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Geräte und mit diesen Geräten durchgeführte Verfahren zur Stromräumung
Zur maschinellen Räumung von Kanälen, Hafeneinfahrten, Flußläufen und Strömen aller
Art verwendet man meistens Bagger, welche die auszuräumenden Massen entweder mit
Eimern abschürfen und aus dem Wasser herausholen, oder Saugbagger, welche die Massen
mit Werkzeugen lockern, mit Wasser gemischt absaugen und durch Rohrleitungen aus
dem Gewässer herausfördern.
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Kaum oder nicht bekannt sind Geräte, welche die fortzuräumenden blassen
nur lösen und aufwirbeln, so daß sie vom Strom fortgeführt werden, oder lösen und
so verarbeiten, daß die Bestandteile der Massen, welche wieder in den schwimmenden
oder zeitweilig im Wasser schwelenden Zustand gebracht werden können, aufgelöst,
herausgewaschen und im Wasser fein verteilt werden, so daß sie als Sinkstof£e mit
dem Strom weit forttreiben und sich erst im ruhigen Wasser oder weit draußen im
Meer wieder absetzen.
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Ferner sind keine Geräte bekannt, welche 'die schweren Teile der losgelösten
Massen auf kürzere Entfernung mit einem von ihnen selbst erzeugten kräftigen Wasserstrom
fortspülen und verlagern, so daß sie außerhalb des Strombettes oder an tieferen
Stellen liegenbleiben, wo sie die Strömung nicht behindern,* oder wo sie zum Versetzen
abgeschnittener Kurven, Schleifen oder toter Arme dienen. Schließlich sind keine
Geräte bekannt, welche dazu dienen, einen träge fließenden, mit Sinkstoffen beladenen
Strom besser in Fluß zu bringen, und dabei die Wassermassen durchwirbeln, so daß
die sich in den unteren Wasserschichten verdichtenden Sinkstoffe
wieder
aufgerührt in der ganzen Wassermasse verteilt und sicherer auf weite Entfernung
selbst bis zum offenen Meer hinausgetragen werden.
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Universalgeräte für diese in ihrer umfassenden Art bisher noch nicht
bekannte Stromräumung sind Stromräumboote gemäß der vorliegenden Erfindung. Diese
Erfindung umfaßt auch das Verfahren selbst, die den Boden- und Stromverhältnissen
angepaßten Arbeitsweisen und die dabei erforderlichen Hilfsgeräte.
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Besonders gut anwendbar ist dieses neue Verfahren der Stromräumung
im Tidegebiet zur Räumung der Binnenströme, Entwässerungskanäle, der sogenannten
Binnentiefs sowie auch der Außentiefs und der Priele im Wattenmeer. Die letzteren
können damit nicht nur geräumt und vertieft, sondern auch begradigt und selbst vollkommen
neu in günstigerer Richtung zum offenen Meer hin hergestellt werden, so daß bei
jeder Ebbe der vor der Entwässerungsschleuse steilende Außenwasserstand tiefer absinkt
und dadurch die Vorflut für das Binnenland erheblich besser wird.
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Stromräumboote sind leichte Boote mit geringem Tiefgang, welche wie
Motorboote frei zur Arbeitsstelle fahren können und ihre Arbeit entweder in freier
Fahrt ausüben oder auch an Drahtseilen geführt und mit geringem Vorschub vorwärts
und rückwärts sowie hin und her _ gezogen arbeiten können. Ihr wesentlichstes Merkmal
ist es, daß sie mit denselben Propellern als Werkzeuge arbeiten, mit denen sie fahren,
und daß diese Propeller an langen Wellen sitzen, mit welchen sie auf und ab geschwenkt
bis zum Boden des Gewässers und noch tiefer herabgelassen werden können, so daß
sie mit ihren Flügeln in denselben einschneiden oder sich auch vollständig in den
weichen Boden hineinwählen und ihn tief durchfurchen können, daß diese Propeller
starke wirbelnde Wasserströme erzeugen, die schräg abwärts gegen den Boden gerichtet
sind und teils tief in den lockeren Boden hineingetrieben werden.
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Abb. i zeigt ein Strornräumboot bei der Arbeit in schneller, freier
Fahrt; Abb.2 zeigt dasselbe von hinten gesehen und Abb. 3 in Draufsicht, jedoch
an Drahtseilen geführt arbeitend.
