Beschreibung Titel
Kompositmaterial zur Verwendung in elektrochemischer Festkörperelle
Die Erfindung betrifft ein Kompositmaterial, umfassend mindestens eine porös Struktur aus einem thermisch stabilen Material und mindestens ein
ionenleitfähiges Polymer, sowie eine elektrochemische Zelle, umfassend dieses Kompositmaterial. Das Kompositmaterial verhindert auch bei hohen
Temperaturen den Kontakt zwischen den Elektroden der elektrochemischen Festkörperzelle und erhöht so die Sicherheit der elektrochemischen Zelle.
Weiterhin betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung des
Kompositmaterials.
Stand der Technik
Die Speicherung elektrischer Energie mittels elektrochemischer Primär- oder Sekundärzellen ist seit vielen Jahren bekannt. Insbesondere Sekundärzellen auf Grundlage von Lithium stehen im Fokus der Forschung. Üblicherweise umfassen solche Sekundärzellen mindestens eine negative Elektrode (Anode), mindestens eine positive Elektrode (Kathode) sowie mindestens einen Separator, welcher zwischen den beiden Elektroden angeordnet ist und diese elektronisch voneinander trennt. Der Separator sowie die Elektroden sind üblicherweise von einem flüssigen Elektrolyten umgeben, welcher den lonentransport zwischen den Elektroden gewährleistet. Separatoren sind häufig aus porösen Kunststofffolien gefertigt, die eine gute Durchlässigkeit gegenüber dem Elektrolyt aufweisen, jedoch elektrisch nicht leitfähig sind. Typischerweise sind diese Kunststofffolien jedoch nur bedingt mechanisch belastbar und neigen insbesondere dann, wenn sich Lithium-Dendrite in der elektrochemischen Zelle ausbilden, zur Ausbildung von Löchern und/oder Rissen. Es kann so zu einem Kurzschluss in der elektrochemischen Zelle kommen. Um im Falle einer zu großen
Wärmeentwicklung in der elektrochemischen Zelle ein Durchgehen zu verhindern, ist der Separator typischerweise wenigstens teilweise aus einem
Polymer gefertigt, welches bei einer Temperaturerhöhung schmilzt und den Ionen-Transport zwischen den Elektroden so unterbricht.
Eine alternative Bauweise einer elektrochemischen Zelle verwendet
Festelektrolyte, welche die Aufgaben des Elektrolyten und häufig auch die Aufgaben des Separators übernehmen und die Elektroden vor einem direkten Kontakt miteinander schützen sollen. Festelektrolyte können beispielsweise Polymerelektrolyte oder keramische Elektrolyte sein. Oft werden solche elektrochemische Zellen bei erhöhten Temperaturen betrieben, um eine ausreichend lonenleitfähigkeit zu erreichen. Polymerelektrolyte, insbesondere auf Basis von Polyalkylenoxiden, erweichen bei diesen Temperaturen häufig merklich, sodass diese die Aufgabe des Separators nicht zuverlässig erfüllen können.
US 2016/0351876 AI offenbart einen Polyolefin-Separator mit einer
hitzebeständigen ultrafeinen Faserschicht zur Verwendung in einer
Sekundärbatterie. Die ultrafeine Faserschicht wird dabei auf die Oberfläche eines Polyolefin-Separators aufgebracht und ist aus einem Material gefertigt, welches eine Schmelztemperatur von mehr als 180°C aufweist.
US 2015/0249243 AI offenbart elektrochemische Zelle, welche ein positives Aktivmaterial umfasst, auf dessen Oberfläche eine Faserschicht zusammen mit einer Schicht anorganischer Partikel aufgebracht ist.
US 2017/0033401 AI offenbart einen faserverstärkten Polymerelektrolyt. Die Verstärkungsfasern sind gleichmäßig in dem Elektrolyt verteilt und nicht miteinander verbunden.
Offenbarung der Erfindung
Ein Gegenstand der Erfindung ist ein Kompositmaterial, umfassend mindestens eine poröse Struktur aus mindestens einem thermisch stabilen Material und mindestens ein ionenleitfähiges Polymer, wobei das ionenleitfähige Polymer die Poren der mindestens einen porösen Struktur im Wesentlichen vollständig ausfüllt. Das bedeutet, dass mindestens 90 vol.-%, vorzugsweise mindestens 95
vol.-%, bezogen auf das gesamte offene Porenvolumen der die poröse Struktur, mit dem mindestens einen ionenleitfähigen Polymer ausgefüllt ist. Das mindestens eine ionenleitfähige Polymer kann dabei als ein reines Polymer oder in Form einer Polymerzusammensetzung vorliegen.
