Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Fremdkörperabscheidung
aus einem Materialstrom. Entsprechende
Verfahren und Vorrichtungen sind beispielsweise aus der DE 199 18
774 A1, die der US 6,332,543 B1 entspricht, bekannt.
Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein effizientes Verfahren
und eine effiziente Vorrichtung zur Abscheidung von Fremdkörpern
aus einem Materialsrom anzugeben.
Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Verfahren zur Fremdkörperabscheidung
aus einem Materialstrom mit den folgenden Verfahrensschritten:
- Erzeugen eines Materialstroms,
- Überführen des Materialstroms in eine Messstrecke, wobei in
der Messstrecke ein Luftstrom erzeugt wird oder vorherrscht,
- Erkennen wenigstens eines Fremdkörpers im Materialstrom,
- Entfernen des Fremdkörpers aus dem Materialstrom, wobei
zwischen dem Schritt des Erkennens und dem Schritt des
Entfernens des Fremdkörpers der Luftstrom im Wesentlichen
die gleiche Geschwindigkeit wie der Materialstrom aufweist.
Durch Vorsehen eines Luftstroms, der im Wesentlichen die gleiche
Geschwindigkeit wie der Materialstrom aufweist, und zwar wenigstens
im Bereich zwischen dem Schritt des Erkennens und dem
Schritt des Entfernens wird vermieden, dass leichtere Materialstrombestandteile,
wie beispielsweise Tabakstrips, aufgrund des
höheren Luftwiderstandes als beispielsweise Fremdkörper, wie
beispielsweise Steine, sich zwischen dem Erkennen des Fremdkörpers
und dem Entfernen des Fremdkörpers unterschiedlich weit
bewegen. Zur Erkennung von Fremdkörpern wird üblicherweise eine
gewisse Zeit benötigt, so dass zwischen dem Ort des Erkennens
bzw. dem Ort einer Messvorrichtung zum Erkennen des Fremdkörpers
und dem Ort des Abscheidens des Fremdköpers eine entsprechende
räumliche und zeitliche Distanz existiert. Durch das erfindungsgemäße
Verfahren wird vermieden, dass sich die unterschiedlichen
Bestandteile des Materialsstroms unterschiedlich schnell
bewegen, so dass vermieden wird, dass die falschen Bestandteile
abgeschieden werden. Im Rahmen der Erfindung ist der Materialstrom
insbesondere ein Tabakstrom.
Wenn sich der Materialstrom in der Messstrecke im freien Fall
bewegt, ist eine besonders einfache Realisierung des erfindungsgemäßen
Verfahrens möglich. Wenn sich der Materialstrom in der
Messstrecke in einer Flugparabel bewegt, ist es möglich, eine
Vorrichtung vorzusehen, die relativ flachbauend ist.
Vorzugsweise vergrößert sich die Geschwindigkeit des Materialstroms
und des Luftstroms in der Messstrecke, insbesondere dann,
wenn die auf das Material wirkende Gravitation zur Beschleunigung
beiträgt.
Vorzugsweise wird ein Luftstrom von außen in die Messstrecke
eingebracht. Dieser Luftstrom, der beispielsweise durch ein Einblasen
oder ein Absaugen von Luft in oder aus der Messstrecke
entsteht, kann für die Erzeugung eines Luftstroms, der der Geschwindigkeit
des Materialstroms entspricht, unterstützend sein.
Bei einer Ausgestaltung, bei der die Messstrecke wenigstens
teilweise in Richtung Erdmittelpunkt ausgerichtet ist, ist es zweckmäßig,
wenn sich der Materialstrom in der Messstrecke in einem
Kanal bewegt, wobei die Querschnittsfläche des Kanals in Bewegungsrichtung
des Materialstromes wenigstens abschnittsweise sich
verkleinernd ausgebildet ist. Durch wenigstens teilweise Abwärtsbewegung
des Materialstroms beschleunigt sich dieser aufgrund der
Erdanziehung. Um nun zu verhindern, dass die unterschiedlichen
Bestandteile des Materialstroms aufgrund der unterschiedlichen
Luftwiderstände sich unterschiedlich schnell bewegen, wird in dieser
von alleinigem erfinderischen Wert bzw. besonderem erfinderischen
Wert vorgesehenen Ausgestaltung des Verfahrens davon Gebrauch
gemacht, dass sich die Strömungsgeschwindigkeit in einem sich von
der Querschnittsfläche her verkleinernden Kanal automatisch
vergrößert. Vorzugsweise ist die Querschnittsfläche wenigstens
abschnittsweise eine Funktion, die von der Quadratwurzel der
Falltiefe des Materialstroms abhängt.