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Die Propeller i sitzen an langen Wellen, welche in Lagerrohren 2 laufen.
Die Lagerrohre 2 sind an einem Getriebekasten 3 befestigt und werden mit diesem
mittels der Winde 4 auf und ab geschwenkt. Diese Winde kann vom Stand des Maschinisten
aus entweder von Hand oder auch durch den Motor 3 betätigt werden.
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Damit die langen Lagerrohre mit den Propellern auf und ab geschwenkt
werden können, ist das Boot etwa von seiner Mitte an nach hinten zweiteilig. Es
hat infolgedessen zwei Hecks 6 mit je einem Steuerruder 7.
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An die Steuerung des Stromräumbootes sind große Anforderungen zu stellen.
Es muß gerade dort arbeiten können, wo das Gewässer sehr flach ist, wo hohe Bänke
von Schlick liegen. Deshalb hat das Boot nur einen sehr geringen Tiefgang und keinen
Kiel. Die Gewässer, in denen es zu arbeiten hat, sind meistens sehr eng, und das
Boot muß darin nach Bedarf trotz starker Strömung sehr kurz wenden können. Es ist
deshalb außer den beiden großen Steuerrudern 7 an den Hecks noch ein großes Steuerruder
i i am Bug des Bootes angebracht. Abb.4 zeigt die Stellung der Steuerruder beim
Wenden. Mit diesen drei Rudern ist es möglich, das Boot auch bei langsamer Fahrt
oder in unregelmäßiger Strömung auf einer bestimmten Linie zu halten.
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Durch die am Boden arbeitenden Propeller würde das Boot aus der Richtung
geworfen, wenn diese nicht paarweise angeordnet wären und in entgegengesetzter Richtung
umlaufen würden. Ihre Drehrichtung ist auch so, daß die Propellerflügel bei der
Fahrt vorwärts unten nach außen schlagen. Dieses deuten.die Pfeile in den Abb. 2
und 8 an.
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_ In Abb. 2 ist auch ersichtlich, daß beim Arbeiten an einer Böschung
entlang ein Propeller mehr zu leisten hat als der andere. Infolgedessen wird das
Boot hinten von der Böschung abgedrängt. Dagegen muß es durch die Heckruder 7 an
die Böschung tierangehalten werden, wie in Abb. 5 ersichtlich. Doch würde das Boot
mit dem Bug von der Uferböschung ablaufen, wenn es nicht mit dein Bugruder i i in
Dein Stellung, wie sie aus Abb. 5 erkenntlich ist, tierangehalten würde.
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Die Heckruder 7 werden, wie üblich, durch Ketten, Gestänge und Hebel
8 vom Stand des Steuermannes durch ein besonderes Steuerrad 9 betätigt und
sind durch das Gestänge io miteinander vcrbunden.
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Sie können, wie üblich, mit ihren Flächen parallel zueinander stehen.
Da aber bei freier Fahrt zwischen den Hecks die Strömung nicht so intensiv ist wie
an den Außenseiten des Bootes und außerdem die Propellerströme tief unter den Rudern
verlaufen, sind die Heckruder, wie aus Abb. 3 ersichtlich, nicht parallel, sondern
nach hinten auseinanderweisend angeordnet. Ihre Steuerkraft wird dadurch erheblich
besser.
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Das Bugsteuerruder i i wird durch das Steuerrad 12 betätigt. Die Steuerräder
9 und 12 sind gleichachsig angeordnet und sind meistens bei der Fahrt geradeaus
miteinander verkuppelt. In dem verkuppelten Zustand der Steuerruder erfolgt die
Verdrehung der Steuerruder in dem Sinne, daß bei gleicher Drehrichtung der Räder
die Ruder aus Schwenkung des Bootes in derselben Richtung gemäß Abb. 4 eingestellt
werden. Durch Entkupplung der Steuerräder voneinander kann man sie in entgegengesetzter
Richtung drehen und dadurch Ruderstellungen gemäß Bild 5 erreichen.