Es wurde gefunden, dass ein solches Kompositmaterial, umfassend mindestens eine poröse Struktur aus einem thermisch stabilen Material und mindestens ein ionenleitfähiges Polymer in der Lage ist, die Elektroden einer elektrochemischen Festkörperzelle auch bei erhöhten Betriebstemperaturen, d.h. insbesondere bei Temperaturen, bei denen das ionenleitfähige Polymer innerhalb des
Kompositmaterials im Wesentlichen geschmolzen ist, zuverlässig voneinander zu trennen ohne im normalen Betrieb der elektrochemischen Festkörperzelle den Ionen-Transport zwischen den Elektroden zu beeinträchtigen.
Das Kompositmaterial umfasst erfindungsgemäß mindestens zwei Elemente, nämlich mindestens eine einen porösen Struktur aus mindestens einem thermisch stabilen Material, und mindestens ein ionenleitfähiges Polymer. Das mindestens eine ionenleitfähige Polymer füllt die Poren der mindestens einen porösen Struktur vorzugsweise vollständig aus. Das Kompositmaterial weist daher vorzugsweise eine Restporosität von weniger als 10 vol.-%, stärker bevorzugt weniger als 5 vol.-%, insbesondere weniger als 1 vol.-%, bezogen auf das Gesamtvolumen des Kompositmaterials, auf. In einer besonders
bevorzugten Ausführungsform ist das Kompositmaterial (im Wesentlichen) frei von Poren.
Der Volumenanteil der mindestens einen porösen Struktur an dem
Gesamtvolumen des Kompositmaterials ist vorzugsweise möglichst gering. In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt der Volumenanteil der mindestens einen porösen Struktur an dem Gesamtvolumen des Kompositmaterials < 40 vol.-%, vorzugsweise > 5 vol.-% bis < 30 vol.-%, insbesondere > 10 vol.-% bis < 20 vol.-%. So wird der Anteil an Material, aus welchem die porösen Struktur gebildet ist und welches nur im Gefahrenfall notwendig ist, minimiert und die Energiedichte der elektrochemischen Festkörperzelle verbessert.
Der Volumenanteil des mindestens einen ionenleitfähigen Polymers an dem Gesamtvolumen des Kompositmaterials ist dementsprechend möglichst groß, um eine möglichst gute lonenleitfähigkeit zwischen den Elektroden zu gewährleisten, vorzugsweise möglichst gering. In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt der Volumenanteil des mindestens einen ionenleitfähigen Polymers an dem Gesamtvolumen des Kompositmaterials > 60 vol.-%, vorzugsweise > 70 vol.-% bis < 90 vol.-%, insbesondere > 80 vol.-% bis < 90 vol.-%, i.
Die Poren der porösen Struktur können prinzipiell beliebig ausgebildet sein, solange eine ausreichende mechanische Stabilität der Struktur gewährleistet ist. Form und Größe der Poren ist dabei von der Art der porösen Struktur und deren Herstellungsverfahren abhängig. In einer bevorzugten Ausführungsform weisen die Poren mindestens einen porösen Struktur einen mittleren Durchmesser von 1 nm bis 100 μηη, vorzugsweise 50 nm bis 10 μηη, auf.
Die poröse Struktur ist aus einem thermisch stabilen Material gefertigt, welches auch bei erhöhten Temperaturen, wie z.B. bei Temperaturen von > 150°C, stärker bevorzugt von > 180°C, insbesondere > 200°C, im Wesentlichen nicht erweicht und seine Struktur beibehält. So wird eine ausreichende mechanische Stabilität des Kompositmaterials auch bei erhöhten Temperaturen gewährleistet.
Vorzugsweise ist die poröse Struktur aus einem Polymer mit einem
Schmelztemperatur, einer Erweichungstemperatur und/oder einer
Zersetzungstemperatur, von > 200°C, stärker bevorzugt > 220°C und
insbesondere > 230°C, gefertigt. Polymere haben den Vorteil einer einfachen und kostengünstigen Herstellung. Als besonders geeignete Polymere hervorzuheben sind Polyetheretherketone, Polyimide, Polytetrafluorethen, Polyamide,
Polyamidimide, Polyethersulfone, Poly(amylnitril-butyl-styrol) und Gemischen davon. In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst die poröse Struktur daher mindestens eines dieser Polymere oder besteht aus mindestens einem dieser Polymere.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung umfasst die poröse Struktur kein Material, insbesondere kein Polymer, welches eine Schmelztemperatur und/oder Glasübergangstemperatur von weniger als 200°C aufweist. So wird die
mechanische Stabilität der thermisch stabilen, porösen Struktur auch bei erhöhten Temperaturen gewährleistet.
