TECHNISCHES GEBIET
Bei der Erfindung wird ausgegangen von einem Aktivteil für einen gekapselten
Überspannungsableiter nach dem Oberbegriff von Patentanspruch 1. Die Erfindung
betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Aktivteils sowie einen der
Spannungsbegrenzung in Mittel- und Hochspannungsnetzen dienenden
gekapselten Überspannungsableiter, enthaltend das Aktivteil.
Ein derartiges Aktivteil wird bei der Fertigung des Überspannungsableiters in eine
berührungssichere Kapselung eingesetzt, welche im allgemeinen aus Metall
besteht, wie Aluminium, einer Aluminiumlegierung oder Stahl, aus leitfähigem
Kunststoff oder aber aus Isoliermaterial, das mit einer elektrisch leitenden Schicht
überzogen ist. Das Aktivteil weist eine mit Hochspannung und eine mit Erdpotential
verbindbare Elektrode auf sowie eine oder mehrere Varistorsäulen, welche
zwischen den beiden Elektroden angeordnet sind.
Die Varistorsäule enthält im allgemeinen mehrere übereinander gestapelte
zylinderförmig ausgebildete Varistoren auf der Basis von dotiertem Zinkoxid.
Zumindest zwischen zwei der Varistoren kann auch ein der Wärmeaufnahme oder
einer Verlängerung der Säule dienender Metallkörper angeordnet sein. Sind zwei
oder mehr Varistorsäulen vorgesehen, so kann zwischen zwei der Varistoren auch
ein Isolierkörper vorgesehen werden. Die Varistoren der unterschiedlichen Säulen
können dann in Serie geschaltet werden.
Die Kapselung ist mit einem Isoliermaterial, welches fest, flüssig oder gasförmig
sein kann, gefüllt. Durch die Kapselung wird Berührungsschutz des Ableiters
erreicht. Um die Abmessungen der Kapselung gering zu halten und um die
einzelnen Varistoren zugleich elektrisch gleichmässig zu belasten, nimmt die
Kapselung auch ein mit der Hochspannungselektrode verbundenes Element auf,
welches dem Steuern eines bei Betrieb des Ableiters im Inneren der Kapselung
wirkenden elektrischen Feldes dient.
Zur Fertigung des Aktivteils werden ein Stapel von Varistoren und zwei
Anschlusselektroden, von denen die eine die Hochspannungselektrode ist, unter
Bildung einer die Varistorsäule oder einen Abschnitt dieser Säule enthaltenden
Montageeinheit verspannt und nachfolgend das Feldsteuerelement an der
Montageeinheit befestigt wird. Bei der Fertigung des Überspannungsableiters
werden das solchermassen erstellte Aktivteil und das Feldsteuerelement in die
Kapselung eingesetzt,
STAND DER TECHNIK
Aktivteile der eingangs genannten Art sind in den nachfolgend aufgelisteten
Patentdokumenten EP 0 036 046 B1, EP 0 050 723 B1, EP 0 630 030 B1 und US
5,585,996 A beschrieben. Diese Aktivteile sind in Überspannungsableiter
eingebaut, welche jeweils eine mit Isoliergas, wie SF6, oder gegebenenfalls mit
Isolieröl gefüllte Metallkapselung aufweisen, in dem je nach Höhe der zu
begrenzenden Spannung eine Varistorsäule oder mehrere in Serie geschaltete
Varistorsäule angeordnet sind. Um die Abmessungen der Kapselung klein zu
halten, ist bei jedem dieser Überspannungsableiter zwischen Varistorsäule resp.
Varistorsäulen und Kapselungswand ein die Säule resp. die Säulen ringförmig
umgebendes Feldsteuerelement angeordnet. Dieses Feldsteuerelement
homogenisiert das bei Betrieb des Ableiters im Gehäuseinneren wirkende
elektrische Feld, so dass die in der Varistorsäule bzw. in den Varistorsäulen
angeordneten Varistoren mehr oder weniger gleichmässig belastet werden. Das
Feldsteuerelement kann von konzentrisch zur Säulenachse angeordneten,
elektrisch leitenden Kondensatorbelägen gebildet sein, welche in einem
Isolierkörper gehalten sind (EP 0 036 046 B1), kann entlang der Säulenachse
angeordnete und in axialer Richtung voneinander beabstandete
Kondensatorabschirmungen aufweisen (EP 0 050 723 B1) oder kann von einer auf
Hochspannungspotential gehaltenen Abschirmelektrode mit einem kugelförmig
gekrümmten Oberflächenabschnitt gebildet sein.