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Beim Arbeiten in freier Fahrt stellt der Maschinist mit Hilfe der
Winde 4 von seinem Stand aus von Hand oder mit dem :Motor die Propeller so tief,
daß sie dicht über den Böden entlangstreichen und damit die wirbelnden Wasserströme
schräg von oben auf den lose gelagerten Schlick und Modder werfen, wodurch dieser
abgespült wird und hochkommt. Dort, wo er höher liegt, durchschlagen ihn die Propellerflügel,
wie in Abb. i ersichtlich, durchwirbeln ihn mit dein starken Schraubenwasserstrom,
so daß
er sich fast vollständig im Wasser löst, wenigstens aber
darin eine Zeitlang in der Schwebe bleibt, so daß er vom fließenden Wasser fortgetragen
werden kann.
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Der Maschinist hat einen Tiefenanzeiger 13 vor seinen Augen, an welchem
er sehen kann, in welcher Tiefe die Propeller unter der Wasseroberfläche arbeiten.
Am Gang des Motors und an Bewegungen des Bootes merkt er, ob er die Propeller tiefer
einstellen kann, so daß einerseits soviel Schlick und Modder wie möglich aufgewirbelt
wird und daß andererseits das. Boot in freier Fahrt arbeiten kann und sich dabei
nicht festfährt.
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Der Steuermann hat die Aufgabe, das Boot im Gewässer so entlang zu
steuern, daß es Strich für Strich jede Stelle des Bodens mit den Propellern überfährt.
Damit er diese Aufgabe planmäßig erfüllen'kann,werden in Abständen von vielleicht
20 bis 5o ni über dem Gewässer Drähte 14 (Abb. 2) o. dgl. gespannt, an denen Schilder
mit Zahlen verschiedenfarbig oder verschieden geformt in Abständen von vielleicht
2 bis 5 m hängen. Durch die in bestimmten Abständen von Ufer zu Ufer an numerierten
Pfählen gespannten Seile wird das Gewässer der Länge nach in Stationen oder Längengrade,
durch Schilder ih Breitengrade eingeteilt.
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Bei Benutzung einer Peileinrichtung, welche am Stromräumboot selbst
oder an einem Hilfsboot, Ruderboot o. dgl. angebracht werden kann, ist es schnell
möglich, Längs- und Querprofile der Gewässersohle aufzunehmen und aufzuzeichnen.
Danach kann man dann die wegzuräumenden Massen, also die Größe der Arbeit und den
Preis dafür berechnen und anschließend auch die Arbeit planmäßig und in kürzester
Zeit ausführen.
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Aber auch ohne vorherige Aufzeichnung merken Steuermann und Maschinist
bald, an welchen Stationen und in welchen Breiten des Gewässers höhere Bänke von
Ablagerungen liegen. Durch öfteres Befahren dieser Stellen räumen sie die Bänke
zuerst weg, so daß sie danach das Gewässer einigermaßen gleichmäßig auf der ganzen
Länge in der gewünschten Tiefe ausräumen können.
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Sehr oft, besonders aber beim Beginnen einer Stromräumung in einem
Binnentief ist es nicht möglich, die Arbeit im fließenden Wasser und nur in freier
Fahrt auszuführen, weil die Schlickbänke so hoch liegen, daß man nur noch bei hoch
angestautem Wasserspiegel darüber hinwegfahren kann.
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Das Verfahren wird dann wie folgt angewendet: Bei der Flut im Meer
läßt man durch das Siel so viel Wasser einströmen, als es eben noch zulässig ist,
und staut dieses, während draußen vor dem Siel Ebbe eintritt. Dann fährt man mit
dem Stromräumhoot auf der zu räumenden Strecke im stehenden Wasser in Längsstrichen
oder besser noch in Schlangenlinien gemäß Abt). 6 Tiber der ganzen Breite des Tiefs
hin und her, wühlt dabei einige Stunden lang den Schlick auf und zieht dabei viele
Furchen im Boden, die sich kreuzen. Das stehende Wasser wird dabei grauschwarz und
etwas stinkend, weil es eine große ?Menge von Schlick und Modder in der Schwele
hält. Dann läßt man einige Stunden vor der Hohlebbe draußen im Meer die Stauvorrichtung
des Siels öffnen, so daß das mit Sinkstoffen beladene Wasser aus dem Binnentief
mit großer Geschwindigkeit durch das Siel und das Außentief ins Meer fließt.
Dabei arbeitet man mit dem Stromräumboot weiter im Binnentief, solange es geht,
in freier Fahrt.
