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BASF Coatings AG
Verfahren zur Herstellung kratzfester gehärteter Materialien
Beschreibung
Gebiet der Erfindung
Die vorliegende Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur Herstellung von gehärteten Materialien. Des weiteren betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung der mit Hilfe des neuen Verfahrens hergestellten gehärteten Materialien für das Beschichten, Verkleben, Abdichten, Umhüllen und Verpacken von Karosserien von Fortbildungsmitteln, insbesondere Kraftfahrzeugkarosserien, und Teilen hiervon, Bauwerken im Innen- und Außenbereich und Teilen hiervon, Türen, Fenstern, Möbeln, Glashohlkörpern, Coils, Container, Emballagen, Kleinteilen, optischen, mechanischen und elektrotechnischen Bauteilen und Bauteilen für weiße Ware.
Stand der Technik
Die gehärteten Materialien sind vorzugsweise duroplastisch. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden unter duroplastischen Materialien dreidimensional vernetzte Stoffe verstanden, die im Gegensatz zu thermoplastischen Materialien nur in einem geringen Umfang oder gar nicht mehr in der Hitze verformbar sind.
Ein Verfahren zur Herstellung gehärteter Materialien ist aus der deutschen Patentanmeldung DE 102 02 565 A1 bekannt. Bei dem bekannten Verfahren werden die gehärteten Materialien aus einem thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbaren Stoffgemisch durch Erhitzen und Bestrahlung mit UV-Strahlung hergestellt, wobei man
(1 ) ein thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbares Stoffgemisch verwendet, das nach seiner Aushärtung einen Speichermodul E' im gummielastischen
Bereich von mindestens 1075 Pa und einen Verlustfaktor tanδ bei 20 °C von maximal 0,10 aufweist, wobei der Speichermodul E' und der Verlustfaktor mit der Dynamisch-Mechanischen Thermo-Analyse (DMTA) an freien Filmen mit einer Schichtdicke von 40 + 10 μm gemessen worden sind, und
(2) die Bestrahlung mit einer UV-Strahlung durchführt, deren Spektrum neben UV- A und UV-B einen UV-C-Anteil aufweist, der im Wellenlängenbereich von 200
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bis 280 nm 2 bis 80% der relativen spektralen Strahldichte des Spektrums einer Quecksilbermitteldruckdampflampe in diesem Wellenlängenbereich hat, wobei in dem Wellenlängenbereich von 200 bis 240 nm die relative spektrale Strahldichte des UV-C-Anteils stets kleiner als die relative spektrale Strahldichte des Spektrums einer Quecksilbermitteldruckdampflampe in diesem
Wellenlängenbereich ist und wobei
(3) die Strahlendosis bei 100 bis 6.000 mJcnτ2 liegt.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter aktinischer Strahlung elektromagnetische Strahlung, beispielsweise nahes Infrarot (NIR), sichtbares Licht, UV-Strahlung, Röntgenstrahlung oder Gammastrahlung, bevorzugt UV-Strahlung, sowie Korpuskularstrahlung, beispielsweise Elektronenstrahlung, Betastrahlung, Neutronenstrahlung, Protonenstrahlung und Alphastrahlung, bevorzugt Elektronenstrahlung, verstanden. Insbesondere wird unter aktinischer Strahlung UV- Strahlung verstanden.
Bekanntermaßen wird das Spektrum der UV-Strahlung in drei Bereiche unterteilt:
UV-A: 320 bis 400 nm UV-B: 320 bis 290 nm UV-C: 290 bis 100 nm
Im allgemeinen steht das UV-Spektrum von UV-Strahlenquellen nur bis zu einer Wellenlänge von 180 - 200 nm zur Verfügung, da die Strahlung einer geringeren Wellenlänge durch die Quarzhohlkörper der Strahlenquellen absorbiert wird (vgl. R. Stephen Davidson, »Exploring the Science, Technology and Applications of U.V. and E.B. Curing«, Sita Technology Ltd., London, 1999, Chapter I, »An Overview«, Seiten 3 bis 34).
Die resultierenden bekannten gehärteten Materialien haben nur eine geringe Vergilbung. Sie sind kratzfest und zeigen nach dem Zerkratzen nur geringe Glanzverluste. Gleichzeitig haben sie eine hohe Härte und eine hohe Chemikalienfestigkeit.
Die stetig anwachsenden Anforderungen des Marktes erfordern aber eine weitere Verbesserung der Kratzfestigkeit der gehärteten Materialien, insbesondere der
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Kratzfestigkeit bei ihrer Belastung in automatischen Waschstraßen. Außerdem muss die Haftung der gehärteten Materialien auf Substraten, insbesondere aus Metallen, Kunststoffen und anderen gehärteten Materialien, weiter verbessert werden. Insbesondere muss die Zwischenschichthaftung zwischen Schichten gehärteter Materialien von unterschiedlicher stofflicher Zusammensetzung und/oder Funktion , insbesondere in Mehrschichtlackierungen, weiter verbessert werden
Aufgabe
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein neues Verfahren zur Herstellung von gehärteten Materialien bereitzustellen, das die Nachteile des Standes der Technik nicht mehr länger aufweist, sondern in besonders einfacher und besonders zuverlässiger Weise gehärtete Materialien liefert, die das vorstehend aufgeführte vorteilhafte Anforderungsprofil erfüllen und darüber hinaus eine verbesserte Kratzfestigkeit, insbesondere bei der Belastung in Waschstraßen, sowie eine verbesserte Haftung auf Substraten, insbesondere aus Metallen, Kunststoffen und anderen gehärteten Materialien, aufweisen. Insbesondere soll das neue Verfahren gehärtete Materialien liefern, die eine verbesserte Zwischenschichthaftung zwischen Schichten gehärteter Materialien von unterschiedlicher stofflicher Zusammensetzung und/oder Funktion insbesondere in Mehrschichtlackierungen und insbesondere bei der Belastung mit einem Dampfstrahl haben.
Lösung
Demgemäß wurde das neue Verfahren zur Herstellung gehärteter Materialien aus mit aktinischer Strahlung härtbaren Stoffgemischen (Stoffgemische) durch Bestrahlung mit UV-Strahlung gefunden, bei dem man UV-Strahlung der folgenden spektralen Verteilung und Dosis verwendet:
- Wellenlänge lambda = 400 bis 320 nm; Dosis = 500 bis 2.500 mJ/cm2;
Wellenlänge lambda = 320 bis 290 nm; Dosis = 700 bis 3.000 mJ/cm2; Wellenlänge lambda = 290 bis 180 nm; Dosis = 100 bis 500 mJ/cm2.
Im Folgenden wird das neue Verfahren zur Herstellung gehärteter Materialien als »erfindungsgemäßes Verfahren« bezeichnet.
Weitere Erfindungsgegenstände gehen aus der Beschreibung hervor.
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Vorteile der Erfindung
Im Hinblick auf den Stand der Technik war es überraschend und für den Fachmann nicht vorhersehbar, dass die Aufgabe, die der vorliegenden Erfindung zu Grunde lag, mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens gelöst werden konnte.
Insbesondere war es überraschend, dass das erfindungsgemäße Verfahren in besonders einfacher und zuverlässiger Weise unter Verwendung an sich bekannter UV-Strahlungsquellen, elektronischer, optischer und mechanischer Bauteile sowie Bestrahlungsanlagen in besonders einfacher und besonders zuverlässiger Weise gehärtete Materialien, insbesondere duroplastische Materialien lieferte, die nicht nur eine geringe Vergilbung, eine hohe Härte und eine hohe Chemikalienfestigkeit aufwiesen, sondern darüber hinaus eine verbesserte Kratzfestigkeit, insbesondere bei der Belastung in Waschstraßen, sowie eine verbesserte Haftung auf Substraten, insbesondere aus Metallen und Kunststoffen und anderen gehärteten Materialien, hatten. Insbesondere lieferte das erfindungsgemäße Verfahren gehärtete Materialien, die eine verbesserte Zwischenschichthaftung zwischen Schichten gehärteter Materialien von unterschiedlicher stofflicher Zusammensetzung und/oder Funktion insbesondere in Mehrschichtlackierungen und insbesondere bei der Belastung mit einem Dampfstrahl zeigten.
