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Resorbierbare Tampons in Gestalt von Kapseln, Binden u. dgl Die Erfindung
bezieht sich auf resorbierbare Tampons in Gestalt von Kapseln, Binden u. dgl. aus
aufbereitetem Gut, das im wesentlichen aus tierischen Elastin- und/oder Kollagenfasern
besteht.
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In der Arzneikunde besteht ein Bedürfnis nach resorbierbaren Tampons.
Diese können, mit dem gewünschten Behandlungsmittel b,eladen, wenn sie auch allen
übrigen von dem Arzte zu stellenden Anforderungen genügen, an die zu behandelnde
kranke Stelle des Körpers oder in deren Nähe gebracht werden dort können sie das
Behandlungsmittel in kleinen Mengen während längerer Zeit abgehen, um darauf von
dem Körper resorbiert zu werden. Eine derartige Behandlung kann naturgemäß wesentliche
Vorteile bieten gegenüber der Anwendung von Heilmitteln od. dgl. in größeren Mengen,
z. B. durch Injektionen, rektal usw. abgesehen davon, daß die erlirankte Stelle
des Körpers durch das angewandte Mittel nicht immer erreicht wird.
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Resorbierbarkeit der Tampons erweist, wie schon angedeutet wurde,
noch nicht deren Brauchbarkeit; diese müssen auch noch weiteren wesentlichen Anforderungen
entsprechen, namentlich folgenden: 1. Keimfreiheit der Tampons muß unter allen Umständen
gewährleistet werden; 2. die Tampons müssen sehr leicht und dabei doch voluminös
sein, damit der Wunde möglichst wenig körperfremde Stoffe, z. B. artfremdes Eiweiß,
zugeführt werden; 3. die Tampons müssen das Behandlungsmittel in genügenden Menge
aufnehnien können; 4. das Behandlungsmittel darf im Körper nur langsam von den Tampons
abgegeben werden; 5. die Tampons müssen nicht nur vollständig, sondern auch ohne
jede nachteilige Reaktion resorbiert werden.
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Tampons, die allen diesen Anforderungen genügen, sind bisher nicht
bekannt. Zwar hat man vorgeschlagen, aus bestimmten tierischen Membranen durch Zerfaserung
Tampons anzufertigen, aber diese haben keinen Eingang finden können. weil sie wegen
des Ausgangsmaterials keine absolute Freiheit von pathogenen Keimen gewährleisten
und nicht von allen Behandlungsmitteln eine genügende Menge aufnehmen können.
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Weiterhin ist es bekannt, resorbierbare Tamponaden für chirurgische
Zwecke dadurch herzustellen, daß man aus tierischem Muskelfleisch die Fleischfasern
durch Auslaugen des Blutes, des Blutserums und des größten Teiles der löslichen
Eiweißstoffe in alkalischen Lösungen oder in organischen oder anorganischen verdünnten
Säuren bloßlegt und sie nach dem anschließenden Trocknen mechanisch aufbereitet,
z. B. auf einer Krempel parallel richtet und zu einem Florbande vereinigt. Aus in
dieser Weise erhaltenen Fleischfasern hat man nach einem früheren Vorschlag schon
durch Verspinnen und Verzwirnung derselben chirurgisches Nähmaterial hergestellt.
Schließlich ist noch ein Verfahren zu erwähnen, nach dem tierische Haut mit Stoffen
behandelt wird, die auf die Haut quellend wirken; die gequollene Haut wird grob
zerfasert, worauf die erhaltene Fasermasse mit Stoffen behandelt wird, welche die
kolloidalen Eigenschaften der Fasern verändern und das Verkleben und Verhornen der
Fasermasse während der darauffolgenden Entwässerung verhindern; dann wird die Masse
fin zerfasert und in bekannter Weise auf Textilien verarbeitet.
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Die erfindungsgemäßen Tampons und andere Erzeugnisse, wie Kapseln,
Binden u. dgl., aus tierischen Elastin- und/oder Kollagenfasern sind dadurch gekennzeichnet,
daß man tierische Elastin- und/oder Kollagenfasern enthaltenden Werkstoff in einem
Quellmittel quellen läßt, ein Schrumpfmittel einwirken läßt und das überschüssige
Wasser entfernt. Zur Herstellung der genannten Erzeugnisse behandelt man den Werkstoff
in der beschriebenen Weise und verarbeitet die schließlich erhaltene Masse auf das
jeweils gewünschte Erzeugnis.
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Unter Kapseln werden hier dünnwandige Hohlkörper aus Tamponmaterial
verstanden, die mit einem Heilmittel beladen und dann geschlos sen werden.