Die poröse Struktur kann prinzipiell jede beliebige Struktur aufweisen, solange die zuvor gemachten Vorgaben erfüllt werden. Insbesondere kann die thermisch stabile poröse Struktur in Form eines Schwamms, eines Vlieses, einer
Fasermatte, eines Gewebes, eines Gitters oder einer strukturierten Folie vorliegen. Das erfindungsgemäße Kompositmaterial umfasst ferner mindestens ein ionenleitfähiges Polymer, welches die Poren der mindestens einen porösen Struktur (im Wesentlichen) vollständig ausfüllt. Das mindestens eine
ionenleitfähige Polymer kann ein reines Polymer oder eine
Polymerzusammensetzung sein und zeichnet sich dadurch aus, dass es mindestens ein Material umfasst oder aus diesem besteht, welches bei
Raumtemperatur im Wesentlichen fest ist, und wenigstens bei
Betriebstemperatur eine ausreichende lonenleitfähigkeit aufweist, um den Transport von Ionen, insbesondere Lithiumionen, zwischen den Elektroden zu gewährleisten. Als ionenleitfähige Polymere können prinzipiell sämtliche
Polymere in dem erfindungsgemäßen Kompositmaterial eingesetzt werden, welche dem Fachmann zur Verwendung in Polymerelektrolyten für
elektrochemische Festkörperzellen, insbesondere für lithiumhaltige
elektrochemische Festkörperzellen, bekannt sind. Als geeignete Polymere umfassen Polyalkylenoxid- Derivate von Polyethylenoxid, Polypropylenoxid und dergleichen oder Polymere, umfassend Polyalkylenoxid- Derivate; Derivate von
Polyvinylidenfluorid (PVDF), Polyhexafluorpropylen, Polycarbonate,
Polyphosphorsäureester, Polyalkylimine, Polyacrylnitril,
Poly(meth)acrylsäureester, Polyphosphazene, Polyurethane, Polyamide, Polyester, Polysiloxane, Polymalonsäureester, Polymalonsäureester und dergleichen und Polymere, umfassend Derivate davon. Bevorzugt sind
Polymerverbindungen, welche eine Oxyalkylenstruktur, eine Urethanstruktur oder eine Carbonatstruktur im Molekül aufweise. Beispielsweise sind
Polyalkylenoxide, Polyurethane und Polycarbonate in Hinblick auf ihre gute elektrochemische Stabilität bevorzugt. Ferner sind Polymere mit einer
Fluorkohlenstoffgruppe bevorzugt. Polyvinylidenfluorid und
Polyhexafluorpropylen sind in Hinblick auf ihre Stabilität bevorzugt. Die Anzahl an Wiederholungseinheiten dieser Oxyalkylen-, Urethan-, Carbonat- und/oder Fluorkohlenstoffeinheiten liegt vorzugweise in einem Bereich von jeweils 1 bis 1000, stärker bevorzugt ein einem Bereich von 5 bis 100.
Zur Verbesserung der lonenleitfähigkeit werden dem Polymer vorzugsweise Leitsalze zugegeben. Geeignete Leitsalze sind insbesondere Lithiumsalze. Das Leitsalz kann beispielsweise ausgewählt sein aus der Gruppe bestehend aus Lithiumperchlorat (L1CIO4), Lithiumtetrafluoroborat (LiBF4),
Lithiumhexafluorophosphat (LiPFe), Lithiumhexafluoroarsenat (LiAsFe),
Lithiumtrifluormethansulfonat (USO3C F3), Lithiumbis(trifluormethylsulphonyl)imid (LiN(S02C F3)2), Lithiumbis(pentafluorethylsulphonyl)imid
Lithiumbis(oxalato)borat (LiBOB, LiB(C204)2), Lithiumdifluor(oxalato)borat (LiBF2(C204)), Lithium-tris(pentafluorethyl)trifluorophosphat (LiPF3(C2Fs)3) und Kombinationen davon. Diese könne jeweils einzeln, oder in Kombination miteinander verwendet werden. Vorzugsweise macht das mindestens eine Leitsalz einen Anteil von 1 bis 5 Gew.-%, insbesondere 2 bis 3 Gew.-% des Gesamtgewichts des ionenleitfähigen Polymers aus.