Noch mehr überraschte, dass das erfindungsgemäße Verfahren mit mit UV-Strahlung härtbaren Stoffgemischen der unterschiedlichsten Zusammensetzung durchgeführt werden konnte. Dadurch konnten die Stoffgemische in unerwartet vorteilhafter Weise den unterschiedlichsten Verwendungszwecken optimal angepasst werden, so dass sie mit Vorteil als Beschichtungsstoffe, Klebstoffe, Dichtungsmassen und Ausgangsstoffe für Formteile und Folien verwendet werden konnten. Insbesondere überraschte dabei, dass die Beschichtungsstoffe mit besonderem Vorteil als Elektrotauchlacke, Füller, Steinschlagschutzgrundierungen, Unidecklacke, Basislacke und Klarlacke eingesetzt werden konnten.
Nicht zuletzt überraschte die außerordentlich breite Verwendbarkeit der gehärteten Materialien als Beschichtungen, Klebschichten, Dichtungen, Formteile und Folien, vorzugsweise als Beschichtungen, insbesondere Elektrotauchlackierungen, Füllerlackierungen, Steinschlagschutzgrundierungen, Unidecklackierungen,
Basislackierungen und Klarlackierungen. Speziell eigneten sie sich hervorragend für
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das Beschichten, Verkleben, Abdichten und Verpacken von Karosserien von Fortbewegungsmitteln, insbesondere Kraftfahrzeugkarosserien , und Teilen hiervon, Bauwerken im Innen- und Außenbereich und Teilen hiervon, Türen, Fenstern, Möbeln, Glashohlkörpern, Coils, Container, Emballagen, Kleinteilen, wie Muttern, Schrauben, Felgen oder Radkappen, optischen Bauteilen, mechanischen Bauteilen, elektrotechnischen Bauteilen, wie Wickelgüter (Spulen, Statoren, Rotoren), und Bauteilen für weiße Ware, wie Radiatoren, Haushaltsgeräte, Kühlschrankverkleidungen oder Waschmaschinenverkleidungen.
Ausführliche Beschreibung der Erfindung
Das erfindungsgemäße Verfahren dient der Herstellung gehärteter Materialien, insbesondere duroplastischer Materialien, aus mit aktinischer Strahlung härtbaren Stoffgemischen (nachstehend der Kürze halber als »Stoffgemische« bezeichnet) durch Bestrahlung mit UV-Strahlung.
Erfindungsgemäß wird UV-Strahlung der folgenden spektralen Verteilung und Dosis verwendet:
- Wellenlänge lambda = 400 bis 320 nm; Dosis = 500 bis 2.500 und vorzugsweise 750 bis 2.000 mJ/cm2;
Wellenlänge lambda = 320 bis 290 nm; Dosis = 700 bis 3.000 und vorzugsweise 1.000 bis 2.200 mJ/cm2;
Wellenlänge lambda = 290 bis 180 nm; Dosis = 100 bis 500 und vorzugsweise 200 bis 450 mJ/cm2.
Die Leistung kann dabei breit variieren. Vorzugsweise wird UV-Strahlung der folgenden spektrale Verteilung und Leistung verwendet:
- Wellenlänge lambda = 400 bis 320 nm; Leistung = 100 bis 600 und vorzugsweise 120 bis 550 mW/cm2;
Wellenlänge lambda = 320 bis 290 nm; Leistung = 100 bis 600 und vorzugsweise 140 bis 550 mW/cm2;
Wellenlänge lambda = 290 bis 180 nm; Leistung = 20 bis 120 und vorzugsweise 30 bis 100 mW/cm2.
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Bei der Bestrahlung im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens kann der Abstand der Quelle der UV-Strahlung zur Oberfläche des Stoffgemischs breit variieren. Vorzugsweise beträgt der Abstand 20 bis 250 und insbesondere 40 bis 100 mm.
Die Bestrahlungsdauer richtet sich bei einer vorgegebenen Dosis nach der Band- oder Vorschubgeschwindigkeit der Substrate in der Bestrahlungsanlage und umgekehrt.
Als Strahlenquellen für die erfindungsgemäß zu verwendende UV-Strahlung können alle üblichen und bekannten UV-Lampen verwendet werden, die als solche das betreffende Spektrum abstrahlen. Es können aber auch Kombinationen von mindestens zwei UV-Lampen verwendet werden, die zwar nicht die erfindungsgemäß zu verwendende UV-Strahlung emittieren, deren Spektren sich indes zu der erfindungsgemäß zu verwendenden UV-Strahlung addieren. Des Weiteren können UV- Lampen verwendet werden, bei denen das gewünschte Spektrum mit Hilfe von Filtern und/oder Reflektoren eingestellt wird. Es kommen auch Blitzlampen in Betracht.
Beispiele geeigneter Blitzlampen sind Blitzlampen der Firma VISIT.
Vorzugsweise werden als UV-Lampen Quecksilberdampflampen, bevorzugt Quecksilbernieder-, -mittel- und - hochdruckdampflampen, insbesondere
Quecksilbermitteldruckdampflampen, verwendet. Besonders bevorzugt werden unmodifizierte Quecksilberdampflampen plus geeignete Filter und/oder Reflektoren oder modifizierte, insbesondere dotierte, Quecksilberdampflampen verwendet.
Beispiele geeigneter modifizierter Quecksilberdampflampen sind galliumdotierte und/oder eisendotierte, insbesondere eisendotierte, Quecksilberdampflampen, wie sie beispielsweise in R. Stephen Davidson, »Exploring the Science, Technology and Applications of U.V. and E.B. Curing«, Sita Technology Ltd., London, 1999, Chapter I, »An Overview«, Seite 16, Figure 10, oder Dipl.-Ing. Peter Klamann, »eltosch System- Kompetenz, UV-Technik, Leitfaden für Anwender«, Seite 2, Oktober 1998, beschrieben werden.
Beispiele geeigneter unmodifizierter Quecksilberdampflampen plus geeignete Filter und/oder Reflektoren sind die UV-Strahler der Firma Arccure. Diese Strahler sind so konstruiert, dass keine UV-Strahlung direkt auf die zu härtenden Stoffgemische trifft, sondern nur indirekt reflektierte Strahlung in zwei gebündelten Streifen. Für beide reflektierte Streifen können unterschiedliche Reflektoren eingesetzt werden, die das
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gesamte UV-Spektrum reflektieren ("breit"), den langwelligen Anteil des UV-Spektrums stärker auf die Kunststoffformteile reflektieren ("A+B") oder den kurzwelligen Anteil des UV-Spektrums stärker auf die Probe reflektieren ("C").
Die Anordnung der Strahlenquellen kann den räumlichen Gegebenheiten der Stoffgemische bzw. der Substrate, auf die sie appliziert worden sind, sowie der Verfahrensparameter angepasst werden. Bei kompliziert geformten Substraten, wie sie beispielsweise für Automobilkarosserien vorgesehen sind, können die nicht direkter Strahlung zugänglichen Bereiche (Schattenbereiche), wie Hohlräume, Falzen und andere konstruktionsbedingte Hinterschneidungen, mit Punkt-, Kleinflächen- oder Rundumstrahlern, verbunden mit einer automatischen Bewegungseinrichtung für das Bestrahlen von Hohlräumen oder Kanten, ausgehärtet werden.