Bei einem aus EP 1 083 579 A2 vorbekannten gekapselten Überspannungsableiter
kann das Feldsteuerelement entfallen, da durch geeignete Ausbildung des
Gehäuses die Vergleichmässigung des elektrischen Feldes in dem auf
Hochspannungspotential befindlichen Abschnitt der Varistorsäule erreicht wird.
Es ist ferner bekannt, dass Spannungssteueraufgaben mit Hilfe von
spannungssteuerndem Material, insbesondere eines Verbundstoffs auf der Basis
eines Polymers und eines in das Polymer eingebetteten geeignet ausgebildeten
Füllstoffs, gelöst werden können. Hierzu wird auf einen Aufsatz von R. Strümpler et
al. "Smart Varistor Composites" Proceedings of the 8th CIMTEC Ceramic Congress
and Forum on Materials Symposium (1994) verwiesen sowie auf US 6,124,549 A
und EP 1 337 022 A1. Der Füllstoff wird hierbei von Mikrovaristoren gebildet,
welche aus kleinen, im wesentlichen kugelförmigen Zinkoxid-Teilchen bestehen.
Diese Teilchen sind mit verschiedenen Metalloxiden, wie z.B. Sb2O3, Bi2O3, Cr2O3
und Co3O4, dotiert und werden bei Temperaturen zwischen 900 °C und 1300 °C
gesintert. Die gesinterten Teilchen besitzen wie ein Varistor nichtlineare, von der
elektrischen Feldstärke abhängige, elektrische Eigenschaften. Bei kleinen
Feldstärken verhalten sich die Teilchen wie ein Isolator und mit zunehmender
Feldstärke werden die Teilchen leitfähiger. Aufgrund dieser nichtlinearen
elektrischen Eigenschaften weist der polymere Verbundwerkstoff gute
Feldsteuerungseigenschaften auf.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Der Erfindung, wie sie in den Patentansprüchen angegeben ist, liegt die Aufgabe
zugrunde, ein Aktivteil der eingangs genannten Art für einen gekapselten
Überspannungsableiter zu schaffen, welches einfach aufgebaut ist und die
Abmessungen der Kapselung wesentlich reduziert, und zugleich ein Verfahren
anzugeben, mit dem dieses Aktivteil einfach und kostengünstig gefertigt werden
kann.
Beim erfindungsgemässen Aktivteil ist das Feldsteuerelement an der Varistorsäule
gehalten und enthält einen von einer polymeren Matrix sowie einem in die Matrix
eingebetteten Füllstoff gebildeten Verbundstoff, der bei Belastung mit einem
elektrischen Wechselfeld von bis zu 100Hz eine Dielektrizitätszahl zwischen 5 und
45 und/oder eine nichtlineare Strom-Spannungs-Kennlinie aufweist. Das aus dem
Verbundstoff hergestellte Feldsteuerelement weist gegenüber einem üblicherweise
aus Metall oder einem elektrisch leitenden Kunststoff hergestellten
Feldsteuerelement eine geringe Leitfähigkeit auf. Daher kann das
Feldsteuerelement sehr nahe an die Varistorsäule herangeführt werden.
Dementsprechend weist das Aktivteil quer zur Varistorsäule einen geringen
Durchmesser aus und können so die Abmessungen der Kapselung sowie von
Isolatoren, die zum Halten des Aktivteils vorgesehen sind, reduziert werden. Die
relativ hohe Dielektrizitätszahl des Feldsteuerelements und/oder die nichtlineare
Strom-Spannungs-Kennlinie bewirken zudem eine Vergleichmässigung des
elektrischen Feldes und verhindern so eine Überlastung einzelner Varistoren der
Varistorsäule. Eine besonders hohe Stossspannungsfestigkeit, wie sie in
Typentests von Ableiterisolierungen gefordert werden, weist das Aktivteil nach der
Erfindung dann auf, wenn das Feldsteuerelement eine nichtlineare Strom-Spannungs-Kennlinie
aufweist.
