Verfahren zur Erzeugung von dotierten, polykristallinen Halbleiterschichten
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung von dotierten polykristallinen Halbleiterschichten auf einem Halbleitersubstrat, die nach dem Verfahren erhältlichen Halbleiter und ihre Verwendung, insbesondere in Solarzellen.
Für verschiedene Anwendungen werden dotierte Halbleiterschichten benötigt, z.B. in der Photovoltaik. Die Photovoltaik basiert auf der Erzeugung freier Ladungsträger in einem
Halbleiter durch einfallendes Licht. Zur elektrischen Nutzung dieser Ladungsträger (Trennung von Elektronen und Löchern) wird ein p-n Übergang im Halbleiter benötigt. Typischerweise wird Silizium als Halbleiter verwendet. Der dabei verwendete Silizium-Wafer weist üblicherweise eine Grunddotierung, z.B. mit Bor (p-Typ), auf. Typischerweise wird der p-n Übergang durch
Eindiffusion von Phosphor (n-Typ Dotiermittel) aus der Gasphase bei Temperaturen um 900°C erzeugt. Beide Halbleitertypen (p und n) werden zur Extraktion der entsprechenden
Ladungsträger mit Metallkontakten kontaktiert.
Der Wirkungsgrad von Solarzellen auf Basis solcher Silizium-Wafer ist allerdings häufig durch die Rekombination von Ladungsträgern am Kontakt zwischen Metall und Halbleiter limitiert.
Diese Rekombination kann beispielsweise durch die Verwendung von amorphen
Siliziumschichten verhindert werden. Nachteilig an amorphem Silizium ist aber die geringe Temperaturstabilität, die die Verwendung der Standardprozesse zur Herstellung von Solarzellen nicht zulässt. Daher müssen spezielle angepasste, kostenintensive Alternativverfahren verwendet werden, wodurch die Herstellungskosten der Solarzellen steigen.
Im Stand der Technik ist es daher bekannt alternativ eine ultradünne Oxidschicht zu verwenden auf die eine hochdotierte Polysiliziumschicht abgeschieden wird. Diese Strategie hat den Vorteil, dass hierdurch ebenfalls die Rekombination am Metall-Halbleiter-Kontakt signifikant reduziert und selbst bei Temperaturen von 1050°C die Funktionalität dieser Schicht nicht verändert wird. Typischerweise werden in solchen Verfahren 1 -4 nm dicke Oxide, meistens Siliziumoxid, auf die Silizium-Wafer abgeschieden bzw. gewachsen. Auf diese Oxide werden dann wiederum intrinsische amorphe Siliziumschichten abgeschieden. Die amorphen
Siliziumschichten werden anschließend mittels eines Hochtemperaturschritts in Polysilizium
umgewandelt. Anschließend wird das Polysilizium in einem weiteren Hochtemperaturschritt mit Phosphor bzw. Bor dotiert und hierdurch in n-Typ bzw. p-Typ Silizium umgewandelt. Die Abscheidung des amorphen Siliziums erfolgt üblicherweise mittels Chemical Vapor Deposition (CVD). Nachteilig ist dabei die ganzflächige, beidseitige Abscheidung und dadurch bedingt hoher Prozessaufwand zur Herstellung von strukturierten oder einseitigen Schichten. So kann selbst bei einer einseitigen Abscheidung die gleichzeitige Abscheidung an der Substratkante beispielsweise zu Kurzschlüssen in der Solarzelle führen. Weitere Nachteile sind die hohen Anlagenkosten für die CVD Anlage sowie die hohe Prozesskomplexität mit mehreren Schritten und langen Prozesszeiten.
Es ist somit die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Erzeugung von dotierten, polykristallinen Halbleiterschichten auf einem Halbleitersubstrat, insbesondere einem Silizium-Wafer, bereitzustellen, das es ermöglicht, die Nachteile bekannter Verfahren zumindest teilweise zu überwinden.
Die vorliegende Aufgabe wird gelöst durch das erfindungsgemäße Flüssigphasenverfahren zur Herstellung von dotierten, polykristallinen Halbleiterschichten auf einem Halbleitersubstrat, insbesondere einem Silizium-Wafer, bei dem
- eine erste Precursorzusammensetzung enthaltend:
(i) ein erstes Dotiermittel; und
(ii) mindestens einen bei SATP-Bedingungen flüssigen Silizium-haltigen
Precursor oder mindestens ein Lösemittel und mindestens einen bei SATP- Bedingungen flüssigen oder festen Silizium-haltigen Precursor; auf einen oder mehrere Bereiche der Oberfläche des Halbleitersubstrats aufgebracht wird, um einen oder mehrere mit der ersten Precursorzusammensetzung beschichtete(n)
Bereich(e) der Oberfläche des Halbleitersubstrats zu erzeugen;
- optional eine zweite Precursorzusammensetzung enthaltend:
(i) ein zweites Dotiermittel; und
(ii) mindestens einen bei SATP-Bedingungen flüssigen Silizium-haltigen Precursor oder mindestens ein Lösemittel und mindestens einen bei SATP-
Bedingungen flüssigen oder festen Silizium-haltigen Precursor; auf einen oder mehrere Bereiche der Oberfläche des Halbleitersubstrats aufgebracht wird, um einen oder mehrere mit der zweiten Precursorzusammensetzung beschichtete(n) Bereich(e) der Oberfläche des Halbleitersubstrats zu erzeugen, wobei der eine oder die
mehreren Bereich(e), die mit der ersten Precursorzusammensetzung beschichtet sind, und der eine oder die mehreren Bereich(e), die mit der zweiten
Precursorzusammensetzung beschichtet sind, verschieden sind und nicht oder nicht wesentlich überlappen und wobei das erste Dotiermittel ein Dotiermittel vom n-Typ ist und das zweite Dotiermittel ein Dotiermittel vom p-Typ ist oder umgekehrt; und
- der Silizium-haltige Precursor in polykristallines Silizium konvertiert wird.