Vorzugsweise wird im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens die Bestrahlung unter einer sauerstoffabgereicherten Atmosphäre durchgeführt.
„Sauerstoffabgereichert" bedeutet, dass der Gehalt derAtmosphäre an Sauerstoff an der Oberfläche der Stoffgemische geringer ist als der Sauerstoffgehalt von Luft (20,95 Vol.-%). Vorzugsweise liegt der maximale Gehalt der sauerstoffabgereicherten Atmosphäre bei 18, bevorzugt 16, besonders bevorzugt 14, ganz besonders bevorzugt 10 und insbesondere 6,0 Vol-%.
Die Atmosphäre kann im Grunde sauerstofffrei sein, d. h., es handelt sich um ein Inertgas. Die völlige oder weitgehende Sauerstofffreiheit kann aber auch durch die Abdeckung der Oberfläche der Stoffgemische mit einer sauerstoffundurchlässigen Folie erzielt werden.
Die fehlende inhibierende Wirkung von Sauerstoff kann in diesen Fällen aber eine starke Beschleunigung der Strahlenhärtung bewirken, wodurch Inhomogenitäten und Spannungen in den erfindungsgemäßen Beschichtungen entstehen können. Es ist daher nicht in allen Fällen von Vorteil, den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre auf Null Vol.-% abzusenken.
Vorzugsweise liegt der minimale Gehalt an Sauerstoff bei 0,1 und insbesondere 0,5 Vol-%.
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Die sauerstoffabgereicherte Atmosphäre kann in unterschiedlicher Weise bereitgestellt werden. Vorzugsweise wird ein entsprechendes Gasgemisch hergestellt und in Druckflaschen zur Verfügung gestellt. Bevorzugt wird die Abreicherung erzielt, indem man mindestens ein Inertgas in den jeweils erforderlichen Mengen in das über der Oberfläche der zu härtenden Schichten befindliche Luftpolster einbringt. Der Sauerstoffgehalt der über der betreffenden Oberfläche befindlichen Atmosphäre kann mit Hilfe üblicher und bekannter Methoden und Vorrichtungen zur Bestimmung von elementarem Sauerstoff kontinuierlich gemessen und ggf. automatisch auf den erwünschten Wert eingestellt werden.
Unter Inertgas wird ein Gas verstanden, das unter den angewandten Härtungsbedingungen durch die aktinische Strahlung nicht zersetzt wird, die Härtung nicht inhibiert und/oder nicht mit den Stoffgemischen reagiert. Vorzugsweise werden Stickstoff, Kohlendioxid, Helium, Neon oder Argon, insbesondere Stickstoff und/oder Kohlendioxid, verwendet.
Die bei dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Stoffgemische sind mit aktinischer Strahlung, insbesondere UV-Strahlung, härtbar. Dies bedeutet, dass sie Bestandteile enthalten oder aus Bestandteilen bestehen, die mit aktinischer Strahlung aktivierbar sind, wodurch sie radikalisch oder ionisch, insbesondere mit radikalisch, polymerisieren. Hierdurch erfolgt eine dreidimensionale Vernetzung der Stoffgemische, wodurch die gehärteten Materialien, insbesondere die duroplastischen Materialien, resultieren.
Zusätzlich können die Stoffgemische physikalisch und/oder thermisch härtbar sein.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung bedeutet der Begriff „physikalische Härtung" die Härtung der Stoffgemische, insbesondere in der Formeiner Schicht aus einem Beschichtungsstoff, durch Verfilmung durch Lösemittelabgabe aus den Stoffgemischen, wobei die Verknüpfung innerhalb der Beschichtung über Schlaufenbildung der Polymermoleküle der Bindemittel (zu dem Begriff vgl. Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998, »Bindemittel«, Seiten 73 und 74) erfolgt. Oder aber die Verfilmung erfolgt über die Koaleszenz von Bindemittelteilchen (vgl. Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998, »Härtung«, Seiten 274 und 275). Üblicherweise sind hierfür keine Vernetzungsmittel notwendig.
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Im Rahmen der vorliegenden Erfindunφedeutet der Begriff „thermische Härtung" die durch Hitze initiierte Härtung eines Stoffgemischs, insbesondere einer Schicht aus einem Beschichtungsstoff, bei der üblicherweise ein Bindemittel und ein separat vorliegendes Vernetzungsmittel angewandt wird. Üblicherweise wird dies von der Fachwelt als Fremdvernetzung bezeichnet. Sind die Vernetzungsmittel in die Bindemittel bereits eingebaut, spricht man auch von Selbstvernetzung. Erfindungsgemäß ist die Fremdvernetzung von Vorteil und wird deshalb bevorzugt angewandt (vgl. Römpp Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998, »Härtung«, Seiten 274 bis 276, insbesondere Seite 275, unten).
Von der Fachwelt werden Stoffgemische, die mit aktinischer Strahlung und thermisch härtbar sind, auch als Dual-Cure-Stoffgemische bezeichnet.
Vorzugsweise werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren Stoffgemische verwendet, die nach ihrer Aushärtung einen Speichermodul E' im gummielastischen Bereich von mindestens 1075, vorzugsweise mindestensi O76, bevorzugt mindestens 1080 und insbesondere mindestens 1083 Pa und einen Verlustfaktor tanδ bei 20 °C von maximal 0,10, bevorzugt maximal 0,06, aufweisen , wobei das Speichermodul E' und der Verlustfaktor mit der Dynamisch-Mechanischen Thermo-Analyse (DMTA) an freien Filmen mit einer Schichtdicke von 40 + 10 μm gemessen worden sind.
Der bei einer Deformation eines viskoelastischen Materials wie z.B. eines Polymers wieder zurückzugewinnende Energieanteil (elastischer Anteil) wird durch die Größe des Speichermoduls E' bestimmt, während der bei diesem Vorgang aufgezehrte (dissipierte) Energieanteil durch die Größe des Verlustmoduls E" beschrieben wird. Die Module E' und E" sind von der Deformationsgeschwindigkeit und der Temperatur abhängig. Der Verlustfaktor tanδ ist definiert als der Quotient aus dem Verlustmodul E" und dem Speichermodul E'. tanδ lässt sich mit Hilfe der Dynamisch-Mechanischen- Thermo-Analyse (DMTA) bestimmen und stellt ein Maß für das Verhältnis zwischen den elastischen und plastischen Eigenschaften des Films dar. Die DMTA ist eine allgemein bekannte Meßmethode zur Bestimmung der viskoelastischen Eigenschaften von Beschichtungen und beispielsweise beschrieben in Murayama, T., Dynamic Mechanical Analysis of Polymerie Materials, Elsevier, New York, 1978 und Loren W. Hill, Journal of Coatings Technology, Vol. 64, No. 808, May 1992, Seiten 31 bis 33. Die Verfahrensbedingungen bei der Messung von tanδ mit Hilfe der DMTA werden von Th. Frey, K. -H. Große Brinkhaus und U. Röckrath in Cure Monitoring Of Thermoset
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Coatings, Progress In Organic Coatings 27 (1996), 59-66, oder in der deutschen Patentanmeldung DE 44 09 715 A 1 oder dem deutschen Patent DE 197 09 467 C 2 im Detail beschrieben. Vorzugsweise werden die folgenden Bedingungen angewandt: Tensile mode; Amplitude: 0,2%; Frequenz: 1 Hz; Temperatur-Rampe: 1 °C/min von Raumtemperatur bis 200°C.
