Festionenleiter für wiederaufladbare elektrochemische Batteriezellen
Die Erfindung betrifft einen Festionenleiter für eine nichtwässrige wiederaufladbare elektrochemische Batteriezelle mit einer positiven und einer negativen Elektrode und die aus mindestens einer Batteriezelle aufgebaute Batterie. Festionenleiter werden in der Literatur auch als Feststoffelektrolyt oder Festelektrolyt bezeichnet.
Wiederaufladbare Batterien sind auf vielen technischen Gebieten von großer Bedeutung. Vielfach werden sie für mobile Anwendungen eingesetzt, wie beispielsweise Mobiltelefone, Notebooks und Elektrofahrzeuge.
Daneben gibt es einen großen Bedarf an Batterien für stationäre Anwendungen, wie
Netzstabilisierung, Netzpufferung und dezentrale Energieversorgung.
Es besteht ein hohes Bedürfnis nach verbesserten wiederaufladbaren Batterien, die insbesondere folgende Anforderungen erfüllen:
Sicherheit durch Nichtbrennbarkeit;
Langlebigkeit, d.h. hohe kalendarische Lebensdauer;
hohe Zyklen-Lebensdauer, d.h. eine sehr hohe Zahl nutzbarer Lade- und
Entladezyklen, auch bei hohen entnehmbaren Strömen, d.h. bei hoher Leistungsdichte; hoher Energiewirkungsgrad über die gesamte Lebensdauer;
sehr gute elektrische Leistungsdaten, insbesondere hohe spezifische Energie (Wh/kg) bzw.
hohe Energiedichte (Wh/l) bei gleichzeitig hoher Leistungsdichte (W/l);
bei Raumtemperatur einen möglichst kleinen Innendruck in der Zelle, um auch bei höheren Temperaturen betreibbar zu sein;
möglichst niedrigen Innenwiderstand auch bei tiefen Temperaturen, um eine hohe Leistungsdichte zu gewährleisten;
möglichst niedrige Herstellungskosten, d.h. bevorzugte Verwendung kostengünstiger und gut verfügbarer Materialien; und
niedrige Kosten pro aus der Batterie entnommener Kilowattstunde.
Aus der WO 00/79631 sind wiederaufladbare Batterien bekannt, die insbesondere zum Erreichen der Nichtbrennbarkeit flüssige schwefeldioxidhaltige Elektrolyte enthalten.
Derartige Batterien sind unter anderem auch beschrieben in der WO2015/067795 und der W02005031908, in der Lithiumkobaltoxid beziehungsweise Lithiumeisenphosphat als aktives Metall vorgeschlagen sind. Dabei wird insbesondere ein aus
Lithiumtetrachloroaluminat (LiAlCU) und Schwefeldioxid (S02) gebildetes flüssiges Solvat (LiAlCU x n S02) als Elektrolyt verwendet, wobei bei der Solvatationszahl n = 1,5 der Dampfdruck des SO2 unter 0,1 Bar und bei n>=4,5 über 2 Bar liegt. Das Zeichen x steht in dieser und den nachfolgenden stöchiometrischen Formeln für eine Multiplikation. Die Solvatationszahl n ist dabei ein Element der positiven reellen Zahlen. Derartige S02-haltige Elektrolyte können in herkömmlicher Weise aus Lithiumchlorid, Aluminiumchlorid und Schwefeldioxid hergestellt werden. Die zugehörigen Herstellungsverfahren zielen insbesondere auf die Trockenheit des erhaltenen flüssigen Elektrolyten, d.h. der erzeugte Elektrolyt soll möglichst wenig Wasser in jeglicher Form, auch chemisch umgesetztes Wasser, enthalten. Dies erfordert insbesondere aufwendige Verfahren zur Trocknung von bei der Herstellung beteiligten Stoffen, insbesondere des stark hygroskopischen Lithiumchlorids oder von Mischungen bzw. Schmelzen von Lithiumchlorid und Aluminiumchlorid.
In der Literatur (Dissertation Koslowski, Bemd-F.:„Röntgenographische und
schwingungsspektroskopische Untersuchungen an Solvaten des Typs MA1C14/S02 [MA1C1- SO] (M= Li, Na) und deren W echselwirkungen mit Aromaten“, Hannover, Univ., Fak. für Mathematik u. Naturwiss., Diss., 1980) werden flüssige Solvate aus LiAlCU und n SO2 beschrieben, die bei einem bestimmten n und bei einer definierten Temperatur als feste Solvate Kristalle bilden und damit aus der Lösung ausfallen. Beispielhaft sei das LiAlCU x 3,0 SO2 genannt, dass bei ca. 29°C auskristallisieren kann bzw. wieder schmilzt. Bei diesen festen Solvaten des Lithiumtetrachloroaluminats mit Schwefeldioxid ist jedoch praktisch keine ionische Leitfähigkeit nachweisbar.
In einem flüssigen S02-haltigen Elektrolyten aus Lithiumtetrachloroaluminat und
Schwefeldioxid werden Elektrodenpotentiale gegen metallisches Lithium (vs. Li/Li+) gemessen, welches in den flüssigen Elektrolyten eintaucht.
Wie in der WO2017/178543 Al beschrieben, findet bei derartigen Batteriezellen mit einem flüssigen S02-haltigen Elektrolyten auf der Oberfläche einer negativen Elektrode, also
beispielsweise auf der Oberfläche von Graphit, eine Reduktion von Schwefeldioxid zu Lithiumdithionit bei Potentialen von kleiner gleich 3 V vs. Li/Li+ statt. Eine solche
Deckschicht aus Lithiumdithionit ist stabil bis in die Lithiumabscheidung. Wird jedoch das Lithiumdithionit dieser Schicht chemisch umgesetzt, so bildet es sich durch Reduktion von Schwefeldioxid auf der Oberfläche der negativen Elektrode sofort nach, solange das Potential der negativen Elektrode kleiner als ca. 3,0 Volt vs. Li/Li+ ist.
Diese als Selbstentladereaktion bezeichnete Umsetzung des Lithiumdithionits startet mit der Autodissoziation des Anions des gelösten Leitsalzes und führt dann zu einem Verbrauch von Lithiumionen, Ladungsmengen, Schwefeldioxid und Tetrachloroaluminationen. Um sicherzustellen, dass über die Lebensdauer einer solchen herkömmlichen Batteriezelle ausreichend flüssiger Elektrolyt in der Batteriezelle vorhanden ist, wird eine solche herkömmliche Batterie initial mit einer entsprechend großen Menge an flüssigem Elektrolyten befällt.