Unter einem Flüssigphasenverfahren ist vorliegend ein Verfahren zu verstehen, bei dem flüssige Silizium-haltige Precursoren (fungierend als Lösemittel für die Dotierstoffe bzw. ggf. weitere Additive) oder flüssige Lösungen enthaltend die (selbst flüssigen oder festen) Silizium- haltigen Precursoren und Dotierstoffe (und ggf. weitere Additive), als Nassfilm auf den Halbleiter aufgebracht werden. Die Silizium-haltigen Precursoren werden dann nachfolgend
beispielsweise thermisch oder mit elektromagnetischer Strahlung in eine im Wesentlichen elementare polykristalline Silizium-Beschichtung umgewandelt. Unter einer„Konvertierung" im Sinne der vorliegenden Erfindung ist daher die Umwandlung einer Precursorzusammensetzung in die genannte elementare, polykristalline Silizium-Schicht zu verstehen. Diese Konvertierung kann einstufig, d.h. vom Nassfilm in polykristallines Silizium, aber auch zweistufig über eine Zwischenstufe aus amorphem Silizium erfolgen. Die Dotiermittel vom p-Typ bzw. vom n-Typ können insbesondere in Form von
Elementverbindungen der III. bzw. V. Hauptgruppe vorliegen. Das mindestens eine Dotiermittel vom n-Typ kann aus phosphor-haltigen Dotiermitteln, insbesondere PH3, P4, P(SiMe3)3,
PhP(SiMe3)2, CI2P(SiMe3), PPh3, PMePh2 und P(t-Bu)3, arsen-haltigen Dotiermitteln,
insbesondere As(SiMe3)3, PhAs(SiMe3)2, CI2As(SiMe3), AsPh3, AsMePh2,
As(t-Bu)3 und AsH3, antimon-haltigen Dotiermitteln, insbesondere Sb(SiMe3)3, PhSb(SiMe3)2, CI2Sb(SiMe3), SbPh3, SbMePh2 und Sb(t-Bu)3, und Mischungen der vorgenannten ausgewählt werden. Das mindestens eine Dotiermittel vom p-Typ kann ausgewählt werden aus bor-haltigen Dotiermitteln, insbesondere B2H6, BH3 *THF, BEt3, BMe3, B(SiMe3)3, PhB(SiMe3)2, CI2B(SiMe3), BPh3, BMePh2, B(t-Bu)3 und Mischungen davon.
„Mindestens ein", wie hierin verwendet, bedeutet 1 oder mehr, d.h. 1 , 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 oder mehr. Bezogen auf einen Inhaltsstoff bezieht sich die Angabe auf die Art des Inhaltsstoffs und nicht auf die absolute Zahl der Moleküle.„Mindestens ein Dotiermittel" bedeutet somit beispielsweise mindestens eine Art von Dotiermittel, d.h. dass eine Art von Dotiermittel oder
eine Mischung mehrerer verschiedener Dotiermittel verwendet werden kann. Zusammen mit Mengenangaben bezieht sich die Angabe auf alle Verbindungen der angegebenen Art, die in der Zusammensetzung/Mischung enthalten sind, d.h. dass die Zusammensetzung über die angegebene Menge der entsprechenden Verbindungen hinaus keine weiteren Verbindungen dieser Art enthält.
Alle Prozentangaben, die im Zusammenhang mit den hierin beschriebenen
Zusammensetzungen gemacht werden, beziehen sich, sofern nicht explizit anders angegeben auf Gew.-%, jeweils bezogen auf die entsprechende Zusammensetzung.
„Ungefähr" oder„ca.", wie hierin im Zusammenhang mit einem Zahlenwert verwendet bezieht sich auf den Zahlenwert ±10 %, vorzugsweise ±5%.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren, konvertierten Halbleiterschichten enthalten elementares Silizium in polykristalliner Form in Kombination mit dem jeweiligen Dotiermittel oder bestehen daraus. In besonderen Ausführungsformen kann es sich bei den nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Schichten um Schichten handeln, die neben elementarem polykristallinem Silizium und dem jeweiligen Dotiermittel auch andere Bestandteile oder Elemente enthalten. In diesem Fall ist es aber bevorzugt, dass diese zusätzlichen Bestandteile der Schicht nicht mehr als 30 Gew.-%, vorzugsweise nicht mehr als 15 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht der Schicht ausmachen.
In den Verfahren gemäß der Erfindung können die Beschichtungen mit der ersten
Zusammensetzung bzw. mit der zweiten Zusammensetzung strukturiert sein, wobei unter einer „strukturierten" Beschichtung hierin eine Beschichtung zu verstehen ist, die das Substrat nicht vollständig oder im Wesentlichen vollständig bedeckt, sondern die das Substrat partiell unter Erzeugung einer Strukturierung bedeckt. Entsprechende Strukturierungen können insbesondere in der Halbleitertechnik die Lösung technischer Aufgaben übernehmen. Typische Beispiele für strukturierte Schichten sind Leiterbahnen (z.B. für Kontaktierungen), Fingerstrukturen oder punktförmige Strukturen (z.B. für Emitter- und Basisbereiche bei Back-Contact-Solarzellen) und selektive Emitter-Strukturen bei Solarzellen.
In den Verfahren der Erfindung werden die erste Zusammensetzung, die mindestens ein erstes Dotiermittel enthält, und die zweite Zusammensetzung, die mindestens ein zweites Dotiermittel
enthält, auf unterschiedliche, nicht oder nicht wesentlich überlappende Bereiche der Substratoberfläche aufgetragen.„Nicht wesentlich überlappend" bedeutet hierbei, dass die Bereiche mit nicht mehr als 5% ihrer jeweiligen Fläche überlappen. Es ist bevorzugt, dass die Bereiche überhaupt nicht überlappen, allerdings kann es prozessbedingt zu derartigen
Überlappungen kommen. Diese sind dann allerdings häufig unerwünscht. Die Auftragung kann dabei jeweils strukturiert erfolgen, so dass die erste Zusammensetzung und die zweite
Zusammensetzung beispielsweise einseitig in einer ineinandergreifenden Struktur
(interdigitated) auf die Oberfläche des Silizium-Wafers aufgebracht werden oder die erste Zusammensetzung und die zweite Zusammensetzung auf die jeweils gegenüberliegenden Seiten des Silizium-Wafers aufgebracht werden.
Unter den Precursorzusammensetzungen im Sinne der vorliegenden Erfindung, d.h. der ersten und der optionalen zweiten Precursorzusammensetzung, sind insbesondere bei SATP
Bedingungen (25 °C, 1 ,013 bar) flüssige Zusammensetzungen zu verstehen, die entweder mindestens einen bei SATP-Bedingungen flüssigen Silizium-haltigen Precursor enthalten oder mindestens ein Lösemittel und mindestens einen bei SATP-Bedingungen flüssigen oder festen Silizium-haltigen Precursor jeweils in Kombination mit dem jeweiligen Dotierstoff enthalten oder daraus bestehen. Besonders gute Ergebnisse können mit Zusammensetzungen umfassend mindestens ein Lösemittel und mindestens einen bei SATP-Bedingungen flüssigen oder festen Silizium-haltigen Precursor in Kombination mit dem jeweiligen Dotiermittel erzielt werden, da sich diese besonders gut verdrucken lassen.