Die Aufgabe wird ferner durch eine Vorrichtung zur Fremdkörperabscheidung
aus einem Materialstrom umfassend eine das Material zu
einer Fremdkörpererkennungsvorrichtung zuführenden Vorrichtung
(Zuführvorrichtung) und einer Fremdkörperabscheidevorrichtung
gelöst, wobei die Zuführvorrichtung einen Kanal umfasst, in dem
eine Prüfzone der Fremdkörpererkennungsvorrichtung angeordnet
ist und wobei der Kanal ausgangsseitig des Materialstroms in einer
Abscheidestelle der Fremdkörperabscheidevorrichtung endet, wobei
die Querschnittsfläche des Kanals sich wenigstens abschnittsweise
in Bewegungsrichtung des Materialstroms verkleinert. Hierdurch ist
eine sehr effiziente Fremdkörperabscheidung möglich. Ausgangsseitig
des Tabakstroms bedeutet im Rahmen der Erfindung insbesondere
stromabwärts des Stroms am Ausgang des Kanals.
Eine besonders einfache Realisierung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung ist dann gegeben, wenn der Kanal einen rechteckigen
Querschnitt aufweist. Zweckmäßigerweise ist der Kanal wenigstens
abschnittsweise im Wesentlichen vertikal angeordnet. Hierbei ist es
sinnvoll, wenn eingangsseitig des Kanals eine Aufprallfläche vorgesehen
ist, an der ein Tabakstrom von beispielsweise einer üblichen
Fördervorrichtung gemäß der DE 199 18 774 A1 kommend abprallt
und anschließend in Richtung des Kanals gefördert wird.
Wenn der Kanal mit wenigstens einer Wandung ausgebildet ist, die
wenigstens abschnittsweise einer Flugparabel nachgebildet ist, ist
eine relativ flachbauende Vorrichtung möglich.
Eine besonders bevorzugte Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung ist dann gegeben, wenn die Querschnittsfläche wenigstens
abschnittsweise eine Funktion ist, die von der Quadratwurzel
der Falltiefe des Materialstroms abhängt. Zur Unterstützung der
Erzeugung eines entsprechenden Förderluftstroms in dem Kanal ist
vorzugsweise eine Sauglufterzeugungsvorrichtung und/oder eine
Blaslufterzeugungsvorrichtung vorgesehen.
Die Erfindung wird nachstehend ohne Beschränkung des allgemeinen
Erfindungsgedankens anhand von Ausführungsbeispielen unter
Bezugnahme auf die Zeichnungen beschrieben. Bezüglich aller im
Text nicht näher erläuterten erfindungsgemäßen Einzelheiten wird
ausdrücklich auf die Zeichnungen verwiesen. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Querschnittsdarstellung einer
erfindungsgemäßen Vorrichtung in einer ersten Ausführungsform,
und
- Fig. 2
- eine schematische Querschnittsdarstellung einer
erfindungsgemäßen Vorrichtung in einer zweiten Ausführungsform.
Fig. 1 zeigt in einer schematischen Querschnittsdarstellung eine
erfindungsgemäße Vorrichtung zur Fremdkörperabscheidung in
einer ersten Ausführungsform. Der Materialstrom 10 wird auf einem
in Pfeilrichtung sich bewegenden Förderband 13, das auf einer
Umlenkwalze 14 umgelenkt ist, in x-Richtung gefördert und prallt
gegen eine Aufprallfläche 30. Anschließend fällt der Materialstrom
10, beispielsweise in Form eines Tabakstroms, der Tabak 11 und
Fremdkörper 12 enthält, senkrecht nach unten in einem Schacht
bzw. Kanal 20. Der Kanal 20 umfasst Wände 27 und 28, die in z-Richtung,
die senkrecht zur Zeichenebene liegt, in diesem Ausführungsbeispiel
eine konstante Tiefe aufweisen. Die Breite x ist eine
Funktion der Falltiefe y. Es handelt sich hierbei um eine Wurzelfunktion,
die nachstehend genauer erläutert wird.
Der Materialstrom 10 fällt in eine Messstrecke 15, die eine Prüfzone
25 umfasst und in einer Abscheidestelle 26 endet. Im Bereich der
Prüfstelle 25 ist ein Fenster 22 vorgesehen, durch das Licht 23, das
von einer optischen Erkennungsvorrichtung 21 ausgestrahlt wird,
durchtritt. Die optische Erkennungsvorrichtung 21 kann beispielsweise
einen Laser umfassen, der einen Lichtstrahl 23 aussendet
und kann zudem eine CCD-Zeile aufweisen, mittels der die Reflektion
des Lichtstrahls .23 an dem sich vorbei bewegenden Materialstrom
10 gemessen werden kann. Vorzugsweise handelt es sich um
eine CCD-Zeile, die ortsaufgelöst in z-Richtung für die Erkennung
von Fremdkörpern 12 in dem Materialstrom 10 sorgt. Die optische
Erkennungsvorrichtung 21 kann wie in der DE 199 18 774 A1, der
US 6,332,543 B1 oder der deutschen Patentanmeldung, Aktenzeichen
10 2004 015 463.5 ausgebildet sein. Die genannten Schutzrechte
und Anmeldungen sollen vollumfänglich in den Offenbarungsgehalt
dieser Anmeldung aufgenommen sein.