Der Speichermodul E' kann vom Fachmann durch die Auswahl bestimmter mit aktinischer Strahlung härtbarer sowie gegebenenfalls physikalisch und/oder thermisch härtbarer Bestandteile, der Funktionalität der Bestandteile und ihres Anteils am erfindungsgemäß zu verwendenden Stoffgemisch eingestellt werden.
Der Speichermodul E' kann mit Hilfe von mit aktinischer Strahlung härtbaren Bestandteilen in der Regel dadurch eingestellt werden, dass Art und Menge der Bestandteile vorzugsweise so gewählt werden, dass pro g Festkörper des Stoffgemischs 0,5 bis 6,0, bevorzugt 1 ,0 bis 4,0 und besonders bevorzugt 2,0 bis 3,0 mEqu an mit aktinischer Strahlung aktivierbaren Bindungen vorliegen.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter Festkörper die Summe der Bestandteile eines Stoffgemischs verstanden, die das hieraus hergestellte gehärtete Material aufbauen.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter einer mit aktinischer Strahlung aktivierbaren Bindung eine Bindung verstanden, die bei Bestrahlen mit aktinischer Strahlung reaktiv wird und mit anderen aktivierten Bindungen ihrer Art Polymerisationsreaktionen und/oder Vernetzungsreaktionen eingeht, die nach radikalischen und/oder ionischen Mechanismen ablaufen. Beispiele geeigneter Bindungen sind Kohlenstoff-Wasserstoff-Einzelbindungen oder Kohlenstoff- Kohlenstoff-, Kohlenstoff-Sauerstoff-, Kohlenstoff-Stickstoff-, Kohlenstoff-Phosphoroder Kohlenstoff-Silizium-Einzelbindungen oder -Doppelbindungen. Von diesen sind die Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindungen besonders vorteilhaft und werden deshalb erfindungsgemäß ganz besonders bevorzugt verwendet. Der Kürze halber werden sie im folgendenals „Doppelbindungen" bezeichnet.
Besonders bevorzugte Doppelbindungen enthaltende Verbindungen sind Acrylatgruppen enthaltende Verbindungen.
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Die Stoffgemische können Säuregruppen enthalten. Sofern diese verwendet werden, sind sie in einer Menge von mehr als 0,05, bevorzugt mehr als 0,08, besonders bevorzugt mehr als 0,15 und insbesondere mehr als 0,2 mEqu/g Festkörper vorhanden. Dabei soll die vorhandene Menge an Säuregruppen 15, bevorzugt 10, besonders bevorzugt 8 und insbesondere 5 mEqu/g Festkörper nicht überschreiten.
Sofern sie verwendet werden, werden die Säuregruppen vorzugsweise aus der Gruppe, bestehend aus Carboxylgruppen, Phosphonsäuregruppen, Sulfonsäuregruppen, sauren Phosphatestergruppen und sauren Sulfatestergruppen, insbesondere Carboxylgruppen, ausgewählt.
Die stoffliche Zusammensetzung der bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zu verwendenden Stoffgemische ist nicht kritisch, sondern es können alle üblichen und bekannten, mit aktinischer Strahlung, insbesondere UV-Strahlung, sowie gegebenenfalls physikalisch und/oder thermisch härtbaren Stoffgemische verwendet werden.
Geeignete Bestandteile solcher Stoffgemische, die geeigneten Stoffg emische selbst und die Verfahren zu ihrer Herstellung sind beispielsweise aus der deutschen Patentanmeldung DE 102 02 565 A1 , Seite 4, Absatz [0029], bis Seite 8, [0079], oder dem deutschen Patent DE 197 09 467 C2, bekannt.
Besondere Vorteile bietet das erfindungsgemäße Verfahren, wenn es mit Stoffgemischen durchgeführt wird, die mindestens eine radikalisch vernetzbare oder härtbare Komponente enthält, die
(i) ein oder mehrere Oligo- und/oder ein oder mehrere Polyurethan(meth)acrylate enthält und
(ii) im statistischen Mittel mehr als eine olefinisch ungesättigte Doppelbindung pro Molekül,
(iii) ein zahlenmittleres Molekulargewicht von 1.000 bis 10.000 Dalton,
(iv) einen Doppelbindungsgehalt von 1 ,0 bis 5,0 Doppelbindungen pro 1.000 g radikalisch vernetztbarer Komponente,
(v) im statistischen Mittel pro Molekül > 1 Verzweigungspunkt, (vi) 5 bis 50 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gewicht der Komponente, cyclische
Strukturelemente und
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(vii) mindestens ein aliphatisches Strukturelement mit mindestens 6 Kohlenstoffatom in der Kette
aufweist, wobei die radikalisch vernetzbare Komponente Carbamat- und/oder Biuret- und/oder Allophanat- und/oder Harnstoff- und/oder Amidgruppen enthält.
Bevorzugt enthält die radikalisch vernetzbare Komponente mindestens 50 Gew.%, besonders bevorzugt mindestens 70 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt mindestens 80 Gew.-%, jeweils bezogen auf den Festkörpergehalt der radikalisch vernetztbaren Komponente, eines oder mehrerer Oligourethan(meth)acrylate und/oder eines oder mehrerer Polyurethan(meth)acrylate. Insbesondere besteht die radikalisch vernetzbare Komponente zu 100% aus einem oder mehreren Oligourethan(meth)- acrylaten und/oder einem oder mehreren Polyurethan(meth)acrylaten.
Bevorzugt enthält die radikalisch vernetzbare Komponente außerdem maximal 50 Gew.-%, besonders bevorzugt maximal 30 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt maximal 20 Gew.-%, Monomere, bevorzugt aber Oligomere und/oder Polymere, insbesondere Polyester(meth)acrylate, Epoxy(meth)acrylate, (meth)acrylfunktionelle (Meth)Acrylcopolymere, Polyether(meth)acrylate, ungesättigte Polyester, Amino- (meth)acrylate, Melamin(meth)acrylate und/oder Silikon(meth)acrylate, bevorzugt Polyester(meth)acrylate und/oder Epoxy(meth)acrylate und/oder
Polyether(meth)acrylate. Bevorzugt sind dabei Polymere, die zusätzlich zu den Doppelbindungen noch Hydroxyl-, Carboxyl-, Amino- und/oder Thiol-Gruppen enthalten. In den allermeisten Fällen erübrigt sich die Verwendung der weiteren radikalisch vernetzbaren Bestandteile
Bevorzugt enthält dabei die radikalisch vernetzbare Komponente weniger als 5 Gew.- %, bevorzugt weniger als 1 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gewicht der radikalisch vernetztbaren Komponente, und insbesondere im wesentlichen keine nachweisbaren, freien Isocyanatgruppen.
Außerdem ist es bevorzugt, dass die radikalisch vernetzbare Komponente eine Mischung verschiedener Oligo- und/oder Polyurethan(meth)acrylate, die auch unterschiedliche Doppelbindungsgehalte, Molekulargewichte, Dop- pelbindungsäquivalentgewichte, Gehalt an Verzweigungspunkten und Gehalt an cyclischen sowie längerkettigen aliphatischen Strukturelementen und
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unterschiedlichen Gehalt an Carbamat-, Biuret-, Allophanat-, Amid- und/oder Harnstoffgruppen aufweisen können, enthält.
Diese Mischung kann dabei dadurch erhalten werden, dass unterschiedliche Oligo- bzw. Polyurethan(meth)acrylate gemischt werden, oder dass bei der Herstellung eines entsprechenden Oligo- bzw. Polyurethan(meth)acrylates gleichzeitig unterschiedliche Produkte entstehen.