Eine für viele Anwendungen ausreichend gute Feldsteuerung wird erreicht, wenn
der Füllstoff ein Material hoher Leitfähigkeit, wie insbesondere Leitfähigkeitsruss,
und/oder hoher Dielektrizitätszahl, wie z.B. ein Titanat, vorzugsweise Bariumtitanat,
enthält und/oder Mikrovaristoren.
Eine hervorragende Reproduzierbarkeit seiner elektrischen Eigenschaften weisen
das Aktivteil bzw. ein dieses Aktivteil enthaltender Überspannungsableiter nach der
Erfindung auf, wenn zumindest ein Teil des Füllstoffs Mikrovaristoren enthält. Dies
ergibt sich daraus, dass die elektrischen Eigenschaften der Mikrovaristoren,
insbesondere auf der Basis von dotiertem und gesintertem Zinkoxid, in
Abhängigkeit von der chemischen Zusammensetzung und den Sinterbedingungen
des Füllstoffs eingestellt werden können. Dementsprechend können so auch die
elektrischen Eigenschaften des das Feldsteuerelement bildenden polymeren
Verbundstoffs, wie insbesondere sein feldstärkeabhängiger elektrischer
Widerstand, durch Wahl geeignet beschaffener Mikrovaristoren und Wahl einer
geeigneten Konzentration der Mikrovaristoren im Polymer eingestellt werden. Da
der elektrische Widerstand eine intrinsische Eigenschaft der Mikrovaristoren ist,
und nicht - oder nur sehr schwach - von der Dispersion der Mikrovaristoren in der
Polymermatrix abhängt, kann diese Eigenschaft der Mikrovaristoren demnach mit
grosser Reproduzierbarkeit eingestellt werden. Die gute Reproduzierbarkeit wird
dadurch noch zusätzlich erhöht, dass ein mit Mikrovaristoren gefülltes Polymer im
Vergleich zu einem ungefüllten Polymer oder zu einem Isoliergas eine höhere
Wärmeleitfähigkeit aufweist. Die höhere Wärmeleitfähigkeit bewirkt bei starker
Belastung der Varistorsäule einen besseren Wärmetransport weg von der
Varistorsäule.
Zur Lösung schwieriger Feldsteueraufgaben reicht es aus, wenn beim Aktivteil bzw.
einem dieses Aktivteil enthaltenden Überspannungsableiter nach der Erfindung das
Feldsteuerelement sich zumindest über einen mit der Hochspannungselektrode
verbundenen Längsabschnitt erstreckt, der typischerweise ein Viertel der
Gesamtlänge der Varistorsäule beträgt.
Um auch die verbleibenden Abschnitte der Varistorsäule mit guter Genauigkeit
steuern zu können, kann sich das Feldsteuerelement zweckmässigerweise über die
gesamte Länge der Varistorsäule erstrecken. Ein solches Feldsteuerelement weist
auch fertigungstechnische Vorteile auf, da es mit einer an den beiden Elektroden
des Aktivteils anliegenden Gussform besonders einfach gefertigt werden kann und
dementsprechend die Herstellkosten des Aktivteils verringert.
Aus Gründen der Platzersparnis und einer besonders hohen Wirksamkeit des
Feldsteuerelements kann zumindest ein Abschnitt des Feldsteuerelements auf der
Mantelfläche der Varistorsäule aufliegen. Lokale Feldinhomogenitäten im Bereich
der Varistorsäule werden so wirkungsvoll unterbunden.
Im allgemeinen werden ausreichend gute Feldsteuereigenschaften aber auch dann
erreicht, wenn das Feldsteuerelement von einem auf der Mantelfläche der
Varistorsäule gehaltenen Isolierkörper getragen ist. Ein derart ausgebildetes
Aktivteil weist fertigungstechnische Vorteile auf, da durch Aufgiessen eines leicht zu
handhabenden füllstofffreien Polymers auf die Varistorsäule oder auf mehrere
gegebenenfalls vorgesehene Varistorsäulen ein Vollzylinder erreicht wird, auf den
das Feldsteuerelement beispielsweise durch Wickeln oder Aufspritzen des Füllstoff
und Polymer enthaltenden Verbundstoffs in einfacher Weise aufgebracht werden
kann.