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Das wird aber oft nicht lange dauern, dann sitzt man fest, weil der
Wasserspiegel in einem stark verschlammten Binnentief sehr schnell absinkt, die
Schlickbänke werden sichtbar und das Wasser fließt nur in reißendem Strom in einer
mittleren Rinne. Dann gilt es zuerst, diese zu vertiefen und zu erweitern. Man wirft
deshalb rechtzeitig vom Boot aus Drahtseile heraus und läßt diese an festen Punkten
am Ufer verankern, um das Boot an diesen zu führen und zu zielten.
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Das Boot ist deshalb mit. Winden ausgerüstet, mit denen man es vor
und zurück sowie hin und her ziehen kann.
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In Abb. 3 sind die Winden mit den zugehörigen Drahtseilrollen und
:den Seilen schematisch eingezeichnet. Mit der Winde 15 wird das Boot festgehalten,
so daß es nur langsam vorrücken kann und dabei entsprechend stärkere PropePlerströme
erzeugt. Mit der Winde 16 wird es vorwärts gezogen, und zwar entweder gegen den
Strom oder über Schlickbänke hinweg. Mit den Winden 17 und 18 wird der Bug
des Bootes auf einer bestimmten Linie geführt, während mit den Winden i9 und 2o
das Boot mit dem Heck beziehungsweise den am Boden arbeitenden Propellern hin und
her gezogen wird. Die Winden können von Handoder auch maschinell betätigt werden.
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Abb. 7 zeigt die Arbeitsweise des Bootes, wobei der Bug auf der Linie
25 durch die Seile 26 und 27 sowie 28 und 29 geführt und das Heck an den Seilen
3o und' 31 hin und her geschwenkt wird, so daß die Propeller den Boden auf der Breite
32 lösen, durch-. wühlen und durchspülen.
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Je tiefer der Boden fortgeräumt wird, desto fester wird er in der
Regel. Er kann nicht mehr einfach fortgespült oder durchpflügt und aufgewirbelt
werden, sondern er muß abgehackt oder abgefräst und zerrieben werden. Dazu werden
die Propellerflügel besonders, wie z. B. in Abb.8 rechts ersichtlich, ausgebildet
oder sie werden mit besonderen Werkzeugen, gewellten oder gezackten Messern, gemäß
Abb: 8 links dargestellt, versehen.
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Aus diesem los- und durchgearbeiteten Boden werden beim -ersten Arbeitsgang
nur wenige Bestandteile herausgespült, welche vom Wasser in der Schwebe gehalten
werden, so daß sie gleich forttreiben können. Zur Hauptsache bleibt dieser Boden
vorerst in Form eines grob grützigen Breies, wie in Abb. 8 dargestellt, liegen.
In einigen Tagen aber wird er weich, und bei wiederholtem Durchwühlen und Durchspülen
mit den Propellern des Stromräumbootes werden "immer mehr durch das Aufsaugen von
Wasser schwebefähig gewordene Bestandteile herausgelöst, so daß sie forttreiben
können.
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In Abt). 9 ist eine Arbeitsweise schematisch dargestellt,
welche
in langen Entwässerungskanälen, in denen das Wasser nur träge fließt, angewendet
werden kann. .
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Es sind dort beispielsweise fünf Stromräumboote eingesetzt. Das Boot
4o arbeitet am weitesten oben im Kanal. Dieses Boot 40 muß das stärkste sein. Es
hat die Aufgabe, die abgelagerten Massen loszulösen, zu zerkleinern, zu durchwühlen
und aufzuwirbeln.
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Das Boot 41 hat die Aufgabe, weiter abwärts im Strom auf einer längeren
Strecke schnell auf und ab zu fahren und dabei hauptsächlich das mit Sinkstoffen
beladene, aber nur träge fließende Wasser immer wieder aufzurühren, damit die Sinkstoffe
sich nicht absetzen. Außerdem hat es die vom Boot 40 losgelösten und noch in Breiform
am Boden liegenden Massen aufzuwirbeln und zu durchspülen, damit die geweichten
Bestandteile nach und nach in den Schwebezustand kommen.
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Die Boote 42, 43 und 44 sind noch weiter abwärts im Strom verankert.