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Zahlreiche Versuche haben ergeben, daß in dieser Weise hergestellte
Tampons, auf die sich die Erfindung in erster Linie bezieht, allen von dem Arzte
gestellten Anforderungen genügen. Dabei ist noch zu bedenken, daß der Tampon je
nach dem aufzunehmenden Behandlungsmittel eine bestimmte Beschaffenheit aufweisen
muß. Auf jeden Fall ist zwar eine mehr oder weniger poröse Masse erforderlich; das
Aufnahmevermögen derselben muß aber für eine Flü2sigkeit anders sein als für ein
festes Mittel, z. B. ein Radiumpräparat; im ersten Fall wird ein Tempon mit einer
schwammartigen Struktur bevorzugt. Versuche haben zu der Feststellung geführt, daß
durch Anwendung des oben angegebenen Verfahrens die Tampons auch den stark divergierenden
Anforderungen angepaßt werden liönnen.
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Diese Eigenschaften verdanken die erfindungsgemäßen Erzeugnisse der
durch das Herstellungsverfahren bedingten Struktur, im Gegensatz zu dem oben wiedergegebenen
bekannten Vorschlag für die Herstellung von resorbierbaren Tamponaden. Außerdem
hat das vorliegende Verfahren den Vorteil, daß es die Möglichkeit bietet, zwei verschiedenartige
Produkte herzustellen, die dieselben Hauptstufen der Bearbeitung haben. Insoweit
es sich um geformte Körper handelt, muß weiter noch darauf hingewiesen werden, daß
sie, wieder im Gegensatz zu dem bekannten Vorschlag, in beliebigen, aber genau festgelegten
Abmessungen und Formen hergestellt werden können, so daß jeder Anforderung des Chirurgen
entsprochen werden kann; sie bleiben sicher an der Stelle liegen, an die man sie
gelegt hat, ohne daß Gefahr besteht, daß Teile sich lösen und in den menschlichen
Körper wandern.
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Als Quellmittel verwendet man vorzugsweise verdünnte Lösungen von
Säuren oder anderen sauer reagierenden Stoffen, als Schrumpfmittel in diesem Fall
alkalisch reagierende Stoffe.
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Die Ausführung des Verfahrens nach der Erfindung hängt von der Struktur
ab, die man den Tampons erteilen will. Im allgemeinen wird eine schwammartige Struktur
bevorzugt;
auf diese Form ist dann auch die Erfindung im besonderen gerichtet. Zur Herstellung
derselben verteilt man vor oder während der Einwirkung des Schrumpfmittels auf den
aufgequollenen Ausgangsstoff im letzteren ein Gas, z. B. Luft.
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Dies kann z. B. dadurch geschehen, daß man unter Rühren in die Suspension
ein Gas einführt. Man kann aber auch der Suspension Stoffe einverleiben, die unter
den dort herrschenden Bedingungen oder mit einem Schrumpfmittel ein Gas entwickeln.
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Wenn man auf die Beibehaltung der eigentlichen Faserstruktur VVert
legt, z. B. mit Rücksicht auf die Zugfestigkeit der Erzeugnisse, besteht die Verteilung
der gequollenen Masse in einer Zerfaserung. Es ist aber nicht immer nötig, die gequollene
Masse zu zerfasern. Statt dessen kann man nämlich die Masse auch zerkleinern, d.
h. derart, z. B. in einem Mahlwerk, behandeln, daß die Faserstruktur ganz oder weitgehend
zerstört wird, wodurch natürlich die Zugfestigkeit der schließlich erhaltenen Erzeugnisse
mehr oder weniger zurückgeht; oft ist dies aber von untergeordneter Bedeutung. -In
beiden Falten wird in derselben Weise weitergearbeitet.
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Nach dem Einverleiben des Gases und der Einwirkung des Schrumpfinittels
entfernt man den Überschuß an Feuchtigkeit.
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Bei den beschriebenen Ausführungsformen verwendet man vorzugsweise
ein gas- oder dampfförmiges Schrumpfmittel, z. B. Ammoniak oder ein Amin; mit dem
Schrumpfmittel kann ein indifferentes Gas, z. B. Luft,gemischt sein. Es empfiehlt
sich, die Masse auf einem Sieb der Einwirkung des Schrumpfmittels auszusetzen.
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Obwohl oben davon die Rede ist, daß man das Gas mit der zerfaserten
oder feingemachten Masse emulgiert, soll nicht daraus hergeleitet werden, daß das
Gas nur in diesem Stadium angewandt werden kann. Es ist auch möglich, das Gas während
oder selbst vor der mechanischen Behandlung in der gequollenen Masse entstehen zu
lassen oder in diese einzuführen; auch kann man ein gasförmiges Schrumpfmittel mit
einer genügenden Gasmenge mischen, so daß die gesonderte Zufuhr von Gas sich erübrigt.
