaufnehmern erfassten Datenmenge reduziert.
Vorzugsweise ist eine frequenzbereichs-individuelle Signalverstärkung und/oder eine amplitudenbereichs-individuelle Signalverstärkung vorgesehen. Insbesondere kann ein bzw. können mehrere Frequenz- bzw. Amplitudenfenster hinsichtlich eines bestimmten Frequenzbandes und/oder eines bestimmten Amplitudenbereichs selektiert und bestimmten Fehlern zugeordnet werden, so dass bei einem innerhalb eines solchen Fens- ters liegenden Schallereignis ein entsprechendes Triggersignal erzeugt wird. Bei einem zu überprüfenden beweglichen Schiebedach hat sich in der Praxis eine typische maximale Fehlerzahl zwischen drei bis zehn gezeigt, die in vereinzelten Fällen in unterschiedlicher Verteilung auftreten können. Meist tritt bei einem Prüfobjekt nur einer der möglichen Fehler auf, selten mehr als einer. Solche Fehler können bspw. durch unvollständige Entgra- tungen von Metall- oder Kunststoffteilen entstehen, die zu schleifenden oder knackenden Geräuschen führen können. Lagerschäden im Antriebsmotor machen sich ebenfalls durch spezifische Geräusche und/oder Vibrationen bemerkbar. Bei gleichzeitiger Luft- und Körperschallmessung wird ein Fehlersignal vorzugsweise dann ausgelöst, wenn gleichzeitig ein Luft- und ein Körperschallsignal geliefert werden, die jeweils dem gleichen Messort zugeordnet sind. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass Störgeräusche zu einem falschen Fehlersignal führen. Dies kann bspw. dann der Fall sein, wenn zu einer bestimmten Zeit eine Körperschallmessung ein Fehlersignal liefert, die vom Prüfobjekt stammt und
wenn gleichzeitig ein Luftschallsignal erfasst wird, das nicht vom Prüfobjekt geliefert wird sondern das bspw. aus der Umgebung auf den Sensor trifft.
Ein typischer Frequenzbereich für auftretende Fehler bei einem elektrisch betätigbaren kann zwischen ca. 800 Hz und ca. 5 kHz liegen. Bei anderen Prüfobjekten kann es notwendig sein, davon deutlich unterschiedliche Frequenzbereiche zu verarbeiten. Die typischerweise auftretenden Frequenzen der Fehlergeräusche definieren gleichzeitig eine Bandbreite, oberhalb und unterhalb derer keine Signalverarbeitung notwendig ist. Diese Bandbreite kann durch die Tiefpass- und Hochpassfilterung festgelegt werden. Die zu verarbeitende Datenmenge reduziert sich auf diese Weise bereits deutlich, bevor sie durch die optionale Definition bestimmter schmaler Frequenzbereiche innerhalb dieser Bandbreite nochmals im ein Vielfaches reduziert wird.
Wahlweise kann eine definierte Zuordnung von Fehlersignalen zu Ausgangssignalen mittels einer Matrix erfolgen. Diese Matrix kann ggf. frei programmierbar sein, wodurch eine universelle Fertigungssteuerung ermöglicht ist, die bspw. einem defekten Prüfobjekt eine bestimmte Markierung, bspw. in Form eines kodierten Aufklebers oder dgl. zuordnet. Ggf. kann auch eine Aussonderung eines als fehlerhaft erkannten Prüfobjekts durch eine Verzweigung im Fertigungsband vorgesehen sein. Eine einfache Möglichkeit zur Markierung kann auch in einer optischen und/oder akustischen Signalausgabe bestehen, die einer Prüfperson signalisiert, dass ein bestimmtes Prüfobjekt einer Nachkontrolle bedarf.
Eine Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht vor, dass das Triggersignal einen Schwellwertschalter ansteuert. Bei einer Verwendung des Triggersignals zur Fertigungssteuerung kann in einer einfachen Ausführungsform das Triggersignal bspw. zur Ansteuerung von Relais oder dgl. verwendet werden, die bestimmte Ereignisse auslösen können. Hierfür wurde bereits ein Eingriff in den Fertigungsablauf genannt. Ein weiteres Ereignis kann bspw. das Aufleuchten einer Lampe, die Ausgabe eines akustischen Signals oder dgl. sein.