Die oben beschriebene Selbstentladereaktion bewirkt, dass Batterien, die mit LiAlCU x n S02 als flüssigem Elektrolyt befällt wurden, bereits ab dem ersten Ladezyklus einem sehr hohen Kapazitätsverlust unterliegen. In solche herkömmlichen Batterien wird schon bei der
Produktion aufgrund dieser Reaktion und des damit einhergehenden Verbrauchs an
Lithiumionen bzw. Ladungsmenge in der Regel mehr aktive positive Masse als aktive negative Masse, üblicherweise die doppelte Menge, eingebracht. Die Selbstentladereaktion fährt dazu, dass sich die Kapazität einer solchen herkömmlichen Batterie schon in den ersten Zyklen nahezu halbiert. Aus diesem Grunde werden derartige Batterien häufig vor dem Inverkehrbringen gezykelt, d.h. geladen und entladen, sodass die vorgezykelten Batterien den großen Kapazitätsabfall nicht mehr aufweisen. Die verbleibende Kapazität solcher bereits vorgezykelten Batterien wird häufig dann als 100% oder Nennkapazität definiert. In den weiteren Lade- und Entladezyklen fällt die Kapazität dann über mehr als 50.000 Zyklen bis auf einen Grenzwert von z.B. 30% der Nennkapazität. Der Innenwiderstand der Batterie steigt ab dem ersten Laden während des gesamten Zykelns nur geringfügig an.
Nach Erkenntnis des Erfinders läuft mit der Kapazitätsabnahme die folgende
Gesamtbruttoreaktion ab:
6 Li+ + 6 Q + 1 S02 + 2 Li+ + 2 AICU => Li+ +AISCI2 · + LiAI02 + 6 LiCI (Gl. I)
Dabei stellt sich mit der Zeit ein Gleichgewicht zwischen dem ausfallenden Lithiumaluminat (LiAlCU) und dem zunächst gebildeten und im Elektrolyten gelösten
Lithiumoxodichloroaluminaten (LiAlOCU) und dem im Elektrolyten gelösten
Lithiumtetrachloroaluminat (LiAlCU) ein:
2 Li+ + 2 AIOCI2- LiAI02 + Li+ + AICU (Gl. II)
Aus der Kalkulation der Kapazitätsabnahme der oben beschriebenen gezykelten Batterien ergibt sich, dass die Reaktion so lange abläuft, bis alle Tetrachloroaluminat-Ionen (A1CU ) umgesetzt sind. Nach (Gl. II) liegen nach dem Verbrauch der Tetrachloroaluminat-Ionen keine mäßig löslichen Oxodichloroaluminate mehr vor, vielmehr sind diese vollständig zu dem unlöslichen Lithiumaluminat umgesetzt worden.
Um die Kapazitätsabnahme wegen des Umsatzes von allen Tetrachloroaluminat-Ionen relativ klein zu halten, wird deshalb ein schwefeldioxidreicher flüssiger Elektrolyt, z.B. LiAlCU x 6 S02, eingefüllt, der einen bei Raumtemperatur entsprechend hohen Dampfdruck des
Schwefeldioxids von mehreren Bar besitzt.
Ausgehend von diesen Nachteilen des Standes der Technik liegt der Erfindung das Problem zugrunde, einen Festionenleiter als festen Elektrolyten für eine Batteriezelle zur Verfügung zu stellen, der die im Zusammenhang mit dem Stand der Technik beschriebenen Probleme löst oder zumindest vermindert.
Erfindungsgemäß wird dies durch die in den unabhängigen Ansprüchen definierten
Gegenstände erreicht, wobei bevorzugte Ausführungsformen in den abhängigen Ansprüchen angegeben sind.
Im Folgenden wird die Erfindung anhand der beigefügten schematischen Figur näher beschrieben, dabei zeigt
Fig. 1 ein Schema einer wiederaufladbaren Batterie.
Figur 1 zeigt ein Schema einer wiederaufladbaren Batterie 1 mit einem Gehäuse 2 und mindestens einer Batteriezelle 3, die eine positive Elektrode 4 und eine negative Elektrode 5 aufweist. Die Elektroden 4 beziehungsweise 5 sind über ein jeweiliges Ableitelement über in der Batterietechnik übliche Elektrodenanschlüsse mit Anschlusskontakten 7 und 8 verbunden, über welche die Batterie geladen oder entladen werden kann. Weiterhin umfasst die
Batteriezelle mindestens den nachfolgend beschriebenen Festionenleiter als Elektro lyten.
Ein Festionenleiter ist ein Feststoff, in dem mindestens eine Ionensorte so beweglich ist, dass ein durch diese Ionen getragener elektrischer Strom fließen kann. Festionenleiter sind elektrisch leitend, aber sie haben im Gegensatz zu Metallen keine oder nur eine geringe elektronische Leitfähigkeit.
Überraschender Weise hat sich gezeigt, dass einige feste, Schwefeldioxid enthaltende Verbindungen, insbesondere das bevorzugte Schwefeldioxid enthaltende
Lithiumthiodichloroaluminat (LiAlSCb x q S02), gute Festionenleiter sind und eine vergleichbar hohe Lithiumionenleitfähigkeit besitzen wie die flüssigen S02-haltigen
Elektrolyte. Die S02-enthaltenden Festionenleiter weisen einen niedrigen S02-Druck, eine gute Anbindung der aktiven Komponenten sowie ein deutlich geringeres Freisetzen von Schwefeldioxid bzw. mit Feuchtigkeit heftig reagierenden Elektrolytkomponenten
beispielsweise beim Öffnen von Batteriezellen auf, sodass Batteriezellen mit einem solchen Festionenleiter eine inhärente Sicherheit aufweisen.
Aktive positive Massen können beliebig sein, bevorzugt können Lithiummetalloxide, wie LiCoCb, LiNiFeCoCk oder LnMOx oder alternativ Lithiummetallphosphate, wie LiFePCk, oder alternativ Lithiumsulfid, also Li2S, eingesetzt werden, wobei Lithiumsulfid wegen der hohen Energiedichte besonders bevorzugt ist. Ebenso kann die aktive negative Masse beliebig sein, bevorzugt kann Graphit, eine andere Kohlenstoffart, Lithiumtitanoxid (Li4Ti50i2, LTO) oder Silizium (Si) eingesetzt werden.
Die Batteriezelle enthält in einer ersten Ausführungsform einen Festionenleiter mit der stöchiometrischen Formel [K(ASX2)P x q S02] In einer zweiten Ausführungsform enthält die Batteriezelle einen Festionenleiter mit der stöchiometrischen Formel
[K(ASXX')P x q S02] In beiden Ausführungsformen steht dabei die Abkürzung K für ein Kation aus der Gruppe der Alkalimetalle (insbesondere Li, Na, K, Rb, Cs) oder der
Erdalkalimetalle (insbesondere Be, Mg, Ca, Sr, Ba) oder der Zinkgruppe (d.h. der zwölften Gruppe des Periodensystems, insbesondere Zn, Cd, Hg). In dem Fall, dass K aus der Gruppe der Alkalimetalle gewählt ist, ist p=l. In dem Fall, dass K aus der Gruppe der
Erdalkalimetalle oder aus der Zinkgruppe gewählt ist, ist p=2. Die Abkürzung A steht dabei für ein Element aus der dritten Hauptgruppe des Periodensystems, insbesondere Bor,
Aluminium, Gallium, Indium oder Thallium. Die Abkürzung S steht für Schwefel, Selen oder Tellur, wobei das S in S02 nur für Schwefel steht. Die Zahl q ist ein Element der positiven reellen Zahlen. Sowohl in der ersten wie auch der zweiten Ausführungsform des
Festionenleiters steht X (ohne Strich) für ein Halogen, insbesondere Fluor, Chlor, Brom oder Jod. Das X' in der stöchiometrischen Formel des Festionenleiters der zweiten
Ausführungsform steht dabei ebenfalls für ein Halogen, insbesondere Fluor, Chlor, Brom oder Jod, ist dabei jedoch ein von dem Halogen X (ohne Strich) verschiedenes Halogen, sodass der Festionenleiter der zweiten Ausführungsform eine Kombination zweier verschiedener Halogene aufweist.