Die Precursoren schließen allgemein alle geeigneten Polysilane, Polysilazane und
Polysiloxane, insbesondere Polysilane, ein. Bevorzugte Silizium-haltige Precursoren sind (bei SATP-Bedingungen insbesondere flüssige oder feste) Silizium-haltige Verbindungen der Formel SinXc mit X = H, F, Cl, Br, I, C Ci0-Alkyl-, C Ci0-Alkenyl, C5-C2o-Aryl, n > 4 und 2n < c < 2n+2. Ebenfalls bevorzugte Silizium-haltige Precursoren sind Silizium-haltige Nanopartikel.
Besonders gute Ergebnisse lassen sich erhalten, wenn eine Zusammensetzung eingesetzt wird, die mindestens zwei Precursoren aufweist, von denen mindestens einer ein Hydridosilan, insbesondere der generischen Formel SinH2n+2 mit n = 3 bis 20, insbesondere 3 bis 10, und mindestens einer ein Hydridosilan-Oligomer ist. Alternativ können auch Zusammensetzungen eingesetzt werden, die nur Hydridosilan-Oligomer(e) enthalten. Entsprechende Formulierungen eignen sich insbesondere zur Herstellung hochqualitativer Schichten aus der flüssigen Phase,
benetzen im Beschichtungsprozess gängige Substrate gut und weisen scharfe Kanten nach der Strukturierung auf. Bevorzugt ist die Formulierung flüssig, da sie so besonders gut handhabbar ist. Hydridosilane der Formel SinH2n+2 mit n = 3 bis 20 sind nicht-cyclische Hydridosilane. Die Isomere dieser Verbindungen können linear oder verzweigt sein. Bevorzugte nicht-cyclische Hydridosilane sind Trisilan, iso-Tetrasilan, n-Pentasilan, 2-Silyl-Tetrasilan und Neopentasilan sowie Octasilan (d.h. n-Octasilan, 2-Silyl-Heptasilan, 3-Silyl-Heptasilan, 4-Silyl-Heptasilan, 2,2- Disilyl-Hexasilan, 2,3-Disilyl-Hexasilan, 2,4-Disilyl-Hexasilan, 2,5-Disilyl-Hexasilan, 3,4-Disilyl- Hexasilan, 2,2,3- Trisilal-Pentasilan, 2,3,4-Trisilyl-Pentasilan, 2,3,3-Trisilyl-Pentasilan, 2,2,4- Trisilal-Pentasilan, 2,2,3,3-Tetrasilyl-Tetrasilan, 3-Disilyl-Hexasilan, 2-Silyl-3-disilyl-Pentasilan und 3-Silyl-3-disilyl-Pentasilan) und Nonasilan (d.h. n-Nonasilan, 2-Silyl-Oktasilan, 3-Silyl- Oktasilan, 4-Silyl-Oktasilan, 2,2-Disilyl-Heptasilan, 2,3-Disilyl-Heptasilan, 2,4-Disilyl-Heptasilan, 2,5-Disilyl-Heptasilan, 2,6-Disilyl-Heptasilan, 3,3-Disilyl-Heptasilan, 3,4-Disilyl-Heptasilan, 3,5- Disilyl-Heptasilan, 4,4-Disilyl-Heptasilan, 3-Disilyl-Heptasilan, 4-Disilyl-Heptasilan, 2,2,3-Trisilyl- Hexasilan, 2,2,4-Trisilyl-Hexasilan, 2,2,5-Trisilyl-Hexasilan, 2,3,3-Trisilyl-Hexasilan, 2,3,4- Trisilyl-Hexasilan, 2,3,5-Trisilyl-Hexasilan, 3,3,4-Trisilyl-Hexasilan, 3,3,5-Trisilyl-Hexasilan, 3- Disilyl-2-Silyl-Hexasilan, 4-Disilyl-2-Silyl-Hexasilan, 3-Disilyl-3-Silyl-Hexasilan, 4-Disilyl-3-Silyl- Hexasilan, 2,2,3,3-Tetrasilyl-Pentasilan, 2,2,3,4-Tetrasilyl-Pentasilan, 2,2,4,4-Tetrasilyl- Pentasilan, 2,3,3,4-Tetrasilyl-Pentasilan, 3-Disilyl-2,2-Disilyl-Pentasilan, 3-Disilyl-2,3-Disilyl-
Pentasilan, 3-Disilyl-2,4-Disilyl-Pentasilan und 3,3-Disilyl-Pentasilan), deren Formulierungen zu besonders guten Ergebnissen führen.
Ebenfalls bevorzugt handelt es sich bei dem Hydridosilan der genannten generischen Formel um ein verzweigtes Hydridosilan, das zu stabileren Lösungen und besseren Schichten führt als ein lineares Hydridosilan.
Ganz besonders bevorzugt ist das Hydridosilan iso-Tetrasilan, 2-Silyl-Tetrasilan, Neopentasilan oder ein Gemisch von Nonasilan-Isomeren, das hergestellt werden kann über thermische Behandlung von Neopentasilan oder nach einer durch Holthausen et al. beschrieben Vorschrift (Posterpräsentation: A. Nadj, 6th European Silicon Days, 2012). Mit entsprechenden
Formulierungen können die besten Ergebnisse erzielt werden.
Bei dem Hydridosilan-Oligomer handelt es sich um das Oligomerisat einer Hydridosilan- Verbindung und bevorzugt um das Oligomerisat eines Hydridosilans. Besonders gut eignet sich die erfindungsgemäße Formulierung, wenn das Hydridosilan-Oligomer ein gewichtsmittleres Molekulargewicht von 600 bis 10.000 g/mol aufweist. Verfahren zur ihrer Herstellung sind dem Fachmann bekannt. Entsprechende Molekulargewichte können über Gelpermeations-
Chromatographie unter Verwendung einer linearen Polystyrolsäule mit Cyclooktan als Eluent gegen Polybutadien als Referenz bestimmt werden, beispielsweise nach DIN 55672-1 :2007-08.