Sie haben auch die Aufgabe, das stark mit Sinkstoffen angereicherte Wasser von Grund
her aufzurühren. Außerdem aber sollen sie die Fließgeschwindigkeit im Kanal beschleunigen,
denn eine Beschleunigung am unteren Ende des Kanals wirkt sich bis weit nach oben
hin aus.
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Eine besonders starke Beschleunigung und Durchmischung des Wassers
mit den Sinkstoffen erreicht man, wenn sie dort ausgeführt wird, wo der Strom, wie
z. B. beim Boot 42, durch eine Brücke, ein Stauwerk o. dgl. eingeengt ist. Die Propeller
dieses Bootes erfassen die unter der Brücke zusammengedrängten Wassermassen besonders
gut. Sie treiben das Wasser mit großer Geschwindigkeit durch den engen Durchlaß.
Der Wasserspiegel vor der Brücke sinkt dadurch ab; unter und damit auch hinter der
Brücke steigt er an, so daß das Spiegelgefälle und damit die Fließgeschwindigkeit
sowohl vor als auch hinter der Brücke größer werden.
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Die Boote 42, 43 und 44 können auch durch billigere Einrichtungen
ersetzt werden. Eine solche ist in Abb. i o dargestellt. Es ist ein Strombeschleuniger.
Er besteht aus dem Propeller 5o, dessen Welle in dem Lagerrohr 51. gelagert ist,
und der durch den Motor 52 angetrieben wird. Der Motor ruht auf einem Floß 53: Unter
dem Propeller liegt eine Platte 54, 'auf welcher das Lagerrohr gelenkig abgestützt
ist. Die Platte hat auch noch den Zweck, zu verhüten, daß die Sohle unter der Brücke
durch den starken Propellerstrom angegriffen wird.
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Von diesen Strombeschleunigern werden mehrere nebeneinander unter
der Brücke eingesetzt, so daß das Wasser in der ganzen Breite des Durchlasses erfaßt
wird. Sie können alle von dem Floß 53 oder einem anderen Schwimmkörper getragen
oder an der Brücke angehängt werden.
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Zur Verbesserung der Vorflut für die Entwässerung des Binnenlandes
sind vielenorts umfangreiche Räumarbeiten in den sogenannten Außentiefs oder Schleusenprielen
notwendig. Diese Priele, welche nur zur Ebbezeit als Vorfluter für das Binnenland
in Frage kommen, führen oft auf sehr langen Wegen in vielen Windungen oder durch
Schleifen, wie in Abb. i i dargestellt, durch das Watt hindurch zum offenen Meer.
Zum Durchfließen des viel zu langen Weges gebraucht das Wasser unnötig viel Gefälle
und Zeit. Dadurch werden große Verluste für die Vorflut und damit die Ertragsfähigkeit
des ganzen Entwässerungsgebietes hervorgerufen.
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Eine Räumung, die hier radikal Wandel zu schaffen vermag, besteht
hauptsächlich in einer Begradigung des Schleusenprieles. Eine solche kommt oft auf
Schaffung eines größtenteils vollkommen neuen Laufes für den Priel hinaus. Diese
Arbeit ist mit dem Stromräumboot unter Ausnutzung der Ebbe-und Flutströme in verhältnismäßig
kurzer Zeit und mit geringen Kosten auszuführen.
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Schleifenbildungen., wie in Abb. i i dargestellt, haben meistens im
Laufe einiger Jahrzehnte stattgefunden. Uferabbrüche bei B und G sowie von
D
bis E deuten darauf hin, daß dort die tieferen Wattschichten aus Sand bestehen,
während bei C und F keine Uferabbrüche zu bemerken sind. Der letztere Umstand deutet
darauf hin, daß zwischen den Punkten C und F sehr fest abgelagerter Boden noch in
größerer Tiefe liegt. Hier liegt also das Hindernis, die Ursache, welche zur Bildung
der großen Schleife C, D, E, F geführt hat. Dieses Hindernis muß in erster
Linie weggeräumt werden, und außerdem müssen neue Läufe von A bis C und von
F bis H aus dem ,Watt ausgeräumt werden.
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Wenn das Wasser danach von A bis H in einem geraden
Lauf fließen kann, macht es nicht mehr den weiten Umweg durch die Kurven bei B und
G und die Schleife von C über D, E und F, selbst wenn diese nicht versperrt werden.