In beiden Ausführungsformen ist bevorzugt, dass K für Fi steht. In der ersten
Ausführungsform ist besonders bevorzugt, dass der Festionenleiter die stöchiometrische Formel LiAlSCb x q S02 hat, d.h. der Festionenleiter ist bevorzugt ein festes, Schwefeldioxid enthaltendes Fithiumthiodichloroaluminat.
Ohne Einschränkung der Allgemeinheit werden im Folgenden Merkmale des Festionenleiters am ersten Ausführungsbeispiel des festen, Schwefeldioxid enthaltenden
Fithiumthiodichloroaluminats erläutert, wobei die Erläuterungen ebenso für einen
Festionenleiter gemäß der zweiten Ausführungsform gelten.
Überraschenderweise nimmt der Festionenleiter Schwefeldioxid auf und gibt diesen wieder ab, sodass der Festionenleiter das Schwefeldioxid reversibel aufnimmt. Denn in Abhängigkeit von Temperatur und Schwefeldioxiddruck nimmt das feste, Schwefeldioxid enthaltende Fithiumthiodichloroaluminat solange Schwefeldioxid auf, bzw. gibt Schwefeldioxid wieder ab, bis sich ein Gleichgewicht mit einer festen Schwefeldioxidzahl q eingestellt hat, wobei q abhängig von Druck und Temperatur ist. Die Aufnahme und Abgabe des SO2 durch den Festionenleiter erfolgt nach den Ergebnissen des Erfinders damit reversibel, wobei die Schwefeldioxidzahl q im Festionenleiter auf beliebige positive Werte eingestellt werden kann. Der Festionenleiter hat also im Gegensatz zu den festen, nichtionenleitenden Solvaten
LiAlCU x n S02, kein festes n, wie z.B. 1,0; 1,5; 3,0, die bei entsprechender Temperatur als Feststoffe ausfallen. Vielmehr kann nach den bisherigen Erkenntnissen die
Schwefeldioxidzahl q im festen LiAlSCb x q SO2 in einem weiten Bereich nahezu beliebige Werte größer 0 bis q ~ 100 annehmen.
Im Allgemeinen wird die Schwefeldioxidzahl q des Festionenleiters mit abnehmender Temperatur und zunehmendem SCk-Gasdruck größer. Neben der festen Phase des
LiAlSCb x q SO2 können in der Batterie bzw. Batteriezelle während des Betriebs aber auch noch eine Ionen enthaltende flüssige und eine gasförmige SCk-Phase vorliegen, wobei die Ionen z.B. Li+ und AlSCb -Ionen sein können. Die flüssige und die gasförmige SCb-Phase, also das nicht im Festionenleiter gebundene Schwefeldioxid, ist damit freies SO2.
Bei Temperaturen von -l0°C ist der Schwefeldioxiddampfdruck über der flüssigen Phase ca.
1 Bar. Die Löslichkeit des Leitsalzes LiAlSCb sinkt mit abnehmender Temperatur. Da bei einer Temperatur von -30°C in einem Reaktor, der in 5 Mol SO2 circa 0,05 Mol im
Wesentlichen ausgefallenes, festes LiAlSCb x q SO2 enthält, noch eine flüssige Phase vorhanden ist, kann die maximale Schwefeldioxidzahl q mit q < 100 abgeschätzt werden.
So kann die Batteriezelle bzw. Batterie bei l9°C und circa 3 bis 4 Bar SCk-Druck sowohl den reinen Festionenleiter, LiAlSCb x ~4 SO2 , wobei das Zeichen ~ hier circa bedeutet, als auch eine flüssige ca. 0,4 molare Lösung von LiAlSCb sowie eine SCb-Gasphase enthalten.
Wird die flüssige Phase entnommen, so stellt sich ein Gleichgewicht zwischen dem
Festionenleiter und dem gasförmigen SO2 mit einer bei konstanter Temperatur fester
Schwefeldioxidzahl q ein. Mit Absenkung des SCb-Drucks durch Entnahme von gasförmigem SO2 wird dann auch die Schwefeldioxidzahl q im Festionenleiter erniedrigt. Da die Diffusion des Schwefeldioxids im Festionenleiter relativ langsam ist, erfordert die Einstellung des stabilen Gleichgewichts je nach Schichtdicke des Festionenleiters einige Minuten bis mehrere Tage. Es wurde gemessen, dass sich bei l9°C und 3,1 Bar SCk-Gasdruck (also 2,1 Bar über Normaldruck) im Festionenleiter die Schwefeldioxidzahl q = 3,2 einstellt. Der Festionenleiter hat dann also die Formel LiAlSCb x 3,2 SO2. Wird der SCk-Druck in der Gasphase auf 2,5 Bar gesenkt, so liegt bei l9°C ein Festionenleiter mit der Formel LiAlSCb x 2,1 SO2 vor.
Eine weitere Entnahme von gasförmigem SO2 bis auf den Druck von 1,3 Bar führt bei l9°C zu einer Verringerung der Schwefeldioxidzahl auf 1,7, also LiAlSCb x 1,7 SO2.
Wird die im obigen Beispiel zuletzt entnommene Menge an S02 wieder zugeführt, so stellt sich wiederum ein Gleichgewichtsdruck von 2,5 Bar ein und der Festionenleiter besitzt wiederum die Formel LiAlSCb x 2,1 SO2. Eine Erhöhung der Temperatur ohne Änderung der SCh-Menge führt zu einer Erhöhung des SCh-Druckes und einer Abnahme der
Schwefeldioxidzahl, mit LiAlSCb x 1,8 SO2 bei ca. 45°C und einem Druck von 3,5 Bar sowie bei l00°C einem Druck von 4,2 Bar und einem LiAlSCb x 1,5 SO2.
Der Innendruck einer Batteriezelle bzw. Batterie, die frei von flüssiger Elektrolytlösung ist, lässt sich also über die Schwefeldioxidzahl q, d.h. die entsprechende Zugabe bzw. Entnahme von gasförmigem Schwefeldioxid, einstellen. Entsprechend lässt sich wohl auch der ionische Innenwiderstand variieren. Vorzugsweise wird die Schwefeldioxidzahl q so niedrig eingestellt, dass im Betriebstemperaturbereich der Batterie nur der Festionenleiter und gasförmiges Schwefeldioxid vorliegen. Dabei sollte je nach Innenwiderstandserfordemis die Schwefeldioxidzahl q möglichst niedrig sein, um den Innendruck der Batteriezelle bzw.