Das Hydridosilan-Oligomer wird bevorzugt durch Oligomerisation nicht-cyclischer Hydridosilane erhalten. Anders als Hydridosilan-Oligomere aus cyclischen Hydridosilanen weisen diese Oligomere aufgrund des unterschiedlich ablaufenden, dissoziativen
Polymerisationsmechanismus einen hohen Quervernetzungsanteil auf. Oligomere aus cylischen Hydridosilanen haben stattdessen aufgrund des ringöffnenden Reaktionsmechanismus, dem cyclische Hydridosilane unterworfen sind, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen
Quervernetzungsanteil. Entsprechende aus nicht-cyclischen Hydridosilanen hergestellte Oligomere benetzen anders als Oligomere aus cyclischen Hydridosilanen in Lösung die Substratoberfläche gut und führen zu homogenen und glatten Oberflächen. Noch bessere Ergebnisse zeigen Oligomere aus nichtcyclischen, verzweigten Hydridosilanen. Ein besonders bevorzugtes Hydridosilan-Oligomer ist ein durch thermische Umsetzung einer Zusammensetzung umfassend mindestens ein nicht-cyclisches Hydridosilan mit maximal 20 Siliziumatomen in Abwesenheit eines Katalysators bei Temperaturen von < 235 °C erhältliches Oligomer. Entsprechende Hydridosilan-Oligomere und ihre Herstellung werden in WO
201 1/104147 A1 beschrieben, worauf im Hinblick auf die Verbindungen und ihre Herstellung Bezug genommen wird und das hierin durch diese Bezugnahme in seiner Gesamtheit eingeschlossen ist. Dieses Oligomer weist noch bessere Eigenschaften auf als die weiteren Hydridosilan-Oligomere aus nicht-cyclischen, verzweigten Hydridosilanen. Das Hydridosilan- Oligomer kann neben Wasserstoff und Silizium noch andere Reste aufweisen. So können Vorteile der mit den Formulierungen hergestellten Schichten resultieren, wenn das Oligomer kohlenstoffhaltig ist. Entsprechende kohlenstoffhaltige Hydridosilan-Oligomere können durch Co-Oligomerisation von Hydridosilanen mit Kohlenwasserstoffen hergestellt werden. Bevorzugt handelt es sich jedoch bei dem Hydridosilan-Oligomer um eine ausschließlich Wasserstoff- und Silizium-aufweisende Verbindung, die also keine Halogen- oder Alkylreste aufweist.
Bevorzugt sind weiterhin Hydridosilan-Oligomere, die bereits dotiert sind. Bevorzugt sind die Hydridosilan-Oligomere bor- oder phosphordotiert. Entsprechende Hydridosilan-Oligomere können durch Zugabe der entsprechenden Dotierstoffe bereits bei ihrer Herstellung erzeugt werden. Alternativ können auch bereits hergestellte, nicht dotierte Hydridosilan-Oligomere mit den oben genannten Dotierungsmitteln vom p-Typ bzw. n-Typ mittels eines energetischen Prozesses (z.B. UV-Bestrahlung oder thermische Behandlung) p-dotiert oder n-dotiert werden.
Der Anteil des bzw. der Hydridosilane beträgt bevorzugt 0,1 bis 100 Gew.-%, weiter bevorzugt 1 bis 50 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt 1 bis 30 Gew.-% bezogen auf die Gesamtmasse der jeweiligen Precursorzusammensetzung. Das Hydridosilan kann eines der oben beschriebenen Hydridosilane sein, insbesondere ist es Neopentasilan. Der Rest der Formulierung setzt sich aus weiteren Bestandteilen, d.h. insbesondere Lösungsmitteln, Hydridosilan-Oligomeren, etc. zusammen.
Der Anteil des bzw. der Hydridosilan-Oligomere beträgt bevorzugt 0,1 bis 100 Gew.-%, weiter bevorzugt 1 bis 50 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt 10 bis 35 Gew.-% bezogen auf die Gesamtmasse der jeweiligen Precursorzusammensetzung. Der Rest der Formulierung setzt sich aus weiteren Bestandteilen, d.h. insbesondere Lösungsmitteln, Hydridosilan-Monomeren, etc. zusammen.
In anderen Ausführungsformen enthält die Precursorzusammensetzung sowohl Hydridosilane in Anteilen von 0,01 bis 90,00 Gew.-% als auch Hydridosilan-Oligomere in Anteilen von 0,1 bis 99,99 Gew.-% jeweils bezogen auf die Gesamtmasse an Hydridosilanen und Hydridosilan- Oligomeren. In verschiedenen Ausführungsformen, enthält die Precursorzusammensetzung nur Hydridosilan-Oligomer(e) und keine monomeren Hydridosilane, d.h. 100 Gew.-% Hydridosilan- Oligomer bezogen auf die Gesamtmasse der Hydridosilane und Hydridosilan-Oligomere. In diesen Ausführungsformen werden vorzugsweise die bereits oben als besonders geeignet beschriebenen Hydridosilan-Oligomere bzw. ggf. auch Hydridosilane verwendet. Die bei dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Zusammensetzungen müssen kein Lösemittel enthalten. Bevorzugt weisen sie jedoch mindestens ein Lösemittel auf. Enthalten sie ein Lösemittel, beträgt dessen Anteil bevorzugt 0,1 bis 99 Gew.-%, weiter bevorzugt 25 bis 95 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt 60 bis 95 Gew.-% bezogen auf die Gesamtmasse der jeweiligen Precursorformulierung.
Der Anteil der Dotiermittel an der Zusammensetzung kann bis zu ungefähr 15 Gew.-% betragen, typische Anteile betragen zwischen 1 und 5 Gew.-%. Für die hierin beschriebenen Zusammensetzungen bevorzugt einsetzbare Lösemittel sind solche, die ausgewählt werden aus der Gruppe bestehend aus linearen, verzweigten oder cyclischen gesättigten, ungesättigten oder aromatischen Kohlenwasserstoffen mit 1 bis 12 Kohlenstoffatomen (ggf. partiell oder vollständig halogeniert), Alkoholen, Ethern, Carbonsäuren, Estern, Nitrilen, Aminen, Amiden, Sulfoxiden und Wasser. Besonders bevorzugt sind n-Pentan, n-Hexan, n-Heptan, n-Oktan, n-Dekan, Dodekan, Cyclohexan, Cyclooctan, Cyclodekan,
Dicyclopentan, Benzol, Toluol, m-Xylol, p-Xylol, Mesitylen, Indan, Inden, Tetrahydronaphtalin, Decahydronaphtalin, Diethylether, Dipropylether, Ethylenglycoldimethylether,
Ethylenglycoldiethylether, Ethylenglycol-methylethylether, Diethylenglycoldimethylether, Diethylenglycol-diethylether, Diethylenglycolmethylethylether, Tetrahydrofuran, p-Dioxan, Acetonitril, Dimethylformamid, Dimethylsulfoxid, Dichlormethan und Chloroform. Ein besonders bevorzugtes Lösungsmittel ist eine Mischung aus Toluol und Cyclooctan.