Einen weitere Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass die vom wenigstens einen Schallwandler gelieferten elektrischen Signale mittels eines Analog/Digitalwandlers in digitale elektrische Signale gewandelt werden. Diese lassen sich in der nachgeschalteten Verarbeitungseinheit leichter, d.h. mit weniger Schaltungsaufwand verarbeiten. Vorzugsweise werden die das Triggersignal bildenden elektrischen Signale zuvor mittels eines
Digital/Analogwandlers in analoge Signale gewandelt. Die gesamte Filterung und Frequenz- und Amplitudenselektion des Schallspektrums kann auf diese Weise in digitaler Form erfolgen, so dass die Menge an zu verarbeitenden Daten weiter reduziert werden kann.
Bei einer ersten Variante der Erfindung werden als Sensoren Schallwandler verwendet, die ein Luftschallspektrum des Prüfobjekts erfassen. Als Schallwandler können insbesondere ein oder mehrere Mikrofone verwendet werden, die vorzugsweise eine Richtcharakteristik aufweisen. Damit lassen sich einfache und kostengünstige Messaufbauten realisieren, die zur Erzeugung von zuverlässigen Steuersignalen geeignet sind.
Eine zweite Variante sieht die alternative oder zusätzliche Verwendung von Körperschallsensoren vor, die vor einer Funktionssimulation mit dem Prüfobjekt in Kontakt gebracht werden. Hierzu eignet sich insbesondere eine Stelleinrichtung, mittels derer jeweils ein Körperschallsensor an einem Messpunkt aufgesetzt wird. Je nach typischerweise auftretenden Fehlerereignissen kann ein Körperschallsensor ausreichend sein. Treten bestimmte typische Fehler an mehreren voneinander entfernten Stellen des Prüfobjekts auf, kann es sinnvoll sein, dort jeweils einen Körperschallsensor aufzusetzen. Vorzugsweise werden die Stelleinrichtungen automatisch angesteuert, so dass die Sensoren vor dem Messdurchgang automatisch aufgesetzt und nach dem Messdurchgang wieder automatisch abgehoben werden.
Die Signale jedes Sensors können einzeln verarbeitet werden. Die Signale mehrerer Sensoren können jedoch auch zusammengeführt und in der nachfolgenden Auswerte- und Verstärkereinheit gemeinsam verarbeitet werden. Meist ist es nicht notwendig, die Signale getrennt zu verarbeiten, da einem typischen Fehlerort jeweils ein Schallwandler bzw. Körperschallsensor zugeordnet sein kann, der ein individuelles Frequenz- und Amplitudenfenster ausgeben soll. Da sich die Fenster nicht unbedingt überschneiden, ist keine getrennte Verarbeitung der Signale von mehreren Wandlern erforderlich. Aus Gründen der Einfachheit können als Schallwandler handelsübliche Mikrofone verwendet werden. Eine sinnvolle Variante könnte darin bestehen, bereits in den Schallwandlern eine Filterung vorzusehen, da typischerweise nur sehr begrenzte Frequenzbereiche zu verar- beiten sind. Allerdings käme dann keine Verwendung von handelsüblichen und damit relativ kostengünstigen Mikrofonen mehr in Frage.