Zur Erzielung einer guten Vernetzung werden bevorzugt radikalisch vernetzbare Komponenten mit einer hohen Reaktivität der funktionellen Gruppen eingesetzt, besonders bevorzugt radikalisch vernetzbare Komponenten, die als funktionelle Gruppen acrylische Doppelbindungen enthalten.
Die Urethan(meth)acrylate können in dem Fachmann bekannter Weise aus isocyanatgruppenhaltiger Verbindung und mindestens einer Verbindung, die gegenüber Isocyanatgruppen reaktive Gruppen enthält, durch Mischen der Komponenten in beliebiger Reihenfolge, gegebenenfalls bei erhöhter Temperatur, hergestellt werden.
Bevorzugt wird dabei die Verbindung, die gegenüber Isocyanatgruppen reaktive Gruppen enthält, zu der isocyanatgruppenhaltigen Verbindung zugegeben, bevorzugt in mehreren Schritten.
Insbesondere werden die Urethan(meth)acrylate erhalten, indem das Di- oder Polyisocyanat vorgelegt wird und daraufhin mindestens ein Hydroxyalkyl(meth)acrylat oder Hydroxyalkylester anderer olefinisch ungesättigter Carbonsäuren zugegeben wird, wodurch zunächst ein Teil der Isocyanatgruppen umgesetzt wird. Nachfolgend wird ein
Kettenverlängerungsmittel aus der Gruppe der Diole/Polyole und/oder
Diamine/Polyamine und/oder Dithiole/Polythiole und/oder Alkanolamine zugegeben und so die restlichen Isocyanatgruppen mit dem Kettenverlängerungsmittel umgesetzt.
Außerdem ist es möglich, die Urethan(meth)acrylate herzustellen durch Umsetzung eines Di- oder Polyisocyanates mit einem Kettenverlängerungsmittel und anschließende Umsetzung der restlichen freien Isocyanatgruppen mit mindestens einem olefinisch ungesättigten Hydroxyalkylester.
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Selbstverständlich sind auch sämtliche Zwischenformen dieser beiden Verfahren möglich. Beispielsweise kann ein Teil der Isocyanatgruppen eines Diisocyanates zunächst mit einem Diol umgesetzt werden, anschließend kann ein weiterer Teil der Isocyanatgruppen mit dem olefinisch ungesättigten Hydroxyalkylester und im Anschluß hieran können die restlichen Isocyanatgruppen mit einem Diamin umgesetzt werden.
In der Regel wird die Reaktion bei Temperaturen zwischen 5 und 100°C, bevorzugt zwischen 20 bis 90°C und besonders bevorzugt zwischen 40 und 80°C und insbesondere zwischen 60 und 80°C durchgeführt.
Bevorzugt wird dabei unter wasserfreien Bedingungen gearbeitet. Wasserfrei bedeutet dabei, dass der Wassergehalt im Reaktionssystem nicht mehr als 5 Gew.-% beträgt, bevorzugt nicht mehr als 3 Gew.-% und besonders bevorzugt nicht mehr als 1 Gew.-%. Insbesondere liegt der Wassergehalt unterhalb der Nachweisgrenze.
Um eine Polymerisation der polymerisationsfähigen Doppelbindungen zurückzudrängen, wird bevorzugt unter einem sauerstoffhaltigen Gas gearbeitet, besonders bevorzugt Luft oder Luft-Stickstoff-Gemische.
Als sauerstoffhaltiges Gas können bevorzugt Luft oder ein Gemisch aus Sauerstoff oder Luft und einem unter den Einsatzbedingungen inerten Gas verwendet werden. Als inertes Gas können Stickstoff, Helium, Argon, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Wasserdampf, niedere Kohlenwasserstoffe oder deren Gemische verwendet werden.
Der Sauerstoffgehalt des sauerstoffhaltigen Gases kann beispielsweise zwischen 0,1 und 22 Vol.-%, bevorzugt von 0,5 bis 20 betragen, besonders bevorzugt 1 bis 15, ganz besonders bevorzugt 2 bis 10 und insbesondere 4 bis 10 Vol.-%. Selbstverständlich können, falls gewünscht, auch höhere Sauerstoffgehalte eingesetzt werden.
Die Reaktion kann auch in Gegenwart eines inerten Lösemittels durchgeführt werden, z.B. Aceton, Iso-butyl-methylketon, Methylethylketon, Toluol, XyIoI, Butylacetat oder Ethoxyethylacetat.
Durch Auswahl der Art und Menge an eingesetztem Di- und/oder Polyisocyanat, Kettenverlängerungsmittel und Hydroxyalkylester werden dabei die weiteren
Kenngrößen der Urethan(meth)acrylate, wie z. B. Doppelbindungsgehalt,
Doppelbindungsäquivalentgewicht, Gehalt an Verzweigungspunkten, Gehalt an
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cyclischen Strukturelementen, Gehalt an aliphatischen Strukturelementen mit mindestens 6 Kohlenstoffatomen , an Biuret-, Allophanat-, Carbamat-, Harnstoff- bzw. Amidgruppen u. ä. gesteuert.
Durch die Auswahl der jeweils eingesetzten Mengen an Di- oder Polyisocyanat und Kettenverlängerungsmittel sowie durch die Funktionalität des Kettenverlängerungsmittels ist es ferner auch möglich, Urethan(meth)acrylate herzustellen, die neben den ethylenisch ungesättigten Doppelbindungen noch andere funktionelle Gruppen, beispielsweise Hydroxyl-, Carboxylgruppen, Aminogruppen und/oder Thiolgruppen o.a. enthalten.
Insbesondere, wenn die Urethan(meth)acrylate in wässrigen Stoffgemischen eingesetzt werden sollen, wird ein Teil der in den Reaktionsgemischen vorhandenen freien Isocyanatgruppen noch mit Verbindungen umgesetzt, die eine isocyanatreaktive Gruppe, vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Hydroxyl-, Thiol- und primären und sekundären Aminogruppen, insbesondere Hydroxylgruppen, sowie mindestens eine, insbesondere eine, Säuregruppe, vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Carboxylgruppen, Sulfonsäuregruppen, Phosphorsäuregruppen und Phosphonsäuregruppen, insbesondere Carboxylgruppen, enthalten. Beispiele geeigneter Verbindungen dieser Art sind Hydroxyessigsäure, Hydroxypropionsäure oder Gamma-Hydroxybuttersäure, insbesondere Hydroxyessigsäure (Glykolsäure).
Für das erfindungsgemäße Verfahren können die Stoffgemische in den unterschiedlichsten physikalischen Zuständen und dreidimensionalen Formen vorliegen.
So können die Stoffgemische bei Raumtemperatur fest oder flüssig bzw. fließfähig sein. Sie können aber auch bei Raumtemperatur fest und bei höheren Temperaturen fließfähig sein, wobei sich vorzugsweise thermoplastisches Verhalten zeigen. Insbesondere können sie konventionelle, organische Lösemittel enthaltende Stoffgemische, wässrige Stoffgemische, im wesentlichen oder völlig lösemittel- und wasserfreie flüssige Stoffgemische (100%-Systeme), im wesentlichen oder völlig lösemittel- und wasserfreie feste Pulver oder im wesentlichen oder völlig lösemittelfreie Pulversuspensionen (Pulverslurries) sein. Außerdem können die Dual-Cure- Stoffgemische Einkomponentensysteme, in denen die Bindemittel und die Vernetzungsmittel nebeneinander vorliegen, oder Zwei- oder
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Mehrkomponentensysteme, in denen die Bindemittel und die Vernetzungsmittel bis kurz vor der Applikation getrennt voneinander vorliegen, sein.
