DEP0020439DA - Verfahren zur Verwertung des Trümmerschuttes zerstörter Städte - Google Patents
Verfahren zur Verwertung des Trümmerschuttes zerstörter StädteInfo
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Description
Für die durch den Krieg zerstörten Städte stellt der in riesigen Mengen in den Ruinen lagernde Trümmerschutt eine ausserordentliche Belastung dar, deren Gründe allgemein bekannt sind. Diese lässt sich nur dann beheben, wenn es gelingt, die Trümmermassen in solchem Umfange wirtschaftlich nutzbar zu machen, dass einmal möglichst keine anderweiten Lagerplätze benötigt und zum anderen die Kosten für die Entfernung der Schuttmassen aus der Stadt und ihr Transport nach einer Verwertungsstelle durch den Erlös aus der Verwertung gedeckt werden. Das bisher übliche Bergen der noch verwendbaren Mauersteine, Eisenträger o.dgl. zur Ausführung von Aufbauarbeiten genügt dazu nicht, da nur ein recht bescheidener Teil des Trümmerschuttes ohne weiteres wieder verwendet werden kann, von dem überdiese die Hauptmasse von dem bisher nicht direkt verwendbaren Schutt verschüttet ist, sodass erneut die Frage der Beseitigung dieser Schuttmassen auftaucht. Die Bergung von Mauersteinen für eine Wiederverwendung für Aufbauzwecke ist ausserdem so lange ohne rechten Nutzen, als durch den Mangel von Kalk und Zement die Bautätigkeit gehemmt ist.
Auch das Zerbrechen des Trümmerschuttes zu Splitt und die Beimengung desselben zu Kalk bei der Mörtelherstellung oder zu Zement zur Betonherstellung führt, wie die Wiedereinstellung derartiger Arbeiten in zahlreichen Städten zeigt, nicht zum Ziele.
Auch hier ist der Mangel an Kalk und Zement von ausschlaggebender Bedeutung.
Gegenstand der Erfindung bildet ein Verfahren zur Verwertung des Trümmerschuttes, durch welches die geschilderten Schwierigkeiten völlig behoben werden. Das Neue besteht darin, dass der Trümmerschutt nach Ausscheiden metallischer Bestandteile zu Pulver von einer mindestens dem 4900 Maschensieb entsprechenden Feinheit vermahlen und dieses Pulver für die Herstellung von Baustoffen der verschiedensten Art, für Bauzwecke oder als Masse zur Herstellung von Gegenständen durch Formen (Giessen oder Pressen) verwendet wird.
Unter den ausserordentlich zahlreichen Verwertungsmöglichkeiten des aus dem Trümmerschutt hergestellten Pulvers für die verschiedensten Bauzwecke und Herstellung von Baumaterialien ist die mittelbare und unmittelbare Verwendung des Pulvers als hydraulisches, ja sogar hochhydraulisches Bindemittel am bedeutendsten. Es hat sich überraschenderweise gezeigt, dass das Trümmerschuttpulver schon ohne weiteren Zusatz ein ausgezeichnetes Bindemittel darstellt. Es ist vielleicht mit darauf zurückzuführen, dass der in dem Trümmerschutt enthaltene Mörtel, Beton u.dgl. durch den Brand der Häuser wieder die Eigenschaften des gebrannten Kalkes erlangt hat und auf die übrigen Bestandteile des Trümmerschuttpulvers anregend wirkt. Diese Bindekraft des Trümmerschuttpulvers ist umso besser, je grösser der Feinheitsgrad des Pulvers ist. Aus diesem Grunde wird zweckmässig der Trümmerschutt bis zur Feinheit des 10000 Maschensiebes oder gar noch darüber hinaus vermahlen. Die Bindefähigkeit kann durch gemeinsames Vermahlen der Trümmerschuttmassen mit im Verhältnis
dazu wesentlich geringen Mengen von Rohstoffen oder Teilfabrikaten der Bindemittelindustrien noch wesentlich verbessert werden. Als Ausgangsstoffe kommen in Betracht: Kalk, Gipsstein oder Anhydrit, Naturzementklinker usw., selbst der Abraum von Kalkbrüchen, als Teilfabrikate insbesondere Portlandzementklinker. Neben diesen Stoffen sind auch entsprechende industrielle Abfälle verwendbar, wie basische granulierte Hochofenschlacke, der Kalkschlamm der Soda- und Zuckerindustrien, Carbidschlamm o.dgl. Natürlich wäre es auch möglich, den Trümmerschutt für sich zu Pulver zu vermahlen und dieses dann mit Kalkpulver oder Zement zu mischen. Diese Abart des Verfahrens ist aber nicht empfehlenswert, da es mehr Arbeitsgänge erforderte und auch keine so innige Mischung zu erzielen wäre.