Darüber hinaus kann das ionenleitfähige Polymer weitere Bestandteile umfassen, die auf die vorgesehen Verwendung des Kompositmaterials, insbesondere die Art der elektrochemischen Festkörperzelle, abgestimmt ist. Beispielsweise kann das ionenleitfähige Polymer Bestandteile des Katholyt der elektrochemischen Festkörperzelle umfassen, sofern sich dieser vom Elektrolyt der
elektrochemischen Festkörperzelle unterscheidet.
Das Kompositmaterial kann prinzipiell in jeder beliebigen räumlichen
Ausgestaltungsform ausgebildet werden und so auch in einer elektrochemischen Festkörperzelle eingesetzt werden, solange eine ausreichende Trennung der Elektroden gewährleistet wird. In einer bevorzugten Ausführungsform ist das Kompositmaterial flächig ausgestaltet, insbesondere in Form einer
Kompositmaterial- Folie. Diese weist vorzugsweise eine Folienstärke von 1 nm bis 500 μηη, insbesondere 500 nm bis 25 μηη.
Vorzugsweise sind die Poren der porösen Struktur so ausgestaltet, dass diese auch bei Temperaturen, bei denen das ionenleitfähige Polymer im
geschmolzenen Zustand vorliegt, im Wesentlichen vollständig mit dem ionenleitfähige Polymer ausgefüllt sind, d.h. zu mindestens 90 vol.-%, vorzugsweise mindestens 95 vol.-%, bezogen auf das gesamte offene
Porenvolumen der die poröse Struktur. Dies wird durch eine ausgewogene Abstimmung von dem ionenleitfähigem Polymer, dem thermisch stabilen Material, aus dem die poröse Struktur gefertigt ist, und dem mittleren
Porendurchmesser der Poren der porösen Struktur, aufeinander erreicht.
Dadurch wird verhindert, dass flüssiges Lithium in die das Kompositmaterial eindringen und gegebenenfalls bis zur positiven Elektrode durchdringen kann.
In einer alternativen Ausführungsform der Erfindung kann mindestens eine Oberfläche des Kompositmaterials mit einem Material beschichtet sein, welches eine niedrige Oberflächenenergie aufweist. Vorzugsweise weist das
Beschichtungsmaterial eine Oberflächenenergie von weniger als 72 mN/m auf. Vorzugsweise ist mindestens die Oberfläche des Kompositmaterials mit einem Material beschichtet, das eine niedrige Oberflächenenergie aufweist, die bei der Verwendung in einer elektrochemischen Festkörperzelle der negativen Elektrode zugewandt sein soll. Dadurch wird verhindert, dass gegebenenfalls vorhandenes flüssiges Lithium in das Kompositmaterial eindringen und gegebenenfalls bis zur positiven Elektrode durchdringen kann.
In einer weiteren Ausführungsform können die zuvor genannten Maßnahmen miteinander kombiniert werden. So wird das Eindringen von flüssigem Lithium in das Kompositmaterial noch effektiver verhindert.
Gegenstand der Erfindung ist auch ein Verfahren zur Herstellung des erfindungsgemäßen Kompositmaterials, umfassend die Verfahrensschritte:
(i) Bereitstellen mindestens einer poröse Struktur aus einem thermisch stabilen Material, und
(ii) Inkontaktbringen der mindestens einen porösen Struktur mit einem im Wesentlichen flüssigen, ionenleitfähigen Polymer, sodass das
Porenvolumen der porösen Struktur im Wesentlichen vollständig, d.h. zu mindestens 90 vol.-%, vorzugsweise mindestens 95 vol.-%, bezogen auf
das gesamte offene Porenvolumen der porösen Struktur, mit dem ionenleitfähigen Polymer gefüllt wird.
Vorzugsweise wird die poröse Struktur durch Recken (Verstrecken), chemisches Ätzen, Laserbehandlung oder Electrospinning-Verfahren, Electroblowing-
Verfahren oder artverwandte Verfahren aus dem thermisch stabilen Material hergestellt werden.
Das Kompositmaterial wird vorzugsweise in Form einer Kompositmaterial- Folie hergestellt. Dies wird beispielsweise dadurch erreicht, dass in Schritt (i) die poröse Struktur in Form einer Folie mit geeigneter Folienschichtdicke eingesetzt wird.
Das im Wesentlichen flüssige, ionenleitfähige Polymer wird vorzugsweise durch Erwärmen des bei Raumtemperatur festen ionenleitfähigen Polymers auf eine
Temperatur oberhalb seiner Schmelztemperatur bzw. Erweichungstemperatur erhalten.„Im Wesentlichen flüssig" bedeutet, dass die Polymerschmelze geringe feste Bestandteile, insbesondere Leitsalze umfassen kann. In einem weiteren Schritt (iii) kann durch Abkühlen der Polymer-gefüllten porösen
Struktur ein festes Kompositmaterial erhalten werden.