Methodisch weist die Herstellung der erfindungsgemäß zu verwendenden Stoffgemische keine Besonderheiten auf, sondern erfolgt durch das Vermischen und Homogenisieren der vorstehend beschriebenen Bestandteile mit Hilfe üblicher und bekannter Mischverfahren und Vorrichtungen wie Rührkessel, Rührwerksmühlen, Extruder, Kneter, Ultraturrax, In-Iine-Dissolver, statische Mischer, Mikromischer, Zahnkranzdispergatoren, Druckentspannungsdüsen und/oder Microfluidizer vorzugsweise unter Ausschluss von aktinischer Strahlung. Die Auswahl der für einen gegebenen Einzelfall optimalen Methode richtet vor allem sich nach dem physikalischen Zustand und der dreidimensionalen Form, den das Stoffgemisch haben soll. Soll beispielsweise ein thermoplastisches Stoffgemisch in der bevorzugten Form einer Folie oder eines Laminats vorliegen, kommt insbesondere die Extrusion durch eine Breitschlitzdüse für die Herstellung des Stoffgemischs und dessen Formgebung in Betracht.
Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die Stoffgemische zur Herstellung von gehärteten Materialien, insbesondere duroplastischen Materialien, verwendet, die unterschiedlichsten Verwendungszwecken dienen.
Bevorzugt handelt es sich bei den Stoffgemischen um Ausgangsprodukte für Formteile und Folien oder um Beschichtungsstoffe, Klebstoffe und Dichtungsmassen.
Bevorzugt handelt es sich bei den gehärteten Materialien um Formteile, Folien, Beschichtungen, Klebschichten und Dichtungen.
Insbesondere werden die Beschichtungsstoffe als Elektrotrauchlacke, Füller, Steinschlagschutzgrundierungen, Unidecklacke, Wasserbasislacke und/oder Klarlacke, insbesondere Klarlacke, zur Herstellung färb- und/oder effektgebender, elektrisch leitfähiger, magnetisch abschirmender oder fluoreszierender Ein- oder Mehrschichtlackierungen, insbesondere färb- und/oder effektgebender Mehrschichtlackierungen, eingesetzt. Für die Herstellung der Mehrschichtlackierungen können die üblichen und bekannten Nass-in-nass-Verfahren und/oder Extrusionsverfahren sowie die üblichen und bekannten Lack - oder Folienaufbauten angewandt werden.
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Zur Herstellung der gehärteten Materialien werden bei dem erfindungsgemäßen Verfahren die erfindungsgemäß zu verwendenden Stoffgemische auf übliche und bekannte temporäre oder permanente Substrate appliziert.
Vorzugsweise werden für die Herstellung von Folien und Formteilen übliche und bekannte temporäre Substrate verwendet, wie Metall- und Kunststoffbänder und -folien oder Hohlkörper aus Metall, Glas, Kunststoff, Holz oder Keramik, die leicht entfernt werden können, ohne dass die aus den Stoffgemischen hergestellten Folien und Formteile beschädigt werden.
Werden die Stoffgemische für die Herstellung von Beschichtungen, Klebstoffen und Dichtungen verwendet, werden permanente Substrate eingesetzt, wie Karosserien von Fortbewegungsmitteln, insbesondere Kraftfahrzeugkarosserien, und Teile hiervon, Bauwerke im Innen- und Außenbereich und Teile hiervon, Türen, Fenster, Möbel, Glashohlkörper, Coils, Container, Emballagen, Kleinteile, optische, mechanische und elektrotechnische Bauteile sowie Bauteile für weiße Ware. Die mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellten Folien und Formteile können ebenfalls als permanente Substrate dienen.
Methodisch weist die Applikation der im erfindungsgemäßen Verfahren zu verwendenden Stoffgemische keine Besonderheiten auf, sondern kann durch alle üblichen und bekannten, für das jeweilige Stoffgemisch geeigneten Applikationsmethoden, wie z.B. Extrudieren, Elektrotauchlackieren, Spritzen, Sprühen, inklusive Pulversprühen, Ra keln, Streichen, Gießen, Tauchen, Träufeln oder Walzen erfolgen. Vorzugsweise werden Extrusions- und Spritzapplikationsmethoden angewandt. Bei der Applikation empfiehlt es sich, unter Ausschluss von aktinischer Strahlung zu arbeiten, um eine vorzeitige Vernetzung der Stoffgemische zu vermeiden.
In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die Stoffgemische in der Form von Folien, insbesondere in der Form von planaren Laminaten, umfassend mindestens eine Folie aus einem Stoffgemisch sowie gegebenenfalls mindestens eine Trägerfolie, vorzugsweise aus einem thermoplastischen Kunststoff, eingesetzt.
In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die Folien oder Laminate vor ihrer Härtung formgebend bearbeitet.
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Die formgebende Bearbeitung erfolgt vorzugsweise durch das Tiefziehen und/oder durch Hinterspritzen mit thermoplastischen Kunststoffen (»Injection Molding«) oder reaktiven Vorstufen von Kunststoffen (»Reaction Injection Molding«) in üblichen und bekannten Spritzgussmaschinen. Dadurch resultieren noch härtbare, geformte Folien oder Laminate auf entsprechend geformten Kunststoffsubstraten.
Umfassen die härtbaren Folien oder Laminate mindestens eine thermoplastische Trägerfolie werden die Folien oder Laminate vorzugsweise derart mit den Substraten bzw. ihren Vorstufen verbunden, dass die Trägerfolien den UV-Strahlenquellen abgewandt sind.
Nach ihrer Applikation werden die Stoffgemische in der eingangs beschriebenen Weise gehärtet.
Die resultierenden gehärteten Materialien, insbesondere die resultierenden Folien, Formteile, Beschichtungen, Klebschichten und Dichtungen, eignen sich hervorragend für das Beschichten, Verkleben, Abdichten, Umhüllen und Verpacken von Karosserien von Fortbewegungsmitteln, insbesondere Kraftfahrzeugkarosserien, und Teilen hiervon, Bauwerken im Innen- und Außenbereich und Teilen hiervon, Türen, Fenstern, Möbeln, Glashohlkörpern, Coils, Container, Emballagen, Kleinteilen, wie Muttern, Schrauben, Felgen oder Radkappen, optischen Bauteilen, mechanischen Bauteilen, elektrotechnischen Bauteilen, wie Wickelgüter (Spulen, Statoren, Rotoren), sowie Bauteilen für weiße Ware, wie Radiatoren, Haushaltsgeräte, Kühlschrankverkleidungen oder Waschmaschinenverkleidungen.
Das erfindungsgemäße Verfahren bietet ganz besonderer Vorteile, wenn es zur Herstellung von Klarlackierungen verwendet wird.
Bei den Klarlackierungen handelt es sich üblicherweise um die äußersten Schichten von Mehrschichtlackierungen oder Folien bzw. Laminate, die wesentlich den optischen
Gesamteindruck (Appearance) bestimmen und die Substrate und/oder die farb- und/oder effektgebenden Schichten von Mehrschichtlackierungen oder Folien bzw.
Laminate vor mechanischer und chemischer Schädigung und Schädigung durch
Strahlung schützen. Deswegen machen sich auch Defizite in der Härte, Kratzfestigkeit, Chemikalienbeständigkeit und der Stabilität gegenüber Vergilbung bei der
Klarlackierung besonders stark bemerkbar. So aber weisen die in erfindungsgemäßer
Verfahrensweise hergestellten Klarlackierungen nur eine geringe Vergilbung auf. Sie
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sind hoch kratzfest und zeigen nach dem Zerkratzen nur sehr geringe Glanzverluste. Insbesondere ist der Glanzverlust im Waschstraßensimulationstest nach Amtec/Kistler sehr gering. Gleichzeitig haben sie eine hohe Härte und eine besonders hohe Chemikalienfestigkeit. Nicht zuletzt weisen sie eine hervorragende Substrathaftung und Zwischenschichthaftung, insbesondere bei der Belastung mit einem Dampfstrahl, auf.
