DE890040C - Verfahren zur Herstellung und Bleichung hochkonzentrierter Salpetersaeure - Google Patents
Verfahren zur Herstellung und Bleichung hochkonzentrierter SalpetersaeureInfo
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Description
In der Industrie werden seit langem konzentrierte Salpetersäuren mit einem Gehalt zwischen
90 und 98% hergestellt, welche durch eine mehr oder weniger große Menge von Stickstoff-S
dioxyddämpfen verunreinigt sind. Das übliche Verfahren zur Bleichung dieser Säuren 'besteht
darin, die Säure leicht zu erhitzen, um die Löslichkeit der Stickstoffdioxyddämpfe zu vermindern,
wobei diese Ausscheidung gegebenenfalls durch einen Strom eines indifferenten Gases beschleunigt
wird.
Diese Arbeitsweise weist den großen Nachteil auf, daß sowohl mit den Stickstoffdioxyddämpfen
wie mit dem indifferenten Spülgas ein erheblicher Teil von wasserfreier Salpetersäure mitgerissen
wird, welche den flüchtigsten Bestandteil des Gemisches bildet. Hieraus ergibt sich, daß die
Bleichung stets eine Verringerung der schließlichen Stärke der Säure zur Folge hat.
Die Erfindung bezweckt die Abstellung dieser Nachteile und die Ermöglichung der Bleichung der
obigen roten Säuren bei gleichzeitiger Herstellung
von absoluter Salpetersäure mit einem' Wassergehalt von weniger als 0,5 °/o.
Hierfür besteht das erfindungsgemäße Verfahren darin, die behandelte Salpetersäure, deren Konzentration
übrigens nicht 80% zu übersteigen braucht, einer doppelten Rektifikation zu unterwerfen,
welche einerseits die Erzielung der Hochkonzentrierung der' Salpetersäure und andererseits
die vollständige Abscheidung der Stickstoffdioxyddämpfe gestattet.
' Bei einer ersten Ausführungsform· nimmt inah
zunächst in einer Rektifizierkolonne die Konzentrierung
der Salpetersäure so vor, daß am Kopf der Kolonne reine, Stickstoffdioxyd enthaltende
5. Salpetersäure erhalten wird, während verdünnte Salpetersäure am Fuß der Kolonne abfließt. Das
Gemisch ,aus reiner Salpetersäure und Stickstoffdioxyddämpfen
wird anschließend in einer zweiten Kolonne behandelt, welche die vollständige Abscheidung
des Stickstoffdioxyds gestattet, so daß man vollständig gereinigte Salpetersäure erhält.
Bei einer zweiten Ausführungsform der Erfindung werden die Ausgangssäuren (rote Säuren)
zunächst in einer Vorwänmungskolonne so behandelt, daß der größte Teil des Stickstoffdiox3-ds
ausgeschieden wird, worauf sie in einer der ersten Ausführungsforan entsprechenden Anordnung behandelt
werden, wobei jedoch die Behandlungsbedingungen durch die Ausscheidung des größten
Teils des Stickstoffdioxyds von Anfang an leichtere sind.
Zum besseren Verständnis der Tragweite der
Erfindung sind anschließend unter' Bezugnahme auf die Zeichnungen die beiden obigen Ausführungsformen
der Erfindung im einzelnen beschrieben.
Fig. ι ist ein Schema der der ersten Ausführungsform
entsprechenden Anlage; Fig. 2 ist ein Schema der der zweiten Ausführungsform
entsprechenden' Anlage.