Die Verwendung von Ziegelmehl als Zusatz zu Zement ist an sich bekannt. Daraus konnte aber nicht geschlossen werden, dass feingemahlener Trümmerschutt, der neben Ziegelmehl ja noch verschiedene andere Bestandteile meist recht wechselnder Art und in den verschiedensten Mengen enthält, den Grundstoff für ein Bindemittel abgeben könnte. Der wesentliche Unterschied des neuen Verfahrens gegenüber dem Bekannten besteht ausserdem darin, dass bisher Ziegelmehl nur in geringen Mengen dem Zement zugefügt wurde, während bei dem neuen Verfahren die Trümmerschuttmassen den Hauptbestandteil des herzustellenden Bindemittels bilden, dem Rohstoffe oder Halbfabrikate der Bindemittelindustrie nur in verhältnismässig geringen Mengen zugesetzt werden. Die mit dem neuen Bindemittel angestellten Festigkeitsprüfungen haben ergeben, dass die Festigkeit des neuen Bindemittels den für hydraulischen Kalk und Zement vorgeschriebenen Normen gleichkommt, diese sogar bei einer noch feineren Mahlung, als dem 4900 Maschensieb entspricht, übertrifft.
Bestimmte Mischungsverhältnisse für den Trümmerschutt einerseits und Rohstoff bzw. Halbfabrikat aus einer Bindemittelindustrie andererseits lassen sich bei der schwankenden Zusammensetzung des Trümmerschuttes nicht angeben. Dies ist davon abhängig, ob das Haus ein reiner Ziegelbau, ein reiner Betonbau oder ein teils aus Ziegeln teils aus Beton ausgeführter Bau war, weiter davon, ob die Gebäude viel Naturstein, wie z.B. Sandstein, Porphyr, Granit o.dgl., enthielten, ob in den Häusern viel Stuckgips vorhanden war o.dgl. Um bei dieser Verschiedenheit der Schuttmassen der einzelnen Häuser möglichst immer gleiche Arbeitsbedingungen zu schaffen, werden die Schuttmengen der verschiedensten Herkunft gut gemischt und zusammen verarbeitet.
Zur weiteren Vergleichmässigung des zur Verarbeitung gelangenden Trümmerschuttes und zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften des durch das neue Verfahren herzustellenden Pulvers können dem Trümmerschutt auch noch Hydraulite und Kieselsäure, insbesondere freie Kieselsäure enthaltende Gesteine zugefügt werden, was aber auch nur in Bruchteilen der Trümmerschuttmenge erfolgt. Als derartige Beimengungen kommen in Betracht:
a.) als Hydraulite: Saure und basische Schlacken von Hochöfen und Giessereien in granulierter oder Stückform, Hochofen- und Giesserei-Flugasche, Schlacken von Feuerungsanlagen, Kohlenaschen der verschiedensten Art, Oelschiefer o.dgl.
b.) als kieselsäurehaltige Gesteine: Zeolithe, Diatomeenerde, Sistoffe u.dgl.
Art und Menge der den zu vermahlenden Trümmermassen zuzufügenden Rohstoffe bzw. Halbfabrikate der Bindemittelindustrien sowie der anderen Stoffe richtet sich nach dem jeweiligen Gehalt des Trümmerschuttes an CaO, Al(sub)2O(sub)3 und SiO(sub)2. Je nach den Eigen-
schaften, die das herzustellende Bindemittel haben soll, ist dieser Gehalt durch die Beimengung zum Trümmerschutt zu erhöhen oder zu erniedrigen. Es hat sich gezeigt, dass schon bei einem Mischungsverhältnis von 90% Trümmerschutt mit 10% Portlandzementklinker ein den Normen entsprechendes Bindemittel entsteht. Enthält der Trümmerschutt verhältnismässig grosse Mengen von Gips, insbesondere von Stuckgips, so kann Portlandzementklinker oder Hochofenzementklinker als Anreger nicht Verwendung finden, da sonst Gipstreiber entstehen würden. In solchen Fällen wird man zweckmässig Gipsschlackenzement oder Kalkschlackenzement wählen.