Die erfindungsgemäß verwendeten Formulierungen können weiterhin neben dem mindestens einen Dotiermittel, dem mindestens einen Hydridosilan und dem mindestens einen
Hydridosilan-Oligomer und dem oder den ggf. anwesenden Lösemitteln noch weitere Stoffe, insbesondere verschiedene Additive enthalten. Entsprechende Stoffe sind dem Fachmann bekannt.
Für das erfindungsgemäße Verfahren werden als Halbleitersubstrat insbesondere Silizium- Wafer eingesetzt. Diese können beispielsweise polykristallin oder monokristallin und ggf. bereits grunddotiert sein. Diese Basisdotierung kann eine Dotierung mit einem Dotierstoff vom n- oder p-Typ sein, wie bereits oben definiert.
Das Aufbringen der Zusammensetzungen erfolgt bevorzugt über ein Flüssigphasenverfahren ausgewählt aus Druckverfahren (insbesondere Flexo/Gravur-Druck, Nano- bzw. Mikroimprint, Inkjet-Druck, Offset-Druck, reverse Offset-Druck, digitalem Offset-Druck und Siebdruck) und Sprühverfahren (pneumatisches Sprühen, Ultraschallsprühen, Electrospray-Verfahren).
Generell sind alle bekannten Auftragsverfahren geeignet, die eine strukturierte Beschichtung mit zwei unterschiedlichen Zusammensetzungen ohne substantiellen Überlapp ermöglichen.
Das Aufbringen der Zusammensetzungen kann prinzipiell flächig (d.h. unstrukturiert) oder strukturiert erfolgen. Eine flächige Auftragung kann insbesondere in den Fällen erfolgen, in denen die erste und die zweite Zusammensetzungen auf unterschiedliche Seiten des Wafers aufgetragen werden. Besonders feine Strukturen können mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erzielt werden, wenn auch bereits das Aufbringen der Zusammensetzungen auf das Substrat strukturiert erfolgt. Ein entsprechendes strukturiertes Aufbringen kann z.B. durch den Einsatz von Druckprozessen realisiert werden. Möglich ist auch eine Strukturierung über Oberflächenvorbehandlung des Substrates, insbesondere über eine Modifizierung der
Oberflächenspannung zwischen Substrat und der precursorhaltigen
Beschichtungszusammensetzung durch eine lokale Plasma- bzw. Corona-Behandlung und somit einer lokalen Entfernung von chemischen Bindungen an der Substratoberfläche oder einer lokalen Konvertierung der Oberfläche (z.B. Si-H Terminierung), durch chemische
Ätzungen oder Aufbringen chemischer Verbindungen (insbesondere durch self-assembled monolayers). Damit wird eine Strukturierung insbesondere dadurch erreicht, dass die precursorhaltige Beschichtungszusammensetzung nur an den vordefinierten Bereichen mit günstiger Oberflächenspannung haftet und/oder dass die getrocknete oder konvertierte Schicht nur an vordefinierten Bereichen mit günstiger Oberflächenspannung haftet. Bevorzugt lässt sich das erfindungsgemäße Verfahren jedoch mit Druckverfahren durchführen.
Besonders bevorzugt wird das erfindungsgemäße Verfahren so durchgeführt, dass die erste und die zweite Zusammensetzung gleichzeitig oder nacheinander ohne Überlapp auf unterschiedliche Bereiche des Wafers strukturiert oder flächig aufgebracht und die
resultierenden Beschichtungen konvertiert werden. Bei der strukturierten Auftragung können hiermit besonders feine Strukturen mit unterschiedlichen Eigenschaften hergestellt werden.
Nach dem Aufbringen der Formulierungen (Zusammensetzungen) kann eine Vorvernetzung über eine UV-Bestrahlung des flüssigen Filmes auf dem Substrat durchgeführt werden, nach der der noch flüssige Film quervernetzte Precursoranteile aufweist.
Nach Aufbringen und ggf. Vorvernetzen der Formulierung kann das beschichtete Substrat weiterhin bevorzugt vor der Konvertierung getrocknet werden, um ggf. anwesendes Lösemittel zu entfernen. Entsprechende Maßnahmen und Bedingungen hierfür sind dem Fachmann
bekannt. Um ausschließlich leicht flüchtige Formulierungsbestandteile zu entfernen, sollte im Falle einer thermischen Trocknung die Heiztemperatur weniger als 200 °C betragen. Im
Anschluss an das Aufbringen auf das Substrat und eine ggf. anschließende Vorvernetzung und/oder Trocknung wird die auf dem Substrat befindliche Beschichtungszusammensetzung vollständig konvertiert.
Der Konvertierungsschritt des erfindungsgemäßen Verfahrens kann prinzipiell mittels verschiedener, als solche im Stand der Technik bekannter Verfahren, erfolgen. Die
Konvertierung erfolgt unter inerter Atmosphäre, insbesondere Stickstoffatmosphäre, um eine Umwandlung in SiOx zu vermeiden. Generell kann (a) zuerst eine Konvertierung des Nassfilms in amorphes Silizium (a-Si) und anschließend eine Konvertierung des amorphen Siliziums in (poly)kristallines Silizium (c-Si) oder (b) direkt in einem Schritt eine Konvertierung des Nassfilms in c-Si erfolgen. Bevorzugt wird die Konvertierung bzw. Konvertierung thermisch und/oder unter Verwendung elektromagnetischer Strahlung und/oder durch Elektronen- oder lonenbeschuss durchgeführt. Die thermische Konvertierung des Nassfilms zu a-Si wird bevorzugt bei
Temperaturen von 200 - 1000 °C, vorzugsweise 300 - 750 °C, insbesondere bevorzugt 400 - 600 °C durchgeführt. Die thermischen Konvertierungszeiten betragen dabei bevorzugt zwischen 0,01 ms und 360 min. Die Konvertierungszeit beträgt weiter bevorzugt zwischen 1 und 30 min, insbesondere bei einer Temperatur von etwa 500 °C. Die Konvertierung des a-Si zu c-Si kann ebenfalls thermisch erfolgen und zwar beispielsweise bei Temperaturen von 300 - 1200 °C, vorzugsweise 500 - 1 100 °C, insbesondere bevorzugt 750 - 1050 °C durchgeführt. Die thermischen Konvertierungszeiten betragen dabei bevorzugt zwischen 30 s und 360 min. Die Konvertierungszeit beträgt weiter bevorzugt zwischen 5 und 60 min, besonders bevorzugt zwischen 10 und 30 min. Die für die Konvertierung von a-Si zu c-Si vorstehend angegebenen Bedingungen sind auch für die Konvertierung des Nassfilms zu c-Si in einem Schritt geeignet. Dann wird die Konvertierung direkt bei entsprechend höheren Temperaturen bzw. über längere Zeiträume durchgeführt.