Für bestimmte Feldsteuerungen kann ein Feldsteuerelement verwendet werden,
welches mindestens zwei durch eine elektrisch isolierende Schicht voneinander
getrennte feldsteuernde Schichten aufweist. Diese Schichten weisen mit Vorteil
unterschiedliche elektrische Eigenschaften auf und/oder erstrecken sich
unterschiedlich weit über die Länge der Varistorsäule.
Die Dicke des Feldsteuerelements quer zur Säulenachse ist im allgemeinen aus
fertigungstechnischen Gründen über die Länge der Varistorsäule konstant. Zur
Lösung bestimmter Feldsteueraufgaben kann es aber vorteilhaft sein, wenn die
Dicke über die Länge der Varistorsäule variiert. So kann es zum Beispiel zur
Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit an einem Ende des Aktivsäule vorteilhaft
sein, wenn dort der Flächenquerschnitt des Feldsteuerelements höher ist und die
Querschnittsfläche kontinuierlich über die Länge des Aktivteils abnimmt.
Bei dem zur Herstellung des erfindungsgemässen Aktivteils vorgesehenen
Verfahren werden ein Stapel von Varistoren und zwei Anschlusselektroden unter
Bildung einer die Varistorsäule oder einen Abschnitt dieser Säule enthaltenden
Montageeinheit verspannt. Nachfolgend wird das Feldsteuerelement an der
Montageeinheit befestigt, indem das Feldsteuerelement auf die Varistorsäule oder
einen die Varistorsäule umgebenden Isolierkörper aufgetragen wird. Da das
Auftragen mit Vorteil durch Giessen oder Spritzgiessen des gefüllten Polymers oder
durch Schrumpfen oder Wickeln eines das gefüllte Polymer haltenden Tragkörpers
erfolgt, kann das Aktivteil preiswert und in einem für eine Massenfertigung
geeigneten Verfahren hergestellt werden.
Um eine hohe dielektrische Festigkeit eines das erfindungsgemässe Aktivteil
enthaltenden Überspannungsableiters zu erreichen, kann nach dem Einsetzen des
Aktivteils in die Kapselung ein verbleibendes Restvolumen mit festem, flüssigem
und/oder gasförmigem Isoliermaterial aufgefüllt werden.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
Anhand von Zeichnungen werden Ausführungsbeispiele der Erfindung näher
erläutert. Hierbei zeigt:
- Fig.1
- eine Aufsicht auf einen axial geführten Schnitt durch einen
Überspannungsableiter mit einer zylindersymmetrischen Kapselung und mit
einem in der Kapselung angeordneten Aktivteil nach der Erfindung,
enthaltend ein Feldsteuerelement, welches eine Hochspannungselektrode
und einen an die Hochspannungselektrode anschliessenden Abschnitt einer
Varistorsäule überdeckt,
- Fig.2
- eine Aufsicht entsprechend Fig.1 auf einen Überspannungsableiter, bei dem
das Feldsteuerelement im Unterschied zur Ausführungsform nach Fig.1 die
gesamte Varistorsäule und einen Teil einer auf Erdpotential befindlichen
Elektrode überdeckt,
- Fig.3
- eine Aufsicht entsprechend Fig.1 auf einen Überspannungsableiter, bei dem
das Feldsteuerelement im Unterschied zu den vorhergehenden
Ausführungsformen auf einem die Varistorsäule umgebenden Isolierkörper
angeordnet ist,
- Fig.4
- eine Aufsicht entsprechend Fig.1 auf einen Überspannungsableiter, bei dem
im Unterschied zu den vorhergehenden Ausführungsformen die Dicke des
Feldsteuerelements quer zur Achse der Varistorsäule ausgehend von der
Hochspannungselektrode über die Säulenachse abnimmt,
- Fig.5
- eine Aufsicht entsprechend Fig.1 auf einen Überspannungsableiter, bei dem
im Unterschied zu den vorhergehenden Ausführungsformen das
Feldsteuerelement zwei durch eine isolierende Schicht voneinander
getrennte feldsteuernde Schichten aufweist, welche sich unterschiedlich weit
über die Länge der Varistorachse erstrecken, und
- Fig.6
- eine Aufsicht auf einen axial geführten Schnitt durch einen
Überspannungsableiter mit einer zylindersymmetrischen Kapselung, mit
einem in der Kapselung angeordneten Aktivteil nach der Erfindung mit zweialternativ
mit drei Varistorsäulen - und mit einem Feldsteuerelement.