Das durch das erfindungsgemäße Verfahren erhaltene Kompositmaterial aus poröser Struktur und ionenleitfähigem Polymer kann anschließend wie ein herkömmlicher Separator weiter in der elektrochemischen Festkörperzelle verbaut werden.
In einer alternativen Ausführungsform der Erfindung wird die poröse Struktur durch Electrospinning-Verfahren, Electroblowing- Verfahren oder artverwandte Verfahren in Form einer Fasermatte unmittelbar auf die Oberfläche der positiven
Elektrode aufgebracht werden. In diesem Fall wird in Schritt (ii) das Laminat aus positiver Elektrode und poröser Struktur mit dem im Wesentlichen flüssigen, ionenleitfähigen Polymer in Kontakt gebracht.
Auf der Oberfläche des Kompositmaterials kann ferner mindestens eine Schicht eines porösen Polymers mit einer Schmelztemperatur von < 200°C,
vorzugsweise < 175°C, insbesondere > 120°C und < 170°C, aufgebracht sein. Diese kann beispielsweise aus einem Polyolefin oder einem Polyester gefertigt sein. Eine solche Polymerschicht schmilzt, sobald die Temperaturen in der elektrochemischen Festkörperzelle über die Schmelztemperatur des Polymers, aus dem die Polymerschicht gefertigt ist, ansteigen. Dadurch werden die Poren in der Polymerschicht verschlossen und der lonentransport zwischen den Elektroden wird unterbrochen (sog. thermal shut-down). Auch ein Laminat aus mindestens zwei thermisch stabilen, porösen Strukturen, zwischen denen eine
Schicht eines porösen Polymers mit einer Schmelztemperatur von < 200°C, vorzugsweise < 175°C, insbesondere > 120°C und < 170°C, angeordnet ist, ist denkbar.
Gegenstand der Erfindung ist auch eine elektrochemische Festkörperzelle, umfassend das erfindungsgemäße Kompositmaterial, vorzugsweise in Form mindestens einer Kompositmaterial- Folie. Neben dem Kompositmaterial umfasst die erfindungsgemäße elektrochemische Festkörperzelle noch mindestens eine negative Elektrode, mindestens eine positive Elektrode, sowie gegebenenfalls mindestens einen Polymerelektrolyt und/oder mindestens einen Separator. Die mindestens eine negative Elektrode umfasst mindestens einen Stromableiter und mindestens ein Aktivmaterial (nachfolgend auch als negatives Aktivmaterial bezeichnet). Als negatives Aktivmaterial kann prinzipiell jedes dem Fachmann bekannte Aktivmaterial verwendet werden, welches üblicherweise zur
Verwendung in negativen Elektroden, insbesondere negativen Elektroden für Lithium-haltige elektrochemische Festkörperzellen, geeignet ist. Besonders bevorzugt wird ein Aktivmaterial verwendet, welches elementares (metallisches) Lithium umfasst oder daraus besteht. Dies ermöglicht die Herstellung
elektrochemischer Festkörperzellen mit besonders hohen Energiedichten. Solche Festkörperzellen sind typischerweise besonders stark von der Ausbildung von Lithium-Dendriten betroffen und können somit besonders von der Verwendung des erfindungsgemäßen Kompositmaterials profitieren.