Batterie möglichst niedrig zu halten. Vorzugsweise wird die SCb-Zahl q so niedrig eingestellt, dass zumindest im Betriebstemperaturbereich und idealerweise im gesamten
Temperaturbereich der Batteriezelle, beispielsweise auch bei bloßer Lagerung der Zelle, gar kein flüssiges Schwefeldioxid, sondern lediglich gasförmiges SO2, also freies SO2, und der Festionenleiter in der Batterie vorliegen.
Daraus ergibt sich, dass die Schwefeldioxidzahl q des LiAlSCb x q SO2, die nach obiger Abschätzung aus Messungen kleiner gleich 100 ist, vorzugsweise kleiner 50, weiterhin bevorzugt kleiner 10, weiterhin bevorzugt kleiner 5, besonders bevorzugt kleiner 2 sein sollte. Bei Raumtemperatur sollte bei einem q = 1,5 in der Batteriezelle der SCk-Druck kleiner als 1 Bar sein, also kein Überdruck mehr vorhanden sein.
Der Festionenleiter reagiert mit elementarem Sauerstoff. Durch molekularen Sauerstoff wird der Schwefel im Lithiumthiodichloroaluminat von der Oxidationsstufe -2 zu elementarem Schwefel oxidiert:
2 LiAlSCb + 02 => L1AIO2 + LiAlCU + 2 S (Gl. III)
Ist genügend Sauerstoff vorhanden, kann auch der feinverteilte Schwefel zu Schwefeldioxid weiteroxidiert werden.
Der Festionenleiter reagiert auch mit 02 -Anionen bzw. 02 -haltigen Substanzen, im
Folgenden O2 -Ionen genannt. Dabei werden zunächst, wenn und solange vorhanden, die Tetrachloroaluminationen umgesetzt, und in der Folge erst der Festionenleiter.
Als Quelle für 02 -Ionen kommen in der Batteriezelle zahlreiche sauerstoffhaltige
Verbindungen in Betracht. Derartige Quellen für 02 -Ionen können beispielsweise direkte Oxide sein, wie z.B. Lithiumoxid Li20, oder Hydroxide, aber auch Wasser sein. 02 -Ionen können auch z.B. reduktiv erzeugt werden, z.B. beim ersten Laden durch Reduktion des Graphits, auf dessen Oberfläche sich beispielsweise Hydroxyl-Gruppen oder carbonylische Sauerstoffgruppen befinden.
Die 02 -Ionen reagieren zunächst aus thermodynamischen Gründen mit den
Tetrachloroaluminationen zu Oxodichloroaluminaten, die über Reaktion (Gl. II) mit dem Lithiumaluminat und dem Lithiumtetrachloroaluminat im Gleichgewicht stehen.
In einer Ausführungsform ist es vorteilhaft einer Batteriezelle mit dem Festionenleiter Hydroxidionen hinzuzufügen. Dies kann erreicht werden, in dem z.B. auf der Oberfläche der negativen Graphitelektrode Hydroxidionen hinzugefügt werden, beispielsweise durch Zugabe und Mischung von Graphit mit feinpulvrigem Lithiumhydroxid bei der Herstellung der Elektrode. Die Zugabe des feinpulvrigen Lithiumhydroxids zu dem Graphit erfolgt dabei in einer solchen Menge, dass z.B. die Menge der auf dem Graphit vorhandenen Hydroxyl- Gruppen, die als Quelle von Hydroxid-Ionen durch Reduktion des Kohlenstoffs beim ersten Laden füngieren, um einen deutlichen Faktor übertroffen wird. Durch eine entsprechend gut dimensionierte Zugabe an Menge von LiAlCL bzw. AICI3 unter Beachtung der (Gl. II) werden damit dann bei der weiter unten beschriebenen Befüllung einer Batteriezelle mit Festionenleiter im Folgeschritt alle vorhandenen Hydroxide bzw. Hydroxylgruppen sicher umgesetzt.
Die Wasserstoffatome der Hydroxide bzw. Hydroxyl-Gruppen können anschließend aus der Batteriezelle entfernt werden. Dazu kann der Batteriezelle insbesondere vor oder beim Befüllen der Batteriezelle oder Batterie mit Festionenleiter eine höhere Schwefeldioxidmenge
zugegeben werden. Dieser Überschuss an Schwefeldioxid wird dann vorzugsweise nach dem ersten Laden der Batterie entfernt. Denn beim ersten Laden werden die aus den
Hydroxidionen bzw. Hydroxyl-Gruppen entstehenden Protonen zu Wasserstoff reduziert. Anschließend werden diese dann aus der z.B. auf -30 °C heruntergekühlten Batteriezelle mit dem überschüssigen Schwefeldioxid abgezogen. Auf diese Weise können Wasserstoffatome aus ihren Verbindungen als molekularer Wasserstoff aus der Batterie bzw. Batteriezelle entfernt werden, sodass idealerweise in der fertig produzierten Batteriezelle dann keine Hydroxide oder Hydroxylgruppen mehr enthalten sind.
Erst wenn praktisch alle Tetrachloroaluminat-Ionen gemäß Gl. II verbraucht sind, startet die Umsetzung des festen, Schwefeldioxid enthaltenden Lithiumthiodichloroaluminats mit den 02 -Ionen zu Lithiumsulfid, Lithiumaluminat und Lithiumchlorid mit der
Gesamtbruttoformel :
LiAlSCb x q S02 + 2 Li20 => L1AIO2 + Li2S + 2 LiCl + q S02 (Gl. IV)
Es bilden sich somit nur in Schwefeldioxid schwerlösliche Produkte. Eine Weiterreaktion des Lithiumsulfids findet wegen der fehlenden Tetrachloroaluminate nicht mehr statt.
Insbesondere ist eine Ausführungsform bevorzugt, in der die Batteriezelle spätestens nach Verbrauch aller 02 -Ionen frei ist von Substanzen mit der stöchiometrischen Formel KAX4, insbesondere frei von LiAlCU, wobei die angegebenen abkürzenden Buchstaben K, A und X wiederum Elemente gemäß der oben beschriebenen Elementgruppen sind. Es ist bevorzugt, dass die Batterie spätestens nach Verbrauch aller 02 - Ionen frei ist von allen Substanzen, die die stöchiometrische Formel KAX4 in irgendeiner Kombination von für die abkürzenden Buchstaben oben beschriebenen einsetzbaren Elementen erfüllen. Alternativ ist es bevorzugt, dass die Batterie spätestens nach Verbrauch aller 02 -Ionen zumindest frei ist von der Substanz mit der stöchiometrischen Formel KAX4, die sich durch Einsetzen derjenigen Elemente ergibt, die für den Schwefeldioxid enthaltenden Festionenleiter gewählt wurden.