In Fig. ι bezeichnet die erste Rektifizierkolonne,
welche Salpeterkolonne genannt ist und in welcher die zu behandelnde Säure durch die
Leitung 2 ankommt. 3 bezeichnet einen an dean unteren Teil der Kolonne ι angeordneten Heizraum
und 4 den Ablauf dieses Heizraums. Der Kopf der Kolonne 1 steht über eine Leitung 5 mit einer
zweiten Kolonne 6 in Verbindung, welche Salpetrigkolonne genannt ist und ebenfalls einen Heizraum
7 aufweist. Der Fuß der Kolonne 6 steht einerseits über eine Leitung 8 mit einer in den
oberen Teil der Salpeterkolonne 1 mündenden Rückflußleitung 9 und andererseits mit einer Leitung
10 in Verbindung, welche, wie weiter unten ausgeführt ist, zur Abführung praktisch reiner
Salpetersäure dient. Ferner steht der Kopf 'der Kolonne 6 durch eine Leitung 11 mit einem durch
eine Flüssigkeit mit geeigneter Temperatur gekühlten
Kondensator 12 in Verbindung. Der untere Teil dieses Kondensators 12 steht einerseits
durch eine Leitung 13 mit einer in der Nähe des Kopfes der Kolonne 6 mündenden Rückflußleitung
14 und andererseits mit einer Leitung 15 zur Abführung
des Stickstoffdioxyds in Verbindung, wie weiter unten ausgeführt.
Die obige Vorrichtung arbeitet folgendermaßen: Die zv bleichende Säure, deren Gehalt, wie oben
bereits ausgeführt, 80 °/o nicht merklich zu übersteigen braucht, wird bei 2 mit Zimmertemperatur
in die Salpeterkolonne 1 auf einer geeigneten. Höhe derselben eingeführt. Der Heizraum 3 dieiser Kolonne
liefert die zur Umwandlung des Gemisches in verdünnte Salpetersäure mit einem Gehalt
zwischen etwa" 58 und 70 % -erforderliche Wärmemenge,
wobei die verdünnte Säure das gesamte in dem ursprünglichen Gemisch enthaltene Wasser
zurückhält. Diese verdünnte Säure fließt bei 4 mit einer Temperatur von 120 bis 1250 ab. Ferner erfolgt
im Innern der Kolonne 1 eine Rektifikation der Dämpfe unter der Einwirkung eines Rückflusses
von absoluter Salpetersäure, welche bei etwa 86° .siedet und in die Kolonne durch die
Leitung 9 zurückgeführt wird, wie weiter unten beschrieben werden wird. Die Dämpfe von wasserfreier
Salpetersäure, welche durch die Leitung 5 mit den in dem ursprünglichen Gemisch enthaltenen
Stickstoffdioxyddämpfen austreten, werden auf einer geeigneten Höhe in die Kolonne 6 eingeführt,
wo sie eine neue Rektifikation unter der Einwirkung des Rückflusses von Stickstoffdioxyd
erfahren, welches durch die Leitung 14 mit einer Temperatur von 15 bis-i8° eintritt. Die Stickstoffdioxyddämpfe
treten durch die Leitung 11 aus, um in den, Kondensator 12 zu gelangen, wo sie kondensieren,
worauf die Flüssigkeit bei 13 en-tnommen wird. Ein regelbarer Teil dieses flüssigen
Stickstoffdioxyds wird, wie oben angegeben, durch die Leitung 14 zurückgeleitet, um die letzten mitgenommenen
Spuren von Stickstoffdioxyddampf in .die Kolonne 6 zurückzuführen. Der Rest des
Stickstoffdioxyds wird bei 15 abgeführt und dann
wieder in den Kreislauf zur Herstellung von Salpetersäure eingeführt oder für beliebige andere
Zwecke benutzt.
Ferner fließt am Fuß der Kolonne 6 reine Salpetersäure ab. Der Heizraum 7 soll sie dort auf
ihrer Siedetemperatur, d. .h. 86 bis 900, halten.
Diese Säure wird .bei 8 entnommen, wobei ein geeigneter Bruchteil dieser siedenden Säure bei 9
zurückgeführt wird, um dem für das Arbeiten der Kolonne 1 erforderlichen Rückstrom zu bilden.
Der Rest der siedenden Salpetersäure, welcher das gewünschte Erzeugnis darstellt, wird der Anlage
bei, 10 entnommen.
Die auf Fig. 2 dargestellte und nachstehend besohriebene
Ausführungsform ist in wirtschaftlicher Hinsicht vorteilhafter.- . als. die der_ Fig. 1. Ihre
Vorteile beruhen darauf, daß das Arbeiten eines Rektifizierapparates stets .um so wirtschaftlicher
ist, je näher die Temperatur der eingeführten Speiseflüssigkeit an ihrer Siedetemperatur liegt.