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Der alte, krumme Lauf verschlickt schon in sehr kurzer Zeit, und der
gerade Lauf von A bis H bleibt bestehen. Er bildet sich sogar selbst zu einem Priel
von normal großem Querschnitt aus, wenn mit dem Stromräumboot zuerst nur ein gerader
Durchstich mit geringem Querschnitt, aber genügender Tiefe aus dem festen Watt von
A bis H ausgeräumt wurde. .
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Bei solcher Arbeit wird das Stromräumboot zuerst bei hoher Flut dort
angesetzt, wo auf der geraden Linie von A bis H das Watt am höchsten
ist. Dort wird, wie in den Abb. 7, 12 und 13 veranschaulicht, gearbeitet. Dabei
wird das Boot an Drahtseilen, die im Watt verankert sind, geführt, vor und zurück
sowie hin und her gezogen, und die Propeller werden auf und ab geschwenkt.
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Die Abb. 12 und 13 zeigen, wie mit dem Stromräumboot von einem alten
Priellauf aus an beliebiger Stelle im Watt oder auch über einer Bank bei sehr flachem
Wasser eine tiefe Rinne ausgeräumt werden kann. Das Boot arbeitet gemäß Abb. 12
rückwärts, und die Propeller bohren sich beim rückwärtigen Umlaufen tief unten in
den Boden hinein. Dann werden die Lagerrohre 2 mit der Winde 4 durch Betätigung
des Hebels 21 hochgeschwenkt. Die Propeller brechen dabei die vor ihnen stehende
Bank von unten her in großen Stücken ab. Durch geringes Vor- und Zurückziehen des
Bootes an den Drahtseilen 22, Umsteuern der Propeller auf Vorwärts-und Rückwärtslauf,
Auf- und Abschwenken der Propeller sowie Hin- und Herziehen des Bootes an den Drahtseilen
23 wird die ganze losgelöste Masse zu
einem grützigen Brei verarbeitet,
der zum Teil gleich aus der Rinne durch die Propellerströme nach oben herausgespült
oder auch in das alte Bett des Prieles hineingetrieben wird.
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Es kommt darauf an, zuerst eine wenn auch nur schmale Rinne, wie in
Abb. 13 dargestellt, zu bekommen, in der das Boot bei fallendem Wasser noch flott
bleibt und durch welche die Propeller einen Wasserstrom hindurchjagen können, der
die losgelösten Massen fortschwemmt. Dabei wird so gearbeitet, daß die groben, noch
nicht schwimmfähigen Massen in den abzuschneidenden Kurven und Schleifen des alten
Prieles durch den Ebbe- und Flutstrom hineingetrieben werden, wo sie zum Teil vorerst
liegenbleiben und dort den Durchfluß stauen. Dadurch wird aber im neu entstehenden
Prielbett die Strömung stärker.
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Durch eine weitere Verstärkung der Strömung im neuen Prielbett kann
die Ausräumung sehr erleichtert und beschleunigt werden. Es wird deshalb in der
Kurve oder Schleife, an deren Abschneidung gerade gearbeitet wird, eine stärkere
Stauung dadurch verursacht, daß man darin an der engsten Stelle einen Tank, einen
Bootskörper o. dgl. versenkt. Diese Maßnahme ist in Abb. i i angedeutet. Das Stromräumboot
arbeitet dort an der Strecke C bis F. In der Schleife C, D, E, F ist an der
Stelle I ein alter Bootskörper versenkt. Wenn er dort ausgedient hat, läßt
man bei Ebbe das Wasser aus demselben ablaufen und schleppt ihn bei der nächsten
Flut vielleicht zur Kurve F, G, H, um ihn dort wieder zu versenken, wenn
das Boot an der geraden Strecke FbisH arbeitet.
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Abb. 14 soll beispielsweise die Notwendigkeit und Art der Herstellung
eines neuen Prieles veranschaulichen. Die Überreste eines mächtigen Hafenbollwerkes
6o zeugen davon, daß hier früher gutes Fahrwasser für größere Schiffe war. Heute
besteht dort noch die alte, große Entwässerungsschleuse 61, welche durch den Deich
hindurchgeht, und ein Schleusenpriel 62, der in vielen Windungen verläuft. Er ist
wie der alte Hafen hoch angefüllt mit Schlick und von der Schleuse aus etwa 4 km
lang bis zum offenen Meer. Dort geht seine Mündung zwischen Sandbänken 63 hindurch.