Bei einer vorgegebenen Geschwindigkeit v des Materialstroms in
Bewegungsrichtung 17 erreicht ein erkannter Fremdkörper 12 nach
einer entsprechenden einfach zu berechnenden Zeit die Abscheidestelle
26. Damit der Luftwiderstand keine Rolle spielt, ist ein
Luftstrom 16 vorgesehen, der der Geschwindigkeit v des Materialstroms
10 entspricht. Aufgrund der Erdanziehungskraft erhöht sich v
mit größerer Falltiefe y.
Im Bereich der Abscheidestelle 26 wird mittels einer schematisch
angedeuteten Ausblasdüse 24 der Fremdkörper 12 in den Abscheideschacht
32 ausgeblasen bzw. abgeschieden. Der von Fremdkörpern
12 befreite Materialstrom 10, beispielsweise bestehend aus
Tabak 11, wird in einem von Fremdkörpern 12 gereinigten Tabakstrom
33 in den Abförderschacht 31 verbracht.
Anstelle einer optischen Erkennungsvorrichtung kann auch eine
andere Fremdkörpererkennungsvorrichtung Verwendung finden, wie
beispielsweise eine Fremdkörpererkennungsvorrichtung basierend
auf Wärme, auf Schallwellen oder auf Mikrowellen.
Durch Vorsehen eines entsprechenden Luftstroms 16, der sich in
der besonderen Ausgestaltung der Fig. 1 durch den mit dem Materialstrom
10 mitgeführten Luftstrom 16 selbst vergrößert bzw. entsteht,
ist gewährleistet, dass keine Tabakstrips, die aufgrund des
kleineren spezifischen Gewichts einen größeren Luftwiderstand
aufweisen, eine kleinere Geschwindigkeit als beispielsweise Fremdkörper
12 aufweisen, so dass sehr genau die Zeitdifferenz zwischen
der Erkennung des Fremdkörpers und dem Zeitpunkt des Ausschleusens
bzw. Abscheidens an der Abscheidestelle 26 definiert
werden kann. Ohne diesen entsprechend angepassten Luftstrom 16
würde unnötig viel Material (Tabak) mit abgeschieden werden, was
unerwünscht ist.
In der in der DE 199 18 774 A1 beschriebenen Vorrichtung wird das
Messgut bzw. der Materialstrom im freien Flug gemessen. Für die
Auswertung der Messsignale wird eine bestimmte Zeit benötigt. Zu
einem späteren Zeitpunkt befindet sich auf der Flugbahn eine
Ausblasstelle, an der die zu entfernenden Bestandteile ausgeblasen
werden können. Hierbei ist das Messgut, das sich im freien Flug
befindet, dem Luftwiderstand ausgesetzt. Die Bestandteile des
Messgutes werden hierdurch verzögert. Da der Luftwiderstand
maßgeblich von der Oberfläche bestimmt ist, werden Messgutbestandteile
mit großer Oberfläche, wie beispielsweise Tabaktstrips,
stärker verzögert, als gleich schwere Messgutbestandteile mit
kleinerer Oberfläche, wie beispielsweise Steine. Aufgrund dieser
Erscheinung unterscheidet sich die Flugzeit zwischen Prüfstelle und
Ausblasstelle gemäß dem Stand der Technik bei verschiedenen
Messgutbestandteilen bzw. verschiedenen Materialstrombestandteilen.
Die Materialstrombestandteile weisen somit eine Art Geschwindigkeitsdispersion
auf. Aufgrund der Geschwindigkeitsdispersion ist
die genaue Flugzeit der verschiedenen Materialstrombestandteile
unbestimmt. Die Folge ist, dass es dazu kommt, dass einerseits
Material, dass kein Fremdkörper ist, fälschlicherweise ausgeblasen
wird und andererseits Fremdkörper nicht ausgeblasen werden.
Durch die erfindungsgemäße Lösung wird die Geschwindigkeitsdispersion
vermieden bzw. vermieden, dass Material, das kein Fremdkörper
ist, nicht ausgeblasen wird und Fremdkörper gesichert
ausgeblasen werden.
Die Erfindung sieht dergestalt aus, dass ein gezielter Luftstrom
erzeugt wird, der im Betrag und der Richtung der Bewegung des
Materialstroms bzw. des Messgutes der Flugbahn entspricht.