Eine besonders bevorzugte Ausführungsform sieht vor, dass das Prüfobjekt und der wenigstens eine Schallwandler während des Prüfablaufs in einem schalldämmenden Raum angeordnet sind. Der schalldämmende Raum kann insbesondere eine schalldämmende bzw. schalltote Kabine oder Kammer sein, die vorzugsweise während des Prüfab- laufs, d.h. während der Funktionssimulation des Prüfobjekts durch Klappen oder dgl. verschlossen wird. Während der Qualitätskontrolle in einer Fertigung kann eine solche Schallkabine in eine Fördereinrichtung integriert werden, so dass alle Prüfobjekte nacheinander die Schallkabine passieren. Nachdem das Prüfobjekt in die Schallkabine eingefahren ist, kann diese allseitig verschlossen werden, so dass keine fremden Schallanteile die nachfolgende Messung verfälschen. Während eines Funktionstests wird ein typischer Bewegungsablauf des komplexen beweglichen Prüflings durchlaufen. Dies kann bei einer Schiebedacheinheit insbesondere ein vollständiger Öffnungs- und Schließvorgang sein. Das hierbei mittels des Mikrofons bzw. der Mikrofone und/oder der Körperschallsensoren aufgenommene Schallspektrum wird der beschriebenen Analyse unterzogen, woraus ein eindeutiges Fehlersignal gewonnen werden kann.
Eine weitere bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass die von den Sensoren bzw. Schallwandlern gelieferten und/oder bereits aufbereiteten elektrischen Signale zusätzlich zwischengespeichert werden um sie bei Bedarf entweder zu archivieren und/oder zusätzlich einem Hörtest durch eine Prüfperson zugänglich zu machen. Auf diese Weise können die zwischengespeicherten Signale zur Verifizierung eines Fehler wiederholt über Lautsprecher bzw. Kopfhörer wiedergegeben werden, so dass eine nochmalige Überprüfung des aufgenommenen Schallspektrums bzw. des einzeln selektierten Fehlersignals durch eine Prüfperson ermöglicht ist.
Die zuvor anhand des erfindungsgemäßen Verfahrens beschriebenen Vorteile und Varianten beziehen sich in gleicher Weise auf die entsprechende Vorrichtung gemäß Patentanspruch 14. Mit dieser Vorrichtung kann das erfindungsgemäße Verfahren gemäß Anspruch 1 durchgeführt werden.
Ein besonderer Vorteil der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist deren einfacher und kostengünstiger Aufbau. Es werden lediglich wenige Standardkomponenten benötigt, die leicht verfügbar sind. Die Signalverarbeitung stellt keine hohen Anforderungen an die Rechenleistung. Insbesondere werden keine aufwendigen Datenverarbeitungsanlagen benötigt. Die zur Verfügung gestellten Schnittstellen liefern im einfachsten Fall ein Schaltsignal,
so dass keinerlei aufwendige Anpassungsarbeiten zur Integration der Diagnoseeinrichtung in einen existierenden Fertigungsablauf erforderlich sind. Als Sensoren eignen sich relativ einfach aufgebaute und kostengünstige Mikrofone bzw. Körperschallsensoren. Diese müssen weder einen besonders linearen Frequenzgang aufweisen, noch müssen sie geeicht sein. Es ist nicht einmal notwendig, dass die Sensoren eine geringe Streuung bzw. Abweichung hinsichtlich ihrer Wandlereigenschaften aufweisen, da größere Abweichungen durch die Art der erfindungsgemäßen Signalverarbeitung und -filterung problemlos ausgeglichen werden können. Als kostengünstige Körperschallsensoren eignen sich bspw. Tonabnehmer für elektroakustische Gitarren o. dgl.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand bevorzugter Ausführungsbeispiele unter
Bezugnahme auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Dabei zeigt:
Figur 1 eine schematische Perspektivdarstellung eines Prüfobjekts während eines Prüfdurchlaufs,
Figur 2 ein Messaufbau zur Erfassung von Luft- bzw. Körperschallemissionen am Beispiel eines Kraftfahrzeug-Schiebedachs,
Figur 3 ein schematisches Blockschaltbild einer erfindungsgemäßen Prüfvorrichtung in einer einfachen Variante,
Figur 4 ein schematisches Blockschaltbild der erfindungsgemäßen Prüfvorrichtung in detaillierterer Ausgestaltung,
Figur 5 ein Diagramm zur Verdeutlichung einer erfindungsgemäßen Filterstrategie und
Figur 6 eine weitere Variante der erfindungsgemäßen Prüfvorrichtung mit zusätzlichen Komponenten zur Aufzeichnung von Fehlerereignissen.