Entsprechende schnelle energetische Prozessführungen können zum Beispiel durch den Einsatz eines IR-Strahlers, eines Lasers, einer Heizplatte, eines Heizstempels, eines Ofens, einer Blitzlampe, eines Plasmas (insbesondere eines Wasserstoffplasmas) oder einer Corona mit geeigneter Gaszusammensetzung, einer RTP-Anlage, einer Mikrowellenanlage oder einer Elektronenstrahlbehandlung (wenn erforderlich, im jeweils vorgeheizten bzw. warmgelaufenen Zustand) erfolgen.
Alternativ bzw. ergänzend kann eine Konvertierung durch Bestrahlen mit elektromagnetischer Strahlung, insbesondere mit UV-Licht, erfolgen. Die Konvertierungszeit kann dabei bevorzugt zwischen 1 s und 360 min betragen.
Ebenfalls möglich ist eine Konvertierung unter lonenbeschuss. Die Ionen können dabei auf verschiedene Weisen erzeugt werden. Häufig kommen Stoßionisation, insbesondere
Elektronenstoßionisation (El) oder chemische Ionisation (Cl), Photoionisation (PI),
Feldionisation (Fl), Fast Atom Bombardment (FAB), Matrix-unterstützte Laser
Desorption/Ionisation (MALDI) und Elektrospray-Ionisation (ESI) zum Einsatz.
Besonders bevorzugt ist eine vollständige Konvertierung die thermisch, beispielsweise in einem Ofen, erfolgt. Die Bedingungen für eine solche thermische Konvertierung, insbesondere in einem Ofen, wurden bereits oben beschrieben.
Unter einer Konvertierung wird vorliegend, wie bereits oben beschrieben, eine Umwandlung der abgeschiedenen Precursoren des (aus dem Nassfilm) entstandenen Beschichtungsfilms in polykristalline Halbleiterschichten verstanden und zwar entweder direkt oder über eine
Zwischenstufe aus amorphem Silizium. Die Konvertierung wird in jedem Fall so durchgeführt, dass nach der Konvertierung strukturierte polykristalline, Siliziumschichten resultieren.
Das beschriebene Verfahren zur Erzeugung dotierter Halbleiterschichten auf
Halbleitersubstraten, wie Silizium-W afern, kann weiterhin - bezogen auf einen Wafer - gleichzeitig oder zeitlich hintereinander mehrfach durchgeführt werden, wobei allerdings entsprechende Bereiche der Wafer-Oberfläche entweder mehrfach mit der ersten
Zusammensetzung oder mehrfach mit der zweiten Zusammensetzung aber nicht mit beiden Zusammensetzungen beschichtet werden. Die Konvertierung unterschiedlicher Beschichtungen kann gleichzeitig oder nacheinander erfolgen. Das heißt, die Erfindung erfasst sowohl
Verfahren in denen die erste und die zweite Zusammensetzung gleichzeitig oder nacheinander aufgetragen werden und nachfolgend die vollständige Konvertierung sowohl der mit der ersten als auch der mit der zweiten Zusammensetzung beschichteten Bereiche erfolgt, als auch Verfahren in denen erst die erste Zusammensetzung aufgetragen, vollständig aktiviert wird und anschließend die zweite Zusammensetzung aufgetragen und vollständig aktiviert wird.
Die hierin beschriebenen Verfahren können ferner in verschiedenen Ausführungsformen einen Schritt umfassen, in welchem die Oberfläche des Halbleitersubstrats vor der Aufbringung der Precursorzusammensetzung mit einer dielektrischen Schicht, insbesondere einer Oxidschicht, ganz besonders bevorzugt einer Silizium- oder Aluminiumoxidschicht, versehen wird. Die Precursorzusammensetzungen werden dann nachfolgend auf die mit der dielektrischen Schicht versehene Oberfläche des Halbleitersubstrats aufgebracht. Verfahren zur Erzeugung derartiger dielektrischer Schichten, insbesondere Oxidschichten wie beispielsweise SiOx Schichten, auf einem Silizium-Wafer, sind im Stand der Technik bekannt. Die Schichten sind typischerweise nur wenige nm dick, üblich sind Schichtdicken im Bereich von 1 -10, insbesondere 1 -4, besonders bevorzugt ungefähr 2 nm. Die dielektrische Schicht ist hierbei ausreichend dünn, um einen Tunneleffekt zu erlauben oder wird lokal aufgebrochen und an den entsprechenden Stellen Kontakte erzeugt (s.a. R. Peibst et al., "A simple model describing the Symmetrie IV- characteristics of p poly-crystalline Si / n mono-crystalline Si and n poly-crystalline Si / p mono- crystalline Si junetions", IEEE Journal of Photovoltaics (2014)).
Typischerweise werden Oxidschichten nasschemisch, thermisch oder auch mittels atomic- layer-deposition abgeschieden (s.a. zum nasschemischen Oxid: F. Feldmann et al.,„Passivated Rear Contacts for high-efficiency solar cells", Solar Energy Materials and Solar Cells (2014) und zu ALD- Schichten: B. Hoex et al.,„Ultralow surface recombination by atomic layer deposited Al203", Applied Physic Letters (2006)). In verschiedenen Ausführungsformen der Erfindung richtet sich das erfindungsgemäße Verfahren auf die Erzeugung von hochdotierten
polykristallinen Halbleiterschichten auf einem Halbleitersubstrat, insbesondere einem Silizium- Wafer, für die Herstellung von Back-Contact-Solarzellen, umfassend die Schritte
Drucken einer flüssigen, ein Dotiermittel vom p-Typ enthaltenden, Si-basierten
Precursorzusammensetzung in Form eines Nassfilmes linienförmig, in Fingerstruktur oder punktförmig auf eine Seite des Siliziumwafers;
Drucken einer flüssigen, ein Dotiermittel vom n-Typ enthaltenden, Si-basierten
Precursorzusammensetzung in Form eines Nassfilmes in zu der gemäß 1.
abgeschiedenen Form komplementärer Form auf dieselbe Seite des Siliziumwafers; Umwandlung der Nassfilme in elementares, polykristallines Silizium.