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
In allen Figuren beziehen sich gleiche Bezugszeichen auch auf gleichwirkende
Teile. Die in den Figuren 1 bis 5 dargestellten Überspannungsableiter weisen
jeweils eine als geöffneter Topf ausgeführte zylindersymmetrische Metallkapselung
1 auf, in der ein Aktivteil 2 angeordnet ist. Das Aktivteil enthält eine Varistorsäule
3, eine an Hochspannung führbare Elektrode 4, eine an Erdpotential führbare
Elektrode 5 sowie ein zwischen der Varistorsäule 3 und der Kapselung 1
angeordnetes und mit der Hochspannungselektrode 4 elektrisch leitend
verbundenes Element 6 zum Steuern eines bei Betrieb des Ableiters im Inneren der
Kapselung 1 wirkenden elektrischen Feldes.
Die Varistorsäule 3 enthält mehrere übereinandergestapelte vollzylindrische
Varistorelemente 7 aus nichtlinearem Widerstandsmaterial, etwa auf der Basis von
Metalloxid, wie insbesondere von geeignet dotiertem ZnO. Die Varistorsäule 3 ist
mechanisch stabilisiert durch elektrisch isolierend ausgeführte Schlaufen 8, die
unter Bildung einer stabilen Montageeinheit mit Vorspannung auf den beiden
Elektroden 4 und 5 (Figuren 1 bis 3 und 5) oder auf zwei beliebigen Elektroden
abgestützt sind, von denen die eine die Hochspannungselektrode 4 und die andere
die erdbare Elektrode 5 sein kann (Fig.4).
Die Hochspannungselektrode 4 ist über einen durch die Öffnung des Topfs
geführten Stromleiter 9 mit einem ausserhalb der Kapselung 1 angeordneten
Steckkontakt 10 elektrisch leitend verbunden. Die erdbare Elektrode 5 ist über eine
im Boden des Topfs vorgesehene Öffnung mit Hilfe eines gegenüber der
Kapselung 1 elektrisch isolierten Stromleiters 11 an einen ausserhalb der
Kapselung 1 angeordneten erdbaren Stromanschluss 12 geführt. Ein Isolierkörper
13, etwa auf der Basis eines Silikon, isoliert den durchgeführten Leiter 9 und das
Aktivteil 2 gegenüber der Kapselung 1.
Das Feldsteuerelement 6 ist direkt oder indirekt an der Varistorsäule gehalten. Es
enthält einen von einer polymeren Matrix sowie einem in die Matrix eingebetteten
Füllstoff gebildeten Verbundstoff, der bei Belastung mit einem elektrischen
Wechselfeld von bis zu 100Hz eine Dielektrizitätszahl zwischen 5 und 45,
vorzugsweise zwischen 8 und 30, und/oder eine nichtlineare Strom-Spannungs-Kennlinie
aufweist.
Die polymere Matrix wird von einem Elastomer auf der Basis eines festen Silikons
gebildet, kann aber auch von irgendeinem anderen Elastomer, z.B. einem EPDM
oder einem Butylkautschuk gebildet sein. Andere für die polymere Matrix geeignete
Polymere sind Thermoplaste, wie etwa PE, PVC, PBT oder EVA, Duromere, etwa
auf der Basis Epoxid oder Polyurethan, oder thermoplastische Elastomere. Die
polymere Matrix kann auch aus Copolymeren oder Mischungen verschiedener
Polymerkomponenten bestehen.
Als Material für den in die polymere Matrix eingebetteten Füllstoff werden
Mikrovaristoren verwendet. Ein weiterer geeigneter Füllstoff ist Leitfähigkeitsruss,
der in so hoher Konzentration ins Polymer einzubringen ist, dass die
Dielektrizitätszahlen des resultierenden Verbundstoffs bei 50 Hz bei ca. 10 bis 30
liegen. Gut geeignet als Füllstoff ist auch eine Keramik mit hoher Dielektrizitätszahl,
wie etwa Bariumtitanat.
Die Mikrovaristoren sind von dotierten und gesinterten Zinkoxidteilchen gebildet.