Der Stromableiter der negativen Elektrode besteht aus mindestens einem elektrisch leitfähigen Material. Geeignete Materialien, aus denen der
Stromableiter gebildet sein kann sind beispielsweise Aluminium, Kupfer, Nickel oder auch Legierungen dieser Metalle. Auch die Verwendung eines
Stromableiters aus elementarem (metallischem) Lithium ist ebenfalls denkbar. Vorzugsweise stellt Lithium in diesem Fall sowohl das Aktivmaterial als auch das Material des Stromableiters dar. Die Schichtdicke des Stromableiters ist vorzugsweise nicht besonders eingeschränkt und reicht beispielsweise von 1 bis 500 μηη, insbesondere von 1 bis 25 μηη. Vorzugsweise ist der Stromableiter der negativen Elektrode flächig ausgestaltet. Als positive Elektrode können sämtliche dem Fachmann bekannten Elektroden eingesetzt werden, welche als positive Elektroden in elektrochemischen
Festkörperzellen, insbesondere in lithiumhaltigen elektrochemischen
Festkörperzellen, eingesetzt werden können. Diese umfassen üblicherweise mindestens einen Stromableiter, sowie mindestens ein Aktivmaterial, welches auf mindestens einer Oberfläche des mindestens einen Stromableiters angeordnet und mit diesem elektrisch leitend verbunden ist. Der Stromableiter ist aus einem elektrisch leitfähigen Material gefertigt. Geeignete Materialien, aus denen der Stromableiter gebildet sein kann sind beispielsweise Aluminium, Kupfer, Nickel oder auch Legierungen dieser Metalle. Im Übrigen kann der Stromableiter der positiven Elektrode wie der Stromableiter der negativen Elektrode ausgebildet sein. Das positive Aktivmaterial umfasst dabei in der Regel Verbindungen, welche in der Lage sind Lithium-Ionen reversibel aufzunehmen und freizusetzen. Typische positive Aktivmaterialien sind dabei Mischoxide, welche Lithium sowie mindestens ein Metall, ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Nickel, Kobalt, Mangan (sog. NCM-Mischoxide), umfassen. Als Beispiele zu nennen sind: UC0O2, Lithium-Nickel-Kobalt-Aluminium-Oxide (z.B. LiNio,8Coo,i5Alo,o502; NCA) und Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxide (z.B. LiNio,8Mno,iCoo,i02 (NMC (811)), LiNio,33Mn0,33Co0,3302 (NMC (111)), LiNi0,6Mno,2Coo,202 (NMC (622)), LiNio,5Mno,3Coo,202 (NMC (532)) oder LiNio,4Mno,3Coo,302 (NMC (433)), überlithiierte Schichtoxide der allgemeinen Formel n(Ü2Mn03) ■ 1-n (L1MO2) mit
M = Co, Ni, Mn, Cr und 0 < n < 1, Spinelle der allgemeinen Formel
n(Li2Mn03) ■ 1-n (LiM20 ) mit M=Co, Ni, Mn, Cr und 0 < n < 1. Ferner sind insbesondere Spinellverbindungen der Formel LiMxMn2-x04 mit M = Ni, Co, Cu, Cr, Fe (z.B. LiMn204, LiNio.5Mni.s04), Olivinverbindungen der Formel LiMP04 mit M = Mn, Ni, Co, Cu, Cr, Fe (z.B. LiFeP0 , LiMnP0 ), Silikatverbindungen der
Formel Li2MSi04 mit M = Ni, Co, Cu, Cr, Fe, Mn (z. B. Li2FeSi0 ),
Tavoritverbindungen (z.B. LiVP04F), Li2Mn03, Li1.17Nio.17Coo.1Mno.56O2 und Ü3V2(P04)3 als geeignete positive Aktivmaterialien hervorzuheben. Weiter umfasst das Aktivmaterial in der Regel mindestens ein Bindemittel. Übliche Bindemittel für die positive Elektrode umfassen Styrol-Butadien-Copolymer
(SBR), Polyvinylidenfluorid (PVD F), Polytetrafluorethen (PTFE),
Carboxymethylcellulose (CMC), Polyacrylsäure (PAA), Polyvinylalkohol (PVA) und Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer (EPDM). Alternativ können auch die bereits beschriebenen ionenleitfähigen Polymere, welche in dem
erfindungsgemäßen Kompositmaterial eingesetzt werden, als Bindemittel verwendet werden. Ferner umfasst das Aktivmaterial häufig auch noch
Leitadditive, z. B. Leitruß, um die elektrische Leitfähigkeit zu verbessern.
Gegebenenfalls umfasst die elektrochemische Festkörperzelle mindestens einen Polymerelektrolyt. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er ein Material umfasst oder aus diesem besteht, welches bei Raumtemperatur im Wesentlichen fest ist, und wenigstens bei Betriebstemperatur eine ausreichende lonenleitfähigkeit aufweist, um den Transport von Ionen, insbesondere Lithiumionen, zwischen den Elektroden zu gewährleisten. Darüber hinaus ist der Polymerelektrolyt nicht elektrisch leitfähig. Als Polymerelektrolyt können prinzipiell sämtliche dem
Fachmann bekannte Polymerelektrolyte in der erfindungsgemäßen
elektrochemischen Festkörperzelle eingesetzt werden, welche als
Polymerelektrolyte in elektrochemischen Festkörperzellen, insbesondere in lithiumhaltigen elektrochemischen Festkörperzellen, eingesetzt werden können. Diese umfassen in der Regel vorzugsweise mindestens ein Polymer und mindestens ein Leitsalz. Insbesondere sind die zuvor genannten Polymere und Leitsalze geeignet. In einer besonders bevorzugten Ausführung ist das ionenleitfähige Polymer des Kompositmaterials identisch mit dem Polymer des verwendeten Polymerelektrolyten. Dies gewährleistet eine möglichst hohe lonenleitfähigkeit.