Man kann) daher, die Vorwärmung der roten, Säure ausnutzen, um diese letztere von dem größten Teil
der in ihr enthaltenen Stickstoffdioxyddämpfe zu trennen. Man vermindert somit gleichzeitig die von
der Salpetrigkolonne des vorhergehenden Apparates verlangte Arbeit.
In dieser Fig. 2 bezeichnet 16 eine sogenannte Vorwärmkolonne, an deren Oberteil die Leitung 17
zur Einführung- der roten Säure angeordnet ist. Diese Kolonne weist an ihrem Fuß einen Heizraum
18 auf, dessen Aufgabe weiter unten erläutert ist. Die an dein oberen Teil dieser Kolonne bei 19'
austretenden Dämpfe durchströmen einen Kühler 20, welcher durch eine Leitung 21 mit der Leitung
22 in Verbindung steht, welche zu dem an seinem
unteren Teil mit der Abflußleitung 24 versehenen Kondensator 23 führt. Am Fuß der Kolonne 16 befindet
sich der Ablauf 19 des Heizraums 18, welcher auf einer geeigneten Höhe in die Salpeterkolonne
1 mündet. Der größeren Klarheit wegen sind die Zubehörvorrichtungen für den Druckausgleich
zwischen den beiden Kolonnen, welche eine beliebige geeignete bekannte Bauart aufweisen
können, nicht dargestellt. Die Salpeterkolonne 1 spielt genau dieselbe Rolle wie bei der ersten Ausführungsform,
ihre Abmessungen können jedoch kleiner sein, da sie, wie weiter unten ausgeführt,
nicht von dem bedeutenden Anteil der Stickstoffdioxyddämpfen durchströmt zu werden braucht,
welche im ersten Fall den Salpetersäuredämpfen zugemischt sein konnten. Die Salpetrigkolonne 6
ist gegenüber der Salpeterkolonne wie in dem vorhergehenden Fall angeordnet. Ihre Arbeit
ist ebenfalls beträchtlich verringert, so daß sie auf einen theoretischen Einsatz beschränkt werden
kann, und der ursprünglich vorgesehene Heizraum kann erheblich kleiner sein. Der Kopf dieser SaI-petrigkolonne
steht mit einem Kühlapparat 25 in Verbindung, aus welchem die gekühlten Gase durch
eine Leitung 26 zu der zu dem Kondensator 23 führenden Leitung 22 gelangen.
Die obige Anlage arbeitet folgendermaßen: Die
zu behandelnde rote Säure wird in kaltem Zustand bei 17 dem oberen Teil der Kolonne 16 zugeführt.
Der Heizraum 18 am Fuß dieser Kolonne dient dazu, die zugeführte Säure auf eine in der Nähe
ihres Siedepunkts liegende Temperatur zu bringen, d. h. auf 90 ibis ioo0. Ferner kühlen sich die bei
dieser Erwärmung entwickelten Stickstoffdioxyd dämpfe unter Erwärmung der oben in die Kolonne
eingeführten Säure aib. Diese praktisch reinen Stickstoffdioxyddämpfe treten bei 19' aus und
durchströmen den Kühler 20, welcher sie auf eine in der Nähe der Umgebungstemperatur liegende
Temperatur von etwa 200 zurückführt. Sie werden hierauf durch die Leitungen 21 und 22 in den
geeignet gekühlten Kondensator 23 geleitet, wo sie sich verflüssigen. Die erzeugte Flüssigkeit kann in
den Kreislauf zur Herstellung der Salpetersäure zurückgeführt oder für beliebige andere Zwecke
benutzt werden. Die im Fuß der Kolonne 16 befindliche kochende Flüssigkeit fließt durch den Ablauf
19 des Heizrauitns 18 in die Salpeterkolonne 1.