Typische Zusammensetzungen, Teilchengrössen und Sinterbedingungen sind dem
eingangs genannten Stand der Technik entnehmbar. Ein mit Oxiden von
typischerweise Bi, Co, Cr, Mn und Sb und wahlweise weiteren Elementen, wie etwa
Al, B, Fe, Ni, Si, dotiertes ZnO-Granulat wurde bei Temperaturen zwischen 900 °C
und 1300 °C gesintert. Das sich beim Sintern bildende Mikrovaristor-Pulver wurde
auf eine gewünschte Teilchengrössenfraktion von beispielsweise 100 µm gesiebt.
Wahlweise können in diese Pulverfraktion metallische Zusatzfüllstoffe eingemischt
und an die Mikrovaristoren angesintert werden. Das gesiebte Pulver wird z. B. auf
einem Walzwerk in die polymere Matrix (z. B. in ein HTV Silikon) eingearbeitet. Je
nach Elastomertyp können hier weitere Additive (wie z. B. Vernetzungshilfsmittel,
Stabilisatoren) zugegeben werden. Der Volumenanteil des Füllstoffs am
Verbundstoff beträgt typischerweise zwischen 20 und 45 Prozent.
Der so hergestellte Verbundstoff wurde unter Bildung des Feldsteuerelements 6 in
einem konventionellen Spritzgussverfahren auf die Varistorsäule 3 oder einen
Abschnitt davon oder auf einen die Varistorsäule umgebenden Isolierkörper 14
(Fig.3) aufgebracht. Ist das Silikon flüssig, so kann die Silikon-Füllstoff-Mischung
durch direktes Vergiessen aufgebracht werden. Nach dem Vernetzen des
Verbundstoffs kann in einem zweiten Prozessschritt das als Silikon ausgebildete
Isoliermaterial des Körpers 13 spritzvergossen werden.
Das aus dem Verbundstoff hergestellte Feldsteuerelement 6 weist gegenüber
einem üblicherweise aus Metall oder einem elektrisch leitenden Kunststoff
hergestellten Feldsteuerelement eine geringe Leitfähigkeit auf. Daher kann es sehr
nahe an die Varistorsäule 6 herangeführt werden und können dementsprechend
nach Einbau des Aktivteils 2 in die Kapselung 1 die Abmessungen der Kapselung
sowie von Isolatoren, die zum Halten des Aktivteils 2 vorgesehen sind, reduziert
werden. Die relativ hohe Dielektrizitätszahl des Feldsteuerelements und/oder die
nichtlineare Strom-Spannungs-Kennlinie bewirken bei Betrieb des Ableiters zudem
eine Vergleichmässigung des elektrischen Feldes und verhindern so eine
Überlastung einzelner Varistoren 7 der Varistorsäule 3. Durch die Verwendung von
keramischen Mikrovaristoren wird die Wärmeleitfähigkeit des Verbundstoffs des
Feldsteuerelements 6 gegenüber einem füllstofffreien Polymer wesentlich erhöht.
Es wird daher vermehrt Wärme von der Varistorsäule 2 nach aussen abgeführt.
Dementsprechend können die einzelnen Varistoren thermisch stärker belastet
werden. Ein das erfindungsgemässe Aktivteil aufweisender Überspannungsableiter
weist gegenüber einem Überspannungsableiter mit einem konventionell
aufgebauten Aktivteil eine wesentlich höhere Stossspannungsfestigkeit auf. Daher
können seine Abmessung bei vergleichbaren Eigenschaften verringert werden.
Bei der Ausführungsform nach Fig.1 ist das Feldsteuerelement 6 gegebenenfalls
unter Verwendung einer haftvermittelnden Beschichtung auf der Aussenfläche der
Hochspannungselektrode 4 und einer Mantelfläche eines mit der
Hochspannungselektrode verbundenen Abschnitts der Varistorsäule 3 angebracht.
Dadurch, dass das Feldsteuerelement 6 sich über die mit Hochspannungspotential
beaufschlagten Bereiche des Aktivteils 2 erstreckt, wird das elektrische Feld in
diesen elektrisch besonders stark beanspruchten Bereichen homogenisiert.
Dadurch, dass die Feldsteuerelektrode auf der Varistorsäule angebracht ist, wird
eine raumsparende Bauform ermöglicht, werden lokale Feldinhomogenitäten im
Bereich der Varistorsäule 3 wirkungsvoll unterbunden und wird zugleich eine
besonders gute Ableitung von in der Varistorsäule 3 erzeugter Wärme nach aussen
bewirkt.