Figur 1 verdeutlicht einen schematischen Versuchsauf bau, bei dem ein Dachmo- dul 10 mit einem darin angeordneten elektrisch beweglichen Schiebedachsegment 12 einem Funktionstest unterzogen wird. Das Dachmodul 10 ist zum Einbau in ein Kraftfahrzeug (nicht dargestellt) vorgesehen. Das Dachmodul 10 mit dem beweglichen Schiebedachsegment 12 stellt im vorliegenden Ausführungsbeispiel das auf vorliegende Fehler hin zu untersuchende Prüfobjekt im Sinne der Erfindung dar. Im gezeigten Ausführungs-
beispiel wird das Dachmodul 10 mittels einer Fördereinrichtung 8 transportiert, die Teil einer Fließbandfertigung sein kann. Das in Figur 1 gezeigte Dachmodul 10 kann bspw. Teil eines Fahrzeugdachs sein, das im lackierten Zustand an den Fahrzeughersteller ausgeliefert wird. Der Versuchsaufbau kann in gleicher Weise zur Fehleranalyse einer Schiebedacheinheit entsprechend Figur 2 verwendet werden.
Zur Diagnose seiner einwandfreien Funktion durchläuft das Dachmodul 10 einen schalldämmenden Raum, insbesondere eine Schallkabine 14 oder dgl., die durch front- und rückseitige Klappen 16 verschließbar gemacht werden kann, so dass die im Inneren der Schallkabine angeordnete Messeinrichtung nicht durch Umgebungsgeräusche beein- flusst wird. Die Klappen 16 können bspw. verschwenkt oder verschoben werden. Vorzugsweise erfolgt das Öffnen und Schließen der Klappen 16 mittels einer automatischen Steuerung, die insbesondere mit einer Fertigungssteuerung gekoppelt sein kann.
Vorzugsweise weist die Schallkabine 14 eine ausreichende Dämmung auf, um Umgebungsgeräusche so weitgehend von der Messumgebung im Inneren der Kabine abzuschirmen, dass keine signifikante Messwertverfälschung auftreten kann. Ggf. kann die Schallkabine 14 als sog. schalltoter Raum ausgebildet werden.
Eine Messung des relevanten Geräuschspektrums erfolgt derart, dass während eines vollständigen Bewegungsablaufs des Schiebedachsegments 12 das dabei entstehende Geräusch erfasst wird. Die Erfassung erfolgt im gezeigten Ausführungsbeispiel durch mehrere Schallwandler bzw. Mikrofone 18, welche den aufgenommenen Schall in elektrische Signale wandeln. Die gewandelten elektrischen Signale werden anschließend einer Verstärkung, Filterung und Analyse unterzogen (vgl. Figuren 3 bis 6), woraus ein Triggersignal oder mehrere entsprechende Triggersignale zur Kennzeichnung eines defekten oder fehlerbehafteten Schiebedachs und/oder zur anderweitigen Fertigungssteue- rung generiert werden.
In einer einfachsten Variante kann auch ein einziges Mikrofon 18 zur Aufnahme eines Geräusch- bzw. Luftschallspektrums des Prüfobjekts vorgesehen sein. Je nach Komplexität des Prüfobjekts, der lokalen Konzentration der Geräuschquellen und der bekannten Anzahl von unterschiedlichen Geräuschereignissen kann die Anzahl der verwen- deten Schallwandler variiert werden.
Je nach äußerer Umgebung und typischem Frequenzspektrum der zu analysierenden Schallabstrahlung kann auf die Schallkabine 14 ggf. auch verzichtet werden. Allerdings muss dann gewährleistet sein, dass die Umgebungsgeräusche nicht das Messergebnis zu stark beeinträchtigen und verfälschen können.