Beispiele
Herstellbeispiel 1
Die Herstellung eines radikalisch härtbaren oder vernetztbaren Urethanacrylats
Es wurde ein Urethanacrylat aus den nachfolgend genannten Aufbaukomponenten hergestellt, indem hydriertes Bisphenol-A in 2-Hydroxyethylacrylat bei 60°C unter Rühren grob dispergiert wurde. Zu dieser Suspension wurden die Isocyanate, Hydrochinonmonomethylether, 1 ,6-di-tert.-Butyl-para-Kresol und Methylethylketon gegeben. Nach der Zugabe von Dibutylzinndilaurat erwärmte sich der Ansatz. Bei Innentemperatur von 75 °C wurde mehrere Stunden gerührt, bis sich der NCO-Wert der Reaktionsmischung praktisch nicht mehr veränderte. Die gegebenenfalls nach der Umsetzung noch vorhandenen freien Isocyanatgruppen wurden durch Zugabe einer geringen Menge an Methanol umgesetzt.
Aufbaukomponenten:
104,214 g hydriertes Bisphenol-A (entsprechend 0,87 Äquivalenten Hydroxylgruppen);
147,422 g (entsprechend 0,77 Äquivalenten Isocyanatgruppen) Basonat ® Hl 100 der Firma BASF AG = handelsübliches Isocyanurat von Hexamethylendiisocyanat mit einem NCO-Gehalt von 21 ,5 - 22,5% (DIN EN ISO 1 1909);
147,422 g (entsprechend 0,77 Äquivalenten Isocyanatgruppen) Basonat © HB 100 der Firma BASF AG = handelsübliches Biuret von Hexamethylendiisocyanat mit einem NCO-Gehalt von 22 - 23% (DIN EN ISO 1 1909);
124,994 g (entsprechend 0,51 Äquivalenten Isocyanatgruppen) Vestanat ® T1890 der Firma Degussa = handelsübliches Isocyanurat von Isophorondiisocyanat mit einem NCO-Gehalt von 1 1 ,7 - 12,3% (DIN EN ISO 1 1909);
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131 ,378 g 2-Hydroxyethylacrylat (entsprechend 1 ,13 Äquivalenten Hydroxylgruppen),
0,328 g Hydrochinonmonomethylether (0,05 % auf fest);
0,655 g 1 ,6-di-tert.-Butyl-para-Kresol (0,1 % auf fest);
Methylethylketon (70% Festkörper);
0,066 g Dibutylzinndilaurat (0,01 % auf fest);
4,500 g Methanol (entsprechend 0,14 Äquivalenten Hydroxylgruppen).
Das so erhaltene Urethanacrylat (radikalisch vernetztbare Komponente) wies folgende Kennzahlen auf:
im Mittel 2,2 ethylenisch ungesättigte Doppelbindungen pro Molekül; einen Doppelbindungsgehalt von 1 ,74 Doppelbindungen pro 1.000 g Urethanacrylat-Festkörper; - im Mittel 2,2 Verzweigungspunkte pro Molekül;
25 Gew.-% cyclische Strukturelemente, bezogen auf den Festkörpergehalt des Urethanacrylats.
Herstellbeispiel 2
Die Herstellung eines mit UV-Strahlung härtbaren Klarlacks
In einem geeigneten Rührgefäß wurden 100,00 Gewichtsteile der oben beschriebenen organischen Lösung des Urethanacrylats des Herstellbeispiel 1 vorgelegt.
Zur Vorlage wurde innerhalb von 30 Minuten eine Mischung aus 1 ,0 Gewichtsteilen Tinuvin ® 292 (handelsübliches HALS Lichtschutzmittel der Firma Ciba Specialty Chemicals auf Basis einer Mischung von Bis-(1 , 2,2,6, 6-pentamethyl-4- piperidinyl)sebacat und Methyl(1 ,2,2,6,6-pentamethyl-4-piperidinyl)sebacat), 2,0 Gewichtsteilen Tinuvin ® 400 (handelsübliches Lichtschutzmittel der Firma Ciba Specialty Chemicals auf Basis einer Mischung von 2-(4-((2-Hydroxy-3- dodecyloxypropyl)oxy)-2-hydroxyphenyl)-4,6-bis(2,4-dimethylphenyl)-1 ,3,5-triazin und
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2-(4-((2-Hydroxy-3-tridecyloxypropyl)oxy)-2-hydroxyphenyl)-4,6-bis(2,4- dimethylphenyl)-1 ,3,5-triazin), 0,8 Gewichtsteilen Lucirin ® TPO-L (handelsüblicher Photoinitiator der Firma BASF Aktiengesellschaft auf Basis 2,4,6-Trimethylbenzoyl- diphenyl-phosphinoxid), 2,40 Gewichtsteilen Irgacure ® 184 (handelsüblicher Photoinitiator der Firma Ciba Specialty Chemicals auf Basis 1-Hydroxy-cyclohexyl- phenylketon) und 0,2 Gewichtsteilen Byk ® 306 (handelsübliches Additiv der Firma Byk Chemie auf Basis eines polyethermodifizierten Polydimethylsiloxans) unter ständigem Rühren bei Raumtemperatur hinzu gegeben, und die resultierende Mischung wurde mit 3-Butoxy-2-propanol auf einen Festkörpergehalt von 48% eingestellt. Anschließend wurde die resultierende Mischung während 30 Minuten bei Raumtemperatur gerührt.
Herstellbeispiel 3
Die Herstellung einer beschichteten, thermoplastischen Trägerfolie
Als Trägerfolie wurde eine thermoplastische Folie aus Luran ® S 778 TE der Firma BASF Aktiengesellschaft einer Dicke von 800 μm verwendet. Die zu beschichtende Oberfläche der Trägerfolie wurde einer Coronavorbehandlung mit 0,5 Kilowatt unterzogen.
Die Folie wurde einseitig mit einem Metallic-Wasserbasislack (Farbton: »Silbermetallic«) beschichtet. Der Basislack wurde mit Hilfe einer Kastenrakel einer Breite von 37 cm bei einer Bandgeschwindigkeit von 0,5 m/min auf die Trägerfolie appliziert. Die Applikation wurde bei einer schwachen Luftströmung von 0,2 m/s, einer konstanten Temperatur von 21 + 1 °C und einer konstanten relativen Luftfeuchte 65 + 5% durchgeführt. Die Schichtdicke der resultierenden nassen Basislackschicht (erste Basislackschicht) betrug 100 μm. Die nasse erste Basislackschicht wurde während 3 Minuten bei diesen Bedingungen abgelüftet und anschließend bis zu einem Restgehalt an flüchtigen Substanzen von 4 Gew.-%, bezogen auf die erste Basislackschicht, getrocknet. Die resultierende konditionierte erste Basislackschicht einer Schichtdicke von ca. 20 μm wurde mit Kühlwalzen auf eine Oberflächentemperatur < 30°C eingestellt.
Auf die konditionierte und temperierte erste Basislackschicht wurde derselbe Basislack unter den folgenden Bedingungen mit Hilfe eines Systems für die pneumatische Spritzapplikation aufgetragen:
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Ausflussrate: 100 ml/min;
Luftdrücke: Zerstäuberluft: 2,5 bar; Hornluft: 2,5 bar;
Verfahrgeschwindigkeit der Düsen so hoch, dass eine Überlappung der Sprühstrahlen von 60% resultiert; - Abstand Düse - Folie: 30 cm.