Bei der Ausführungsform nach Fig.2 erstreckt sich das auf der Varistorsäule 3
aufgebrachte Feldsteuerelement 6 von der Hochspannungselektrode 4 über die
gesamte Varistorsäule 3 zur erdbaren Elektrode 5. Daher wird nun über der
gesamten Varistorsäule das elektrische Feld homogensiert und können so alle
Varistoren 7 der Varistorsäule mit guter Genauigkeit gesteuert werden. Zudem
kann ein mit einem derartigen Feldsteuerelement ausgestattetes Aktivteil
besonders einfach gefertigt werden, da bei der Fertigung eine an den beiden
Elektroden 4 und 5 des Aktivteils 2 anliegende Gussform verwendet werden kann.
Bei einem Überspannungsableiter mit einem gemäss Fig.2 ausgeführten Aktivteil
wurde die Spannungsfestigkeit nach den IEC-Vorschriften 60099-4 und 60071-1
geprüft und verglichen mit der entsprechend geprüften Spannungsfestigkeit eines
entsprechend ausgebildeten Ableiters, welcher jedoch kein Feldsteuerelement
aufwies. Hierbei wurden beide Überspannungsableiter jeweils mit 15
aufeinanderfolgenden wellenförmigen 1,2/50-Hochspannungsimpulsen mit positiver
und mit 15 entsprechenden Impulsen mit negativer Polarität belastet. Die Form der
Impulse ist bestimmt durch eine Anstiegszeit von 1,2 µs auf das Impulsmaximum
und eine Abfallszeit von 50 µs auf die Hälfte des Impulsmaximums. Hierbei zeigte
es sich, dass der Ableiter mit dem erfindungsgemäss ausgebildeten Aktivteil mit
einer mindestens 1,7-fach höheren Hochspannung belastet werden konnte als der
Ableiter ohne Feldsteuerelement.
Bei der Ausführungsform nach Fig.3 ist das Feldsteuerelement 6 von dem auf der
Mantelfläche der Varistorsäule gehaltenen Isolierkörper 14 getragen. Ein derart
ausgebildetes Aktivteil 2 weist fertigungstechnische Vorteile auf, da durch
Aufgiessen eines leicht zu handhabenden füllstofffreien Polymers auf die
Varistorsäule 3 ein Vollzylinder erreicht wird, auf den das Feldsteuerelement 6
beispielsweise durch Wickeln oder Aufspritzen des Verbundstoffs oder durch
Aufschrumpfen eines den Verbundstoffs haltenden Tragkörpers in einfacher Weise
aufgebracht werden kann.
Die Dicke des Feldsteuerelements 6 quer zur Achse der Varistorsäule 3 ist im
allgemeinen aus fertigungstechnischen Gründen über die Länge der Varistorsäule
konstant. Zur Lösung bestimmter Feldsteueraufgaben ist es jedoch vorteilhaft, dass
die Dicke des Feldsteuerelements 6 über die Länge der Varistorsäule 3 variiert. So
kann es zum Beispiel zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit an dem mit
Hochspannung beaufschlagten Ende (Elektrode 4) der Aktivsäule vorteilhaft sein,
wenn dort der Flächenquerschnitt des Feldsteuerelements 6 höher ist und die
Querschnittsfläche kontinuierlich über einen Abschnitt oder ggfs. über die gesamte
Länge des Aktivteils 2 abnimmt. Eine solche Ausführungsform des Aktivteils ist aus
Fig.4 ersichtlich. Aus dieser Figur ist auch zu erkennen, dass die Varistorsäule 3
aus zwei Montageinheiten 31 und 32 bestehen kann, welche jeweils zwei
Elektroden, einen dazwischen angeordneten Stapel von Varistoren 7' bzw. 7" und
schlaufenförmige Spannelemente 8' bzw. 8"aufweisen. Die beiden Elektroden sind
bei der Montageeinheit 31 die Hochspannungselektrode 4 und eine
Zwischenelektrode 15 und bei der Montageeinheit 32 die Zwischenelektrode 15 und
die erdbare Elektrode 5. Die Zwischenelektrode 15 kann trennbar ausgebildet sein,
so dass die beiden Montageeinheiten 31, 32 voneinander getrennt transportiert
werden können. Bei sehr lang erstreckten Varistorsäulen 3 sind Montageeinheiten
vorgesehen, die als Elektroden lediglich Zwischenelektroden aufweisen.