Der Festionenleiter kann zudem verschiedene zusätzliche Feststoffe enthalten. Diese
Feststoffe können Verunreinigungen sein. Erstaunlicherweise hat sich jedoch z.B. bei den oben beschriebenen Batterien mit mehr als 50.000 vollen Lade- und Entladezyklen gezeigt, dass die Einlagerung von gebildeten Feststoffen, wie Lithiumaluminat oder Lithiumchlorid, in
den Schwefeldioxid enthaltenden Festionenleiter die Funktion der Batterie nicht übermäßig beeinträchtigt. Nach dem vollständigen Umsatz des mit der flüssigen Elektrolytlösung eingebrachten Lithiumtetrachloroaluminats gemäß (Gl. I) hat sich das
Schwefeldioxidverhältnis von LiAlCL x 6 SO2 mit 6 SO2 pro Lithiumtetrachloroaluminat auf 11 SO2 pro Lithiumthiodichloroaluminat (Verbrauch eines SO2 pro Formelumsatz) erhöht.
Pro gebildetem Schwefeldioxid enthaltenden Lithiumthiodichloroaluminat, beispielsweise LiAlSCb x 4 SO2, wären dann 6 unlösliche Lithiumchlorid und 1 unlösliches Lithiumaluminat gebildet worden. Die 7 verbliebenen SO2 befänden sich in der Gas- und in der flüssigen Phase. Da sich der Innenwiderstand der Batterie während der Reaktion gemäß (Gl. I) praktisch nicht erhöhte, konnte sie über die gesamte Zykeldauer halbstündig ge- und entladen werden.
Der Festionenleiter kann neben/ statt Lithiumchlorid oder Lithiumaluminat auch weitere andere Feststoffe, wie Aluminumoxid oder ionische Zusätze, enthalten. Auszuschließen sind jedoch solche Verbindungen, die durch Autodissoziation oder chemische Reaktion
Aluminiumchlorid freisetzen und damit die Lithiumdithionitschicht angreifen. Insbesondere sollte der Festionenleiter frei von Substanzen mit der stöchiometrischen Formel KAX4 sein, wobei K, A und X wie vorstehend definiert sind und X auch ein X‘ sein kann.
Die Herstellung des reinen Festionenleiters und die Befüllung der Batteriezelle mit dem reinen Festionenleiter lassen sich auf unterschiedlichste Weise bewirken. Wie in der
WO2017/178543 Al beschrieben, lässt sich das Lithiumthiodichloroaluminat aus der
Reaktion von Lithiumsulfid mit Aluminiumchlorid, siehe unten Gleichung V, oder mit Tetrachloroaluminationen jeweils in Schwefeldioxid als Lösemittel herstellen, siehe unten Gleichung VI. Das in beiden Reaktionen ausfallende Lithiumchlorid wird dabei z.B.
abfiltriert.
Wegen der Löslichkeit des Lithiumthiodichloroaluminats von ca. 0,4 Mol pro Liter flüssigen Schwefeldioxids bei Raumtemperatur, lassen sich durch Befüllen der Batteriezelle mit einer gesättigten Lösung und anschließendem teilweise Abziehen des Schwefeldioxids und damit Ausfällen des reinen Festionenleiters die Poren/ Hohlräume in der Batteriezelle füllen.
Gegebenenfalls muss dieser Vorgang mehrfach wiederholt werden. Da die Löslichkeit des Lithiumthiodichloroaluminats in flüssigem Schwefeldioxid mit zunehmender Temperatur zunimmt, kann auch eine Befüllung bei erhöhter Temperatur und dann entsprechend erhöhtem Druck vorteilhaft sein.
Beim Befüllen einer Batterie, in deren Gehäuse ein oder mehrere negative oder positive Elektroden angeordnet sind, beispielsweise in Form eines Stapels, ist sicherzustellen, dass vor dem Befüllvorgang die Elektroden nicht in elektrischem Kontakt miteinander stehen, d.h. die Elektroden dürfen sich nicht berühren. Dies kann dadurch erreicht werden, dass zwischen zwei benachbarten Elektroden ein poröser Isolator oder ein poröser Separator platziert ist, der zwei benachbarte Elektroden beim Befüllen der Batterie mit flüssigem Elektrolyten auf Abstand hält. Da beim Befüllen der Batterie mit dem flüssigen, d.h. gelösten Festionenleiter auch die Poren des Isolators bzw. Separators gefüllt werden und der Festionenleiter dann auch dort ausfällt, wird der Ionenfluss zwischen den Elektroden ermöglicht. Als Isolator bzw. Separator eignen sich vorzugsweise Glasfaservliese, fein oder grobporöse keramische Substanzen. Besonders bevorzugt ist dabei eine Schicht aus feingemahlenen inerten anorganischen Substanzen wie beispielsweise Aluminiumoxid oder Siliziumkarbid oder reaktive Substanzen wie Lithiumaluminat.
Eine Alternative zur Herstellung des Festionenleiters in Schwefeldioxid wäre z.B. die Herstellung gemäß Formel (Gl. V) in der Schmelze von Lithiumtetrachloroaluminat mit Filtration des ausgefällten Lithiumchlorids und der (teilweisen) Befüllung der Poren/
Hohlräume der Batteriezelle bzw. der Batterie mit der gefilterten Schmelze. Nach Abkühlung der Schmelze wird die Batteriezelle bzw. Batterie durch Begasung mit Schwefeldioxid auf die gewünschte Zahl q eingestellt.
Alternativ zur oben beschriebenen Erzeugung des Festionenleiters basierend auf der Reaktion von Lithiumsulfid mit Aluminiumchlorid (AlCb) oder Lithiumtetrachloroaluminat kann der Festionenleiter auch aus einer Reaktion von Lithiumchlorid und Aluminiumthiochlorid (A1SC1) hergestellt werden. Weiterhin alternativ kann die Substanz des Festionenleiters auch mit anderen Verfahren hergestellt werden. So beschreibt die US 4,362 794 zwei Wege zur Erzeugung der Substanz des Festionenleiters, wobei verschiedene Ausgangssubstanzen verwendet werden.
Entsprechend den beiden oben beschriebenen Verfahren können auch nur einzelne Elemente einer Batteriezelle, wie z.B. nur die negative Elektrode oder nur die positive Elektrode oder ein zwischen den beiden Elektroden befindlicher Hohlraum, mit dem reinen Festionenleiter befällt werden.
Grundsätzlich gibt es für das Einbringen des Festionenleiters in die Batteriezelle eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten. Im Folgenden werden beispielhaft verschiedene Wege a) - d) beschrieben, wie in der Batteriezelle oder in einer der beiden Elektroden der feste,
Schwefeldioxid enthaltende Festionenleiter eingebracht bzw. erzeugt werden kann. a) Vorzugsweise bei der Elektrodenherstellung wird eine entsprechende Menge an
feingemahlenem Lithiumsulfid feinverteilt in die negative oder positive oder in beide
Elektroden eingebracht. Dabei sollte der Partikeldurchmesser des Lithiumsulfids
vorzugsweise kleiner 1/10 des Partikeldurchmessers der jeweiligen aktiven Masse sein. Nach dem Einbau der Batteriezelle bzw. -zellen in die Batterie wird die Batterie mit einem flüssigen Elektrolyten aus LiAlCL und Schwefeldioxid befällt, wobei die Menge an
Lithiumtetrachloroaluminat mindestens so bemessen ist, dass sie für den Umsatz mit Li2S und den Verbrauch durch die oben beschriebenen 02 -Ionen ausreicht, und die
Schwefeldioxidmenge mindestens so bemessen ist, dass nach vollständiger Reaktion gemäß (Gl. V) die gewünschte Zahl q erzielt wird. Vorzugsweise ist dann auch kein flüssiger Elektrolyt mehr vorhanden.