Figur 2 zeigt eine alternative Messanordnung, bei der an einem Dachrahmen 101 einer Schiebedacheinheit mehrere Körperschallsensoren 19 angeordnet sind, die alternativ oder zusätzlich zu den Mikrofonen vorgesehen sein können. Bei einem vollständigen Bewegungsablauf des Schiebedachsegments 12 im Dachrahmen 101 werden die Luftschall- und/oder Körperschallspektren aufgenommen und zur Erkennung von möglichen Fehlern analysiert. Solche Fehler können insbesondere in einer starken Geräuschentwicklung im Antriebsmotor 121 bzw. im Getriebe 122 liegen, das für einen Vorschub von Antriebskabeln 123 sorgt, die jeweils umgelenkt und mittels Fixierungen 124 am Schiebedachsegment 124 verankert sind. An diesen Umlenkstellen können ebenfalls Geräusche auftreten, die als Fehler erkannt werden. Weitere typische Geräuschquellen liegen in den Führungen der Antriebskabel 123, die bspw. mangelhaft entgratet sein oder eine zu geringe Schmiermittelmenge aufweisen können.
Bei gleichzeitiger Luft- und Körperschallmessung mit jeweils mehreren Messaufnehmern (Mikrofon 18, Körperschallsensor 19) wird ein spezifisches Fehlersignal vorzugsweise dann ausgelöst, wenn gleichzeitig ein Luft- und ein Körperschallsignal geliefert werden, die jeweils dem gleichen Messort zugeordnet sind. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass Störgeräusche zu einem falschen Fehlersignal führen. Dies kann bspw. dann der Fall sein, wenn zu einer bestimmten Zeit eine Körperschallmessung ein Fehlersignal liefert, die vom Prüfobjekt stammt und wenn gleichzeitig ein Luftschallsignal erfasst wird, das nicht vom Prüfobjekt geliefert wird sondern das bspw. aus der Umge- bung auf den Sensor trifft. Diese „UND-Verknüpfung" der beiden Schallsignale erhöht die Messgenauigkeit und liefert zuverlässigere Fehlersignale.
Die gezeigten Versuchsaufbauten entsprechend den Figuren 1 und 2 sind als Alternativen oder als Kombinationen zu verstehen. So kann eine reine Luftschallmessung gemäß Figur 1 in vielen Anwendungsfällen ausreichen. Je nach Umgebungsbedingungen der Fertigung kann hierbei ggf. auf die Schallkabine 14 verzichtet werden, insbesondere bei Verwendung von Mikrofonen 18 mit starker Richtcharakteristik und bei lokal sehr begrenzten Geräuschquellen. Die in Figur 2 gezeigten Körperschallsensoren 19 können
wahlweise anstelle der Mikrofone 18 oder zusätzlich zu diesen eingesetzt werden. Bei einer Konfiguration mit Mikrofonen 18 und Körperschallsensoren 19 kann in vielen Fällen auf eine zusätzliche Schalldämmung verzichtet werden.
Figur 3 zeigt eine erfindungsgemäße Diagnosevorrichtung in einem vereinfachten Prinzipschaltbild. Ein Schallsignal 20, 21 wird mit einem Sensor aufgenommen und in ein elektrisches Signal 22 gewandelt, in einer ersten Verstärkerstufe 24 verstärkt und in einer zweiten Verstärker- bzw. Signalverarbeitungsstufe 26 verstärkt, gefiltert und/oder anderweitig beeinflusst, woraus ein Triggersignal 28 zur Ansteuerung eines Schalters 30 oder Relais o. dgl. gebildet wird. Das Signal des Schalters wird pauschal als Schaltsignal 32 bezeichnet. Die zweite Verstärkerstufe 26 kann insbesondere eine frequenz- bzw. ampli- tudenbereichs-individuelle Verstärkung und/oder Filterung bewirken, wodurch bestimmte, vorher bekannte Fehler als bestimmte und voneinander abgrenzbare Schallereignisse erkannt und selektiert werden können. Das Schaltsignal 32 des Schalters 30 bzw. des Relais kann die unterschiedlichsten Funktionen beeinflussen. Es kann bspw. als Teil einer Fertigungssteuerung aufgefasst werden oder in einer einfachsten Form ein optisches oder akustisches Warnsignal auslösen. Eine sinnvolle Variante besteht bspw. darin, das Prüfobjekt mit einem uncodierten oder mit einem codierten Aufkleber zu versehen. Ein codierter Aufkleber kann insbesondere mit einem Barcode versehen sein, worin Informationen über die erkannten Fehler enthalten sind.