Bei der in Fig.5 dargestellten Ausführungsform ist ein Feldsteuerelement 6
eingesetzt, welches zwei durch eine elektrisch isolierende Schicht 61 voneinander
getrennte feldsteuernde Schichten 62 und 63 aufweist. Die Schichten 62 und 63
ermöglichen eine besonders genaue Feldsteuerung und können unterschiedliche
elektrische Eigenschaften aufweisen und/oder erstrecken sich - wie aus der Figur
ersichtlich ist - unterschiedlich weit über die Länge der Varistorsäule 3.
Dem Ausführungsbeispiel gemäss Fig.6 kann entnommen werden, dass das
Aktivteil 2 nicht nur eine Varistorsäule enthält, sondern auch zwei Varistorsäulen 3',
3" oder gegebenenfalls auch drei (angedeutet durch eine hinter den Säulen 3', 3"
angeordnete Varistorsäule 3''') und mehr Varistorsäulen enthalten kann. Da bei
dieser Ausführungsform die Varistoren 7 beider Säulen über Stromverbinder 16 in
Serie geschaltet sind, enthalten diese Säulen neben den Varistoren 7 und zwei die
Säulen stirnseitig abschliessenden Elektroden 17', 17", 17''' auch Isolierstücke 18,
welche die elektrischen Potentiale von in den Säulen benachbart angeordneten
Varistoren 7 bzw. eines Varistors 7 und einer Elektrode 17''' trennen. Ersichtlich ist
von den vorgenannten Elektroden die Elektrode 17' mit der
Hochspannungselektrode 4 elektrisch leitend verbunden oder in diese integriert
und über den mit Hilfe eines Durchführungsisolators 91 elektrisch isoliert aus der
Kapselung 1 geführten Stromleiters 9 mit einer Hochspannungsquelle, etwa einer
vor Überspannungen zu schützenden Leitung, elektrisch leitend verbunden.
Entsprechend ist auch die Elektrode 17" mit der erdbaren Elektrode 5 elektrisch
leitend verbunden oder in diese integriert und über den isoliert aus der Kapselung 1
geführten Stromleiter 11 an Erde gelegt.
Das Feldsteuerelement 6 besteht hierbei aus einem die Elektroden 4, 17' und 17'''
umschliessenden Teilfeldsteuerelement 6' und einem daran anschliessenden
Teilfeldsteuerelement 6", welches den mit dem höchsten elektrischen Potential
beaufschlagten Abschnitt der Varistorsäule 3' umschliesst. Wie dargestellt
bestehen die beiden Teilfeldsteuerelemente 6', 6" aus unterschiedlichen
Verbundstoffen. Das Teilfeldsteuerelement 6' kann durch Giessen, das
Teilfeldsteuerelement 6" durch Aufschrumpfen oder Aufwickeln aufgebracht
werden.
Besteht das Feldsteuerelement 6 aus einem einzigen Teil, so kann es auch so
ausgebildet sein, dass es alle Varistorsäulen 3', 3", 3"' in Form eines Mantels
gemeinsam umschliesst.
Das Restvolumen 19 der gasdicht abgeschlossenen Kapselung 1 ist mit einem
Isoliergas, typischerweise SF6, gefüllt.
Bezugszeichenliste
- 1
- Kapselung
- 2
- Aktivteil
- 3, 3', 3", 3'''
- Varistorsäulen
- 4
- Hochspannungselektrode
- 5
- erdbare Elektrode
- 6, 6', 6"
- Feldsteuerelement
- 7, 7', 7"
- Varistoren
- 8, 8', 8"
- Spannschlaufen
- 9, 11
- Stromleiter
- 10
- Steckkontakt
- 12
- Stromanschluss
- 13, 14
- Isolierkörper
- 15
- Zwischenelektrode
- 16
- Stromverbindung
- 17, 17', 17", 17"'
- Elektroden
- 18
- Isolierstücke
- 19
- Restvolumen
- 31,32
- Montagekörper
- 61
- Isolierkörper
- 62, 63
- feldsteuernde Schichten
- 91
- Durchführungsisolator