Die Applikation wurde bei einer schwachen Luftströmung von 0,5 m/s (senkrechte Anströmung der Folie), einer konstanten Temperatur von 21 + 1 °C und einer konstanten relativen Luftfeuchte 65 + 5% durchgeführt. Die Schichtdicke der resultierenden nassen Basislackschicht (zweite Basislackschicht) betrug 50 + 2 μm. Die zweite Basislackschicht wurde unter diesen Bedingungen während 3 Minuten abgelüftet und anschließend bis zu einem Restgehalt an flüchtigen Substanzen von 4 Gew.-%, bezogen auf die zweite Basislackschicht, getrocknet. Dabei lagen die Lufttemperatur bei 90°C, die Luftfeuchte bei 10g/m3 und die Luftgeschwindigkeiten bei 10 m/s. Die resultierende konditionierte zweite Basislackschicht einer Schichtdicke von ca. 10 μm wurde mit Kühlwalzen auf eine Oberflächentemperatur < 30 °C eingestellt.
Auf die konditionierte und temperierte zweite Basislackschicht wurde mit Hilfe einer Kastenrakel einer Breite von 37 cm der mit UV-Strahlung härtbare Klarlack gem. Herstellbeispiel 2 aufgetragen. Die Applikation wurde bei einer schwachen Luftströmung von 0,2 m/s, einer konstanten Temperatur von 21 + 1 °C und einer konstanten relativen Luftfeuchte 65 + 5% durchgeführt. Die Schichtdicke der resultierenden nassen Klarlackschicht betrug 120 μm. Sie wurde unter den genannten Bedingungen während 6 Minuten abgelüftet und anschließend bis zu einem Restgehalt an flüchtigen Substanzen von 2,5 Gew.-%, bezogen auf die Klarlackschicht, getrocknet. Dabei lag die Lufttemperatur im Ofen bei 1 19°C für alle Trocknungsstufen. Die resultierende getrocknete, aber noch nicht vollständig ausgehärtete Beschichtung einer Schichtdicke von 60 μm wurde mit Kühlwalzen auf eine Oberflächentemperatur < 30 °C eingestellt und mit der in der DE 103 35 620 A1 , Beispiel 1 , beschriebenen Schutzfolie aus Polypropylen (Handelsprodukt GH-X 527 der Firma Bischof + Klein, Lengerich) beschichtet.
Die resultierende mehrschichtige Folie wurde zu einer Rolle gewickelt und in dieser Form bis zur weiteren Verwendung gelagert.
Beispiele 1 bis 3
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Die Herstellung von Kunststoffformteilen
Es wurden Kunststoffformteile nach der folgenden allgemeinen Vorschrift hergestellt:
Die mehrschichtige Folie gem. Herstellbeispiel 3 wurde vorgeformt. Anschließend wurde die transparente, noch nicht vollständig ausgehärtete Beschichtung nach Abziehen der Schutzfolie mit UV-Strahlung vollständig vernetzt. Als Positivform wurde ein Würfel verwendet. Das resultierende vorgeformte Teil wurde in ein Formwerkzeug eingelegt. Das Werkzeug wurde geschlossen, und der Würfel wurde mit einem flüssigen Kunststoffmaterial hinterspritzt.
Für die Bestrahlung wurde ein UV-Strahler der Firma Arccure eingesetzt (undotierte Quecksilberröhre). Dieser Strahler war so konstruiert, dass keine UV-Strahlung direkt auf das Kunststoffformteilen traf, sondern nur indirekt reflektierte Strahlung in zwei gebündelten Streifen. Für beide reflektierte Streifen konnten unterschiedliche Reflektoren eingesetzt werden, die das gesamte UV-Spektrum reflektierten ("breit"), den langwelligen Anteil des UV-Spektrums stärker auf die Kunststoffformteile reflektierten ("A+B") oder den kurzwelligen Anteil des UV-Spektrums stärker auf die Probe reflektierten ("C"). Bei den Beispielen 1 und 3 bis 6 wurde, in Durchlaufrichtung der Kunststoffformteile durch die UV -Belichtungsanlage gesehen, die Reflektoren - Anordnung: 1. "breit" und 2. "C", gewählt. Bei Beispiel 2 wurde die Reflektoren- Anordnung: 1 . "A+B" und 2. "A+B", gewählt.
Die Kunststoffformteile wurden in einer sauerstoffabge reicherten Kohlendioxid- Atmosphäre bestrahlt.
Die Tabelle gibt einen Überblick über die angewandten kürzesten Abstände zwischen UV-Strahlenquelle und Oberfläche der Klarlackschicht der Kunststoffformteile, den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre über der Klarlackschicht, die spektrale Verteilung mit der dazugehörigen Dosis und Leistung sowie über die Kratzfestigkeit und Haftung der resultierenden Klarlackierungen der Kunststoffformteile.
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Tabelle: Die Härtung der Klarlackschichten mit UV-Strahlung und wichtige
Eigenschaften der Klarlackierungen
Beispiel Abst.a> 02b) Dosis c> Leistung d> Amtece) Dstr.f)
Nr. (mm) (Vol.-%) (mJ/cm2) (mW/cm2) (Rest-
(Kenn-
UV-A UV-B UV-C UV-A UV-B UV-C glänz %) wert)
1 40 0,5 782 1.058 205 - - - 79,3 i.O.
2 40 0,9 915 1.240 251 474 467 77 81 i.O.
3 40 0,8 854 1.194 235 470 474 78 87,7 i.O.
a) Abstand zwischen UV-Strahlenquelle und Oberfläche der Klarlackschicht;
b) Sauerstoffgehalt der Atmosphäre oberhalb der Klarlackschicht;
c), d) gemessen mit einem PowerPuck® der Firma EIT;
e) Restglanz nach der Belastung im Waschstraßensimulationstest nach Amtec/Kistler mit Reinigung (Abwischen mit Waschbenzin);
f) Dampfstrahltest;
Bei dem Waschstraßensimulationstest wurde eine Laborwaschstraße der Firma Amtec Kistler verwendet (vgl. T. Klimmasch, T. Engbert, Technologietage, Köln, DFO, Berichtsband 32, Seiten 59 bis 66, 1997). Die Beanspruchung wurde durch Messen des Restglanzes der Probe nach dem Waschstraßensimulationstest und nachfolgendem Abwischen mit einem mit Waschbenzin getränktem Wischtuch bestimmt. Es wurden Restglanzgrade größer als 80% erreicht.
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Für den Dampfstrahltest gem. der in der Fachwelt bekannten Prüfanweisung für die Daimler-Benz-Dampfstrahlprüfung wurde jeweils ein Andreaskreuz in die Klarlackierungen der Beispiele 1 bis 6 geritzt. Die geritzten Stellen wurden mit einem Wasserstrahl besprüht (Gerät der Firma Walter Typ LTA2; Druck: 67 bar; Wassertemperatur: 60 °C; Abstand Düsenspitze/Prüfkörper: 10 cm; Belastungsdauer: 60 Sekunden; Geräteeinstellung: F 1 ).
Der Grad der Abplatzungen und Unterwanderungen wurde visuell beurteilt. In allen Fällen war das Ergebnis i. O. (in Ordnung).
Die Ergebnisse der Tabelle untermauern, dass die Klarlackierungen der Kunststoffformteile der Beispiele 1 bis 6 eine sehr gute Zwischenschichthaftung und eine hohe Kratzfestigkeit, insbesondere unter Praxisbedingungen, aufwiesen.
Ansonsten waren die Klarlackierungen der Kunststoffformteile der Beispiele 1 bis 6 brillant und wiesen einen sehr hohen Glanz (20°) nach DIN 67530 auf. Sie waren hart, flexibel, chemikalienbeständig und frei von störenden Vergilbungen.