Hierdurch verzögert die umgebende Luft den Materialstrom bzw.
das Messgut nicht, wodurch die Geschwindigkeitsdispersion vermieden
wird.
In dem Ausführungsbeispiel der Fig. 1 wird der Materialstrom 10
zunächst durch das Förderband 13 horizontal herangefördert, wobei
die Oberfläche sich auf dem Höhenniveau y = 0 befindet. Vom Ende
des Förderbandes 13 fällt das Material in einen im Querschnitt
rechteckigen Schacht mit dem Querschnitt A(y) = x(y) · z, wobei
angenommen wird, dass z konstant ist. Der Querschnitt x(y) des
Schachtes ist nun wie folgt zu gestalten.
Die Fallgeschwindigkeit ohne Luftwiderstand beträgt
ν y = 2·g·y ,
wobei g die Erdbeschleunigung ist. An der Ausblasstelle 26 mit y
A
soll die Luftgeschwindigkeit gleich der Fallgeschwindigkeit sein. Die
Fallgeschwindigkeit ist somit an der Ausblasstelle v
L (y
A). Aufgrund
der Kontinuitätsgleichung der Strömungslehre gilt
Daraus ergibt sich
x(y) = xA(yA) · 2·g·y A 2·g·y
bzw.
x(y) = XA(yA) y A y .
Wenn der Querschnitt bzw. in dem Ausführungsbeispiel der Fig. 1
die Breite x nach der letztgenannten Formel ausgeführt wird, ist die
Luftgeschwindigkeit gleich der Fallgeschwindigkeit ohne Luftwiderstand.
Hierdurch wird die Geschwindigkeitsdispersion vermieden. Im
oberen Bereich wird der Kanal 20 offen gelassen und die Seitenwand
28 nicht bis zu y=0 ausgeführt. Aufgrund der Aufprallfläche 30
und der im Bereich von y=0 geringen Geschwindigkeit ist der
hierdurch erzeugte Fehler vernachlässigbar.
In Fig. 2 ist eine Ausführungsform dargestellt, bei der der Materialstrom
10 nach Verlassen des Förderbandes 13 mit einer Geschwindigkeit
v0 an der Stelle, an der der Materialstrom 10 das Förderband
13 verlässt, versehen ist. Der Materialstrom 10 bewegt sich dann in
einer Flugparabel nach rechts unten in Fig. 2. Auch in diesem Fall
befindet sich die Oberfläche des Förderbandes 13 auf dem Höhenniveau
y = 0. Im Punkt x = 0 und y = 0 hebt das Material des Materialstroms
10 in einer parabelförmigen Flugbahn von der Oberfläche
des Förderbandes 13 ab. Ohne Luftwiderstand bewegt sich das
Material des Materialstroms 10 auf einer parabelförmigen Bahn, die
durch die folgende Abhängigkeit beschrieben werden kann:
x=ν0· t
νx =ν0 (Geschwindigkeit in x-Richtung)
νy= -g·xν0 (Geschwindigkeit in y-Richtung)
Hieraus folgt
ν= ν0 2 + (g-xν0 )2
Gemäß dem Ausführungsbeispiel in Fig. 2 wird über dem bzw. durch
das Material des Materialstroms 10 ein Luftstrom erzeugt, der
genau in Betrag und Richtung der Materialstromgeschwindigkeit im
Kanal 20 entspricht. Die kann erreicht werden, wenn die Breite d (x)
des Kanals 20 bei einem entsprechend im Querschnitt rechteckigen
Kanal und bei konstanter Tiefe z nach der folgenden Formel verändert
wird:
d(x)= d 0 1 + g 2 v 0 4 x 2
d(x) sollte sich zumindest im Bereich zwischen der Prüfzone 25 und
der Abscheidestelle 26 entsprechend verhalten.
Bezugszeichenliste
- 10
- Materialstrom
- 11
- Tabak
- 12
- Fremdkörper
- 13
- Förderband
- 14
- Umlenkwalze
- 15
- Messstrecke
- 16
- Luftstrom
- 17
- Bewegungsrichtung
- 20
- Kanal
- 21
- optische Erkennungsvorrichtung
- 22
- Fenster
- 23
- Licht
- 24
- Ausblasdüse
- 25
- Prüfzone
- 26
- Abscheidestelle
- 27
- Kanalwand
- 28
- Kanalwand
- 30
- Aufprallfläche
- 31
- Abförderschacht
- 32
- Abscheideschacht
- 33
- Tabakstrom
- v
- Geschwindigkeit
- v0
- Geschwindigkeit des Materialstroms eingangsseitig
des Kanals
- x, y, z
- Koordinaten
- d
- Durchmesser