Im allgemeinen soll der Trümmerschutt, abgesehen von den erwähnten Zusätzen und Beimengungen, ohne besondere Vorbehandlung verarbeitet werden, bis auf eine evtl. Trocknung, die wünschenswert erscheint, weil sich nasses Gut schlecht vermahlen lässt. Um diese Trocknung ohne Verwendung von Brennstoff zu erzielen, kann, sofern dem Trümmerschutt zur Erzielung einer besseren Bindekraft Kalk zugesetzt wird, so verfahren werden, dass der Trümmerschutt zunächst grob zu Splitt vorgebrochen und mit einer seinem Feuchtigkeitsgehalt entsprechenden Menge von gebranntem Stückkalk vermengt wird. Der gebrannte Kalk entzieht dann dem Trümmerschutt die für seine Löschung benötigte Feuchtigkeit und bringt ihn durch die beim Löschen entstehende Wärme auf solche Temperaturen, dass auch dadurch wieder Feuchtigkeit des Trümmerschuttes zur Verdampfung gebracht wird. Das so ohne Brennstoffverbrauch erzeugte Bindemittel kann wieder zum Verlängern von Zement dienen, wodurch die zur Zeit durch Brennstoffmangel an der Ausnutzung ihrer Kapazität gehinderte Zementindustrie auf ihre alte Produktionshöhe gebracht werden kann. Ein Zusatz von
90% Trümmerschuttbindemittel zu 10% Zement ist durchaus möglich.
Weiter kann das Trümmerschutt-Bindemittel zusammen mit Trümmerschuttpulver zu Trockenputz der verschiedensten Art, wie Aussenputz, Edelputz, Graupelputz u.dgl. verarbeitet werden.
Ein zweites grosses Anwendungsgebiet eröffnet sich in der Verwendung des Trümmerschuttpulvers zusammen mit dem daraus hergestellten Bindemittel als Masse zur Herstellung von Mauersteinen, Dachziegeln, Wänden, Fassonsteinen, Rohren u.dgl. durch Formen (Giessen oder Pressen) evtl. sogar durch Drehen wie bei den Töpferwaren.
Claims (6)
1.) Verfahren zur Verwertung des Trümmerschuttes zerstörter Städte, dadurch gekennzeichnet, dass der Trümmerschutt nach Ausscheiden metallischer Bestandteile zu Pulver von einer mindestens dem 4900 Maschensieb entsprechenden Feinheit vermahlen und unmittelbar oder mittelbar als Bindemittel, für die Herstellung von Baustoffen, für Bauzwecke oder als Masse zur Anfertigung von Gegenständen durch Formen (Giessen oder Pressen) verwendet wird.
2.) Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Trümmerschutt zu Pulver von einer mindestens dem 10000 Maschensieb entsprechenden Feinheit vermahlen wird.
3.) Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Trümmerschutt zusammen mit Rohstoffen oder Teilfabrikaten der Bindemittelindustrie, insbesondere Portlandzementklinker, vermahlen wird.
4.) Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens 80 Gewichtsteile Trümmerschutt mit höch-
stens 20 Teilen Rohstoffen oder Teilfabrikaten der Bindemittelindustrie vermahlen werden.
5.) Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass dem Gemisch aus Trümmerschutt und Rohstoffen oder Teilfabrikaten der Bindemittelindustrie zur Erzielung gewünschter Hydraulefaktoren hydraulische Zusätze und/oder kieselsäurehaltige Gesteine in durch die jeweilige Beschaffenheit des Trümmerschuttes sowie durch den Verwendungszweck des aus ihm ermahlenen Pulvers bestimmten Prozentsätzen zugefügt werden.
6.) Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Trümmerschutt vor seiner Vermahlung zu Splitt gebrochen und zur Trocknung mit gebranntem Stückkalk vermengt wird.
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