Sie wird oft bei Sturmfluten versandet, so daß der Priel sich danach immer wieder
einen neuen Weg bahnen muß. Schiffe können nicht mehr in den Hafen hineinkommen.
Die Entwässerung im viele tausend Hektar großen Entwässerungsgebiet ist seit einigen
Jahrzehnten sehr schlecht geworden.
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Ein Meeresarm zwischen der Sandbank 63 und der Küste 65 reicht noch
bis zum Punkt 64 bis auf ,, etwa iooo m an den Punkt 66 des alten Prieles heran.
Ein neuer Priel, wie gestrichelt gezeichnet, wäre zu schaffen.
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Auf dieser Linie besteht das Watt aus sehr fest gelagertem Klaiboden,
der bisher verhindert ,hat, daß sich dort nicht schon längst ein Priel von selbst
gebildet hat. Das Stromräumboot wird in kurzer Zeit, aber harter Arbeit diesen Priel
66, 67, 64 schaffen.
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Es beginnt die Arbeit etwa beim Punkt 67, weil dort das Watt am höchsten
ist. Dort ist wohl Strömung bei Flut über das Watt hinweg, aber sie reicht nicht
aus, um die auszräumenden Massen fortzuspülen. Das Stromräumboot wird deshalb bei
der Flut, wie gezeichnet, schräg zur Richtung des neu zu schaffenden Prielbettes,
dessen Mittellinie durch die Baken 68 und 69 sowie 70 und 71 gekennzeichnet
ist, gelegt. Der Bug des Bootes wird auf einer Parallelen, welche durch die Baken
68° und 69° gekennzeichnet ist, langsam in der Pfeilrichtung vorgezogen und dabei
an den Drahtseilen 72 und 73 sowie 74 und 75 geführt. Das Heck des Bootes wird an
den Drahtseilen 76 und 77 andauernd hin und her gezogen, so daß die Propeller über
der Mittellinie hin und her pendeln. Dabei werden sie so tief eingestellt, daß sie
vom Watt eine Schicht von vielleicht 2o bis 30 cm abfräsen. Die abgefrästen
Massen werden vom Propellerstrom aus der entstehenden Mulde seitlich herausgespült.
Sie lagern sich, soweit sie nicht schwimmfähig sind, wie in der Abb. 14 angedeutet,
in größerer Breite, aber in geringer Höhe auf dem Watt ab. So entsteht zuerst eine
Mulde, welche durch wiederholtes Entlangarbeiten so weit vertieft wird, daß das
Boot auch bei niedrigem Wasserstand darin schwimmen kann.
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Dann wird, wie in den Abb. 12 und 13 dargestellt, die entstandene
Rinne in der Tiefe mit den Propellern durchgearbeitet, wobei die Massen zum Teil
herausgespült werden, jedoch größtenteils vorerst als dicker Brei liegenbleiben
und dabei weich werden.
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Jetzt wird ein Tank an der Stelle 78 im alten Priel versenkt. Dadurch
werden die Ebbe- und Flutströme, welche sonst durch den alten Priel 62 und
die Nebenpriele 79, 8o, 81 und 82 das Watt links vom Priel 62 entwässerten und auffüllten,
gezwungen, ihren Weg zum großen Teil durch die neue, gerade Rinne zu nehmen. Es
entsteht darin ein reißender Strom, der die Rinne schnell ausspült. Dabei werden
vom Stromräumboot besonders im Ebbestrom die breiförmigen Massen weiter durchwühlt,
zerkleinert und aufgelöst, so daß sie weit ins Meer hinaustreiben. Danach wird die
Rinne sowohl im Ebbe- als auch im Flutstrom vom Stromräumboot zu einem großen Priel
erweitert und vertieft.
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Daran anschließend wird der alte Priel von der Schleuse 61 bis Punkt
66 geräumt. Zu dem Zweck läßt man bei jeder Flut soviel Wasser, als möglich und
zulässig ist, durch die Schleuse 61 ins Binnentief 83 einströmen und staut es darin.
Bei hohem Wasserstand, jedoch erst bei eintretender Ebbe wühlt man mit den Propellern
den Schlick auf den Böschungen und den in den Priel hineinragenden Bänken sowie
alten Hafen von unten bis oben hin auf, so daß dieser zum Teil fortschwimmt, zum
Teil aber in die Mitte des alten Prieles hineinsinkt.