Das Schallsignal kann ein Luftschallsignal 20 und/oder ein Körperschallsignal 21 sein. Der Sensor kann ein Schallwandler, insbesondere ein Mikrofon 18 bzw. ein Körperschallsensor 19 sein.
Figur 4 zeigt eine erweiterte Schaltung der erfindungsgemäßen Diagnose- und Prüfvorrichtung, bei der die elektrischen Signale 22 des Mikrofons 18 bzw. der Mikrofone 18 bzw. des/der Körperschallsensoren 19 nach einer ersten Verstärkung in der ersten Verstärkerstufe 24 - bspw. einem Operationsverstärker o. dgl. - in einer A/D- Wanderschaltung 34 einer Analog/Digital-Wandlung unterzogen werden, woraus in einer nachgeschalteten ersten Filterstufe 36 die digitalen Signale hochpass- und/oder tiefpass- gefiltert und ggf. frequenzbereichs-individuell und/oder amplitudenbereichs-individuell verstärkt werden.
Ein typisches Signal kann nach Durchlaufen der ersten Verstärkerstufe auf einen Frequenzbereich zwischen ca. 800 Hz und ca. 3 bis 5 kHz eingegrenzt sein. Dieser eingeschränkte Frequenzbereich kann dann um ca. 20 dB verstärkt werden. Wahlweise kann auch eine schmalbandigere Verstärkung um ca. 20 dB in Frequenzbereichen erfolgen, in denen die vorher definierten zu erfassenden Fehlergeräusche liegen. Die Stufe zur fre- quenzbereichs-individuellen Verstärkung wird typischerweise als Equalizer bezeichnet.
In einer nachgeschalteten zweiten Filterstufe 38 - einem sog. Noise-Gate - werden bestimmte Frequenz- und Amplitudenbereiche des gefilterten digitalen Signals ausgewählt und bestimmten Fehlerereignissen zugeordnet, woraus in einer nachgeschalteten Matrixschaltung 40 individuelle Ereignissignale generiert werden können. Eine nachgeschaltete D/A-Wandlerschaltung 42 sorgt für eine Digital/Analog-Wandlung des digitalen Signals in ein analoges Signal, das bereits als Schaltsignal 32 oder das zur Bildung eines Triggersignals 44 in einem Schwellwertschalter 46 verwendet werden kann. Das Triggersignal 44 kann für die verschiedensten Zwecke eingesetzt werden, bspw. zur Ansteue- rung von Relais oder anderen elektronischen oder mechanischen Schaltern. Der Schwellwertschalter sorgt dafür, dass aus dem Triggersignal 44 ein definiertes Schaltsignal gebildet wird.
Die Wirkungsweise der zweiten Filterstufe 38 - des sog. Noise-Gate - wird anhand der Figur 5 näher veranschaulicht. Auf der horizontalen Achse ist eine Frequenz f des gefilterten digitalen Signals 48 und auf der vertikalen Achse dessen Amplitude A nach einer Verstärkung von relevanten Frequenzbereichen aufgetragen. Aus dem in Figur 4 gezeigten begrenzten Ausschnitt eines breiteren Frequenzbereichs wird mit Hilfe der zweiten Filterstufe 38 eine weitere Selektion mit Hilfe von begrenzten Bereichen 50 und 52 durchgeführt. Diese Selektion stellt eine engere amplitudenbereichs- und frequenzbe- reichs-selektive Auswahl aus dem größeren Frequenz- und Amplitudenbereich des die erste Filterstufe 36 verlassenden digitalen Signals 48 dar. Wird ein Signal innerhalb der Bereiche 50 bzw. 52 erkannt, wird daraus ein Fehlersignal erzeugt.