Schritt 3 kann in einem Schritt wie oben beschrieben oder zweistufig über die Konvertierung des Nassfilms in amorphes Silizium und dann die Konvertierung des amorphen Siliziums in polykristallines Silizium erfolgen. In diesen Ausführungsformen kann das Verfahren noch den vorangehenden Schritt der Abscheidung eines ca. 2 nm dicken SiOx Films auf der Rückseite (lichtabgewandt) eines Silizium-Wafers umfassen, wobei auf diese Seite dann in den folgenden Schritten die flüssigen Precursorzusammensetzungen aufgebracht werden. Ferner kann die erste Zusammensetzung n-dotiert, beispielsweise mit 2% Phosphor bezogen auf das eingesetzte Polysilan, und die zweite Zusammensetzung p-dotiert, beispielsweise mit 2% Bor bezogen auf das eingesetzte Polysilan, sein. Die Umwandlung erfolgt beispielsweise in einem Schritt bei 1000°C für 20 Minuten. Die Umwandlung kann alternativ auch zweistufig, wie oben beschrieben, erfolgen.
Während der Umwandlung wird zudem der SiO Film lokal aufgebrochen (siehe R. Peibst et al., supra) Der genaue Mechanismus des Stromflusses vom Si Wafer in den Polysiliziumfilm ist noch nicht bekannt. Neben der genannten Theorie von Peibst et al. wird in der Literatur auch beschrieben, dass der Strom die SiO Schicht durchtunnelt.
In allen hierin beschriebenen Ausführungsformen der Erfindung, in denen die beiden
Zusammensetzungen auf dieselbe Seite des Wafers aufgetragen werden, kann das Verfahren zusätzlich den Schritt des Aufbringens einer weiteren (dritten) Zusammensetzung auf die gegenüberliegende Seite des Halbleitersubstrats, d.h. insbesondere des Wafers, umfassen. Diese Zusammensetzung kann ebenfalls flüssig sein und beispielsweise in Form eines Nassfilms aufgedruckt werden. Diese Zusammensetzung kann entweder Dotiermittel vom n- oder p-Typ, insbesondere vom n-Typ enthalten. In verschiedenen Ausführungsformen ist diese dritte Zusammensetzung ebenfalls eine Precursorzusammensetzung und so definiert wie die oben beschriebene erste bzw. zweite Zusammensetzung. Die Auftragung, Konvertierung, etc. können ebenfalls wie oben für die erste und zweite Zusammensetzung beschrieben erfolgen. Insbesondere können die entsprechenden Konvertierungsschritte zusammen mit der
Konvertierung der mit der ersten und/oder zweiten Zusammensetzung beschichteten Bereiche oder separat erfolgen. In verschiedenen Ausführungsformen werden die erste und die zweite Zusammensetzung (die n- bzw. p-Typ Dotiermittel enthalten) auf der Rückseite des Wafers abgeschieden und die dritte Zusammensetzung, die ein Dotiermittel vom n-Typ enthält und insbesondere ebenfalls eine Precursorzusammensetzung ist, wird auf der Vorderseite
abgeschieden. Die Formulierungen können sich z.B. in Schichtdicke und/oder Konzentration des Dotiermittels unterscheiden.
In verschiedenen anderen Ausführungsformen der Erfindung richtet sich das erfindungsgemäße Verfahren auf die Erzeugung von hochdotierten, polykristallinen Halbleiterschichten auf einem Halbleitersubstrat, insbesondere einem Silizium-Wafer, für die Herstellung von bifacialen Solarzellen, umfassend die Schritte
1 . Drucken einer flüssigen, ein Dotiermittel vom p-Typ enthaltenden, Si-basierten
Precursorzusammensetzung in Form eines Nassfilmes auf eine Seite des Siliziumwafers
2. Umwandlung des Nassfilms in elementares polykristallines Silizium
3. Drucken einer flüssigen, ein Dotiermittel vom n-Typ enthaltenden, Si-basierten
Precursorzusammensetzung in Form eines Nassfilmes auf die andere Seite des Siliziumwafers
4. Umwandlung des Nassfilms in elementares polykristallines Silizium
Auch in diesen Ausführungsformen kann das Verfahren noch den vorangehenden Schritt der Abscheidung eines ca. 2 nm dicken SiOx Films auf beide Seiten eines Silizium-Wafers umfassen, wobei auf diese Oxidschichten dann in den folgenden Schritten die flüssigen Precursorzusammensetzungen aufgebracht werden. Ferner kann die erste Zusammensetzung n-dotiert, beispielsweise mit 2% Phosphor bezogen auf das eingesetzte Polysilan, und die zweite Zusammensetzung p-dotiert, beispielsweise mit 2% Bor bezogen auf das eingesetzte Polysilan, sein. Die Umwandlung erfolgt beispielsweise einstufig bei 1000°C für 20 Minuten. Auch hier kann Schritt 4 in einem Schritt, wie oben beschrieben, oder zweistufig über die Konvertierung des Nassfilms in amorphes Silizium und dann die Konvertierung des amorphen Siliziums in polykristallines Silizium erfolgen.
Die erfindungsgemäßen Verfahren haben den Vorteil, dass hochdotierte Schichten direkt und strukturiert, d.h. in gewünschter Geometrie, abgeschieden werden können. Dabei sind beispielsweise die einseitige Beschichtung und/oder Beschichtungen mit und ohne Überlapp möglich und die Nachteile, die sich durch die bekannten CVD Verfahren ergeben können überwunden werden. Die direkte Abscheidung hat des Weiteren den Vorteil, das dotierte Siliziumschichten in einem Schritt erzeugt werden, während in den bisher eingesetzten
Verfahren mehrere Schritte, nämlich die Erzeugung einer Silizium-Schicht und nachfolgende
Dotierung durch einen Diffusionsschritt, erforderlich sind. Somit können mit den hierin beschriebenen Verfahren gegenüber den bekannten Verfahren Zeit und Kosten gespart werden. Die direkte Inkorporation der Dotierstoffe in die Silizium-Precursorzusammensetzungen hat ferner den Vorteil, dass vergleichsweise hohe Konzentrationen an Dotiermitteln (bis zu 10% in Polysilan, was ca. 1022 cm"3 in polykristallinen Si-Schichten entspricht) eingesetzt werden können und es keine Limitation durch die Diffusion gibt. Die hiermit erzeugten Schichten zeichnen sich ferner durch eine hohe Reinheit aus, da reines Polysilizium abgeschieden wird und nicht mit eventuell verunreinigten dotierten Oxiden gearbeitet wird. Schließlich ist auch eine nachträgliche Entfernung von beispielsweise dotierten Oxiden nicht erforderlich. Ein weiterer Vorteil ist, dass Polysilane keinen Kohlenstoff enthalten und dass deshalb keine Reaktion des Si Wafers mit Kohlenstoff und dadurch keine Bildung von SiC auftritt.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind weiterhin auch die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Halbleitersubstrate sowie deren Verwendung, insbesondere für die Herstellung elektronischer oder optoelektronischer Bauteile, vorzugsweise Solarzellen. Die Solarzellen können beispielsweise Back-Contact-Solarzellen sein.