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Einige Stunden vor der Hohlebbe läßt man das Stauschott der Schleuse
,hochziehen, so daß das Wasser mit großer Geschwindigkeit aus dem Binnentief durch
den Priel 62 bis Punkt 66 und durch den neuen, geraden Priel in den tiefen Meeresarm
64 hineinströmt. Dabei fährt man mit dem Stromräumboxt mit großer Kraft gegen und-
mit dem Strom von
Meeresarm 64 bis zur Schleuse 61 immer auf und
ab und wühlt dabei die Sohle des Prieles immer wieder von neuem auf.
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Diese Tätigkeit kann man auch im Flutstrom fortsetzen, denn das im
Priel mit Sinkstoffen angereicherte Wasser fließt zur Hauptsache durch die Nebenpriele
79 bis 82 auf das hohe Watt links vom alten Priel 62 herauf und in dort befindliche
Grül)-penfelder neuen Vorlandes hinein. Dort steht das Wasser bei der Flut mehrere
Stunden sehr ruhig, so daß sich die Sinkstoffe absetzen und damit schon wieder zum
Aufbau neuen Landes dienen.
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Die mit dem Ebbestrom zum offenen Meer als Sinkstoffe hinausgetriebenen,
aus dem Priel ausgeräumten Massen setzen sich dort z. T. in tieferen Stellen ab.
Sie werden aber durch die im offenen Meer bei stürmischem Wetter herrschenden großen
Wellen aufgewühlt, treiben mit dem Flutwasser ininier wieder auf das Watt herauf
und setzen sich dort nach und nach auf großen Flächen ab und dienen so zum Aufbau
neuen' Kulturlandes.
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Der neu entstandene Priel ist jetzt als sehr gutes Außentief für die
Entwässerung des Binnenlandes anzusprechen. Seine Länge von der Schleuse bis ztim
offenen Meer beträgt nur noch 1,5 km, und seine Sohle liegt durchschnittlich
1,30 m tiefer als diejenige des altes Prieles. Um denselben Betrag oder noch
mehr sinkt bei jeder Ebbe das Wasser vor der Schleuse tiefer ab.
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Der alte Priel 62 vom Punkt 66 an wird in ganz kurzer Zeit so weit
versanden und verschlicken, daß er noch gerade so viel Wasser führen kann, als ihm
die kleineren einmündenden Nebenpriele zuführen. Da aber Wasser ebenso wie elektrischer
Strom immer, dort in der größeren Menge fließt, wo der geringste Widerstand vorhanden
ist, wird das Wasser, welches vom Watt links des alten Priele bei jeder Ebbe abfließt
und dem offenen Meer zustrebt,-seinen Weg durch den neuen, geraden Priel wählen.
Es wird diesen sowie auch den Meeresarm 64 offen halten.
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Damit sich aber der Fluß des Wassers im Wattenmeer recht bald in diesem
Sinne günstig auswirkt, kann man an vielen Stellen mit dem Strornräumboot nachhelfen,
indem man den Nebenprielen Hindernisse aus dem Weg räumt, so daß sie ihren Weg möglichst
in der Richtung zum Punkt 66 nehmen.
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Von der Schleuse bis zu diesem Punkt 66 wird der Priel durch das Binnenwasser
offen gehalten, sofern dieses in starkem Strom fließen kann. Das kann es aber nur,
wenn das Binnentief 83 geräumig und tief genug ist. Es liegt aber auch so voll Schlick,
daß selbst der Schleusenboden schon zum Teil 8o cm hoch mit Schlick bedeckt ist.
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Das Binnentief wird deshalb anschließend an die Arbeiten draußen im
Watt mit dem Stromräumboot wie oben beschrieben geräumt. Danach wäre es dann jedem
Bauern des Sielverbandes möglich, seine Gräben gründlich räumen zu lassen.
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So wäre die alte Fruchtbarkeit des Marschlandes und der dahinterliegenden
Niederungen, welche' hauptsächlich durch mangelhafte Entwässerung beeinträchtigt
ist, mit Hilfe des Stromräumbootes'Lind Anwendung des Räumverfahrens gemäß dieser
Erfindung wiederherstellen.