Das Kompositmaterial ist vorzugsweise in Form einer Kompositmaterial- Folie so in der elektrochemischen Festkörperzelle angeordnet, dass diese die mindestens eine negative Elektrode und die mindestens eine positive Elektrode mechanisch voneinander trennt. So übernimmt das Kompositmaterial die Aufgabe des
Separators der elektrochemischen Festkörperzelle. In einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung ist in der elektrochemischen Festkörperzelle zwischen der positiven Elektrode und der negativen Elektrode daher kein zusätzlicher Separator angeordnet. In einer alternativen Ausführungsform umfasst die elektrochemische Festkörperzelle zwischen der positiven Elektrode und der negativen Elektrode zusätzlich mindestens einen herkömmlichen Separator. Solche Separatoren umfassen üblicherweise Polymere mit einer Schmelztemperatur von < 200°C, vorzugsweise < 175°C, insbesondere > 120°C und < 170°C. Üblicherweise werden Polymere wie Polyolefine, Polyester und fluorierte Polymere eingesetzt. Besonders bevorzugte Polymere sind Polyethylen
(PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) und Polyvinylidenfluorid (PVDF). Ein solcher Separator kann innerhalb der elektrochemischen
Festkörperzelle - wie zuvor beschreiben - unmittelbar auf mindestens einer Oberfläche des Kompositmaterials aufgebracht sein, oder aber unabhängig von diesem, innerhalb der elektrochemischen Festkörperzelle zwischen der mindestens einen negativen Elektrode und der mindestens einen positiven Elektrode angeordnet sein. In einer Ausführungsform der Erfindung steht Kompositmaterial daher nicht in unmittelbaren Kontakt mit einem herkömmlichen Separator.
Prinzipiell kann das mindestens eine Kompositmaterial innerhalb der
elektrochemischen Festkörperzelle an jeder beliebigen Position angeordnet sein, solange sie sich zwischen der mindestens einen negativen Elektrode und der mindestens einen positiven Elektrode befindet und diese zuverlässig
voneinander trennt.
In einer Ausführungsform der Erfindung ist das mindestens eine
Kompositmaterial auf der mindestens einer Oberfläche der mindestens einen positiven Elektrode angeordnet.
In einer alternativen Ausführungsform ist das mindestens eine Kompositmaterial in einem Polymerelektrolyt eingebettet. Das bedeutet, dass zwischen der Oberfläche des mindestens einen Kompositmaterials und der Oberfläche der mindestens einen positiven Elektrode und/oder zwischen der Oberfläche des mindestens einen Kompositmaterials und der Oberfläche der mindestens einen
positiven Elektrode jeweils mindestens eine Schicht aus einem Polymerelektrolyt angeordnet ist.
Vorzugsweise ist das Kompositmaterial nicht in direktem Kontakt zu der mindestens einen negativen Elektrode in der elektrochemischen Festkörperzelle angeordnet.
Die erfindungsgemäße elektrochemische Festkörperzelle findet vorteilhaft Verwendung in einem Elektrofahrzeug (EV), in einem Hybridfahrzeug (H EV), in einem Plug-In-Hybridfahrzeug (PHEV), in einem Werkzeug oder in einem Consumer-Elektronik-Produkt. Unter Werkzeugen sind dabei insbesondere Heimwerkzeuge sowie Gartenwerkzeuge zu verstehen. Unter Consumer- Elektronik-Produkten sind insbesondere Mobiltelefone, Tablet-PCs oder
Notebooks zu verstehen.
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Kompositmaterial zeichnet sich dadurch aus, dass es auch starker thermischer und/oder mechanischer Beanspruchung Stand hält und so bei der Verwendung in einer erfindungsgemäßen elektrochemischen
Festkörperzelle den Kontakt zwischen der positiven Elektrode und der negativen Elektrode unterbinden kann. Eine Kurzschlussreaktion wird dadurch effektiv vermieden und die Sicherheit der elektrochemischen Festkörperzelle so deutlich erhöht. Darüber hinaus ist das Kompositmaterial durch ein einfaches und kostengünstiges Verfahren herstellbar.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
Es zeigt:
Figur 1 eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen
elektrochemischen Festkörperzelle; und
Figur 2 eine schematische Darstellung einer alternativen
erfindungsgemäßen elektrochemischen Festkörperzelle.