Bei der Herstellung von Solarzellen, kann das erfindungsgemäß hergestellte Halbleitersubstrat in einem weiteren Schritt mit einer Siliziumnitridschicht (flächig, insbesondere ganzflächig) beschichtet werden, wonach eine metallhaltige Zusammensetzung für die Herstellung metallischer Kontakte, beispielsweise eine Silberpaste, auf bestimmte Bereiche der
Siliziumnitridschicht aufgebracht und durch Erhitzen durchgefeuert wird, um den Kontakt mit der darunter liegenden hochdotierten Schicht herzustellen. Schließlich erfasst die vorliegende Erfindung auch Solarzellen und Solarmodule, die die erfindungsgemäß hergestellten Halbleitersubstrate enthalten.
Die nachfolgenden Beispiele erläutern den Gegenstand der vorliegenden Erfindung, ohne selbst beschränkend zu wirken.
Beispiele
Beispiel 1:
Mittels Spin-Coating wurden Phosphor-dotierte Formulierungen, bestehend aus 30 %
Neopentasilan mit 1 .5 % Phosphor-Dotierung und 70% Lösemittel Toluol und Cyclooctan auf beide Seiten eines n-Typ Siliciumwafers einer Ohmigkeit von 5 Ohmcm abgeschieden. Die Konvertierung erfolgte bei 500 °C für 60 s in eine 50 nm-dicke amorphe Siliziumschicht. Bei der Temperaturbehandlung der Phosphor-Atome für 30 min bei 1000°C kristallisierte die abgeschiedene a-Si Schicht in kristallines Silizium, wie dem Beugungsbild nach Ausdiffusion in Figur 1 zu entnehmen ist.
Mittels Spin-Coating wurden Bor-dotierte Formulierungen, bestehend aus 30 % Neopentasilan mit 1 .5 % Bor-Dotierung und 70% Lösemittel Toluol und Cyclooctan auf beide Seiten eines n- Typ Siliciumwafers einer Ohmigkeit von 5 Ohm cm abgeschieden. Die Konvertierung erfolgte bei 500 °C für 60 s in eine 50 nm-dicke amorphe Siliziumschicht. Bei der
Temperaturbehandlung der Bor-Atome für 60 min bei 1050 °C kristallisierte die abgeschiedene a-Si Schicht in kristallines Silizium. Beispiel 2:
Nach der Abscheidung von Polysilanen und der Konvertierung in amorphes Silizium konnte dieses mittels zweier unterschiedlicher Verfahren kristallisiert werden:
1 . Festphasenkristallisation (Solid-Phase-Crystallization) und
2. Flüssigphasenkristallisation (Liquid- Phase- Crystallization).
Zu 1 . Thermisches Annealing in Stickstoffatmosphäre bei Temperaturen über 600°C.
Zu 2. Aufschmelzen des a-Si und anschließende Liquid-Phase-Crystallization mittels E-beam oder Laser. Figur 2A zeigt eine„Electron backscatter diffraction map" von mittels
Festphasenkristallisation prozessierten Proben. Figur 2B zeigt Proben einer
Flüssigphasenkristallisation.
Beispiel 3: Herstellung einer Back-Contact Solarzelle
Eine Back-Contact Solarzelle wurde wie folgt hergestellt:
a. Einseitige Texturierung eines Silizium Wafers.
b. Abscheiden eines 2 nm dicken SiO Films auf die planare Seite des Silizium Wafers.
c. Mittels Inkjet Drucken einer flüssigen, ein Dotiermittel vom p-Typ enthaltenden, Si-basierten Zusammensetzung in Form eines Nassfilmes in Fingerstruktur auf die planare Seite des Silizium Wafers, welche die 2 nm-dicke SiO Schicht aufweist. Die Zusammensetzung enthält 30 % Neopentasilan mit 1 - 10 % Bor-Dotierung und 70 % Lösemittel Toluol und Cyclooctan. Die Finger haben typischerweise Breiten von 200 μηη - 1000 μηη.
d. Gleichzeitiges Drucken einer flüssigen, ein Dotiermittel vom n-Typ enthaltenden, Si- basierten Zusammensetzung in Form eines Nassfilmes in zu der gemäß (a)
abgeschiedenen Struktur komplementärer Form auf dieselbe Seite des Silizium Wafers. Die Zusammensetzung enthält 30 % Neopentasilan mit 1 - 10 % Phosphor- Dotierung und 70 % Lösemittel Toluol und Cyclooctan. Die Finger haben typischerweise Breiten von 200 μηη - 1000 μηη.
e. Umwandlung der Nassfilme in elementares Silicium, insbesondere amorphes Silizium durch Konversion. Die Konvertierung findet unter Stickstoffatmosphäre bei Temperaturen von 400 - 600 °C statt. Dauer 1 s - 2 Minuten. Bevorzugt 60 s bei 500 °C. Die Schichtdicke des amorphen Siliciums beträgt 50 - 200 nm.
f. Abscheiden eines SiN Films auf die planare Rückseite
g. Umwandlung der dotierten a-Si Schichten in polykristallines Silizium bei 850 °C für eine Dauer von 30 Minuten unter Zugabe von POCI3. Hierdurch Formierung eines n+ Gebietes auf der texturierten Silizium Wafer-Seite.
h. Entfernen des Phosphorsilikatglases (PSG) von der Vorderseite und des SiN von der
Rückseite mittels HF.
i. Abscheiden einer Antireflexschicht auf die Vorderseite und
j. Kontaktierung der p+ und n+ Gebiete auf der Rückseite mittels eines Metalls.