NIan braucht nur dafür zu sorgen, daß nach der Einwirkung des Schrumpfmittels eine
poröse Masse vorliegt.
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Die geschrumpfte Ichwammartige Masse läßt sich leicht in dieser Form
trocknen. Der Grad der Porosität und demzufolge das Gewicht je Volumeinheit können
leicht mit Hilfe der Gasmenge, die man in der noch nicht geschrumpften Masse verteilt,
geregelt werden; eine feine Verteilung fordert naturgemäß die Homogenität des Endproduktes.
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In der größeren oder kleineren Porosität besitzt man wieder ein Mittel,
um das Aufnahmevermögen und die Resorptionsgeschwindigkeit der Tampons zu beeinflussen.
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Die bis jetzt beschriebenen Ausführungsformen sind in der Regel die
besten. Man erhält sehr leichte Produkte, welche das Vielfache ihres Gewichtes an
Flüssigkeit aufnehmen. Sollte durch das Trocknen die Ooerfläche der fertigen Erzeugnisse
zu weitgehend geschlossen werden, so kann man diese perforieren.
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Wenn man auf eine ausgesprochene schwammartige Struktur weniger Wert
legt. kann man das Einführen eines Gases in die gequollene Masse auch unterlassen.
In diesem Fall kann man sich damit begnügen, den Ausgangsstoff nach dem Quellen
zu zerfasern, aus der erhaltenen Suspension die Fasern mit einem Schrumpfmittel
wieder abzuscheiden. den Uberschuß an Feuchtigkeit z. B. durch Zentrifugieren zu
entfernen und die getrock nete Masse z. B. auf einer Krempelmaschine in eine lose
Fasermasse überzuführen, aus der man das gewünschte Erzeugnis herstellt.
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Man kann den Ausgangsstoff derart wälllen, daß es von sich aus von
pathogenen Keimen frei ist. Der Sicherheit halber und um gegebenenfalls bei den
Bearbeitungsphasen aufgeno,mmeneReime unschädlich zu machell, besteht in der Regel
die Schlußbearbeitung aus einer Sterilisation. Man kann mit antiseptischen Mitteln
oder auf trockenem Wege nach Entfernung der Feuchtigkeit, also in einem heißen Gas,
z. B. Luft, sterilisieren.
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Das zuletzt erwähnte Verfahren ist, obwohl es im Hinblick auf das
behandelte Material zunächst bedenklich erscheint, ganz gut znwendbar und wird im
allgemeinen bevorzugt. Die Sterilisation braucht selbstverständlich nicht unmittelbar
an die Herstellung angeschlossen zu werden; sie kann auch später z. B. vom Gebraucher
der Tampons ausgeführt werden.
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Es ist aber auch möglich, in einem beliebigen Stadium der Bearbeitungsphasen
zu sterilisieren und dann unter antiseptischen oder aseptischen Bedingungen weiterzuarbeiten.
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Nicht nur durch das Nilaß der Porosität der Tampons kann die Resorptionsgeschwindigkeit
geregelt und dadurch verschiedenen Fällen angepaßt werden; dies kann auch durch
eine Behandlung mit das Lösen beschleunigenden oder verzögernden Chemikalien geschehen.
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Die Erfindung ist, wie schon kurz angedteutet, nicht auf Tampons
beschränkt. Nach der Art der Bearbeitung des Ausgangs stoffes eignet sich das Verfahren
auch für die Herstellung von anderen porösen Erzeugnissen
als Tampons,
die etwa die gleichen Funktionen auszuüben haben, z. B. Kapseln, Suppositorien,
Binden. Die beiden zuerst genannten Erzeugnisse werden ebenfalls in Körperhöhlen
eingeführt; Binden werden oft auf Oberflächenwunden aufgelegt. Die an alle diese
Erzeugnisse zu stellenden Anforderungen laufen also zum größten Teile parallel.
Die Herstellungsweise wird selbstverständlich an Hand des Obenstehenden mit Hinsicht
auf den bestimmten Zweck gewählt.
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So empfiehlt sich oft für Kapseln eine mehr schwammartige, für Binden
eine Faserstruktur.
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Die Erzeugnisse nach der Erfindung könnu mit einem therapeutiscb
wirksamen Mittel beschickt werden. Um einige Beispiele zu nennen: Man kann die Erzeugnisse
radioaktiv machen, indem man sie mit radioaktiven Verbindungen beschickt oder mit
Radiumpräparaten bestrahlt. Es können auch Heilmittel im eigentlichen Sinne, z.
B. blutstillende Mittel, zur Anwendung kommen.
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Oft ist die Imprägnierung mit einem Antiseptikum, z. B. mit Jod, nötig
und ausreichend.