Ausführungsformen der Erfindung
In Figur 1 ist der Aufbau einer elektrochemischen Festkörperzelle 1 schematisch dargestellt. Eine positive Elektrode 21 und eine negative Elektrode 22 sind in einem Zellgehäuse 2 angeordnet. Die positive Elektrode 21, umfassend einen Stromsammler 31 und ein Aktivmaterial 41, ist über den Stromsammler 31 mit dem positiven Terminal 11 verbunden. Das Aktivmaterial 41 der positiven
Elektrode 21 umfasst beispielsweise ein NCM- oder N CA- Mischoxid als
Aktivmaterial und Polyethylenoxid als lonenleiter. Vorzugsweise umfasst das Polyethylenoxid zusätzlich ein Leitadditiv, z. B. Li(CF3)S02NS02(CF3) (LiTFSI). Der Stromableiter 31 ist vorzugsweise aus einem Metall gefertigt, z. B. aus Aluminium.
Gegenüberliegend befindet sich eine negative Elektrode 22, die ebenfalls ein Aktivmaterial 42 und einen Stromsammler 32 umfasst, über welchen die negative Elektrode 22 zur Ableitung mit dem negativen Terminal 12 verbunden ist. Das Aktivmaterial 42 der negativen Elektrode 22 besteht vorliegend aus elementarem
Lithium und ist auf einem Teil der Oberfläche des Stromableiters 32, welcher aus Nickel gefertigt ist, angeordnet.
Das Kompositmaterial 19, ist (vorliegend in Form einer Folie) zwischen der negative Elektrode 22 und die positive Elektrode 21 angeordnet und trennt diese mechanisch voneinander. Zusätzlich ist zwischen der ersten Oberfläche 29 des Kompositmaterials 19 und der positiven Elektrode 21, sowie der zweiten
Oberfläche 39 des Kompositmaterials 19 und der negativen Elektrode 22 jeweils ein Polymerelektrolyt 15 angeordnet. Dieser stellt eine ionenleitfähige
Verbindung zwischen der positiven Elektrode 21 und der negativen Elektrode 22 her. Als Polymerelektrolyt 15 wird beispielsweise ein Gemisch aus
Polyethylenoxid und Li(CF3)S02NS02(CF3) (LiTFSI), eingesetzt.
Das Kompositmaterial 19 umfasst eine porösen Struktur aus einem thermisch stabilen Material, welches eine Vielzahl von (schematisch dargestellten) Poren
49 aufweist. Diese sind erfindungsgemäß (im Wesentlichen) vollständig mit einem ionenleitfähigen Polymer gefüllt sind. Vorliegend ist das ionenleitfähige Polymer identisch mit dem Polymerelektrolyt 15. Alternativ könnte es sich bei dem ionenleitfähigen Polymer um ein Polymer handeln, welches als Polymer eines Polymerelektrolyten geeignet ist, ohne jedoch ein Leitsalz zu umfassen. Beispielsweise könnte das ionenleitfähige Polymer Polyethylenoxid sein.
Alternativ könnte es sich bei dem ionenleitfähigen Polymer um den Katholyt der elektrochemischen Festkörperzelle handeln, sofern sich dieser vom Elektrolyt unterscheidet. Das Kompositmaterial 19 umfasst vorzugsweise keine Poren.
In einer Ausführungsform ist mindestens eine der Oberflächen 29, 39 des Kompositmaterials 19 mit mindestens einer Beschichtung versehen, die eine niedrige Oberflächenenergie aufweist. Besonders bevorzugt ist mindestens die der negativen Elektrode 22 zugewandte zweite Oberfläche 39 mit einer solchen Beschichtung versehen. So kann ein Eindringen von gegebenenfalls
vorhandenem geschmolzenem Lithium in das Kompositmaterial 19 effektiv verhindert werden.
Figur 2 zeigt eine alternative Ausführungsform der erfindungsgemäßen elektrochemischen Festkörperzelle 1. Die Bestandteile der elektrochemischen Festkörperzelle 1 sind denen aus Figur 1 sehr ähnlich. Im Folgenden wird daher nur auf die Unterschiede hingewiesen. In der elektrochemischen Festkörperzelle 1 der Figur 2 ist das Kompositmaterial 19 mit seiner zweiten Oberfläche 39 unmittelbar auf der Oberfläche der positiven Elektrode 21 aufgebracht. Die negative Elektrode 22 und das Kompositmaterial 19 sind durch den
Polymerelektrolyt 15 voneinander beabstandet.
Die Erfindung ist nicht auf die hier beschriebenen Ausführungsbeispiele und die darin hervorgehobenen Aspekte beschränkt. Vielmehr ist innerhalb des durch die Ansprüche angegebenen Bereichs eine Vielzahl von Abwandlungen möglich, die im Rahmen fachmännischen Handelns liegen.