Eine höhere Schwefeldioxidmenge kann vor oder nach dem ersten Laden noch entfernt werden. Letzteres bietet sich insbesondere an, wenn z.B. beim ersten Laden aus den
Hydroxyl-Gruppen auf dem Graphit oder allgemein aus Wasserspuren Wasserstoff in der Batterie entstanden ist, der aus der z.B. auf -30 °C heruntergekühlten Batteriezelle mit dem überschüssigen Schwefeldioxid überwiegend abgezogen werden kann.
Nach dem Befüllen der Batteriezelle mit der flüssigen Elektrolytlösung wird die Batteriezelle auf ca. 30 bis 40 °C erwärmt, so dass die Reaktion gemäß (Gl. V) innerhalb von Minuten bzw. Stunden abläuft und das feste, Schwefeldioxid enthaltende Lithiumthiodichloroaluminat als Festionenleiter ausfällt.
Wird nur eine Elektrodensorte (z.B. die negativen Elektroden) mit Lithiumsulfid befällt, so kann die Menge an Lithiumsulfid und Schwefeldioxid so bemessen werden, dass über die Löslichkeit des Lithiumthiodichloroaluminats in freiem flüssigen Schwefeldioxid praktisch alle Poren beider Elektrodensorten mit dem festen, Schwefeldioxid enthaltenden
Lithiumthiodichloroaluminat befällt werden. Entsprechend der Länge der Diffusionswege kann dieser Prozess zwischen Stunden und mehreren Tagen erfordern. Wegen der höheren Löslichkeit bei höheren Temperaturen wird dieser Prozess vorzugsweise bei 40 °C und höher durchgeführt. b) Eine feinpulvrige Mischung aus Lithiumsulfid mit Lithiumchlorid plus äquimolarem Aluminiumchlorid, das sind Vorstufen des Lithiumtetrachloroaluminats, also des Leitsalzes des flüssigen Elektrolyten, beziehungsweise Lithiumtetrachloroaluminat (stöchiometrische Mengen entsprechend a) ) wird vorzugsweise bei der Elektrodenherstellung mit in eine der beiden oder beide Elektroden einer Batteriezelle einpastiert. Die Batteriezelle wird dann mit entsprechender Menge an flüssigem Schwefeldioxid befällt und entsprechend a)
weiterbehandelt. c) Bei der Reaktion von Lithiumsulfid und Aluminiumchlorid gemäß (Gl. VI) in der
Batteriezelle bzw. einer oder beider Elektroden wird ebenfalls die Stöchiometrie nach a) beachtet. Die feinpulvrige Mischung aus Lithiumsulfid und Aluminiumchlorid wird in eine oder beide Elektrodensorten eingebracht. Die Batteriezelle wird dann mit flüssigem
Schwefeldioxid befällt und analog a) weiterbehandelt. d) In eine Batteriezelle, deren eine Elektrodensorte feinpulvriges Lithiumsulfid enthält, werden die Poren der anderen Elektrodensorte mit Aluminiumchlorid beaufschlagt oder wenn beide Elektrodensorten feinpulvriges Lithiumsulfid enthalten, werden z.B. in anderen Hohlräumen der Batterie eine entsprechend c) große Mengen an feinem
Aluminiumchloridpulver eingebracht. Die Batteriezelle wird mit flüssigem Schwefeldioxid befällt und analog c) weiterbehandelt.
Der Festionenleiter dient vorzugsweise auch als Isolator bzw. Separator zwischen negativer und positiver Elektrode. Vorzugsweise wird die elektronische Trennung zwischen der positiven und negativen Elektrode in einer Batteriezelle bzw. zwischen den beiden
Elektrodensorten innerhalb einer Batteriezelle durch jeweils einen dünnen elektronisch
nichtleitenden Abstandshalter aus ge führt, der aus dem Festionenleiter bzw. Festionenleiter mit Feststoffen besteht oder den Festionenleiter enthält.
Für den Fall, dass in der Batteriezelle die beiden Elektrodensorten durch grob- oder feinporöse keramische Schichten, dünne keramische oder Glasgewebe, dünne Filtervliese oder ähnliches elektronisch getrennt sind, können die beschriebenen Methoden zur
Herstellung und Befüllung des reinen Festionenleiters bzw. die in den Beispielen a) bis d) des Einbringens des Festionenleiters benannten Verfahren verwandt werden. Andererseits können die Mengen an erzeugtem Festionenleiter gemäß den obigen Methoden und Beispielen so bemessen werden, dass sich die Poren bzw. Volumina der Isolatoren bzw. Separatoren füllen.
Bevorzugt werden gemäß der Beispiele a) bis d) feinpulvriges Lithiumsulfid bzw. dessen Mischungen direkt auf eine oder beide Elektrodensorten in dünner Schicht aufgebracht. Der Schwefeldioxid enthaltende Festionenleiter des Lithiumthiodichloroaluminats bildet sich dann beim Befüllen durch Reaktion mit der flüssigen Elektrolytlösung entsprechend aus, wie oben beschrieben in a) bis d).
Besonders bevorzugt werden für die Ausbildung der elektronisch trennenden Isolator- bzw. Separatorschicht die Pulver aus Lithiumsulfid bzw. wie oben in a) bis d) beschrieben vor dem Aufbringen auf eine oder beide Elektrodensorten zur Erhöhung der mechanischen Stabilität während des Zusammenbaus der Batterie mit einer geringen Menge an Binder, z.B. 4 Gew.%, beaufschlagt. Hier eignet sich beispielhaft THV (Terpolymer aus TFE (Tetrafluorethylen), HFP (Hexafluoropropylen) und VDF (Vinylidenfluorid)) gelöst in Aceton, in das das feinpulvrige Lithiumsulfid bzw. deren Mischungen suspendiert werden. Nach dem Aufträgen der Mischung auf eine Elektrode und anschließendem Abdampfen des Acetons bildet sich aus der aufgebrachten Mischung eine mechanisch stabile Schicht aus.
In einer alternativen Ausführungsform können die Reaktanden der oben in a) bis d) genannten Möglichkeiten, also feingemahlenes Lithiumpulver oder mit einer erhöhten Menge an Binder zusammengebracht werden, dass eine dünne Schicht des Gemischs nach dem Aushärten eine selbsttragende Folie bildet. Eine solche Folie kann während der Herstellung der Batteriezellen als Isolator- bzw. Separatorschicht zwischen benachbarten Elektroden angeordnet werden, sodass ein elektrischer Kontakt zwischen diesen verhindert wird.