Im gezeigten Ausführungsbeispiel sind lediglich zwei zu selektierende Bereiche gezeigt. Die Anzahl der in der zweiten Verstärkerstufe 38 definierten Bereiche hängt in der Praxis von der Anzahl der vorher in Versuchen bestimmten und eindeutig zuordenbaren Fehlerfrequenzen ab, die von individuellen Fehlergeräuschen stammen.
Die in den jeweiligen Bereichen 50 bzw. 52 erfassten Signale können mit Hilfe der programmierbaren oder fest eingestellten Matrixschaltung 40 verschiedenen Schaltsignalen zugeordnet werden. Auf diese Weise ist bereits bei der Analyse eine Festlegung der erkannten Fehler möglich. Fehlt die Zuordnungsmatrix, kann zumindest angezeigt wer- den, dass ein Fehler vorliegt. Eine Trennung verschiedener Fehler voneinander findet in diesem Fall nicht statt.
Die Schaltung der Figur 4 berücksichtigt lediglich die Signalverarbeitung eines Sensors. Sind mehrere Sensoren vorhanden, können deren Signale 22 entweder in jeweils gleichartigen Schaltungen parallel verarbeitet oder bereits in der ersten Verstärker- stufe 24 zusammen geführt werden.
Figur 6 zeigt schließlich eine zusätzliche Variante zur erfindungsgemäßen Diagnoseschaltung, die auf die vereinfachte Schaltung der Figur 3 Bezug nimmt und bei der die dem Verstärker 24 nachgeordneten Stufen der Einfachheit halber als Verarbeitungsschaltung 54 bezeichnet werden. Bei dieser Variante können die vom Mikrofon 18 bzw. vom Körperschallsensor 19 gewandelten elektrischen Signale 22 zusätzlich mittels einer Aufnahmeeinrichtung 56 aufgezeichnet werden, um sie später über einen Schallwandler - bspw. einen Lautsprecher 58 oder einen Kopfhörer - nochmals wiedergeben zu können. Auf diese Weise kann der festgestellte Fehler nochmals von einer Prüfperson verifiziert werden, um sicherzugehen, dass tatsächlich ein Fehler vorliegt bzw. um welchen Fehler es sich handelt.
Die Aufnahmevorrichtung 56 speichert vorzugsweise alle von den Mikrofonen 18 bzw. von den Körperschallsensoren 19 gewandelten Signale 22 in einem Zwischenspeicher ab, der regelmäßig überschrieben wird. Vorzugsweise wird der Speicherinhalt des Zwischenspeichers nur dann dauerhaft abgespeichert, wenn von der Schalteinrichtung 30 ein entsprechendes Auslösesignal 32a geliefert wird.
Das erfindungsgemäße Diagnose- und Prüfverfahren bzw. die entsprechende Vorrichtung eignet sich grundsätzlich zur schallgestützten Prüfung aller beweglichen Prüfobjekte, bei denen ein Zusammenhang zwischen einer Fehlfunktion bzw. eines Qualitätsmangels und einer bestimmten Veränderung in ihrem Geräuschspektrum besteht. Fehler oder Qualitätsmängel, die keine Veränderung einer Schallabstrahlung bewirken, können mittels des beschriebenen Verfahrens nicht erkannt werden.
Es versteht sich für den Fachmann von selbst, dass die beschriebene Filterung und frequenzbereichs-individuelle Verstärkung nicht unbedingt notwendig ist, sondern dass auch komplexere Geräuschspektren mit einem Sollsignal verglichen werden können. Allerdings bedingen solche Vergleiche von breitband igeren Signalen gegenüber dem beschriebenen Verfahren einen deutlich erhöhten Rechen- und Verarbeitungsaufwand. Dagegen liegt ein wesentlicher Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens in der dafür notwendigen äußerst kompakten und „schlanken" Verarbeitungsschaltung. Die notwendigen Funktionen können problemlos mittels weniger integrierter Schaltungen dargestellt werden, die kostengünstig verfügbar und miteinander verschaltbar sind.