Sie erfährt dort eine Rektifikation, welche wie in dem vorhergehenden Fall verdünnte Säure mit 68
bis 70 °/o entstehen läßt, welche bei 4 mit einer Temperatur von 120 bis 1250 abfließt, sowie dank
des Rückflusses von reiner Salpetersäure bei 9 ein Gemisch von reiner Salpetersäure und einer verhältnismäßig
geringen Menge von Stickstoffdioxyddämpfen, welche durch die Leitung 5 austreten
und in die Salpetrigkolonne 6 gelangen, welche die für den Rückfluß zu der Salpeterkolonne
erforderliche absolute Salpetersäure und die absolute gebleichte Säure liefert, wobei das Ergebnis
der Hochkonzentrierung wie in dem vorhergehenden Fall bei 8 abgeführt wird. In gewissen Fällen
kann bei genügend leistungsfähigen Einheiten der Heizraum 7 der Salpetrigkolonne vollständig fortfallen,
wenn die Wärmeverluste genügend klein sind.
Eine weitere, nicht dargestellte Vorrichtung zur Erzielung einer tadellosen Bleichung der erzeugten
Säure besteht darin, in dem unteren Teil der Salpetrigkolonne eine leichte Durchwirbelung
mit heißem Gas vorzunehmen, insbesondere mit Luft oder noch besser mit Sauerstoff.
Der auf die Salpetrigkolonne 6 folgende Kühlapparat 25 soll nur noch, die Stickstoffdioxyddämpfe
kondensieren, und wenn der Vorgang zweckentsprechend verläuft, ist kein Rückfluß von
flüssigem Stickstoffdioxyd mehr an der Spitze der Salpetrigkolonne 6 erforderlich. Die der Einwirkung
dieses Kühlers entgangenen Dämpfe werden zweckmäßig durch die Leitungen 26 und 22 zu
dem Kühler für flüssiges Stickstoffdioxyd 23 geleitet und können in diesem Fall ohne irgendeinen
Verlust in dem Kreislauf zur Salpetersäureherstellung benutzt werden. Das gegebenenfalls zur
Spülung benutzte Gas kann ebenf alls diesen Kühler durchströmen, bevor es in 'den Kreislauf der
Salpetersäureherstellung gelangt.
Claims (3)
1. Verfahren zur Herstellung hochkonzentrierter
und gebleichter Salpetersäure, dadurch gekennzeichnet, daß Salpetersäure, deren Konzentration
8o*/o nicht zu übersteigen braucht, einer doppelten Rektifikation unter vollständiger
Abscheidung der Stickstoffdioxyddämpfe unterworfen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß zuerst in einer Rektifizierkolonne die Konzentrierung, der Salpetersäure
so vorgenommen wird, daß am Kopf der Kolonne reine stickstoffdioxydhaltige Salpetersäure
erhalten wird, während verdünnte Salpetersäure am Fuß der Kolonne abfließt, und daß anschließend das so erhaltene Gemisch aus
reiner Salpetersäure und Stickstoffdioxyddämpfen in einer zweiten Kolonne unter vollständiger Abscheidung des Stickstoffdioxyds,
in hochkonzentrierter und vollkommen gereinigte Salpetersäure übergeführt wird.
•
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausgangssäuren
(rote Säuren) vor der Rektifikation in einer Vorwärmkolonne von dem größten Teil ihres
Stickstoffdioxydgehalts befreit werden.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
© 5407 9.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| FR890040X | 1950-04-15 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE890040C true DE890040C (de) | 1953-09-17 |
Family
ID=9377712
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DEC4056A Expired DE890040C (de) | 1950-04-15 | 1951-04-10 | Verfahren zur Herstellung und Bleichung hochkonzentrierter Salpetersaeure |
Country Status (3)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE890040C (de) |
| FR (1) | FR1016358A (de) |
| GB (1) | GB739482A (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1245341B (de) * | 1964-07-01 | 1967-07-27 | Produktow Orch Syntesa | Verfahren zur Reinigung von Rohsalpetersaeure |
-
1950
- 1950-04-15 FR FR1016358D patent/FR1016358A/fr not_active Expired
-
1951
- 1951-04-10 DE DEC4056A patent/DE890040C/de not_active Expired
- 1951-04-13 GB GB8697/51A patent/GB739482A/en not_active Expired
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1245341B (de) * | 1964-07-01 | 1967-07-27 | Produktow Orch Syntesa | Verfahren zur Reinigung von Rohsalpetersaeure |
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| FR1016358A (fr) | 1952-11-10 |
| GB739482A (en) | 1955-11-02 |
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