Beim Einfullen des flüssigen Elektrolyten in die Bateriezelle bildet sich der Festionenleiter bei der Reaktion des Lithiumtetrachloroaluminats des Elektrolyten mit dem feingemahlenen Lithiumsulfid beziehungsweise mit der feinpulvrigen Mischung aus Lithiumsulfid mit Lithiumchlorid und äquimolarem Aluminiumchlorid beziehungsweise mit der feinpulvrigen Mischung aus Lithiumsulfid und Aluminiumchlorid, die in die Elektroden eingebracht wurden, wie oben unter a) bis d) beschrieben. Der Festionenleiter weist die Eigenschaft eines Isolators bzw. Separators auf. Die Batteriezelle weist damit in einer Ausführungsform eine Isolator- bzw. Separatorschicht auf, welche durch Reaktion von Lithiumsulfid mit dem flüssigen Elektrolyten auf oder unmittelbar an einer Elektrode erzeugt wurde.
In einer alternativen Ausführungsform kann eine Batteriezelle auch einen anderen geeigneten Separator aufweisen, beispielsweise ein Glasfaserfilter, welcher im Handel unter dem Namen Pall und mit einer Dicke von 0,25mm erhältlich ist.
Ein Vorteil des Festionenleiters ist, dass er - im Gegensatz zu den organischen
Elektrolytlösungen der in der Praxis gebräuchlichen Lithium-Ionen-Zellen - nicht brennbar ist. Die bekannten Sicherheitsrisiken von Lithium-Ionen-Zellen werden insbesondere durch deren organische Elcktrolytlösung verursacht. Wenn eine Lithium-Ionen-Zelle Feuer fängt oder sogar explodiert, bildet das organische Lösungsmittel der Elcktrolytlösung das brennbare Material. Eine erfindungsgemäße Batterie, die den Festionenleiter enthält, ist vorzugsweise im Wesentlichen frei von organischen Materialien, wobei "im Wesentlichen" dahingehend zu verstehen ist, dass die Menge eventuell vorhandener organischer Materialien so gering ist, dass sie keinerlei Sicherheitsrisiko darstellen.
Der erfindungsgemäße Festionenleiter weist das Schwefeldioxid in den oben beschriebenen Formeln K(ASX2)P x q S02 beziehungsweise K(ASXX')P x q SO2 auf. Dabei kann SO2 in möglichst reiner Form verwendet werden, d.h. mit möglichst geringen Mengen von
V erunreinigungen.
Wenn nach der Fertigstellung der Batterie doch eine geringe, überschüssige Menge an KAX4 in der Batteriezelle enthalten ist, so wird diese nach der oben beschriebenen
Selbstentladereaktion verbraucht.
Sobald die Substanz KAX4, insbesondere LiAlCU, spätestens nach Verbrauch aller O2 - Ionen nicht in der Batteriezelle vorhanden ist, findet eine Selbstentladung gemäß den oben beschriebenen Gleichungen oder einer analogen Gleichung, falls die abkürzenden Buchstaben K, A und X nicht für Lithium bzw. Aluminium bzw. Chlor stehen, erstaunlicherweise nicht statt. Es findet damit kein Verbrauch von Lithiumionen bzw. Ladungsmenge statt und es bilden sich auch keine schwerlöslichen bzw. ausfallenden Salze.
Lolglich reicht es auch für den langfristigen Betrieb der Batteriezelle aus, dass diese initial nur mit einer im Vergleich zu herkömmlichen mit flüssigem SCL-haltigen Elektrolyten befüllten Batteriezellen signifikant reduzierten Menge an Schwefeldioxid enthaltenden Lestionenleiter befällt wird. Im Vergleich zu herkömmlichen mit flüssigen SCL-haltigem Elektrolyten befüllten Batteriezellen kann die bei der Produktion der Batterie einzubringende Menge an Schwefeldioxid enthaltenden Lestionenleiter auf ca. ein Drittel reduziert werden, sodass die Batterie eine höhere Energiedichte aufweist.
Mit dem neuen Elektrolyten findet eine Reaktion nach oben erläuterter Gleichung (Gl. I) nicht statt. Dadurch kann in vorteilhafter Weise das zusätzliche Einbringen einer Ladungsmenge bzw. einer Menge an Lithiumionen für die Kompensation der Selbstentladung gern.
Gleichung (Gl. I) entfallen. Demzufolge können die Kapazitäten der Elektroden entsprechend angepasster dimensioniert werden. Die Menge des an den Lade- und Entladevorgängen beteiligten Schwefeldioxid enthaltenden Festionenleiters bleibt somit über die gesamte Lebensdauer der Batteriezelle nahezu vollständig erhalten.
Eine Reduktion der ursprünglich flüssigen Elektrolytmenge und der Ersatz eines flüssigen Elektrolyten durch den Schwefeldioxid enthaltenden Festionenleiter kann insbesondere in der bevorzugten Ausführungsform erreicht werden, in der die positive Elektrode eine Porosität aufweist, die kleiner als 25 %, kleiner als 20%, kleiner als 15% und alternativ insbesondere kleiner als 12 % ist. Alternativ oder zusätzlich dazu ist in einer weiteren Ausführungsform bevorzugt, dass die negative Elektrode eine Porosität aufweist, die kleiner als 25 %, kleiner als 20%, kleiner als 15% und alternativ insbesondere kleiner als 12 % ist.
Eine entsprechende Reduzierung der Porosität einer Elektrode kann insbesondere dadurch erreicht werden, dass der jeweiligen Elektrode, die vorzugsweise mit Partikeln mit einem Durchmesser R gebildet ist, anteilig Partikel gleichen Materials aber kleineren Durchmessers,
insbesondere R/3, zufügt werden. Dies bewirkt, dass die kleineren Partikel in
Zwischenräumen zwischen den größeren Partikeln platziert sind. Neben der geringeren Porosität weisen derartige Elektroden typischerweise eine höhere mechanische Stabilität auf.
Die spezifische Energie und die Energiedichte der Batterie können durch die Verwendung des Festionenleiters und bei Verringerung der Porosität von z.B. 30 % auf 12 % von 65 Wh/kg bzw. 200 Wh/l einer herkömmlichen vorgezykelten Batterie auf über 155 Wh/kg bzw. über 470 Wh/l gesteigert werden. Die Nennkapazität für eine prismatische Batterie mit den äußeren Abmessungen von 130 mm x 130 mm x 24,5 mm kann dadurch z.B. von etwa 22 Ah einer herkömmlichen vorgezykelten Batterie auf über 61 Ah steigen.
Das Gehäuse der Batterie ist im Allgemeinen so ausgeführt, dass es weder Wasserdampf noch Sauerstoff durchlässt. Für erfindungsgemäße Batterien, die einen erhöhten Innendruck aufweisen, eignen sich vorzugsweise Metallgehäuse. Kann der Schwefeldioxiddruck für den Betriebstemperaturbereich so eingestellt werden, dass kaum erhöhter Innendruck auftritt, so eignen sich auch die üblichen Pouch-Zellen.
Die Kapazitätsabnahme über die Anzahl der Zyklen ist durch die Verwendung des erfindungsgemäßen, Schwefeldioxid enthaltenden Festionenleiters stark reduziert. Eine Selbstentladung ist dabei derart unterdrückt, dass diese praktisch nicht mehr messbar ist.
In der Literatur (Ohta, N.; Takada, K.; Zhang, L.; Ma, R.; Osada, M.; T. Sasaki, T.: Adv. Mater., 18 (2006) 2226) wurde ein hoher Lithiumionen-Übergangswiderstand an der
Grenzfläche zwischen einer Elektrode und dem Festionenleiter als grundsätzliches Problem bei der Verwendung von Festionenleitem beschrieben. Dort wurde der hohe Widerstand an der Grenzfläche einer sogenannten Raumladungszone zugeschrieben. Diese bildet sich entlang der Grenzfläche. In dieser tritt eine Lithiumionen- Verarmung auf der Seite des Festionenleiters auf, um das Gleichgewicht der chemischen Potenziale an der Grenzfläche aufrecht zu erhalten. Es wurde nachgewiesen, dass eine solche unvorteilhafte
Raumladungszone durch Einführung einer Pufferschicht reduziert oder vermieden werden kann.
Nach dem Verständnis des Erfinders fungiert die Lithiumdithionitschicht bei Batteriezellen mit Schwefeldioxid enthaltenden Festionenleiter als Pufferschicht. Diese bildet sich
beispielsweise beim ersten Laden der Zelle auf der negativen Elektrode bei Potentialen unter 3 V vs. Li/Li+ durch Reduktion von Schwefeldioxid aus.
Es ist auch möglich auf der Oberfläche der Elektroden bekannte Pufferschichten, wie LiNb03, zumindest teilweise aufzutragen. Vorzugsweise wird jedoch, wie in der WO2015/067795 beschrieben, insbesondere auch auf der positiven Elektrode eine stabile
Lithiumdithionitschicht erzeugt.
Es ist daher vorteilhaft, dass der erfindungsgemäße Festionenleiter im Wesentlichen frei von Substanzen ist, die die gewünschte Lithiumdithionit-Schicht angreifen, auflösen oder in sonstiger Weise abbauen oder beschädigen. Der Ausdruck„im Wesentlichen frei“ weist dabei daraufhin, dass die Substanz höchstens in einer so geringen Menge vorliegt, dass sie die Lithiumdithionit-Schicht nicht abbaut/schädigt. Beispiele solcher Substanzen, die nicht vorliegen sollen, sind Oxidationsmittel, wie Chlor, Thionylchlorid und Sulfurylchlorid.
Insbesondere bewirkt Thionylchlorid die Entstehung einer passivierenden und mit der Zeit anwachsenden Deckschicht aus Lithiumchlorid auf der negativen Elektrode, welche jedenfalls der gewünschten Bildung der Lithiumdithionitschicht entgegenwirkt.
Eine elektrochemische Batteriezelle mit dem oben beschriebenen Festionenleiter und mit Füllung der Poren der Batteriezelle aus der negativen Elektrode heraus kann folgendermaßen hergestellt werden. Eine geeignete positive Elektrode kann erzeugt werden, indem 94 Gew.% Lithiumeisenphosphat, welches im Handel unter dem Handelsnamen TMAX-LFP-l erhältlich ist, mit 4% eines Bindemittels THV, welches im Handel beispielsweise von dem
Unternehmen 3M und unter dem Handelsnamen Dyneon THV 221 AZ erhältlich ist, und 2% Leitfähigkeitsverbesserer, der von dem Unternehmen TIMCAL unter dem Handelsnamen SUPER P ® erhältlich ist, in Aceton zu einer Paste verrührt werden. Diese wird in einen Nickelschaum, der beispielsweise von dem Unternehmen Duranice Applied Materials erhältlich ist, eingebracht. Nach dem Abdampfen des Lösungsmittels wird der Nickelschaum mit der Paste von einer ursprünglichen Dicke von 1,6 mm auf 0,6 mm gepresst und anschließend bei l20°C thermisch behandelt.
Eine geeignete negative Elektrode kann in einer Ausführungsform hergestellt werden, indem 15 Gew.% feingemahlenes Lithiumsulfid, d.h. mit einem Komdurchmesser D50 kleiner als
5mhi, in Aceton mit 85 Gew.% Graphit, welches von dem Unternehmen TIM CAL unter dem Handelsnamen SLP50 erhältlich ist, zu einer Paste verrührt und in einen Nickelschaum einpastiert werden, welcher im Handel von dem Unternehmen Duranice Applied Materials erhältlich ist. Nach dem Abdampfen des Acetons wird der mit Lithiumsulfid und Graphit befiillte Nickelschaum von einer ursprünglichen Dicke von 0,8mm auf 0,4mm gepresst.
Anschließend können in einer Ausführungsform 9 negative und 8 positive Elektroden in wechselweiser Anordnung in einem Batteriegehäuse, beispielsweise ein Edelstahlgehäuse, platziert werden, wobei zwischen einer negativen und der benachbarten positiven Elektrode jeweils ein Separator angeordnet ist. Vorzugsweise sind die außen an einem Elektrodenstapel angeordneten Elektroden negative Elektroden. Das Batteriegehäuse kann anschließend mit einem Deckel verschlossen werden, wobei der Deckel ein Befüllrohr aufweist und der Deckel mit dem übrigen Gehäuse fest und gasdicht verbunden wird, beispielsweise durch
Verschweißen im Falle eines Edelstahlgehäuses. Dann kann das Gehäuse bei einer
Temperatur von circa -20°C über das Befüllrohr mit einem Elektrolyten LiAlCL x 8 S02 befüllt werden, wobei dieser (noch) flüssig ist. Die Menge des eingefüllten Elektrolyten ist dabei so bemessen, dass zur vollständigen Umsetzung des Lithiumsulfids 80 Gew.%, bevorzugt mehr als 80% und insbesondere 100% des eingebrachten
Lithiumtetrachloroaluminats ausreichen.
Die befüllte Batterie wird dann für einen längeren Zeitraum gelagert, beispielsweise für eine Zeitdauer von 7 Tagen und bei einer Temperatur von 40°C. In diesem Zeitraum wird der eingebrachte flüssige Elektrolyt durch Reaktion mit dem Lithiumsulfid in den Festionenleiter umgesetzt, wobei ein geringer Anteil des flüssigen Elektrolyten in flüssigem Zustand verbleibt, in dieser Ausführungsform typischerweise maximal 20 Gew% des Festionenleiters. Dieser verbleibende flüssige Elektrolyt wird dann aus der kopfüberstehenden Batterie und über das Befüllrohr des Deckels abgelassen.
Auf diese Weise weist eine fertig produzierte Batteriezelle vor dem Ladevorgang, d.h. im initialen Zustand, im Wesentlichen nur den Festionenleiter als Elektro lyten auf und enthält in einer Ausführungsform weniger als 10 Gew.% des Festionenleiters flüssigen Elektrolyten, in einer bevorzugten Aus führungs form weniger als 5 Gew.% des Festionenleiters flüssigen Elektrolyten und in einer besonders bevorzugten Ausführungsform weniger als 1 Gew.% des Festionenleiters flüssigen Elektrolyten.